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Full text of "Die evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts. Hrsg. von Emil Sehling, fortgeführt vom Institut für Evangelisches Kirchenrecht der Evangelischen Kirche in Deutschland zu Göttingen"

CENTRE 
for 
REFORMATION 
and 
RENAISSANCE 
STUDIES 

VICTORIA 
UNIVERSITY 

T O R O N T O 



DIE EVANGELISCHEN 

KIR C HENOR D NUN GEN 

DES XV|. JAHR||UNDERTS. 

IIERAU,GEGEI,LN 

VON 

Dn. JUR. EM]L SEHLING, 
UNIVERSIT,TSPROFESSOR IN ERLkNGEN. 

VIERTER BANI). 

DAS HERZ[}GTHU)I PREISSEN.  I'[}LEN.  i}IE EHE)IALS 
POLNISCïlEN LANDESTHEILE DES KiNIGREil'HS PREUSSEN.- 
DAS HEP, ZIGTHUM PO)I)IERN. 

(). R. 

LEIPZIG, 
RE]SLAND. 
1911. 



DIE EVANGELISCHEN 

KIRCHENORDNUNGEN 

DES XVI. JAHRIIUNDERTS. 

DR. 

HERA U,SGE(EBEN 

V« N 

.JuR. EMIL SEHLING, 
UNIVERSITTS-PROI:'E.'.OR IN ERLANGEN. 

DAS HERZ }GrH[)I PREUSSE 
POLNISCIlEN LANDESTHEILE DES 

Pi}LEN.  DIE EHEMALS 
Ki)NIGREICHS PREUSSEN. 

DAS H ERZi }GTH UM 

LEIPZIG, 

P(})DIERN. 

o. R. REISLAND. 

1911. 

,I 



Vorwort. 

Der vorliegende vierte Band dieser seit ihrem dritten Bande unter allernidigster 
Subvention 
Seiner Majestit des deutschen Kaisers 
erscheinenden Ausgabe der Evangelischen Kirchenordnungen «les 11;. Jahrhunderts umfasst drei 
Gebiete: Das Herzogthum Preussen. Polen und P.mmern, umi bringt datait die Stammlande 
des KiSnigreichs Preussen zum Abschlusse. 
Da aber die heutigen politischen {renzen frit unser Werk nicht massgebemi sind, so 
greift der vorliegemle Banal tiber die Grenzen Preussens hinaus; insbesondere veranlasste bei Polen 
die Rticksicht auf die allgemeine Entwi«kelung ein Herbergreifeu in das h(.utige ("sterreiç.h und 
Russland; so gelangen dem auch die allgemeinen evangelis«heu kirchli«lwu (hdnungen fth" «las 
gesammte damalige Folen zum Ab(h'ucke. ['rsprïmglich war geplant, die kirchliche Entwicke- 
lung der (jetzt russischen} Herzogthiimer Livland, Estland und K(rland uoch in diesem Bande 
unterzubringen; aus iusseren Griinden wurde davon Abstand gen,mmen; sie we'den daher 
den Band V erSffnen. 
Der vierte Banal bringt ira (;anzen 12[; Stticke zum Abdruck, 12 davon in Regestenform. 
Von diesen sind 69 erstmalig aus den Archiven und 14 nach seltenen allen Dru«ken er.tma]ig 
wieder abgedruckt. Die Sammlung von llichter enthilt 14 Stficke. 
Die Ausgestaltung ist die gleiche wie in den frtheren Biinden; die zu den I',egistern 
geiusserten Wfinsche eines hochgeehrten Herrn Heferenten haben Be't('ksichtigung gefunden. 
Ich habe bei diesem Bande wiedcr die dankenswertheste ['ntersttitzung zahlreicher 
{elehrter und Kenner erfahren. Ich sprcche ihnen auch an dieser Stelle meinen wiirmsten 
Dank aus; ira Werke selbst sind an den entsprechenden Stellen ihre Namen genanut. Ganz 
besonderea Dank schuhle ich den hochverehrteu Herren V.rstiinden der KSniglicheu Staats- 
archive zu Ki)nigsberg, Danzig, Stettin, l'o.en und Breslau; d«r Stadtarchive zu Danzig, 
Stettin, Elbing, Thorn, Konitz, Graudenz ; des Archives «les [;eistlichen Ministeriums zu Danzig; 
der Pfarrarchive zu Lissa, Fraustadt, I)auzig Marieukirche). Sl,lp. Rhgenwalde, Bergen Super- 
intendentur-Archiv), Colzow auf llsedom u. s. w. 
Erlangen, ira Mai 1911. 
Emil Sehling. 



! n]a]t,iibersieht. 
IDie ('ingel, lanlmertcn aral,is«hen Zalllen bedeuten di ,";citcll.] 

Litteratur (3). Urnfang des deutschen I»l'densgebietes(4. Ant'nge d'r Ref, rmation; St«-llung des lloch- 
meisters _Albrecht von Brandenburg; f'orre.,i,,i,denz des Ilochmeistcrs mit i.uther. N arnberg, d«.n Mark- 
grafen von Brandenburg; I:irldtte fier einen lutherischen Geistlichcn zu Baiersdorf bei Erlang,.n (4). 
Bewegung in den Stdten; I*ie Bi««.h6fe fuhren die neue Lehre ein; [tas erste lef0,rmation.,mandat 1524: 
K«,nigberg; Iraunsberg; Unterdriickung der lb.formation in Elneland; Verhaltniss der Bis«h«,te zum 
ll«,,-hmeister (). Die Yert'asung wird eit,«, l,is«hSfliche; Erste trdnunen der Bisch«fe dem l.and- 
tage vorgelegt; Este Iestaltung des I;ottesdienstes; Landesordnung (ri). Bockheiligel; Visitati,m 
1.52; Gesangbuch ; Weitere I»rdnungen ; S 3 noden zu Yisitationszweeken (7). Landessynode. l'r«xinzial- 
synode, Yerordnungen; Dogmati.cher Leitfaden; Articuli ceremoniarum (8). Visitati,nen von 1533, 
15:8 19), 1541 (Registrirung des VermSgens); Steuer zur Aufriehtung eines l'artikulars, d. h. einer 
Schule; Visitation 1542, 1543; Visitationsmaldat der Biseh, ffe; (siander., (;uta«hten iit,r eill Visi- 
tationsgutachten, 1551 {!0). »siandrische Streitigkciten; Visitationen von 1562, 1564, 1565. 1568, 1569; 
Auszug aus dem Visitationsrezess fiir Fist.hhausen; St..'tlbl'e,.ht {ll). Visitations-Rezesse von 1569 
(Bemerkungen iii,er ('t»llekten), 157.5, 1576 (13). 1576, 1577 (Verendung der '«|lvkten. Bestrafung 
{;ottesdienstversiumniss mit {;eld, ('atechismns) (14). Visitati«m von 157 (t,-chied fiir Marienfeld, 
Mtihlhausen. D6bern, H,,henstein ira Au.zuge)15). ¥isitati«nen v,,n 1579, 15bl. 15,2, 1.584. 1.',5: Landes- 
herrli«hes Mandat von 15.v4 (16). Visitati-is-Abschied 1584 betrifft namentlich die Kirchenrechnungen; 
Formular daftir : Tral,pe ; Visitation 1535 (gegen di,. Wiedertiufer|; Visitation.-Bcri,ht fur dic drei Stadte 
KSnigsberg 1585 (17). Bibliotheks-]-egister; I:egrhlmissordnnng; S('hulpl/ilm; Visitationen vtm 1.5,$6. 
1590; Charakteristik der Visitati«men; Keine {;ermanisicrungsbestrebungen 15'). S«,rge fur l'olen und 
B,,hmen; Sorge fiir ('atechismus, Kirchenbesuch. I:tirsorge fiir alte l'farrer und Pthrrrelikten; 
Kirchenrechnnngen; Kirchenregister; Kirt.henbu(.her; Synoden; Schwenckfeld; Finanzielle Lage dcr 
Geistlichen; Landesordnung von 1.540; lleidnische Gebraut.he; Eherecht; Verwandteneht'n: Mandat 
1543 (20). {.trdinationsformular; Eidesformel; Kirchenordnung 1544 (21). B,,hmisclle Emigranten; 
Interim; Choral-Melodienbuch; Evangclisirung der ni(.ht-deuts(.hen Unterth;tnen (22). {'atechismus in 
preussischer Sprache; Sorge ftir die Lithauer; Reformirte Striimung; »siander; Kirchenordnungs- 
versuch von 1558; Melanchthons Mitwirkung (23, 24). Abhandhlng «,n l'rofessor Bchm; Corpus 
d«ctrinae 15fi7; Repetitio corporis d»ctrinae 1570; Ncue Kir«h«,nt, rdnung 1568; T-lken 25). Ver- 
fassung der Kirche: BischSfe, Offizial, {'onsistorinm; Verhaltniss zum l.and».,herrn (25, 26). 
s«haffung der bischiiflirhen Verfassung; Widerstand der Stinde; ..Von Erwchhmg d,.r beiden Bist'hoff. 
15fi8" (26). Herzog Albrecht stirbt 1568; Regierungszeit All,.rt l"riedrichs, l.',t;9: Ver:uch, die 
Bisch5fe abzuschaffen; W'iderstand dcr Stinde; 1587 werden aber z'ei Consistorien el'l'irhtct; Einzelne 
Ordnungen von 1577, 1581, 1589 (27). Zwei Mandate in lithauischer Sprache; Sorge ftir die Schule; 
[rdinationszeugniss des Bischofs Wiegand 
Dîe Kirehenordnungen ...................... 
l. Themata episcopi Risenburgensis 1525 ................. 29 
2. Artikel der Ceremonien und anderer Kirchenordnung von 1525 ............. :10 
3. Etliche ausgezogen artikel aus gemeiner landsordnung des herzogthuIn., Preussen .... 



VI Il Inhaltstibersicht. 
8eit 
4. Visitations-Instruktion 1526 ............................ 41 
5. Visitations-Instruktion 1.528 .............................. 42 
6. Eiscopale Mandatum 1539 ................................. 45 
7. Artikel von erwehmg und underhaltung der pfarrer, kirchenvisitation und was dem allen 
zugehirig, ira fiirstenthum i'reussen uf gehaltener tagfahrt Michaelis ira jar 1.540 einhellig 
beschlossen. 1540 ..................................... 47 
. Artikel durch furstliche durchleuchtigkeit saint gemeiner landschaft beschlossen. 1540 .... 5,3 
9. Verordnung gegen aherglaubische Missbriiuche. 1541 .................... 56 
10. a) Fiirstlicher beveh.h, in welchem das volk zu gottesfurcht u. s. w. vermant wirt. 154:$ . . . 57 
b) Rundschreiben zut Vollziehung des vorstehenden Befehls. 1543 ............. 
11. Eides- und rdinations-Formulare. 154:5 ......................... 61 
12. Ordenung vom eusserlichen gotsdienst. 1544 ........................ 
13. Kirchenordnung und ceremonien. 156 .......................... 72 
14. Von erwehlung der beiden bischofl: 1568 ....................... 107 
15. Kirchenzuchts-Mandat. 151 ....................... 122 
16. Consistorialordnung. 1584 .................. 123 
,'4lidlc md O,'tschaflen ................................. 1:$8 
Bartenstein .................................. 1: 
'zichen ........................................ 139 
17. Visitations-Abs['hied. 1.51 ................................. 139 
llermsd,,rf (Kreis Preussisch-I[,,ttand). Pfliçhten des chulmeisters; B:tglcke. . . 140 
l|.lland ................................... 14o 
1_. Visitations-Abschied. 157 .......................... 
lnsterburg. Erzl,riester; ]nspekfionsgebtihren; Kirchenrechnungen; Visitationen; Grtindung von 
[emeinden im Lithauis«hen; Verthcihmg der Einktinfte ................... 141 
K 6 n i g s b e r g. Briesmann ; Einfuhrung der Re_formation ; Armenordnung 1524 ; Amandus ; Forderungen 
der Gemeinde; Meurer; Pfarr-Emeritenordnung; Begrabnissordnungen ............ 142 
19. [rdnung des gemeinen kastens. 1524 .......................... 143 
20. Visitations-Abs[-hicd fiir K,»nigsberg-l.,Jbenicht. 1585 ....... 144 

21. Begrabniss-{h'dnung. 155 ............ 
Lyck .............. 
22. Abschied. 1579 .... 
Marggrabowa ........ 
23. Gottesdienstol-dnung. 1581. 
Marienwerder ............... 
24. Confirmation der tadt Marienwerder. 158t ........... 
M e n e l. 3Iinisterium; Lithauis«her Geistlichcr; {}rdnung der Accidentalien 
MUhlhausen (Kreis Preussisch-llolland) ............. 
eudorfchen ............... 

Osterode ........... 
25. Visitations-Abschied. 1576. 
Sensburg ............ 
26. Gottesdienstordnung. 1581. 
o I d au ............. 
27. Visitations-Abs«hied. 1587. 
Zinten .............. 
28. Visitations-Abschied. 154.. 

...... 145 
...... 147 
.................. 147 
............. 149 
.............. 149 
.......... 150 
........ 150 
150 
....... 150 
............ 151 
...................... 151 
............ 151 
.............. 151 
..... 151 
.............. 152 
................. 152 
............. 1.52 
........ 153 

Polen. Die ehemals I,olnisehon Lande,theile «les K6nigreich. Preussen. 
A. Das friihere Orden.gehiet ......... . ........ 157 
Litteratur 
.......................................... 1.57 
I. Das Ermeland. Eindringen der Reformation in Ermeland, besonders in Frauenburg, Brauns- 
berg (157), Guttstedt, Elbing (158). 
11. I»er Palatinat -Iarienburg. ]eformation, speziell in Marienburg; Religionsprivilegien; Landes- 
ordnung for die beiden Werder mit luxus-polizeilichen Bestimmungen (158). 



Inhaltsfibersicht. IOE 
S«.ito 

III. Pomerellen und lletzedistrikt. Sch6neck, Konitz, Mewe, Hela, Stargard, Dirschau (Willktir 
von 1599), Schlochau u. s. w. (159). 
IV. Der t'alatinat Cuire. Reformation, insbesondere in Thorn (160). 
Di« StKdte ......................... le,0 
D a n z i g .......................................... 160 
I,ittcratuv (160). (,echi«'hte der Stadt: Atd'iinge der li,.formation; Amandus (161L Aufruhr 1525; 
Armenordnung 1525; Kir«henregimcnt des lath (161). l'nklare l'eri«,de bis 1557 K6nig Siis- 
mnnd; Danzig, Thorn, Elbing gehen gemeinsam vor, 1557; Re]igionsprivi]egien {16z¢). Erste 
rdnnngen (162). Ges.hi«'hte der ersten Agende 1557 (163, 164. 165, 166, 167). I»rangen der 
lhtrgerst'ha|'t (167' Kir«hliche Verfassung; Kittel und Veidner 167). (i«ttesdienst,rdnungen 
15t;7 (167). ].'eiertagsordttnng {168). Entwurf einer Kirchewrdnung lAuszttg) (166, 169). Kirchen- 
ordinanz (169). In den ('erenmnien Fe.thalten «cm Hergebrat'hte datcinisc]te pra«.h«)[170). 
P, athsordmmgen Kir('h:nç)rdmmg (170, 171). S,'hul'«esen {171). |.ehrstreitigkeiten 
1562. Decret 1556)(lïl, 172). tlviormirtv Gemeinden; Ehere,-ht; Kirchenzucht; Iiegiment des 
làathes; Ministerium: [vdinati,neu (172. lï3). V,.rpflichtungen der Kir,'henvater (17;). Armen- 
nrdnungen, 152.5, 1551 1173). KSstvn,rdnungen (174). Begrabnissç)rdnung; ()rdnungen iïr 
btadt l]ela, fhr den Stublauschen XXerder, ftir die D,,rfschaften (174.. rdnungen des 17. Jahr- 
hunderts ; Prediger-Wittwen- Kasten (17.-',). 
29. Armenordnung. 1525 ................... 175 
30. Armenordnung. 15,51 176 
31. Kirchenordnung. 1557. 181 
32. Kï, stenordnung. 1564 .................. 1,1 
33. (;ottesdienstordnung fttr die Marionkirche. 1567 ...... 16 
:. Kir«henordinanz. 1570 ............... 1.8 
35. Ch«,r-Ordnung. 1572 ................ 191 
36. Raths-Abschied. 1573 ....... 191 
37. Begrbnissordnung. 1578 ...... 191 
38. Decret des Senats. 1586 .................. 191 
39. u. 40. Die Kiistenordnungen von 1590 und 1595 . 192 
41. Kirchenordnung. 1612 ....................... 197 
42. Kirchenordnung fiir den Stuldaus,'hen V erder. 152 . . 218 
43. Verordnung fiir die Stadt Hela. 1583 ............ "220 
44. Kirchenordnung fur das Land. 1581 ...... 2"21 
Elbing ............................................ 22 
Reformation; Bienwald; Gnaphaeus; Rvligionsprivilêg 
Neogeorgius; Bochmann (2'22, 223). 
45. Bedenken des Btirgermeisters Helwing. 1570.. o23 
Thorn ............................................. o25 
Reformationgeschchte; Ant,,n Bodcn-tei; leligioplivileg; kirchenordnung (225). .',treitig- 
keiten unter den Geistli('hên, auch gegen den Rath; Ai,setzung des ganzen Ministeriums; Ein- 
gaben an den Rath wegen der Kirchenordnung (226). Ministerium; .qeni«,r ministerii; lrdnung, 
157.5; Verschiedene Ordnungen des Raths {2"27. 22.). ;el,ete, insbesondere auch fur den 
Landesherrn (228); Eherecht (')28). 
46. Kirchenordnung. (Zwischen 1560 und 1.570) ............. o.28 
47. Kirchenordnung. 1575 ................ 233 
48. Kirchenordnung. 1.599 ..... 244 
B. Da8 Grossherzogthum Poson ................................ 246 
Litteratur (246, 247). Reformati,ngecIti,-hte i .tellung des Lande.herrn; Luthcram:t', l(et,»rmirte, 
Bi)hmische Briidergemeindet,; Vereinigung dot letzteren, 155.5; Sozinianismus; Ecclesia minor; Uni- 
tarier; Zusammenschluss der Lutheraner, Iief,,rmirten nntl l;rtidergemeinden; Synode zu Sendomir 
1570 248). .)'node zu l'osen 1570 tmd sl,atere Generah, yno,len 1249). Versuch einer Vereinigung mit 
den Griechen (250). Kirchliche Rechtsi,ildung. ftihrt in Folge der eigenartigen politischen Verhfiit- 
hisse zu Synoden; Verfassung. A. der Reformirten; S)n-den; .cni,)ren (250. l;ezirkssynoden. 
Provinzialsynoden, Genera|synoden 1256). Iie kleinl,olnischen .vnodvn 1251). Iie b«,hmischen Brider: 
ihre Organisation (251). Die lutherische Kirche (251, 252). Die Zusantmenfassung der drei Bekennt- 
hisse; Das oberste kirchliche f)rgan fth" allc: Dio allgomt.inc Synode (2.-»2). Vorschlage «ur Ein- 
ftihrung einheit|icher Agendvn [K,ilner Rvformation; Francis«us tan«.artt); In Bezug atd I}l'dnttngcit 
S h I ing, Kirchenordnuogon. IV. II 



 InhMtsiibersicht. 

Seite 

gr6sste Freiheit; Religionsprivilegien der Edelleute (253, 254). Ordnungen der Stdte, Fraustadt; 
Die ichtigstn Stidte und ihre lef,»rmationsge.«'hichte {254, 255, 256) Ordnung der b6hmischen 
1;rtldcr; hdinationen (256). I»«|isches Kirrhcnlicd (256). Religionsprivilegien in biihmischer Sprache 
ftlr clic bOhmischen Brtlder (257. 
A. Allgemeine Synoden. 
49. Consensus Sendomiriensis. 1570 ................... 257 
50. Synode v«n t'osen. 1570 ........... 259 
51. Synode von Krakau. 1573 . . . 260 
52. Synode von l'etrickau. 1573 . . . . 262 
53. Synode von Wladilaw. 1583 . . 
7,4. Synode von Thon. 1595 ....... 265 
B. ]ie lutheris('h«.n S)noden 
55. Synode von Gostyn. 1565 ........................ 268 
C. Die reformirtn uld b,,hm,chcn S)non Kl«.in-l'olens. 
56. yn«,de von Xions. 1560. A. Auszug aus dem Protokoll ............ 271 
57..yn-de von Xions. 1560. B. Die Conc|usi«,nes ........ 271 
58. Die ('«»nclusiones von ]'in«'zov,. 1561 ....... 272 
D. Die Kirchenordnung d«r Bohlnit-hen BrUder. 
59. [rdo ecclesiasticus in unitate fratrum Bohcmorum. 1616 ........... 27:: 
und Ort..,cha ften ................................... 291 

Fil I1 

et a d t. IAttcratur; lleformationsges,'hichte; l'farl'er Kn,,bloch aus Grhnberg in Schlesien schickt 
einc ..Vcrmahnung", die s«,m Rathe bestS.tigt und erste «rdnung wird; Agenda von 1576; Valerius 
][,.rherger; Man richtet sich nach don sachsischen (rdnungen; Verhliltniss zu Gros-Polen uud 
rhlesien (292). ,Willkiir der chegehibnisse"; Schulwesen; Kirchnbùcher; Arnlenwêsen; 
Kastenordnung (293). 
59. Vermahnung. 1564 .......... 29:: 
60. Kirchenordnung. 1576 ...... _'294 
61. Willkiir der Ehegeliibnisse. 157; 
62. Rathsbesch|uss. 1591 2.7 
asswitz .............. 
63. Priileg. 1573 ........... ".7 
issa ........... 
64. Privileg. 1580 .......... 
strorog ............... :299 
65. Privileg. 1569.. 

L 
L 

Das Herzogthum Pommern. 
l.itteratur {303, :),04). t',»litis«he ,e-chichte (:),0t). Anfiinge der Reformation: Stelhmg des Landes- 
herrn (:J04). Berufung Bugcnhagens; Landtag zu Trcptow a. d. Rega 1534; Verhdltniss des Landtags- 
Abschids zut 0rdnung Bugenhagens (300. Die (hdnnng Bugenhagen's; Die Ordinatio (:¢06). Erste 
Vi,itation 1535 Widrstand des Ade|s uud der Stadte; Viitations-Ahschiede (306, 307, 30S). Ge- 
staltung der kirchlichen Verfassung: Verhalten cicr kath»lischen Bisch6e vereitelt die Episkopal- 
Verfassung (308). Sul,erintendentur-, erfa.,ung (308, 309). Die Superintendcnten und Inspektoren (309). 
Auïsi«ht: V¢ittwen-Versorgung, V(ittwen-Conservirung; |nhalt der Visitationen [309). I)ie ¥isitationcn 
v«»ll 1535--159 und lhre Abschiedc (310--313). Wider.tand der Stidte (313, 314), des Adels (315. 
Ab«hiede und Anordnungen d«.r Vi,itatoren {:!5. Die pecial- oder Particular-Synoden (316). 
Thitigkeit Knipstro's (:16), Runge's (:;16). Particular-Synod«,n der Landgei.qlichkeit (317). Rechtliche 
tellung «les Lehr:tandes (317, 31) und landeshrrliches Regiment (31). ['onsistorial-Verfassung 
(31, 319}. Wider.,tand d,,r .tadte gegen ihre Einfùhrung; t'er-)uliches Regieren des Landesherrn 
(:119). ]ç,r K ruse'sche ['onflikt (320). Interim (320). Lehrstreitigkeiten (320). DieThesen Berg's(321). 
('ol.pus doctrinae (3Ol). Geschichte der Kirchenordnungen: 1542 (322). [rdnung von 1557 (322). ]e- 
vision der Kirchenordnung; Gutachten; Berathungen; Bedenken Punge's (323, tiber die Stellung der 
• upcrintendenten). Druck von 1563; Viele Druckfehler; Neue Bedenken Runge's (324). Neuere Be- 
rathungen; Neuer Drm'k 1.369; Abf.assung einer Agende (325, 326). Druck: 1569; Kritik (326). Aus- 
dehmlng auf Lauenburg nnd Biitow (326. Weitere [rdnungen: Consistorial-Instruktion 1569; 



Inhaltsfil«,rsicht. X 
Soit0. 
Statuta synodica; Leges praepositi e««lesiarunl praescriptae f327). Kirchenzuchtordmmg; I"orma der 
gemeinen Beichte (327). Herzogliche Mandate; Klosterordmmg; Kit« henb(«-her; Schul.rdnungen 
Di Kirehenordnung'n Pollllllpl'llS ..................... 
66. Kirchenordnung. 1.55 .......................... 
6"/. Pia et vere cath«»lica ordinado. 1535 ........................... 344 
68. tterzog Barnim's IX. Mandat, wider die Veriusserung kirvhlivhvr I;titcr. 1540 . . . 353 
69. Kirchenordnung. 1542 ............................. 354 
70. Gedechtnus-zeddcl und ordcnung der kil'«hvn-visitati«»n in Treptow u. s.w. 1547. ::70 
"H. Visitationsverordnung. Nach 1556 ................ :71 
72. Verordnung des Herzogs Barnim. 1557. ::74 
73. Kir«henordnung von 1563 ......... 375 
74. Visitations-Ausschreiben. 1568 ............ ::'5 
75. Kirchenordnung. 1569 ........... ::76 
76. Agenda. 1569 ........... 419 
7". Consistorial-lnstruktion. 1569 ..... 
"8. Statuta synodica. 1574 ............... 4.5 
79. Leges praepositis ecclesiarum praescripta. 1591 .... 492 
80. Forma der gemeinen bei«ht .............. 494 
Die St':idte und Orts,-hal't,-n ..... 44 
Anrlam ........................................ 494 
Visitationen; Stellun des erstJ,n Sta«hpfarrers; ammlungvn in der Kirvhe fur 'ers('hiedênc 
Zwevke; Klagen tiher den Halh raid die welfliJ.he l:evhtspre«-hung {495). 
.1. Visitations-Ah¢«.hied. 15:¢5 ........ 495 
,2. Visitations-Abschivd. 1572 ............. 497 
Barth. Visitation; Sn«»de zu Barth wegpn h'rlehre ...... -t97 
83. Abschied von 1536 .................... 4: 
C o I b e r g ............... 5o0 
84. Klosterrdnung vn 1586 .... 
Gollnow ........................... 507 
85. Abschied von 1537.. 507 
86. Abschied von 1595 ..................................... 509 
Greifswald. Reformation: Verm5ensesen; Visitationen; Selb.,tandigkeit der Stadt gegen dit 
IIerv)ge; Besetzung der kir(.hlichen Stel|en ........................ 510 
87. Abschied von 1535 ..................................... 511 
88. Vertrag zwischen Herzog und Stad! wegen dr Superintendenz und der P, esetzung der kir,.h- 
lichen Stellen. 1553 .................................... 513 

Lassan ............. 
89. Kirch.piei-Ordnung von 1563. 
Lindow ........... 
90. Matrikel. 1571 . . 
Pasewalk .......... 
91. Abs('hied von 1535 .... 
Pyritz ............. 
92. Abschied von 1539 ..... 

........ 515 
........... 515 
................ 516 
.................... 516 
........... 517 
..... • -,17 
.... 519 
519 

93. Visitati«n.ordnung von 15:56 .............................. 519 
targard. Ablehnung der herzoglichen Visitati«nen; Strcit um Besetzungsfragcn; l'rotest desha}b; 
Ahschiede ........................................ 519 
94. Visitations-Abschied. 1596 ............................... 520 
95. Kirchenstuhlordmlng. 1596 ................................. 50 
t e t t i n. Reformationsgeschi«hte ; Widerstand gegen die Visitation ; Abmavhungen luit dem Iterzoge; 
Nicht gerichtlich verlautbarte Verlïigungen zu Gunsten der Kirvhe: Zuriickweisung des l'ro- 
testes der Sttdte gegen die Visitation; Corr[..,pondenz mit Stral.und und ,";targard Kampf um 
[las Besetzungsrecht; Visitationen ............................. 51 
96. Visitations-Abschied. 1535 ............................... 523 
97. Verhandlungen des Ilerzogs Barnim mit dem Rath zu Stettin. ]/,::9 ........ 529 
98. Auszug aus der Matrikel. 1540 .................... 529 
99. Consistorial-i;eschluss von 1573 .............................. 
Il* 



\TT 

Inhaltsfibersicht. 
Seite 
99. ('onsistorial-Beschluss von 1573 ................... 530 
531 
100. Visitations-Abs«hied vom 10. Mai 1.573 ......................... 
oll). Antànge der Reformation; Amandus; Visitationcn ............ 534 
101. Auszug aus der Visitation von 1535 ............................ 535 

536 
102. AI)schied von 1571 .................................. 
103. Abschied von 1590 ........................ 53OE 
Stralsund ........................... 540 
Selhsthndigkeit der Stadt ((_,hrttian Ktelhodt); Aepinus verfa»st 1525 die Kirchen- und Schul- 
«rduung (540). Zusttze; Wid«,rstand gen die herzoglichen Visitationen; Verordnung Bugen- 
hagen's; hderim; Tag zu Lai)et.k; Neue Ordnung durch Knipstro und die ;eistlichen; 
Stelhmg zur Landes-Kirchenordnung; Conflikt zwischen Synodus und Rath 541. Krusius und 
der Stralstnder Kir«h«.nstreit; llochzeitsordnungen; Schul- und Armenesen (542. 
Kir«'hen- und .qchulordnung. 1525 ........................ 
Kirchen- nnd Schulordnung. 1.525. Publikationsbefehl «les Rathes • . 
Anh:,ng zur l(il'chen- und Schulordnung. 1525... 

104. 
105. 
106. 
lOï. 
108. 

Visitations-l[ezess. 1525 ...... 
Entwurf einer Kirchenordnung. 1555 
lo9. Kleider- und I[ochzeitsordnung. 1570 .... 
Treptow a. d. l.ega. Visitationen; Schulordnung. 
Usedom ................... 
110. Matl'il, el von 1577 
Wollin ............ 
111. ,isitations-AI)s,hied. 1535 

542 
.545 
.547 
550 
552 
553 
553 
553 
55:» 

555 

555 
..... 556 
................... 558 
................... 562 



DAS HERZOGTHUM PREUSSEN. 

8ehling. Kirchenordnungen. IV. 1 



EINLEITUNG. 

ltilfsn, ittel : Col 1,. El, isc«q,O-Pl.esbyter«dogia Pl'ussico-P, egiom«,ntana 17,25--1;5.;. Ki)nigs- 
herg 1657; Rohde, Verzeichniss der ehelltaligên samliindisehen und i,(,lnes«fischen Bisch6fe, 
wie auch aller evangelischen l'rediger zu KOnigsherg. Leil,zig 17){t: Pastenacci, Kurz- 
gefasste historische lX'achricllten von allen iln K/)nigreiche l'reusscn I,.stehendên Kirchen uld 
Predigern. K5nigsl,erg 1757; A rn o l dt, achrichten w,n allen seit ciel" l:ef«»l'mati«m in den 
lutherischen Kirchen in ()stpreusselt gestan,lenen Predigern. Kt)ni,.-sl,erg 1777; Nachrichten 
von Preuss. Kirchelol'dnunge_n. 1724; IWald, Beitriige zur Gesch. der l,reussischen [;esetz- 
gebung in Kirchen- und S(:huisachen. Verzeichniss ,ler Verordlungel von 1.',23--1742. l'rogranm 
K5nigsberg 1.'S_l; Hennig, I)e c»nsiituti»nibus ecclesiasticis l,uthel;m,l-Um in B«,russia a 
teml,ore Reformati,,nis us,lue ad nsttam aetatem. Pl'Ogl'annm ,let" All,ertina 1St3. 
.loh. Voigt, Geschichte l'reussens. Bd. IX. K/)nigsberg ls27ff.; v. Kalnptz, l'rovinzial- 
und statutarische Rechte in der preussischen M,mal'chie. Bd. ]..'5_'. "3.t ff. Bel'lin 12;: Hal't- 
knoch, Preuss. Kirchelhist«l'ie. Fraltkful't a..Main u. l.eil,zig 1;¢[;; I)erselhe, Altes un,! 
neues Pl'eUSSen. Frankfurt u. Leipzig 1,;4; Nicolovius, Die t, is«hi;fi. Wurde in l'reussens 
evangelischer Kirche. K6nigsberg 1834 ; J a c o b s o n. Gesch. der tuellen des evang. Kirchenrechts 
des Preussischen Staates. Bd. 2. Kiinigsherg ls3tt; S te, rcll, Leben des l'omesan. Bisclmfs (_;eOlg 
v«n Venediger. ira Preuss. t'rovilzial-Kil-chenhl. 1 (1.'3.q.S. 7.ff.; I. asl, eyres. (;esc'll. und 
heutige Verfassung d.r kathol. Kirche l'reussens. Halle 184[t: Topi, en, [;l'Cmdung der l'ni- 
versitiit K/)nigsberg. 1,44 ; C o s a c k, Paul SI,eratus. Braunschweig I s;1 ; T s c h a c k e r t. Paul 
Speratus. Halle 1891. (Scht-iften des Vereins far ICeformations-Geschichtet. Zu Sl)eratus vgi. 
auch Zeitschr. des Vereins far den Regierungsbezirk Mtl'ieuwerdel'. Heft 21 1,'_71, S. 5ff.; 
E r d ru a n n, Altpreussisches Kil'chc nbuch. K6nigsl,el'g 1861 ; F. S. B o c k, Lel,en Ail,rechts (les 
Xlteren. K6nigsberg 1754" T s c h ci c k e r t, lef«rlnati«,nsgesch, des Ilel'z«,gthums Pl'eUSSell, nebst 
Urkundenbuch ZUl" Reformationsgesch. des Hc.rzogthulns l'reussen, in ,I'ul)lik«ti,,nel «tus ,len 
Preuss. Staatsarchiven", Bd. 4:2,. Leipzig 1:,. 1. Bd. Einl., 2. und 3. Bd. [lrkunden bis 1549. 
D e rse 1 be, I-Ierzog Alhrecht, in chl'iften des Vel'eins fur Rt, f«,rlmtti,»nsgesch. Sr. 47, ; tl e n o c h, 
Agathon, Chronik und Statistik d'r evangel. Kirchen in rien l'rovinzc.n (st- und Wes/i,reussel. 
Neidenburg l.tit. Zahh-eiche Aufslitze in: lq't'uss, l'rov.-Bliilter, .Neue l'l'euss. Pr,v.-1;liittcr Ihis 
18tjt.;), Altpreuss. Monatsschrift. Vgl. auch die Litteratur zu rien einzelnen ttdtell. 
Archi'e: Staats-Archiv Ki;nigsl,erg; Kirchen-Archive. lilas El'gel,liss einer offiziellen 
Rundfrage des Consistoriums an Siilnmtliehe l'ftl'reien Ostl,reussens ist ira Rel,ertol'iUln \-. 15 
ira St.-A. KSnigsberg zusammengestellt WOld,.n, al,er unr ein Theil (let" Archivalien ist ira 
St.-A. deponirt.) Bul'ggr/iflich Dohna'sches und Griiflich Dohta'sches Maj«,rats-Al'chiv zu Schidien ; 
Pfarr-Archiv zu Marienwerder; Raths-Al'chiv Insterburg. 
1" 



4 Das Herzogthum Preussên. 

I. eit dem Frieden zu Thorn v«ml 19. Oktober 1466 umfasste das Gebiet des Deutschen 
[)rdens das ganze Bisthum Samland und den grSsseren Theil von Polnesanien, wfihrend das 
Palatinat Marienhurg, die DiScesen Leslau, Ermeland und Culm unter Polen standen. Das 
Ordensgebiet bildeten also die heutige Provinz Ostpreussen ohne das Ermeland, und von dem 
heutigen Westpreussen die Kreise Rosenbel'g und Marienwerder. 
Der Bischof von Samland, Georg von Polentz, war der Reformation ebenso geneigt 
wie der Markgraf Albrecht von Hohenzollern, der seit 1511 Hochmeister des Deutschen 
Ordens war. 
Herzog Albrecht war schon seit 1522 far die neue Lehre gew«nnen. In einem Sendschreiben 
,an die Herren Deutschen Ordens" vom 28, Mirz 1523 hatte Luther ernste Worte an den 
(rden gerichtet. Seit 1523 pfiog der Hochmeister mit Luther eine rege Correspondenz, welche 
bis 1525 einen geheimen Charakter trug. Vgl. dartber Voigt, Gesch. Preussens 4, 687, 688 
d e W e t t e, Luthers Briefe Bd. 2; T s c h a c k e r t, ReIbrmationsgesch. des Herzogthums Preussen 
(Publik. aus preuss. Staats-Archiven Bd. 43) Bd. 1, S. 23 ff. (Leipzig l.qo und die dazu ge- 
h0rigen Citate ira Urkundenbuch; Tschackert, Zut Correspondenz Luthers, in Zeitschr. f. 
Kirchengesch. 1.(, S. 274 ff., 62; vgl. ferner die Aufsiitze ira Pl'euss. Prv.-Kirchenbl. 2, 2ol ff., 
, 1 ff. (Correspondenz Ilerzog Albrechts mit Luther. Melanchthon und Sabinus); T s c h a c k e r t, 
Herzog Albrecht in Schriften des Ver. f. Reformationsgesch. Nr. 45 S. 15 ff. In regem Brief- 
verkehr stand der Herzog auch mit den Ntrnbergern. (Vgl. den interessanteu Brief des Hoch- 
lneisters an Hieronvlnus Ebner und Caspar Nïtzel in Ntrnberg vom 16. Juli 1524, worin der 
Herzog fur die lnitgetheilten Nachrichten dankt und ther den (]ang der Religionsverhandlungen 
zu Regensburg berichtet, auch die Regensburger Beschlfisse in Abschrift beiftigt.) 
Wie verdfichtig ciel" Itochmeister bereits 1524 dem Papste erschien, kann man aus einem 
Berichte des Markgrafen Johann Albrecht an den Hochmeister. datirt ROln. Freitag vor Judica 
d. i. ll. Miirz)1524, entnehlnen (Staats-Archiv KSnigsberg. Briefarchiv der d. Ordenszeit 1524. 
ll. Mirz. Schr. 4, S. 22). 
Der Brief des Markgrafen Johann Albrecht an den Markgrafen Casimir, datirt Rom, 
12. Sept. 1524 (Staats-Archiv KSnigsberg, Brief-Al'chiv der d. Ordenszeit 1524. 12. Sept. Rom. 
XII. 3) verzeichnet das Gerticht, der Hochmeister w«.lle lutherisch werden und sich verheirathen. 
Und ara 24. Sept. 1524 teilt Markgraf Johann Albrecht dem Hochmeister die Ungnade des 
Papstes wegen der Ausbreitung der lutherischen Lehre ira f)rdenslande mit. (Vg|. Staats-Archiv 
K0nigsberg. Brief-Archiv der d. Ordenszeit. 1522--1525. 1524. 24. Sept. Rom. XII. 14. Auf 
diese Gertchte und die datait in Zusammenhang stehendeu Angelegenheiten beziehen sich 
allerlei weitere Schreiben aus den Jahren 1524 und 1525 iln Staats-Al-chive zu Kt)nigsberg. 
Briefarchiv der d. Ordenszeit. So des Grafen Gabriel zu Ortensburg, d. d. Wien, 16. Septbr. 
1524 (cit. loc. B. 126), der seine Bemtihungen bei Erzherzog Ferdinand ira Interesse des Hoch- 
lneisters wegen dessert Verhaltens in der lutherischen Lehre schildert. Go des Georg Pusch an 
den Hochmeister d. d. Rom, vom 8. April 1525 (cit. loc. II. 147). Und eine rege Correspondenz 
bestand zwischen rien verschiedenen Hohenzollernschen Ffirsten tiber diese Angelegenheit, vgl. 
z. B. Staats-Archiv KSnigsberg. Briefarchiv der d. Ordenszeit. 1524. Oct. 2;, Brief des Mark- 
grafen Casimir an den Hochmeister (cit. loc. XII. 85), des Hochmeisters an seinen Bruder 
Johann Albrecht, Coadjutor zu Magdeburg und Halberstadt, d. d. Onolzbach, 27. Sov. 1524, 
das Schl'eiben Georg Voglers au den Hochmeister, vom 15. Miirz 1525 (T s c h a c k e r t, Urkunden- 
buch S. 332}. 
Schon ira Jahre 1524 erschien der Hochmeister als ein Schutzpatron der neuen Lehre. 
So wendet sich ara 8. Septbr. 1524 Hans von Seckendorf. Amtmann zu Baiersdorf bei Erlangen, 
an ihn und bittet um Verwendung fur einen beim Bischofe von Bamberg .on wegen des gottes 
worts" gefangenen Prediger von Forchheim. (Der Brief wird dem Hochmeister offenbar von 



Einleitung.  

der Ehefrau des Geistlichen ïberreich.) (Staats-Archi" KSnigsberg. Briefarchiv der d. Ordens- 
zeit. 1524. 8. September B. 
Ara 16. August 1524 schreibt der Hochmeister an Heinrich von KSnneritz, tlauptmann 
zu Joachimsthal, ïber die Verrichtung Pttugs und Schlicks in BShmen, die dort den 
gelischen drohenden Gefahren und rien evangelischen Stiidtebund zu Spcyer. {£taatsarchiv KSnigs- 
berg. Briefarchiv «|er d. Ordenszeit. 1524, li. August, IXa, ll7, il5.} 
Wiihrend so au der Spiize des Landes sich die Wendung zur neueu Zeii 'orbereitete, 
war die Bewegung auch von unten her in Fluss gekommen. In den Stiidten g5hrte es um 
1523 und 1524 schon bedenklich, besonders in KSnigsberg, wo seit 152:; der von Wittenbçrg 
auf Biiteu nach einem christlichen Prediger entsadte Johannes Briessmann irkte. Ans 
Neidenburg berichtete der Pfieger Friedrich T-uchsess wm Wahlenburg ara 2. Octbr. 1524 tber 
das ,ungebrliche Benemen des poln. Cal,lans" , der den evang. Gottesdienst estSrt habe. 
(Staatsarchiv KSnigsberg. Brieïarchiv dcr d. Ordenszeit. 1524, 2. Octbr. S. auch T sch a c k e r 
Urkundenbuch lU.B.| Nf. 
Der Herzog liess sich tber diese Vorgi(nge eingehend referiren. So ara 26. Febr. 1524 
durch Christoph von Gattenhfen ther die Ausbreitung der Lehre zu Ki3nigsberg. (;edruckt: 
Gebser, Ki3nigsberger Univ.-Programm. Weihn. 1841, ,% ;7.) 
II. Der Boden war vorbereitet. Die Bisch5fe gingen voran. 
In Pomesanien erkliirte sich der Bis¢'hof Erhard von Queiss sofo't nach Se|hem egie- 
rungsantritte 1523 fth- die neue Lehre. 
Am 15. April 1525 bob Albrecht tïh" rien ganzeu Orden die Ordeu,,,gelïflde auf und nahm 
ira Frieden von Krakau, ara .% April 1525, «las ;ebiet von KSnig Sigislnund von l'olen als 
weltliehes, erbliches Herzogthum zu Lehen. 
Ara 215. Januar 1524 erliess Bischof Polentz bereits das erste l',ef'mati»usmaudat, wo- 
nach in Zul, unft deutsch getauft werden solle. Es ist anzunehnlen, dass «las 1.',24 in K6nigs- 
berg gedruckte Taufbiichlein Luthers den l'farr«rn als Formular dabei dienen sollte. Uber 
die Bedeutung diêses Mandates uml die weiteren Refirmen des Bischofs vgl. Tschackert 
1, S. 95; 1, S. 7ff. 
Da KSnigsberg bereits l'fingsten 1524 als evangelische Stadt zu betrachten war. wandte 
(|er Bischof Po]entz seine Ffirsorge rien anderen Stëdteu se|ner Iiiice:-e zu. wie Bartentein. 
Wormditt, Neidenburg. Selbst tlber die Grenzen des Ordens]andes hiuaus ers'[reckte sich die 
neue Bewegung. So wirkte in Braunsberg, welches noch vom l|ochmeister nus der Zeit 
des Po]nischen Krieges ber besetzt wal', eiu evangelischer l'rediger. Nach deln Frieden mit 
Polen mussten a]lerdius die vom Hochmeister besetzten Punkte Ermelamls vieder heraus- 
gegeben werden. Der Bischof w»u Ermeland, Ferber, unterdrilckte die F, eformatiou in se|ner 
Di6cese. Vgl. das strenge Mandat ara 21. Januar 1524. Tschackert 1, S. 74. Daher ,,der 
katho]ische Keil zwi.chen die evang. Gegendcn von K6nigsberg und Marienwerder". 
In l'omeanien public|rte ];ischof Erhad von Queiss Emle 1524 ein P, efiu'mations- 
programm Themata episcopi Rieseuburgenis", we]ches an refl»rluatorischer l;edcutung das 
Reformationsmandat Georg von l'o]entz weit |ihertrifl't und daher als die erste .fric|elle refor- 
matorische Ordnung abgedruckt zu werden verdient (Nf. Il. Tschackert, [T.B. Nf. 3«. 
Tschackert l, S. l(13ff. 
Bischof Polentz trat 1525 seine weltliche Herrschaft an llerzog Albrecht al) uml ldieb 
Bischof mit ausschliesslich kirchlichen Befugnissen. (Iiese bestanden nach eiucr Aufzilhlung 
des spteren Bischofs 'on Pomcsanien, Paul Speratus, in der Verpfiichtung: jlllrlich ,ynoden 
zu halten, Kirchen zu visitiren, irrige Ehesachen zu entscheiden und die Disciplinargewalt fil)er 
alle kirchlichen Beamten auszutlhen, ausgenommen ,grosse Misshandlung, als Dieberei. Brand. 
Mord u. dgl." Tschackert, U.B. Nr. 12152). [ŒEEueiss folgte 1527 diesem Beispicle. 



6 Das IIerzogthum Preussen. 
Datait war die Verfassung der neuen Kirche gegeben, als eine evangelisch-bisch6fliche 
un,er dem Schutze des LandesherrlL An der bestehenden Kirchenverfassung brauchte also 
kaum etwas ge:andert zu werden. Dagegen fehlte es noch an einer festen Ordnung filr Gottes- 
dienst und kirchliches Leben, da die einzelnen lassnahlnen der berleitung in die neue Ord- 
llUIlg (Vg]. T s c h a c k e r t, Reform.-Gesch. 1, S. 76 ff.) natiirlich nicht genligten. 
Eine Verordnung Albrechts vom 6. Juli 1525 leitete die neue ra ein und bereitete 
auf die neuen Ordnungen vor. 
Vgl. zu dieser Ordnung Tschackert, Reform.-Gesch. 1, S. 118, 119; U.B. ]Tr. 371; 
ein Auszug bel Jacobson, Gesch. der Quellen «les Kirchenr. des preuss. Staats, T. I. Bd. II 
(Ki)nigsberg 1839, S. 23. 
Ein Exemplar ,les Druckes ist in der Bibliothek des Staatsarchivs zu K0nigsberg. 
Nf. 17,37, 4 °, 8 B]iitter. Ira AI]gemeinen ist diese erste Verordnung nach Einfiihrung der 
leformati,n polizeilichvr atur, wenn sie auch ira ersten Artikel die Predigt ,les reinen 
Evangelii einschiirft und den Gemeinen dafiir auf]egt, ihre l'farrer zu unterhalten. Ein Ab- 
dru«k ist ail dieser Stelle nicht ni3thig. (ruu(llegende Ordnungen liessen nicht mehr lange 
«tuf sich warten. 
;eorg von l'olentz Ul,l Erhar, I vou (ueiss ha,,en den Auftrag erhalten, ein ulnfassendes 
Kir,'hengesetz ftir den (_;ottesdiest auszmrbeite. Siê fthl'ten diesen Auftrag ..mit rath ihrer 
lnitbrïder, der pl'e, liger zu K0nisl,erg Idallit sind wohl gemeint Briessmaml. Speratus. Poliander; 
xgl. ïd-er diese Tschackert 1. S. 3:ff., 123fl'., :;4sfl. und Bewegung aller Umstiinde" ans, 
und legten die (tl'dliUlg ,leln Landtage vor. Ara 1t. Itezember 1.,25 einslinlmig angenommen, 
wurde sie nach Schluss des Landtags gcdruckt und Miirz 152; publicirt unter deln Titel: 
Artik,l der Cel'em»liien und andrer Kirchenordnun. 
Vgl. 1I a r t k n , c h. l'reussische Kirchenhistoria (Frankful't uml Leipzig 1 ;$6), 2. S. 277 ff. ; 
A r n « I d t, Kurgefasste Kirchen gesch, des Ki:)nigreichs l'reussen I KSnigsberg 17;9), S. 2;3 ff. ; 
(H e n n i g,) De constitutionil,us ecclesiasticis Lutherauoruln in B«russia a teml,ore reformationis 
usque ad lmStl'am aetatem, l'rogr. 1, S. 7 [Regiom. 1.t3); J acobson, (;es, ll. der luellen (les 
evang. Kil'chonr. des l,reuss. Staats. Ki;nigsbel'g 1:_, I, 2 S. 25 ff.; Tschackert 1, S. 12fl'. 
U.B. Nf. 41,. ["ber eine lateinische Ubersetzug von 1.-,30 vgl. Henllig. a. a. il. S. .. 
Der (;ottesdienst ist nach dieser ets,en I)r,inung n»ch stark katholisch; nach Luthers 
Vorschliigen in der Ïbersetzung des Taufl,tichleins, der FOrlnula missae et communionis, und 
der Schrift ,,V«,n der Ol'dnung ,les [;ottesdienstes in ,let elnein,le" VOlt 152:-. ltie Elevation 
I,eiln Abendmahl wurde 1544 abgeschafft Is. unten. IIn Auszuge finale, sich diese Ordnung 
bel Richter 1. S. 2fl'. und Jacobson, NI'. II. Sie soli hier zmu ersten Maie wieder ganz 
abgedruckt werden nach dem I)riginaldruck. Eeml,lar lin Staatsarchiv Kmigsl,el'g, Etats- 
lninisterium :37a. (Nf. 2. Dbriges sind nicht aile Bestilmuungen ,let-tr(lnung iris I.eben 
getreten, z. B. die lectio continua in der Messe nur in Kinigsberg, wo sie al,er 151j8 fiel t C o s a c k, 
Paulus Speratus. Braunschweig lt;l. S. 7[. 
Auf dem Landtage zu K6nigsbel'g ilu l)ezember 1525 wurde ferner eine Landes- 
ordnung in [t Artikeln |,eralhen. Diese Artikel sind tiberwiegend polizeilichell Inhalts. 
Einige Artikel kirchenrechtlichen Inhalts ha, Jacol,son, Anhang lçl'. III. abgedruckt; nach 
ihm Richter, a. a. O. 1, S. 33fl: lnhaltsangabe I,ei Faher. l'reuss. Archiv. ,amml. 1, 
S. 155 (K0nigsberg lS3o!0; Tschackert, 1. S. 12fl. -- Von diesen 0 Artikeln wurdn 
einige (ofl'enbar als besonders wichtig) durch den Druck l,ublicirt (K5nigsberg, Hans Wein- 
reich 1526); es ist also wohl zu vel'nuthen, dass sie allein in (;eltung treten sollten und in 
;eltung getreten sind, wiihrend die ..Landes4trdnung" selbst nicht angenonmlen, jedenfalls nicht 
publicirt worden ist (T s c h a c k e r t, U.B. r. 41i). Und (las ist um so mehr anzunehmen, als sich 
die gedruckten 13Artikel nicht aile in der Landesordnung uach dent Auszug Jacobsons vor- 



Einleitung. 7 

finden. Wir drucken daher nicht wie Jacobson und Richter einen Auszug aus der ,andes- 
ordnung" ab, sonderu erstmalig uach dent Originaldruck (Exemplar ira St.-A. Ki)nigsberg 7:6 fol.) 
die kirchenrechtlichen Bestimmungen aus den 13 Artikeln (die sich nur theilweise mit denen 
der ,Landesordnung" decken). (Nf. 3.) 
Zu Artikel 10 ,Von Bockheiligen" vgl. die Darstellung der heidnischen Gelriuche der 
Preussen bei T s ch a ck e r t 1, S. 10 ff. und ausserdem den interessanten Bericht ,Wahrhafftige 
Beschreibung der Sudawen auf Samlandt sambt ihren Bockheiligcn und Ceremonien" von 
Hieronymus Maletus, ira Staatsarchiv K0nigsberg, J. 2. o. D. [IV, S. 22, 337). 
III. Zur Durchflihrung dieser Gesetze so]lte ein ,Umzug", d. h. eine Visitation, statt- 
finden. Die Commissare Adrian von Waiblingen und Speratus erhielten dazu Volhnachten vom 
Herzog und den beiden Bischi)fen. Sie sind abgedruckt hei N i c o 1 o v i u s, Die bischi)fliche Wirde 
in Preussens evang. Kirche. K/3nigsberg 1834, S. 102--1)4. Vgl. Tschackert, U.B. Ni'. 459. 
Eine Visitations-Instruction vom 31. M/4rz 1526 regelte in neun Punkten die Aufgaben 
der Kommission. Diese Instruction ist aus dem Staats-Archiv K)nigsberg abgedruckt von 
Jacobson, Anhang l';r. IV (vg]. auch Tschackert. U.B. :Nf. 4iii)) und gelangt hiernach als 
erste Visitations-Instruction zum Wiederabdruck. (Nf. 4..} Bemerkenswerth ist, dass sie sowohl 
VOln Landesherrn als rien Bischifen, den kir«hlichen Vorgesetzten. crlassen wurde. Ein landes- 
herrliches Kirchenregilnent war neben dem bisch)flichen (rganismus nicht vorhanden 
wenigstens nicht theoretisch. 
1527 erschien in zwei Abtheilungen «las erste evangelische Gesanghuch Preussens. \ gl. 
Tschackert 1, S. 152 (vgl. dort auch die I},cmerkungen gegen Cosack, Paul Speratus, der 
die Lieder des Gesangbuches ausschliesslich dcm Speratus zuschreibt). 
Von evangelischem Geiste getragen waren die Ver«wdnungen des Herzogs gegen un- 
ordentliches Lel)en und Wesen. Es sei hier genannt das ,Mandat een Mfissigïtnger" 
5. Februar 1527 (Tschackert, Ref«rm.-Gesch. 1, S. 154; U.B. Nr. 49, 553). 
Ira Jahre 1529 erschien ein ,Auszug et]icher articul aus gcmeiner landsordnung des 
Herzogthums in Preussen", die auf der Tagfahrt Martini 152! besctdossen waren. Er ent- 
hilt u. A. Abschnitte Vom Gehorsam der Kinder , Yon geistlichen Lehen. Gihlen und Bruder- 
schaften und anderen Zinsen" (letzteren wie ira Auszug ,,'on 152;). ist al)er ganz ttherviegend 
weltlich-polizeilicher latur. Er wird nicht abgedruckt. Ein Exemplar ira Staats-Archiv 
K5nigsberg 736 fol. 
Die Anordnungen der Visitationskommissare wurden vont Herzog zur Beobachtung ein- 
geschiirït (Tschackert, U.B. Nr. 5:3). Diese Visitation von 1526 hatte si'l aber noch nicht 
auf alle Gemeinden erstreckt, insonderheit niclt auf die (iebiete Natangen und Masuren. I)er 
Herzog erliess daher ara 24. April 1528 ein neues Mandat an die leiden Bisch(;fe zur Ab- 
haltung einer Visitation in al]en l'farreien. (Vgl. Tschackert, U.[:. 1N'r. 597. Gedruckt bei 
:Nicolovius S. 104ff., danach hier Nf. 5.) Ira :Natangischen Kreis (Friedland. Barten, Barten- 
stein, Brandenhurg,und Mfihlhausen) fiihrle t'olentz mit Speratus die Visit;ti«n durch. I(ber 
diese Visitation vgl. Tschackert, ]lef«rm.-Gesch. l, S. 154ff.; [kB. Nr. t;tl, t;{}la.} 
Oh Bischof Queiss tberhaupt visitirt bat, stehl nicht lest. (Er starb ira Sei,tember 1329.) 
Michael Meurer, als Archidiakonus sein Stcllvertreter, hat ira 6stlichen Masuren 152! die Visi- 
tation durchgefthrt. Vgl. Tschackert 1, S. 155ff.; U.B. Nr. ;.21, 
IV. Durch diese Visitationen wurde auch die leuordnung der heiden evangelischen 
Di5cesen vollendet. Vgl. das lNahere Tschackert 1. S. 155. Auf l;rund der I)ei rien Visi- 
tationen gemachten Erfahrungen hatte Meurer die Abhaltung von .yno(len durch die Bisch5fe 
fih" wttnschenswert erklart (U.B. hr. 630). [;cmeint waren Synodcn zu Zwecken der Visitation 
uud Aufsiclt (vgl. S ehling, Kirchenordnungen l, S. ;9 ff.). Sch»n die Visitations-Instruction 
von 1528 hatte zu diesem Behufe vierteljiihrliche Synoden der Erzpriester und jlihrliche Synoden 



8 Das Herzogthum Preussen. 
der Bisch6fe vorgesehen. Offenbar waren sie nicht iris Leben getreten. Jetzt nahm der Herzog 
diese Idee von 'euem auf. Er projektirte fiir 1530 drei Di6cesansynoden und eine Landessynode. 
Eine Epidemie (.er englische Schweiss") verhinderte die Ausftihrung. Diese Seuche raffte rien 
Bischof Queiss dahin; als sein 'achfolger wurde Speratus vom Herzog ernannt. Ira Januar 1530 
nahm der Herzog den Plan wieder auf. Er befahl den Zusammentritt einer Landessynode und 
folgender drei Provinzialsvnoden : fiir die samlndische Geistlichkeit zu KSnigsberg am 2. Februar, 
fur die masurische zu Rastenburg (hier residirte Meurer als ,qtellvertreter des Bischofs) ara 
1;. Februar, fat" die pomesanische zu Marienwerder ara 7. Marz; die Landessynode sollte zu 
K«;nigsberg ara 12. Mai stattfinden. Vgl. das Ausschreiben vom 11. Januar 1530. Tschackert, 
U.B. Nr. 707. Abgedruckt bei Jacohson, Anhang. l'r. V. 
Nach diesem Ausschreiben sollten .hristliche statuta synodalia pul)licirt und ausgegeben 
wcrden". Als Vorlage hierzu arbeitete Speratus eine Schrift aus, ,Constitutiones synodales 
evangelicae". Zu dieser fiigten der Herzog ara 6. Januar 1.,30 eine Vorrede (die aber wohi 
auch von Speratus geschrieben watt, und die Bischi)fe Polentz und Speratus eine zweite Vor- 
rede (deren Verfasser Speratus war hinzu. Es sollte hiermit der evangelischen Geistlichkeit 
Preussens ein ,officiell giiltiger doglnatischer Leitfaden" gegeben werden. Diese Synodal- 
Constitutionen sind uns nur in einer und zwar nicht vollstindigen Handschrift aus dem 17. Jahr- 
hunder erhal*[en Ix'on f'olbe geschrieben, wie Tschackert 1. S. 1¢;8 vermuthet). Die 
stitutiones sind bisher stets als das erste symbolische Buch der preussischen Kirche vor der 
Augsburgischen Confession bezeichnet worden. Wenn nun Tsch ackert gewiss Recht hat. 
gegen diese Auffassung zu l,olemisiren und darauf hinzuweisen, dass die Constitutiones kein 
Bekenntniss der Kirche. sondern nur eine *[heologische Lehrschrift zut Unterweisung der Geist- 
lichkei*[ waren, so scheint er mir andererseits doch den Umstand zu gering anzuschlagen, dass 
diese Schrift das officielle" Lehrl)uch fiir die Geistlichkeit sein. von den Synoden gepriift und 
von der gesetzgebenden Autoritit ira Staate publicirt und anbefohlen werden sollte. Dass dies 
geschehen, ist allerdings nicht mit Sicherheit nachzuweisen. Wenn man aber die Vorreden 
bedenkt, namentlich diejenige (les Herzogs selbst, und das vorangehende Mandat so erscheint 
es doch nicht als ganz ausgeschlossen, dass die Constitutiones von der ,ynode angenommen und 
dann auch vom Herzog publicirt worden sind. Dass sie den Beifall der Synode gefunden haben 
werden, hfilt auch Tschackert fiir wahrscheinlich. Dagegen spricht allerdings die von 
T s c h a ck e r t lnangels neuer Funde) S. 1;7 Anm. bewiesene Thatsache. dass die Schrift nicht 
gedruckt worden ist und uns iiherhaupt nur in einer einzigen (unvollstindigen)Handschrift 
des 17. Jahrhunderts erhalten ist. Dies wire bei einem fiil" die Unterweisung der ganzen 
Geistlichkeit Preussens und den tëglichen Unterricht bestimmten V,'erke (oder gar, wie man 
friiher annahm, bei einem ,Symbol  fiir die Kirche) doch hSchst sonderbar. Vielleicht kann 
man sich mit folgender Erkliirung begniigen: Das Werk war angenomlnen und fiir die Publi- 
kation durch den Druck vorbereitet, als diese durch das Erscheinen der Augustana, deren 
Anerkennung der Herzog sofort bei ,trafe des Bannes anordnete, iiberfiiisig wurde. 
Ein Abdruck ist daher hier nicht ara Platze. (Vgl. eine ;bersicht bei Tschackert 
1, S. 169 Anm. 2.) 
In der schon erwëdmten Handschrift der ,,Constitutionen" folgt als ein Anhang eine 
lateinische [)bersetzung und )berarbeitung der Kirchenordnung von 1525 unter dem Titel 
,Articuli ceremoniarum e germanico in latinum "ersi et nonnihil locup|etati". Die Ceremonien- 
artikel sind unter Benutzung des Luther'schen Catechismus (1529) erweitert. 
Vgl. iiber die ]nderungen bei Cosack, Speratus $. 114--117. Ihre Verfasser sind 
Polentz und Speratus. 
Diese Articuli betrachtete man friiher wohl als die zweite Kil'chenordnung Preussens. 
Tscha cker t hëdt sie fiir Vorlagen fiir die Synoden. die auch den Beifall der Synoden ge- 



Einleitung. 9 

funden hiitten, iihnlich wie die Constitutiones. Ich halte (lies auch fier wahrscheinlich. Zwar 
die von Tschackert 1, S. 171 Anm. versuchte Beweisffihrung aus der Vorrede der Bisch)fe 
ist nicht durchschlagend, da ,de ceremoniis" doch nicht gerade von formulirten Artikeln 
verstanden werden muss, wie ja auch z. B. ,(le judiciis ecclesiasticis" nielnaud auf s»lche deutet, 
aber die ¥Oll Tschackert hervorgehobele Tilatsache, dass in rien sp/itel'en Erlassel des 
Herzogs immer nur von der ersten Kirchenordnung von 1.',25, nicht von den ,l'weiterten 
lateinischen Artikeln von 1530" die Redc ist (Tsehaekert 1, S. 171 Anm. 1), spricht fin" die 
Annahme, dass wir es auch hier, wie bel rien Constitutiones, luit nicht detinitiv gewordenen 
Entwïu'ïen zu thun haben. Jedenïalls geh6ren, bel dieser ungeklih-ten Saclllage, die ,Articufi" 
nicht in unsere Sa|umlung. 
V. Visitationen bihleten auch ira tlerzogthum Preussen die wichtigsten Wege for die 
Durchïtihrung rcformatorischer Maassnahmen. Eine ausffihrliche Geschichte derselben fehlt 
und kann von mit an dieser Stelle nicht geliefert werden. I,:h werde daller nur das 
wendigste mittheilen. 
Untersttitzt und angeregt von Herzog Aibrecht, der wiedel'holt tien Visitati«nen in 
eigener l'erson beiwohnte (z. ]3. in den Jahren 1542 und 1543). waren di,. Bisch6fe unermfidlich 
thtitig, ihres Amtes zu walten. Speratus, Mih'lein, tlesshusius, Venediger uml Wiegan,l haben 
mit gr5sster Pflichttreue die Regelung auch der gerillgsten Iinge geleitet und ïd)erwacht. 
Aus den vorhandenen Visitati.nsakten heben sich als besonders wichtig hervor: Die 
Visitationen von 15411543, 1569, 1575/7;. 1578!7!, 17,5/6; weuigstells sind wir tri)er 
diese Visitationen genauer unterrichtet und das erhaltene Materiai bietet speciell fiir unsere 
Zwecke Besonderes. Daneben finden si«h al)er auch noch Aktcn aus andcren Visitationen. 
Uber manche Visitationen mi)gen Urkuuden nicht mehr vorhanden sein. Die nachtblgen,le 
Skizze kann daher auf Vollstindigkeit Anspruch llicllt erheben. 
In historiseher Reihenfolge nenne ich ausser den oben schon erwilhnten Visitationen -- 
von Visitationen, die Polentz in Samland und Meurer in Masuren 15:10 abhielten, wissen wir 
nur ganz wenig (Tsehackert 1, S. 172 -- die folgenden: 
1. Die Visitation von 1533. 
Ira Jahre 1533 visitirte Speratus die lllter Barten und l::randenhurg, wortd)er Foliant 
1272 des Staats-Archivs K3nigsberg naheren Aufschluss giO:t. Dort fimlet sich auch eine 
Speratus selbst geschriebene Verordnung fiir die drei Kil'chspiele Li)wenstein, Dietrichs,l.rf und 
Laggarben, welche die Thitigkeit cicr Pfarrer in diesell drei Kirchspielen betrifft. Die sonstigen 
Anordnungen haben kein allgenleines Interesse. 
2. Uber eine Visitation von 153, giel,t uns ein Ban(1 F. 37a Etatsministerium ira 
Staats-Archiv K6nigsberg (frïdlere Bezeichmmg 4 Schr. 23 Fa«h. 15. III Aufschluss. Derselbe 
enthiilt unter Anderenl einen Visitationshericht des Bischofs von I',mlesanien l'aulus ,peratcs 
vom 31. Januar 1538, der offenbar fftr deu Ialldesherrn lestimlut war. Hierin klagt der 
Bischoï tiber Unwissellheit der Genleindeglied.l', mangelhaften Kirch(,ld,esuch, slhle,'hten Ein- 
gang des Deeem, wiederho]t den f|irstlichen P, efl'hl wegen der Ieistu»g'n ail dic l;eistlichkeit 
Jaeobson l'r. Vil) und gieht als ;rund fur die malgelhafte I:e»bachtung ,ler Landes- uud 
Kirehenordnung an. dass die Ilanptleute sie '»hl nicht aile ira Irucke hesiissen. ,eshall) 
habe ich einen kurzen Auszug gemacht uml solcher Landes- und Kirchencwdnu||g, auch her- 
naeh ausgegangener Bevehl Artikel in einander gezogen, k5mat nicht schaden, man liesse sie 
drueken". Dieser Wunseh ist offenbar nicht in Erfiillung gegalgen. Der Auszug des Speratus 
ist mir nieht zu Gesieht gek«,llmlen. 
3. Eine grtindliche Visitation begann mit dent Ende des Jahres 1541. 
Der Landesherr hatte unter dem 29. Septelnber 154o bereits genaue Weisuugen ge- 
Sehling, Kirchenordnungen. IV. 2 



|o 

Das IIerzog¢hum Preussen. 

geben iiber ,,Unkosten und Unterhaltung der Visitationen". Man(lat vom 29. Septenlber 1510; 
Tschackert, U.B. lr. 1281. 
I)ie Visitation von 1541 erstreckte sich auf die drei Kreise Natangen, Barten, Branden- 
burg [ltld hatte tlie genaue Registril'ung (les VermÇgens der geistlichen Stiftungen zum Inhalt. 
IGeistliche Gtiter, Lehen, Brttderschaften, Erhzinse, Pfennigzinse, Erbgelder). 'ber diese Visi- 
tation geben uns die Folinten 1273 und 1274 des Staats-Archivs Ktinigsherg Auskunït. In 
1273 finden wir (las Ol'ginal des .redenzschreibens" des Herzogs an Michael von Drahe, d. d. 
KSnigsberg, (len 19. l'ovenlber 1541. .'tuf Grund der Berichte dieses Visitators Michael von 
Drahe erliess der Ilerzog am 2. (tktoher 1542 ein Reskript (Fol. 1273. Bl. 264). Ira Zusanlmen- 
bang mit dieser Visitation s'[eht dic Bewilligung einer Stvuer seitens (les Adels und der kleineu 
St.d/e .u ufrichtung eines partikulal'S". (Vgl. liber das Schulwesen unten. Die beachtens- 
werthen Berichte der Stiidte liber ihre geistlichen Gliter, ausstehenden Zinsen usw. ersehen wir 
in Fol. 
4. Uber weitere Visitationen (let" Jahre 1542 und 1543 geben uns Aufschluss: 
der Fol. 1271 fïr den a'[ang'schen Kreis, 
der Fol. 1272 fttr die lnter Bartn und Brandenburg. 
der Fol. 1275 flir die ,nlter t'reussisch-Hollaud. Mohrungen. Preussisch-Mark, Riesen- 
burg, Schinberg, Marienwerder. Fïlr Riesenburg vgl. auch S ch w alm, Gesch. der Stadt Riesen- 
burg. Riesenburg 1,gt;, S. 7tt. 
An diesen Visitationen nahm der Herzog selbst Antheil. Dies urde noch in spteren Jahren 
dankbarst anerkannt. Vgl. utsere Darstelluug bel der Stadt Zinten. Vgl. auch Tschackert, 
Ilerzog Albrecht S. 4! ff. Den wichtigsten G,genstand dieser Visitatiou bildeten die finanziellen 
Yerhaltnisse. Ïlber die ,,Eidesforllel" der Pfarrer und den Befehl vont 1. Februar 1543 siehe 
utlten S. 21. 
5. Aus den niichsten Jahren finden wir wenige oder gar keine achrichten liber Yisi- 
tationen. (Eine \'isit;«tion in Rastenburg vom Jahre 1545 betraf ira Weseutlichen linanzielle 
Dinge, bestillmlte z. B., dass Kalende-, Laut- und Taufgeld nicht ltlehr erhoben werden sollen; 
rgl. Beckhorn, Iastenhurg. Rastenbul'g 1_80, S. 41.) Zwar heschaftigte sich der Herzog 
nach wie vor nlit diesvm so wichtigen Institut, wie die unten zu erwfihllenden Ordnungen zur 
Genttge heweisen, aher zu eigentlichen grÇsseren Visitationen scheint es nicht tllehr gekommen zu 
sein. ()ffenbar nahluen die ()siandri'scheu Hfindel alle Kr.fte gefaugen. Es ist uns allerdings 
ira Staats-Arc]liv Ki)nigsberg, J. 2. 154o1547 ein Visitationsmandat der leiden Bischi)fe vont 
9. November 1547 erha]ten (welches l'icol«vius, a. a. O. S. 145151 ohne [luellenangabe ab- 
gedruckt hat) tln([ welches richtiger als ein Ausschreiben (les Herzogs Albrecht bezeichnet 
werden muss, das die Visitation amrdnet und lei (let" pers0nlichen Verhinderung des Landes- 
herrn iie beiden Visitatoren ahordnet; aber wir sind uur davon untel'richtet, dass l,riessmann, 
der Prfisidelt (les P, is¢]lUmS Samland, ira Herbste 1547 auf Sandand uud Nataugen Visitationen 
ahgehdten bat (vgl. Tschackert, U.B. NI'. 2041i. 
Ira Jahre 1551 WUl'de eine m.ue grosse Visitation geplant. IIier offenbarte sich der Einfiuss, 
den inzwischen (tsiall(ler auf die preussischen Vcrhiltnisse gewonnen hatte. Der Herzog hatte 
si«h on einigen K5nigslerger The«dogen ein I;utachten fth" eille Yisitatioll ausarbeiten lassen 
und dieses Osiandcr zur Idegutachtung iiherschickt. Der lericht Osiander's 'onl 9. Februar 
1551 ist ira Staats-Archiv K5nigsbel'g, Etatsministerium F. 3,7a, erhalten und darf wohl hier, 
weil bisher nicht publicirt, etwas naher betrachtet werden. 
(tsiander schreibt: ,Ich llabe F. D. hefehl sanlpt den beigelegten et]icher theologen 
ratschlagcn die visitation belangende verlesen und lasse lllil" den ersten artikel gefallen, das 
die gemeinen priester sich aller heucr ausgegangener translation der bibel enthalten, aus- 
genommen die lateinische Hieronymi und die deutsche Lutheri. « 



Einleitnng. 11 

Der ,Rathschlag" der Theologen liegt bel und handelt mm ersten l'unkt von ciel" 
Nothwendigkeit der Einheit in Lehre unml Ceremonien. In Punkt mi elnl»tiehlt diesel" ,Rat- 
schlag" zut" Auslegung: die Augshurger Confession, MelŒEEnchtllon's Loti communes, Luther's 
Hauspostille, Brenz' l'ostille, Luther's beide Catechisnlen. Zu diesel,l zwciten l'unkte Iemel'kt 
Osiander: ,,hab ich leider der kïtrz so riel geftmden. «las Philipl Melancllthons hïtchlein mer 
schedlich mlenn nutzlich sel". Man solle die ieistliclleu lieber an Luther's Schriften weisen. 
in Punkt III klagt der ,Ratschlag" ïder Ungleichfi)rnligkeit in den Cerenonien. Iler 
Ftirst miige ,unser Ki)nigshergische Kirchenceremmnien, wie dio zu aller zeit gehalten '[r(]ell, 
schriftlich verfassen lassen". [ter l'unkt IV klagt iitel" unchristliches Leben und giebt zu be- 
denken, oit man nicht et'a ,,auf christlich«ll gelwauch deu hann wieder «ufrichten" nlÇchte. 
Zu Punkt III ulld IV I)elnerkt (lsiallder, d«ss ïfi)er die Cerenmnien die Visitatoren wohl ara 
Besten Entscheidung treffen k6nnten; was rien Bann anlant2e, so sel er mit dor Wiedereinfiihrung 
v61lig einverstanden; die Hauptsache sel aber die reine Lehre und darauf nttsse Iei der 
Visitation hes«nders geachtet werden. Zu dieseul Zwecke stellt et- daher ara Schlusse ein ganz 
ausfiihrliches Frage-I'rogramm auf. Ilieses letztere findet sich ohne irgend welche Angaben ab- 
gedruckt bel Jacobs«n, Anhang lr. XIV. 
Die sehr bald heftig einsetzeuden (lsialldri'sC]len Stl-eitigkeiten haben wohl den i;e- 
danken ciel" Visitationen in den Hintergrulld treten lassen. Wenigstens habe ich aus dieser 
Periode nur vereinzelte ]Yachrichten iiher solche gefnndcn, so aus delll Jahre 15m;2 fur Barten- 
stein (Kirchen-Archiv Bartenstein. Visitati[lls-Abschied VOln 8. septentler 15;2. aus dem 
Jahre 1564 ftir Baiga (Staats-Archiv K6nigsl,erg Fol. 1279), aus dem Jahre 15m;.', fiir Langheim 
(Kirchen-Archiv zu Langheiln). hu Juni 1568 visitirte Bischof Vellcdiger Mïflllhausen ira 
](reise Preussisch-Holland (Ptarr-Archiv lreussisch-Holland. M. IV. A.; dort.ell,st ist auch (let" 
Visitationsrezess erhalten ; vgl. Altpreuss..lOllat.s(]lr. :),3, ,'-i. 3m)5 fi'.L llll,| auch die zum l'atronat 
der Dohna's gehi)rige Gemeinde Hel'ns,i«lf (vgl. unter Hcrnlsdorfl. Iler Visitationsrezess w,m 
lo. Januar 1568 fur Gross-Tromnau ist abgedruckt in der Zcitschrift «les Vereins fat" den 
Regierungsbezirk Marienwerder :];, S. ?,l ff. Ftir Neidellhurg wird eine Visitation «n l.-,;1 ge- 
nannt v«n G re g fo v i us, Ilie (rdensstadt Neidenhurg. Marienvel'der 1.:,, S. .ff. l-ïir Rasten- 
burg eine solche von 15mi5 von B e c k h o rn, Iastenhurg..q. 4:; (dort Inhaltsangaie «les l:ecesses). 
Nach berwindung «les O.iandrislllUS leginnt auch illt Visitationswesen ein neues, 
frisches Leben. 
mi. Die Visitation des Jahres 1.'pmi!m. I-:ischof Mïrlein von Samland vi.itirte seine I)i6cese. 
Niiheres finden wir ira Staats-Archiv K)nig.berg Fol. 127i. I«h hebc als wichtistes Beispiel 
hervor den Visitations-Abschied far das Kirchspiel Fischhausen, -Oln 27. April 15m;:m und theile 
daraus sogleieh tan dieser Stelle Folgendes ulit: 
Iler Pfarrer erhiilt ausser dcr Besohlung 4 llufen Landes. Scheunen und Griiben unter- 
liegen der Baulast des Kir«hspiels. Jedes Kil-cll.piel schiekt ein l:uder tl«dz. Fiir Liiuten 
zum Begrfibniss mit all«n (l«cken sind lm [;r., ft'r Liiuten luit eilmm Th,.il der (;locken sind 
5 Gr. zu entrichten; ganz rai-nie l'ersoimn zahlen nichts, l:iir den alten l'farl'er ist zut Ver- 
sorgung ein l[aus zu bauen. Genaue P, egelung elf«dgt film" «las Inventar, den DeCelll. mlas 
Iauchgeld, «las Schiilergeld. ]nsonderheit soli luit I:leiss zugescheu werdell, dass die Inst- 
leute bel den Fischern. welche die Ficherei mit mien wirlen lIlll die belfte brau«hen und ciel" 
herrschaft ebenso w«hl als der wirte zinse gehen muss, auch «i(n gehurlichen dccenl halb o 
riel als mler rechte wirt ablegen." 
hnliche Abschiede finden sich fier die Kirchspiele: 
St. Albrecht, vom 28. April 1.«19. eodenl loco BI. 67. (Hier wird den Kirchviitern noch 
besonders ans Herz gelegt, dass sie zur Versorgung ciel" l'farr-Wittwen und-Waisen 
Haus und Land kaufen sollen.) 
2* 



12 

Das tlerzoffthum Preussen. 
eodem I. P,i. 17 ('auch erhalten ira Kirchen-Archiv zu Germau). 
1. BI. 517 ff. 

Pobete ...... . . BI. 34 
St. Lorenz .....  , Bi. 73 
Wargen ......  , BI. 12 
Juditten ...... , , B1. 15 
Sarkau un,1 Kuntz ,  BI. 172 
Schake» - ,  BI. 2 
l'ostnicken .....  .P,1. 238 
Caymen ...... , , B1. 2i1. 

Diese A1)schiede sind sowohl unter sich fast gleichlautend, als auch mit denjenige.n 
«les Fo]ianten 1276 til,ereinstimmend, nattirlich mit den durch die lokalen VerhMtnisse be- 
dingten Abweichungen. Hervorgehoben se! eine Bestimmung tiber das Tafelgeld", d. h. die 
Coi]ekten in der Kirche. Die Leute sollen darauf aufmerksam gemacht werden, dass es in 
ihrem eigenen Interesse liege, in der Collekte re!chi!ch zu gehen; denn wenn das Tafelgeld, 
v:elches zu der Kirche Nutzen verwendet werde, iel eintrïge, so brauchten ste weniger Schoss 
zu cntrichten. 
Von 156! stalnmen auch noch die Visitations-Abschiede ftir Juditten (Kirchen-Archiv zu 
Juditten) und h'eubausen Bisc]mf Mi)rie!n, 4. Juli 15;.q. Kirchen-Arclfiv Neuhausen. Eine 
Abschrift aus dem 1.. Jahrh.). Endlich wird eine Visitation von 1571 far Rastenburg genannt, 
vgl. Beckhoru, Iastenburg, S. 44 ff.; dortselbst findet sich auch eiue Inhaltsangabe des 
lecesses, der tibrigens wesentlich nur Einkommensverhiiltnisse betrifft. 
Die Abschiede 1,ieten iiberwiegend nur locales Interesse, und es mi)gen daher obige 
Mittbeilungen geniigen. 
7. Die niichste gri)ssere Visitation, v(,n welcher wir Kunde besitzen, war diejenige von 
1575. Vorher liegen uoch einige Visitationen, "on denen aber nur spiirliche Nachrichten ilber- 
liefert sind. 
So findet sich ftir Bartenstein ein Visitationsrecess vom 26. Miirz 157 ira Kirchen- 
Archiv zu Bartenstein. fïr Cavmen ein Abschied von 1571 ira Kirchen-Archiv zu Caymen, und 
ftir Langheim ein Abschied von 1.',71 ira dortigen Kirchen-Archiv. Aus dem Jahre 1574 sind 
uns Nachrichten erhalten fil,er eine Visitation, welche Venediger in Rosenga'ten und Doben 
abhieit. Vgi. Braun. AIte und neue Bilder aus Masuren. Eine Geschichte der Stadt und 
des Kreises Angerburg. ls88. S. 144 ff. 
Die Visitation von 1575 hat in Samland zuniichst Bischof Mi)rlein und dann sein Nach- 
folger Tilemann Hesshusius v,rgenommen. Es kommen hier in Betracht die Folianten 1278 
und 1279 ira Staats-Archiv KSnigsberg. 
Bischof Mbrlein visitirte das Amt Bartenstein. In der Stadt Bartenstein unterzog er 

( e r m a u, vom 3. 31ai 15;9. 
Uber ,iie Kirche zu Germau vgl. Gebauer in Preuss Prov.-BI. 1837. 
Heiligen Kreuz. vom 2. Mai 1569. eodem l. BI. 169. 
Thirenberg, vom 5. Mai 15+;9. eodem l. BI. 223. 
Kumehnen, vom 7. Mai 15+;.). eodem l. Bi. 271. 
liledenau, vom 1!. Mai 1569. eodem ]. BI. 327. 
Lal,tau, vom 13. Mai 15(;!. eodem l. Bl. 3!ff (au«h ira Kiïchen-Archiv zu Laptau; deponirt ira 
Staats-Archiv Ki)nigsberg. 
l'owun,len, xom 13. Mai 156!. eo,lem I. BI. 467. 
Foliant 1277 enthii!t die Visitations-Akten der Vogtei S«hackeu. Visitato" ar eben- 
f;t]ls Miirlein. 
Visitations-Alschie,le fin,len sich ftir ,lie Kirchspiele: 
Rudau ...... cit. loco BI. 1 



Einleitung. 13 

die kirehliehen VerhMlnisse einer grtindlichen Nachprtifuug auf Gruml des alten Recesses von 
1538, insbesondeïe kontrollirte er die Verhiiitnisse des gemeinen Kastens. Der von ihm ge- 
gebene neue Abschied ,om 26. Februar ]575 (Staats-Archiv Ki)nigsberg Foi. ]278 Bi. 3ff.) be- 
trifft nur den gemeinen Kasten. Er wird hier uicht abgedruckt. 
Ein weiterer Visita/ions-Abschied fin" das Kirchspiel Bartenstein und St. Johannis da- 
selbst lcit. loco BI. 41ff..) betrifft iiberwieend nur die Enktnfte von Kirche und l'farre und 
das Bauwesen (z. B. Regelung der Baupflicht ftir die Ziiunel. ï3mlich verh/ilt es sich mit den 
Abschieden fat" das Kirchspiel ;ailingen vom 2. Miirz 1575 (cit. i.co Bi. 149 ff.), und far «las 
Kirchspiel Schippenbeil (cit. ioco Bi. 195. l:ïr Schiplenbeii vgl. ;esamlete Sa«hrichten wm 
Ost-Preussen. Stadt Schippenbeil. Kinigsberg 177, tohue Angabe eines Verfassers), S. 
Lieck, Die Stadt Schippenbeil. KSnigsberg 174, S. 10;tt: Hier wird erwMmt, dass das 
alte Kirchenbuch schon v.r 1;67 verl.rep_ gegangen se], daher h'achrichten erst von 1655 zu 
erhaiten se]en d. h. im Archiv zu Schippenbeill. Aus deln 17. Jahrhundert citirt Lieck 
viele Recesse. 
Aus Foliant 1278 hehe ]ch weiter den Abschied hervor, welchen Bischof Tilemann 
Hesshusius, Bischof vou Samland, atn 5. STtember 1575 fïr «las Kirchsi,iel Borcken traf loir. 
loco BI. 291). Aus dem Foliantcn 127! erkennen wir den griindlichen Eifer des neuen sam- 
lë, ndischen Bischofs. Hier finden wir zahh'eiche, sehr eingehende Verorduungen des Bischofs. 
Ich hebe hervor: 
Den Abschied fiir das Kirchspiei Balga vom 11. Mai 1575 (auch ira Kirchen-Ar,'hiv zu Balgal. 
, » der Kirchen .,zum Heiligeubeil" IFol. 127! Bi. 47 ff'.). Das Kircheuarchiv zu 
tleiligenbeil besitzt -- wie hier nebenbei bemerkt sei -- die Stiftungsurkunde 
des St. Georgen-Hospitals vmn 24. Novelnber 1563. ler Recess vom 14. Miirz 
1575 ist auszugsweise abgedruckt in Eysenbi:,itter. Gesch. der Stadt 
Heiligenbeil. Ki;nigsbcrg 18[;, S. 48 ff. 
» , for Brunau vont lJ. 3lai 1575 (eo,lem hco Bi. 141 ff.. 
, ,, , Waltersdorf vom 17..Mai 1575 (Bi. 17 ff.). 
, ,, , Lindenau çOlll 1!. Mai 1575 (B1. 237 ff.l. 
, , , Hohenfirst vom 21. Mai 1575 Bl. :;1! ff.l. 
, , , Eichholz vom 24. Mai ]575 (BI. 35I ff:l. 
, ,, , Tiefensee vom 25. Mai 1575 (BI. 39!fl'.. 
, , , Zinten von 27. Mai 1575 !Bi. 443 ff'. Auch ira Kirchcn-Archiv zu Zinten}. 
, , , Hermansdorf vom 2!. Mai 1575 (Bi. 531 ff.l. 
, , , Deutsch-Tyrau vont 31. Mai 1575 Bi. 5s5 ff.). 
, , , Biadiau vonl 2. Juni 1575 [BI. 6:9fl'.). 
Diese Abschiede weisen untr einander grosse )hnlicilkeit auf, sie sind offenbar alle 
nach einem feststehenden Fm'mular geschrieben wm'den. Es geniigt daher, ein markantes Bei- 
spiel zum Abdruck zu bringen. Ich wtihle daftr den Abschied ftir Zinten. Zu den V.l'stehendon 
sind auch noch zu rechnen die AI)schiede fut" das Kirchspiel l'reussisch-Elau [Kirchen-Archiv 
zu Eylau), und die Einwidmungsurkunde wm Canditten Kirchen-Archiv zu C;mditten). 
8. Mit dem Jahre 1576 beginnen die griindli«hen Visitatimlen der Amter Riesenburg, 
Deutsch-Eylau, Sch6nberg, Osterode, l'reussisch-tlolland durch don i»omesanischen Bischof 
Wiegand. Kurz vor 1576 hatte bereits eine Visitati.n durch Vcneditter stattgefundÇn. (Ein 
Visitationsrezess Venedigers ftir Niederzehren von 157[; ist abgedruckt in Zeitschrift des Vereins 
far den Regierungsbezirk Marienwerdcr 36, S. 31 ff.) Die Visitationsakten Wiegand's aus den 
Jahren 1576, 1577, 1578, 1579, 1580, 15h;1 liefern besonders wichtige Eïgebnisse. 
Ich citire in historischer Reihenfolge folgende Visitations-Abschiede: 
Abschied ftir Riesenburg. Vom 8. Juli 1576 (Staats-Archiv Ki)nigsberg Fol. 128o 



14 

Das Herzogthum Preussen. 

B1. 29ff.). (tlierin wird unter Anderem die Ffirsorge f|ir den alten l'farrer eingeschirft. Man 
soll ein IIaus fur ihn ballcll, lcl" t'farrer soll aile halbe Jahre Schulexamen abhalten, in Gcgenwart 
des Rathes ,der anderer l'ersonen; er soli wfichentlich die Schule visitiren; Ehehandel soll er 
an don Bischof bringen oder sich wenigstens dort Raths erholen; .uch niemanden far seine 
Persan der l(il'c]enbusse unterwerfen, es sei ihm denn zuvor vom Consistorio zuerkannt". 
Abschied r Tromnau. VOln 14. [wtober 1576 (Staats-Al'chiv K6nigsberg Fol. 1280 
Bi. 8). llier findet sich f,lgcndcl" Satz: .,Was mit der Tafel in den stock gesamlet sol in ein 
viertel jahr nirht beriihrt werden, sondern es sol der stock verschlossen bleiben und aile quartal 
durch die kichiter siimptlich gezehlct 'erden; was darin l,efunden, alsbahle in die kirchen- 
registcr undt'r den titel cinnahlne wm der tafel eingeschrieben und in rien kasten gelegt werden", 
datait man wisse, was ein jedes Jahr aus der tafel gefalle umi die ausgahe nichts hesonders, 
sondel'n mit dem andern kirchengel,le verrechnet werden% Kirchensthle durfen nicht ohne 
Bcwilligung der Kirchenvhter gehaut werden. 
Abschied fiir l:reystadt. Vont . December 157; (Staats-Archiv Knigsberg Fol. 121 BI. 131 . 
lgl. far Bischofswcrder (e(«lem l. B1. 14). 
lgl. fur Deutsch-Eylau. V)ln 2s. November 157; (eodeul l. BI. 2Il). 
Dgl. frit M«,nteck (e«dem 1. B1. 235). 
Dgl. fur Grampten. Vnn 27. Novemher 1576 tFol. 120). [Nachlissigkeit ira Kirchen- 
besuche wil'd bestraft beim ersten Male mit ] [!'., Ieilll dritten Male mit 5 GI'. zunl Nutzen 
dcr Kirche. l)cr l'farrer soli Acht gehen, »!) Leute ihre l(inder ,in das l'al,stthum" ver- 
lniethen, oder wohl selbst si«h hineinbegeben: solche l'ersonen riel" Obrigkeit anzeigen, auch 
dem Bischof. datait dieser sie mit bfl'vtlicher Kirchenbusse 1,elege.] 
AI,schied fiir llerzogenwalde. 157i tFl. 12tt BI. 
I)gl. fur Sommerau, vom December 157t£ [Ilier wil'd der polnischen Sprache halber 
ein Caplan gehalten. Dieser wird aber VOll der Visitation ganz schlecht und einfeltig" be- 
funden und desh;db verwarnt; sonderlich soli er ,.delu 1,olnischen Volke den Catechismum 
fieissig furtragen".] 
Ahschied fih" die Stadt Iosenherg. Vom 3. lecemher 157;. F,I. 12S0 Bi. 33s. Hier 
soli ein polnischer Caplan angenommen Wel'den.I 
Ahschied fin- _;ohlau. Vom 17. Decemher 157; (eod. loc. I1. 37tq. 
In das Jahr 1577 fallen folgelde Abschiede: 
Ahschied fiir die Stadt Oster)de leodem loc. B1. 427). [Daraus wird unter Osterode 
ein Auszug mitgetheilt.] 
Abschied far die Kirche ,zum Osterwein". Vom 13. Juni 1577 (eodem loc. BI. 463). 
Dgl. ftir Geyel'swalde. Vom 15. Juni 1.',77 (eodenl loc. BI. 5o1. 
Dgl. ffir ;.ringen. Yom 17. Juni 1577 (eodem loc. B1. 51). 
Dgl. fiir Krepelnau. Vom ls Juni 1577 (eodem loc. B1. 533). [Iter Pfarrer soli ,vor 
allem den heiligen Catechismus (lem volke fleissig vortragen und fur der predigt deutlichen 
erkleren, auch nachmittag des sontags &,m volk elkleren. Aile jahr soli er ein jedes dorf 
I,es«,nders t,esuchen und d«sell,st die leute, junge und alte. Kind. und gesinde, verhi)ren; ... der 
hendel, so fiir das consistorium gehih'en, sich nicht Ane l,evehl underwinden, sondern diesell)en 
an rien Hern Bisch«f «Mer das consistoriunl remittiren..."] 
Abschied fr Schmckwalde. Vom 1..luni 1577 (e.lem l)c. BI. 557). [Hier wird der 
Catechismus aile Sonntge nach der l'redigt recitirt. Ver seineu Catechismus nicht lernen 
ill, wird nicht zum Sakrament zugelassen uud eriiilt kein christliches Begrabniss.] 
Al)schied far Leippe. Vom 21. Juni 1577 (eodem loc. B1. 585). [Hier hatten sich 
zwei Gemeinden, Leippe und Marienthi, die urspranglich unirt waren, eigenmachtig getrennt, 
und je einen Pthrrer angenolumen; sie wel'den wieder vereinigt und zwar per aequalitatem.] 



Einleitung. 15 

Eine grilndliche Visitation fand in der Zeit vom 15. Juni bis 28. Juni 1578 durch den 
pomesanischen Bischof, Johann Wiegand ira Amt Holland, statt. Das ira Staats-Archiv K5nigs- 
berg Fol. 1280 Bl. 597 ff. erhaltene Visitationsprotokoll erstreckt sich auf siimmtliche zehn 
Kirchspiele: Stiidte Holland, Mthlhausen; DSrfer Marienfeld, Lauk, Deutschendorf, tlermsd.rf, 
D0bern, Schmaueh und Tyrenberg (Filiale), Hirschfehlt und (;rtinhagen. 
Abschiede finden sich 
Holland. Vom 25. Juni 157 (cit. loco BI. 641). lerselbe wird auszugsweise mit- 
getheilt. 
Marienfeld. Vom 18. Juni 1578 (eodem loco BI. ;7*l. [Itier werden als Aufseher 
ïber den Kirchenbesueh der Schultheiss und ein iltester bestellt. Iie erste Versitumnis wird 
mit 5 Schillingen, die dritte mit 5 Groschen bestraft; wenn aber schultheiss mit deln Eltisten 
selbst ni¢ht kommt, sollen dieselben fïtr jedesmal 5 groshen, sofern sie nicht genugsam ur- 
sach" geben.] 
Mtihlhausen (eodem Ioco BI. ;79ff.. Der Abschied stimmt mit denen von tlolland 
und Marienfeld iiberein. Doch sel noch folgender Satz hier mitgetheilt tit. Ioco BI. 713): 
,Biinke und stthle in der Kirchen. Von rien t,iinkeu un,l stiin(lel in der kirchen, so itzt heu 
erbaut oder gehaut werden mtgen, s,,l eine jede l,erson vont stande lt schilling erlegen und 
also zu ihren lebentagen in demselben stande bleiben; sol,al,l aber eine neue person eintritt, 
soli dieselbe wiederum 1 sch. der kirchen ol,legen, und denselben stand zu ihren lebentag be- 
halten; sollich geld soli von rien kirchenvetern eingenommen, zu regi.er gel)racht und -er- 
rechnet werden." Ein Begriibniss in der Kirche kostet 5 Mark. ..D,»ch soli I,farrherrn und 
kirchenvetern das begriibniss in der kirchen frei umsonst hal,en." 
Abshied far Lauk. Vom 23. Juni 157 (eodem loco 131. 715). 
Dgl. fiir Deutschendorf. V,ln 23. Juni 1578 (eodem Ioco BI. 7:.q). 
Dgl. for Hermsdorf. Vom 24. Juni 157, (eodem Ioco B1. 747). 
Dgl. far DObern. Vom 25. Juni 1578 (eodem 1oo 131. ï;ï). [Hier findet sich folgender 
Satz: ,Der schulmeister ist seines alntes vermahnet und line ,las er in kirchensachen dem 
pfarrherrn gehorsame, auch die kirchen, altar, taufstein, und aile hanke fein rein und saul,er 
halte, die Beteglficke zu rechter zeit frue, zu lnittage, und auf d,.n abend liiute, auferlegt. 
Insonderheit aber soli der schulmeister verpflichtet sein one aile ausre,l,'. ,las er die kinder 
lere lesen und schreiben und ihren Catechismum. um die gO,ïhr, und der 1,farrer sali die leute 
oft und fleissig ermahnen, «las sie die kinder zut schule halten un,l etwas lassen lernen."] 
Absehied fïtr Schmauch. Vom 27. Juni 157 eodem h)co BI. 7'.-q. 
Dgl. far Hirschfeld. Vom 28. Juni l.-,7.q (eodeln 1o«o BI. slS). 
In das Jahr 157. fiillt auch eine Visitati»lt «les Alnts Soldau durch rien Bisch.f Wiegand. 
Aus den im Staats-Archiv Kiinigsherg Fol. 12.1 erhaltelen Visitationsakton wird ein Abschied 
far die Stadt Soldau abgedruckt werden. 
In der Zeit vom 1S. I)ecelnber 157,q bis 23. Sei,tomt,r 1.',7! uahm Bischof Wiegand 
eine sehr grtindliche Visitation der mter M»hrungen. IAcbstadt, l'reussis«:h-Mark, Hoheustein 
und Gilgenburg vor. 
Das Visitationsprot, koll findct sich ira Staats-A«'hiv K6nigberg Fol. 12,2 lllld enthiilt 
die Abschiede fur die hetreflndcn Kir«hspicle. So fih" M»hrungen (B}.-i7). [er Absehied 
f01" Hohenstein vom 17. M/4rz 1579 findet sich au«h ira Kirchelt-Archiv zu H,henstein. Ein 
Sttick daraus ist abgedruckt in T6ppen, Gesch. des Amtes und der Stadt lh»henstcin, lI)hen- 
stein 185.q, S. 42 ff. Im Abschied fih" [lsdau om 2. Mai 1.',7! (cit. 1.c. Bl. 7;7) findcn sich 
unter Anderen die Si4tze: ,Er soll nicht alle predigen ans dom Imche lesen.., er soli ohne 
bewilligung des kirchspiels und erzpriesters keinen schulmeister ann«,men, noeh ahsetzen, e 
soll auch keine 0ffentliche busse thun lassen, sondern vor erst mit alcali erzpriester davon sich 



16 

I)as tlerzogthum Preussen. 

berathschlagen, und (la es n/Sthig, dem bischof davon berichten..." hn Ubrigen bieten die 
zahlreichen Abschiede nichts besonders Bemerkenswerthes; sie ihneln sich sowohl unter einander 
als auch den sofort zu nennenden weiteren Al)schieden Wiegand's, aus denen einige markante 
Beisl)iele abgedruckt werden 
hn Jahre 157: veranstaltete Wiegand eine Visitation der mter Lyck, Johannisburg, 
()l-telsburg und Neidenburg. Aus den zahlreichen Abschieden, ira Staats-Archiv KSnigsberg 
Fol. 1283, wie foi" Lck vom 7. Novembèr 1579 Bl. (;7), Johannisburg vom 27. Oktober 1579 
(131.2,5), f)rtelsburg 'o,, 15. ()ktot)er 1579 1131. 5(;1), Neidenburg s'oto 30. Mïtrz 1579 (BI. 745) 
und fur zahlreiche D0rfer werde ich als charakteristisches Beispiel denjenigen fur Lyck zum 
Abdruck bringen. 
J,hnlichen Charakter wie die vorstehenden weisen auch die spiiteren Visitationen 
Wiegand's auf, wie diejenige, we]cl,e Wiegand ira 13eisein des Herrn Hans Kalckstein, Haupt- 
manns auf Rastenburg, (les Officiais Joseph l'aulinus und des Notars Johann am Ende, vont 
2. bis 17. April 1581 in den lntern Rastcnburg, Sehsen, Rein, Angerburg, Oletzko und L5tzen 
vornahm. Aus rien zahlreichen Abscl,ieden, die ira Staats-Archiv KiSnigsberg Fol. 1284 er- 
halten sind, werde ich einige zum Ahdruck hringen, die zar nur ftir kleine (;emeinden be- 
stimmt waren, aber gerade deshall» t»esonders geeignet sind, die Verhiiltnisse, wie sie irklich 
auf dem Lande bestanden, zu beleuchten, niimlich rien Abschied: 
l.'tir das Rirchspiel ,Sensbul'g, iln Amte Sehsten. Vom 2. April 1581 lcit. loco B1. 243). 
Ftir Mal'ggl-abowa, iln Amt ()letzko. Vont 1G. Mai 1581 (cit. loco B1. 525). 
Fth- «las Seu angelegte liil-chsliel zu Czychen ira Alnt Oletzko". Vom 17. Mai 1581 
(cit. loco Bi. .;41). 
Es seien hier auch noch el'wiihnt die Visiations-Abschiede fth-Langhein von 1581 (Kirchen- 
Archiv zu Langheim) und ftir Leunenl,urg s'oto 12. Apri] 151 [Kirchen-Archiv zu Leunenburg). 
9. Von vereinzelten Visitati.nen, WOl'tber wir noch Kunde besizen, wie z. B. fur 
('aylnel vom Jahre 153 (l¢irchen-Al'chiv zu Cavmen, wollen wir absehen, gr/Sssere Visitationen 
fnden erst wieder in den Jahren 1584 85 statt. 
Die Visitation on 1584 betraf ganz tH)erwiegend finanzielle Fragen. Wir ersehen den 
Zweck und Charakter der Visitation ara deutlichsten aus einem Mandat Georg Friedrichs vom 
1. Januar 15s4: .Mandat, so in allen kirchen wegen volziehung der ftrstlichen Visitatorn 
verabsclliedung, entrichtung der ausstellenden Kirchenschulden und ablegung des Decems ab- 
zulegen verordnet." 
Dieses Mandat ist unter Andel'em erhalten ira ,taats-Archiv K6nigsberg Fol. 1281 und 
ira Kirchen-Archiv zu Zinten, deponirt iln Staats-Archiv KiSnigsberg Fol. 137. 
In demselben wird darfi!,er gêklagt, dass nach Bericht der Visitatoren die Kirchen- 
schuhlen und der Decem s unregellniisig und unvollsIiindig eingingen. Das s'on allen Kanzeln 
zu verlesende .Mandat befiehlt daher, dass alle Decem und Schuhlen nach Inhal der Visitations- 
Ahschiede und der ,,auf dent Laslenburschen Landtage einhellig bewilligten und in Druck 
ausgegangenen Kirchenordl,ung" zu entrichten seien. Der Pfarrer soll die Fiilligkeitstermine 
rechtzeitig von der Kan7el verklinden. Ifie Kirchenviiter sollen die Eingiinge in Anwesenheit 
des l'farrers ins Regiser I,ringen. bei einer Busse von 4 l'fund Wachs. 
hn Zusammenl,;tnge mil diesem landesherrlichen Mandat, dessert Abdruck sich verfiber- 
fltissigt, steht eine Verordnung der Visiatol'en. welche offenbar fur die verschiedenen mter 
mutatis muandis, gleichlautend ergangen ist. Wir besitzen sie in zwei Exemplaren" Abschied 
aller l»randenburgischen Kirchen insgemein, dariiber der hauptmann mit ernst zu halten und 
solchen den l,farrherrn und kirchen'tern in Abschriflen milzuteilen" (Staats-Archis- K5nigs- 
berg Fol. 1281 B1. lJ3fl:), und ,Abschied aller ]3algischen Kirchen insgemein", ira Depositum 
(les Kirchen-Archivs Zinten im Staats-Archiv K6nigsberg. 



Einleitung. 17 

Dieser Abschied, det" zugleich (las Ergebniss der gesammten Visitationen zusammen- 
fasst, beschiiftigt sich vorwiegend mit den »Kirchenrechnungen". Er gieht den Kirchen- 
vatern ein genaues Vorbild, ein Formular, eine Trappe", nach der in Zukunft aile Kirchen- 
rechnungen anzulegen, insbesondere die Buchungen tiber Decem, Schoss, Rauchgeld, Tafelgeld, 
Gesindegeld, Begrabniss-, Glocken-, Stand- oder Stuhlgeld und Strafgelder VOl'zunehmen sind. 
Hierbei findet sich in beiden Exemplaren die Vorschrift, dass die Preussen, die durch fiirstliche 
Gnade zu k61mischen Leuten gemacht seien, jetzt auch wie die letztel'cn gebfihrlicher Weise 
den Decem geben mtissten. Daneben finden sich auch Bestimlnungen ïber Baulast, Sorge fïr 
den alten Pfarrer und Pfarr*Relicten (Haus und Landk Es wird eingescha'ft, was vielfach 
abgekommen sei, in allen Kirchen Schulzenbiinke und Auf»eher zu ordlen filmer die Kirchen- 
besucher. Von jedem Hause solle Sonntags wenigstens der Wirth oder die Wirthin nebn den 
ihrigen kommen. Far jede fehlende l'erson ist 1 Gr. zu zahlen, die der Schuhneister ein- 
sammeln soli, ,der daftr 1 Pfenningk erhfilt". Ftr Abnutzung der zinnernen, kupfe-nen und 
eisernen Gefiisse ist nichts mehr zu verrechnen, sondern jeder l'fard'er hat sein Inventar hei 
Abgang wieder abzuliefern. Ziune, Fenster, (fen soll der l'latter nicht verwahrlosen: was von 
ihm oder den Seinen muthwillig daran zerstt)rt wird, hat er selbst zu ersetzen. Die Pfarr- 
herren sollen keinen Schulmeister annehmen, noch heurlauhen ohne Vorwissen der Kirchen- 
viiter .... 
Ein w6rtlicher Abdruck dieses Abschieds ist nicht aih Platze, ebensowenig ein niiheres 
Eingehen auf diese Visitation von 15,4, tiber welche uns fir die .lnter Bramlenburg und 
Rastenburg der Fol. 12Sl des Staats-Archivs l(i)nigsberg, und ftir tlas Alnt Balga das Ieposituln 
des Kirchen-Archivs Zinten iln Slaats-Ar«hiv Knigsberg Aufschluss geben. ]ie rein finanzielle 
Seite der Visitation ist zur Gentge ohen gekennzeichnet. 
l(k Die Visitation des Jahres 155 wird in tien Quellen als ,Generalvisitation" be- 
zeichnet. Uber diesen Begriff vgl. meine Ausfïhrungen in Er. KO. Bd. I, S. i9 ff. 
Uber Wesen und Bedeutung dieser Generalvisitation giebt uns vor allen Dingen die 
Visitations-Instruktion des Landesherrn vom 2. Fehruar 1585, die uns in lnehreren vom Landes- 
herrn untersiegelten Exemplaren im Staats-Archiv K6nigsberg (z. B. iln Fol. 128 Nf. l, ira 
Fol. 1280 h'r. 2, ira Fol. 128 ,'r. :} erlmlten ist, Aufschluss. Die Visitation soli sich erstrecken 
auf die reine Lehre in Gemissheit des preussischen Corpus doctrinae und der Conkrdienf«rmel. 
Die Instruktion bezieht sich dabei auf ein fiirstliches Mandat vom . Januar 1579. (Dieses 
Mandat ist in Abschrift den Instruktions-Exelnpla'en beigeftigt; es ist ein A1)schied ,auf die 
Wiedertaufer-Supplikation" und bestimmt, dass die Wiede'tiufer das L«Itl zu ve'lassen haben.} 
h'ach der Sorge fur die reine Lehre soll sich die Thiitigkeit riel" Visitatoren erslrecken auf 
Leben und Wirken der Pfarrer, Lehrer, Gelneindeglieder. auf das Schulwesen. das Bauweseu 
von Kirche und Schule und das kirchliche Velmi)gen; besonders al)er wi'd eilm christliche 
Regelung des Begrabnisswesens eingeschfirft. 
Nach diesen Gesichtspunkten sind nun auch die Visitationsberichte x'erfasst. S,lche 
besitzen wir vor allen Dingen ffir die drei Stiidte K6nigsherg. 
Und zwar far die Altstadt K6nigslel'g ira Staats-Archiv Kïlfigsbel'g Fol. 128 Nf. l. 
Als Visitatoren waren hier bestellt: Hans Rauter, [berster BUl'ggl';f zu Kinigsberg; .Melchiu" 
von Kreytzen, Fiirstl. Hofrat: M. Benediktus Morgenstern, Allstfidt. l'farrel'; M. Sehastian 
Artomedes, Ineiph6fischer Pfarrer; M. Justus Hedio, Ltibenicht'scher Pfarrer; Ch'istof llai)e, 
Altstfidt. Btrgermeister; Hans Schntirlein, Kneiph(f. Bïrgerlneist(,r; Lorenz Schulz, I,i)heni¢ht'- 
scher Biirgermeister. Der Visitationsbel'icht schilde't sehr ausffihrlich die Zustan(le in Kirche 
und Schule. Ira Abschnitt tiber die Lehre werden ira Auszug zwei Ftirstliche Abschiede gegen 
die Wiedertaufer nitgetheilt von 1559 und VOln 12. Juni 15,5. Bei der Visitation der Schule 
erhalten wir eine grandliche Schilderung des Schulwesens und eine ausfthrliche Schulordnung. 
Sehling, K£rchenordnungen. IV. 3 



18 Das Iterzogthum Preussen. 

Auch ein genaues Verzeichniss der Bticher der Kirchenbibliothek der Altstadt, welche aus dem 
Nachlasse des Joh. Poliander vom Jahre 15;o stammten (a. a. O. Bi. 87ff.). Es folgt dann 
eine ausftihrliche Begriibnissordnung. Am Schlusse bestittigt Georg Friedrich in einem eigen- 
hïtndig unterzeichneten und besiege|ten Sehreiben die vorstehend von seinen Visitatoren er- 
lassenen Abschiede und befieh|t Gehorsam. 
Wir drucken lediglich die Begrtbnissordnung ab (s. unter K)nigsberg). Die Recesse 
ftir die altstiidt.ische und 10benicht'sche Kirche erwahnt ïibrigens schon Hennig im Preuss. 
Archiv, Januar 1795, S. 5 Anm. 
Ahnlich ist der Visitationsakt fr K6nigsberg-L6beuicht (Staats-Archiv K5nigsberg 
V'ol. 1280 lr. 2). Er enthiilt ebenfalls die Instruktion vom 2. Februar 1585, das Mandat vom 
8. Januar 157: dann noch einen Extrakt aus der Visitations-Instruktion, offenbar zum prak- 
tischen Gebrauch der \ïsitatoren angefertigt) und den ¥isitationsbericht von 1585 (mit den 
Abschieden "on 1559 und 1585 gegen die WiedertAufer). Der Bericht enthMt weiter ebenso 
wie fur Altstadt einen ausfiihrlichen Schulplan, Begr/bnissordnung u. s.w. Ara Schlusse folgt 
die ftrstliche Iestiitigung, wie far die Altstadt. Ein zweites Exemplar des Vorstehenden in 
sch6ner Abschrift findet sich ebenda. Aus den Anordnungen der Visitatoren werden einige 
unter ],:0nigsberg-L6benicht abgedruckt werden. 
Die Visitation der Stadt K6nigsberg-Kneiphof ist niedergelegt in Fol. 1280 Nr. 3. Die- 
selbe stimmt mit (len vorstehend beschriebenen in Inhalt und Form so sehr fiberein, dass ein 
weiteres Eingehen sich vertibertlïissigt. Erwiihnen will ich die lateinische ,chulordnung von 
l'astor Sebastian Artomedes von 150 und (las ausfïihrliche Inventar der kirchlichen Einkilnfte. 
Ara Schlusse steht die Bestiitiguug des Landesherrn. 
Ausser far K6nigsberg sind uns aus dieser Visitation urkundliche Nachrichten erhalten 
fiir das Kirchspiel Wahlau ira sanfliindischen Kreise (Staats-Archiv ],:Snigsberg Fol. 1285; diese 
Visitationsakten weisen grosse Ï;bereinstimmung mit denjenigen for K6nigsberg auf) und fïir 
die Stadt 'elau (Staats-Archi- KSnigsberg Fol. 126. Wesentlich finanziellen Inhalts). Weitere 
Visitationsordnungen besitzen wir fiir Klein-Dexen (Kirchen-Archiv \'on Klein-Dexen), Neu- 
hausen tvom ;. Mai 1585. Kirchen-Archiv Neuhausen) und Bartenstein (vom 15. lovember 
1585. Kirchen-Archiv zu Bartenstein). 
Die Visitation, welche 158_; in den Amtern Ortelsburg, Neidenburg, M a ri e n w e r d e r 
und Preussisch-Holland stattfand (,taats-Arehiv K6nigsberg Fol. 121), bietet ftir unsere Zxveeke 
nichts. Der I(ecess fiir Marienwerder ist ïibrigens auch ira Kirchen-Archiv zu Marienwerder 
sowie ira Raths-Archiv zu Marienwerder erhalten vgl. T6ppen, esch. der Stadt Marien- 
werder. Marienwerder 1,q75, . 144; vgl. auch v. Flanss, Zeitschr. d. histor. Vereins ffir den 
Regierungsbezirk Marienwerder. Heft 7. 78. Ebenso wenig kommen die aus den Jahren 1593 
und 1594 uns tiberlieferten Visitationen, von denen wir Bruchstïicke besitzen (so ftir Leunen- 
burg, Kirchen-Archiv zu Leunenburg, so fiir die Schulvisitationen zu Saalfeld, Tilsit tmd Lyck 
von 15.q3/94. Staats-Avchiv Kinigsberg Fol. 1296), hier in Frage. 
Ç;ber eine Lokalvisitation (les lnsterburgischen Kreises von 159o vgl. unter Insterburg. 
Das Gesammthild der Visitati«nen ist ein nicht uuerfreuliches. Zuuiichst liefert es ein 
h6chst eh'endes Zeugniss fih" (len unermiidlichen Fleiss der Bisch6fe, die ihres Amtes in echt 
evangelischem Sinne walteten. Dann aber aueh fih" das hohe Verstiin(lniss, welches die Ffirsten 
diesem Zweige des Kirchenwesens entgegenbrachten. Andererseits liefern die Visitationen auch 
fiir Preussen dea Beweis dafiir, wie langsam das Evangelium in die breiten Volksschichten 
eindrang, und welch unsagbarer Kleinarbeit es bedurft bat, um nur die wichtigsten Grund- 
begriffe dem Volke einzupriigen. Es hind hier allerdings die sprachlichen Schwierigkeiten nicht 
zu iibersehen und die liihe «les eintlussreichen katholischen Polens. \:on Germanisirungs- 
bestrebungen ist dabei keine Rede; ira Gegentheil. )berall 'ird fïir polnische Prediger und 



Enleitung. 19 

polnische Predigt gesorgt. Die eingewanderten Bi)hmetl sind ira Polenthum aufgegangen, nicht 
ira herrschenden Deutschthum. FIir die Erhaltung der Volkssprache ha[ der Landesherr [las 
Mi)g|ichste gethan. Die Ffirsorge fur die Verbreitung des Katechismus steht in geradezu 
riihrender Weise ira Vordergrunde; daneben wird ftr guten Kirchenhesuch gesorgt, wenn auch 
mit recht weltlichen Mitteln. Die Sorge um ttebung und Erhaltung der kirchlichen und 
Pfarreinkïmfte nimmt einen sehr hreiteu Iaum ein; die Ftirs(rge ftu- die altcn Pfarrer und die 
Pfarrelikten bedeutet eiueu Ehrenpunkt. Die Yerfassung der (;emeinden ist durch die Visi- 
tationen nicht hesonders fortgehiidet worden. ('ber die Annahme der Pfarrer, Capliue und 
Lehrer hestehen die mannigfachsten Grundiitze. Es herrscht riel Freiheit ira Einze|nen. 
In Anbetracht der eigenthtlln]ichen, historischen, nationa|en, socia|en und wirthschaft- 
lichen Yedi4]tnise lies Landes m6chte ich das Gesammtbild kein ungiinstiges nennen. 
ErwŒEhnt sei noch aus den Kirchen-Archiven, dass sich Kirchenrechnungen sch»u von 
1529 an vorfinden. Von Kirchenregistern datirt [las frtiheste aus dem Jahre 1579 ri. [Ki)nigs- 
berg, Stadt-Archiv), ihm folgt dasjenige v»n Preussisch-ttol|and aus dem Jahre 15!q [Kirchen- 
Archiv). Vgl. auch Conrad, Fanii]ien-Nachrichten aus ostpr. Kirchenbiichern in tterold. 
Vierteljahrschr. 1.9[i, Heft 2. 
Wenn nach deln Vorstehenden die ¥iitationen eine reiche Blfithe entfal(et haben, so ist 
dagegen von der anderen Aufsichtsforlu, den Syn[ulen tvgI. meine Evang. K.OO. I, S. ;.q ff.. nichts 
zu berichten. Zwar waren solche wiederlm]t geplant (vg]. oben S. 7 und g, aber sie scheinen 
nicht zur Aufiihrung gekommen zu sein. Ein wichtiger Gemralsynodus fand 1567 in Ki)nigs- 
berg statt, diente aber uicht Aufsichtszweckcn, sondern der Berathung lies Cmpus doctrinac. 
YI. Dass tterzog A|brecht ]iingere Zeit hindurch dem ,Schwenkfeldianislnus stal'k zu- 
neigte, ist bekannt t vgl. Tschack ert, Zut Correspondenz Luther's; in Zeitschr. f. l(irchengesch. 
18![, S. 284 Amn., 32DI. (;egen die S«hwarln,,,,eister er]iess Herzog A]brecht ara l. August 
1535 ein Mandat an den Bischof Speratus, die Einheit der Lehre lin Lande aufrecht zu er- 
halten Tschackert, U.B. Nf. !ffSi. Strenge Edikte gegen die Wiedertufer folgten 
(Tschackert 1, S. 22 ri.; Jacobson, ll. Anh. Nf. VIL 
¥II. Einze]nen Miinge]n des Kirchenwesens, wie sie insbesond,r, auf den Visitationen 
bemerkt worden waren, wurde dur«h Specialgesetze abgeholfen. Zut Sicherung der finanziellen 
Lage der Geistlichen ergingen 153 Ver,»rdnungen an die Amt]eute wegen Einziehung der 
geist]ichen Abgaben. Vg]. Jacobson I, 2, Anh. Nf. ¥II. Ein Exemplar: Staats-Archiv 
Kiinigsbel'g Etatsndnisterium 37a; vg]. ferner Tschackert, l'.B. NI'. 1112 1115. Auf einem 
Landtage, welcher Michaelis 154 stattfand, wurden hierfùr erneute Bestimlnungen ge(roffen, 
durch die »Artikel von El-w:ihlung und Untedm]tung der l'farrer, Kirchen, Visitation und was 
weiter dazu geh5rig, inl Ftirstelthum l'reussen auf gehaltener Tagfahrt zu Michael ira Jahre 
1540 einstimmig beschlossen". Ifiese (rdnung handelt von Erwiih]ung und ['nterha]tung der 
Pfarrer, ihr drittes Capitel ,vom Kil'chgang", ein viertes ,von ¥isitatim" und ein Schluss- 
capitel ,von Herbergen" (d. h. den Unterkmfftsnrten der ¥isitatorenl. 
Die drei ersten Capitel stellen Ausfïthrungen der Art. 1-3 der Landesordung von 
1526 dar. 
I0iese Ordnung von Michaelis (29..Sepiember) 154 finale[ sich han,l.chriftlich ira Staats- 
Archiv Ki)nigsberg J. 2. 154t--1543, in einem schi)n geschricbcnen Eemldar mit Yerbesse- 
rungen. Es ist dies offenbar dasjenige Eemplar, nach welchem der I)ruck vorgenommen 
wurde, denn es findet sich auf dem Umschlage fo]gender Vermerk vor: 7ttt Iveriindert aus St,t) 
Exemplaria zu drueken, keins zu verkaufeu, auch leins iiber die fiinfhundert nachzudrucken 
und zu verkaufen, sind Mie in die Kanzlei zu ilberantworten. Inha|tsangahe bei Cosack, 
Speratus 1861, S. 188. Druck: KSnigsberg i. l't. durch Ilans We.xureich, 8 BI., 4 °. Exem- 
plare: Stadtbibl. Ki)nigsberg, KSnigl. Bibl. Ki)nigsberg, Staats-Archiv Ki)nigsberg, Bibliothek. 



21") Ias tlerzogtlam Preussen. 
In 171 4 0 , in 736 fol. Neudrucke: Erl. l'reussen II, S. 154; Richter, K.O. 1, S. 334; Jaeobson 
I, S. 2, Anhang ,Kr. IX (ohne Eiuleituug) vl. Tschackert, U.3. Nr. 1287. Hier wird nach 
dem (riginaldruek abgedruckt. (Nf. 7.) 
Es findet sieh ira Staats-Archiv Kïnigsberg J. 2 G. Venediger) ein Schreiben Venedigers 
an tlerz«)g All)reeht, çorin er seiue Meinung uber eine ihm zut usserung tbersehickte, ge- 
(irueke Kirchenordnung ausspricht. Wahrscheinlieh bezieht sich das im Allgemeinen durehaus 
zustimmend lauteude Schreihen Venedigers auf diese Kircheuordnung und nieht auf die niiehste 
von 1558. 
Auf der gleichen Tagfahrt wurde auch eine in lï bschnitte getheilte Landesordnung 
besch]ossen, die sich gegeu die sittlichen Gebrechen des Volkes richtet, polizeiliche, krimine]le 
und Kirchenzuchtsbestimmungen, auch solche iber Eherecht durch einander gevtrfelt enthalt. 
Diese Landesordnung vom 2!. September 154« oder wie der officielle Titel lautet: 
.Artikel durch Firstliche Duvehlaucht saint gemeiner Landschaft aller Stande (les Filrsten- 
thums ]'reussen auf gehaltencr Tagfahrt ira Jahre 154o einhellig bewilligt angenommen und 
heschiossen" gelaugt hier, soweit sie in den Rahmeu uuserer Sammlung geh0rt, zunl ersten 
Maie nach dem Origina]druck zum Wiederabdruck. Vgi. Tschackert, U.B. Nr. 1286. Druck 
von Weynreich in K0nigsberg. 1 Bl. foli. Exemplar ira Staats-Archiv K6nigsberg. (Ms. 35 
Folio 4) 7:t; fld. (Nf. 8.) 
Den ,Sch]uss der v«rseheud besprochenen Landesordnung bihlen Bestimmungen gegen 
,.Zaubel'ei und Bockheiligung'. Die heidnischen Gehriiuche wurzelen noch tief ira Volke. Vgl. 
aueh [»beu S. 7. Ein besonderes Mandal des Herzogs 'om 24. November 1541 richtet sich gegen 
aberglau]»ische Misshriiuche, speciell solche, die mit wfichsernen Bihlern getrieben wurden. 
Orignaldruck 1. Seite in P]akatform. Exemplar ira Staats-Archiv K0nigsberg J. 2 
154--1543 ITschackert, U.B. St. 1373), sowie ira Staats-Archiv K0nigsberg. Bibliothek. In 
7[;3 fol. Neudruck bel Jacobson, Anh. Nr. VIII. Hier nach dem Originaldruck. (Nv. 9.) 
VIII. Die Ordnung des Eherechts machte, wie tberhau],t in den Reformationslindern, 
so auch in l'reussen Schwierigkeiteu. .q«) z. B. die Frage der Yerwandten-Ehen. Der Herzog 
çande sich lu dieser Angelegenheit an Luther. Melanchthon antwortete, dass von dem kano- 
nischen Ehcverb.t der vierte Grad fall,,n zu ]assen sel. Daraufhin liess der llerzog durch 
Briesmam und l'oliander oin Mandat fB:" die Bisch0fe ausarbeiten, t'oliander schrieb Ein- 
leittmg und Schluss, P, riessmann die Beveisfthrung. Ara 1;. Februar 15:: schiekte der Herzog 
den Entwurf den Bischi)fen P.entz und Speratu. zu, und beide publicirten ihn darauf ein 
jeder fir seinen Bezirk, als ,hisch6f]iches Mandat" in ]ateinischer Sprache durch Druck. Ober 
diese beiden hischi)flichen Mandate "«gl. Tsehackert, U.B. Sr. 1186. 117. Ein Druck- 
exemplar ira Staat-Archiv K0nigsberg, Bibliothek. In 7s4. XXV. 4 °. Ein l'eudruck des sam- 
liindischen Mandats bel l'icolo'«ius ,. 125--132. 
Auch die v,rstehend erwïhnte Landesordnung von 154 enthielt hieriber Bestimmungen. 
Hier erf.]gt der Abdruck nach dem [riginaldruck. int. 6.1 Vgl. Jacobson, I. 2. S. 34; 
Tschackert 1, ,S. 29ff.  Die Concepte und das Ausschreiben des Herzogs s. bel lico- 
lovius, a. a. O. S. 122fl:; sgl. Tschackerl, UB. Nr. 1174. 
Ïber die Handhabung der Ehegerich(sharkeit durch Speratus s. T s c h a ck e r t, Speratus, 
in Schriften des Ver. fiir Reformationsgesch. 18.tq, Bl. 84 ff. 
IX. An der ara 17. Dezember 1542 begonnenen allgemeinen Visitation (vgl. oben) nahm 
Herzog Albrecht persi)nlich Thei] und fil)erzeugte sich von der Unwissenheit des ¥olkes. Des- 
halb erliess er ara 1. Februar 1543 in deutscher und polnischer Sprache einen: ,Befehlich, in 
welchem das volck zu Gotesfurcht, Kircffengang. Empfahung der heiligen Sacramente und 
anderem ermahut werden." Vgl. Tschackert, U.B. r. 15o6 (deutsch), 1507 (poinisch). 
Handschriftliche Exemplare: ira Staats-Archiv K0nigsberg J. 2 1540--1547; im Kirchen-Archiv 



Einleitung. 

zu Zinten; ira Staats-Archiv Kt)nigsberg, Bibliothek, in Folio 141. Drucke des Mandats: 
deutsch und polnisch ira Staats-Archiv Kt)nigsberg, Bil»liothel. In 73t; folio. Dieser Befehl 
ist ebenso wie das Itundschreiben liber den Vollzug von Jacobson I, S. 2, Anh. X und XI 
ohne Quellenangabe publicirt. Hier wird der Befehl nach dem Weynreich'schen Originaldruck 
abgedruukt (h'r. 10a), das Rundschreil,en nach Jacobson, a. ci. O. (Nf. 10b). 
Wie Tschackert 1, S. 213 Aura. t,emerkt, 'urden auf diesem i'mzuge ,ahrscheiulich 
auch das Ordinationsformular, welches die BischSfe verwendeten, und die von den ordinirten 
Pfarrern den Bischt)fen zu leistende Eidesf.rmel fes/gestellt. 
Beide finden sich, so wie sic Tschacl¢ert in U.B. h't'. 15t8 I«reits abgedruclt hat, 
auf der Handschrift des un/er Nf. X al,gedruckten ,l;efehli«hs", ira Staats-Archiv KSnigsberg 
J. 2, 1540--1547, unmittelbar hin/er ei,cm handschriftlichen Vermerk geschriel,en, welcher 
lautet" ,der pfarrer und prediger aidespflicht nicht zu vergessen". Wir drucken hiernact, die 
beiden Formulare ab. (Nf. il.) 
Der Entwurf eines ,Mandais christlicher [rdnung in l'reussen aufgerichtet" von der 
Hand Martin Kannacher's fiudet sich ira Staats-Arùhiv K(nigsberg J. 2 (o. D.) ,gchr. 4, 23, 11. 
(Er handelt von Verachtung (tes [.;ottesdienstes, von Warnuttg auf der Kanzel, vom Zutrinken 
und Tbermaass desselben u. s.w.) Martin Kannacher, ,.let richtiger Martin von Kamach, 
war Burggraf und bat zusammen mit dem Kanzler J»hann von Krevtzen wiederh«,lt in die 
kirchlichen und slaatlichen Anaelegenheiten eingegriffen (vgl. bel Ts c h a ck e r t 1, ,g. 2t;; 
auch ira Register zum Urkundenbuch). (_;enaueres vermag ich aber den «,bigen Entwurf nicht 
mitzutheilen. 
X. Die Erfahrungen auf dem Umzuge liessen eine Umarheitung d.r Kirchenordung 
von 1525 nSthig erscheinen. Als Itaup/grund wird in dem der (rdnung vorangehenden herzog- 
lichen Mandat und der l)ischi)flichen Vorrede Folgendes bezeichnet: I)ie Kirchenordnuug 
1525 fehlte in den Kirchen vieifach; eine l,:inheit des Cultus, amentlich in der Feier des 
Abendmahls (die Frage der Elevitiot spielte hierl,ei eiue gr»sse Rolle} erschiene wïnschens- 
werth. Der Entwurf wurde 1543, und zwar ira Wesentli,'l,en on Briessmann. ausgearbeitet 
(vgl. hierzu Tschackert 1. S. 21,; Aura. 1). 
Durch ein Mandat vom 2. Juni 1544 wurde die neue Kirchenordnung gedruckt l,ublicirt. 
Der Titel lautet: ,Ordnung vom /iusserlichen Gottesdienst und Artickel der Ceremonien, ie 
es inn den Kirchen des Hertzogthumbs zu Preussen gehalten wirt"; Exemplare [les Druckes in 
Kt)nigsberg, K6nigl. Bibliothek und Stadtbil,liothek. Sie erschien gleichzeitig auch in latei- 
nischer und polnischer Sprache (die letztere Fassung stammte von Laurentius Valturnius). 
Tschackert, U.B. ltit;(t, ltiTt, lt;71. Erl l'reussen 2. S. 154; Hennig. a. a. O. 2 Progr- 
1804, S. 5, 7. Vgl. Jacobson I. 2, S. 39ff., namentlich Aura. 43 gegen Arnoldt's Aanahme 
einer Kirchenordnung von 154:1. Tschackert 1, S. 213ff. 
Das Manda/ vont 2. Jnni 1544 ist I.i .lacobson, Anh. XIIA. al,gedruckt. Auf das 
Mandat folgt eine Vorrede der Bisch6fe l'olentz und S],eratus. len l'redigern wurde befohlen, 
das Mandat und die Vorrede der Prilla/en mindestens vier Som/age vor Einfthrung der 
Kirchenordnung von der Kanzel zu verlesen. 
Die Kirchenordnung selbst wurde Anfang Juli eingefthrt. 
Vgl. Tschackert, U.B. Nf. lt6!, lti7! Anm. 
Die Kirchenordnuug ist, wie in der Vorrede der Priilaten ausdr|icklich I)emerkt wird. 
ira Anschluss an die Siichsische Agende von 1.',3:* verfasst. I)ie Elevation ist abgeschafi't, die 
Exorcismen sind beibehalten. Dieserhall war Luther befragt worden (De W e t te, I.uther's 
Briefe 5, S. 541; Arnoldt, a. a. O. S. 288, 2,$9; Tschackert 1. S. 215). 
Inhalt und Charakteristik bel Tschackert 1. S. 217ff.; dort auch die interessante 
Gegentlberstellung mit der Ordnung von 1525. 



02 las Heraogthum Preusen. 
Der Ahdruck hei Richter 2, S. 64 fl ist ltickenhaft. Hier wird sie ganz ab- 
gedruckt. (Nf. 12. 
Besondere Anerkeuuung verdieat die Aufnahme der b6hmischen Emigrauten ira Jahre 
1549. Hierlber giebt uns eiu starker Akt ira Staats-Archiv K6nigsberg, Eatsministerium 38 
I. 1 Auskunft. 
I)ariu finOen sich verschiedene Mandate Oher die Reglung der Verhdtnisse, ins- 
hesondere auch der Cultusverhltnlse der aufgenommenen B6hmen and Hussiten. Die En- 
gahen der Bi)hmen sind zumeist unterzei«hnet ,Christliehe einigkeit der Brder in Behmen 
und Mehren". Besonders wichfig ist hierbei die ,rdnung und Artikel, so auf befehlich des 
Durchlauchtigsten hochgeb, u.s.w, herrn Albrechten des Eltern... gestellt und besehlossen 
dureh die Ehrw. bisehowe und herrn, Georg Polenz, Bischofen ira Samlan,l und herrn Paulum 
Si,eratum von Iettling, i,ischofen zmn l'omezan von wegen der fi'emden elendiglich verjagten 
t,ehemen, wes sie sieh in iren genaden kirchen verhalten sollen" (vgl. aueh Tschaekert 1, 
S. 343 ff.; U.B. gr. 2187; vgl. auch rien Caalog der Raezynski'seh«n Bihliothek in Posen. 
l'osen 185, Bd. I). 
Wir erfahren aus diesem Akte, dass die B6hmen. die man aueh l'ikarden und Waldenser 
nenne, nach l'reussen gekommen seien, dass man zut l'riifung ihres Glaubens ihre Prediger 
nach K6nigsberg citirt un,1 verh6rt habe; sie hiitten ihr Glaubenbekenntniss, gedruckt zu 
Wittenl)erg durch (;eorg Rau 158, iiberreicht, und man habe ihre Lchre untadelhaft gefunden; 
' i 
z'ar stimmten sie in den Ceremon en nicht mit t'reussen Oerein, das seien aber Mittehlinge, 
und sie wollten sich in der Zukunft nach der Landesordnung halten. Sie vurden deshalb 
aufgenommen und es wurden ihnen 21 Artikel vorgeschrieben, deren Verfasser Staphylus 
und die inshesondere das Verhaltniss ,let neben einander bestehenden polnischen und b6hmischen 
l'redigt betrafen. Wie man al,er in spiiteren Jahren darauf bedacht ge-esen ist, das 'oll- 
stndige Aufgchen der B6hmen in die einheimische Ipolnische) Bev61kerung in kirchlicher 
ziehuug herbeizufïhreu, ist aus den Visitationsal)sehiedeu far die tadt ohlau wm Jahre 157s 
zu erkennen. 
Die Zeiteu des Interims urdeu glcklich bér'uudeu. Dass man auch lu l'reusseu 
zum Nachgeben heveit war. beweist ein Aktenstfick ira Staats-Archiv Kbnigsberg, Etats- 
miuisterium 37a ifv¢deve Bezei('huung Schvank 4. 23. 9), hne Datum, mit der rherschrift" 
»Welcher massen sich die pfarherr und prediger mit predigen halten sollen." (Der iiussere 
Umschlag fahrt den Titel- »Kircheuurdnuug in Markgraf Albrechts Fvstentum'). Ich halte 
dieses 5ttck. ber welches sonst jede weitere Sachricht fehlt, fur den Etwurf einer Kirchen- 
ordnung attf der Grundlage des Iuterims. Er enthtdt die Cotcessionet, zu deneu mau zwecks 
Annilherung an den Cultus der katholischen Kirehe in Preussen bereit war. Der Verfasser 
(,in meines .nedigen herrn Ffirsten") ist unbekannt. Der Entwurf ist sehr lehrreich, gehOrt 
aber nicht in «nsere Sammlung. 
XI. Der [terzg sorgte auch weiter fur den Ausbau der Kirche, so durch eiu pceussisches 
Choral-Melodienbuch (es sei hier auch genannt: Die deutsche litanei zu zwei ch6ren, wie man 
sie pflegt zu halten in dem Frstenthum l'reussen 1557 [Staats-Archiv KSnigsberg. Bibliothek 
in 2S6, 8°]), durch Anlegung von Bibliotheken, durch Hehung des Unterrichtswesens, nament- 
lich aber durch die Griindung der Universitiit KOnigsberg 1544 ivgl. TOppen. Grndung der 
Universitt KOnigsberg. K6nigsberg 144; Tschackert, a. a. O. 1, 5.224ff.). Ï'ber den 
Entwurf einer neuen Visitations«rdnung vgl. J a c o b s o n I, 2, 5. 42. Ilervorzuheben sind auch 
die Bemfihungen des Herzogs fur die Evangelisirung der nicht-deutschen Unterthamn" Preussen 
(Letten), Polen und IA/tauer (Herstellung von Catechismen in der betreffenden Sprache). 
Tschackert 1, S. 337ff. Aus Knoke, Liturgisches aus der altpreuss, evang. Kirche, in 
Zeitschr. f. l'astoral-Theologie 2 (131, S. 365 fl entnehme ich Folgendes" Wegen der Miss- 



Einleitung. 23 

briiuche, die das Dolmetschen der Tolken mit sich brachte, liess Herzog Albrecht 1545 einen 
C a t e c h ism u s in preussischer Sprache erscheinen ; auf der linken Seite steht die deutsche, 
auf der rechten die preussische Fassung. In demselhen Jahre folgte eine verbesserte Auflage. 
Eine ibersetzung des ganzen Lutherischen Catechismus verfasste auf Yeranlassung des Herzogs 
Pfarrer Abel Will in Pobeten. Diese erschien mit einer Herzogl. Verordnung fil)er ihre Be- 
nutzung unter dem Titel »Enchiridion. Der kleine Catechismus Doctor Martin Luther's. 
Teutsch und Preussisch. Gedruckt zu KSnigsberg in Preussen durch Johann Daubmann 1561." 
Die herzogliche Verordnung schreibt den Catechismus-Unterricht in beiden Sprachen vor. Der 
Drucl selbst enthiilt bedeutsame Ahweichungen von dem lutherischen Grundtext, und zwar ira 
Tauï-Formular und in der Tauf-Liturgie. Diese sind x'on K n oke herx'orgeh»ben und niiher 
besprochen. (Ein Exemplar des Catechismus von 1545 findet sich ira Staats-Archiv KSnigsi)erg, 
Bibliothek 473, 4°.) 
Ober die Firsorge des H..erzogs fiat die Verbreitung der neuen Lehre in Lithauen, ins- 
besondere seine Bemihungen um Ubersetzungen der Bibel und des Catechi.mus in das Lithauische, 
ist hier nicht niiher zu handeln. Ich nenne die [bersetzungsversuche v«n Rapagellan, Moswidius 
und Jamus. Der Herzog hatte an der Universitiit Knigsberg ein Alumna zut Heranbildung 
lithauischer Prediger begrtindet. lber die (;iiederung der lithauischen l;emeinden unter das 
Inspectorat Insterburg vgl. unter Insterburg. 
Eine reformirte Unterstr6mung wurde hahl unterdrtickt (vgl. T s c h a ck e r t l, S. 21 ff.). 
Die Berufung Osiander's an die I;niversitiit KSnigsberg 1549 wurde fiat die preussische 
Kirche unheilvoll. Die osiandrischen Hiindel. deren Schilderung nicht hierher gehSrt -- es be- 
schiifligen sich datait zahlreiche Archivalien ira Staats-Archiv K(inigsberg, uud zahlreiche, auch 
durch den Druck verbreitete Mandate, so von 1553, 1554, 1555 vgi. z. P,. Staats-Archiv KSnigs- 
berg, Bibliothek, In 312. 4 o . In 452. 4°.) -- brachten Kirche und Land in die iirgste Ver- 
wirrung und schufen schliesslich soar politische Schwierigkeiten. Das Jahr 15;; bringt die 
Rtickkehr zut alten Lehre und zum alten Cultus. 
In die Zeit dieser Wirren fiillt auch der Versuch zut Abfassung einer neuen Kirchen- 
ordnung. 
Ara 25. :November 1558 erliess der Herzog eine neue Kirchenordnung uuter dem Titel: 
»K.O., wie es ira Herzogthumb Preussen, beydes mit Lehr und Cerem.nien, Salnpt andern, so 
zur FSrderung und Erhaltung lies Predigtampts, Cbristlicher Zucht, und guter Ordnung, von 
nSten, gehalten wird. Anderweit tibersehen, gemehret und publicieret. Anno Chriti 155.%" 
Verfasser war Mathiius Vogel. Nach tlartknoch, Altes und nem,s Preussen. 1 ). 2 c. 5 § l. 
S. 460 hat Vo,,.,el entworfen und Johannes Aurifaber ausgearbeitet. Die Kirchenordnung ist 
kurz. Mit Rficksicht auf die Pfiilzer und Wtirttemherger Kirchenordnung sind das Kreuz- 
machen und der Exorcismus bei der Taufe fiutgefa]len. Viele l;eistliche widerstrebten der 
Einffihrung dieser Kirchenordnung, welcher Hinueigung zum Osiandrismus und Calvinismus vor- 
geworfen wurde. Doch findet sich andererseits ira Staats-Archiv Kiinigsberg J. 2 ein ,Concept 
ungenannter Theologen von der Partei J,h. Funcks, welche don Herzog crsuchen, die Kirchen- 
ordnung druckt,n zu lassen".} Aueh die Landstinde erklarten sich een die I)rdnung. weil sie 
ohne ihre Zustimmung erlassen war. So bat sie eine eigent]iche {;c]tung nicht erlangt. 
Hartknoch, Preuss. Kirchenhistorie S. 3!3ff.; Arnoldt S. 2!2ff.; tlennig, Comm. 
(le reliquiis quibusdam Ph. Mehnchtonis. Regiom. 18t3; KSnig, Bibl. Agendarum S. 1S; 
Jacobson I. 2. S. 45. Lctzterer druckt ira Anhang h'r. XV cine ['bersicht der Titel ab aber 
nicht vollstiindig). 
Dass Melanchthon den Entwurf gepriift und approbirt bat, war schon bekannt. I;enauer 
verhiilt es sich datait folgendermaassen. Melanchthon erhielt kein vollstiindiges Fxemplar zu- 
gesandt, sondern nur den ersten Theil der Kirchenordnung, der von der Lehre handelt und 



24 [»as Herzogthum Preussen. 
auch diesen nur bis zu Punkt 27 des Abdrucks bel Jaeobson, Anh. lqr. XV. Das -con 
ielanehthon durchkorrigirte Exemplar findet sich ira Staats-Archiv K6nigsberg J. 2 o. D. 
{Schr. 4. 2:. 121. Kirchenordnung revidirt von Philipp Melanchthon. 
lIelanchthon bat raanche Verbesserung vorgenoraraen, namentlich bat er rien ganzen 
Abschnitt ïber die Beiehte hinzugeschrieben und ara Schlusse rait roter Tinte (es ist ihra also 
zweifelh,s nur dieser Theil vorgelegt worden) vermerkt: 
Finis. Ego Ihilippus diligenter perlegi totura hoc scriptura et annotavi raea raanu 
sicubi aliquid rautandura censui. 
An derselben Stelle ira Saats-Archiv Ki)nigsberg findet sieh ein zweites vollsttndiges, 
seh6n geschriebenes Exeraplar in d rei Theilen ira ersten Theile, welcher auch bloss bis 
J acobson. Anh. X¥ Punkt '2_7 geht, sind lelanehthons Yerbesserungen genau nachgetragen, 
und zwar so genau, dass selbst die Schlussnotiz Ielanchthon's ,,Ego Philippus etc." mit ab- 
geschrieben ist. 
Der zwcite Theil (,der ander teil dieser KO. Von rien Cereraonien und Kirehen- 
gebrauchen") bat dieselben Uberschriften wie sie J acobson, Anh. druckt. ('ur lautet Cap. X: 
ordnung der ehe eideitung oder wie man die eheleut einseguen sol. 
Der dritte Theil, welcher bel Jacobson ganz fehlt, bat folgende )'berschriften: 
Das dritte theill. 
Vonn Erwelung der Praesidenten. 
Wer sie erwelenn und confirrairen md wie ein jeder seiner kirchen colnraendirt, ein- 
eleitet und investieret werden s«ll. [Enthïdt esentlich nur die liturgischen Formen, da die 
Ernennung der Bisch6fe ja vora Landesherrn erfolgt.] 
9,'0 ein jeder Pr/isitlent residiren sol und mit genugsamer unterhaltung versehen und 
v.n wan die gewiesslich zu erlegen. 
Von der Pr/isidenten Ambt wie ferne sich ire jurisdiction erstreekt und in was fellen 
sie richten. 
Von erwelung der archidiac«n, archiprebitern, pfarrherrn, caplan und tolken. 
Von m'dination der pfarrherrn. 
Wie sich ein lffarrherr in seinera arat verhalten sol. 
Von unterhaltung der pfarrherrn u. anderer kirchendiener. 
Von Erlaubung der kirchenliener. 
Von der Visitation. 
Die Instruktion der Vi.qtation: Wie die Pr/isidenten und Visitatoren fragen und in- 
quirieren sollen von der lehr und kirchengebr/iuchen 1 Was der pfarrherr zu fragen von den 
f|irnemsten artikeln der lndesordnung, wie dieselbigen so d«riiber halten sollen, sieh gebaren, 
was lie eltislen des kirchslfiels , kirchenvetter und etliche andere gutherzige leute der pfarr- 
herrn und anderer kirchendiener halben sollen gefragt werdcn; was dera pr/isidenten naeh ge- 
haltener Inquisition ferner geburt zu handeln. 
Von den 9,iderteufl'ern, Sakramentirern, Zauberern und aufruhrern. Casten-und 
Spital-rdnung. tDieses Capitel ist nicht mehr ausgeschrieben, es findet sich nur noeh dieser 
Titel x'o. Wir haben es also in unserera Exerallar nur mit einera Entwurf zu thun.) 
Ein Exemplar der Kirchen.rdnun,,- vora 25. 1%vember 15.58 in Folio findet sieh ira 
Saats-Archiv K6nigsberg, Bibli«thek fol. 79. Sie wird hier nieht abgedruekt, weil sie eine 
Geltung nicht erlangt hat. 
l)iese Kirehenordnung von 15.58 ist auch noch in sp/iteren Zeiten Gegenstand der An- 
feindung gewesen. In einera Bande des Staats-Archivs Knigsberg, Bibliothek, A. 67 fol. 
,Preussisehe Kirchensachen 1531--176:5" wird von einer Hand des 17. Jahrhunderts ausgefiihrt, 
dass Preussen fïnf Kirchenordnungen gehabt habe : 1542, 1.544 (,welehe Luther selbst approbirt"), 



Einleitung. 25 

1558 (,die aber, weil von den des damals grassierenden Osiandrismus beschuldigten Lehrern 
verfertigt, Anno 1567 verworfen wurde"), 1567, die. weil die Exeml,lare ausgegangen, 1598 heu 
verkllndet wurde. In diesem Bande befindet sich nun auch eine interessante Abhandlung des 
Prof. Behm (Druck: KSnigsberg 1t25), die sich in scharfer Form gegen die ,qchrift wendet, 
welche den l,'achweis fthren wollte, dass die Kirchenordnung von 1558 in der Lehre reiner 
und gesunder gewesen sei als die von 1567, welche in rien Kirchen Preussens j,.tzt noch gelte. 
(Vgl. zu dieser polemischen Schrift Ilbrigens Ts«hackert l, S. 167.) 
Aus den oben geschilderten Gl-inden traf Albrecht ara 4. Okt.ber 1566 mit den Stiinden 
eine Vereinbarung: ,Es sol vt,n den Bichofl'en und anderen gelerten gottesfÏrchtigen kirchen- 
dienern vom je[zigen S. Michaelis tage zurechnen in Jahres frist eine rechtschaflene reine un- 
vordechtige kirchenordnunge, darinne die Lehre nach der Augs],urgischen Confession anno 
dreissig getruckt, kliirlich verfasset, gute Christliche und uherein tragende Ceremonien und 
Discip]in begriffen, agesetzt und beschrieben werden." Joachim Mi)rlein und Martin Chemnitz, 
aus Braunschweig herufen, vollzogen die Arheit. Ara 25. Mai 1567 (Montag nach Trinitatis) 
rand ein Generalsynodus zu Kinigsberg statt zur Berathung tl,er das neue Corpus doctrinae. 
Ara 30. Mai wurde dasselhe von allen anwesenden Theologen angenommen und unterschrieben. 
(Vgl. Staats-Archiv Kinigsherg J. 2. Corpus doctrinae 15i7. In diesem Fache liegt auch das 
Exemplar. nach welchem der Druck veranstaltet wurde.) Die Ordnung erschien iln Druck 
unter dem Titel ,Repetitio corporis doctrinae Prutenici" zu Kt)nigsberg bei Johann Schmidt. 
Ein l,'eudruck stammt aus dem Jahre 157[. Alt-Preussisches .Iahrl)uch 1.(;1 (Erdlnann). 
Vgl. auch Privilegia der Stinde des Herzogthums Preussen. Fol. 88--.q. 
Ein Abdruck findet hier nicht statt. 
Ursprtnglich hatte man an eine Neubearbeitung der Cerenlonien nicht gedacht. Es 
sollte bel der gedruckten Ordnung von 1544 sein Bewenden haben. Nach Publikation lier 
lepetitio wurde jedoch auch dieser Theil der Kirchenordnung einer Revisit,n unterzogen, und 
zwar durch die Bischt)fe v«,n Samland und Pomesanien, Venediger und M6rlein. Druck: 1568 
Kt)nigsberg in Preussen. bey Johann Daubmann. Titel: KO. und Ceremonien. Wie es in uhung 
Gottes Worts und reichung der hochwfirdigen Sacramente, in den Kirchen des tterzogthumhs 
Preussen soli gehalten werden. 1571 wurde sie dureh Hieronnlus Maletius ins l'olnisehe 
ibersetzt. 
Li[eratur: Hartknoeh, Pr. Kirehenhist. S. 433, Alles und Seues Preussen S. 481 ff.; 
Seckendol'f, Lib. 1 § 172 Nf. 4 !'- 298; .lacobson I, 2. S. 47ff. Neudrucke 1583, 15t 
(vgl. Kt)nig 19). Alt-Preussisehes Kirchenhuch. Kinigsherg 1861; Jacobson I. 2 Anh. XVI 
und R i e h ter 2, 297 geben die Titelttberschriften wieder. 
Da diese Ordnung die Grundlage ïta" die ganze folgende Zeit gebil,let bat, so wird sie 
hier ahgedruekt. (Nf. 13.) 
Der Ahschnitt .Vtn rien Tolcken" hetriflt die D,hnetscher, welche auf niedrigeren 
Kanze]n stehend rlem Volke rlie l'redigt ries de||tsch retlenden l'rediers Satz fiir Satz in «lio 
Volkssprache tibertrugen, da das Volk I)eutsch ||,ch niehl verstand. (Vgl. H a ri k n, eh, Aires 
und Neues Preussen, S. 90 u. 472. (l)ie Einfthrmig s.leher Tolken war id,rigens srhon auf 
der Ermelandisch.n Synode von 1497 beschlossen worden.) 
XII. Die Verfassung der Kirche war durch das Festhalten «iii dv heiden Bischi;fen 
gegeben. Das Verhiiltniss des Hochmeislers un«i Iqerzogs zu ihnen xx'«r kein klar gregeltes. 
Zwar die Bisehï»fe ïassten ihr Alnt iln alten Sinne auf; sie behielten auch die ()rgane der 
katholischen Zeit, Official und Consistorium, letzteres als Iel'ieht hest,nders in Ehehiindeln 
(vgl. Nieolovius S. 48ff.)hei. Zum Landesherrn sanden sie in ('nterordnung; diese war 
eine freiwillige und dem edlen Fiirsten gegentlel" leicht zu ertragende, und wurde als solche 
aueh wohl kaum empfunden. Aher sie war dt,eh vorhanden. Von ihm erhielten sie Auïtriige und 
8ehling, Kirchenordnungen. IV. 4 



0 6 Das Iterzogthum Preussen. 
Befehle. Zwar gab Albrecht ihnen Gelegenheit genug, sich als ,Bisch6fe" zu bethitigen, sie 
erliesseu z. B. ira eigeneu Namen an die ihneu unterstellte Geistlichkeit bisch6fliche Mandate 
(wie die Ehemandate), aber die Befehle dazu gingen doch vom Landesherrn ans. Der Landes- 
herr nahm bisweilen sogar persi)nlich an (leu bischflichen Visitationen Theil. Das war ira 
lutherischen Sinne durchaus in der Orduung; der Landesherr hatte ja als chri.tliche Obrigkeit 
die Pflicht, fïr reine Lehre zu sorgeu, ri humana, wiihrend die Geit|ichkeit das glei¢he verbo 
zu he.orgen hatte. Aber thatsichlich war er seinen Bisch6fen v6llig ibergeordnet sie ftihrten 
thatsichlich seinen Willen ans. Beziiglich der Austellung der Geistliehen war das Verhltuiss 
ein ilmliches (vgl. Tschackert 1: S. 355). 
Es dauerte auch nicht lage, bis der Landesherr den Versuch machte, diese Unter- 
orlnung der Bi.chfe. die Concentrirung der gesammten t;ewalt in seiner Hand. aueh iiusser- 
lieh mehr zum Au.dru«k zu bringen. Der llerzog versuchte sogar das Amt der Bisch)fe ganz 
abzuschaffen uud durch minder selhststindige Organe zu ersetzen. 
Zwar hatte Herzog Albrecht in der Regimentsnotel vom 18. November 1542 die Auf- 
rechterhaltung der beideu Epi.kopate zugesicbert, tUber diese Regimentsnotel vgl. J a c o b s o n 
I. 2, S. ,37. Abdruck in den Privilegien der tnde Preussens Fol. 51--5;. Einige telleu 
sind bei Nicolovius, a. a. O. ,. 138--144 abgedruckt. Vgl. auch Tschackert, U.B. 
lX'r. 1475. Wir drucken sie nicht al,. weil sie in der sofort zu nenuenden Ordnung von 1568 
ihre Erweiterung gefunden hat. Aber als Georg Polentz, der sidi 154; in Briessmann und 
nach de.sen Tode 17,49 in Iindçr zur l'nterstiitzung ira Predigen und Visitiren einen 
Prisidenten  als Verweser seiner geistliehen Jurisdiktion bestellt hatte (vgl. die .ottel, 
xvelcher ge.talt der her von Sam|»landt sich mit Doetor Briessmalm wegen der x-erwaltung 
des bischoflichen amts, dasselidge zu verwesen, verglichen ", 154;. bei N i co! ovi u s $. 144), 
verstarb, liess der H'rzog die Stelle unhesetzt untl wollte sich mit einem ,Prsidenten" 
begniigen. Ebenso liess der Herzog das Bi.thum l'omesanien nach dem Tode des Speratus (1554) 
durch hesondere Alge«rdnete verw«dten. Der Herzog wollte offenbar die schon durch rien 
Klang des Xamens und die Macht der Tradition eiuttussreiche Bisch)fliche Verfassuug" eiu- 
gehen lasseu uud seine Kirche der clmrsiichsischeu Consistorialverfassung anntihern. Aher er 
hatte die Rechnung ohne die tiinde gemacht, die nicht mit Uureeht darin ein Erstarken der 
iandesherrlichen Selhstiindigkeit erhlicktên. Sie for, lerten auf versehiedenen Landtagen die 
Wiederbesetzung der Bisthfiner (vgl. hierfiher des niheren lX'ico l ovius .. 55 ff., 68 ff., 87 ff., 
152, 1.55, 1.5). Eine lchrreiche kurze Darstellung der Redite der l:isehSfe in geschichtlicher 
Entwicklung findet sich handsehriftlich ira ,taats-Archiv Kïnigherg J. 2, 17,4--1543) und der 
Herzog musste nachgcben. Ara 14. Oktober 15i6 traf er eine Vereinigung mit don Stiinden 
wegen der Wah], Jurisdiktion und Besoldung der Bischife (I'rivilegia der Sttinde Preussens 
Fol. ;ff.). Eine besondere Ver»rdnung vom li. Juni 15;7 rege]te nochmals die Beso]dungs- 
frage (abgedruckt hei licolovius S. 1;--163), und ]7,ris wnrden wieder in Venediger und 
M6rlein zwei Biseh6i'e fur l'omesanien und Samland bestellt. 
Diese Regelung der bischï)flicheu Verfassung wurde mit einigen anderen rechtlichen 
l'unkten unter Zugrunde]egung der Visitationsartikel von 1540 als eine Ordnung zusammen- 
gefasst und unter dem Titel ,Von Erweh]ung der beydcn Bischoff Stm]andt und Pomezan, ira 
Herzogthum Preussen, auch von ihrem ampt, ver«rdnung der visitation und anderem, so zut 
fiirderung und erhaltung des predigtamlts und schulen, christlicher zucht und guter ordnung 
von nïten ist", 156s zu K6nigsberg von Johann I)aubmann gedruckt. Dieser Druck ist in zahl- 
reichen Exemplaren vorhanden (z. B. auch ira Kirchenarchiv zu Germau). 
Neudruck 15!8; G r u b e, Corpus Constit. Pruten. T. I n. 1  N i c o 1 o v i u s S. 14--191. 
Prenss. Prov.-Bliitter 5 (143) Bl. 145; lichter 2, S. 297 ff.; Alt-Preuss. Kirchenhuch K6nigs- 
berg 1861. Wir drucken nach dem K6nigsberger Drucke von 1568. (Nf. ]-.) 



Einleitung. 27 

Zur Geschichte vgl. Hartknoch S. 454 ff.; Arnoldt S. 3t)5 ff.; l'icolovius S. 76ff.; 
Erl. Preussen 2, 154; Jacobson I, 2 S. 49fl'. 
Diese Ordnung regelt die Verfassung und bildet mit den zwei vorangegangenen Ord- 
nungen von 1568 das Fundament der preussisehen Landeskirche ftr das 16. Jahrhundert. 
XIII. Herzog Albrecht starb ara 2¢1. 3liirz 1563 noch vor der Publikation der Kirchen- 
ordnung und der Bischofswahl. Sein Sohn, Ali»,rt Friedrich, wurde ara 19. September 151_;9 
mit dem Herzogthum belehnt, und in die Belehnung der Markgraf wm Anshach und der Chur- 
fïrst x'on 13randenburg aufgenommen, h der Confirmation der Landesprivilegien vom 8. Mai 
1573 sicherte Albert Friedrich ausdrtcklich die Aufrechterhaltung der Repetitio corporis 
doctrinae von 1567 und der Kirchenordnung v«m 151j8 zu lPrivilegia der Stinde Preussens 
Fol. 92a). Albert Friedrich suchte den alten Gedanken, an Stelle der Bischi3fe ein Consistorium 
fïr das ganze Land einzurichten, xvieder durchzuftihren. Der Plan scheiterte an dem Wider- 
spruch der Stiinde, und Samland erhieit 1573 in tlesshusius. I'/mesanien in Wiegand 1575 einen 
neuen Bischof. Der Curator des bi6dsinnig gewordenen Herzogs, Markgraf Georg Friedrich von 
Ansbach (bestellt seit 1577), nahm al,er den Plan wieder auf; er wtinschte ebenfalls eine eil» 
fache Consistorialverfassung ie in seinem Lande, und veranlasste 15s4 rien Ent'urf eiuer 
Consistorialordnung. Die Stiinde, velche das Institut der Bischi)fe vorz,gen, lcisteten energischen 
Widerstand. Georg Fri«drich verschob die Anglegenheit, sctzte sie aber 1.',7 durch, indem er 
zwei Consistorien errichtet', fur Samland zu Ki)nigsberg, far P«niesanien zu Salfehi. Als 
Grundlage urde den Stiuden die Con.istoriairdnung 'on 15'4 vorgelegt. Es ,xurdeu die 
zwei Consistorien organisirt und, vie Jacobson I, 2 S.-57 wohi mit Iecht vermuthet, die 
Instruktion far dieselben auf Grund der Consistorialordnun von 154 aufgesctzt. Ebenso 
steht lest, dass sie spiiteren Verhandlungtn (z. ]3. 17101 zu Grunde gelegt wurde (vgl. 
Jacobson I, 2 S. 56ff.).  Vgl. auch Richter, Kirchenverf. S. 119, 131. Bel ihrer Ab- 
fassung wurden benutzt die Siichsische Kirchenordnung von 15,'«) und die Brandenhurgische 
Consistorialordnung vert 1573. Druck: bel Jacobson I. 2 Anh. Nf. XVII ans dem Staats- 
Archiv; darnach bel Richter 2, S. 4i2 und hier. (Nr. 16.) 
XIV. Den Ausbau des preussischen Kirchenrechts hringt eine Alzah| allgemeiuer und 
besonderer Verordnungen. Es seien hervorgeh,ben die Landesordnung des Herzogthums 
Preussen von 1577, mit ihren Bestimmungen in Ehesachen. Dieselben beruhen auf dem Mandat 
voit 1539. Litteratur: Jacobson I. 2 S. 55. 
Druck: Landesordnung des Herzogthums Preussen. auff arme 77 zu Kiinigsl»erg ge- 
ha]tenem Landtage, beliebet. G«druclt zu K6nigsberg bey georgen Osterbergern, arme 1577. 
Sie wird nicht abgedruckt.  
Wichtig fur die Kirchenzucht war «las Edikt veto 2.. Juni 15,1, vonach kein Geist- 
licher ohne Zu:timmung der Bqt(irde die Sahramente und das ]3egriilmiss versagen dtirfe. 
Wiederho]t gedruckt; u. a. von Nic«lovius, a. a. lt. S.:H4. (Nf. 15.) 
Es hingt dieses Mandat mit rien Lehrstreitigkeiten zusammet, die damals die 1,reussische 
Kirche int historischen Zusammenhange mit der Concordienformel hesondcrs heftig heim- 
suchten und zu deren Dmpfung verschiedene Mandate erlassen werd«.n mussten. Vgl. 
Jacobson I, 2 S. 58ff.; Nieolovius S. 315. 
['ber die grosse Visitation von 15s5,sli ist oben berichtet w,rden, la dicse Visitation 
die finanziellen Më, ngel wieder aufdeckte, crliess der Markgraf ein allgemeines Mandat veto 
12. November 159. in welchem er die Berichtigung der Schuhten und j/ihrli«he Rechuungs- 
legung anbefiehit. Die Confirmation der Stadt Marienwerder veto 2:,. April 15. winl unter 
Marienwerder erwihnt. 
Dem wiederholten Wunsehe der St/inde nach Wiedereinftihrung der hisch6flichen Ver- 
fassung hat der Markgraf nicht entsproehen. Er starb ara 26. April 16112. 
4* 



28 Das tlerzogthum Preussen. 

Aus der Regierungszeit Georg Friedrich's miissen noeh zwei Mandate Erw:,lhnung 
finden, die in litthauischer Sprache abgefasst sind. Das eine vom 14£ Dezember 1578 bezieht 
siih auf die Zustinde in Ragnit, Wischwill, Lasdehnen, Pilkallen, Sehirwind, Krampischken, 
Wilkischken. Ein Ausschreiben an die Hauptleute in deutscher Sprache vom 12. Februar 1579 
befiehlt die Pui)likation. Vgl. Bezzeuherger in Altpreuss. Mouatssehr. 14, S. 457 ff. Ein 
iihnliclles Mandat vom 6. Dezember 157, ist bereits von Nesselmann in N.-Preuss. Prov.-BI. 
.kndere Foige. I, S. 241 ff. (1,'352) publicirt und bezieht sich auf die Einwohner von Tilsit, 
Kaukemen, Coadjuten un(1 Piktupoenen. 
Beide Mandate gewiihren einen Einblick in die religiSsen Zustiinde hei den Lithauern 
und wenden sich namentlich gegen allerlei heidnische l;ebri4uche. Beide Mandate erwiihnen 
eine Visitation, das erste als bereits vollendet, (las zweite als hew»rstehend. 
Dafal, (lass leorg Friedrich die tlohe Bedeutung der Schulell wohl erkannt hatte und 
lnit allen Mitteln um die lfebung der Bildung bemiiht war, geben die ira Foliant 128J h'r. 1 
des Staats-Archivs KSnigsberg vereinigten Aktenstiicke einen tl-efflichen Beweis. Dieselben be- 
schiftigen sich mit der Erl'iclltung dreier Partikularschulen zu Saalfeld, Tilsit und Lyck, und 
enthalten Beriehte, ()rigilmlau.s('hreiben des Landesherrn (vom 22. August 15*J, Bl. l:*ff.}, 
Fumlati,nsurkunden fïr Tilsit, Lyck, Saalfeld, Schulor(lnungen umi Sachrichten liber sptere 
Visitaionea dieser Schulcn von 15!3 und 15!4. Es soli hierauf nicht niiher eillgegangen, da- 
gegell ri.ch auf div_ Schulol'dnungen verwiesen werdell, die gelegentlich der Vi.itationen in den 
Stiidten iberreicht wurden, z. B. inlii)nig»berg, bei der Visitation von 1585 (vgl. bel lçSnigs- 
berg). Filr die Zeit Herzog Albrecht's sel ebellfalls auf die Visitationen verwiesen, z. B. auf 
diejenige von 1542, oben .. 1. 
Ein I)rdinationszeugniss des Bischofs Wiegand vom 3. Iktober 1585 fiir Abraham 
Faber, der 112 l'farrer von lIermsdorf ira Kreise l'reussisch-llolland wurde, bat Borkowski 
aus dem Archive Schlohitten in ,,ltpl'euss. Monatsschr. 27, S. ;4764.q publicirt. 



OIE 

KIR (I H E NOR, DNUNG EN. 

1. Thntata episeopi Risenhurgensis. 1525. 
[Nach Tschackert, l'rkundenbu«h Nr. 300. Vgl. ,I,en S. 5.] 

1) »Erstlich bisher, habt ihr g«.halten 7 sacra- 
menta, die unrecht sein; f«»rthin soli vin-alh.n 
dingen eurer seligkeit grundfeste sein dor glaube, 
und sollet nicht mehr sacramenta haben, denn ,lio 
¢'hristus eingesetzt hat, nimlich das heilige nacht- 
mahl und die heilige taufi.. 
2} Es soli forthin k«.ln bam nehr se'in noch 
gelten, dor «»hue grund des g¢ttliche.n w,»rtes die 
gewissen beschwere und durch mens«hen-satzung 
allein zwinget. 
3) E soli hinfort koine beichte den priestern 
geschehen {auricularis scilicet confessi,,), dadurch 
man schuldig wire, aile siinden namkundig zu 
machen. 
4) Es sollen nun forthin keine wailfahrten 
noch wanderungen an heilige stttten sein, als die 
niemand zur seligkeit dienen. 
5) Es sollen forthin keine processiones ge- 
halten werden als die in gottes wort keinen grund 
haben. 
6) Es soli fortmehr kein lauten noch singen 
noch messe noch vigiliên iiber die todten gehalten 
werden; denn es ist ihnen nichts ntitze, auch 
datait nichts geholfen. 

da predigen Illi1 g, ttes w»rt rein lehren nnd aus- 
l,'gen und der kirche vorsteheu. 
11} Man soli hinf-rt die rage un,l zeiten 
abergltiubischer weise ni«ht unt«-rscheiden mit 
allerlei feiertagen, freitagen, sonnabenden, qua- 
tomber, fasten und.dergleichen; sondern es soli 
ailes jeglicher tag des herrn sein, fleisch oder fisch 
zu essen, wie es einem jeden beliebt odcr noth 
ist, «Mer wie es der liebe gott bêscheert. 
1"2 Di«. osterfeiertage, pfingstfeier und welt- 
nachtenfeier, dergeichen auch die sonntage s-Il 
man halten nach christlicher weise, wie es gottes 
w«»rt und «,rdnung gemiss ist. Andere feiertage 
solcher heiligen, die in gottes w,»rt nicht gêgrtindêt 
und den menschen von seiner tiglichen arbeit 
und beruf abhalteu, sind lauter menschentandt 
und gedichte die zu bisen exempeln gereichen. 
131 Es sollen die gesinge und gebete in der 
kirche deutsch gehalten werden, datait es jeder- 
manu verstehe. Das salve regina soli man nicht 
singên, denn es gereicht gott zur verklêinerung. 
Die ceremonien der heiligen taule soli man deutsch 
begehen, ohne chrysam und 1. 
14) Decimas soll man uicht geben den pfarr- 

7 :Es soli forthin kein wasser, salz, asche, herrn, die ihr amt nicht brauchen; sondern die 
palmen, lichte, kruîer und dergleichen geweilwt dem altar dienen, denn soli man vom altar 
werden; denn das ist ailes menschentandt und ist lohn«.n. 
nirgends zu ntitze. 15) E soli fi,rtan in keiner kirche das ge- 
8) 5Ian soll kein begribniss oder begingniss segnete brod eingeschl,»ssen werden und flir gottes 
liber die todten halten, auch nicht far sie bitten; [ leichnam ausserhalb der communion nach ('hristi 
denn sie sind in gottes hand und gericht, einsetzung" gehalten oder umgetragên werden. 

9) Es soli kein orden mehr sein, wedêr miinche 
noch nounen, sondern allein solcher orden, der 
gegen die unglttubigen und heiden streitet, wie 
der deutsche orden ist. 
10) Es sollen bischOfe sein und bleiben, nicht 
chrysam-bischOfe, auch nicht weihe-bischife; die 

16) Die bilder in hitusern und kirchen soli 
man nicht anboton, denselben auch kein licht an- 
stecken. 
17) Die gebote und verbote der gevatterschaft 
halber in den eheverheiratungen sind lauter 
mensehentandt und in gottês wort nieht gegrttndet. 



30 

l')as Herzogthum Preussen. 

18) Die hruderschaften und gilden sollen ihre 
stiftungen nicht auf die messe sondern zu unter- 
haltung der armen und anderen gottseligen ge- 
hriuchen wenden und legen. 
19) Die tigliche messe ist ein greuel gottes; 
darum soli sie forthiu in keiner kirche uud nirgends 
gehalten werden. 
20) Der zum heiligen nachtmahl gehen will, 
der lasse sich den priester, seinen beichtvater, 
arts gottes wort berichten und herichte sich auch 

selbst, wie er brod und wein naeh Cbristi ein- 
setzung in beiderlei gestalt nehmen und ge- 
niessen soll. 
21) Ob jemand meinet, dass er ftir seine stlnde 
selbst satisfaction thuen und ohne Christi verdienst 
sich salvieren kinnte, anathema esto, der sei ver- 
maledeiet ! 
221 Allen pfaffen und mi;nehen und} nonnen 
ist unverboten, ihren orden zu verlassen und in 
den ehestand zu treten." 

Artikel der eeremonien und anderer kirchen ordnung. Vom 10. Dezember 1525. 
['ach dent riginaldruck Kgnigsberg. ]lans Weinreich 1.526. Vgl. oben S. 6.] 

Von gots gaden wir Georg zu Samland, und 
Erhardt zu Pomesan. bisch,»ti etc. embieten Mien 
und jeglichen unserer biscl,thumben christlichen 
gemeinen odor kirchspilen, und dinern derselbigen, 
gnade und fride in ('hristo unserm herrn nnd 
erzhirten. 
Lichen briider, dieweil uns amts halben 
gebiirt mit sorgen zu wachen und aufzusehen 
attf das geistliche regiment und gute ordnung der 
kirchen, welchs aber darinne stehet, das gots wort 
rechtschaffen und zut besserung geprediget, und 
daraus andere iiisserliche kirchen ordnung tbrm- 
lieh gefurt und gehalten werden. .Su x erh,,ffen 
wir, ihr sollet aile neben uns den fleiss haben. 
datait fur Mien dingen das theur w,»rt gottis uns 
zu diesen zeiten gnediglichen und reichlichen v,,n 
gote vorlihen, seinc-n gang habe und frucht bringe. 
Aber dieselbigen "tisserlichen kirchen ordnung, 
darin denn durch geiz, gleisnerei und blindheit 
vil verkerter weise ein zeitlang eingefurt sein, 
nach dem w«»rte gottis in besserung zu stellen, 
haben wir von euern wegen, und euch Mien zu 
gut, auf uns nemen miissen, und hirinne mit rathe 
unserer mitbrtidere, der prediger zu Ktinigsberg. 
und bewegung aller umstende, nachvolgende ord- 
nung begriffen, dieselben dem durchleiichten hoch- 
gebornen fiirst¢,n und herrn, herrn Albrechten, 
marggrafen zu Brandenburg, in Pr«.ussen, zu Stetin, 
Pomern, der ('assuben und Wenden herzog, burg- 
gratin zu ,Niirmberg, und Fiirsten zu Riigen, 
unserm gnedigsten herrn saint dem verordenten 
ausschus des ganzen ftirstenthums, auf dem land- 
tag zu K6nigsberg ira December des fiinfzehen- 
hundersten und fiinthndzwenzigsten jares gohalten 
furgetragen. Wie dann auch alsdann solche uusere 
ordnung einheliglich, fur gut anges«.hen, bewilligt 
und angenommen ist. Nicht das hiemit so vil 
unsere ordnung belanget der christlichen freiheit 
zuentgegen einiche hot oder gezwang gemacht, und 
also den gewissen, wie vormals durch m(.nschen 
satzung geschehen, stricke gelegt werden sollen. 
sonder alleine das wir hierinne als durch ein 
btirgerliche willki3rliche ordnung, formlichen und 

ordentliehen, auch so vil es mÇglichen, einerlei 
weise handeln und gebahren m;igen, attgesehen das 
solche eiisserliche cerimonien und geberde zum 
teil von unserm heiland Christo selbst aufgesetzt, 
als nemlichen die heiligen sacrament der tauf und 
seines leibs und blutes etc. auch etliche sonst in 
der schrift gegriindet als ehe, und ehe scheidung, 
darinne dann an«. das nimands anders dann nach 
dem worte zuhandelen macht bat. Zum theil 
aber eines unstretlicheu alten herkommens, und 
den kindischen sehwachen christen, wie dann der 
merertheil befhnden wirt, zu guter eiisserlichen 
anreizung dienstlich und notwendig sein» und der- 
halben je nicht miigen gar verachtet und abgethan 
werden. Aber doch niche sollen mit unf;»rmlichen 
missbrauchen behengt bleiben. Ist derwegen unser 
gtitlichs begern und christlich vermanung wiSllet 
zu ehrett dem g3ttlichen worte und christlicher 
einigkeit, in solche gute ordnung gutwilliglichen 
und einmiitiglich treten, und, wie uns der heilige 
Paulus lernet, in allen dingen ordenlich gebaren. 

Artikel der ceremonien und anderer 
kirchen ordnung. 
Estlichen datait die biblische schrit so vil 
bekanter unter dem christen volk werden mage, 
und sonderlichen die jenigen, so in kiinftigen 
zeiteu prediger werden sollen, bei der heiligen 
geschrilt aufgezogen werden, soli die ganze biblische 
schrift in metten, messe, und vesper ordentlich 
capitel weise eingeteilt und gelesen werden an 
den orten do man es ftiglichen thun kann, denn 
die anderen m;igen nach vormiigen hinach greifen, 
doch also das man etliche capitel, als von erzelnng 
der geschlechte, ader volker, oder sonst der- 
gleichen ira alen testament, so dem volk undienst- 
lich, aussen la.ose. Auch dieweil solche biicher 
noch nicht alle itt gut deiitsch bracht sein, muss 
man tie weil in den jenigen, so ira druck aus- 
gangen sein. sich iiben, bissolang die andern auch 
gefertiget werden. 
Zum andern, dieweil aber solche iibung der 



Artikel der ceremonien und ander kirchen odnung von 1525. 31 

heiligen sehrift neben anderm singen und lesen, 
welchs doch wenig sein sol, mehr dann in einer- 
loi sprach gescheen kan, und bereid alhie zu 
K(inigsberg, und vast an vilen orten der morer 
theil solchs lesens und singens in deiitscber zungen, 
datait sich es jederman ara besten gebessern miige, 
furgenomen ist, bleibt es billich dabei, das diese 
unsere gemeine zunge vornomlich hierinne ge- 
braucht werde, als sonderlich was die capitel der 
sclarift und gebet oder collecteu, auch handlung 
und reichung der sacrament belange. Was aber 
introit der messe, et in terra, sanctus, agi, us 
dei und responsoria zur metten und vesper sein, 
dieweil solchs ailes vil noten bat, and das deiitsche 
darunder lficht formlich nach vornemlich ist, mag 
man wol lateinisch bleiben lasseu, odor wo seiche 
gesenge jetzund bereit deiitsch gehalten werden, 
mit der zeit, wo die lateinischen schulen bas in 
don gang kommen, wider lateiaisch halten, denn 
auch Paulus 1. Corint. 14 nicht weret in der 
christlichen gemeine mit zungen zureden, und 
aber sonderlich diese lande vil undeutscher haben. 
welchen man hirinne nicht wol anders dinen kan, 
denn das man etwas lateiuisches bleibm lasse, 
datait doch ihr etzliche auch ihren theil an unserm 
singen und lesen verstehen. 
Wir haben auch fur gut angesehen, das man 
das lateinische psalliren nicht ganz abgehen lasse, 
in sonderheit, wo bessere tra,tslatinn kommeu 
wtirt, und die schulen in dem schwang gehen. 
Item man muss zu solchem singen und lesen 
bequeme bticher zu gemeinem gebrauch schaffen. 

Von metten. 
Anzufahen wie gewJhnlichen domine labia 
mea etc. lateinisch oder detitsch nach bequemig- 
keit ane venite und antiphen und v-lgende zwene 
oder drei psalmen, nach dem dieselben lang odor 
kurz, in geweihnlichem thon zusingen, mit klaren 
underschidlichen sillaben und worten. 
Darauf sol der caplan oder pfarrer, oin ganz 
oder halb capitel gegen dem volk detitseh uud 
clar lesen und nicht singen, mit einer ganz kurzen 
angehefien anzeigung des vorstants und brau«hs 
oder nutzes solcher gelesen schrift und 
seiche capitel ordentlichen nach einander mis dom 
alten testament rem anfang bis auf die propheten 
genomen werden. 
Darauf sal gesungen werden oin gew,nlieh 
Respons aus demselben huche der schrift, daraus 
man zurzeit die capitel liset, und also bel itz- 
lichera bueh der schrift oin sonderlich resp,n. 
gebraueht werden, wie dann dieselben ara ende 
verzeichent seint. 
Darnach singer der priester den versikel, 
erzeige uns herr dein barmherzigkeit, mit ant- 

wort des chers, und beschletisst mit einer detitschen 
collecten von der zeit, und gewonlicher benediction 
wie ara onde diser ordnung verzeichent ist. 
Item die psalmen zur metten sollen sein das 
erste theil des psalters bis auf dixit d,minus. 
Item es wer firmlich, «las solche metten alhier 
zu K(inigsbel'g in der Altenstadt etwas euger auf 
don tag ara werktage gehalten wiirde, als ira 
somer t, is auf sechs uhren, ira winter bis auf 
siben, das die lectien bald darauf folgt und die 
gewonlichen detitschen geseng bal,l auf die metten 
v,,m volk, se sich under der metten zur lection 
versammelt, angefangen wiirden. 
Wir ermanen eu«h aber sost allonthalben, 
wo solche deiitsche christlicho geseuge ,«,cl, nicht 
in iibung seint, das ihr ,lieselben anrichten und 
lernen willet, wie man sie daun bei.am«n gedruckt 
findet, denu sie vast besserlich und christlicher 
gemeine ganz dienstlich sein. 

Vesper. 
Mit d«.m vers deus in adiut-l'iun anzuhobon 
deiitsch odl.r lateinisch nach beqm-migkeit, mit 
dem gloria patri. 
Bald darauf einen t, salmen, zwene oder drei, 
darnach sie lang od«r kurz sein, in gewonlichem 
thon zusiugeu, klar und wrnemlich, anzufahen 
rem dixit d,,minus etc. bis an das ende des 
psalters, ane antiphen. 
Darnach sol der diener eiu capitel oder halbs, 
darnach es lang od«.r kurz ist, ans dem alten 
testament, anzufahen au deu propheten bis zum 
onde der biicher des alten testaments, zum volk 
laute lesen mit einor kurzen declarati,)n, wie «,hen 
in der metten, welche or w,n dem prediger vorhin 
vozeichnen sol, woer auders selbst nicht genug 
vorstendig. 
Darnach sol man das magnificat deiitsch 
singeu, darauf mit gewonlichem versickel und 
c-llecten, wio in der metten, samt der benediction 
beschliessen. 

V«,n collecten od.r gemeiuen gebeten. 
Soh-he christlich« c,llectên ,»der gebete, zur 
metten, vesper und auclt mit messen, das jar iiber 
zugobrauchen, seint hinden al! diese ordonung 
ordentlichen natheinander gesatzt. 
Das salue, wiew-I es nu christlichen geendert, 
und sonderlichon das rex regum, se man alhier 
in der altonstadt uach dem beschluss dor amte 
zusingen pfl«got, m;igen wol billich v«m kurz 
wegen, uud s«nderlichen dieweil sich das capitel 
etwas w»rzeiigt, au.gelassen werden. 
Was man aber hierinnen anders halten sol 
auf etzliche lest, wirt uuden an seinem ort von 
den festen gemeldet. 



32 

Das llerzogthum Preussen. 

Von predigen. 
Ara ende der prediget des sonntags und 
feiertags sol dem volk ein gemine christliche 
beichte ver gesagt werden wie dann geschickte 
prediger wol zut|mn wissen. Aber vert der ein- 
feltigen wegen auf dem lande ist ein sonderlic|,e 
f-rm gestellt, wie ara ende dieser «rdnung w»lgen 
wirt. 
Auch sol alsdm, n dem jungen volk das vater 
unser, der glaube, und zehen geb.t fnrgesagt 
werden. Wo man aher auch nach mittag predigt, 
geschicht es aisdann billicher, darzu dann mehr 
junges volks und dienstboten zukommen pflegen. 
Item es ist w,n n«iten don undeutschen »hre 
tolken zu hal»en, welche se Vol'hin an etzlichen 
orten aus der tafel woclwntlich sein bestelt, 
jetzund abgehen, dieweil nimand nichts mehr in 
die tafel gibt. 
Von der messe. 
An welchen orten und kirchen (les introitus 
halben nichts geendert, mag man die gew.nlichen 
sonnteglichen introit lateinich behaltell, dieweil 
es schrift ist, wo aber die intr, it abgethan sein, 
und deutsche psalmen dafur gesungen werden 
lass man es auch dabei bleiben, bis das man 
der aufgerichten lateiniscl,en schulen halben den 
lateinischen introit oder ganzen lateiniscl,en i,salm 
an die stadt ordnen wirt. 
Von dem kyrieleyson ist fur gut angesehen 
dieweil es dreimal gesungen wirt, das es in dreien 
zungen wie mal» auch alhier pfleget, krichisch» 
lateinisch und deiitsch gefangen werde. 
(l,ria in excelsis, und et in terra migen 
deutsch oder lateinisch nach bequemigkeit gesungen 
werden. 
Die o,llecten oder gebet clar deiitsch mit 
gewonlichem accent und nach «,rdenung der zeit. 
Darauf zur epistel sol der priester ein halb 
oder ganz capitel aus dem neuen testament, in 
Paulo anzufahen, durch alle episteln der aposteln, 
und acta apostolorum, ara s«»tag und feiertagen 
wo es die menige der zul,;rer fordert auf dem 
gewonlichen predigstu«.l, an werktagen aber ver 
dem altar, gegen dem v«,lk, wol laute, verstentlich 
und delitsch lesen und pronunciren ane accent, 
datait die wort s,» vil bas vern-mmen werden von 
den umstendern. 
Die epistel am feiertage veto predigstuhl zu 
lesen wil sich ara besten fugen das es ein mit- 
helfer thu und nicht der messhaltent, welcher 
nicht sonder verzug u»d stillschweigen zu dem 
predigstuhl k,,mmen kund, wo aber die kirch 
klein oder sonst des volks wenig, ist nicht von 
noteu auf den predigstuhl zugeen. 
Voget halleluja mit der melodei gereimet auf 

den detttschen psalmen se man darauf singen wil, 
wie dann alhier bereit in tlbung. 
Aber von sonderlichen festen wirt undeu an 
seinem ort etwas sonderlichs angezeigt. 
Darauf s,l der diener oder priester ein ganz 
oder halb capitcl des evangelions lesen, anzufahen 
v-m Mattheo bis zum ende Johannis mit der ferre 
und an den orten wie bei der epistel gemelt ist. 
Das credo oder symbolum sol der priester 
nicht, wie vor anfahen, sondern es sol deiitsch 
veto cher und de»n volk gcsungen werden. 
V,lgt die prefation, welche der priester 
detitsch singet saint den evangelischen worten der 
gebenedeiung -der c«,nsecration oder brod und 
wein (den offertorium, secret canon miner und 
major werden n«,twendig ausgelassenL 
Auf die volendeten prefation und consecration 
gibt man ein zeichen mit der schellen, darnach 
se bald elevirt der priester beideteil des sacra- 
ments ane mittel nacheinander. 
Unter des und se bald die prefation saint 
der evangelischen benediction aus ist, singet der 
cher sanctus deiitsch oder lateinisch nach gelegen- 
heit, mit wenig n,ten. 
Darnach se bald s,1 sich der priester ob dem 
altar umkeren und das v,»lk laut ansprechen mit 
solchen worten. 

Vorrede zum vater unser. 
Lasser uns herzlichen beten dann Christus 
unser herre bat uns geheissen und selbst gelert 
zu beten, auch haben wir gewisse zusagung unsers 
gottis, das er uns aus gnaden und warheit se wir 
bitten, erh5ren wil. 
Volgt das rater unser, welchs der priester 
gegen dem altar detitsch uud wol vorstendiglichen 
mit der ait gewonlichen noten singen sol, antwort 
der cher, sed libera etc. deiitsch. 
Bald darauf singer der cher das agnus dei, 
mit wenig noten deiitsch oder lateinisch nach 
gelegenheit, doch vert ktirz wegen allein zweimal, 
datait die nachfi,lgenden christlichen gesenge der 
gemeine se vil bas stad haben und das erste 
mahel mit dem miserere n«,bis zum andern mit dem 
dona n«*bis pacem zubescl,liessen. 
Darauf aue mittel wendet sich der priester 
zum v,,lk und gibt ihne» die evangelische ab- 
solution oder den fride und singet deiitsch pax 
-d»mini etc. antwort der cher etc. 
Bald tut der priester ein kurze vormanung 
zu den communicanten, se sich zuvor angezeigt, 
und furhanden sei». wie denn hierzu ein kurze 
ferre gestelt ist hinden an dieser ordenung ende 
gesatzt. 
Ane mittel darauf sol der priester erstlich 
reichen itzlichem in sonderheit das brot und leib 



Artikel der ceremonien und andercr kirchen ordnung vert 1.52.5. 33 

Christi, sagende, nim hiu und iss, das ist der 
leib, der fur dich gegeben ist, darnach des 
gleichen den kelch sprechende, nim hin nnd trink, 
das ist das blut das fur dich vergossen ist. 
Under solchem communicirn sol das v¢,lk mit 
dem cher singen das deiitsch lied Jesus Christus 
unser heilant, und nach der communication got 
set gelobet etc. 
Darnach s-l der priester mit einer d«iitsclwn 
collecten, und gewonlichem sogen -der benediction 
beschliessen, wie oben zur netten vorzeich«nt ist. 

In souderheit von der communion. 

Item ana sontag und feirtag VOll wegen der 
communicanten ein ganz messe, wie «»bon vor- 
zeichen b zu halten. Aber am werkentag, se nicht 
communicanten furhanden, mag man ste singen 
bis auf die prefation, welche aber saint dn w-rten 
der benediction des brots und weins sol aussen 
bleiben, und alleine das vater unser gesultgen 

alleine das g6tlich wort fliehen, sonder auch ver- 
spotten und lestern, begern dennach gewaltig das 
sacrament volt den dienern, wollen aber nicht 
einiche rech«nschaft geben ihres glaubens oder 
besserung, diesen sol man di«. fahr ihrer selen 
seligkeit, und das ste dis sacrament zum verdannis 
genissen, anzeigen, und sie freihldlichn mit g,,ttis 
wort unterweissen wil es nicht ail ihnen helfeu, 
ist ihnen das sacrament nicht zureichen. 
Item es kommeu alhier zu Kinigsberg und 
an etlichen andern orten zu groscn fest«q die 
undeiitschen mit haufen, auch mit jungem gesinde 
begern alh. «les sacram«uts und dringen sich oin, 
diesen muss man einen tolken bestollon, der aut 
seiche lest ihnen zuv-r, in illrer zungen guten 
fleisigen bericht thu, auch darnach widerum von 
ihnen bericht lleme (las man wisse, was sie suchen 
und glauben. 
Von gefessen des sacraments. 
lin Thumb, dergloichen in der Altenstadt, 

werden, darauf pax domini etc. und ane mittel mit alhier zu Kiinigsberg, bedarf man in ygliche 
dem segen beschh,ssen, denn die letzte collet.t richt I 1 »farre drei kleine kelch, zweno fiir die kranken, 
sich gewonlichen auf das empfangen sacrament. 
von wegen etlichor unreinen und vorlippender 
Item an feiertagen sol der diner alhir nach t kranken, und den dritten kelch am sontag fur 
der metten bder in anderen flecken sanst zu- I di. communicanten. 
gelegnet zeit, der jenigen, se das hochwirdige [ Item in einer yglichen genanten pfarkirchen 

sacrament zuentpfahen gedenken, warten, ste kiirz- 
lich underrichten, und widernm samtlichen und 
sonderlichen nach gelegenheit htiren etc. Wie 
denn hier von am ende ain ferre gestelt wirt. 
Item es sal niemand kommen, das h«-ilig 
sacrament zuentpfahen: er hahe sich dann zuv,r 
am feiertag, wie jetzt angezeigt, od«r ara werken- 
rage, sonst zu beqnemer zeit, dem diener erzeigt, 
denn dis hochwirdig sacrament nicht in gemeine 
nnder don haufen zu werfen ,Mer geben ist, wie 
das wort oder predig, sondern allein den jenigen, 
se sich als christen beweisen und merken lassen. 
Derhalben sollen die communicant,n zuv-r 
ihren hnnger und durst auch glauben anzeig«.n. 
Item mau sol das volk in den predigen wol 
warnen und underrichten, das die jenigen, se in 
offenen lastern ligen, on aile besserung, sich als 
die unchristen dieses sacraments enthaltn, der- 
halben auch die communicanten ein eigen stelle 
und ort nahent bei dem altar haben solln, datait 
ste von der ganzen gemeine besichtiget werd«n, 
und sich nimand eindringtn mUge, denn s,, sich 
vorhin erzeigt haben und zugelassen sein. 
Und hiemit mag mit guter bescheid«.nheit 
widerum der weg zur rechten christlichen excommu- 
nication mit der der zeit bereit werden, doch das 
hirinne nichts furgenommen werde ane vor- 
gehende warnung, und das die gemeine mit 
diener das urteil felle. 
Item es seint etliche personen, die nicht 
Sehling, Kirchonordnungou. IV. 

einen grossen k.leh zu einem stauf ) «Mer andert- 
halben auf grosse lest zur mennige des volks zu 
brauchen, als auf ,stern, l;fingsten etc. Doch 
zuvor hiitten, das s-lche kelch nicht zu weit- 
schweifig sein, daraus man denn nicht wol ane 
v,rgiessung und v-rehrung trinken -der gissen kan. 
It-m ein grosse silhern oder ander kandel 
die man neben dem kelch auf solche lest zu- 
brauchen hett, welch gel'esse man billich s-nst zu 
nichts anders brauchen soit, darnach mag man sich 
auch w,l an anderen orteu, wo vil v.lks ist, richten. 
Item das sacrament nicht einzusperren, sondern, 
bei den kranken zubenediciren, aise das der 
diencr br,t und wein mit ihm neme, datait der 
kranke die heilsamen w,,rt anh6re. 
Hiebei bat mail den pfarrern ira synodo ein 
wenig weiter zl.tsagvll, wie ihnen auch die gauze 
ander ordonung muss durch solche visitation var- 
kiimliget und ercleret werden. 

Vonl taufl 
I)ie tauf sol gescheen in der kirchen wie 
vor, allein, in lauterem wasser, darzu ira gewon- 
lichen taufstein erhalton wolch. mag verneuet 
werden, so oft es von niitell ist und bedarf 
nieht der osterlichen alten ceremonien, auch keines 
61s oder cresems, uud sol in alwege in deiitscher 
bekanter zungen geschehen, mit den gewonlichen 

) Stauf----- Becher ohne Fuss. 



34 Das Herzogthum Preussen. 

exorcismis und gebeten» se vil es die zeit anders 
leiden wil, doch das man keinen notzwang daraus 
mache, wenn alleine sonst die rechte ferre ge- 
halten wirt. 
Item die kindelein, se daheim rechtschaffen 
genet tauft sein, wie dan solchs auch recht- 
schaffen gescheen soll, miigen nicht widerum in 
der kirchen getauft werden, darum es ein wr- 
spottung der heiligen tauf ist, wenn man allererst 
zweifeln wil, ob solche kindelein getauft sein oder 
nicht, und sol mit giiter berichtung des volks 
solchs widertetifen in alle wege abgestelt werden. 

Von 5ffentlicher busse. 
Dieweil iu diesen landen das erdrtickcn der 
kleinen kindelein ganz gemein und in grosser zal 
befunden wirt, also das es, wie wol ane willen 
und fursatz, doch nicht ane unachtsamkeit, und 
derhalben nicht ane merkliche schuld der mutter 
gesein kan, als nemlichen aus trunkenhéit, oder 
das sie also unvorsichtig sein und die kindelein 
zu sich in ibr bette legen etc. Derhalben auch 
die christlich gemeine billich gegen solchem ,ffen- 
baren grossem ubel ,lie christlichen strafen des 
bannes brauchen sollen, und ein s,,lche person 
nicht fur ein christlich gelied erkennen nach an- 
nemen, sic habe denn zuvor in 0,ffner busse, das 
ihr solche sunde leid sei und das sie herzlichen 
der gnaden begere, fur der ganzen gemeine des 
,rts genugsam orzeigt, als nemlichen das sie einen 
s,mtag drei oder viere, nach umstendigkeit der 
sachen, an einem sondern sichtbarn ,,rt in der 
kirchen under der predigt stehe in demiitiger 
flebender geberden, raid v,m prediger dem v,,lk 
angezeigt, nach dot prediget aber wider aus der 
kirchen gewissen werde, bis das sie entlich 
der gemeine versiinet und absolvirt werde, wie 
dann soleher versiinung und absolution ein form 
und anweisung ara ende dieser ordenung vor- 
zeichent ist. 
Se aber jemand sonst fursetzlich «,der in 
zorn einen mort begehet, wo solcher den welt- 
lichen gerichten entbricht, sol er fur seinen bisch,f 
gewisen werden, alda sein ,,ffentliche busse thun 
und absolution empfahen, doch sol s,,Iche busse 
in keinem falle fur oin genugtbuung geacht werden, 
welche ehre allein dem |»lut und tod unsers herrn 
Jesu Christi goblirt, sonder allein als ein he- 
weisung eines leidigen demlitigen gnad begirigen 
gemiits gehalden, auch sol in keinem weg hier- 
inne eigener nutz gesucht werden, wie dann 
etwan die buss geniss getragen bat. 

Von der ehe. 
Das aufbiten oder verkundigen der che sal 
aufs wenigst acht rage fur der k5tung gescheen 

damit raum gelassen werde dem jenigen, se vil- 
leichte darein zusprechen hette. 
Item das dieselben, se zu der ehe greifen, 
zuvor, wo sie unbekannt sein, ihre namen und 
zunamen, land, eltern, auch herru, wo es diener 
weren, nennen sollen, wie auch solchs eigentlich 
auf der canzel sol namhaftig gemacht werden. 
Wir wollen auch die gerichte der ehesacheu 
mit geschickten redelichen officielen bestellen, 
welche mit gottis wort und nach demselben zu 
urteilen wissen, oder je, wo sie nicht ganz gewisse 
weren, guts rats pflegen. 
Wo nu auf dem lande und stetten den amt- 
leuten rethen, pfarrern oder predigern solche 
ehesarhen furquemen, die de einicherlei weise 
irrig weren, als in den worten der ehestiftung, 
oder meinung derselben oder wo sie ein ander 
dor bowilligung ausfallen oder wo die ehe auf 
einen trunken abent oder sonst hinderlistig auf- 
gericht, und darnach dem einen nicht gefallen 
wolt, oder auch hinder den eltern und wider 
ihren willen geschehen were die solchs nicht ge- 
statten wolten. 
Item ob es der gesibschaft halben zu naheu 
were der zu nahen sein gesehen wurde, oder 
aber einiger einsprach halben, oder anders der- 
gleichen gebrechen haben wiird, sollen die part 
an den official gewisen werden. 
Item das ein official auch einen bestimten 
tag in der wochen herein gen K5nigsberg" kommen 
sol, derg|eichen den anderen vornemlichen stetten 
zu gelegener zeit und stelle des geriehts warten, 
solcbe sachen zuverhSren, datait die prediger so 
vil weniger anlaufens derha|ben haben und andrer 
sacben, so ihnen bevolen, auswarten m5gen. 

Ehebruch. 
Se der beklagte teil um ehebruch oder sonst 
andere gebrechen ver dem ,fficial nicht erscheinen 
nach gehorsamen wolt, sollen die amtleute oder 
burgermeister pflichtig sein dar oh zu halten, hilf 
und beistand zuthnn datait das ubel gestraft 
werde. 
Wo aber ein parth des chebruchs uberwisen 
s,)l der official dem unschuldigen teil einen ge- 
zeiignis bri«.f geben, warum er solche ehe 
schiden datait dasselbe unschuldig, oh es wider 
freien wo|t, sein recht und erleiibnis an allen 
orten mScht beweisen. 
Item es were auch wol u b in solchem fahl 
des ehebruchs dem official allewegen einen rath- 
man zuzugeben damit auch die weltlichen gerichte 
alhier ihr einsehen haben mochten und dies gross 
ubel nicht allzeit ungestraft bleib% wie bisher eia 
sched|icer brauch gewesen ist. 



Artikel der ceremonien und anderer kirchen ordnung von 155. 35 

Von festen. 

Item aile resta Christi unsers seligmachers, 
zurgedechtnis und ermanung der kalten und 
kindischen christen, welcher alizeit ein grossteil 
seint, zuhalten, als nemlichen natiuitatis ('hristi, 
Circumcisionis, Epipbanie, Purificationis, Annun- 
tiationis, Cern. domini, Parasceues, Pas(.e, Asce- 
si«»nis Pentecostes, doch ane fremde zusetze, a]s 
des iichtweihens, fladenweihe,s und dergleichen. 
Item auf seiche fust sol die predig sonderlich 
rem gedechtnis des tests gescheheu, datait die gr0,ssen 
heilwertigen werke unsers gottes se vil weniger 
bei den kaiten in v«»rgessung kommen miigen. 
Item weihnachten, ostern und pfingstcn soilen 
mit volgenden zweien tagen gehalten werden, 
daran man auch ailentbaiben l»redigen soi. 
Item auf seiche festa nemlichen die furnem- 
sten drei, sa] man zu mer«r solemnitet die sonder- 
lichen deiitschen gesenge von s«dcben festen auch 
gewon]ich responsoria in den amten baiten und 
einteilen, al.s auf weihnaclten den hymnum a s,lis 
ortus, deiitsch, das respons verbun car, |'actum, 
zur vesper und metten, das gl-ates mme «mmes 
deiitsch oder larcin, item ein kindelein se, l«i],e- 
leich zur messe und predig etc. 
Item das gedechtnis J-bannis Baptiste anch 
aller apostein solh.n zu jeglicher zeit, wie sic ira 
jar gel'Mien, auf den vorgehend«n s«,ntag v,,r- 
kundiget wel'den, nicht feiertag zumachen, sonder 
das es gut ist, das man seiche christlichc exen,pel 
se vil man aus gÇwisser heiliger schrift haben 
mag, dem voik firbiide und nicht vorleschen 
lass, welehs auch als dann bei der vorkundigmg 
oder ara tage in der lecti,n mit kurz«.n worten 
geschehen sol, auch dienet s«,ich vorkundigung 
den ungelert«.n zu unterscheidung und merkung 
der zeit, aus weicher ursach man ihnen am'h 
andere rage, darauf gewonlich die frist, terrain 
und zalung stehen, vorkunden m6cht, als Michaelis, 
Martini etc., gleich wie man etwa ein langezeit 
den neuen monden vorkundiget bat in d«.r kirchen. 

Von begrebnis. 
Solchs s,,i man an eineu oder mehr gel«gen 
orten ausser der stad aihier zu K6nigsberg hab.n» 
die ursach seint ieicht zuerkennen, darmn unniitig 
zuerzelen. 
Item es ist iiiblich, das man gegen tod«.n 
und lebendigen die iiebe zu uben, volge zum he- 
grebnis, man bat au(:h dieses fieisses ,il exeml»el 
ira alten und neuen testament. 
Item se jemant der capellanen oder diener 
hierzu begeren wurd, sollen sic mit gehen wie 
ander freund ane gesenge, und bel dem grabe 

underricht der |ebendigen thun und darauf das 
volk ein detttsch media vita singen lassen. 
Das aber in dieser vormanung nichts unform- 
lichs eingeftirt werde, ist das ein sonderliche 
lcitung am ende dieser ordenung gesteit. 
Item fi»rmlich ist es, das da» volk hierzu mit 
einem kurzen, aber doch kentlichem geleut be- 
rufon wcrde bei dem gliickner zubestellen, wer 
es aber nicht wol v»rmag, lasse es lit.ber nach. 
Item wo sich aber jemand ihe bei den pfarren 
in der stadt wolt begraben lassen, mocht man 
darauf setzen ungeverlicheu etliche mark, 
auch zuvor in der Aldestadt zu K.inigsberg ge- 
w«mliche, zum theii dem gemeinen kasten zu gut, 
zum teil das mit aufsatzung solchs geldes ge- 
webret wurd, das es wenig begerten. 
S«lchs ailes sollen auch andere kirchspiei 
nach gelegenheit annemen und nach vermiigen 
nach voigen. 

Visitation odt'r synodus. 
Wir wollen auch alleweg«- ira jar ein mahel 
od,r mehr, nach dem es v,m n6then sein wirt, 
ein jeglicher in seinem t,ischthumb syaodos machen, 
dor pfarhern ,d«.r prediger leher und ieben zu- 
erfi, rsch«.n, ihnen in ihren zweifeln oder gebrechen 
retig ,md hiiiffig zu sein und, was sonst in ecclesia 
v,m niithen ist, zuordenen..schafl'en, corrigirn etc., 
auch aufzusol,.n, «las jeglichs kirchspiel ihre pfar- 
kirchen, ais ein gemeine g'ebt.iide, in wesent- 
lichera bau haiton. 
Item, w,» es aihier zu Kiinigsberg oder dieser- 
geleichen orten maugelt, an ehorgesang zubestellen, 
nag man etliche der alten priester, se hier zu 
dienstlich, darzu ordenen, dieweil man sie doch 
bei ihrem einkommen bleiben lest und sic ihr 
brot auch nicht gar umb sonst essen soilen. 

Beschluss. 

sol der diener ein kurze vormanung zu trt)st und [ noten sein wird anzuzeigen. 

Solehe un.ere ,,rdenung, wie allenthaiben 
oben vorzeichent, se vil derseiben eines iglichen 
orts oder kirchspiels gelegenheit dienstlich, soi 
an die pfarrer oder kirchen diener in den synodis 
«,der visitation mit guter underrichtung getragen 
werdc, weiche darnach witer ihr v,,lk darv«m 
fleissig und bescheidentlichen berichtcn sollen, 
che d«.n einich«, and«.rung furgen«,mmen, datait, 
se, vil es miiglich, aile ergerniss vorhtitet werde. 
Wir wollen aber mit dieser unser ordnung in 
keinen weg vornichtet und vorworfen hahen auderer 
bischthumb und kirchen weise und gebretich, se 
fern sic sonst g«,tlichem w«rte nicht entgegen 
sein, erbieten uns auch gegen menniglichen, unsers 
furnemens bewegung und ursach, se viel es von 
Welches wir vert 



31; Das |terzogtbun, Preussen. 

kurze wegen in diesen schriften underlassen haben, 
angesehen das s«,lcim schrift an die unseren ge- 
stelt, bel weichen solchs ailes ane das mit grunt- 
licimr underrici,tung muss b«.prediget werden, wie 
dann i den furnomsteu artikeln bereit fast ist 
bestehe,. Dieweii wir aber, wie im anfang 
m«.lt isb niemant einiche n,»t nach gezwang nus 
dieser ,rdonung, s«, vil sie menschlich ist. maciwn, 
wallon wir aucl, uns selbst uud unseren nach- 
k,mmen rien weg hiemit nicht gesperret habeu, 
dieselb«n unser ordenuug, nacl, «q,derung der 

Form einer kurzen furgelenden under- 
richtung und befragung derjenigen, so 
communiciren wtill en. 
Zum ersten, das man sie underrichte, wie es 
,icl,t genug sel, zu gleuben, das unter dem brot 
sel der leib C'lristi, und unter dem wein sein war- 
laftig biut, s,,nder, das vil ein h,l,er und grosser 
giaube darzu geh.ro, nemiicimn, das du giauben 
soit, (las dir dein herre f'hristus im sacrament 
durch sein wort trostlich zusagt, das sein leib 

umbstend, nit der zeit twan zu euder«.n, meitren und biut dein eigen sel. Ja, das dir ailes ge- 
-der mind«.rn, wie man soicl,s in gutem rathe 
wird finden miigen. D«ch kan jederman wol ab- [ schenkt sel, was die wort in sich haben: nemlichen 
vorg«.bung deiner sunden uud oin gnediger gott. 
nemen, das v«,n wegen christlicher einigk«.it sich Zum andern, das man ihnen die wort fur- 
vicht gebtireu wil, naeh zu gedulden were, s, imite, in welchen f'hristus das sacrament gegeben 
i«.mands seines k,,pfs und gefallens dise bewilligte I bat, uemlicl,en: Nemet hin m,d esset. Matth. 26; 
,,rdemn,g v,,racl,teu wurde uud ubertreten, des i Marc. 14; lmc. 22; 1. Cor. 11. 
wisse sicl, menniglich zuhalten. Zum dritteu, das man ihnen anzeig% wie in 

V«,lgon die f,rmen 
Illltl anleitullg 
in ange- 
zeigter 
ord- 
nung vor- 
meldet und 
vorheischen. 

]»le VOl'rede des vater unsers in der 
raesse. 
Lasser uns herzlichen beten, dann Christus 
bat uns geheisen und daruber se]bst gelernet zu 
beten, auch haben wir ewisse zusagung uusers 
gottes, das er aus gnaden und warheit uns, so wir 
bitten, erhoren wil. 

Vormanung fur dem altar zu den c«rn- 
municanten. 

den selben worten die ganze macht nutz und 
frucht ligt, so sie rait dem glauben in das herz 
gefasset werden. 
Item, wie der glaube an dieselben worte die 
rechtschaffene bereitung sel, wen dich dein sunde 
trucket und gnade begerest. 

Die fragen oder verhore. 
Es geburt einem christen, das er rechenschaft 
I uud antwort geben kann, so man ihn fraget, wa- 
rumb er (tas sacrament begere und neme, denn 
wo raan nicht wtist, wo zu man es begeret, ist 
besser, davon zubleiben. 
Frag: ob er einen rechtschaffen glauben habe, 
und was das sacrameut sel. 
Antwort : das die wort Christi : Nehmet hin etc. 
und der leib und blut Christi unter dera brot und 
wein das sacrament sel. 
Frage: was er da suche im sacrament und 
warzu es gebrauchen wil. Antwort: das er 
darinnc suche seinen glauben an das wort zu- 

Ihr lieben etc. Dieweil eu:h hungert und sterken und sein gewissen zutrosten. 
durstet nach der bal'mherzigkeit gottes und llerz- I Frage" oh sie aus gewonheit, altem brauch, 
lichen begel-et vergebung euer sunden, so bat gesetz des babsts, zwang der eltern odêr ihrer 
unser hei}ant Christus seiuen }eib und blut fiir lel-ren oder del'gleichen darzu verursacht, wollen 
euch gegeben, das euch euere sunden so]len ab- [ zum sacrament gehen sie dafur zu warnen. Ant- 
gewaschen sein, so vil euer seint, die solchs wort: dass sie durchs evangelion gelernet von ihn 

gleuben, und 1,at derhalben auch hieher gestelh.t 
zum zeichen sein ftciscll und blut, damit ihr ver- 
sichert seit. gleich wie es itlicher fur sich ent- 
pfellet, das er sich auch also fur sic]l des evan- 
golion und eins gawdigen VOl'eilligten gotes zu 
trosten und anzunemen habe, so richtet nu euere 
herzen aut mit starker hoffnung und herzlicher 
zuvorsicht, und cntpfahet das hochwirdige ge- 
heimnus, wie ihr gleubet, so geschieht euch. 
Ira darreichen nim hin und iss etc. Ut supra. 

selbst aus hunger und glauben herzu komraen. 
Item, oh er einen ernsten vordrys habe uber 
sein v«,riges sunthaftigs leben, und ein herzlich 
begierde ein rechtschaffen christlich wesen hin- 
furter zufuren, und hierzu stercke suche im wort 
und sacrament etc. I) 

) An dieser Stelle findet sich on einer Hand des 
16. Jahrh. [blgende Anmerkung geschrieben: »Item zu- 
gedenken, wan man diese kirchenordnung wider von 



Artikel der ceremonien und anderer kr«henordnung von 152.5. 3î 

Form der offenen beicht nach der 
predigt. 
Dieweil wir nu das heilig gottis wort gehort 
|maben, we|ches ira g|auben gefasst, reiniget die 
herzen, 8o lasset uns unser sunde und missetat 
bekennen, das wir es nicht aime frucht faren iassen 
und sintemal ein jeglicher sich in sunden findet, 
so muss er bekennon und sprechen: Ach herre 
gerechter und barmherziger gott! lch bokonne, 
das aile mein wessen un,i leben inmmerlich und 
eussel'lich nichtis dann sundo ist und aile meiu 
gedalmken, worte und werko aus mir selbor nichtis 
anders dann lauter ubel und myssetat dorhalhen 
begere ich gnade durch Jesum Christ, deinen lieben 
so|mn. Erbarme dic|m meym umb seinen wi|len 
domi du mir zu einem hohempriester uud mittelec 
geste|let hast. 

Anleitulmg der ermanulmg ai1 die leben- 
digen freiinde und nachfolger zum be- 
grebniss. 
Das die schrift nicht vorbeut, sonder I,,bet 
diejenigen, so sich betrliben umb der verstorbeuen 
freunde willen. 
Die liebe des frelindes macht, das man sich 
betriibt das man aber sich zubetrtibeu ni(.lmt auf- 
horet oder darinne kein mass helt, macht der 
unglaube. 
Also beweinet Abralmam seine Sara (Gen. 23), 
Joseph mit den Erzveterll beweinet den .lacob 
(Gen. 50 etc. 
Stephanus ward begrabelm und beweiuet voire 
etlichen gotforchtigen (Actuum 8), Johannes der 
tetifer von seinen jtingern (Matb. 14L Joseph 
von Al'imathia begrebet Christum (.Math. 271. 
Wiewol diss Mies die toden nicht lmilft so 
ist es doch ein anzeigung der iiebe, s,m die 
lebendigon zu ihneu getragon habetm, geschicht 
auch zum teii zutrost don betrubten fretindolm des 
verstorbenen. Mm darf fur des verschideneu 
seel nicht «,pforn nach singeu, tmach kliugeu uach 

neuem drucken lest, sol volgonder inlnct uf don artikel 
die frage oder verhoer des sa«raments ara ende ge- 
setzet werden. 
Item ehe und zux'or solche frage oder verhoere 
von, heiligen sacrament des altars boi den «ommuni- 
canten durch die pfarrer nach notturft erkundigt und 
sie auch des guten bericht von sich geben, s6llen sie 
keinesweges zugelassen werden, 
Wurde aber ein pfarrer hieruber einem, wie ver- 
meldet, unverhoret das sacrament des altars reichen, 
sblle derhaiben von dem herrn bischofen geptirliche 
straf nemen. 
Beachlossen uf der tagfahrt Reminiscere den 
1.5. Marci 1.541." 

reiichen, nach sprengen. Sonder wir lebendigen 
sollen uus ira begrebniss erinnern, das wir den 
weg auch ge|men mussem und gerne gehen so|len. 
Die lotzten drei obgeschriebenen tbrmen 
seint alleine an|eitungwoise fur diojenigen diner 
gestellt, so sich selbst hiorinne nicht zuweisen 
wissen. 
,Vo|ge n die collecten oder gemeinen gebete 
zur messe, vespor uud melton des ganzen jares", 
mimlich flir: Dominica prima adventus, secunda 
tel.tia, quarta, Dio lmatalis domiui, Dominica sub 
oct.avis, In die circumcisionis, In Epiphania, Do- 
minica sub octavis Epiphaniae, ])«Jmina secunda, 
tertia; Die purificationis, Dom. quarta, quinta, 
Dom. septuagesima, I)om. sexagesima, Dom. 
quinquagesinma, Die cinorum, Dom. quadra- 
gesima, per hebdomaden «»ratio, D,,m. Remi- 
niscere, l loto. l)culi, Dom. Letare, In die annulm- 
ciationis; I)«,m. Judica, l).m. Palmarum, ]lm cena 
domini, Magna sexta feria, Alia «»ratio, In die 
r«.sllrl'ectiolmis d¢»minice, lier hebdomadam, Dom. 
prima post resurrectio., lb»m. secullda tertia quarta, 
quinta; Iml die ascensiouis dominice, Dom. post 
ascensionis, In die peuthecostes, per hebdomadam, 
Dom. Trinitatis, Dominae prima post trinitatis, 
secunda -- vigesima quinta. 
Volgen zwo gemeine c«»llecten oder com- 
plonden zum heschluss dot messeu iiher das ganze 
jar abzuwechseln. [Diese ('ollekten werden nicht 
abgedl'uckt.] 

Verzoiclllmiss der responsorien: 
hm sud«re vu]tus tui otc. ira Genesi. 
('antemus domino ira Ex«»do. 
lsti sunt dies ira Levitico. 
Qmi persequebantur po- Numeri. 
pulum 
Andi Israel praecopta Denterolmomii. 
Super muros tuos Jerusa..losue..ludicum u. Rutb. 
l'roparate corda vostra Regum und Para|ipo. 
Muro tuo inexpugnabili Essdro. 
Adonai domine que de- Judith. Hester. 
disti 
Si bona suscepimms .l,,b. 
Verbum iniqmum ot d,»- Pr,,verbi,rum. 

|Osllm 
1 eum rime 
Super salutem 
()mni rempote 
q_'ua est potentia 

Ecclesiastes. 
Sapielmtie und Ecclesiast. 
Tobie. 
.'Iac|mabeorum. 

Vo|gen dio beuedicti,)u ¢*der beschluss gesaug 
ara end der mettemm, vesper und mess. 
I tiebus Festivis. 
E woi uns gott seinen segen gehen, unser 
got segen uns. 



Das Herzogthum Preussen. 

Responsio. 
Und es sollen ihn ferchten aile ende der 
weit amen. 
Qu,,titiana bvnedictio. 
Der herr erleuchte sein angesicht iiber uns 
und sei uns guedig. 
Form der absolution iiber dio weiber, so die 
kindlein ou vorsatz erdrlickt haben, auf dor canzel 
offentlirh zu hand,'lu. 
[Es f.lgen die zwei Absitze. welche unt«n 
S. 70 Spalte 1 Zeile 23 bis Spalte 2 Zeilc 20 
in der Kirchenorduuug v«,u 1544 abgedruckt 
werden, nimlich ,erre dcr Reconciliation etc." 

und Posthac alloquatur" etc. Nur heisst der 
Schluss in der Ordnung von 1526 : ,in dem namen 
unsers hem Jesu Christi etc." nicht, wie 1544, 
»ira namen flottes des vaters» des sohnes und 
des heiligen geistes amen".] 
Item so oft es sich begibt das der tag 
Annunciationis Marie auf den nechston sontag vor 
Ostern ,der dieselbigen v,,lgenden wochen oder 
auch in den Ostertagen gefelt sol es den nechsten 
s,ntag nach Ostern gehalden werden nach alter 
gewonheit, dar mit man dieselben zeit das heilig 
leiden und auferstehung Christi unvorhindert be- 
predigen mlig. 

3. Etliche ausçez«en artikel ans emeiner landsordnung des herzogthums Preussen. 
[Nach dent Originaldrucke K»nisberg. llans Weinreich 1526. Vgl. oben S. 7.] 

Nachdem v,,n gotts gnaden wir Albr'cht etc. 
nnsers herzogthums u. s. w. gemeinen nutz zu 
suchen u. s. w. uns als ihr regierender landes- 
f||rst schuldig erkennen u. s. w, derhalben haben 
wir etliche artikel, se, wir in der jiingsten tagfart 
mit unsern prelaten und rethen, desgleichen den 
eldesten vom adel, lande und steten berath- 
schlagt und beschlossen, aus gemeiner landordnung. 
welche wir diese zeit fiir die nSthlichsten 
gesehen, ausziehen und in den druck k«,mmen 
lassen, wie dieselbigen hernach v.îlgen. 
[Folgt trafandrohung bei Ubertretung und 
besonders Befehl zu christlicher Ordnung beim 
Biertrinken, Verb0,t v,,n Gottesliisterung und 
Schwren ira Sinne des v,,rausgegangenen Mandats.] 

Von erwelung der pfarrer. 

1025. 

llelsperg gelegem betreffende ist, soli es gleich- 
f-rmig, wie oben angezaigt ist, gehalten werden. 
Allein, das die pfarror nach der examination 
(welche durch die jonige so xon uns darzu sollen 
ge.rdent werden sol gescheen} dem bischove wm 
ltelsprg zu investiren presentirt werden. 
Wir wollen auch, s- ein pfarrer eingesetzt 
wurd% das ailes das jenig, so auf der pfar vor- 
handen, inventirt werde, un,l so ein pfarrer davon 
abstir|,t oder abzeucht, das solchs widerumb bel 
der pfar bleibe. Wo aber ein pt.rrer etwas da- 
ruber, es wer an fareuder hab, bar gelt oder 
anderm wie das namen haben mocht, erbegsert 
oder durch sein muhe und arbeit eroberte, sol 
nach seinem abzug ime gevolgt werden, und nach 
absterben seinen erben und freunden, on einicherlei 
I eintrag oder verhindel'ung des lehenherrens oder 

5lit erwelung der pfarrer wollen wir, «las es I bischofs volgen und zugehoren. 
hinfuro volgender mainung gehalten sol werden. 
I 
Von unterhaltung der pfarrer. 

Als n«mlich das sich der lehenher umb ainen 
tuchtigen geschikten des worts gots erihruen man 
umbsehen soll und denselbigen aldan den pfar- 
kindern anzaigen, und wan sie sich also samént- 
]ich mit annemung des pfarrers v-rtragen und 
vereiuiget den bisch-ven als Samland und Risen- 
borg nach gelegenheit eines iden bistumbs zu 
fertigem die inen als dan weiter examiniren sollen, 
und so er tiichtig und ge»chikt befunden, dem 
lehenhern und pfarkindern neben vermeldung 
seiner geschiglichkeit widerulnb zu senden. 
So al»er der lehenher und pfarkinder mit 
erwelung eines pfarrers zwitrechtig und stritig, 
also das ides teil einen andern crweh.n wiird% sol 
derjenige, der durch den bisch,ve oder andere 
dazu verordnete person fiir den tuchtigsten er- 
kant angenomen und von dem lehenherren oder 
gemain, on erkantnus des bischofs nit abgesatzt 
werden. 
Was aber die pfarrer, so unter dem sprengel 

Nachdem an etlichen orten vil kirchen sein, 
do sich ein pfarrer nit wol erhalten kan und die 
leur unv,»rmsglich, auch an etlichen enden drei 
oder vier kirchen in einer meil wegs gelegen, 
wollen wir hinfuro derselben je zu zeiten drei 
oder vier, auch minder oder mehr nach gelegen- 
heit in eine verordnen. Doch das solchs un- 
geverlich in einer meil wegs und nit weiter be- 
schee und alwegen den geschigksten pfarrer darunter 
pleiben lassen. 
Und wo bel denselben pfarren, die also ab- 
gethan solten werden, n,»cll etlich pfarrer vor- 
handen, die sich in ander wege nit zu erneren 
hetteu, den sollen die kirchhuben zu iren leb- 
tagen, neben einem inventarien frei zu besitzen 
und zu gebrauchen, eingereumbt werden. Und 
so sie erben hetten, die nach irem t5dlichen ah- 
gang dieselben huben, umb eill gepudichen zins 
(welcher der armut zum besten sol zu komen) 



Etllch ausgezogen artikel aus gemeiner landsordnung des herzogthums l'reussen von 152.5. 39 

annemen wolten, denselben sollen si ver andern 
gelassen werden. Wo nicht mit dem inventarien 
oder demienigen, se bei der kirchen vorhanden, 
in ander wege besetzen urd die zinser den armen 
zu gut uberreichen. 
Darzu se wollen wir einem iden pfarrer aufm 
land zu seiner unterhaltung, datait auch das wort 
gots destatlicher durch denselben gepredigt werde, 
vier huben und funfzig mark aile jar jerlichen 
an den verm5enden ortela uberraichen lassen. 
An den unvormtigenden orten aber wollen 
wir ettliche rethe verordnen, neben einem ampt- 
man und eldesten eins iglichen gepiets nach vermiig 
der kirchspil 8ich mit dem pfarrer zu vortragen. 
Und zu 8«,lcher unterhaltung sollen die 
adel jerlich ider ein halb mark und die freien 
veto hof acht schkot, der Colmisch paur auf Sam- 
land und Notangen von der huben, desgleichen 
der cruger 8o huben bat von einer huben, auch 
der erbmtilner von einem rath ein firdung geben. 
Und welche kri|ger nit huben haben, 8ollen 
zapfen, wie die mtilner vom rad auch ein firdting 
uberreichen. Die aber nicht erbmtilner auch nicht 
huben haben, sollen veto rad, acht 8chillinge, die 
aber huben haben wie die CtJlmer ein firdung, 
und ein preuss auf 8amlaud vier schk«Jt von der 
huben, auf Notange ein firdung rem rauch, die 
pauren und kleine freien ira oberland, se vorhin 
halben detzem geben, ein halben firdung von 
der huben, und wer wiiste huben gepraucht, 
von der hnben acht schilling und von dem morgen 
drithalben pfenig geben. 
Und zu disem gelt einzunemen, wollen wir 
einen iden lehen hem neben dem pfarrer und 
kirchvetern auf die zeit, als man v«,r den dezem 
geben bat, verordent haben, davon dem pfarrer 
auf dem laud zu den vier kirchhuben, sein uuter- 
haltnng, wie oben gemelt, jerlichen zu uberreichen, 
und das uberig in den gemainen casten legen zu 
unterhaltung des kirchenpaus, armer leut und 
schulmeister8 und 8ollen die8elben aile jar ver dem 
amptman oder lehen hern 8ampt den edelsten des 
kirchspils rechntmg thun, se auch an denselben 
orten irkein edelmann, der durch brant oder ander 
ne in armut komen, aise das er sein kinder ait 
au8zugeben hett, denselben se,Il mit willen der 
herschaft oder der ienigen, se fur den casten 
rethen, ein zimlichs jerlich wider von in zu 
haben furgestrackt werden. 
Und sollen die pfarrer hierlibel" das v-lk mit 
andern auflagen, a]s beicht, leur, tautelt, vier- 
zehn pfennig opfer und anderm nit mehr be- 
8chweren. Herwiderumb oll auch kein pfarrer 
mit irkeiner anlag, dan mit dem hirten lon, be- 
kommert werden. 
Und nachdem wir auf dissmal mit erhaltung 
der pfarrer in 8tetten kain ordnung aus etlichen 

beweglichen ursachen haben wissen aufzurichten, 
wollen wir, dass sich die burgêrmeister, rath und 
gemain, einer iden star mit erhaltung ifs pfarrers 
einer zimlichen uud gepurlichen tax oreinigcn 
und vortragen sollen. 

Veto kirchgang. 
Wollen wir ernstlichen unsern amptleutên, 
dênen rem adel, dsgleichen den pfarrern ge- 
poten und bevolen haben, das volk aufs freund- 
lichst und gtitlichst mit einer christlichen er- 
manung zu erinnern, wie dan ein ider zum besten 
zu thun weis, das sic ara s«»ntag, Christtag, Neuen 
jarstag, Ostern, Pfingstên, unser frauen Licht- 
mess, Vorkundigung und andern tagen, sich zut 
kirchen das wort gots und predig (dadurch ir 
selen gespeist und der glaub ins herz gêsenkt) 
anzuhiren, v«,rfiigen wellên. Wiirde aber iemands 
se ungeschickt sein und zut kirchen und predig, 
wie einem christen eigent, nit kommen oder aber 
an obgemelten tagen und festen zur zeit der 
predig oder mess umb den kirchhof spaciren ghen 
oder zum gebrantn wein und anderer fiillerei 
sich begeben, dieselbige sollen aus der gemein- 
schaft der christen nach gebiirlicher verwarnung 
abgesondert, die jenigen aber die ein gots leste- 
rung und vorachtung, daraus machen, auch freveta- 
lich und muthwillig sich dawider setzen wollen, 
diêselbên sollen ara leib gestraft werden. 
[Hierauf folgen bei .laeobson und Richter 
Art. 4 Von erhaltung dot schulen und dorsolben 
vorsteher", Art. 5 »Von geh.rsam der kinder". 
Diese Abschnitte fehlou in den ,Elich ausg'zogen 
Artikel" von 152;. Statt deren fi,lgt dort der 
Abschnitt (der zwar bei J ac o b s o n und R i c h t er 
tinter Art. 76 steht, aber mit letzterem nicht w«irt- 
lich tibereinstimmt) :] 
Von den f'erimonien. 
Nachdem auch unsere prelaten und prediger 
als fiirer des wort g«,ts etliche bes0,ndere artikel 
den eusserlichen gottesdienst belangende, se auch 
in der schrift gogriindt, ausgohn werden lassen. 
wollell wir derhaihen von euch Mien und jeden. 
ins,,nderbeit unserl underthanen hobes oder niders 
standes ernstlich begert haben, dieselbige mit aller 
ehrerbietung wie an ihm selbs billich, christlich 
anzunemen nnd nirht zu veracbten sonder der- 
selbigen ulld«.rthelliglichel in allell punkten und 
artikeln, wie die mit unterscheid und nach gelegen- 
heit der orter begriffon, haltelt. Wo aber jemands da 
egen, des wir uns iii keinen weg v-rsehen wollen, 
frevenlich -der muthwillig handeln wiirdt, gegen 
denen oder die se solchs tibertreten, wollen wir uns 
mit ernster straf beweisen, die wir uns auch all- 
weg hiemit vorbehalten haben wollen." 



Das Ilerzogthum l'reussen. 

Von den zinsern der gaistlichen lehen, 
gillen und briiderschaften. 
Dweil die jenigen, se titre guter an die gaist- 
liche lehen, gdlen und bruderschaften ver der zeit 
gowandt und gegoben, der mainung, das es an 
die ehre g.ts soit gekert sein worden getan 
haben. S,» ist es doch bisher an die ort, de 
gottes otc wenig gesucht, gewandt. Derhalben 
wollen wir hierauf ernstlich gep.ten und 
v-len haben, dass seiche zinser, sie sein an liegeu- 
den grunden oder andern, nocl,mals an die rechto 
ere g,ttes, das ist armen und durftig'n mitget'i|t, 
il don casten gelegt und mit willen und wissen 
des lehen I,ern an dmselben ort, de die lehne, 
gillen und bruderschaften glege, augeteilt 
werdell. 
,ro aber die zinser und guter sich se hoch 
erstrecken wiirdeu und an denselben ,,rten der armen 
nit se vil. mag man solchs an andore ort nach nnser 
als der ,berherschaft erkenntnis ausgeteilt werden. 
SVir wollen auch, das die besitzer d«.rselben 
lehen mit gewalt davon nicht gedrungen werden, 
und wo eins relis davon mit gewah entsetzt, die 
ait und nicht arbeiten niichton, dieselben {damit 
si aus christlichcr lieb ir leben laog ir,.n enthalt 
haben miigen wider einzusetzen. Es wer dan 
sach, das sie nit bestetigte lehen gehab b dan die 
zinser der leh,.n, se, nit auf ligeuden grunden sein, 
sollen dem lehenhern pleiben. 
Und se etliche zinser de der besitzer des 
lehens noch vorhanden, hinfiro abgeliist wiirden, 
soli der besitzor die hoiibtsumma der abli;sung 
nicht entpthhen, sonder die vorsteher des gemeinen 
castens die als dan demselbigen besitzer, jerlichen 
zu seinen lebtagen, se vil zins als ihn zugeben 
zugehiirt uberreichen sollen. 
Es sollen auch die austendische schulden zu 
den lehen, gillen und briiderschaften, se wol aufm 
land als in steten widerum entricht und bezalt 
werden. Es wer dann sach, das etlichen aufm 
land, den ihre giiter im krieg vorhert und vor- 
brandt oder sonst im armut kemen, von der ober- 
keit oder herrschaft, datait sie die wiisten gtiter 
detatlichor widerum erbauen milchten, ein noch- 
lassung beschehen, l)erselb oder dieselbm, wie 
sie anders in solchem vormiigen sein, sollen das 
ubêrig bezalen. Wo sie aber se unvermtigende, 
und man es doch one das armen leiiten iibcr- 
reichen sol, das man ihn solchs gar oder eins 
teils nach dot herrschaft ork«'nntnis bleiben lasse. 
Wo aber derjenig der den zins heben sol, 
es sei aufm land oder in steten gleich se wol 
mit armut als der schuldner beladen, das als dann 
dardurch ein messigung und einsehen beschehe. 
Diejenigen aber die an ihren giitern unvor- 
brand und unvorhert dieselben sollen ihr jerliche 

zinser wie volgt neben den hinderstelligen geben. 
_gis nemlieh dieweil bedacht das seiche zinser 
bisher zu hohe und unchristlich ersteigert das 
man hinfuro zu K/3nigsberg vert dem hundert vier 
mark zins und ein mark mit fiinf und zwenzigen 
auf dem land aber von hundert Fùnf mark, und 
die mark zins mit zwenzigen vorzinsen und ab- 
I/5sen soli. 
Wo aber gel,lzins von geld gegeben wer 
worden, derselbig geldzins oder wticher, es sei 
aufm lande oder in stetteu, sol zu abkurziing der 
hetibtsuma gerechnet werden. Uud se jemand 
geld auf zins nemen uud rien zins zu rechter zeit 
seiner vorwilligung nach, nicht thet geben mit 
denselben soll es wie volgt gehalten werden. Se 
der zinsgeber des unvermiigens were sein zins zu- 
reehter jarzal und terrain nicht zugeben, s,,l mit 
demselben christlicher lieb nach drei jarlang mit- 
leiden getregen werden. Doch das er jerlich auf 
den reehten termin don zins zu geben dreimal 
ermant werde. Und wo er dartiber den zins nicht 
bezalet, sol nach verscheinung derselben drei jar 
sein erbe verkauft und dem vorkaufer oder zins- 
heber sein geld on Mien rechtsgang auf einem 
haufen, und das uberig dem Zinsmanu gegeben 
und tiberreicht werde. 
Se aber widerkeufige zins auf ligenden grtinden, 
und erbgtiteru ver aufrichtung diser gemeiner 
ordnung erkauft worden, die selben s,llen lauts 
und vermi/gen der vorschreibuugeu brief und 
sigel, se dariiber ausgangen, bezalt werden. Es 
wolt dann iemauts veto lande -der in stetten ein 
christlich brtiderlich mitleiden mit seinem zinsman 
oder schuldner haben und sich mit abktirzung der 
summa des zins, desgleichu der abltisung der 
heiibsumma, wie in obgemelden artikeln begriffen, 
halwn und erzeigen. 
Dweil wir auch fiir billich achten, wo der 
zinsman au seinen giitern, darauf der zins steht, 
schaden, darzu er nicht ursach gegeben neme 
und erlitte das der ziusheber auch eiu ringerung 
nachlass, wollen wir wo sich diser vahl begebe. 
das der kaufer oder ziushebor nach wirden und 
tax der giiter, se vil er der geneust, den schaden 
neben dem besitzer leiden und tragen sol. 
[Setzt folge'n die Abschnitte: Von widerkeuf- 
tigen zinsern uf heusern. Volt erbgeld. Von 
verbrannten die erbgeld und zins nennen. Vou 
grundzinser, l;iese Abschnitte bieten kein kirch- 
liches Interêsse und werden nicht abgedruckt.] 

Von zauberei und bockheiligen. 
Nachdem zauberei in unserem land und 
souderlich das bockheiligen auf samland an etlichen 
orten gemein ist, wollen wir Mien unsern amt- 
leuten auch denen veto adel, den rethen und 



Visitations-Instruktion von 1526. 41 

edelsten in stetten und dirfern bevolhen haben, 
fleissig darauf zu sehn, und wo jemants befunden, 
es sel man oder weib, se zauberei treibt, oder 
dem bockheiligen anhengig ist, sol uns angezeigt 
und alsdann vermog der recht gestraft werden. 
[Der Abschnitt, welcher jetzt bei J a c «, b s o n 
und Richter folgt ,Veto furhang und kindel- 
bief", fehlt in den ,Ausgezogen Artikeln"; es 
folgt dort vielmehr sofort der Abschnitt]: 
Von den unfursichtigen muttern, st) bis- 
weilen ire kinder aus unfleiss oder trunkenheit 
vorwarlosen oder zum tode bringen. 
Hierauf gepieten wir ernstlich, das ein iglich 
ehegat, die de kinder mit einander hahen, }fie mit 
allem ernst ermanet sei, ire kinder zu kilmr zeit 
in ire bett zulegen, dweil wir erschrecklichc uud 
vilfeltige unchristliche thaten obemelter stuk 
halben, aus ubersehen gescheen zu sein, wahrhaf- 
tigen bericht und erkundigung haben. Scinder das 
dieselhen wie inen gezimt und gebiirt, ire kinder 
in wolvorwarten wigen, oder anderem lager, aise 
vorsehen das seiche jemerliche mord bei inen nit 
verursacht sonder on mitel vorhut werden. Darauf 
auch unsere prelaten aile pfarrer in iren stiften 
bei vermeidnng schwerer straf und ungnad, ein 
vleissig aufsehen darauf zu haben r warnen sollen. 

Und wen sie daruber befinden (das gott ver- 
hure) der solchs freuenlich oder nachlessig uber- 
gangen hette, den oder dieselben sollen sie unsern 
amtleuten ansagn, die wir alsdann nach gelegen- 
heit der that, wie die befimden, ernstlich an leib 
und gut gedenken zu strafen. Sovil anders unsere 
gericht beriirt, lien andern aber un.ern under- 
thanen, di von uns mit solchen gerichten be- 
gnadigt, woll,n wir hiermit gh.ichvais zu thun 
aufgelegt habn. 
[DerbeiJacobson und Richter f,,lgnde 
Artikel 79 ,Veto EhebruclV fohl/, dafiir folgen 
zwei Abschnitte: Vou weg un,l steg zu halten", 
und Wie ich die wirte mit einuommg und he- 
herbergung der fremden gste halten sollen". Diese 
Abschnitte sind rein weltlicher Natur.] 
lfiese artikel hahen wir nicht Oll ursach, wie 
hievor bemeldt, aus unsr land.ordnung, se wir 
jiingst mit landen und leuton beschlossen, aus- 
ziehen und in ,lruck kmnmell lassen, ehe dann 
dies,.lbigen gemeinen und ganzen landsordnung 
ausging, «les vorsehens, es wird sich eiu jeglicher 
diesem auszug in allen seinu artikln nichts 
weniger, dann -b die ganze «,rdnung jetzo aus- 
gangen wer, gehorsamlich und gemess erzeigen, 
bei obangezeigter strafe und unserer ungnad. 

4. Visitations-lnstruktion. 1526. 
[.Nach Jacobson, Anhang Nf. IV. Vgl. oben S. 7.] 

E r s t 1 i c h sollen sie die mitgegeben aus ge- 
zogen artikel, se inen zugeschickt, in allen amten, 
und unsern underthanen, den rem adel steten uud 
landschaften offentlich verlesen. 
Zum and ern sollen sie mit rath des amt- 
mans und der edelsten eines iglichen amts, uber- 
schlagu noch vormen des artikels, belangenden 
die versorgung des pfarrers, ab sich uf die funfzig 
mark erstreckt, und wo es gesein kan, ist unser 
meinung, das ein iglicher pfarrer mit solchem deputat 
versorgt, wo aber ait. das man nach gelegenhit, 
den amtverwanten, und vormogen des artikeis, s- 
vil miglich, inen enthaldung verschafln. 
Item welch amt, auch eigen herschaft hat, 
als VOlt unsern prelaten, grafen, freihern und von 
der riterschaft, die de kirchen lehen zuverleil,en 
haben, sollen sie mit derselben rat (doch nach 
verm unser artikel) handeln. 
Zum driten, ab was uber die nthaldung 
der pfarrer, nach vermog unser ordnung, oder der 
orther blibe, solichs soli dem armuth zum besten 
und zu erhaltung kirchen noturft, in gemeinen 
kasten gelegt werden, zu saint aller nutzung, 
noch inhalt der artikel unser ordnung, als von 
bruderschaflen, gilden, vicarien und anders, was 
gute leute ans gutem willen darzu reichen mochten, 
Sehling, Kirchenordnungen. IV. 

darzu st)lien auch nus einem iglichen amt vier 
verordent werden, und darzu vereith, dass sie solche 
nntzung und einkommen, andrs wo hin dann zu er- 
haltung und einkomen der armen, der kirchenbau, 
und oh vicarien ira leben weren, die vert in selbst das 
ire nit ubt'rgeben hattn freiwillig, wie auch unser 
-rdnung mitbrengt, mit s-lchen sol man sich nf ihr 
ibtag, mit zimlicher nutzung, sie zu enthalten 
vertragen. 
Zum virden, soli man den seibigen, se 
darzu verait werden, ansagen, dass sie aile bar- 
schaft, s« bei den kirchen die bleihon werden, in 
den gemeinen kasten, auch verordnen, und aile 
jar gute rechenschaft, vou allem einemen und 
aufgaben thun solleu. 
We]che kirchen abr abgethan wirt, soli man 
dies«.lb barschaft, se, dobei gefimden, gross oder 
klein in die an(ler kirchen, dahiu das selb kirch- 
spiel geweist wirt verordnen. 
Zu m lu n ften  s«dlen sic die l»farrer, welcher 
kirchen abgethan wirden nach vermogen unser 
«,rdnung und der selhen artikels, st) vern sie es 
anemen wollen, vers.rgen, welcher aber soh'hs nit 
hun woilt, soli man die selbùten nutzung, vihe 
und anderm, se nach laut des inventariums auf 
der widum ist, in andere wege bestellen, datait 



42 

I)as tlerzog(hum Preussen. 

die nutzung, se davon geburlicher weis konne ge- 
falh, n, in gemeinen kasten kommen moge, und ob 
es s- eilei)d oder schne]! nit bestalt k,nne werden, 
se s,ll den schulteisseu in den dorfern befolen 
worden, uf die gebeue nnd anderen, des sie uit 
zurissen, oder sunst durch feuer und andere zu- 
fi.llie schaden ahnemen uud zerissen wel.den 
n«»chten, desgleichen soli man auch die kirchen, 
s« abffethan werden, ane bewust der .berherschaft. 
nit abreisen ,,der euemen. 
Zum sechsten, solleu sich die pfal'rer der 
ceremmfien ha]hen nach vermogen ,h-r mitgêgeben 
buchlein, dieselben zugebrauchen se vil die 
egenheit eines iden kirchspils erleiden kan be- 
richten. 
Ztm siehendeu, sollen sie fleissig er- 
f,,rschung haben, uach der geschicklichkeit der 
pfarrer, wie sie des w«,rt gots predigen utd 
wo sie unverstendige darunter befunden erst]ich 
an ineu erkunden, ob sic auch ;:utwil]ige bêrich- 
tung willig anemen wo]hen, und wo s,lichs be- 
funden, dass sie dieselben ehrist]ich und freund- 
lich. se vil m,,glich ist, unterichten wo]len, welche 
aber unlustig und unwi]]ig s.lche berichtung w«d]en 
anemen, des sie dan uaeh andern, dadureh unsere 
underthan nit ferfirth, fleissig fragen und traehten 
w«,]]en. 
Item sie s.]len auch ein rei.ter enem pfarrer 
der ver,rduet ist oder vm iaeu ve.r, rdnet wurd. 
ubergeben, darinnen dit, edellent, t'l'CielJ, kruger 
und andere undirsassen nud was ein iglicher, nach 
seinem stand, im geben soll, und jerlichen uber- 
reichen verzeichnet sel, d,mit er wust. wo und 
x,,n wem er seinen 1,,u f,,rdern und heischen s,ll. 
Item einem ig]ichen amtlnalm ist ein exem- 
l,]ar dot ausgez,gen artike] zugeschickt des 
ieichen einêr iden stat. se sêiud auch einem itz- 
lichen pfarrer aller stete im herzogthum Preussen 
die artikel der ceremo, ien zugeschickt, d«.rhalben 

s,,llen die geschiekten, wo dorfpfarrer seint, einem 
itzlichen auch dio arfikel der ceremonien geben, 
wo auch sondorliche verstendige pfarrer in steten 
oder sunst weren, sollen sie inen auch die aus- 
gez«gen artikel zustellen, d.mit sie die leut dest 
boss uf unser bewilligte beschlossen ordnung zu 
weisen haben. 
Zum achten. Item es s«llen unsere ge- 
schickten einem iden kirchspil pflegen, des sie 
den pfarrern den decem und anders {nach ver- 
mogel) der leur} des vergangen jars martini 
sehuldig geben sollen, dann dise neue ordnung 
und vorsehung der pfarrer s-I uf nehist komende 
martial angeheu. 
Zum letzten, se»lien die gesehiekten von 
eincm itzlieheu amtmanu, meines g. h. schrifi- 
lichen berieht uemen, was fur seharwerk von einem 
itzlichen d,rf sie itzuuden gebrauehten und wie 
vil der baurn in der zal zu solchem scharwerken 
weren, in sich erkundigen bei einem iden amtman 
was den armen des seharwerks halber an sonder- 
lichn sehadeu meiner g. h. naeh gelassen werden 
kont. 
Und ins,mderheit sollen die gesehickten daranf 
gut achtung geben zuvezeichen und meinen g. h. 
darnach in der widerankonft berichten, wo w, rhin 
gr,ssê hesatzte we.entlich dorfschaft gewêst, das 
nit don selbigen leutem se itzo in der zal wênig 
und in ferd:rhung kommen, untreglich burden uI- 
gelegt wurden; souder des die geschickten sich 
derhalbeu mit einem iden amtman untêrreten und 
verfflêichên, wie solche scharwerken aus geteilt 
wurden, damit es deu armen treglich und leidlich 
wer. darin danu mein gn. hr. nach geschehenêr 
brichtung heschliessen wil. 
Item zu gedenken in allên amtên zu vragen 
nach den betreff fureren und uf zuzeichen domit 
man macht ufs neu ein rechte bosst lêgen. 

b. Visitati0ns-lnstrukti0n veto 24. April 152s. 

[Nach Nicolovius, a. a. . S. 104--109. Vgl. oben S. 7.] 

Nach dem mein gnedigster her. d'r herzog 
in ],rcussen, in sêiner fur.t]ichen ffnaden fiirsten- 
thumbs zeitiger regil'uug uichts h,,h«rs von n,,ten 
geacht, delta des g,t]ich hei]san b eiuig, ewig w,rt 
a]]enthali,.n in seiner firstl, gnadên fiirstênthulnb 
der ma.sen zuv«,rkmdigen lasscu, des dadurch die 
einigkeit unsers glauben. und sins ge.I, urt uud 
die rechtsehaffon friicht teg]ichs je mehr und mehr 
bel seiwr ftirstlichen underthan «rmerkt wiirden, 
und aber s-lchs dureh die (liem.r und ausstreier 
der geheimnissen gottes als durch das g-tt ge- 
fel]ig mittel zu geschehen van anfang der wahren 
christlichen kirehen verordent gewest, se haben 

sein fiir.tlich gnad beden derselben 1,relaten und 
bischofeu bev,,len und aufgelefft, dar zu sie sich 
auch wil]ig erb.ten, ein christlichc visitation und 
ordenung aller p[al'ren und pfarrern in irer furstl. 
guaden thrstenthums Preussen louis seiner furstl. 
gn. illen zugeste]tcr anstei]ung fiirzunemen an- 
zufaheu und mit der hulf des almechtigen zu- 
volemleu dergesta]t wie hel'nachvolgt. 
Erstlichen sollen die herrn bischof durch 
«'in schrift, neben eincm offncu bevelchs brief se 
inen VOl meinem gnedigen herrn zugestelt werden 
soll etc. zuvorn ehr sie an einem ort kommen, 
den amptman, adel auch die eldesten eines itz- 



Visitations-Instruktion x om 24. April 1528. 4:3 

lichen gepiets, zeilich vorwarnen lassen auf eiueu 
tag {den sit' benenn«q solleu) zu sammen zu 
komen geschickt, von einziehung der pfarr,.l und 
vers-rgung der pfarrer, auch allerlei geprechen 
in dem ganzen ami»t, geistliche sachen betrefl'end, 
zu handeln, sich de,tin zuv-reinigcn, und des 
herrn bischol bevelch, orde,ung und abschied zu 
gewarten einzunêmen uttd zuv«,lzichen. 
Und se,lien die herru bisch,f gut acht darauf 
geben, welcher gestalt die I»thi'ren vormals zu- 
sammeu geordent worden und daselbst widor an 
ursach nicht handehl, s«,nder so riel m«,glich und 
t,glicl,, bel der ersten und angefat,gen visitati«,n 
dies stficks halb«n pleiben, sie wiiestet dann 
solcbe einziehung dcr pfarren zuvorbess«.rn, das 
se,Il item guten vleiss und verstand sampt eines 
jeden amptmans und eldesten in aml,tern gut 
dunkcn heim gestalt sein. 
Zum andern sollen die herrn hisch,,f die 
pfarrer irer ler und sonderlich der zweier heil- 
samen sacrament halben der tauf und eucharistien 
fragen bevor ab, ab sie zuvor gel,urlicher, m-dent- 
licher weis examinirt und in«'n das l,redigt-an,l,t 
bev«lhen w«rdcn, uud von em tmd w, es 
an der leer mangel hett, die selben gutlich und 
veterli«h unterweisen und v«q-heissen etzliche 
heuptartikel und grnud irer leer, darna«h sic si«h 
zu richten habeu, zu zuschicken, sond«.rlich aber. 
das die selben sich der gedruckten l»,stillen aus 
hevelch gebrauchten, und des keines wegs sch«.meten, 
ne,ch daraus zu predigen unterliess«.n. 
Nota der p,»stillen halben mit don pfirren 
zu reden das sie si«h der g«.l,rauchete, iu dem 
wo sie ieren schrift auslegen glauh«.n und lieb 
treiben, was aber die bepst, bischot pfafl, nnd 
under dergleichîn b«trifl, welchs dan in diesen 
landen g«,tt l-b uicht n,th bat, se,lien si uber- 
gehn. 
Item den selbigen edelleut«n und herschaft«.n. 
so dermassen unprobiert pthrl'er angen«,mmen, aus 
«rnstlichem bevelch meines gnedigstH l»err«q an- 
zusagen, dass sie kcins wegs hinthrth dem v«,lk 
pfhrrer darstelh.n, es sei d«mn, das die s,-lben 
zuvor durch i« herrn bisch«,[n examinirt, fih" 
tlichtig erkant und densel}»en l,resentirten, also 
v«»n den herren bischofen das predi aml,t b« - 
v«»hqt worden sel. 
Item s,llen die ]lerron bisch«,f nel»en ch-m. 
das sie nach der pfarrer leor fi,rschen, auch dit. 
anderu in sunderheit ires lei,ens uml wamlels 
ha]ber, und ab si. sich kcgen dem v,,Ik als 
fromme, vleissige, gotreue vorsteher, leorer und 
veter in unterweisungen und irem eigen lobcn 
und exempel halten und erzeigen, fragen, u,d in 
solchem nicht einem allein glauben geben, 
sie dan das wohl zu thun wissen, 
Zum dritten sollen die herrn bischof allen 

anaptlcuten, aus bevelch moiues gn«digstcu herrn 
ernstlichen ansagen, «las ir fin'stl, gnade gleub- 
lich berichtet w-rden, wie del-s«lben mandat 
vielen, nicht allein nicht g«acht und ubertteten, 
sonder auch veraeht und verspott werd aus er- 
hengung der aml,tleut. Der hall»en sei ihr«.r 
furstl, gn. el'ltstlicher bev«.lell, das die ami,tleut 
biufur mit allem «'rnst dariiber hahen, und die- 
selbigen vereehter was stands auch clic serin, 
sic die erthr«.n m-gen an lei 1, und gut erustli¢hen 
stratçn, dan w«»e s«,lchs v,u du atnl,tluuten 
geschelw, gedc»k if fin.sri, gn. llinfr die selbigen. 
ab sie auch zu ihrem lebet s«,lclle ampt v,,r- 
schriben hetten ,lerselben nach griindlichen er- 
findung ires u,geh,,rsans -d«'r irer nachlessig- 
keit zu«ntseczen, und in allen weg der massen 
mit ernt do bei zu thun, das meniglich 
soli, das iren thrstl, gn. leide, s,» man widcr 
gottes und seiner thrstl, gelmt freuntlich und mut- 
willig thuet. 
Zum vierd«n s«,ilel die lwrrn bich-f Yagen 
nach der vers,,rgung der pçarrer, itt.m nach 
registern ihres eink«,men Imd wo sie der nit 
hettcn, ineit zu maçhen bew.len, doutit c-lu itz- 
licher nachk,,mend«.r sich daruach zu richten etc. 
Wic inen den. deshalben die v«,rige «,rdnung, 
und wit, riel ein iczlich kirchspil eink,mmens 
hat etc. mit gt, g«'ben ud zugestalt. 
Item sonderlich gnt achtung zu geben auf die 
abgesaczten ubcrigeu i,trrer, an den-rte.n, da 
man k«.ins pthrr«.rs m,.hr darf. das sie ihre huben, 
davon sich znenthalten und anders hetten lauts 
der etruckt«qt nt«.ilts guedigvn herrn «,rdnun. 
Se, demi etwan alte iAçarrer fiu-handen an 
den orteil, da man andere hin ver,rdcnt bette, 
sollen die herrn bischof vh'issig sich bearbeiten, 
wie sie in,-u if ziemelich w,rs,,rgung der «uden 
schafften, oder, wo es ihe nicht anders serin k«,nt. 
hierein gen Konigsl,erg sich «h.m h«rrn 1,urggrafeu 
anzuzeigen, doit man sie in ein spittal ordnen 
mo('ht. 
Aber in stetten, tach dem iuen bicher an- 
heim g«stah ffewest, sich lnit iren l,farrern zu- 
v«,reinigeu und aher m«in«.m gn«digsten herrn dcm 
Ilerz«»gen fiirkOml»t , das sic. heutiges tags sich an 
«'cz]i«hett «,rten mil irelt p/«rr«.r, uicht v.rtragen, 
c,cicr inet dermassen vers-rgung th,m, das nicht 
V«,l'mu/lich ein biderman sich dav«,n t.nthalten 
mocht, isl s«.in«r furstl, gnadc t'rnstlich be«.]ch, 
das die herr«.n i»isçhot nit dem r«l ein«.r itwt.der 
star, aur eine gonante summa haldell, ttnd 
rathe toi lassen, wie und durch wass wege sie 
s«,lches von ihren mitburgern, ihrem gesint und 
andel'n eilbl'ingen, wie dan auch zu Bathenstein 
algereit geschehen und der antng gemacht worden. 
oder aber wue der rathc sich des beschwer«qt thet, 
sollen die herren bisch,,f firschlahen, das ein 



44 Das Hm-zogthum Preussen. 

ieder sesshaftiger mai1 1. fierdung und ein biidner 
3 groschen gebe und in dem nicht nachlessig 
handeln, sondern dem ernstlichen bevelch meines 
gnedigsten herren nachgehen, darob aueh if furstl. 
gn. zu halten gedenken. 
Item wer es dan au etzliehen »rten, das die 
h.ut den pfarrherrel» grain und wider mol die 
ltorren bischof nicht mochten, oder vertrauten 
gute einigkeit und willen zwuschen ihnen zuer- 
halten, se,lien div herren bischof die selben ])farrer 
«'hr]ich abseczen und auf ander art sie zu ford('rn 
vertrotung thuu. aucl, dem selben a]so nach- 
k,,mmel b d,-,mit er das v,,lk nicht selh furnemen, 
jemand zu seczen .der zu entseczen ires ge- 
fal]ens etc. 
Item» dieweil etlich herrschatt tutd adel 
]»farren zuvor]eihen, s»l mit demi selben auf das 
gut]ichst und freuntlichst gehandelt werden, woe 
einzieung der i»fal'l'er von noten und nicht 
umbgang el-]eiden werden kan, «las sie iii so]chem ein 
gut -rdenung nicht vorhindern w«,llen, und an- 
sehen, das pfarrer nicht der massen, wiw.l etwa 
es dafor gehahen w»rden, in die lehen oder ander 
gueter gehoren. Das es auch allen iren gerechtig- 
keiten» brief und sige] uuschedlich spin sol und 
von meinem gnedigsten herron, dem herzogen» 
nemen, we]cher fiirst]ich gnad s,,]chs se]b ge- 
statten und nachgeben, so doch ir furstl, gn. wo 
es nicht gottes ehre und ftirderung seines w,,rtes 
betriif, so]ch anch nicht verwilligt haben woltel b 
nach zu geschehen gestatten. 
Item das jenig, so hirvor den pfarr,.l'n |aut 
mejnes gnedigsten herren ,»rdnung zu ihrer ver- 
sehung verordent und gemacht» sol dem pfarrer 
allein zu kommen ulld das kirchspil den schul- 
meister oder gliickller capellan wêin in die kirchen 
geben der pfarïer und pfarrkirch«n und t,,lken» 
wie oben uud hieruuden geme]t wtird, erhalten 
und dem pfarrer der halben nichts auqegens. 
Zum funften sollen die herren bischof jecz«» 
auf diesem umbzug ordiniren und machen decanes 
synodes oder archi presbiteres, we]clte gut ach- 
tung und aufsehen haben sollen von des bischofs 
wegen auf a]lorlei gebrecheu, so in der grpnz 
inen bevolen sich zutrtigen» die selbigen verhiJren, 
und soviel inen m,,glich, beilegen und entscheiden. 
Zu denen auch die andern zuge,,rdenten 
pfarrer eino zuflucht hetten, unterweisung in der 
leer Ulid andern fallen zu nemen lind zu halten, 
so]chs s-lien die herrn bisch«,f den se]bigen zu- 
geordenten pfarrern also verkiindigen und an- 
sagen, datait sie sich in irem gebrechen und tel]en 
zu halten etc. 
Item mit den vorsteherll der selbigen kirchen, 
darinuen der massen ein archiprespiter ordinirt 
wurd zu handeln, das sie sich des ackers paues 
(so ferren sich der se]b pfarrer oder archiprespiter 

,les beschwert) unterwinden, den. selbigen vor- 
legten, datait der pfarrer und archiprespiter 
solchem seinem ampt und dinst desto bas vleissiger 
und bequemer aus warten mocht. Ader das inen 
deste stadlicher versorgung verordent wurd, wie 
denn solches die herrn bischof sampt dem ampt- 
mann und den ede]sten eines iden orts forzunemen 
wissen und darzu keinen v]eis sparen sollen etc. 
Und so die selbigen archiprespiteri ordinirt, 
s,,llen die herren bischof den andern pfarrern 
bevelen und ansagen, das sic aile virtel jar ein 
synodum, oder so es die noth erforderl/ wurd, 
meher halten, ire gebrecheu und fee], so inen 
begegnet, dem archiprespitero furtragen, und sich 
des Iso tierren moglich) voreinigen; was aber inen 
zu schwer sein wurd, das sol der archiprespiter 
seinem herren bisch,,f auf den jerlichen synodum, 
so die herren biscl,,»f ha]ten werden, furbrengen 
und aldo bescheids gewarten. 
hem es soli hinfur alwege wi gemelth ein 
jer]icher synodus zu einer bequemen verordenten 
zeit in beiden bischthumben gehalten werden und 
so in so]chen angezeigten jer]ichen syno,lis ftir- 
fallen wtird, das man als dan nichts entscheiden 
m,,cht, sol],.n die herren bischof die ort, do die 
geprechen vormarkt, visitiren. 
Zum sechston so]len die herren bischof das 
volk eines iczlichen kirchspils auf das vleissigst 
VOlananen, auch inen solchs von wegen meines 
gnedigsten herren ernstlich bevelhen und dem 
amptmaun oder den retell der stedten, darauf 
zu sehen und doriiber zu halten mit allem erllst, 
auflegen, das widerumb allenthalben die toffelen 
zu erha]tung der kirchen, pfarrheuser, gebeuden 
und eines t,,lkens, wie vor alters her kommen, 
retordent und gehalten werden mit erinnerung 
und guter vermanung, icz durch die herren bischot, 
und hernach durch ire pfarrer, das sie solche beu, 
als ire gemeine notturttige heuser, deren sie oder 
ire nachkommen keines weges entperen konnen 
odel" mogen, zu erhalten schuldig etc. und sonder- 
lich den ampt]euten zu beveleu, woe sie verechter 
dieses gepots, oder die davon schimpflich und 
leichtfertig reden wurden, erfiiren, die selbigen 
in gepilrliche straf zu nemu und nit, wie bis- 
here geschehen, in solchen bevelen ja so nach- 
]essig, als das volk zu hande]n, bei vormeidnng 
meines gnedigsten herrn schwere straf und un- 
gnad. wie oben geme]t ist. 
Zum siebendeu. 8ollen die herren bischof 
bei a]lell pfarrern sich erfragen der postillen 
ha]ben, ,,b sie die entpfangen, und dieselbigen 
inen brengen und zeigen lassen uud bevelen, wo 
es sie von noten dtinken wurd, das sie sich der 
geprauchten und dem inventario einleibten und 
wue nicht postillen sind, das inen solche blicher 
uachmals zn gestelt wlirden. 



Episcopale Mandatum veto 1. Mai 1539. 4.5 

Item btichlein der ceremonien den pfarhern, 
se ihr nicht haben, zu geben. 
Item formam eopulandi werd man inen in 
einen truck, darinnen sic das fundament der 
christlichen rechtschaffen evangelischen leer vor- 
stehen und haben sollen, hernach zu schicken, 
welcher gestalt ferre sic sich gebrauchen. 
Zum achten sollen die herren bischof alle 
eiukommen der kircheu, gillen und hriiderschaft 
desgleichen, was sic ftir arme leur, und wie riel 
sic der haben, wie dieselbeu erhalteu werden, 
was das gefell und einkomeu zu solchs erhalduug 
und versorgung der armeu sel, vou einem icz- 
lichen kirchspil und iren kirchenvetern t;,rdvrn, 
uud eigentlich auf schreiben lasseu, datait mein 
gnedigster herr des durch sic gnten bericht ent- 
pfangen mog. 
Item die amptleute, rathe der stadt und die 
gemein getreulieh zu ermanen zu aufriehtung eines 
gemeinen kastens allenthalben in deu kirchspih.n, 
oder wie das fur das best angesehon wurd, wolchs 

gelegt und bevolen werden soli, teghch in den 
predigen, das volk zuerinnern zu leren und zu- 
ermanen. 
Item woe den solche gemeiue kasten algereit 
aufgericht worden, oder uach aufgericht, derselbeu 
kasten sollen auders nicht dan in beiwesen des 
pfarrers, amptmans und eltisten etc. er,ffnet und 
darvon die armut zuvoraus, darnach kirchbeu, und 
anders erhalden werden. 
S,,lches Mies wie obn verzeichent bekennen 
und thun kunt wir Albrecht, marggraf zu braaden- 
burg, in Prussen etc. 1,«»rz,,g etc. gegen jeder- 
m«miglich, das es mit unserm guten willen, reifeu 
rate und bevel gescheheu, gepieteu uud bevelen 
der halben hiemit ernstlich allen und jeden unsern 
underthanen, h,,chs und nider stands, se diese 
scl, rift betrifft, dem selben mit allem gei,orsam 
nachzukommen und sich darwidr nicht zu seczn, 
sonder getreulich und unvorrticklich zu haiten 
zu urkund mit unserm zu ende der schrift ab- 
gedrucktem secret v,,rsecretirt. (eschehen den 

auch sonderlich jdem pthrrer in sunderheit auf- . 24. tag Aprilis 1528. 

6. Episcopale Mandatum. Vont 1. }lai 1539. 
[Nach dem Originaldrucke. Vgi. oben S. 20.] 

In l, rohibitis olim consanguiuitatis et 
affinitatis gradibus, etiamnum sine 
urgente caussa, non esse nubendum, 
libertatis Evangelicae 1, raetextu. 
M. D. XXXIX. 
Nos Georgius a l'olentis, Dei gratia Epis«-i,us 
,Samhiensis, Palgae et 8chonbergae Dominus Uni- 
versis et singulis diaeceseos nostrae ecclesiarum 

nonnulli statuerunt. Quasi vero ipsa humana jura, 
seu constitutiones, in ca praesertnn causa, quae 
alioqui mere civilis est, usque ade, nullius momenti 
t;,rent inter christianos, ques tamen divus aposto- 
lus l'etrus jubet esse subditos cuivis humanae 
creaturae, seu ordinationi, propter Dominum. 
3laxime cure luce meridiana clarius extet, ordi- 
nati,,nes eiu»modi graduum prohibitorum, longe 
temporum usu, in christianitate, ad nos usque deri- 
vatas. Et »i bonam partem a pontificibus romanis 

pastoribus, archipresbyteris, presbyteris, caeterL, q. ,rtum duxerint, receptas tamen ultro et appro- 
ministris, gratiam et pacem per Christum. Post- I batas, ac pro publicis legibus habitas esse, ab 
quam hisce longe foelicissimis temporibus cran- imperat,,ribus, regibus, priucipibus, ac aliis 
gelii doue dei restituti, aliquot non l, arum multas, magistratibus, omnil, usque ordinibus christianorum. 
eum iniquas, tum intollerabiles ordiuationes, c,«- Nimirum, qu,,d vciniores esse diguoscautur 
suetudinesque, in rebus christianismi, v,q funditus christiauae, tum pudicitiae, tum h,,nestati, remo- 
antiquari, aut quadautenus imnutari «,portuit, tic»res autn absint a turpi scandale, prae effreni 
simul contigit etiam, pleraque obiter taxari, quae I illa libertate carnis, quam quidam propudiosissime 
consultius intacta praeteriisse couuniebat. Vel [ sectantur, in secundo aut terri,, gradu nupturieutes. 

ide«, potissimum, qu,,d permutationes, innovati,nes- 
que omues ut poriculo n.n vacant, ira fere non one- 
rosae nunquatn solent esse. Quamvis hac parte, 
fortasse mluus erratum esse, videri possit nisi 
civiles quoque coustitutiones et ordinationes, in pri- 
vatis quibusdam, ultro citroque angulis» sine causa 
urgente, alias immutatas, alias prorsus antiquatas 
per temeraculos quosdam, esse cerneremus. Veluti 
dura matrimouia, quantum attinet ad prohibitiones 
ac concessiones naturalium graduum consanguiui- 
tatis et affinitatis, iuxta legis tantum Mosaicae prae- 
seriptum, plusque superstitiose dijudicanda esse, 

l)e quibus sane veren,lum est, ne alias multum 
de verb,, Dei curent. Pr,,iude ,lu,,nian cette 
certius constat, ali-rum hac in re praejudicia et 
exempla, apud exter,,s eva,gelicae professionis 
,,rdines, dudum lata fuisse, et lu usu nunc esse, 
m,stris, de quibus hic agirons, plane coufortnia. 
Accedit et hec, cure quenlibet christianum in eo 
quod sibi liberum foret, jureque concessum, ,,por- 
teat rationem l,aberc, ne cuipiam alteri ,,ffendi- 
culmn in ruinam ponat. Idcirco volumus, et 
accedente omsensu, v,,luntate, iussu ac com- 
missione lllustrissimi Principis et Domini, D. Al- 



4ç, 

Das Ilerzohum Preussen. 

berti Marchionis Brandenburgensis, terrarum 
Prussiae etc. Ducis etc. l)omii nostri Ch.men- 
tissimi, Vobis omnibus et singulis, ecclesiarum 
past,ribus, archipresbyivris, presbyteris cav- 
terisque ministris per totnm dioeceseos nostra% 
reliquumque terrarum Prussiae tractum, n.bis com- 
missunt, cmstitutis mandamus et in d,,mino 
districte praecipimus, ut part., ex sacris publice 
pulpitis, suae quilibot plebi commissa% dilucide 
ac clare denuncietis, et liquid,, testatum thciatis» 
ab huiusnmdi illieitis connubiis, nedum semi»er 
abstinendum fuisse verumetiam h,,die abstinen- 
dura esse. deilule enunlcratis ab hjusnlodi con- 
nuhiis abstin«.ndi causis, satis rati,,nabilil,us, firmis 
ac justis, quas in calce literarum subscribi curavi- 
mus, summa cura et diligentia quoscunque Christi 
fideles, per saniorem doctrinam intbrmetis, sedulo 
m,,neatis, et .btestari nunqnam cessetis, ut sibi 
caveant ab huiusmodi scandalosis desl«utsati,,nibus , 
ne ipsi unquam animum inducan L ut i)pr,,hibitis 
illis cantra jura hactonus usurpata gradibns, ull, 
pact,, nubere l,raesunaut. Ca,terum in casn, si 
quidam, nt n,,n veretnur, ausu tamen temerari,» 
idipsum transgredi, ac tant illicita commhia iungere 
attentarent, eorundem ho,rainure nuptias, sic per- 
perani stabilitatas, tanquam illegitimas, v,»s solenni 
illa sponsorum C«Tulatione  in thcie ecclesiarum 
fieri cmtsueta, nulla mode, ratificetis, nec ut lcgi- 
tim,s coniuges, ipsos o,ntumaces, coabitare per- 
mittatis. Ho siquidem sedul- ac seri,, agentes, 
omninovos declarabitis esse, ut addecet, mcm«,rcs 
in primis, pietatis erga deum, legitim,,rum matri- 
maniorum ipsissimum autorem, -tficii quoque vestri 
orga Clementissimum l'rincippnl nostrum, et ipsas 
ecclesias vobis commissas, egregium specimeu 
odetis. Deniqne etiam erga n,»s debitam obedien- 
tiare, eadem rati,me praestabitis qui nihil in w,tis 
prius lmbemus, llisi nt vestram, n,,stram item, 
n.tr,»runtque «,mnium salutem, pro viril)us pro- 
m,veamus, ad gh,riam 1) E .I et D,,mini n,,stri 
.lesu f'hristi. Amen. 
In qu,rum rident, bas lit,ras scribi et 
sigill, n,-,str, ral»,rari demandavintus. Datas, 
apud sedem n«stram Sambionsem, ex Regi,,- 
monte. Cah.ndis Maii. Aniu millesinm quingen- 
tesimo trigesimo 11OllO. 
(L. S. 

SE[2 U UN'I'UR ItA'I'I[)N ES 
pr,,l, tor quas in l, rohihitis gradibus 
n,,n nuben,lum. 
l'rima. uia quilibet h,,mo, etiam jure 
divin% servare tenvtur, ardinationcm «le prohibitis 
certarum persanarum gradibus, quemadmodum 
praecipitur, Levitici XVIII. ira ut quicunque, contra 
fecerint nedum courra legem dei l,eccent, verum 

etiam, talis eorundem praevaricatorum coniunctio, 
cantra praeceptuna dei et contra legem naturae 
facta, matrimonium legitimum noutiquam eon- 
stituat, sed p-tius illegitimum eantubernium sive 
ut ap«mt,,li v,»cant, scartationem aut stuprum. 
Aetorum .XV. I. ad (3orinth. V. I. Thessal. IIII. 
Siquidem supradicta ordinatio, seu p-litia, de eon- 
sanguiuitate et affinitate porsonarum, non solum 
speetat ad pol»ulum israelitieum, verum obstringit 
etiam alias omnes gentes. Q,m¢l item pater in 
ipsa logo mosaica, eodem cal». XVIII. sut, finem. 
ubi loeitnr, Cananeas, propter hujusmodi exe- 
crationes, l»tuait.s, expulses et ad unum deletos 
esse, tanque ces, «lui c,,ntra h.gem naturae peccanda 
reverentiam sanguinis in i.nominiam sanguinis 
perverterunt. Unde iam liquet, ordinatianem de 
reverentia sanguinis et gradibus multis saeculis 
adeoquo a protoplastis usque, ante Masen. etiam apud 
gentes, ex prae:cripto legis naturae, in usu ex- 
titisse et servatam fuisse. 
S ce u n d a. [tmmvis lege mosaica quaedam 
porsonae, sanguinis prapinquitate conjunctae, in 
certis gradibus admittantur, ut sunt consobrini et 
eons,brinae, et ,biter alii in similibus gradibus. 
quibus invitera cantrahere (,lira veritum fuisse 
w,n legitur, attamen pasthac prapter h,nestatem 
puhlicam tuendam et Mb saneuinis reverentiam 
l,raedictis pers«mis et quibusdam aliis in sacro- 
S:UlCta ecclesia, ne invicem contraherent, inter- 
dictum est. uvmadm,,dutn, bec ipsum, tam 
veterum pontificum canones, quam etiam legs 
imperat,,riae jusserunt, et hodie jubent, ima ante 
aliqu,,t centum anuos, usque in hune diem, pro 
publico, et caesareo jure et ,,rdinatione, ut 
supra in literis testati sumus, receptum, arque 
servatun b et ad servandum, summa autoritate de- 
mandatum est. Quapropter lmdic neeesse est, ut 
.ffendiculum graude pariat, si contra receptas has 
ae tam diu usurpatas legês» nubant h-mines, et 
personae tales invicem c«,ntrahere ausiut, nulla 
rationabili causa exigente. Et nom solum vicini 
nostri circumcirca comnmrantcs, qui evangelio 
renata nandum gaudent, verum etiam infirmiores 
inter n,,s multi, id quad experientia subinde 
d,»cet, h,« pacte, ofl'enduntur, videntes christianae 
I libertatis, lwaecipuo in hujusmodi casibus, n,n 
sine magna levitate, ima temeritate patius, ab- 
usure, ut pro dal.r exlwrti sumus, in quibusdam, 
otiam de vnlgo n,»str,), priusque veluti p,,stliminio, 
bonae ,rdinnti,mes iterum sunt constitutae, cure 
tamen e contra illarnm pauci admodum reperiantur, 
ques sincer- alias affectu erga evangelium prae- 
dites aliquis censere queat, aut qui serio et ex 
anime curent, ex sana doetrina vivere meliores. 
Et vith.mnr» si ira pergamus, plane in hec esse, 
ut omuis h«,nestatis nulla ratio habeatur. Ut recrus 
eontemptus ubique gl'assetur, deuique, ut quic- 



Von erwelung und unterhaltung dvr pfarrer n. s. w. von 1540. 47 

quid adhuc est reliqui divinarum inhihiti-num 
de gradibus ob reverontiam sanguinis constitutis 
impune cuivis nebuloni praevaricare simodo libeat. 
statim quoque licere debeat. 0 m,,res, 0 tempora 
0 ehristiani nominis iactatores, nimium blas- 
phcmos. An non dominus noster .lesus ('hristus 
ipse uua cure apostolis suis omnibus nos dili- 
gentissime promovere ne proximis, maxime in- 
firmis, offendiculo esse velimus, sicut clarissime 
patet ex multis novi testamenti locis, potissimum 
autem, ubi divus Paulus pracipit, nf nu||um prae- 
beamus offendiculum, neque iudeis, neque graecis 
neque ecclesiae dei. I. t'orint. X. rursus I. Thess. 
V. ab «mni specie mala abstiuendum esse &,cet. 
Tertia. Quanquam boc supra i» literis 
quoque diximus, ,amen illudipsum hic rel,etimus. 
Videlicet justum esse et expedire ut i,ul,licis 
legibus ex tortis eausis et rati-nibus h,,nestis 
ab imperatoribus latis, et quae loges tare diu in 
usu publico fuerunt, prompte obsequanlur. Quand,,- 
quidem matrimonium est r«.s civilis, et ext,.rna, 
sive ordinatio humana, cul et praeterea id generis 
ommbus aliis, jubet divus Petru.,. nos esse debere 
subditos propret deum I. Prtri II. id quod vol 
deus ipse a nobis qu-que exigit re vera. 
Quarta. Frivolum est et inel,tum, qu,»d 
quidam hic iibertatem christianam praetexunt, et 
hoc nomine indiscriminatim prohibita quondam 
connubia concedenda hune esse putant. Siquidom, 
hic non usus sed abusus libertatis christianae ri,re,, 
adeo levit«r ac temere pro illa veudicanda, extra 
necessitatem, imo cum offendicul,, ad sediti,mem 
in rebus humanis sacrosanctas legum c-nstituti,,nes 
perturbare et coufundere. 1)iscant il|i iam tan- 
dem, qu-modo et quid divus Petrus doceat, de 
libertate uostra in £'hristo. Tanquam liberi. 
inquit, et non veluti praetextum habeutes malitiae 
iibertatem, sed tanquam servi dei. I. Petri II. 
t'ni diserte concinit organum dei electum, l'aulus 

proximoserviamus abdicata interim, et sponte 
neglecta libertate nostra, sicut idem apostolus 
Paulus inquit: Omina mihi licou,, af non ,,mnia 
conducunt. Omnia mihi licent, sed non omnia 
aedificant, h'emo quod suum est quaerat, sed 
quisquis, quod est alterius, I. ('orintl,. X. 
Quinta. l'raeter haec, omnium periculo- 
sissimum resta, ho, c, qu,,d qui intra pr,,hibitos 
consanguinitatis aut affinitatis gradus contra usure 
a majoribus nostris honoste intr,,ductum et contra 
l,r,,hibitiones eiusm,,di matrim-nialiter c-ntraxe- 
ruut, ijdem postea, imp«,sita aliqua cruce, et ad- 
versitatibus inbq-uentibus non sine suc, nmgn,, p.ri- 
cule, «,lira tentari, et inde augustas at«lUe irrequies 
c,,nscientias rep,,rtaro l»ssunt, hic lab,,r et hoc ,TUS 
erit. ne alicubi dospor,tt. Vid,.rint .rgo, ac potius 
a talibus c,,nnubis ,,bstineant I,rudentes. Attamen 
et I,,c -ciendum, quod eons,,brinis et quibusdam 
aliis, alfinitate l»rol,in,tua c,njuuctis ut est de- 
mortnae uxoris s,,r,,r, nec loge m«,saica, nec u]]o 
quidem alio verbo dol, qu,, miuus iuvicem nubant. 
interdictum esse constat, im«, intercedente causa 
rationabili etiam in illis gradibus connubia qu«,n- 
dam concessa fuisse. I,I qu«d h,,die quoque, si res 
ita ferat et exl,t-diat, in eisdem gradibus 
disl,ensationis (quam vocantl beneficium, summo- 
rum «,rdiuum ac magistratuum tam civilium quam 
ecclesiasticorum arl,itratu, quorundam l, raer,,ga- 
tivam contrahendi esse licebit, ut huiusque semper 
fuit. Caeter,,rum e media l,lebe n,,n item, ill,,s 
etenim tanquam c,q.tis legibus circum.criptos 
secundum il,sas leçon, nub,re oportet. 
Haec hactenus. Unde ,luihbet christianus, 
euiuscunque status et c,,nditit«fis, l,raesentibus in- 
structus et admonitus, caute sibi ipsi caveat, ut 
in posterum a talibus nuptiis plane incestis, quia 
divino et naturali Jure pr»hibeutur, et quas 
nuptias imperattriae loges recel,taê quoque 
hibent, quibus, ut audivimus nohis christianis 

apostolus dicens: Vos in libertatem vocati estis  l,arendum est. abstineat nec pr,, libito temerario 
fratres, tantum ne libertatem in occasi«,nem dotis [ sub evangelii vano l,raetextu, ubi n,,u est 
carni, sed per charitatem servi,e, vobis invitera, I causa ad cogniti-nem magistratus spvctans, 
ad çlall. V. Quapropter etiamsi nos christiani, I ,,ffendiculum praebeat, aut confusionis illaetabilis 
per ridera verbi dei liheri habeamur et simus ] t'omitem subministr,.t n.c sibi ipsi. attt aliis gra- 
coram deo et secun,lum internum haminem in vissimos c:,nscientiae morsus interne et externe 
conscientiis nostris, nihih,minus tam.n iniunc/a t'st discruciantes l,arturiat, maxime «,b id, quod vere 
nobis servitus secundum corpus et hominem ex- christiauorum .st, e«,sque dvcet, ut pro h,,nestate 
ternum. Ut quemadmodum iam ex Paulo audi- et secura conscientia lu tim,,re «l«,miui sua matri- 
vimus, per charitatem n,,bis unice praeceptam, monia auspiccntur. 

7. Artikel v0n erwelung and uuderllalnn der pfarrer, kirchenvisitati0n and was dem ailen zuehiirig, in fiirsten- 
thum Prenssen nf gehaltner tagfahrt Michalis ira jar 1510 einhellig beschltssen. '0m 2;t. Septembr lbl0. 
[.Xa«-h dem 0rigina|dru«-k v,m llans XXeynreich. VI. ,,I,«.n .. 
Von erwelung der pfarrer. 
Nachdem von g«,ttes gnaden wir Albrecl, t, Mit erweluug der i, farrer: wtlin wir, das es 
rnarggraf etc.  hinfurtan volgender meinung gehalten sol werden, 



48 

I}as Herzogthum Preussen. 

als nemlich, das sich der lehenherr um einen 
ttichtigen geschickten des worts gots erthrnen man, 
umsehen s,,l, und deuselbigen alsdann den pfar- 
kindern anzeigen, und ferner den herren bisch,,fen, 
als Samlande und Pomezan, nach g'elegen],eit eines 
jeden bisthums, zufertigen, die ihnen alsdan weiter 
examiniren s/illen, und se er liichtig und geschickt 
|,efunden, dem lel,ensl,errn neben vermeldung 
seiner geschicklichkeit wiederum zusenden. Wo 
er aber nicht se ttichtig und geschickt were, das 
dem volke mit dem wort gottes recl,tschaffen und 
wol vorstehen kc»vt, st/lchs sol dem lehenherren, 
sich um einen andern und ttichtigen umzusehen. 
angezeigt werden. 
o aber ein lehenherr mit bestelhmg eines 
pfarrers nachh.ssig setimig sein, und die pfarr- 
kinder uber geptirliche zeit domit verzihen wtirde, 
alsdann sllen die pfarkinder um einen andern 
umzusehen und denselben fur die hand zu schaffen 
macht haben. Doch gleichw,,l s,,lchs dem lehen- 
l,erren anzeigen, welchr es mit den, l»farrer, wie 
oben beriirt l,alten slle. 
N'achdem aber befunden, das an etlichen 
orten, «»ne v-rwissen, genugsame ursachen und 
bewilligung eines ganzen kirchsl,ils , die pfarrer 
geurlaubt und hinweg geiagt werden, wiillen wir, 
oh auch einer gleich das kirchen lehen hett, das 
er one guten rat der geptirenden obrigkeit» oder 
derselben verordenten, auch ansehenliche notdurf- 
tige ursachen, kei,em pfarrer urlaub gebe, riel 
weniger alsbald hinweg jage. 8o aber hirtiber ein 
i, farrer «,ne erkentnus entsetzt oder weg geja, 
stllen dieselbigen vorjagte 1,latter fur allen 
dingen, und aufs erste, wider eingesatzt und resti- 
tuirt, aisdann klag und antw,»rt gehiirt» und daraus 
erkent, was recht, verner ein pfarrer entsatzt, 
oder nicht entsatzt werden. Se dann einem 
pfarrer gewah gescheen, und er des schaden er- 
litten, ihm stilche seine scheden, durch seine 
widerpart, auch aufgericht werden, das w611en wir 
aise, und nicht anders gehalten haben. 
Herwiderum s311en die herren bischofen, one 
zeitlich vorwissen und mitbeliebung des lehen- 
herrn, auch sonder redliche genugsame ursachen. 
keinen pfarrer von einer pfarr nemen und an 
einen andern ort, inen gefellig, veror,lnen un,1 
setzen. Nichts minder, sillen die pfarrer» dieweil 
pillich, das dieselben niemants ,,ne erkentnus der 
geI, iirenden 1,errschaft oder ihrer ver«,rdenten 
entsetzen und hinwegjagen siille, ans eigenem 
muthwillen, und ausserhalb notdurftiger ehaft, 
auch mit wissen der lehensherren, samt erkennt- 
nus der herren prelaten, von den pfarren an ein 
ander stelle zihen, und etwas der pfarr zustendig 
mit sich nemen, sondern das inventarium an vihe, 
bticher und anderm vol lassen, und den kirchen 
vetern uberantworten. Welcher pfarrer aber sich 

des understtinde, und dartiber betreten, seille an- 
gehalten und den herren biseh6fen znstrafen zu- 
geschickt werden. Und siillen sich aber die 
pfarrer, se andere leren, und underweisen, nieht 
selbst dermassen balden, das sie billich ungunst 
mochten erlangen, dergleichen aueh, in ihren 
widmen weder bier noch meth schenken, riel 
weniger sllen sie sich leichtlich in setiferei, zank 
und hader, mit iren pfarrkindern, allermeist mit 
der herrschaft und obrigkeit .desselbigen orts be- 
geben, nicht widerschelden, oder arges mit argem 
vergleichen, auch nicht aufpochen, und unersucht 
die herrn bischof, mit nichten urlaub nemen, 
dann es wil sich je aise geptiren, und nicht anders 
schicken. Wo dann ein pfarrer stilchs vorgessen, 
und auch wiirde ubertreten, das er auch ungestraft 
nicht s,»ll bleiben, daneben sille ein jeder pfarrer, 
in seinen predigen: sich ver allem, dardurch der 
einfeltige gemeine man. mehr zu argem nach- 
denken und ungeh-rsam, dann gutem und under- 
thenigkeit gereizt, auch die widerwertigen des 
worts mit unbesserlichen ergerlichen gr«,ben fltich 
und scheltworten, alzuhoch und one massen an- 
zutasten enthalten, sinder d.m armen einfeltigen 
volk das vortragen, se zu rechtem erkentnus und 
ehre Jesu ('hristi unsers heilands, auch irer selen 
seligkeit dinstlich, zu dem ver aile die bitten, 
welche der almechtige mit seinem heilsamen wort 
noch nicht erleiicht, durch seinen heiligen geist 
zu warem erkentnus leiten und ftiren w611e. 
Wir w611en auch, se ein pfarrer eingesetzt 
wtird, das ailes das jenige, se auf der pfarr vor- 
handen, inventirt werde, und se ein pfarrer davon 
ab.tirbt oder abzeiicht, das siilchs widerum bei 
der pfarr bleibe. Wo aber ein pfarrer etwas 
dartiber, es wer an farender hab, bargeld, oder 
anderm, wie das namen haben mcht, erbessert, 
und durch sein mtihe und arbeit erobert, sol nach 
seinem abzug ira, und nach ab.qterben, seinen 
erben und fretinden, on einicherlei eintrag oder 
verhindernus des lehensherrn oder bischofs ge- 
volgt werden. 
Item, wir wllen und ordnen, das, auf welchen 
pfarren nicht inventaria furhanden oder aufgericht, 
stillen die kirchenveter zu notdurftigem bedarf 
des pfarrers, stilche inventaria, nach verm6gen der 
kirchen, erzetigen und aufrichten, auch zu s6chen 
inventariis etliche gute bticher geordnet werden. 
Item, wann ein pfarrer verstirbet, und ein 
weib oder kinder nach sich verlesset, stillen die- 
selben frauen oder kinder, alles, was ir man oder 
vater nach sich verlassen, auch was er nach ver- 
laufener zeit an gelde der pfarre pflicht erlebet 
und vertaget, und auch ob der pfarr acker un- 
besehet durch inen gefimden, was nach alter ge- 
wonheit und gebrauch gleich und billich ist, von 
den erwachsenen frtichten volgen und zugestellet 



Von erwelung und unterhaltung der pfarrer u. s. w. von 1540. 40 

werden. Es sal auch sSlche verlassene witwe, 
alsbalde nicht eus der widem verstSssen, sonder 
bel dem neuen pfarrer, se fern sie sich nieht 
sonderlich unleidIich erzeigt, also lange bIeiben, 
bis ihr das jenige, se ihr von ihres verstorbonen 
mannes wegen gebtirt uud zugetheilt ist, entricht 
und gegeben werde, unà wann siilchs auch be- 
schicht, se sel auch die witfraue die widem und 
pfarr unweigerlich gar zu reiimen verpflicht sein. 
Item, se oin pfarrer verstirbet, und nicht 
weib oder kinder, und auch gar keine angeborne 
rechtliche fretinde oder erben nach sich verlassen 
wtirde, dieselbigen pfarrers verlasscne habe, sol 
der kirchen, der er gedienet und der armut in 
gemeinen kasten bleiben und verordnet werden. 

Vert unterhaltuug der pfarrer. 
Dieweil an etlichen orteal viol kirchen sein, 
de sicll ein pfarrer nicht wol erhalton kau, und 
die leur unvermtiglich, auch an etlichen enden, 
drei oder vier kirchen in einer meil wegs ge- 
legen, wsllen wir hinf'tiro je zu zeitên dr«,i oder 
vier, auch minder oder mehr, nach eelegenhoit in 
eine verordnen, doch das silchs ungeforlich, in einer 
meil wegs, und nicht weiter boschee, und alwogen 
don geschicksten pfarrer darunter t,leibon lassen. 
Item, nachdem etliche herrschaft und adel 
pfarren zuvorleihen, sol mit dens,qben auf des 
giitichst und fretindlichst gehandelt werden, wo 
einzihung der pfarren vonn¢iten, und nicht 
umgang erleiden werden kan, des sie il s61chom 
eine gute ordnung nicht vorhindern wSllen und 
ansehen, das pfarren nicht dermassen, wiew,l 
etwa es dawr gehalten worden, lu die lehel 
oder ander giiter gehSren, des es auch allen ihren 
gerechtigkeiten, brief uud sigeln unschêdlich sein 
seill, und von sSlchen oin gut beispiel und exemi,ol 
von uns als dem landesfiirsten nemen, die wir 
stilchs selb gestatten und nachgeben, se wir doch, 
wo es nicht gottes ehr uud flirdernng seines worts 
betriif, sSlchs auch nicht verwilligt haben wilten, 
nach zugescheen gestaten. 
Item, seintemal an etlichen orten, zwei, drei 
oder mêhr kirchspiel zusammen geordent, de danu 
bel einem jeden vier kirchenhubcn sein, snl es 
hinf'tiran also damit gehalten werdel, wo die 
kirchenveter solche huben, der kirchen zum besteu 
oder zu besserer unterhaltung der pfarrer, solb.t 
besetzen w/ilten, sol es inen frei sein, wo aber 
nicht, stillen und mSgen die von d,.r horrschaft 
und adel, welchs de,ch bel irem willen stêhon 
stille, die es macht haben, dieselben ubrigen 
kirchenhuben besetzen, der kirchon allen zins, 
wie sSlcher von andern huben der herrschaft in 
demselben dorf gefelt, zu gut ahlegon, abêr «las ge- 
wsnliche scharwerk, auch gericht fur sich behalton. 
S e h Il n g, Kirchenordnungen. IV. 

Darzu se willen wir einem jeden pfarrer uf 
dem land zu seiner unterhaltung, damit auch 
des wort gottes dcstatlicher durch denselben ge- 
predigt werde, vier huben uud fiinfzig mark, elle 
jar jcrlic]len an don verm6gcnden orten uber- 
reichen lassen. 
An don unvormtigenden orten aber wtillen 
wir etliche retho verordnen, neben einem amt- 
mann und eldesten cines jeglichen gebiets, nach 
vermSg" der kil-chspiel, sicb mit dem pfarrer zu- 
vortragen. Und zu siilcher underhaltung, stllen 
die veto adel jerlichen jeder eine halbe mark, 
und die frelon rem hof acht schkot, der cSlmisch 
pauer auf Samland und Natangon, v«,n der huben, 
desgleichen der kriiger, se huben zum krug ge- 
hirig, bat, von einer huben, auch der erbmiilner 
von einem rhade eiu firdung geben, und welche 
kri|ger nicht huben haben, ssilon vom zapfen, wie 
der miiller veto rhade auch oin firdung uborreichen. 
Die aber nicht erbmiilner, auch nicht huben 
haben, sSllen vom rhade acht schilling, die aber 
huben hahen, wie die ctilmer, ein firdung, und 
oin pretiss auf Samland vier schk«,t, von der huben, 
auf Natangen oin firdung vom rauch. Die pauern 
und kleine frelon im oberland, se v-rhin halbem 
decem geben, oin halben firdung von der huben, 
und wer wiiste huben gebraucht, s«,l von der huben 
acht schilling, uud von dent morgen drithaiben 
pfenning goben. 
Item, wo -iel frelon zu einem dienst sein, 
und doch nicht bel oinan,ler, sihdor oin jetzlicher 
allein wonet, ssl itzlicher v,r sich selbst acht 
schk-t veto ranch geben. Wo sie aber von ahers 
od,'r halben decentin geffeben haben, stille noch 
also hinfurt gehalten werden, und einen ganzen 
oder halben firdung geben. 
Item. oin guter gertner sS1 acht schilling', oin 
schh.chter gertner oder instmann vior schiiling. 
oin handworker, der eiuen garte hat, einem 
guten gartner gleich, docentin geld, und ein jeder 
dienstbot, welchr um l-hn dienot, zwen sehiilinger, 
wie oben beriirt gbon. Die l)auern aber, welche 
ganz verwachsêne, oder wtiste huben annemen, de 
man nicht also vil raum, «las man oin schcffel 
getreid darauf sehen kan, siillen sic des erste jar, 
von der gebiir dos dec«.ntius bis auf weitee ver- 
besserun7, frei, aber uach ausang desselben, dem 
1,latter siilch sein v.rpflicht geid zuerlegen schuldig 
sein. 
Uud wiew,,l wir ver dcr zeit allen unsern 
heiipt und amtleuten auch beuelch habonden 
pers«,nen, nichtsmimh'r don horrschaften, adel und 
andorn, se eigene coilatur haben, die leur mit au.- 
pfendung und anderem ernstlich darzu zuhalten, bc- 
volen, datait don pfarrern des irige one ailen 
verzug erlêgt wer(lêu mscht, se k-mmen wir (lot.h 
hierneben in erfarung, des dem an etzlichon orten 



5O 

Das Herzogthum Preussen. 

(des wir uns dann mit nichten versehen)wenig 
nachgegangen werde, und die raciste klag der 
pfarrer, das sie ihre jerliche besoldung nicht be- 
kommen mtigen, daher flissen stille. Demnach 
w611en wir abermals allen und jeden unsern heiipt 
und amtletiten auch bevelchstragenden persom'u, 
deslxleichen den and«.rn, welche eigene collatur und 
des zuthma macht haben, bel ernster straf auf- 
erlegt haben, den pfarrcrn das irige one allen 
ausflucht, behelf, beschwerung, und auszuck ein- 
zubrengen, und wo jemants dasselbig zugeben 
weigern thet, das sie disfals an unser star, und 
von unsert wegen, s;-ilche von der herrschaft, 
adel oder ihren underthanen aus unser fiirstlichen 
iibrigkeit auspfenden und zut bezaluog bregen 
s61len, wo al,er das nachgelassen und veracht, 
unser straf gewiss v«,n uns zugewarten, zu dem, 
wann ein ptarrer mit guten grund darthun wiàrde, 
das der amtmau, lehenherr, oder kir«hon veter 
an einnemung des pfarrers gebiirlichen deputats 
seiimig gewesen, dasselbig, se riel des hiuderstellig 
ist saint darauf gcgangenen unkosten, dem 1,farrer, 
one allen verzug und ausflucht, zuerlegen pflichtig 
sein si;lle. Aber hinwider, sœJllen sich in allewege 
die p[arrer mit einuemung ires decentins ot_h.r 
furbite, biirgschaft und anders, se die ungehor- 
samen darum gepfendet, gestraft oder einffesetzt 
werdeu, genzlichen und gar enthalton und ent- 
schlahen, sonder unsere hei|pt und amtleut datait 
umgehen. Wtirde sich aber -in l»farror nber 
silche gnedige giiustige verwarnung des under- 
steh«'n und annemon, sol man ihme zu seinem ge- 
biirlichen decentin zuhelfon nicht schiildig, sonder 
inen silchs sclbst inbrengen lassen. Und ob 
unsern heiipt und amtleuten, auch bevelchhabern 
hierinnen, als wir uns nicht verhoffen we;llen, 
wegerung oder einiger ungel»)rsam vert jemants 
von der herschat, adel und andern begegnen, 
si31 uns si)lchs durch sic angezeigt werden, damit 
wir uns gegen dems[.lben ungchorsamen der gebtir 
zuhalten haben. 
Und zu diesem geld einzunemen, wllen wir 
einen jeden lehênherrn neben den kirchv«.tern, 
auf die zeit als man ver den decem geben llat, 
verordent haben, davon dem pfarrer auf dem land 
zu d«'n vier kirch huben sein unterhaltung, wie 
oben gemelt, jerlichen zu iiberreichen, und das 
iibrig in den gemeinen kasten legcn, zu unter- 
haltung des kirchen baus und armer lent, und 
sillen dieselben aile jar ver dem amtmau oder 
lchenherrn saint den pfarrer und eltesten eins 
jed«n kirchspils rechnung thun. Se auch an 
denselbett orten kein edelman, der durch hrand 
oder ander noth in armut kommen, als-, dass 
er sein kinder nicht auszugeben hett, den- 
selben sol mit willeu der herrschaft oder der 
jenigen se fiir den kasten raten, ein zimlichs 

jerlichen wider von ihn zuheben, turgestreckt 
wel'(lell. 
Und uachdem befunden, das die caplan, 
schulmeister, tolken und glickner, mehr dann an 
einem ort den pfarrern zn wider, auch die pfar- 
kinder eiêm pfarrer unginstig machen, wollen 
wir das hinfuran keine von den jetzt ernenten 
personen zum kirchendinst auf genomen wercle, 
es geschee dann mit wissen und willen des 
pfarrers, sie sillen sich auch gegen einem pfarrer 
in dem, wes ihr amt und die kirchen belangt, 
auch sonsten keinem anderu zimlichs und gebur- 
lichs gehorsams erzeigen. Gleichfals slle der 
pfarrer sie auch freundlich, leiitlich und christlich 
halten. Wiirde nun einer sieh in ,lem gegen dem 
pfarrer ungebiirlich beweisen und strafwirdig be- 
funden, se;lle dêr caplan von den herren prelaten, 
der tolk von seiner herrschaft darunter er gesessen, 
und der schulrneister von dem lehensherrn, nach 
verdienst und gebiirlicll gestraft, abêr der schul- 
meister sill% lurch einês jeden kirchspils sonder- 
lich zuschus, nach erkentnus und gelegenheit des- 
selbcn untêrhalten wêrden. 
Und stillen die pfarrer hieriiber das volk mit 
andern auflagên, als beicht, lent, tauf, geld, vier- 
zehen pfenlfig opfer und anderm nicht mehr be- 
schweren, herwiderum sol auch kein pfarrer mit 
irkeiner anlag, danu mit dem hirten lohn, be- 
ktimmert werden. 
Wo aber kein hirt vorhanden, und die nach- 
parn zech weis um hueten, soi der pfarrer, des- 
sêlben entnommen sein und ihmê glêichwol sein, saint 
dem gemeinen vihe, von rien nachparn gehiit werden. 
Die vierzehen pfennig odêr zwen schilling 
aber, wie jetzt ira gebrauch, soi niemants zugeben 
schtildig sein, allein dio. diênstboten, se um einen 
genanten jar lohn dienen, welch geld die kirchen- 
veter empfahen, und in gemeinen kasten einlegen 
s6llen, Wo aber der pfarrer sein fiinfzig mark 
nicht vol hat, sol daselbig geld den pfarrern uber- 
antwort wêrden, zu besserer ihrer unterhaltung 
und aufwartung ihres amts. 
Item, wo die kirchen ihre kue, schaf und 
binen bel den pauren haben, sillen der kirchen 
die nïttzung davon, auch dieselben ktie, sehaf 
und binen mit nichten durch der pauern her- 
schaft, oder die paurn selbst entzogen werden, 
sondern in allwegen bel der kirchen bleiben. 
Desgleichen, wo jemants von der herschaft, adel, 
oder denen in steten s;lche binen vt, n der kirchen 
zu sich gezogen die st311en der kirch witler um 
zngeordent oder zugewandt werden. 
Wir w6|len auch, wo jemants geld oder gelds 
werth ans den kirchen gelihen und angenommen 
dieselbig sehult sol er der kireheu ufs erste er- 
legen oder noch landes gewonheit jerlichen bis 



Von erwelung und unterhaltung der pfarrer u. s. w. von 1540. .5| 

so lang die hetiptsumma dessolben gauz und gar 
wider erlegt wird, vorziusen. 
Nichtminder sslle jedes kirchspil zusamen 
tlmn und bel cirier straf, noch der herschaft er- 
kentnus, die kirchen, widmut, zetine, greben ulld 
andere kirchen gebeu, bauen, besseru md ira 
beulichen wesen erhahen, aber in dem allem des 
pfarrers versehonen, d,ch, wo befunden, das durch 
«.ines pfarrers oder der seincn rnutwillen) Ulvh'Ns 
otler vorwarlsung an zciinen, grehern oder andern 
kirchen gebeiiden etwas zurisscn, ,.lidergeworfen 
oder eingebr«chon wiirde, das sol eiu pfarrer 
wider zu bauen und zumachcn schuldig sein. Wo 
aber zeiine» greben oder anders altcrs halben 
einginge das sol das kirchspil» und nicht dor 
pfarrer, wie oben gemeh, widor aufrichten, machon 
und erhalten. Welcher auch von der herschaft 
und adel oder lehenherre, in diesen baufelligen 
stticken seinen gebiirenden theii nicht machen 
lest oder auch seine leut nicht darzu helt. wi»llen 
wir das demselben zuvor darum sal geschrie|wn, 
und wo er otler seine leur daruher ungeh«,rsam 
befunden die zeiine» grcben oder anders, so von 
nsten nicht wider machen «der bessern wiilton) 
das sic, die von der herschaft adel und andorc 
ihre underthan das geld was siilchc arbeit ge- 
stehet, vorlegen stillen. Wo das aber nicllt ge- 
schicht, siillen sic durch einen amtman, den man 

gung, un,l andern tagea, sich zur kirchon, das 
w«rt ottes und predig dardnr« ihr selen ge- 
speist und der glaub ins herz gesenkt anzuhSren 
vorfiigen wtillen. Wiirde aber jemants so 
geschickt sein. und znr kirchen und predig» wic 
einem christen eigent nicht k,*mmen, odv al»er 
an obgem«lten tagen und festen zur z«.it der 
pr'dig oder mess um deu kirchh,)f spaciren gehen 
oder zum gebrantcn wein und andcrer fiillerei 
sich begebcn, dieselbige si;llen aus dot gemein- 
schaft der christen, nach gebiirlichor verwarllUn:.r, 
ahgesmdcrt, die jenigen aber die ein gotslesterung 
und verachtnng daratls rnacilel, auch freucnlich 
und mutwillig sich dawider setzen wilten die- 
seiben stillen ara leib gestraft werden. 
Item ein jetzlicher hausvater sol seine ldnder 
und gesinde, mit ailem vleise nach essens zu der 
predigct zugehen, anhahen. So ssIh.n auch die 
obrigkeien, amtletit, schultis und schulmeister 
nicht oto. ursache oder verechtlirh aus der predige 
in deu krug gehcn) dadurch das gemeine v,,lk zu 
ergernus gcursacht. 
Itom es siilhn pfarrer caplan und scllui- 
meister guten vleis ank.ren, das sic das v,dk, so 
riel mtiglich psalm und andore chl'istlich« geseng 
singen lernen, darzu die oberkeit und unsere amt- 
l.ute die unterthan«.n anhaiten siiilen. 
Itcm es siilh.n die herren bisch,,f, ueben 

hierinn ersuchen soi, ausgepfendet, und das pfand I ,lom, «las sie nach der 1,farrer leer f,»rschen, auch 
ihnen nicht cher, bis die arbeit verfertigt. «,dvr I die andorn in st, nderheit ihros lobens llllt] wandels 
das geld dafur crlegt, wider gegeben werden. [ 1,aiben, und oh sie sich gcgen dem voik, 

Und nachdem wir auf dismal mit orhaltung 
der pfarrer in steten kein ordllUllg, ans etlichen 
beweglichen ursac|len, haben wissen aufzurichtcn, 
wtJllen wir, das sich die biirgermeister rat nnd 
gemein, einer iden stat, zuerhaltung" ihres pfarrers 
einer zimlichen und gebiirlichen tax v,,reinigen 
und vortragen siillen, dieweil aber bel otlichen 
steten deirfer gelegen gewesell seilld, die vorgangen 
nnd wiist worden welche die hêrschaft den biirgel'n 
uberlassen, die alsdann die biirger unter si«ll 
ausgetheilt haben, zu huben oder halb huben, 
mehr oder weniger diewoil diese hnben pauorn 
huben seind, und gehtiren anfenglich nicht zu ,len 
star orben, wSilen wir, ist auch biilich, das sit. 
sŒnderlich von solchen huben den goordonten und 
gebiirenden decentin geben. 

Vom kirehgang. 

WÇllen wir ernstlichen unsern amtioliten, 
denen vom adel, des gleichen den pfarrern, ge- 
boten und bevolen haben, das voik aufk fretind- 
liehst und gtitlichst mit einer christlichen ermanung 
zuerinnern wie dann ein jeder zum besten zuthun 
weis, das sic ara sontag, christag, neuen jars tag 
ostern pfingsten» unser f»auen liehtmess verkttndi- 

fro»mme, vleissigo, getrene vm-st«dv-r, lofer und 
voter» in unterweisung und ihrem eigen iobv nlld 
exonpol halt«m nnd orzeigen, fragen und iii 
siilch«. nieht einem allein glauben g.ben, wie 
sic dan das wol zuthun wissen. 
Item. es seillen alle p£rrcr ins gemein, und 
ein jetzlicher sunderlieh, vleissiglich vermanet 
wcrden, sieh v«,r den widerteiitvrn und .acramen- 
tioren zuhiieten, und das alle amtlvtite ihren boswn 
viois ankeren, ob siell in ihren amten oder den 
steten der widvrtciifer -der saeramontiror orzeiiffon. 
und so sie d«.rhalb etwas in orfarmlg kommon, 
siillell sic siilchs ufs fiirderlichstv dvm herren 
hischc, fe, darunter sic go.r&.m.t. «hlr« ihr schrèibon 
vormoidon und anzeigen. 
Itom es sillen aile zauberei, sortilegia und 
aberglauben ut:s neuo in itziger visitati.n allent- 
llalben verb-ten werden, bei wrmeidung llarter 
und peinlieher strafe, naeh vermSgo dcr lands 
ordnung. 
Ferner ssllen die horren biseh,)f das volk 
einos itzliehon kirchspils auf das vleissigst ver- 
manen, auch ihnen sii]chs von nnsert wegen erllst- 
lichen bevelen ulld denl ana«man oder den rethen 
der steten, darauf zu sehen und dariiber zuhaiten 
mit allem ernst auflegeu das widerum allent- 
7  



52 Das |Ierzogthum Prenssen. 

halben die tafeln zu erhaltung der kirchen, pfarr- I V o n d e r v i s i t a t i o n. 
heliser, gebetiden und eines tolkens, wie von alters 
I 
herkomen, verordent und gehalten werden, mit Nachdem christliche ordenunge, se wol vert 
erinnerung und guter vermanung, itzo durch die pfarrern als pfarkindern, one anfseher nicht wol 
herren bischof, und hernach durch die pfarrer, bestendig erhalten werden knnen, in anmerkung, 
das sie s/ilche bu, als ihr gemeine notdurftige [ das der teiifi.l keinem werk feinder dann, de 
heuser, deren sie acier ihre nachk«,men mit das wort gottes, christlich ehre, und lere eintrechtig 

nichten entberen kiinnen oder mSgen znerhalden 
schuldig. 
Zu dem wiillen und ordenen wir das aile 
pfarrer und diener des gitlichen w«rts durch aile 
obrigkeit und uusere amtleiite, hohes odcr nider 
standes, wie die namen haben und in unserm 
herz,,gthum preiissen woneu stillen ver aller ge- 
walt und unrecht nicht allein geschtitzt und be- 
schirmet, sonder auch von menniglich geehret und 
gef(irdert, auch das keiu pfarrer durch seine 
obrigkeit, oder unser amtletit zu etwas ander% 
dann zu dem dienst des worts und v.lks mit 
beuelich gedrungen oder beladen werden. 
Es soli auch kein pfarr.r «ne grasse ursache 
und ane seinen gnten will«n verpflicht sein, 
eelicher treiinng oder der taule halben seinen 
pfarkindern nachzuziehen, sonder es stillen stilche 
eeliche treiiung, und die taule in der kirchen, 
die hierzu geordent, gehandelt werden. Wue 
aber ursachen vorfallen dardurch siilchs anders 
gesncht und gebeten, darinne s«,l sich ein itzlicher 
pfarrer der gebiir halten. 
Ès sol auch eine jede kirche mit vorstendigen 
getreuen kirchen vetern v-rsehen werden, die 
allenthalben in der kirchen sachen vleissig sein, 
und das kirche gerethe, se nicht notdurftig, nicht 
verderben lassen, sunder zu nutz der kirchen 
oder armut verkaut'en. 
Nachdem auch unsere prelatên und prediger, 
als ftirer des wort gots, etliche besondere artikel 
de eiisserlichen gotsdienst belangende, se auch 
in der schrift gegriindt, ausgehcn werden lassen, 
wtillen wir derhalben von euch allen und jeden, 
in sonderheit unseren underthanen hohes oder 
nider stands ernstlich begert habeu, dic selbige 
mit ehrerbietnng wie an ira selbs billich christ- 
lich anzunemcn und nicht zu'orachten, sonder 
derselben undertheniglichen in alle puncten und 
artikeln wi[. die mit unterscheid und na«'h ge- 
logenheit der iirter begriffen halten. Wo aber 
jemants dagegen, des wir nus in keinen weg v«r- 
sehen, freuenlich ode mutwil]ig handeln wiird, 
gegen denen «»der dic, se siilchs ubertreten, wiJllen 
wir uns mit ernster straf die wir uns auch alweg 
hiermit v«,rbehalten, beweisen. 
Item, die kirchen ceremonien, sillcn in 
unserm herz«gthum allenthalben glechfiirmig ge- 
halten werden» laut der gedruckten ordnung. 

getrieben und geh(irt, auch wo slche aufsehunff 
nicht beschicht, aile unchristliche tibung, durch 
denselben gepflanzet, und allerlei irthum ein- 
gewtirkt wirdet, s(ilchem aber zuvorkommen, wtillen 
wir, neben dent, das es christlich und notwendig, 
das fur allen dingen, die herrn bischofe, aile jar 
jerlichen, oder je zum wenigsten ul»er das ander 
jar vleissig visitiren. 
Wo sie aber eigncr person ans krankheit 
ihres leibes nicht umziehen kiinten, das sie 
frome, verstendige, erbare, bescheidene, gutherzige 
personen an ihre star zut visitation verordnen, 
welche auf die kirchen widmen und kirchen ge- 
betiden, das die in wesentlichem bau erhalten, 
vleissig sohen, desgleichen die pfarrer vert wegen 
der lahr und die pfarkinder im glauben, beten, 
sacrmnenten, christlichen ceremonien, und wie sie 
im christenthum geschickt sein, eigentlich er- 
kiindigen, daneben die gebrechen derselben in der 
gtite verhiiren strafen lerncn, underrichten, und 
die hendel ordentlicher gebiirlicher weis eut- 
scheiden. Wie das ailes schickerlich nach not- 
durft zufragen und zuerktindigen auch wes mer 
nitig in der visitation zu handelen, wtillen wir 
I der bescheidenheit eines itzlichen bischofs hiemit 
anheims gesetzt haben, ungezweifelt sie als christ- 
liche prelaten, sich hierin ihrem amt nach christ- 
lich vleissig und unvorweislich halten werden. 
Aber mit dem unkosten und unterhaltung der 
visitation sille es, wie s61chs allenthaiben unsern 
amtleuten in allen kirchspilen zuhahen bevelch 
auferlegt, bleiben. 

Von herbergen. 
Un is auch nicht zuentg,gen, wo die kirch- 
spilen aise nahe an unsern heiiscrn gelegen, und 
die herren hisclmfe in der pfarrer, schultzen 
heusern oder kriigen zu verhiir und verrichtung 
des wlks odcr tïirfalh.nder gebrechen keine be- 
quemickeit haben ktinten, das ihuen alsdann unser 
haus filr ihre pcrsonen darzu gegSnt werde wann 
sie aber ihre lager in den pfarren schultzen 
heiisern odcr krtigen haben miichtên, stillen sie 
der orth ihre sachen, das sie umb se viel schleti- 
niger vortgehen da man auch bel der hand die 
kirchen gebeiide pfarhsfe und wes dem anhenglg 
besichtigen und alle gebrecheu in gegenwertig- 
keit des volks se viel statlicher hinzulegen ftir- 
nemen. Wir wSllen auch in alle wege unserer 



Landesordnung vom 29. September 1540. .ô 

amptleut einen, se dieselben ihre kirchspil haben, 
oder aber, wo der nicht abkommen kan, sol er 
einen amptschreiber oder sonst amtsvorwante, be- 
scheidene, geschickte, gutherzige person an seine 
star dem herrn bischofe zuordnen, alle sachen 
und wie die kirchen, widmen, uud alle ding he- 
stelt und befunden, klerlich helfen verzeichnen. 
Wo aber unser lehen caler kirchspil nicht seia, 
slillcn die herren bischofe die veto adel oder 
lehenherren der kirchspil zu sich ziehen, mit ihrem 
rath und htilf das jenige, wes durch ein aml,tman , 
amptschreiber oder die zugeordenten pers«men be- 
scheen sol, vortstellen und v«lziehen. 
Dieweil wir dann jetzt und obenerz«-lte 
pnncten alle mit reifem guten wolbedacht unserer 
lieben getretien underthanen v,m allen stenden 

auf gemeiner tagfart bewogen, beratschlagt, und 
fiir vest zuhalt«.n beschlossen, auch zum theil die 
straf der ubertretung namhaftig eingeleibt, und 
zum theil nicht, se w«illen wir hiemit Mien und 
jeden unsern underthanen, wes stands oder wirden 
die sein, silche ob-n bertirte artikel aile 
horsamlich und undertheniglichen zuhalten, in 
dem nicht nachlessig «'rscheinen, souder gentz- 
lichen denselben gemess zulzelêben, endlichen 
v«len haben, dann wer sii]C|le uberschritt% auch 
in einem «»der anderem streflich b«,funden, wiillen 
wir uns gegen einem jetzlichen nach sciner ver- 
brechung dermass«m «rzeigen, «las mnniglich 
sehen solle, wi« uns nicht lieb und ganz widerig, 
se man wider gots und unser gebot, auch gemeine 
wolfart freuenlich nnd mutwillig handelt. 

8. Artikel durcit fiirstliche durchleuchtigkeit saint gemeiner laudschaft aller steude des liirslenthums Preussens 
nf gehaltener tagfahrt ira jar lb4O einhellig bewillig.et, angen0mmen and beschl0ssen. Veto 29. September loi0. 
[Auszug nach dem Originaldruck vert Weinreich in Kiinigsberg. 154_. Vgl. oben S. 20.] 
Vert gots gnaden wir Albrecht etc. Item, es sollen aile eheliche verliibd offent- 

Von Gotteslesterung. Von unulitigen 
und stindlichcn schweren. Von un- 
gebtirlichem gemeinem fltichen und 
schweren. Von unmessiger seuferei. 
Von den verbotenen gradibus. 
[Verbot der Ehen unter Verwandten bis zum 
dritten Grade. Pfarrer, die solche ehelich zu- 
sammensprechen, werden von den Bisch6fen be- 
straft werden, die Ehen ungtiltig sein.] 

Von heimlichen vermeinten ehelichen 
verliibnis der kinder. 
Es gebeut got, man s«fl rater und muttêr 
ehren, und verheischt ein langes leben hic auf 
erden denen, die rater und mutter ehren. Weil 
dann gott sein ehre, die ihm geheiret, auch den 
eltern mittheilet, und siSlche ehre die kinder in 
allen zimlichen dingen den eltern schuldig seint 
zu leisten, ist es auch billich und recht, das sic 
one oder wider ihrer eltern fretindschaft oder 
vormunder willên und wissen, sich mit niemand 
in den ehelichen stand verl«»ben, noch verpflichten. 
Naehdem allwêgen und je auch bel den heiden, 
aus nattirlichem gesetz, den eltern fi|r ihre kinder 
zu rathen und sorgen, die zu erziehen und in 
den ehelichen stand zu begeben hat gebtire b und 
noch vert g6tlichs, nattirlichs, auch ailes ge- 
schriebenen rechts wegen etc. daftir zurathen und 
zusorgen eigent, darumb haben wir zuvorn in ehe- 
zeiten mit reifem rhat geordent und geboten, auch 
idermenniglich stracks auferlegt zu halten wie volgt. 

licher, ehrlicher weis in gegenwertigkeit der eltern, 
freund, vormundet und etlicher lent bedechtig- 
lich, ff'ci und ,,n g«zwang ,der gedrang der eltern, 
herschaft «,der freuntschat't geschehen. 
Wo aber die eltern ihre kinder beider ge- 
schlechts, wan sic ihre volkommene mtindige jaren 
erreicht h«.tten und ehrliche heiratungen, die 
ihnen ebenbiirtigi gleiches standes, wesens und 
untadelichen, ehrbarlichen waudels weren, fiir die 
hand stiessen, aber die eltern «,ne sondere ur- 
sachen mutwilliglich umb ihres eigenen nutz 
willen ,len kindern auf ihr vielseitiges anregen 
seiche heirathen abschlahen theten, auch sic 
nicht heiraten lassen w«dlten, die kinder gleich- 
wol sich daruber verehelichten, soli alsdann, che 
die beiden zusamenk,,men, ver der herrschaft er- 
kant werden, ob die vorliibnis bi|ndig oder un- 
btlndig sein sille. 
Item, wir willen, das sich kein erzpriester 
in ehesachen zu erkenuen unterstehen sille. Und 
se sich zutragen wtird, das einer seine nahe 
t'reundiu zu einem ehelichen weib freien w«lt, die 
ihm in gettlicher schrift zut che zunehmeu nicht 
verb«ten soli hierin doch kein erzpriester noch 
pfarrer handeln, erh.ubnns geben ,,der silchs zu- 
lassen, sonder dieselbige an ihre «rdentliche 
hischof weisen. Und was durch denselbigen nach 
erkenntnus, gelegenheit allerlei umbstend er- 
kannt und nachgelassen, des sol sich der pt:arrer 
alsdan halten. 
Diesen artikel, der eigentlich unter den 
titel de gradibus gehiirte, haben wir den;ocht 
hiehere zu setzen bedacht, darumh, das wir ihnen 
eben se wol auf eheliche verltbnus, als auf che- 



54 

Das Herzogthum Preussen. 

stiftung zwischen den hlutsverwandten willen 
gedeut und verstanden haben. Also das, wo 
irrung oder zwispaltung, ehelicher geluebd halben 
entstehen, daruber ailein die hem bischof oder 
der, dem sie es verstendigen, vertrauen und be- 
vehlen, zuerkenlen und zurichten gewalt und 
macht haben sillen. 
Wo sich aber jemands der erkenntnus oder 
urtheils der herren bischof(.n, official o,ler ihr,'r 
verord«'nten in g«isflichen sachen beschweren thet, 
und an die oberherrschaft zu appelliren bedacht 
were, sil einem jedern das frei und zugelassen 
sein, doch das er inwendig zeheu tagen ,pelliren, 
in gebiihrender zeit apostolos forlern, und die 
a|»pellation hei der obrigkeit proseciuiren thue, do 
dann der arme unvermSgende, fur die gerichts 
acta und allders zuschreiben, auch darumb, das 
er von dem urtheil appellirt zwue mark, und die 
vermSgenden sechs mark zugeben schuldig sein 
siillen, und sil mit ssichem eingelegten geld in 
aller massen, wie es in den statgerichten gehalten 
werden. Aber zu forderst siille ihme der official 
cine schriftliche copei des crgangenen scntenz, es 
sel da von appellirt oder nicht iiberreichen, da- 
mit er sich daraus erstlichen mit seiner herr- 
schaft und v,,lgends den w»rstendigeu zu unter- 
reden und zu ratschlagen und alsdann nach 
seinem gefallen der appellation nachkomen. 
Und stehet unser meinung edlich und ern.st- 
lich daraut das schlechtlich und stracks durch 
nus alle und jede heimliche verl¢ibnus unbiindig 
und kraftios sein, auch gar mit einandcr nichts 
gelten s511en, sondern noch darza uf dem land 
nach erkenntnus einer jeden herrschaft, aber 
in stetten verm6ge ihrer wilkiir ge.straft werden. 
Von jungfrauen schwechung. 
[Nothzucht wird mit dem Tode bestraft. Wer 
eine standesglciche Jungfrau schwcht, hat sie zu 
ehelichen. Beide werden auf 5 Jahren von allen 
ehrlichen mten, auch gcseilschaftlichen Zu- 
sammcnkiinften, Hochzeiten Kindelbwre b Hsfen, 
Girten ausgeschlossen. Wer hiihereu ,Standes eine 
Jungfrau niederen tandes schwicht und sie 
nicht ehelichen will, soll eine standesgemisse 
Mitgift in die Hinde ihrer nich.sten Verwandten 
]eisten und den gleichen Betrag an die Armen 
bei Weigerung tritt Leibesstrafe ein; fiinfjihriger 
Ausscbluss wie oben. Eine l'erson niederen 
Standes, die eine Jungfrau hiiheren 8tandes 
schwacht, wird nach Ermessen der Herrschaft an 
Leben Leib oder Geld gestratt. Wenn eine be- 
riichtigte Person den Vater nicht nennen wiii 
wird sie an rien Pranger gestellt und des Landes 
verwiesen. ,Wann ein weibsperson 5ffentlich in 
der unzucht betretten oder sSnst unleugbar were 
und gleichwol fiir eine magt ira biJrflein, krenzlen 

oder haren gehen thete, der s511en zur busse, 
den andern zur scheu, die hare abgeschnitten 
und geschleiert werden.] 

Von ehebruch, weglaufen und 
scheidung. 
Nachdem wir christen, denen jetz aus gottes 
wort das gesetze, dardurch sie sund erkannt und 
evangelion zur vergebung der sunden nun eine 
lange zeit reichlich ist gepredigt worden, uns des- 
seibigen seligmachenden worts fiir anderen, die 
zu s51chem klaren licht der warheit noch nicht 
sein kommcn, rhiimen und got danken und da- 
gegen widerumb gebïJren wii, das wir auch selber 
ein ehrbarlicher und unstreflicher leben filren und 
mit unsern guten exempeln neben der predig 
idermenniglich reizen und ziehen s511en, das sie 
auch gottes wort annemen, darnach leben und 
endlich mit uus selig werden, darumb sSllen wir 
uns sampt allen andern streflichen lastern auch 
des scheudlichen «.hebruchs und alles was ihm an- 
hangt, ganz und gar enthalten. So aber jemaud in 
diesem fahl gebreche, mit nichten ungestraft bleiben. 
Umb des willen ordnen, setzen und gebieteu 
wir, das die ehebrecher, so sie des iiberwiesen 
oder durch andere mittel gewies schuldig er- 
funden, vermSg und inhalt der gemeinen recht 
dieser land oder der stet wilkiir, so die ein ge- 
nugsame straf setzen, woe nicht nach den keiser- 
lichen stracks und «,n aile gnad mit dem schwert 
gestraft werden. Woe aber von sSlchem ernst 
aus irkeiner oder mehr wichtigen ursachen etwas 
nachgelassen sSIt oder m6cht verden, das siilchs 
in keinen weg on unser oder uuserer rhet mit- 
wissen, dabei es jederzeit stehen sSlle, furgenommen, 
riel weniger geschehen und volzogen werde. 
Nemlich, so wie gêsagt, andere ursachen mit- 
laufen, die man gnad zuerzeigen ausehen micht 
oder wslt, und dazu ein ehelich weib ihren man, 
der also gebr«,chen, verzeihen, und fiir ihn wtird 
bitten, das alsdann dem verbrecher das erstemal 
ein geld oder leib straft aufzulegen. 
Item das audermal mag ihm d& weib aber 
verzeihen mtd uoch ftir ihnen bitten und dar- 
durch dem man gnad erwerben, so ursach gnad 
zuerzeigen mit vorhanden, ihme sSl aber dan- 
n«,cht dits ander mal riel mehr ein hertere geld 
oder leib straf, ailes nach erkenutnus det herr- 
schaft, gelegenheit des falles und vermSgenheit 
auferlegt. So dann derselbig noch zu dem dritten 
mal ehegebrocheu wiird haben, mag sein weib 
wohl fur ihn bitten, stil aber nicht erh6rt werden, 
sSnder der ehebrecher on aile gnad, wie recht, 
sein straf leiden. Auf sslche weis wSllen wir 
auch, das es von dem weib, so ehegebrochen, aller 
ding verstauden werden sSlle. 



Landesordmmg vom 29. September 1.540. 55 

Man sol auch wissen, wann ein unehelich 
ledig person mit einer andern die ehelicl b ehe- 
bricht, ao ist ea gleichwohl ein ehebruch, se wol 
an der einen, als an der andern person. Wo 
aber beide ehebrecher ira ehelichen stand, se ist 
es ein zweifechtiger ehebruch. Geschihet aber 
silchs durch nahend und verb«ten gesippte freund- 
schaft oder mit anlegung gewalts, sa ist es ein 
blutschand und n,tzogk und einfechtiger -der 
zweifechtigor ehebruch zusamen, uud erfi»rdert 
desto schwerere buss, datait diese that gestraft 
werde, und man bat also viÇl weniger ursach, 
gnad zuerzeigen sonder stracks recht ergehen zu- 
lassen. 
Se dann ein ehemann und eheweib, sein 
ehegatt ehebruchs halben nicht fur weldlichem, 
sonder geistlichem re¢ht (wie mans nennetl be- 
klagên, aber durch solch beklagung nicht die 
straf des ehebruchs, sonder allein die entscheidung 
wiird suchen» ehe der ehebrecher odr ehe- 
brecherin von weldlichem gericht beschlagen. AI.- 
dann siillen die herrn bisch,,fen oder ihre official, 
oder, wem sie snst vm'stendigen stlche sachen 
bevehlen, derselbigen klage uud antwort ver- 
h6ren, und sonst ailes was sich zu recht eigent 
und gebtirt, handlen und gescheen lassen, und 
dabei zwen oder aufs wenigst eincn des rhats 
oder ans dem gericht dobei haben seilchs ailes 
mit anzuhiiren, und alsdann zum endurthil greifen, 
das die oder dieselbige aus dem rhat oder ge- 
richt in einen rhat oder das gericht, se das ehe- 
gat ehebruchs uberwunden, zeiigen mi;gen, datait 
wenn dem unscbuldigen ein ander ehegat erleubt, 
das uberwunden und verurtheilt aus dcm weg ge- 
bracht, uach ,rdnung der recht und vermSg unsers 
gebots. Sonderlich aber, weil ehegatten der- 
massen cinander verklagen, alhie in den stetten 
Kinigsberg, de der «fficial aile woehen recht 
sitzt welcho leur an anderen orten, ferne oder 
nahend auf dem land oder auch in stCten ausser- 
halb KSnigsberg sasshaftig o,ler wonhaftig oder d, 
sie sich, ein zeit, als lossgenger erl,alten herkommen, 
sol es datait also gehalten werden, se das ein 
ehebruchs uberwiesen und verurtheilt» das als- 
dann unser oberster burggraf aime zu Kiinigs- 
berg das uberwunden ehegat, sei vert wam,en es 
wSlle, gefenglich annemen, und als ein verurteilt 
person mit gebiirlieher straf aotasten. Bede herrn 
bischofen aber, se sie in ihr«n visitation siilch 
gericht hielten, und jemand zu einem ehebrecher 
durch offentlich urtheil erkenten si;lien die her- 
schaft se obrigkeit hat oder unser heiipt und 
amptleut sSlchs wie alhie unser oberster burg- 
graf wider das verurteilet eegat furnemen und 
mit nichtem unterlassen. ïrtige sich dann 
sSlchs an den rten dt» die herrn bisch-f 
obrigkeit haben g.leicher mass durch sie ver- 

schafft werden, das slchs durch ihre heubt und 
amptlcut» voigt ,der burggraven werdo aus- 
gericht. 
S« eiuer umb ehebruch oder sonst ander ge- 
brechen beklagt, ftir dom official ,»ne ehaft nicht 
erscheinen ooch gehorsamen wolt, sillen die 
amptleut oder biirgermeister pflichtig sein. darob 
zuhalten, htilf und beistand zuthun, darnit das 
ubel gestraft werde. 
Wo aber ein part ehebruchs uberwiesen, sol 
der official dem unschuldigen theil einen ge- 
zeugnusbrief geben, worurnb er silche ehe ge- 
scheiden, datait dasselbig unschuldig, oh es wider 
freien w/Jlt, sein recht und erleubnus an allon 
orten meJcht beweisen. 
Es sol aber auch ein jeder eegat, man oder 
weib, so ihm sein eegat entgangen oder weg- 
gelaufen (wie leider vil geschicht, und sonderlich 
in diesen landen gemein ist}, sSIchs zu jederzeit 
der obrigkeit desselben orts anzeigen und ein- 
zuschreiben begern, wil anderst dasselbige ehegat, 
dem das ander ehegat entl,fen, das man ihm mit 
der zeit sol rathen und ira fal se es sich selbst 
ehrbarlich gehalten ein ander eegat zu freien er- 
leuben. Die sslchs anzuzeigen und einzuschreibeu 
begorn unterlassen, s511en billich das entgelten 
nach umbstand der sachen. ,St;nst haben wir 
vormals bevolen und geboten, und den herrn 
bisch-en s61chs bevelchs und gebots meinung 
auferlegt in ihren visitation alleuthalben ver- 
kiindigen zu lassen, das aile unser herrschaften 
amptleut und die vom adel, se obrigkeit haben, 
als die christliche verwalter und bevelchhaber 
allen ihren besten vh.iss aukereu siJllen, woe ihre 
underthan in «leu ehlicheu stand getreten und 
durch bi;se eingebung wider von einander lauïen 
willen, das darauf gut acht gegeben und mit der 
straf dertnassen eingesehen werde, datait sie 
widerumb zusammen und in einigkeit gebracht 
werden. 
S«ilchs w«llen wir alhie widorumb verneuet 
nnd abermal b«»volen und geboten haben, stracks 
zu halten. Mit diesem anhang, das nieht alleiu 
dieser artikel eigentlich auf die uttersassen, 
sonder auf alle diejenigen, se, sich in unserm 
ftirstenthumb und landen erhalten oder darin be- 
funden werden» ,»b sic. schon rechtschaffene unter- 
sassen nicht sein. 
Vielmehr aber sol sSlche einigkeit durch 
straf oder andere boqueme mittel gesucht und zu 
wege gebracht werdeu, wenu zwei ehel«.ut schon 
von einander sein g«lofen: s511en auch derhalben 
niergent, weder eins re»ch das ander, noch beide, 
se von einandcr gclofen, von jemant gehauset 
oder geherberget noch uaterschleift werden, bei 
willkiirlicher, doch schwerer hues und straf der- 
jenigen» die sie also hausen» herbergen oder under- 



56 

Das Herzogthum Preussen. 

schleifen, welche bues oder straf der obrigkeit 
in erkenntnus heimgestalt. 
Wiirde dann weder gut noch arges weder 
glimpf noch straf an den ehelichen, se von ein- 
ander gel,,fen, und nicht widerumb zuhauf sich 
brêngen wiilten lassen, die sol man fiir die bischof 
o«h.r ihrê c,t'ficial weisên, das sie zu tisch und 
bette von einandêl" geschêiden werden, doch beide 
i.rner nicht freien noch sich freien lasscn, sonder 
aise bleiben, bis sie die net widerumb zu Imuf 
treibt, woê nicht, und einês oder beide in eho- 
bruch gefallen, siillen on aile gnad, wiê sich zu 
rechte eigent und gebueret gestraft werden. 
Uneheliche leur, se bei(.inander offentlich 
wonen, sSllen mit nichten gelitten werdên, sonder 
von allên und jeden herrscbaften, heubt und 
amptlouten, auch in deH stetten durch die biirger- 
meister und eltesten (weil sie unpflicl,tig, und 
sich nicht treuen lasseu) v.n stund an statlich 
von einander getrieben werden. S, sie dann 
nicht von einandcr wollten, ihnen êrnstlich ge- 
bieten, aus dem ftirstenthumb und land zuziehen. 
Se sie dann widerk,,mmon, oder anderstwo 
in diesem fiirstenthumb und landen b«.treten, das 
andermal ermanen, und, wie ver, weg beissen 
ziehen. Oh sic daun das drittmal noch nn- 
geh-rsam bêtunden, alsdan stil man siê in gê- 
fengnus legen, und etlich tag also jedes s¢nder- 
lich liegen lassen darnach êins zu diesem thor, 

das ander zu dem andern thor hinaus weisen, 
aise das keins von dem andern wisse, damit fur- 
komen, das sie sich nicht dermassen anderstwo 
unêhelich zuhauffen vêrfuegen, se vil miiglich. 
Letzlichen sillen auch diejenigen, se ehe- 
brechêrêi anrichten und stiften, rathen und helfen, 
haus, herberge und undêrschleifung darzu ver- 
lêihên, wissentlich und fursêtzlich, nichts weniger 
eben mit gleicher straf als die ehêbrecher selbst 
gestraft werdên. 
Alhie sllên auch die pfarrer und prediger 
das ihre thun, datait das volk lerne got ftirchten 
und sich fur silchên tibel htitên, dardurch schwer- 
lich widêr got, wider sich selbêr, sein eigen oder 
einos andern ehogat, und wider êin ganze freund- 
schaft wird gebrochen und gesiindiget auI aller- 
schedlichst nnd schendlichst darumb auch ein 
ganz gemêin einer stat oder ganz land manichmal 
gestraft und gel,lagt wird, allermeist aber an rien 
ehebrecher selber die straf nicht nachbleibet 
stehe lang odêr kurz an. 
Vert den unvorsichtigên eltern, se biswêilen 
ire kinder ira bet ortêcken oder erdriickên. Ein 
ander fall des todschlags. Ordnung der kleidung. 
[Prelaten und hêrrschaft. Der prelaten und hêrr- 
sehaften frauen. Dio veto adel u. s.w.] Die 
folgenden artikel sind rein polizeilicher Natur, 
darunter das Verbot der Zauberei und der Bock- 
heiligung. 

9. Verordnung gegen aber¢l/iubische Missbriiuche. 24. Novenlber 1541. 
[Sach dêm triginaldruck. Vgl. oben S. 20.] 

Von gottes gnaden wir Albrecht, lnarffgl'af zu 
Brandenburg, in Preiissen, zu Stettin, Pommern, 
dor eassuben und wenden herzc, g, burggrave zu 
Niirmberg und ftirst zu Riigen. Naehdem an uns 
fur glaubwirdig gelangt, als selten an etzliehen 
rtern unsers ftirstenthumbs noch allel'lei irthumb 
und miszbreiieh, senderlieh mit opferung d«r 
wiehsenen bilder in mensehlieher gestalt, aueh 
siJnst anderer unvc, rniimftigor thier, niehts mindor 
wiehsene krenze, welehe die breiith, wann sie zur 
treiihung gehen, und etwan andere i»ersonen fir 
ihre krankheit und minderwertigkeit zur kirchen 
bringen nnd opfern, aueh andere del'¢b.iehe ab- 
gittisehe miszbretiehe iibt.n ul|d treiben siillen. 
Und wiewol, als wir daneben bericht, die pfarrer 
ttnd kirehendiener ihres hiehstes vloisses in ihren 
predigen wider siilche abgiittel'ei und miszbreiiehe 
streiten und widerfechten auch die leur davon 
abzustehen leren und ermanen, welehs doeh ailes 
{wie an uns gelangt nicht helfen. Derwegen uns, 
als der ehristliehen obrigkeit, mit gutem, re|rem 
r|lat hiorin notwendige einsehung zuhaben ge- 
biiren wil, bevelen demnaeh ernstlieh allen und 

jeden pfarrern, predigern und kirchendienern, das 
ihr an eurem vorgeriimbten hiichsten vleis und 
êrnst gar nichts wollet êrwinden lassên, sonder 
fur und fur widêr diesêlbige gotlestrige abg3ttêrêi 
und scheudliche miszbretich pl-ediget, und das un- 
vorstendige volk dav.n lnit glimpflichên guten 
êrbarn und heilsamên griintlichen berichten der 
hêiligen schrift, das siilchs ganz abgiittêrisch und 
stracks wieder die zêhen, sonderlich aber das erstê 
gebot se|. Derhalben uns dasselbê mit nichten 
zuleidên, wir wolten uns dann solcher abgtittêrei 
(daful-uns dêr ahnechtige gnediglichen bêhtiete) auch 
theilhaftig macben, untêrweiset auch nicht ge- 
stadtet und zulasset, mit stilchem anhang und ge- 
treulicher warnuug, woe hinfirt jemand gefunden 
oder dariibêr betroffen, nemlich, dêr s31che 
wichsêne bilder, krenz oder licht, es se| was es 
wiille, zum treuen oder sonst in die kirchen 
bringen oder aufopfern wiirde, das darauf etzliche 
gotfiirchtige und getrêue leur stillen bestêlt werdên, 
die siilchs nicht gêstadten sinder weren auch ira 
fal unsern amptsvorwaltenden personen pflichtig 
sein sillen unangêzeigt nicht zulassen welche 



Befehl zur Gottesfizr«ht, Kir«hengang, Emldabmg der heiligen Sakrame»te u. s.w. Vom 1. Februar 15t',. 7»7 

unser heiipt oder amptleute alsdann don oder die . die sehliissel zn den kirchen haben, und ono sic 
personen, so disfals gebrochen und iibertreten, in niemands in die kirchen k,,mmen kan) oder auch 
einen stock auf den kirchhof beim hals an- [ unser heiipt und aml,tleut (do got fur sei, und 
schmieden s/Jllen lassen, die zeit iiber, bis ge- wir uns nicht v«,rsehen willen} sich hierin anderst 
sungen und gepredigt worden, datait der oder und nicht stracks dieses unsers ernsten bevelich% 
dieselben als ein abg6ttischer, widerchristlicher mit warnung dureh gottes wort vleissiger auf- 
mensch von allen denjonigen, so zur kirchen ein sehung und thotlichor straf halten, kiinten wir 
und ausgehen, gesehen werdeu, und sich des, gegen ihnen aueh gebirliehe straf furzun«.men, 

offentlichen miissen schemen, zur straf und buss 
ihrer begangenen missthat, und so das nieht 
helfen, sonder mehr gescheen wiirde, Cner hertern 
leibes oder lebêns strafe, noch nns«,rer erkentnus 
gewarten. Wiirden dann etzliche pfarrer, l, rediger 
und kirchen diener (bevorab die jenigen, welche . 

mit nicht untorlassen; zu urkund haben wir un»er 
secret zu end des mandats wissentlich drucken 
lasson, das gog»ben ist zu K/;nigsberg ara vier- 
undzwantzigsten tag N«,embris ,m 41. jar der 
mindern zal. 

10. a) Fiirstlicher durchleurhtigkeit zu Preussen bevel¢h, in welehem das volk zu gdtesforcht, kirchen- 
gang, empfahung der heiligen sarramenten nnd anderm vermant wirt. Vum 1. Febrnar 153. 
[Nach dem ltriinaldrut-k. Vgl. oben S. 21.] 

Nachdem von gots gnaden, wir Albrocht, 
marggraf zu Brandenburg, in l'roussen, zu Stettin, 
P.mern, dcr Cassuben und wenden herzog, burg- 
graf zu Ntirnberg und Fùrst zu riigen, von unsern 
getreuen unterthanen aller stende des H«.rzog- 
thumbs Preussen den umbzug zu abhelfung allerlei 
irthumb, irrung, beschwerung un,l gebrechen, so 
sich zwischen ihnen zugetragen nnd erhalten, 
zunehmen, zum oftern mal untertl,enigs hohes 
fleiss angelanget sein worden. 
Dieweil wir dann befuudon, das riel,eu 
weltlichen zwispaltigkeiteh auch nicht wenig, 
s«nder allerlei unordnung in der geistlichkoit sein, 
wir uns aber, unserm von dem allmcchtigen ver- 
liehenem fiirstlichen ambt nach, ftirnehmlich darzu 
zu trachten, dadurch dcr ewige giitige gott nach 
seinen g6ttlichen geboten geehret, desselben alleiu 
seligtnachendes wort ausgepreitet, desgh.ichon 
die kirehen ordnung, und wes s61el, em allenthalben 
anhengig, neben unsern geordenten herren bischeifen. 
die wir derwegen mit uns gem,mmen, erpessert, 
aufgericht und ondlichen nachgegangon, auch dio 
liche des nechsten, nichts minder bertirter unserer 
getreuen unterthauen seeleu seeligkeit gesucht und 
gefurdert werden mege, schiildig erkennen. 
sein wir slchs ailes vermittelst g«,ttlicher gnaden, 
unsers vorm«»gens und bestes floisses vorzunohmen 
und fortzustollen, don gemeinen umhzug unsers 
ftirstenthumbs ira namen gottes zu thm,, geursacl,t 
worden, und haben neben bortirte,a unsern t, erron 
bischtifen vermerkt, dass fast durchaus, sowohl in 
steten als uf dom lande, die leute in den 
articeln des heiligen christlichen glaubens ganz 
wenig berichtet, welches mehrerntheils doher komt, 
dass sie gar selten, ja auch eins theils nimmer- 
mehr gegen kirchen kommen, das heilige gtitt- 
liche wort hren und mit fleiss behalten, oh 
Sehling, KJrcheordnungen. IV. 

welchem wir ganz und gar k«.inen gefallen spiiren, 
darb'i die griisse aller menschen undankbarkeit 
gegen gott fur sein t!,eures, werdes wt, rt und 
spei:e der seelon ja auch verachtung desselben, 
d,:rwegen w,,l zu bes,rgen, wo nicht enderung 
hierin gescl,ehen si;Ire, got nnsere w«lverdient,. 
straf liber dieses arme land (datir d«,ch treulichen 
zu bittenl auch ergehen miicht lassen. 
Auf dass gleichw-hl an unsorem genedigen er- 
ma,wh, erinnern und befehlen, unserm fth'st- 
lichen ambt nach uit'ha mangel erspiirt, nichts 
w«niger wir or gott und aller menniglich«n cnt- 
schi|hligt, so aufl«gen und b,.fehlen wir mit ernst, 
allen pfarrherren und kirclwndiencrn, sic nach in- 
l,alt vt, rmals ausgegangener und ihncn allen uber- 
antwortcter kirchen,rdnung, das v,lk zum kirchen- 
g,.hen, abheirung des heiligen w,,rts, mit hohem 
treun fleiss bitten, ermahnen und ursachen stllen 
dancben anzuhengen nit.ht unterlassen, wie grau- 
samlich ffott dic erechter seines worts zu strafen 
1,tic.ge. Si;lche strafe zu entfliegen, wolten sic die 
l,farr kinder und anderc das tristliche ewige w-rt 
g,ttes in kindlichen reinem herzcn, mit fleiss und 
ohne Lehinderung abhi;r,.n, ihr leben darnach 
richten und hessern, wie danu ein jetzlicher treuer 
seels,rger seinen pflichten nach, darzu gutte maass 
zu tùaden wird wissen. 
Und wiewohl in uuserer ausgangener kirchen- 
«,rdnut,g verfast, dit., wch-l,e inc kirchgang seumig 
und dem bowilligten b«.v«hlch nicht nachganget b 
mit beraubung d.r rhristlichen gcmcinschaft zu 
strafin, vermerkcn uud spiiren wir doch, bei dem 
rt, heloson volke se, lcho straf wenig attgesehen, 
si;nder mchr vorechtlich geachtet, demnach wi;llen 
wir, dass es hinfurter unweigerlichcn v-lgender 
gestah gehalWn werde, dass aus einem ieglichen 
hause entweder der wirth oder die wirtin mit 



las llerzogthum l'reussen. 

sambt don kimlern und hausgesin,le, se viol des 
von hause zuentberen, und das wort gottes alters 
halbeu begreifen k;nnen, aile sontage und hohe 
leste, in welchen man das wort g, ttes zu predigen 
pflogot, gegen kirchen gehen, reiten oder fahren, 
und das ambt mit sambt der predigt abwarten, 
sich auch davma kein wetter oder ursachen, dann 
ehehafte noth, die zuerweisen, abhalten lassen. D,» 
aber eim'r v,,n unsern heupt- und ambtleuten, 
auch bevehlchhabern, nichts minder der herr- 
schaft, ritterschaft und adel, hierimen seumig und 
uusers bevohlchs auch christlichen vermanungen 
verechtlich befunden, der oder die sillen, der 
kirchen zum besten, auf anhalteu der kirchen voter 
zum ersten mal ÇinÇ vi«.rdung ablogen. "Vann er 
ader die zum andern mal strafwiirdig befunden, stalle 
die strafe umb einon vierdunfferh;ihot soin. Zum 
dritt«.n mal aber eim. mark ffeben. Se, nun von 
iemands slih'ho, strafen verechtlichen angemerket 
wiirde, uud iiber diê dritt«.n straf, dannoch von 
kirchen olme ursachen bleiben, dom ader denen 
wtillen wir die gebiirenden und harte leibes 
strafen aufzulegen uns vorbohalten hab,_'n, ver- 
hofflichen, es wird sich ein i-tzlichvr von unsern 
hvupt- und ambtleuton, auch bf«.hlhaberu, des- 
gleichen der herrschaft ritterschaft uud adel, aise 
in diesen stiicken halten darab die straf,.n nach- 
bleiben miigen anch sie ihrem stan«l und ambt 
nach dom armen manne mit guten exempeln 
hesserlich v«,rz«'hcn, des gott bei ihnvn und don 
ihrigen oin vergelter sein wird. Wo dann oin 
hurger, paur und andere gt'mqne insessen uuseres 
fiirsteuthumbs l'reussen ara kirchffanff ,hue ee- 
haften ursachen lessig sein wiirde, und nicht der- 
gestalt, wie von unsvrn hvupt- md ambtleuten, 
auch bevelchhabenden perse,non, unrl der herr- 
s«haft, ritterschafl un,I adel gelen kirchen zu- 
k«,mm«.n, gesatzt und geardonet gehen, se siill, der 
verbrechendv alsbal,1 zum erst-nmal Çinen groschon 
«ler kirchen zu gut erlegen, zum andern mal zwene, 
zum rlritten mal fiinf gr«»schen. Wih.de iiber 
diese drei strafi.n irffents einer nichts minder in 
seinem bJsen sinn beharrendv sich nicht bessern, 
fur sich svlbst gogÇn kirehen nicht k«,mmen, soin 
w«.ib, kinder und hausgesin,h, d,,hin nicht schicken, 
se» si;llo einer oder mehr stt.icke, nach gelegenheit, 
auf dem kirchh,f odvr in der kircho mit einom 
halseisen, b«.i einvr i«.tzlichen kirchon gesetzt und 
aufgericht word-n an welchen man si;lche ver- 
«.chter giittlich«s und unsers gebats zu strafÇn. 
lm rail die straf auch nicht angosoh«.u, willen 
wir uns nachfolgendes die harten leibsstrafen 
vorzunohmen, hiomit auch vorbehalten haben, 
gnvdiger zuvorsicht oin ioder frommer christ, 
sich selbst zu seiner seelen hvil, dioses und 
anderer sttick halben also schicken werde dass 
siJlcher strafen nicht niJthig gott umb gnad bitten 

und sein leben bessern, uf dass die giittliche 
straf von uns armen stindern abgewendet. 
Damit dannocht auf die leute, welche in oin 
iedes kirchspiel gewidmot und aise viol bosser 
fleissiger und notturftiger zu sehen, wollen wir in 
einer iglichon kirchen eine bank zugerichtet 
w.rde an don ort, da nan fast die ganze kirche 
seheu kan, uf derselben bank stillen aus einem 
ieglichen dorfe einer sizzen, der siille auf alle 
seine nachbarn nnd nachbarinnen gut acht geben, 
ab sie gegen kirchen kommen oder nicht, und 
w« iemands aussen blieben, der st.ille alsbald die 
pers-n, welche zum aufsehen geordnet, sa bei der 
kirchen oin heul, tmann , kemerer oder schreiber, 
der einom, wann der nicht aide, dem edelmann, 
se bei ,let kirch«.n, kirchenvetern und pfarrherrn 
angezeigt wcrdon, die darnach denselben mann 
oder frauvn v«,r sich zu bescheiden und die ur- 
sachen seines aussenbleibens anzuhiiren. De nun 
die ehehafte ursachen dargethau, darf es weiters 
nichts fragens; weren aber nicht ursachen vor- 
handen, die beides der heuptmann, kirchenveter 
und pfarrer sembtlichen fur genugsam erkennen 
nicht kiinnen, siille die oben ermelte straf der 
verbrechende geh;iren wem er wtille, unvorziig- 
lichen ihren vortgang haben. Der erste aufseher 
slle in jetzlich-m d,,rfe sein der schultheiss oder 
eldeste, und siillc «las ambt drei wochen haben 
nach verscheinung der dreier wochen stille es sein 
llegster nachl,ar sein, und aise durch das ganze 
d,,rf v,m haus zu haus umgehen. Wo aber der 
aufseher, an dem die zeche ist, krank wiirde oder 
sinsten ehehafte ursachen, dass er seines ambts. 
mit dem aufsehon nicht abwarten k6nte, het. stille 
es soin nvgster nachpar, dem os der schultheiss, 
rathmann «,der el«loste im dorf anzuzeigen, fur 
ihnen thuu, d»ch s«»balrl er wieder aufkommen 
oder aber die ursachen der ehohaften abgeschnitten, 
sille er unweigerlichen diesem seinem ambt gleich 
andern gnug thuu. Uf diese geordnete aufseher 
aber. nichts minder unsere heupt- und ambt leute, 
auch herrschaft, ritterschaft und adel, siJllen der 
l,farrer und kirchen voter sehon, und welcher also 
von ihneu zur kirchen nicht kiimbt, ist es unserer 
heupt- oder ambt leute einer, uns, aber von der 
herrrschaft, ritterschaft und ado] einer, alsbald 
unsern heupt- und ambtleuten bei ihren eiden 
und pflichten anzuzeigen, domit allerseits die ge- 
btihrende strafe nicht nachbleibe. Dann wo 
iemand sein ambt dergestalt, wie es sich eigent, 
nicht treulich uud vloissig ausrichten wtirde, der 
sille mit ernst am leib gestraft werden, dann wir 
willen in dem allem nichts verlasset wissen. Dass 
nun menniglichen zum kirchgang geursacht, se 
erinnern, vermahuen, bevehlen und zum tiberflus 
bitten wir gnediglichen alle uusere getreue under- 
thane von heupt- und ambtleuten die von der 



lqefehl zur Gottesfurcht, Kirchenlzang, Enqffahulg der heiligen Sakranlente u. s.w. Yom 1. Fehruar 1543. 

herrschaft, ritterschaft» adel, burger und paur, 
ein ietzlieher wtille dem wort gottes zu ehr,'n, 
und zu erfiillung desselben gepots, auch seiner 
seelen heil, aile hendel, die vom kirehgang 
und abhi;rung gtittliches worts abhalten, am son- 
tage und hohen festen feieren und ruhon lassen, 
silche auf nachfolgende tage und andere zeit 'er- 
schieben, dorait durch dasselhige die armut w,m 
worte nicht abgezogen und kein erger,uss daraus 
erfolge. 
Auf das die armuth in gt,ttes w,rt «lester 
bass und fi'uchtbarer m,terwiesen, tmd ein ieder 
das ailes, welchs einem christen menscl,en zu 
wissen von niithen, lernen und leichtlicl,en fassen 
mige, s611e ein ieder 1,latter die Eistola.,; nnd 
Evangelia de tempore, se auf ei,cn ieden sontag 
und hohe festen gefallon und vo,t der kirchen 
eingesatzt, von dÇm altar, erstlicl,e, inhalts des 
blossen textes ordentlich und deutlich v,»rlesen, 
und darnach das gemelte evangelium Ztlllt Iongsten 
eine halbe stunde aufs kiirzte» einfeldigst, end 
ganz summarie, sinderlichen was ein stiick zwei 
zum nlithigston darinnen sein mag. wio siilchs I). 
Martinus Luther, Urbanus Regius, Anth,,nius 
Corvinus und andere in ihrên postille,, u,d son- 
tags predigen trefi'lichen wêisen thnn. v,,rtragen. 
unterweisen uud lernen, die andero halbe stunde 
selle er mit erzelung der z«'hen gepot, l,eili.n 
glaubens und vater unsers, desgleich«.n wort,.t! 
dot sacramenten, der tauf und altars zn bringen. 
wann aueh was zeit librig, tin stiick nach 
dom andern von sontag zu s,n[aë, «tush.gen 
das v,,lk darinnon unterricl,ten, auch wo er 
zehen gepoten, glauben, gobet m,d sacramenten 
Iwelches der catechismus geoannt wirtl v,,llendet 
bat. sille or silchs all widerumb anfal,en und 
immer fi»rt und fort on unterlass weiter nnd 
weiter erkleren, treiben und tiben. 
Datait docl, das arme» einfaltige volk dafnr 
ein jeder pfarrer oder seelsorger v«,r g,,tt un,l 
der welt wie oben bertirtl mit tæotien, floiss 
zu sorgen schtildig» auch v«,r sit ara jiingston tag 
rechenschaft thun mtissen bev«,rah ira ffebot nnd 
catechismo, als den n«,thwendigsten u,d rl,,-ist- 
lichsten stticken unterwiesen und gqernt werde, 
siille der pfarrer ein jede dorfschaft oi,e w«,chen 
nach der andern st» in seinem kircl,spiel 
gl'iffen, alle quartal» je wann er es immer ge- 
schicken kann aile fli,f ,,der secl,s w«,chen des 
sonntags oder andern gelegenen tagen, was sic. 
von solchem oben ernentem gelen,«.t, ein ietzlicl,e 
person, es sei mann oder weib, ins«mdorheit 
hiiren und examiniren, und wann ihnen was mang.lt, 
mit treuem und h,'chsten floiss» wie ein jeder 
pfarrer, seinem ambt und geschicklichkeit nach. 
stilchem allem gute mass zu geben und die armen 
einfeltigen zu unterweisen und lehren» wohl wird 

wissen. Uber das ailes stille der l,farrer unter 
andern verrntige seines ambts, mit gr6ste,n und 
hilcl,stem fleiss one unterlas in der kircl,en, i, 
seinen I,aus» wo un,I wam, seine l,farr kinder zu 
il, me kon,men, aut.l, die heiligen sacrame,ta zu 
empfingen begehren, sie zum gebet, zu fassung 
«les catechismi mit erzelung, wes ihuel ihrer seelÇn 
heil und s«.eligkeit halht.n daran gelegen, aufs 
treulichte ern, ahnen un,I darzu halten, sie a»ch. 
ehe und zuv,,rn sie den catechismum oder nitigiste 
stck und articel des christlichon glaubens. 
s;inderlich,'u aber in steten, nicht k;innen und vor- 
stehcn, zu d«.m sacralnent des altars gehen, nnd 
na«h vi«l/qtigem ermaneu, aber gar keinor besse- 
ruug. zu gevatterschaften, 'ermeige vorigor aus- 
e.«aneu, e" ,,rdnung,i steh«.n nicht lassent  si;n,lor 
sie al«, lang bis die stack," gelernet uml gefhsset 
dav«m abhaltet, lonoben aber aller m«.tmiglichon 
erinn.rn, s«ilch«, nicht zulassunff durch nioman,l 
gerittgscltet/ig geachtet, diew«.il di,. al,haltung 
inem chri»tli«l,.n banne nirht 
absiin«lerung der heiligen sacram.nt,.n, dafar sich 
hillich ein i.der fr,,mmer christ zu schouen. 
Zu dem siille der l»ttrrer ganz ernstlich un,1 
utmufhi3rlichen aile seine pthrrkin,ler erimtern, 
bitten, auch d,,hin mit untorrichtung ans dot 
h,'iligen schrift leit«.n, ,lass sio das gttlicho heil- 
saine w«,rt gros halten und kein,swoges 'erachten, 
riel weniger hoi w.rlneidung des allmochtigen, 
h,.ftigen zortts und ihrer seelon seligkeit dor 
heiligen sacramentcn «h.r tauf und dos altars zu- 
gehrauchen nicht uuterlassen, n,,ch davon in colla- 
ti,,nibus und siitstett fur sich selbst schimpflichen 
und ver«chtlich.n r«.deu auch andern dasselbig zu 
tbun nicht gostatten, siinder wo sich iemandts des 
wer der auch were. unterstunde stlchs der obrig- 
koit, ihres gemiits meinung gegen d«.m rerprechendÇn 
weiters darinnen vorzunÇlnnen, anznkiindigen nnd 
doch ichts destew«.niger die plhrrkinder floissig 
unterweisen, dieweil uuser s«.ligmacher ,Jesus 
l'hristus zu auzeigung seiner herzliclwn liebe auch 
tr«st un,1 erquickung unsrs siindigen, pliiden ge- 
wissens sein hoiliges al»endmahl eingesotzt, der- 
gestalt se «,t ir das th«'ten, seiner ,label zu- 
gedenken, das sic w«,llt«.n, il,me zu oin'en un,l 
sterkung ihres glaubens, ,,ftmals ira jahr zum 
sacrament des altars gehen und sich als fromne, 
g«horsame kinder fiir siilclc, seine mihle giite 
dankl»ar erzeigen. Zu d,.m die oltern vormanen, 
tlas sic ihre kinder zu g«,ttosf«,rchl, zucht nnd 
aller erbarkeit ziolc.n und halton wiillen, des- 
glei'hon, ,lass die l,lhrrkinder aile g,,ttesh.ste- 
rung. es soi mit fluchon, schweren, attch unmossigem 
esson und trinken, unschandbaren worten «der 
zachtigen klcidungen, daraus ehel»ruch, hurerei 
und andere mchritliche erfferliche thaten v,,Igen, 
fliehen, sindorm sich dermassen mit ihrem erbarn 



(;() Das Herzogthum Preussen. 

wandel erzeigen, &»mit menniglichên auch die ver- 
folger des w,-,rts zu sl, tiren , dass sie nicht allein 
zuhi-irer des w;,rts, io vielmehr auch theter ersptirt 
werdÇn mi;chten; dann wo einer, wer der auch 
were, in s(ilchen gotteslestêrungen und ergerlichen 
werken streflich befunden, s6/le er von unsern 
heubt- und ambtleuten auch beveIcl,habenden per- 
sonen (dess wir hiemit abermals ihnen zu gemtit 
gefurt und dasselbige zu vc, lziehen auferlegt, 
auch unsere liebe getreut- undcrthanen vou allen 
stenden sieh treulichen zu hiiten, gnediglichen 
gewarnet haben wiillonj unweigerlichen in unserer 
v,-,rhin derhalben ausgegangener landesordnung 
eingeleibtêr und ausgedruckter peen, gestraft 
werden. 
Wir seh«.n auch nicht fiir ungeraten an, 
das in deu pt?trrkirchên, sl;nderlichen die etwas 
gross, un,l bei den st«.te der pfarrer mit wissen 
und belieben des h,.uptmannz ,,der lehenherr,s 
uud kirchenveter cinen tag, zwene, mehr oder 
weniger, in dcr wochen el'e]e, in wel(.hen tagcn 
er nicht anders, denn den blossen catechismum 
uf das einfeltigiste und schlechte-te deu armen 
einfeltigen, ungevorlichen ein vierthel oder 
halbe stunde vortrage» dieselben beten und anders 
zum christthumb dienst]ich lere, siilche zeit s6lle 
der idhrrer ankiindigen and das volk mit flciss 
darzu vermauen, sie ftir sich selbst darein kommen. 
die kinder und gesinde also riel des zu entbehren 
darzuschicken wollten, dorait er .ie ira g;ittlichen 
worte und articcln des christlichen glaubens zu 
berichten und ira fall obgleich wenig v«,lks ja 
auch nur zwue personen darein kommen siilten, 
se si;lle doch der pfarrer si;lche zeit nicht ver- 
geblichen vorbei gehen lassen verhofl'lichen, es 
werde das liebe wort gottes «,hne frucht nicht 
heimkommen. 
Die pfarrer sillen in allen kirchen die cere- 
monien mit pflegung des ambts gleich halten, wie 
siilche ordnungen vergangener jar offentlichen 

unterscheid zwischen dem dienêr des worts, wann 
er in seinem ambt ist und einem andern der 
nicht darzu berufen, zu sehen. 
In den steten, dergleichen andern kirch- 
spielen, de bei der kirchen viel leute wonen 
md der pfarrer die pfarr kinder etwan des sontags 
metten, des abends vesper begern wiirden ver- 
merken thet, sille der pfarrer die metten und 
vesper des sontags und andern christlichen hohen 
festên zu halten schuldig sein, und in derselben 
metten und vesper etwan eine kurze vermanung 
oder lecti,»n thun fiir das gesinde die siinsten 
,-»ne das zur kirchen nicht kommen kiinten. Se 
aber die stedt sehr volk reich, ist nicht unnticz% 
auch Mie tage vesper oder metten zu halten, christ- 
liche psalmen zu singen und den bh»ssen text der 
biblien zu lesen oder catechismum vorzutragen, 
wie dann ein ietzlicher treuer seelsorger dem allem 
mit rathe seines lehensherren und kirchen veter 
gute mass zu halten und zu geben wird wissen. 
I fieweil dann uns armen tindern an gottes gnaden 
unserer selen heil gelegen und desselben zorn, 
dafur er uns Mie gnediglichen zu behtiten geruh% 
zum h«iehsten zu f/;rchtên und zu meiden, des- 
gleichen offenbar is b auch mit der that teglichen 
erslAirt, wie ganz erschrecklich alzeit uber die 
verechter geittlichos gepots und worts seine ernst- 
licite tache und strafe ergehen hut, demnach se 
wlilleu wir hiemit al/en und jeden unsern unter- 
thanen, wes standes oder wiirden die sein, slche 
oben bertirte ordenung gehorsambhchen und unter- 
deniglichen zu halten, in dem nicht nachlessig 
erscheinen, siiuder gentzlichen denselben gemess 
zugeleben, endlichen anfgelegt haben. 
Wo aber iomands (des wir uns doch in an- 
merkung cbristlicher fi,rcht, liebe und pflicht keines 
weges versehen) hierinnen wider wertig ver- 
merkt wiirde, der stlle nach vermiige bei eines 
ietzlichen articels ausgedruckter peen unnachlessig 
gestraft und s(ilche one aile gnaden vert ihme 

ira druck ausgangen, se iemand die iibertreten, genommen wêrden, verhofflichen ein jeder werde 
sslle ohne alle gnaden gestrafet werden. Wih-den I sich hierinnen aller christlichen geptir und der- 
aber s61che abdr|lcke mangeln, sucho ein i«.tzlicher I massen halten, dorait der strafen nicht vonn(iten 
pfarror diese/bon bel den ge;,rdênten hêrrn sein wth-dt, daran geschicht ungezweifelt dem lieben 
bischi;fen, nichts wenigor kein predig thuu, taufeu gott ein dank nemendes werk wtillen wir es 
,der sacramenta roichen, es sei danu, sie haben auch doneben in gnaden erkennen. Actum in 
zum wenigsten einen weissen chorrock an. dorait unserm umbzug den ersten Februarii nach Christi 
dannoch hierinnen auch eusserlich ein weltlicher geburth M. D. und im XLIII. jar. 

b) Rnndschreiben zur Vollziehnng des -orslehenden Beteh]s. Veto S. April 1648. 
[Nach Jacobson, Anhang Sr. XI. Vgl. oben S. 21.] 
Von gotts gnaden Albrecht marggraf zu verhofft hetten dass unsere liebe getreue unter- 
Brandenburg in Preussen ,.te. herzog etc. thanen se wol in stedten als auf dem lande, 
Eler. lieber, getreuer wiewolwirin unserm in den zehen geboten glauben gebet 
gehaltenen und zum teil geendeten umbzuge und heiligen sacramenten (welchs der 



Eides- und Ordinations-Formularc ¥[ii1 1. Febl'. 1543. Kirrhenordnung von 1544. 61 

catechismus genanut wird) aUC|l anderu ar- 
ticulen einen christen zu wissen von noten nach 
notturft h er i c h t s e i n solten  haben wir doch 
bel etzlichen das jegeuspicl undhefunden 
das auchwoll die alteverlehte leut das 
liche heilsame gepet, das vater unscr 
geschwiegen dit. andern stuck des c a t e c h i s m u s 
n i c h t g e k o n n t haben, wolches uns danll g a i z 
e r s c h r e c k | i c la z u v o r n e m e n gewesen und 
nicht weuig |»ek«»mm.rt dieweil wir aber ver- 

wollest das eine bel dem amI, t w«d verwareu, da- 
mit du und audere sieh idêrzêit darnach zu richtên 
behaltên, diê andern aber Mme sêumvn und auf:s 
f¢»rderliellst lu die kirchsl,iel dêines v,»rwaht.uden 
ampts uhêrschicken und d-n pfarrherrn auflêgell 
den pfarrkindêrn solellÇ pnllktên und stuck zu 
stuckên deutlichen vorzulesên danêbên muntlichen 
und ch.rlichên berichtên, datait sic dassêlhig" ver- 
stêhen koml«.n und sich keiner mlwissellschaft zu 
ntschuldigen, daneben bei vermeidmg unserer 

merkt, das es merertheils dallere komlnon ist, ,las ungna,lên und llarter straf [dann wir os ni(']l,y 
die I e u t gar s e I te n, ja auch eines nimnler IIlehl" ] anders geha]ten ]laben ssc»llen) darob sOill vleiszi, 

gegen kirchen kommen, das heilige gots 
horen und mit vlêiss bêhalten, se habên wir 1111.4 
dassêlbige als vill m6licllen, nachdem sic sich 
die christlic|lê forcllt lieh und pflicllt nicht 
wege» wol]en ]assen zuvorkommen ei n e r o rd- 
nung, in welcher das volk zu gc»tts forcht. 
kircheugang, entfahung der|leiligen sacra- 
ment Uld andern vermanet werden sçdle mit 
reifem, guten rate voreiniget und entschlossen, der 
wir dir hiemit etzlic|le tlbersenden ])evl'lelllle 

,»hmerkung gehen datait die artikv sow,»l durch 
don pfhrrherru sa riel illCll helangt, als clic l»farr- 
kinder treulichen und mit schuldigem gehorsanl 
halten werden, ulld were daruber Ungvll0l'.,qnt be- 
funden, inen nach vel'miige bei eill«'S itzlichen 
artikels ausgedruckt«r I»eel unuaigel-lich Ulld Illl- 
nachlessig strafen, de.4 uns keines auderel! w.lh.n 
wir uns zu dir verlassen, und geschi«ht daran 
unsers gelllltt ontliche m('illllllg. I)atum Khis- 
)lorg, (lell VIII. Apl-ilis allait, etc. XLlllt['ll. 

11. Eides- und 0rdinations-Fornmlate. V«m l. Februar 15-13. 
[Nach dem handschriftlichen Vermerk auf der l[andschrift des unter NI'. 10 al,gedruckten Befehls ira ,";t.-A. 
K0nigsberg .I. 2 1540--1547. Vgl..ben S. 

1. Der pfarner und prediger aides- 
pflicht. 
Ego ah hac hora in antea l»rmnitt- .hêdien- 
tiam et fidêlitatem vohis, patri i), et vestris success.i- 
hus canonicê intrantibus et promitto res êccl«sia«. 
non alienare sed aliênata rel,etêl'e iuxta possibili- 

) denl bischof. 

tatem mean. sic me deu ad.juv,t et ]laVe santta 
lei eVallgv]ia. 

'2. [trd in ations-Fol'm ul ar. 
l't u,»s auctoritate m»strn ,»rdinal'ia ad êct.lv- 
siam ici N. te investimus et c-mmittimus tihi 
regimeli et curau! anilnartlm l»lebis ejusdem eccle- 
siae in animam tuam in ne,rhino l»atris et filii et 
spiritus sancti. 

12. 0rdenung vt, m eusserlichen g0tsdienst und artikel der cerenlonien, wie es in den kirchen des herzt»g- 
thnms zu Preussen /:ehalten wird. IM-I. 
[Nach deln ltriginaldrnck Weinrêich. Kinigsl»el'g. Vgl. Obml S. 22.] 

Fiirstlicller durchleuchtigkeit 7.11 
Preussen etc. 
31andat, diese kir«henor(hnnlg bvtrvfl'vnd. 
Dieweil von gots gnaden wir Albrecht, Illarff- 
graf zU Brandenburg, in Preussen, zu Stetin, 
Pomern der cassuben und wenden herz,g, Burg- 
graf zu Niirnberg und fiirst zu Riigen, auf vielf'eltig« 
vleissigs embsigs uuserer lichen getreuen under- 

anderm in der ganzeu policei unsers fl|rsteuthmllS 
zugehet und gehalten wird, se riel uns miiglicll. 
dor hohol unvêrmeidlichen, gebiirlicholl nodturft 
nach bestêtiget, auch. de otwas irrigs und zwi- 
spaltigs zwlischen mlsern ultdertllanen sich zu- 
getragem altgell,rt raid dur«h verlvillung des al- 
meclltigen geiirtêrt und beigêlegt llal»en etc. 
Und naclldêm wir uns zu flirderung giitlicller 
ellrê raid ausbrêitun der warlleit des lleiligen 

thanen, von allen stenden unserer land Pl-eussen t evangelii, das auch in kirchen ordentlich, ziichtig 
anregen und anhalten den umbzug v«rgenommen I und wol zugehe, desgleicllen die diener un.4ers 
und durch g6tliche hilf denselben zum theil ge- [ herren Christi und seines heiligen worts gebiir- 
endet, darin dann, wie es mit gericht, rec}lt Illld I liche und ziemhliche Illlder|l,'l]tUllg haben llliigen, 



;-'2 Das llel'ZOfftllum Preus.en. 

als«wiel mser fiirstlich anlpt hetrieft, durch unsere 
underthanen zu verschaffen schuidig crkemlen, als 
haben wir neben verhiir und entrichtung der weld- 
lichen hendei, anch der religion und kirch«'n- 
sachon, woe il'gelltS ein inangel bethlldell, gerll 
abilelfbn w6il«ql. Derwegen die ellrwil-dige unsere 
fl-unde, rethe und iiobe gotreuen die w'r- 
,»rdente herren I,ischiife, sanlpt etlichen w»rnembsten 
th«oh,gis ulld predigel'll zu iil«lwm handel, uf das 
nlit ,h'rr rathe uud zuthun ailes «lester richig«r 
Ulld schleuniger ver.rdent ulld bostellet nliC}t 
erdeu, lnitgenommen, lb» wir dann neben 
genle]teu herren biseh,»tbn, thp.i«,gis raid predigel'n 
:III etlicllell 6rten unsers filrstenthunhs uicilt pinel'- 
lei weis ,»der cerem,mien fund,.n, Ullaugeseilen. das 
dio vorige kirchen,,rdnlulg saint den artikeln der 
eeremonien uns nicllts mind,u" d,.m vor,,rdenten 
alsscllusS uusor.q gattzet fiirs/ettt}tltmhs auf dem 
landtage zu Kiinigsborg ira leeembri ds thlfl; 
zoheu hundersten UlM fiinfim,lzwanzigistel jares 
gehalten» durch bei,h, llel'ron bischotç Sanlbland 
und l'.mezan etc. dazumai furgetragel, wie dann 
alich diesolhige vorige kirchen ol'denunff.jene zeit 
einh,qliglich flir gut angesehen, hewilligt, Iw- 
schh,ssen, algen.mmeu ulld auch gohalten ist 
worden. Weii aber die buchh.in der ,,ftgemeiten 
,,rdonung zum theii sil,i umbk,,ulm,.l b ist daraus 
erv,,lget, das an etlichen ,,rten unsers ftirsten- 
thumbs durch die pfarherrl derselben i;rtor otwas 
eigens und s,,ndorliehs, des wir dann kh.inpn ge- 
llen getragen, ist furgen/imen, llaben uns dor- 
haibon mit den horl'n prelaten und firn«mlbsten 
flw,,logis ild pre,ligern nmerredet, und v«m ihllen 

jugend und einfeltigen sehwaehen allermeist ge- 
halten siillen werden, da8 der einfalt datait ge- 
dienet, aueh idermenniglich dardurch zum worte 
gottes und glauben gereizet und geleitet werde, 
das also alle8 uach der lere 8. Pauli zur besse- 
rung gescl,elle, nichts minder ziichtiglicl, und 
ordentlich zugel,e. Demselbigen unserm obgemelten 
f|irstlichen und cllristlichen begeren ilach, haben 
iillsere hel'ren prelaten, theologi und predigere 
uns diese nachIblgellde kirchen ordenung sampt 
andern artikein uberantw-rt, daneben aucll an- 
gezeigt, das diêseibige sicll mit andern kirehen 
der Augsl,urgiscllell I'.nfessi-n, sonderlichen aber 
t,lit der zu lVittemberg (d,, des heiligen evan- 
gelions warheit lauter und klar, durch sonder- 
liche gottes gnade in diesen l«.tzten zeiten her- 
fiir brochen ist) zunl nlehrern tlleil vergleichen 
tbue etc. 
lerllaiben w;iiln wir vt,n eueh allen uud 
jeden uusern gotreuen lioben iinderthanen llohes 
und nidriehs stan,ls ernstlicl,,'n b,goret, aueh hier- 
mit bev,,ien llabon; dieselbigen ordnung und artikel 
mit aller ellrerbiotung lwie an ihme selbs billich 
und christlich anzlmemen und nicht zu ver- 
acllten, sunder dprselbigen undertheniglichen in 
ailen pmeten und artikeln wie die mit under- 
sel,vit ulld »aeh gelegenheit der iirter begriffon, 
gemess leben und unverruckt halten. Woe aber 
jeman,ls d,,wider des wir uns in keinem wege 
in anlnerkllng der schiildigen undertllenigkeit und 
,las es zuf,»rder.,t gottos el,re belangt, versehen 
wiiilon, frenonlich ader mutwillig handeln wird 
g«.g«.n denen oder die, st» si;iliehs ubertreten, wi;llen 

gllediglichel lwgeret ein kirchon,wdnung wider wir uns mit der straf (die wir uns auch allewege 
ira druck ausgehen zu lassell, dardurch die pfarer [ hiermit vorbellaiteu) der gebiir wol zuhalten 
in beidon bistulnl»en inld durch unser ganzes ] wissen. 
ful'stentlllmtb in stedten, flecken und diirfern llieneben aher wiillen wir in sonderheit VOll 

Oillel-lei weise und cerelnolliel b sundel'iich ira aml»t 
,les abendnlahls Illlqe/-s liel,ett herren .losti 'hristi 
eintreehtig brauchen und furen mi;chien, datait 
uicht an oim idern Ol'th eino Sr, l,ll-liehe und 
andoro weiso gollaitell w«r,lo, l}allll Os ist ein 
'llristlis, oin geist, eille tanfe oin gott nnd vat,.r 
unser aller, gleieh wie wir auch aile oiu wort und 
,qnon glauben habell, un,1 siilh.n vloissiff sein, die 
oinigkeit im goist, durch das balld des fl'iedes 
(wi st. l'aulug lel'et} zu haiten, dann got 
nieht eiu got der Ullordellllg, sondern dos friodes, 
wie in ailon ffemeinen der lloiligon ader gleul,igen. 
Und oh wol seiche menschliche ord,'nlmgon von 
ousserlichol coronlonieu frei sind lin,1 IlnSel'or 
seelen seligkoit nichts darall gelegen s,, ists d,,ch 
lulgescllickt, ja atlcll dom eillfeltigen v«,lk ergr- 
licll, wann man in solchen ,,bgemelten ceremonien 
und fi,rm, bevorab in oiuom lande -der fursten- 
thumb zwispeltig funden wirt, in bodacht dass 
sijlclle ritus und kirchonoiso v«,n wegen der 

aii,.n i»farhel'rll Ilnd predigern in beiden bistumben 
Samland und l',mlezan, desgleichen durch unser 
ganzes fiirstenthumb ernstlich begeret imd ihnen 
bev,,len haben, das sie dis gegenwertige unser 
mandat mit volgendel" vorrede, den eusserlichen 
gottes dienst und cerem,»nien betreffende /velehe 
ilnsere llerl'on, prelaten tlleol,»gi und predigere 
als flirer des giitliehel worts zu underrichtung 
des volks gestollet llaben elle dann die «fit ge- 
melte kirchen -rdnung allgefangen nnd ins werk 
gen,»mn wrde, aufs wenigst vier sontag zuvor 
und nach einallder an star des catechismi vert der 
canzel vh.issig, deutlich, verstentlicll und ver- 
nemblich ablesell, aucll von wort zn wort ab- 
kiindigon, datait nicht jemand gedenke, man wiill 
alle tage andern oder nolwn glauben leeren, l)ann 
je ungezweifelt und gewiss ein gros unterseheid 
zwischen des glaubens und melsclllicher ordnung 
artikein zu wissen lloch von n;iten ist. In dem 
ailenl gescllicht lins zu sondel'n danknemendem 



Kirchenordlmng von 1544. 

geïallen und unsers gemiits cndliche meinung. 
Datum K6nigsberg etc. den 11 tag ) nach 
Christ» geburt tausent funfhundert und ira vier 
und vierzigsten jare. 

Vorrede der herren prelaten von cere- 
mon»en und dieser kirclleli ordnung. 
Seintemal die warheit des heiligen evall- 
gelions alhie bei uns ira herzogthumb Preussen 
durch gottes gnad (.dal'tir man demselbigen pillich 
embsigs vleisses daukbar sein siille) rein uud 
lauter geprediget uud auch vor etlichen jaren 
eiu kirchen ordenung von cereni,»llien und andcrm 
der religion sachen anheugig {datait ailes nach 
der lerê S. Paul» in der kirchcn mit zucht und 
ordentlich zugieuge) ira druck bci uns ausgegangell 
und bishere gehalten »st worden. Xun aber 
btichleiu derselben ordenuug durch lenge der zeit 
zum theil umbkommeu und verbraucht sein. »st 
derwegen an etlichen orten und kirehen etwan 
unordenuug ervolgt. Wie danll s)lchs des durch- 
leuchtigen hoehgeborneu fiil-ste n Illld hçl'l'ell 
herren Albrechten marggrafen zu Brandenburg, 
in Preussen, zu Stetin l'omern, der cassuben und 
weliden herzogen, burffgrafi'n zu Niil'nberg Ilnd 
ftirsten zu Rtigen unsers gnedigisten herren he- 
velich, so ira nellisten umbzuge des jallres dr(.» 
und vierzigsteu, der weniger zale geschehen, und 
in druck ausgangen meldet, das die pfarheïrn, 
wo s¢ilche abdrticke mallgeln bel uns geordneten 
bischofen ader unsers ampts verwalteren Stlcllttll 
sillen etc. So wtirde deshalbcu dieselbe wider- 
umh ira druck auszugehen lasseu VOlmiiteu sein. 
Es »st aber gleichwol in obgemelter unserer 
kirchen ordenung diese bedingung klerlich und 
eigeutlich ausgedruckt, auch jene zoit, «la sie 
aufgerichtet, von der canzel deutlich allom volk 

so bishere gehalton »st w, rden» mit den kirchen 
des churfiirstenthumbs Sachsen uud furnemblich 
mit V¢ittemberg Cdo in diesen letzten zeiten das 
WOl't der vers6nung durcll sonderliche gottes bal'm- 
herzigkeit erstlich »st herfur brochen) der mehrer 
thcil uberein kiimpt, und wir sonsten mit ihnen 
in einem sinlle und einerley meinung nach der 
lere S. Paul» uberein stimmen und fost aneinander 
halten auch in eusserlich«.n dingen, als in ehe- 
sachen und stiicken die gesibsehaft betrefl'ende 
sampt andcrem, was mit ihnen also riel sieh's 
wil thun lassen, gern vergleichen. 
Xaclldem dann uns der obg«.melten unserer 
ordnunï, abdriicke mangêln und itzund in den 
kirchen der Augspurgischen Confession fast durcll 
und durch, wie aucll neulich zu Wittemberg eine 
enderung derselben v-rigen ordenung, bevorab ira 
ampt des heiligeu abendmals unsers herren Jesu 
Christ» angel'icht la..scn wir uns mit einhêlliger 
bewilligung der jenigell, so dazu geh;iren, aueh 
diesclbige gefalh.n Ulltl wellens ftirbas in allen 
kirchen durchs ganze land hochgedachts unsers 
gnedigstên horrn des herz,,gthumbs l'reussen etc. 
weil wir mit ihnen in pinerlei wort, glaubon. 
lehre und bekentutlS ttir g«t und der w«.ld stehen, 
also haltn, allermeist al»er nehmen wir diese 
enderung mit ihn,.ll d,.ste lieber all nicht aus 
irgelld einem fiirwitz ad«r mlbestendigkêit sondern 
das es dem abendmahl uners erltsers gemess si. 
st» man flugs auf die consecrati,,n des hr,,dts das 
sacrament rê»che und den c«,mnttlnicanten gebe, 
ehe man den kelch segenet denn s,» reden beide, 
S. Lucas thq- evangelist und S. l'aulus der ap,,stel : 
l tesselbeu gleichen nahm er aueh den kelch 
nach dem abendmahl, oder nachdem sie gessen 
llatten etc. 
Was al»er unser- widersacher lli v,n unniitz 
schreien werden, lassen wir thren, demi sie fechten 

abgekiindiget, das damit keiue bestrickung oder d,»eh soust allenthalben wid«'r des evangelious 
zwang der gewissen mach», und uns der weg die-I warheit, was attch die r«ttcnffêister und sacra- 
selbigen ordnung mit del" zeit nach onderung der I ment»ter davon heimlich uud in winkeln murmeln 
umbstende etwau zu inehren ader mindern ,,der I m«icht«n, weil sic in illrem eigeuen sinne ver- 
auch zu endern, so es uns dienlich, wie man I »fret, »st leichtlicll zu erlnessen, welche auch liach 

sonst in gutem rathe wtird findcn miJgen, nicht 
s/ille gesperret sein. Denn siillich,, kirchon 
breuche, ri»us, geberde und cerm«,ni«.n s,,llon un 
ehristen dienen und nieht widerumt, wir ilmen, 
aueh soli «las gewissen, als sundiget lnan «Mer 
thet ftir gott unrocht, wo mans anders hielte, nicht 
daran gebundpn oder verhaft sein etc. 
Und wie wol mitlerzeit manehprlei kirehen- 
nrdnung hin und wider durch Deudsehland ira 
druck sein ausgangen. Haben wir doch in des 
keine enderung dissfals filrgenommen, veil unsere 

l) u. -"1 Diese Lcken sind handschriftli«h au- 
geftillt mit ,ander" bezw. »Junii". 

S. Pauli lere zu meiden, und darnach aus 
fiirstlicller durchleuchtigkeit b(.velich alizuzeige 
sind etc, wie si;lclls diê artikel, s-uf gehaltener 
tagfart des jares vierzik der weniger zale, ein- 
h«'llig besclllossen, kh.rlich mitbrillgeu. VCas auch 
sonsteu die andern nasweisen acier k|i)glinell, 
welche ailes ihres gef'alleliS meistern w/illen und 
doch des keinon hevelich llaben, dav-n urteilen 
wordpll, mu.s man deul lieben wind bevelllen, in 
summa, don widersacheru und rottengeistern lassen 
wir disfals ilieht., zu liche, und fahen auch nichts 
ail umb ihrer willen, sonder unern gemeinen und 
liehhabern der giittlichen warheit geschichts zu 
dieust und gute I die werden auch v,»n freiheit in 



lins IIerzogthum Preussen. 

menschlichen cvrem«mien guugsam bei uns durch 
gottes wort underweiset, hiiren und wissen das 
die werk, welche an ihm'u selbs adial,hora, das 
ist mittelding, heissen, als siil«h« eusserliche weise 
und gcberde, dic nicht in gottcs wort geboten, 
ader vcrboten sind, miigen nach gelegenheit ge- 
ialten oder nachgelassen werden. I)aun Christen 
siillen nicht heiligkeit ader siindc in siilcheu 
eiisserlichen dingen snchen oder machen, und 
wissen, das sic attch nicht n6tig sitld zur selig- 
keit, und glei«h wie unser' widersach«r griiblich 
irren, dic das freie (wclche ,,hne thhr des ge- 
wissens nach ffelassen wird) mit geboten zwingen 
,d,q- niitiff machen wellen: aise, irren attch die r,,tten- 
ffeister nichts weniffr, dic ebeu dasselbige, das zu 
brauchen ri'ci ist. verdamlich ,cicr schedlich mach«'n. 
S,, lasseu wir nun die widersacher und r,,ttengeister 
auf heiden seiten, zur linken und zut rechten, 
far«n, wie sie wiilh.n, wir bl,iben, vermittelst 
giittlich,.r hiilf In via regia, aut der rechten nittel- 
bain., dariu g«,ttes w,,rt nichts ab," ader zugcthan 
wird, nachdem g,,tt spricht, ihr siillet nichts dar- 
zathun, dass ich euch gebicte, und si;lt auch nichts 
dav,,n thun etc. Derhalben wfillen wir durch 
giitliche gnade in der freiheit, datait uns Christus 
befi-eihet hat» hesteheu, und ulls durch heiichh.r 
ader falsch,, briider weder hierzu binden oder 
dav,»n bring«n lasseu. Wie auch dor apostel 
S. l'aulus si;lcheu falschen brdern nicht bat eiue 
stunde weichon w611en, auf das die warh«.it 
l,.iligen evangelii nicht allcin bel den Galathern, 
s,,udern auch bel uns und Mien christen be- 
stiiude etc. W,.il sfilche lere v«,u cerem-nien 
uutr don christen rein blcibt, und dis licht 
cheinet, w«'rden keine strickc des gewissens ans 
diesen ,,der andern dcrgleich«.n ordnungen ge- 
macht etc. 
Was aber die stieftung ,,dér einsetzuug des 
toslamvnts a,ler abendmahls unsvrs herren Çhristi 
botri,.fl, kan und mag keins weges etwas hierin 
v,,n jcmauds g,.«ndrt worden, sondern sol un,1 
mus ailes aus seinem gitlichen bevehl gehen und 
alloin durch sein eigone wort gehandelt oder ge- 
halten wordon, darmnb s,dl auch das h,.uptstiick 
v,,m wesou uud rochten braueh des sacraments 
zu seiner zeit v,,n dcr canzel vl,.issig getrieben 
wvrd«.n, siinst das andero aile, als ccrem,»nien» 
goseng, kleidung und derglei«hen ist weit unter 
g,,t.t.«.s w,,rt, «leu glaub«'n und sa«rament zusetzen. 
wie auch Christus ein herr uber den sabath uud 
griiser deuu der teml,.l ist. Se miisseu wir 
christen si;lc]ler menschlichen ,,rdnung uud cere- 
mouien horru auch sein, das sic uns nicht uber 
das heupt als artikel des glaubens wa«hsen, 
son&.r uns utderw.rfen sein und dieuen miissen» 
wcnn wo, wie uud wie lanff wir sie uns niitzlich 
und dienlich erkennen denn auch der sabath 

wie der herre si,richt, umb menschen willen, 
und nicht der mensch umb des sabats willen ge- 
macht ist etc. 

F,»rm uud wcise, so in der ness ader 
ira abendmal unsers herrn ('hristi sol 
gehalten werden. 
Des .ontags. 
Zum anfang, an stadt des intr«,its, singt man 
cicr deiidschen l»sal men eiuen, wie auch bishere 
alhie ira ftirst«.nthumb geschehen ist, nemlich: Es 
w.lt uns g«,t guedig sein. Erbarm dich mein, o 
herre got. Aus tiefer n.th. Ach gott veto himel 
sich darein. XVer got nicht mit uns diese zeit. 
Es sl»ri«ht der unweisen round w,l etc. und der- 
gleiehen l»salm«'n, umb einander abzuwechse|n. 
In festeu aber als Ostern, Pfingsten, Wei- 
nachten singe man die eigene intr,,it deiitsch oder 
lateinisch nach g,.legenheit des ol't% umb ubung 
willen, der jugend, s,ndern zu Knigsberg vert 
wegen des heu gestiften particulars und der andern 
schulen. 
Das Kirieleyson nur dreimal lauts der vorigen 
ordenung. Der l, riester aber in gewiihnlichem 
alten ader v,,rigen kirchen kleide, wie es auch 
zu Knigsberg bisher gehalten ist worden, singt 
mit grosscr reverenz das Gloria in excelsis deudsch, 
Ehre sel g,t in rien hiihisten, der cher singt E 
in terra, deudsch oder lateinisch, nach gelegen- 
heit als oben vormeldet. 
ltarauf singt der priester, zum volk gekeret. 
Der herr soi mit euch. 
Die collecteu ad,.r gemeinen gebet stillen 
gegen dem altar klar deudsch mit gêwiiulichem 
accent und nach .rdenung der zeit, wie bishere 
in iibung: gelesen werden. 
Darauf sol die epi»tel, w,» es die menge des 
v,lks, als zu Kiinigsb«,rg uud zu stcten f,»rdert 
von der catheder ader predigstucl, soust abcr wo 
die kirchen klein und (les v«,lks wenig ftir deu 
altar gegen dpm volk w(,l laut% versteutlich un,l 
deudscll geleset und t»ne accent i,ronuncirt werden, 
datait die w-rt se riel bass van den umbstendern 
vcrn»lflell wcrd(.n. 
Zut (Tistcl aber wird zu K5nigsberg eiu 
ganz ader halb Cal,itel aus dem Neuen testament 
in S. Paulo anzufahen, durch allc episteln der 
ap«,steln und Acta apost,,lorum gclesen aus ur- 
sachen die v.n cerem,mien hcrnach verzeicheut. 
In auderti steten und diirfern behclt und 
lieset mail die epistel, se auf den Sontag von 
alters gelesen ist w«,rden, wie sie in den postillen 
verzeichent. End dis hat auch sein ursach. In 
hohen festen aber lieset man die ver.rdenten 
darzu nach altem brauch. 



Kirchenordnung von 1544. 65 

Volgt Halleluja mit der melodei gereimet auf I Zeile 2 steht; nur fehlt von Spalte 1 Zeile 2,3 das 
den deudschen psalmen, se man singen wil, als: WSrtchen ,gnade". Der dann folgende Absatz 

FrSlich willen wir halleluja singen. Eine feste 
burg ist unser got. Von der taufe Christi, doc- 
toris Martini lied, item dessèlbigen Vater unser 
ira himelreich. Item, Ach rater unser, der du 
bist etc. Abzuwechseln wie dann zu Ksnigsberg 
in ubung ist etc. 
In den festen bats eigenes, als nf Ostern: 
Christ lag in todes banden. Item, Jesus Christ 
nnser heiland. Auf Pfingsten: Kom, got sch;pfer, 
heiliger geist. Nun bitten wir den heiligen geist. 
In Weihnachten: Gelobet seistu Jesu Christ. Item, 
Grates nUllC otaries. Dank sagen wir nu aile etc. 
Darauf soli das evangeli,,n, wie vc, n der 
epistel gesagt gelesen werden. Darnach singt 
die ganze kirch: Wir gleuben alle an einen 
got etc. 
Nach dem v,,lgt die predigt. Ira thumb aber 
zu Ksnigsberg umbs volk willen, welche ans eim.r 
stat gehen, predigt ZU hiJren, in die ander, 
schicht am sontage die predigt frue ftir dem 
ampt, und darnach in der a]tenstadt und Lebe- 
nicht. 
Nach der predigt singt man zu KSnigsberg 
ira thumb, in der altenstadt und aufm berge die 
litania, und were gut, das in anderen steten, da 
die schulen zugenommen hetten, die litania auch 
angericht und gehalten wiirde; aber in andcrn 
kleinen stetlein, flecken und d61"fern, (la sie nicht 
gesungen wird, sol fiir der l»rediget v,n der 
canzel an stat «let. litanien die ermamng zum 
gebet ader ftirbitt fur alle stendc und allerlei ge- 
brechen laut der gedruckteu zedel, so ira sechsten 
Decembris des zwei und vierzigsten jares mit 
fiirstlicaer diirchleuchtigkeit bevelich ist umb- 
geschickt worden, dem volk von wort zu wort 
fiirgetragen werden. 
Bald auf die predigt, wo die litania nicht ge- 
halten wird, singt die gauze kirçhe ein christliçh 
lied, als: Nnn freuet euch, lieben christen gemein. 
Nun lob mein seel den herrem Oder das rater 
unser von wort zu w«»rt «»ne auslegung nach der 
melodei des herren bisch,fs vert P,,mezan D,,c- 
toris Pauli Sperati. Unter des gehet der priester 
vert der canzel, mag ein wenig resi, iriren un,l sich 
wieder zum altar finden. 
An star der prefation, welche abgethan und 
ausbleiben seille, w, lgt balde ein offentliche ver- 
manung und paraphrasis des rater unsers, die der 
priester conceptis ader prescriptis verbis thun 
sSlle, wol laut und vernemblich wie volgt. 
Paraphrasis des rater uusers. 
[Hier folgt aus der deutschen Messe Luther. 
von 1526, was in dieser Ausgabe der Kirchenord- 
nungen Bd. 1, 8. 15, Spalte 1, Zeile 14 bis Spalte 2 
 e h I i v g, Kirchenordnungen. IV. 

Spalte 2, Z. 315 ist in der Preuss. K.(t. mehrthch 
abgeindert; er lautet]: Zum andern, lieben freunde 
Cristi. Dieweil euch hungert und ,liirstet nach der 
barmherzigkeit gottes und lwrzlichen begeret ver- 
gebung euer stinden, se bat unser heiland Christus 
seinen leib und blut ver euch ara cretze gegeben, 
das euch eure siinde si;llen abgewaschen sein. se 
viel euer sind, die sSlchs gleuben, darum vermahne 
ich euch im herrn, das ir mit rechtem glauben 
des reich,.n und heiligen testaments Christi war- 
nemet und allermeist die wort, darinnen uns unser 
herre Christus seinen lcib und sein teures blut 
zur vergebung der siinde schenkt, durch reiu,m 
glauben ira herzen recht fasset, das ir seines 
leidens und sterbens gedenkt und dankt ime 
von herzen um der grundlosen lieb willen, die 
er un bewiesen hat, de er uns durch sein eigen 
blut von gottes z,,rn, siinde, tod und belle er- 
liset bat, und darauf eusserlich das brot und wein, 
das ist seinon leib und blut, zur sicherung und 
l,fand zuu euch nemet, dann eben, wie es ein 
ioder fiir sich selhst empfehet, also bat er am'h 
des evangeli,ns und eines gn,digen vereiuten 
gottes sich zu trSsten und anzun,.meu. Demnach 
wollen wir in seiuem nam«.n und ans seinem be- 
vehl, durch seine eigene w-rt, das testament als« 
handeln und gebrauchen. 
Hierauf balde keret sich der priester zum 
altar, fahet an das ampt der bnediction ader 
ç,,nsecratiou, und Che mittel hebt er fiugs au, die 
w,,rte des abendmahls zu singen ht nota 1,re- 
fati«nis. Wie dieselbigen auch zuv«r bel uns auf 
die weis se sind gesungen w,,rden. 
Unser herr Jesu Chrb;t .... {Einsetzungs- 
w,,rte] S,,lchs thut zu meinem gedechtnis. 
Darauf singt der cher ader die kirche da.,; 
deudsche sanctus .der das licol: Jesaia dem prc,- 
l, heten das ges¢hach, dar uuter bald tr,îteu zum 
altar die communiciren wiillen, und darf der 
l,riester das sacrament nicht erheben, dann die 
elevation ist disfals unn;tig, und aus dieser ur- 
sach abgetban, sond«r der priestcr reicht flugs 
one mittel das sacrament des leibs Christi und 
gil,ts den c-mmunicanten, ehe denn der kelch ge- 
segnet wird und spricht zu jeglichem in sonder- 
heit: Nimm hin und isse, das ist des herrn leib, 
der ftir dich gegebeu ist. Und sovie communi- 
canten fUl']iandcu, mag mau singen: Jesus Cristus 
nnser heiland, etlichc vers, bis das die communi- 
Callten alle zugetreten. Darnach consecriret ader 
segenet der priester auch den kelch und singt in 
v«»riger n,ta. 
Dcsselben gleichen nain er auch don kelch 
... [Einsetzungsworte]. ,qeilchs thut t s,, oft ihr's 
trinkt, zu meinem gedechtnis. 



66 

Das Herzogthum Preussen. 

Bald darauf wird gesungen das Agnus dei, 
deudseh, darunter auch one mittel «las sacrament 
des blnts ('hristi den comnmnicanten gereicht 
wird, un,I miigen die iibrigen vers vom Jesus 
('l,ristus, oder G,t sei gelob«t, nach gelegeul,oit 
gesnngen werden, larnach wendot sich der 
l,riester zum w,lk u,d si,gt: ler ho,'re sei mit 
cuch, u,d wendet sich widdor noch dem altar, 
siugt ,ler colh'cten ei,,, mit geviinlicl,em accent etc. 
umb don audern sontag abzuwechseln. 

Er.te c«»llect. 
Wir danken dir etc.----Deutsche Messe 1526 
Bd. I, 8. 16, ,SI». 1. Z. 25--30. 

Ein ander collect. 
(} warhaftiger got, barmherziger vatcr wir 
bit.t«'u dich h«.rzlich, las uns diirftigen ,h.s heiligen 
I«.idons unsers hcrren mtz und frucht, das ist 
gnad«, und vergebung unser siinden mit ghmbig«qn 
h«.rz«.n r,htschaflçn ergreitn, gleich wie wir 
durch d,.ines heiligen s, mes w«,rt seinen heiligen 
leib uml sein theures hlut, w«.lche er ftir nns ge- 
g«'ben und verg,,ssen hat, unt«*r dem br,,t und 
w«in warlit'h haben emplhngen, durch d,.ns«-ibigen 
nnsern herren .lesum Çhristum. tleinen s,,hl, der 
mit dit h.b«.t und hirschet von ewigk,'it zn ewig- 
keit. Am,'n. 
I ter herr sei mit euch, mit antw,rt. 

Besclllus mit dem segen -der benedi«'tion. 
Ih-r hvrre h«.be sein angesicht liber uns nnd 
.'.,'el»e un soineu frieden. 

Ein ande' Iwnedi«tion. 
ler Iwrr«. erleuchte sein angesicht auf uns 
und sei un. gn:d,lig. 

[tenl. 
Der hvrre segne dich nnd behiite dich. 

Von andern coremonien. 
Iamit die heilige biblische schrift nnter dem 
christen volk bei wolchen gottes w,,rt roichlich 
wonen siille so viel bekanter un,l gemeim.r werd, 
nnd sonderlich die j«qfigen so viileicht in ktinf- 
tigen zeitcn kirchcndiener diacon, nnd auch 
l»redig«.r, bei der heiligen schrift anfgozogen, und 
in dcrselbigen leuffig werden m6chlen ist fiir gut 
nnd niitz angesehen dass die ganze biblia in 
m«tten, messe und vesper iirdentlich capitel weise 
oingeteilt und gelesen werde an den 5rten do 
man es fiiglich thun kan wie auch siilchs bishere 
zu KSnigsberg, lauts der vorigen kirchen ordnung 
gehalten ist w«rden denn die andern in steten 
merkten und flocken miigen nach vermSgen hin- 

als von erzelung der geschlechte ader vSlker, ader 
sonst dergleichen im Alten Testament, so dem 
volke undienstlich aussen lasse. 
Item, wo «les S,,ntags in dsrfern oder flecken 
keine c,mmunicanten v«,'handen sol nach der 
predigt die ermanung zum rater unser mit der 
I,aral,hrasis filrgesprochen aber die andcr er- 
nannng zum te.statuent des herren sampt folgen- 
dem ampt ausgelassen werden, auch zu vorn in 
der erlnamlng fiir der Paraphrasis sSllc t'tir die 
clansel, sein heiliges testament zu empfahen ge- 
sagt wer&.n, sein heiliges wort zu handeln und 
zu hiiren, l}ergestalt mag es auch zu K;inigsberg 
ira werktage nach der predigt ader lection, wenn 
niemamls communiciren will, gehalten werden. 

Vtm mett«n. 
Dic metten holt man zu Khfigsbel-g auf die 
weise, dcr ch,,r siugt zweno «,,lor drei psalmen 
nach dem dieselbigen lang oder kurz in gewn- 
lichera thon mit klaren underschiedlichen syllaben 
und w»rten, l}io psalmen aber s511en sein aus 
dem erston tlwil dos psalters bis auf Dixit clorai- 
nus. Darnach thot man wider ara ersten an 
darauf s-I der diac«,n ader caplan (wie man sie 
n.nncn thut} ein ganz ader halb capitel gegon 
dem volk deudsch und klar lesen mit einer ganz 
kurzeu angeheften anzeigung des inhalts ader 
snmmarien der gelesenen schrit. AIs sSIchs zum 
exeml,ol, in des magistri Veit l}ieterichs zn Nrm- 
b«rg summarien klerlich zusehen ist. 
Uud siilleu s-lche capitol ordentlichen nach- 
einander aus dem alten testamente v,m genesi 
,der anfang, bis auf die propheten wie bisher 
zu Kilnigsberg in bung gen,,men werden. 
Darauf s,,l gesung«.n werden ein gewiinlich 
respons aus d«mselheu buche der schrift, daraus 
man zut zeit die capitel lieset nnd also beijetz- 
lichem huche der schril ein s«nderlich respons 
lateinisch zut iibung der schler, wie zu K;inigs- 
berg der brauch gesnngen werden, dann auch 
S. Panlus nicht weret in der christlichen ge- 
moine mit znngen ader sprachen zu reden. 
Darnach singt der priester den versickel: 
Erzeige uns herr deine barmhcrzigkei b 
Mit antvort des ch,n's. 
I}aranf lieset er ein deudsche collect von 
der zeit «,dot w«, die nicht vorhanden braucht 
man diese. 

nach greifen doch also das man etliche cai,itel [ ampt des abendmahls 

çollect. 
---I}. M«'sse 1;,2;. Bd. I. S. 14, Sp. 2, 
Z. 18-- 25. 
Und beschleust mit gew;snlicher benediction 
wie obt.n am ende (lot mess verzeichent. 
Diese obgeschriebene collect mag anch im 
wo die colecten nach 



Landesordnung von 1544. 

ordenllng ,ler zeit nic],t v«,rhanden, v«,r del- episwl 
gebraucht werden. 
Weil aber ira thnmb ara sontage die predigt 
t''fie geschi¢ht, der halben aueh da volk dest 
che und ri'fie zusammen kfimpt, singt die ganze 
kirch zut rnetteu die gewSnliche verdeudschte 
psalmen sampt etlichen geistlieheu liedern Illld 
l.bsengen, darauf thut der diac«ul a, ler kirc]lel- 
diener ein kurze ermanung vom heiligen sacra- 
ment fiir die, so eommuniciren wi;llen, an stadt 
eines capitels; auf die ermammg singt die ganze 
kirche das deudsch Te deum laudamus, darunter 
wird zur predigt geleut nnd das lied Jesus 
Christus unser heiland, fur der predigt gesungen. 
Solche ermanung .zula saerament geschicht 
der gleichen in der altenstat und ira Lebenicht 
auch nach der metten des sontags und in alln 
festen. 

Veper. 
1.}er anfang geschieht mit dem Deus in adiu- 
torium deudsch, und gloria patri aueh deudeh, 
bald darauf sal gesungen werden in gewiihnlichen| 
thon ein psalm, zween, drei, darnaeh sic lang 
ader kurz seind klar und vernemhlich deudscl, 
ader lateinisch nach gelegenheit, anzufithen 
Dixit dorninus bis au das end des psalters. 
Darauf sol der diacon ader kirchendiener 
capitel ader halbs, darnacll es lang ader kllrZ ist. 
aus dem Alten Testament, anzufahen an den pro- 
pheten bis zum ende der biiehér des Alten Testa- 
rnents zurn volke laute lesen, mit einer kurzetl 
declaratiol, wie oben in der metten angezeigt ist. 
denn es ist genug, das mit kurzen w,rtên allweg 
das fttrnêrnest welchs irn capit«l zumerken ara 
nitigsten und niitzesten ist» an.ezeigt werde. Vol- 
komene aber auslegung und erklellng, auch lange 
ermanung geh;iret in die predigt, oder in sonder- 
liche und eigene lecti,n, und nicht in die capitel. 
Darnach sol man das 5Ianificat deudsch 
singen darauf mit gewSnlichêm versickel und 
collecten, wie in der rnetten, sampt der bene- 
diction beschliessen. 
Item, des Sonnabends vor dern capitel singen 
zu KiSnigsbrg die sehtiler den hvrnnurn Lucis 
creator optirne. Des Sontags abér 0 lux hêata 
trinitas. Und wie es in vespern der llohen lest 
mit den respons,riis, als uf Weihnachten Ver- 
burn caro factura est 0stern stetit angelus, 
Pfingsten Al0paruerunt, und mit den st»n«lerlichen 
hyrnnis in rnetten und vespern sol gehalten Wél'del b 
stehet den 10farherrn zu darauf aebt zugeben. 
Item, in andern steten, die nicht sehr volk- 
reich sind und kleine schulen haben sol ach 
F. D. bevelich, welcher irn jar drei und vierzig 
durch den druck ausgegangen, nach vermiigen 
hernach gegriffen werden und auch aile rage 

metten und vesper gehalten, verdpudschte l,salmen 
und andere geistliehe lieder nach der h're . Pauli 
v«,n herzen gesungen und der blosse text der 
hiblien gelesen, ader naeh gelegenheit der eathe- 
cllismus vorgetragen werden. 
In merkten aber nnd fleekon, dergleichen in 
audern gross«'n kir('llsl»il«,lt  do riel dih'tr und 
leute zusammen gehSren weil daselbs de i»tr - 
tlerrn neulieh auch diae«m ader kirchen divnr 
sind Zll ge,rdent, s,,l auf beger der iJhl'rkinder 
etwan des S«,ntags auch metten und des abends 
vesper sonderlichen in andprll christlichen h,hen 
fÇsten gellalten werden, und mag zur meten ein 
el-mantlng zum sacrament, zut vesl»er aber 
catechismo geprediget werden. 
Es ist nicht ein biiser gebrallCh, das man in 
d5rfern tlnd kleiueu flecken uach alter ew,nheit 
 zu morzen und abends teglie]l teutet, ob man 
gleich da selbst weder metten noch vesl,er helt, 
sondern zut erinnerung dem v,lk datait 
eusserlichs denkzeichen zurn gebet gibt, es sel in 
heusenl ader autbm fel«l% umb gemeinen frieden 
und allerlei wolfart zu bitten Uld zut dank- 
sagung fur alle wolthat des herl-en g.ttes da- 
rumb ist es fur gut angesehen, das es auch also 
hinthrt teglieh gehalten werde. 

Vt,n ciel" prediget und cateebismo. 
Fiirrnlich ist's und dern volk niitz, auch dien- 
lich, das eben das selbige evangelion des S,,nts, 
welchs ira aml,t, der mess geleseu, auch daraut 
gel, rediget und erkleret werde. 
hem, des Sontags nach der malzeit umb zwelt 
ur, wird zu Ki;nigsberg ira Thumb und in der 
altenstadt, einen Sontag umb delt au,lern, durch 
die eaplan ader diacon der catechismus, das ist 
von den zehen geboten, von artikeln des glaubens 
und rater unser, von der talf«, uud sacrament des 
leibs und bluts unsers herrcn ordentlich ulld nach 
einaaader immer geprediget, allt.rmeisl fçtr die 
jugend, fur dienstboten und das gesinde, welchs 
fiir essens fiiglich nicht kan zur kirchen kommen. 
Und in diesem stiick miigen die andorn stete 
nach vermiigen und bequemlichkeit auch volffen, 
,,der auI: wenigst zur vesper x,»r dem magnifical 
rien cathechisanum predigen, und das gesinde auch 
darzu kommea lassen. 
lu darfern aher sol des S,,uts naclt der 
predigt des evangelions Cwelche eine hall»e stunde 
weren solle) die ander helfte dem catechismo zu- 
geeigcnt werden; auch wenn die verhSr ader 
examination des catechismi, welchs aus F. ]t. be- 
velich zum wenigsten in sechs w«»chen einmal 
sol fiirgenommen werden, sel eine jede dorfschat 
das gcsinde auch dazu halten und kSmen lassen, 
datait es underwiesen werde. 
Zu dem wil vonnSten sein das in andern 



68 

Das IIerzogthum l'reusscn. 

slodten und morkton fiir die lillauon und un- I dienern tr/;lzlich und gewa]tig als ein pflicht fiir 
deudschcn ein cal,lau zum pr«.diger verordenl I I den doeem f,»rdern, wiilh,n aber ihres glaubens 
werde, gh.ich wi«. zu Ki;nigsberg dazu oin smder- und besseruug nicbt oiuiche rechenschaft geben, 
lici,er l,rediger nun lange zoit gel,alten wird. In diesen sol man die fahr ihrer seelen seligkeit an- 
einc.m fl.cken ab«r nnd d/;rfern, s, unvermiigend, zeigen, das sic dis heilige saerament mit siilcher 
mag silchs durch einen t«ilken geschehen. Und i nnchristlichor weise zur verdamnis geuissen 
wo in etlichen steten auch ara werktage ais i wiirden, nnd sic mit gïte bis zur andern zeit ab- 
Frêitags ader lqittwochs zn predigen, ader ein I weisen. 
s,nderliche iektion fiirgenommen wiird, wer es Ferner sintemal gespiiret das riel hohes 
niitz nnd die»lich, das ersllieh eiu buch ans dem nnd niedriges standes sein, welche villeicbt nicht 
Neuon ïestanwnt auszulegen nnd zu erkleren, ans nachlessigkeit, als ursachen sieh vom sacra- 
darnach, wenn das geendet, eius aus dem Alten ment halten nnd bisweilen in jaren zweien ader 
Testamenl gel,rediget wiird% und so ferner immer dreien, an«h mehr, znm hochwirdigen abendmal 

eins nach dvm andern abznwechseln (wie sl;lchs 
anch zu K6nigsherg dergestalt geha/ten wird) den 
«,no das Neue ïestament ist das Aire verdeckt 
und unvernemblich. 2. ('orinth. 3. 

Vn der commnnion nd beicht. 
Das heilige sacrament des altars s«,ll niemand 
gereicl,t werden, er hab sich daun zuvorn bel 
seinom seelsorger ader ver,»rdenten kirchen diener 
auegeben und als einen bnssfertigen mit be- 
klagung des drucks ader beschwer seines ge- 
wissens und wes ihme der geistlichen gïter ader 
habe mangelt, in gemein ader bes,,ndern verh6ren 
lassen, nnd dartiber trost empfangen, denn dis 
hochwirdige sacrameut ist nicht inn g,mein unter 
don hanfen zugeben ader znwerfeu ie das wort 
ader predig des evangelii, sodern allein den 
jenigen sol gereicht werdel b so sich als christen 
beweisen und merken lassen. Derhalben (wie 
anch nnsere vorige kirchen ordennng mit bringt) 
s«llen die, so communiciren w;llen, znvorn ihren 
geistlichon hnnger und dnrst, anch ihren glanben, 
dem seeisorger ader kirchen diener anzeigen. 
Darumb sillen die pfarher gleichfirmigen branch 
nud ordnung mit der beicht iiberall halten, nud 
das einem jetzlichen, so seine siinde beklagt, 
sonderlich christlich absolution mitgeteilt werdê. 
Und oh an einichem ort geschehen were, das das 
v-lk ungebeichtet das heilige sacrament empfangen, 
aber oh irgents ein pfarher diejenigen, so morgens 
zu communiciren gedacht, hett in einen haufen 
treten lassen und ihnen eine gemeine absolution 
gesprochen, das sol keins weges sein, sondern wie 
jetz gemeldet, sol ein sonderliche absolution eim 
jeden gesprochen werden. 
Do anch die seelsorger zweifein, oh die per- 
sonen dic artikel des glaubens kennen ader nicht, 
s«illon sic dieselbige verh«;ren, damit niemand nn- 
wissend, wer er sei ader was er vom glauben 

des leibs und blnts Jesu Christi nicht geben, sol 
ein jeder pfarher in seinem kirchspiel nf seine 
schaf, sic sein h-hes ader niedriges standes, die 
sich silchs enthaiten, gut acht geben, und sic 
znvor in geheim, hernach ungemeldt, die personen 
in gemein uf dem predigt stuel erinneru, nnd wo 
dann hernachmals nicht enderung ader besserung 
gespiirt, nachdem sic sich selbst von der gemein- 
schaft und communication des leibs und bluts 
Christi. wie S. Panlus redet, absonderten und den 
bevelich Christi: das thnt zu meinem gedechtnis, 
so wenig achten ader gar vergessen wolten, offent- 
lichen in der kirchen verkiindigen, datait man sich 
auch derselben in alion andern gescheften ent- 
hielte, und bis sic sich besserten, meiden thete. 
Dann dieweil sie den bund und gezeugnis der 
vergebnng der siin01en verachtên und also des 
herrn Christi hof farb verschmehen, ists auch 
billich, êine silche person, sic sei man, frau ader 
jungfrau nmb Christi willen, des bevelich sic un- 
gehorsam, meide. 
Item. Es stillen die pfarherrn die gemeinen 
ihrer kirchen mit getreuem, htichsten vleis von 
den scl:endlichen, erschrecklichen, verdamblichen 
lastern als gottes lêsterung, eebruch, unzucht, 
huren, wucher saufên und dêrgleichen, die der 
apostel znn f'oriuthern abzustehen erinnern, dann 
wo nicht besserung bêschehen, wiird man hier 
innen den bann auch aufrichten genrsacht werden. 

Aile resta unsers herren und erli;sêrs als 
nemblichen Sativitatis Christi, Circumcisionis, 
Epiphaniae, Purificationis, Annnnciationis, Cene 
domini nnd Parasceves, Pasce, Ascensionis, Pen- 
thecostes s,'/llen ordentlich, ehrlich mit grossem 
ernst und reverenz zur gedechtnus und ermanung 
gehaiten werden, sonderlich Weihnachten, Ostern 
und Pfingsten, drei tage nach êinander ein jedes 

ader sacrament halte, zu schmach des solben darzu lest (lauts der vorigên kirchen ordenung) mit 
gestattet werdê. 
Item, da etliche personen, die vorn g6tlichen I predigen und gesengen wie es die historien geben, 
bêgangen wer3ên und sol ihrne nicht ein jeder 
wort wenig halten, und dannocht zur fisterlichen pfarher ein sonderliehs seins gefallens rnachen. 
zeit ader sonst das sacrament von den kirchen .[ Es ist auch ftir gut und billich angesehen 



Kirchenordnung von 1544. 

Aller heiligen engel memoria ader gedechtnus den 
nehisten Sontag vor llichaêlis zu halten, wie 
siilchs auch bisher zu Ktinigsberg jerlich in ubuug, 
darin man dom barmherzigen gote ftir allorlei 
unzeliche gtitê, und uns unwirdigen erzeigto w,,l- 
that beide leiblich und geistlich billich h,b, ehr 
und dank sagen siJlle sonderlich aber fiir die 
milde nnd grosse giite das er die liêben heiligen 
engêl uns armen, schwachen,gebrechlichen menschen 
gnediglich vêrordenet hat, das sic unsichtbarer 
weise unser warnemen und pflegen, uns schiitzen 
und behiiteu, und unser geleiz leute nach dem 
willen und ortlenung gottes sein sillên. Auch in 
sonderhêit fiir die milde gaben der fi-iichte und 
volendeten erndte. 
Item, so oft sichs begibt, das dêr tag 
Annunciationis Marie auf den Palm Sontag, ader 
in der woche vor Ostern, ader diesêlbigê volgende 
woche in den 0ster tagen gefelt sol es den 
nehisten Sontag nach 0stern gêhalten und lauts 
der vorigen kirchen ordenung transfêriret werden. 
Damit dieselbige zeit vom êinreitên des horrcn 
und sein heiliges leiden und die historia dêr 
auferstehung Christi unverhindert m(ige beprediget 
werden. 

Von der Ianl'e. 
Die taule soli in der kircheu, zu welcher des 
kindleins eltern gehirig, und nicht ira andern 
kirchspile mit den gewtinlichen exorcismis und 
gebeten in deudscher bekandter zungen, lauts 
der vorigen kirchen ordnung geschehen; auch sil 
s61chs gleichtï3rmiger weise v,n allen und jeden 
pfarhe, rre, n ader kirchen dienern gÇhalt«m werden, 
und sol nicht etwas besonders mit predigen oder 
exhortation, wie etliche for andern wtilleu gesehen 
sein: auch nicht mit hohen subtilen ader fiir- 
witzigen fragen egen die gefattern furgenommen 
werden. E stillen auch die priester, so die 
kinder teufen, leichtfertigkeit zu vermeiden, nicht 
fragen bei der tauf, wer des kindes rater sei, 
sonst zuvor wann zu taufen bestelt wird sol 
erstlichen nach des kindes eltern, woe sic w«.n- 
haftig, ab sic eelich etc. gefraget werden. Zu 
dem sllen die kindlein, se» daheime in uite 
durch die weiber genottauft sein, wie dann auch 
slchs rechtsehaffen geschehen mag, keins wegs 
widerumb in d«,r kirchen getauft werden, 
solchs widerteufen ist ein verspottung des gi)t- 
lichen namens und der heiligen taule. 
Die kindlein stillen auch nieht etliche rage 
ungetauft gelassen werden, denn selehs ferlich und 
gottes versuchung ist, derhalb soli tlie taule auf 
keine gewisse angesatzste tage, nach gefallen der 
priester ader der freundschaft gewelet werden. 

die gewisse ert%rung etliche schreckliche ffeschicht, 
so dissfals sich begeben, anzeigt und bezeuget. 
Darzu sol bel der taufi, niemands zu geIttter- 
schaft, er sel donn unsêr waren und christlich«.n 
religion auch d«.r artiktq «les glaubens und gebets 
nicht unwissend, zugelasseu werden. 

Von der ehe. 
Das gewJuliche aufbielen ader verkiindigen 
derjenigen, so zut che greifen wollen, s,,1 vier- 
zehen ader aufs wenigst acht tage vor der kiistung 
geschehen, datait raum gelassen werde dem jenigen, 
so villeicht darein zu sprechen helte, und so der 
breutigam in einem, die braut al»er in andern 
kirchspiel wonhaftig stillen sic an beiden orten 
ader kirchen, dohin ein jede persm gewidmet. 
aufgeb,,teu and abgekndigt werden. 
Es siillen auch die pfhrherren keines weg«.s 
zut che gestatten, ader tr«qten, so irgents ein 
zweifel ader missdiinken von wegen der blut- 
frefindschaft, magschaft, ader auch schwegerschaft 
lauts F. Il. vorigen ausgegangen«.n mandaten un,l 
iands ordnunge vorfiele, auch menniglich dissfals 
von der canzel verwarnen, das sich nimandts in 
siilcheu fellen zufreien, c, ne rathe und erlaub 
der jenigen, den es autrleget und bevolen, 
unterstehe. 
Item, das dieselben, so zur ehe grcifen, zu- 
t'or, wo sie unbekant sein. ihren namon und zu- 
namen, eltern, land und hauherren, w,e es diener 
weren, nennen stillen, wie auch slchs eigentlich 
auf der canzel siil namhaftig gemacht werden. 
D,, auch die pfarher zweifeln, das die personen, 
so aufgeb,,ten sallçn werdeu, die zehen gebot, 
artikel des glaubons und das rater unser nicht 
knnen, in sonderheit, so es dienstboten sind. so 
zur kirchen unfleissig kommen, sol er sie in die 
kirche fiir ader nach dçm ampt becheiden, sie 
verhtren und nnterweisen, auch sie so gar nn- 
wissend nicht treuen, bis sie die ,,bgemelten 
artikel mit dem gebet kinnen. 

Von iJffentlicher Iuse nnd der reconcilialion. 
S,, weib,r ihre kinder im schlaf erdriicken, 
wio. silchs in diêsen landen got erbarm, es riel- 
mals und gemeiner dann anderswo hefundon wird, 
ist stilchs ftirwar êin erschrecklich laster, und 
wiew«,l siilchs one wilh.n und fiirsatz sich begibt. 
kan es doch, weil sic diê kintlêr ans unvorsichtig- 
koit und wider F. l t. ausgegangeuen bevêhl, zu 
sich in ihre bêtten nemen, one grosse unacht- 
samkeit ader trunkenheit nicht geschehen, und 
derhalben aurh immer oue merkliche schuld und 
schwere siinde dêr mutter sein kan, weil sic ihr 
eigeu fleisch und blut, welche ihnen von got dem 

Weil s51chs bei etlichen als ein zeichen des ge- almechtigen nicht allein zu erneren gegeben, son- 
prengs ader des geizes gesptiret wird darzu auch [ dern zu hewaret h,»ch und treulich bevolen ist, 



7O 

Das llerzogthum l'reussen. 

o je,mnerlich verwarlosen, ja selbs umhs leben 
briugen, ans dios,m nrsacl,en auch die christliche 
ffemeiue billich g.gen siilchom oflnbaren grossem 
iibel die christliche strafi" d-s bannes brauchen 
se,Il, und eine siilliche 1,erson nicht fiir ein christ- 
lich glied erkenncu, n-ch anuom,.n, sic habe daun 
zuxor in .fl.uer busse, das ihr si;lche siinde 1,-id 
sel, nn,l das sic herzlich d«r gnaden b«.g«rc, ffir 
dcr ganzen gemeine des orts gnugsam vrzeiget, 
als nemblich das sic einen sontag, drei ader 
viere, nach umslendigkeit der sachen an einem 
s,,ndcrlichen sichtbaren ort in der kirchen unter 
der prediget stche, in demtiger» flehender weise 
und geberden, und v,,m prediger dem volk an- 
gezeigt, nach der l,rediget aber durch den cusos 
ader gliickner wider ans der kirchcn gewiesen 
werde, 1,is das sic endlich d«'r gemeine rec,,n- 
ciliirct, versiinet und abs«,lviret werde. Und ira 
lai, das bede eltern an silchor erdruckung ihrer 
kinder schult, siilh.n sic zugleich ol,en angezeigter 
massen bfissen. 

F.rm der re.conciliation lll|d ab«olntir, n. 
l.ieben freunde in ('hristo! Euch allen ist 
ungezweifelt wissentlich, wie diese N. schwester 
im herren Christo aus unachtamkeit und unvor- 
sichtigkeit sich an ihrem eigenen fleisch und 
blute etc. wie w,,1 one willen versiindiffet, und 
damit got den allmechtigen schwerlich v«.rziiruet 
hat. und daneben auch siilch uhel unter uns ganz 
-ffenbar uud rtichtig ist, dardurch dann unsere 
christlicl,e versambhmg nicht ein kh.in ador gering 
ergernus eml,funden hat, dieweil aber s;ilche ihre 
,,fissethat und ergornus sic genzlich reuet, und von 
g,,tt dem rater durch Jesum Christ unsern einigen 
vorstiner und mitler gnad und barmherzigkeit be- 
gret, die ihr ungezweifelt auch um got ira himmel 
unversagt ist, dabei auch st)lch leid mit offent- 
lich-r busse erzeiget, und dardurch sich mit uns 
allon, die sic also vorseret ud geergert hat, zn 
versiinen domtitiglich begret, siillen und wiJllen 
wir auch nach dot lehre Christi und seiner 
aposteln herzlich gerne ihr silch verzeihen und 
umb gottes willen vergeben, auch g«,tt treulich 
ftir sie bitten, er wolle ihr tle,lig sein und hiu- 
furt sio und uns alle tr stJlcher und anderer 
fi.rlichkcit gnediglich behiiten und bewaren, dor- 
halben last uns beten. Dicatur l'a/er noster ab 
,mnibus ac singulis occulte, Deindo a {'oncionatore 
h-gatur publice l'salmus I}eus miseroatur etc. vel 
31iserore mei deus etc. Germanica lingua. 

Posthac all¢,quatnr penitentem his verbis. 
X+., schwester ira herreu Christo, dieweil du 
das lêid deines herzens iiber die begangene misse- 
that, aise in der busse offentlich erzeigest, daraus 
dann auch wir offentlich spiiren deine demut, und 

das es dich gonzlich reuet und got der harm- 
herzige vater uns zugesagt hat vergebung der 
siind«n durch .lesum Christ unsern heiland im 
heiligen evangelio, wo zween unter euch eins 
werden auf erdvn, warumb os ist. das sie bitten 
wiillen, das soi ilmen widerfaren v0,n meinem 
rater ira himel, denn o zween ader drei ver- 
samblet sind in meinem namen, da bin ich mitton 
unter ihnen. 
Item. Was ihr auf erden lisen werdet, sill 
auch ira himmel les sein, also sage ich auch zu dir, 
:m Christns stadt uml von seinotwegen, sei getrost, 
meine t,,chter, deine siind sind dit vergeben. 
Auch nemen wir dich widerumb an zn einem 
;:liede des geitlichen h'ibs Çhri.ti, welcher ist 
die gemeine seîner glcubiffen, v,,n welchem leibe 
du dich selbst durch dein laster abgeschnitten 
hast, das dn demselbigen seiest wider eingeleibt, 
ira namen g«,ttes des vaters, des sohns und des 
heiligen geists. Amen. 

 «,n den homieidis ader todtschlegern. 
Weil got der almechtige zu tiidten gar mit 
grossem ernst erboten bat und das vergossene 
menschon blut gen himmel, wie Abels zn got, 
umb rache schreiet, se ist derjenige, se fiirsetz- 
lichen ader mit zorn, rem satan iibereilet und 
getrieben, einen mord begehet, Ipso facto ex- 
communicatns, wie man zu reden ptlegt. Der- 
halb«.n ists nicht unfirmlich, das der missetheter 
bald nach der iibelthat ira selbigen kirchspiel vou 
der kanzel in don christlichen bann gethan werde 
nach der lere und weise S. :Pauli 1. Çorinth 5. 
Wo nun s;illicher darnach dem weldlichen ge- 
richte durch abtrag entbricht und ihme von der 
obrigkeit ader herscbaft widerumb daselbst zu 
wonen gestadtet wird. sol er bald darauf und mit 
dem allerersten durch dieselbige herschaft zum 
herren bischof desselbigen orts mit einem brief 
oder gezeugnus gewiesen werden, von welchem 
er die abs,,lution, und das er mit der christ- 
lichen gemeine, welche er mit seiner missethat 
schwerlich geergert hat. reconciliiret werden miige, 
in aller demut bitten s,»l. Aber noch genugsamer 
verhiir und erkentnus aller umbstende des fais 
ader todtschlags sol er widerumb gesand werdeu 
an den pfarher des kirchspiels mit des herrn 
bischof« briefe, darin der pfarher bericht empfaht, 
wie und welcher gestalt die offentliche busse dem 
gebanneten nach unterscheid des fais und der 
circumstantien sol auferleget werden, also das er 
ira selben kirchspiel, da st;lche ergernis gegeben, 
widerumb offentliche busse thue, und mit der 
christlichen gemeine recouciliiret ader versiinet, 
und daselbst absolntion empfahe, welche sol in 
gleicher weise und form, wie oben von weibern, 
se die kinder erdruckt haben, geschehen, doch 



Kirchen.rdnung von 1544. 

mutatis mutandis darauf die pfarher mit vleis [ getrag'eu w«.r«h.n, ehc daun einige endcrung fiir- 
achtunge gebcu s,,llcn wo ihneu solche form der geuommcu, aucb n:u'h F. IL uns«*rs gnedigst«q 

absolution in des h«-rrn bisch,»fs brief uicht 
sain allenthalbcn verzeichnet wiird. 
Hieb«'i ab«r ist zu merken lauts mst*r vorigen 
kirchen ,»rdenung dass s6h'he Imsst. uicht dt, r 
meiuung auteh'gt wird, als sel sic cire. gcmtg- 
thutmg fiir gott dcnn diese chrc d«.r bezahmg 
fiir die sfinde gebiirt alleiu dcm bittern h.id«.n 
und theurem blute unscrs x'crsiimrs .losu Christi. 
Sond«.rn sie sol sein c,in heweisuug und geziignu 
eines bussfi,rtigen rcuigeu mt,[ gnad b«.girigeu gc- 
miits und das sich auch mit ,let christlichcn 
ravine, weh.he schwerlich durch s.ine missh:m,lt.- 
lung ge.rgert und verseret zu vcrsum'n begeret. 
Zum andcrn s,»l in aufh.gung silchcr 
lichen buss uicht uud«'rscheit v,m ween tler l»erstu 
des todtschlegers gemacht, nicht gonst n,,,'h 
auch uicht g-schenk, reichtumh ader armut, ader 
sonst freuntschaf, angeseht.n werd«.u, lVeil g,,t 
c, ne ausehen ader uud«'rs«h,.id d«'r l.-rs,m«.n alh,n 
und jeden, du soit nicht tihlt«.n geb,»t,.n hat, der- 
wegen sol auch kein t-dtschh.ger dcr ,,fl.ntli,-h,« 
buss entn,»mmen sein. Summa. i':s s,»l in keimqn 
wege hierinn eigner uutz gesucht wcrd«.u 
dann etwan die busse genios getraeu hat. 

Billich» rcht und I«iblicla ist', 
christen begrt.bnus ehrlich und uicht «,n«. gehiir- 
liche ceremonien, d.ch .hue fro're,le irrige ab- 
glaubige.zust-tze g«.halWn wt.rde, ,las m:m dt.r h.i,.h«. 
mit der fretmts('hat v,,lg«., wie re:tu ,lb.ses vl,.isses 
riel exempel ira alen und ut.uen testament hat. 
Auch sol der ort des begrOmisses uicht 
sauber ntch verechtlich, wie /las nicht alleiu 
christlich, sonder wi,ler d«.r heith.n I, rauch ist, 
gehalten wcrdt.n, darumb auch dit. kirchhiife 
alwrs coemiwria griechis('h, das ist d,,rmit«,ria ge- 
nt.nnet sind, das ahlo die c.rper th.r sclig«.u christ,.u 
ruhen und schlafen, bis zur aufi.rstchung ,[,.r 
Item. So znweih.n «due ehrli«h«, freuut- 
:«haft, insonderheit ein t.xh,,rtati,m bei d,.m zrah 
t«.geren wiirde, sol ,ler ,liaom a,h.r kirch«'n 
dit*ner eine kurze vermanun zu trost und uut«*r- 
richt der g«*genwertig«.u Icbe.,lig«*n Ihun, ,,u«* v«.r- 
It*ngerung auch nichts untirmlichs t*int'iiren, 
darauf das volk ein d«*u,lsch hh.dia vita 
lasser b odt*r so die schiiler vt, rhauden, dt*n gesang 
Sime,,nis: Mit tYicd im,I fl'eud icb t%hr dahin. 

Bem'hlns. 
St»lehe unse.r -rdemmg» wic alh.uth:dh«.n 
oben verzeichent, so riel dersclben eins jeglic]w 
orts ader kir(:hspiels gelegeuheit dienlicl b s.I 
volke durch die pfarher vleissig und bcscheideulich 
mit guter underrichtunge von dem predigstucl an- 

h,.rrt.n mandat m,l I,«-v«'lich aufs w«.nigste vit*r 
s,mtage zu v,,r un,I uacheinau,h.r d,.udlich dem 
v,dk tiirgeh'sen uml ahekiin,ligt wer, h.n, datait, 
st, riel es miiglich, aile ererniis verhiit,'t werth.. Vir 
w;;ll,.n abcr mit dieser mtser ordeuung in keint.m 
w(.ge am[ercr kircheu, st, tlllSt.r«.r watt.n, r«.itton h.er 
un,i c,»nti.ssi-n s«.it, weisc un,I get)reuch[, ver- 
ni«'htet a«h.r v«.rw,,rf,« hal,t.n, sn veru sic smt g/if 
lichera w.rte ni«'ht etg«.g/«t seila wic wir auch 
uus(.re ve,tige ,»rdnlmg lin.mit ung«-tadelt haben, 
«rbiet«q uus auch gegeu m«.nniglichen unsers fih'- 
m.hm«.ns bewegung, gruml uud ursach uh'r uns«'rn 
v,,rigcn t,l».nangezeigt.u b,.richt, se, riel es 
n;;tcn sein wir, I. anzuzeigen ; angeseht.n. /las 
shrift aa die mtscrn gest«.lle L I»«.i w,.h-hçn 
alh.s zuvt,r, umi «,u,. das lu dt.n nwist«-n ar/ikelu 
it h«.pre,lict w,,rd«'n uu,i u«,ch w«-iter dlirch 
g.tts gua, l gscll,-h,.u x-ird. Di,.w,.il wir abc.r, 
wi«" il. aufau v«.rm«'l,h.t ui«maut eiuich«, u«,th 
ader gezwand,'s cwisselS au dieser 
s,» riel sic mcschlih ist. mtt'hcu, w;;llen wir 
au,'h mis s«.lhst uu,l uneru uachk«,mm,.u,len, ,lie- 
s,.lb uuser «»rd«.mmg uach «'n,l,.ruug d,.r umstomh., 
s,, wes mit /h.r z«.it etwan zu (.l«leru nehreu 
a,h.r zu min,h.ru in gutem rath«, ff«'funden wir,I, 
s;h'hs nach uust.r(.r chris/lich«n freilwit zuthuu 
x.rh«.hal/«.u hahcu, ,I-«'h v,« weg«.n christli«h-r 
t.inigkeit si«'h iliCht g«.)»ih-t.n wil, m,ch zu ge,bridon 
w«.rt., s,, .i«'malids I..i ml» mit xh.iss in siilcll«.U 
cer«'m«,ui«'u Ulgh'icllhcit t'iirm.men, ader dariu 
nicht leichli;rmigk,.it h:dt,'u, s,»/t,lers scius k,q)ts 
ad«.r gethlh.ns dit.se bt.willigte ,,rdeuun verachteu 
wiird«, und ubertret«.u, des wisse sich mennifflich 
zu halteu. 
Und eudlirh s,,I am'h Ilie nctwn idcrm«.nuig- 
lich wissen, das mit ,liser egenw«.rtigeu kir('heu 
«,r, lemmg v,»m eusserlicheu g,»ttesdieust und artikeln 
der (.«.rem,mi.l v«,rit.m f. ,i. uus«'ru g. herren 
hevelch in w«.lchen alh-s x,,Ik zu gnttes f,,rcht. 
kirchengang. Cml»tZhung" ,let sacram,.nt uud aml«rm 
v«.rmauet wird, w[.lchcr I..v«.l«h ira v«.rschi,.n«'n 
,Irei uud vicrzist«.n jar ira druck ansgangen 
umgesaut kt.is w«.ges auteh,,b«n, s«»udel'n 
allenthalbcu v,,n stiick zlt stiick mtahbriichli«'h 
gehaltcn s,d wer, leu. lh.shalheu s,d auçh h:d,I 
n,»ch abkiiudigtmg dieser kirchcnorduung ge- 
melt«'r v.riger b«we]ch auf (.in«'n geh.gem'u s,,n- 
tag, wiederumh v,,n w«»rt zu w,»rt, attch v,,u der 
canz«'l abg«.lesen und verkiiudig«t wer,len. Aber, 
ch,ch s,,I zu l(ihigsl,,'rg d«.r christlich«.n freiheit 
gehraurb, st, daselbs der h,.kh.idmg hall,eu, ira 
l,redig amt [wie m«h h,.utiges rages sSIcher brauch 
zu Wittemborg, und uh,.r zwanzig jar bis anher 
zu Kiinigst,ergl gellalten xrird, hiuthrt auch tYei 
uud aus bes¢)nd«.rt urat'h,'n uuhestrickt bleibeu. 



72 

Das IIerogthum Preussen. 

V,lgen die ctllocten ader gemeinen gebete ] selig leben um geistlichen und weldlichen fried 
von der zeit und festen des ganzen jars zut um fried und schutz, um dankbarkeit FUr gottes 
messe, metten und vesl,er, wie oben vermeldet, ' giite und wohlthat. -- Sodann fblgen drei Versikel 
zugebrauchen. D«,minica prima adventus u. s.w. und drei ('ollekten nach der Litania und eine Col- 
[Wirtlich wie obetl ,S. 37 bei Nf. 2, sie werden lecte ,Nach dem Tract."; sodann ein ,Verzeich- 
ebenfalls nicht abgedl'uckt.] [ nung der Resl,onsorien" [wtirtlich wie oben S. 37, 
E folgen die (_',,llecten: um ein christlich gott- in Nr. 2]. l?inis. 

Kirehenordnung und ¢erenl0nien, wie es in ubung g0ttes w0rts und rei¢hung der h0chwirdigen 
saerament in den kircllen des Ilerz,.thums Pl'eussen s01 gellalten werden. 
[Xa,.h dem Druck 1.568. K0nigsbçrg i,ei Johann Daubmann. Vgl. oben S. 2.5.] 

V,,rrede d.r heider bischoff Samland 
und l'ometzan von den ceremolivn und 
kirchen-rdnungen. 
In der christlichen kirche muss man gar 
fleissig achtung darauf geben, weleht.s die niithigen 
stticke sind, daran nus unsere und aller welt 
seligkeit gelegen ist, weil sie kein mensch, son- 
dern g, tt selbst gestiftet, und darum weder der 
kirche n,,ch al,osteln , engeln oder einiger creatur 
die kraft oder macl,t gelassen ist, darinncn etwas 
zu euderen, wenigcr ,der mohres zu machen, ja ein 
gewisses merk nud zeichen ist, dass, wer darinnen 
etwas ender«.t derselbige oder dieselbigen sind 
nicht mehr heilige und selige al,ostel, noch cngcl, 
sondern verdamte, v«-rl-rne creaturen uud 
ister, (;al. 1; darum nicht mehr weder die 
kirche, noch der rechten, waren kirchen glieder, 
,,b sie gleich zuw, rn ap,,stel und engel ihres be- 
rufes halben, sow«,l,l auch glieder dcr kirchen wahr- 
hafti gewesen sind, auch n,,ch den ruhm und 
titel behalten mit dem eusserlichen schein, wie 
'hristus und l'aulus sagen, dass eben die greu- 
lichsten feinde un,l verfolger gottes und seiner 
waren kirchen, ja der antichrist selbst, hab,m, 
und gar h,,ch wider gott und die war«.n kirche 
riihmen und gebrauchen werden, J,,h. 16 nnd 
2. ïh,.ss. 2. 
8olche n#3tige stiicke aber sind g.ttes 
wort und die h,,chwirdigen sakramente, so von 
tt'hristo selbst eingesetzet, und diese einsetzuttgen 
in g,,ttcs w,,rt verfasset und datait verbunden 
sind, als nemlich die taufe und das ab,.ndmahl 
t'hristi. 
Auf dass nu die zwci in der kirch«.u rccht 
getrieben werden, hat gott dazu das l,redigtamt 
verordnet, welchs nicht selbst «.in eigen sakra- 
ment ist, vicl weniger ist es eine gewalt liber 
das wort oder sakramenta, datait ,,del" darilmen 
zu fahren oder zu handeln eigenes willel, s oder 
gutdunkens, wie der bapst schendli,'h gedichtet, 
dass n,»ch gott dazu auch seinen heilig«n geist in 
ire mittel und concilia geben wolle etc., sond,.rn 
es ist ein ministerium und dienst welchen dienst 

die l,ersonen, so VOll g, tt ordentlich dazu berufien 
sind, demselbigen und der kirchen mit solcher 
treuen leisten und erzeigen sollen, das sie das 
wort rein und lauter predigcn, die sakramenta 
nach gemeldter einsatzunge reichen und austheilen 
und dariiber wider aile vorfelschung hart und 
fest halten. 
Was nu der leste grund und die f,,rma sei 
l'einer l,.re, ist in corpore doctrinae und refutatione 
corruptelarum, wie es erschienen ,les 1567. jahres 
v,,n fiirstlichor durchlauchtigkeit, hochliblicher 
und seliger gedechtniss und einer erbarn land- 
schaft aufs neue bewilligt ist s,wohl, als auch von 
unserem gnedigsten, lieben, jungen landesfiirsten 
und herrn reichlich und genugsam verfasset, da- 
rinn«n xvir itzt sowohl, als auf kiinftige zeit fest 
bleiben un,l lfimmermehr etwas enderen -.llen 
noch wollen, weil es g«,ttes w«,rt und die ein- 
hellige meinung der prophetischen und apost,,- 
lischen scln'iften, darum auch der waren, all- 
gemeinen, uralten christlichen kirchen sen,us und 
consensus, glauben und lehl'e ist. 
Von dem andel'en stiick, nemlich von dem 
predigtamt, wie und von weme, das solle ordent- 
lich nach g,»ttes wort beswllt werden, was 
der prediger amt, leben und lere sein s-lle, und 
wie dasselbige zu erhalten, schulen sollen ver- 
ordnet und ailes christlich verrichtet werden, ist 
auch in der bewilligten ordnung on erwehlung 
beider bisch;;fe Samland und Pometzan etc. an- 
gezeiget. 
Ueberdiess sind nu etliche andere stiick, 
deren man zwar nicht wol kann entperen, son- 
dern in der kil-cheli haben muss, w,, man rien ge- 
meinen mann rechtschaffen v,m den nitigen 
stiicken dl'oben im predigamt will unterriehten 
und in gebiihrlicher reverenz und ehrerbietung 
erhaltelL l tas sind nu die cerem«,nien, eusser- 
liche ritus dnd kirchenordnungen, welche nicht 
gott, sondern wir selbst haben angerichtet; der- 
halben auch nicht also nitige stiicke sind, dass 
wir daran m unserem gewissen gebundeu weren, 
dariunen nichts zu anderen, wie wir an gottes wort 
, raid die h,,chwirdigen sakl'amenta gebunden sind. 



Kirchenordnung untl ceremonien von 1568. 7.'-I 

Wie gesagt ist stehet auch in solchen stiicken 
gar nidtt unsel'e seligkeit, dieuen uns aueh dazu 
nichts, sondern werden allein furgemnnmen uns 
zu dienste datait wir zu gelegener zeit au 
quemen 5rten zusammenkommen und der zuvc, r 
gemelten n;tigen stiick uns berichten ]assen, 
und dero gebrauchen in gebiirlicher zucht und 
.rdnung, wie Paulus haben will. dass alh.s 
unter uns soli zUchtig und ordeutlichen zugeheu, 
1. Corinth. 14. Stehet derhalben vermige unserer 
christlichen freiheit in unserer maeht und gewal b 
dieselbigen menschlichen ordnungen mit der zei b 
nach enderung der umstende und gelegenheit der 
rrte uud personen, zu gemehren oder minderel b 
ja dieselbigen wohl ganz und gar abzuthun, wie 
sie denn sollea und mtissen abgethan werden, 

umsonst mit menschen geboten, ]Iatth. 15, auch 
nicht» dass wir wollten datait den armen cl,rist,.n 
stricke an den halse werfen das soli auch kein 
al,r, stel thun 1. C'ç,r. 7, weil sie des befreiet 
sind mit dem theuren hlut christi, Gai. 5 und 
1. ('orinth. 7 7 sondern alloin darum, datait es 
fein ziichtig und ordentlich unter uns zugeh% 
m aile superstition, und mit solcher zucht das 
gemeine v,,lk s,uderlichen aher die lieh jugend, 
se nicht «qn geringes theil dor heiligen christlichen 
kirche sind, zu gottseliger btrachtung der nStig.u 
sttick, als nemlich des heiligen wort g-ttes und 
der hochwirdigen sakrament, gel,cket und gereizet 
werden, weil sie ans solcher zucht w,,hl ver- 
nemen, das wir allhie nicht gemeine sachen 
und schlechte ding verrichten, soudera (]as teure 

.'elill sie den ntitigen stiicken droben gleich ge- [ werte gnt. daran uuserer armen seelen hoil un,l 
rechnet und als zu unserer seligkêit dienstlich ] seligkeit gelegen ist flll" g.n, welcher mit seinon 
celer fur besondere g-ttesdienst geleret und ge- lieben eng«ln in unserem mitwl und vorsamm- 
1,rediget, ,der dazu fiirgen,mmen werden, den lungen selbst attch gegenwirtig ist, Matth. 18 und 
i;ffentlichen feinden und verfblgêrn reiner lere 1. Col-inth. 11. 
datait zu heucholn, wie l'aulus in den felh.n die Kiinden es derhalbon auch mit den leidigen 
beschneidmg, unterscheid der speise und zeit. zu ('alvinisten uud schwerrnern nicht l,alt.n, welche 

grund verdammet und verwirft, als bel denen die 
warheit des evangelii nicht bestehet, alle ge- 
schehene arbeit mit leren und predigen um- 
sonst, und Christus dabei gar verloren ist, 
Gai. 2, 4 und 5» von welchen et" doeh soust selbst 
saget, dass die beschneidung nichts, 1. ('-r. 7, 
der unterscheid der speise and zeit aueh nichts 
und ohne gefar kiinden gehalten und nicht ge- 
halten werden, Rim. 14. 
Diesen unterscheid sagen wir, muss man be- 
halten, wie ihn Paulus auch helt, 1. ('or. 2, und 
spricht, was er veto herrn empfangen das habe 
er ihnen gegeben repetiret dieselbige g/;ttliche 
einsetzung mit ihren klaren worten; was aber 
sonst andere dinge darneben seien, wollê er zu 
seiner ankunft auch ordenen; one zweifel, s,, 
muss an solcher nebenordenung auch des almstols 
Christi nicht se viel als an dem anderen gelegon 
Sorldern ailes ein solches ding sein, das zur selig- 
keit und trost der gewissen nicht bel dem abend- 
mahl vonnSten ist sonst bette er solche ordnung 
bald bel dem abendmahl sollen melden, und 
ferner ohne verletzung und verseumung der gc- 
wissen nicht ktiuden aufziehen, weil fur der- 
selbigen verordnung ihr viêl kiinden sterbon, 
welche allezumal wo solche «,rdnungen auch zu 
der seligkeit von niiten, one die alloin b,i der 
niessung des heiligen abendmahls hetten miissen 
verdammet sein. 
Wollen derhalben wir in diesem dritten 
stiick vert solchen eeremonien auch haudelen 
nieht papistischer, gottloser und aberglaubischer 
weise dass wir sollten besondere gottesdienst 
daraus machen denn denselbigen verehret man I 
S  h I i. g, Kirchonordnungen. IV. 

sich dtinkcn lassen, man kiinde nicht evangelisch 
sein, wenn maa nicht aile gemelde stiirmet, aile 
bilder darnieder reisst, alle cerem-nion abthut, 
und grob, unbeschei&.n, ohne zucl,t und ordnung 
ailes lest durchoinander gehên wie das unwr- 
ntinftige viêh. ,5-lchês mag ihn«.n gefallen, wie 
es will: wir wissen, dass datait dem li«-ben g-tt, 
der nicht ein gott der unordnung, 1. (',»rinth. 1 -t, 
nichts zu willen, viel wenigor zur erbauuug und 
besserung der kirche ges«hicht, l;arum m6geu 
auch dieselbigen darvon richten, was sie wollon, 
um ihrentwillen ist allhier nichts gelasseu noch 
gethan, sondern ailes allein den frommen herzen 
und der lieben jugend zu dienst fil-gen,,mmên. 
Werden derhalben attcll aile fr«,mmon i, farr- 
herren und kirchendiener sowohl, als aile fi'-mme» 
gottselige herzen gern dazu helfen, damit es 
also fein ziichtig zugehe und nicht ein jeder ihm 
ein bes-nderes machê mit siugên der lesen, 
beichthSrên oder teufen, wie dnn auch die 
christliche freiheit zu solch.m mutwillen nicht 
gemeinet ist, riel weniger soli geduldet un«l ge- 
litten wrden; was aber unter zeiten net halben. 
oder vm wegeu anderer gelegeuheit, die da ftir- 
fallen, ohne h.ichtfertigkeit und halsstarrigen fiir- 
satz geschihot, das bat seine «.tschuldigung aus 
dcm, was droben verm.ldêt ist. Und w,dlen wir 
in dieser kircln.mn'demmg VOlt folgenden stiicken 
fiirnehmlich und unterschiedlich handelen, als 
nemlieh : 
Von der vesper s«mnabend, sonntag und 
werketag. 
Von der beicht und absolution. 
Von der metten und frtihpredigt. 

lO 



7.1 

Das l]vrzo,_,thum Preussen. 

Von den I«.ttagen. 
V,,n d«.r mess mM heiligem ahendm:dd. 
Von der mittagpredig ara s0mntage. 
Von ubung des catechismi. 
Von festen. 
V,m den tolcken. 
V,,n der taufe. 
Von der n.thtaufe. 
V.n den altfrauen oder wehemiitern. 
'l'rost fur die sehwangern und in kindes- 
n;iten. 
Von trauuug der eheleut. 
V.m bann und offcntlicher buss. 
Wie man kranke leute beriehten und 
triisten soll. 
Vom begrebniss. 

Von der vesper, sonuabend und 
feierabend. 

In stc,lten, die lateinisehe schulen haben, 
und sonderlichen zu Kiinigsberg, selle es also ge- 
halten werdon, dass dor anfang von einem diakouo 
mit dem Deus in adjutorium meunl intende. ,Veml 
darauf gewiihnlicher weise veto ganzen ch,r re- 
spondiret ist, se int-niren zwen knaben mit dor 
antiphona de temporê, und singer der ganze cher 
einen psalm oder zwone, abgewechselt einen vers 
urn den andern, wie gebreuehlieh. Und weil 
solche exereitia darmn fiirgen«)mmen, datait die 
knab,.n in den lateinischen schulen derma»sen 
geiibt, se sollen auch die psalmen latine gesungen 
werden. 
Nach den psalmen s,,ll man das responsorinm 
nnd den hymnum singen de tempore, se, fern sie 
rein sind nnd der heiligen sehrift gomess. 
Auf den hymnum f,,Iget eine kurze predigt, 
welehe darum soll gehalten werden, dass die eom- 
munikanten, se denselbigen abend zur beiehte 
kommen kurz erinnert werdel der vornehmsten 
hanpt.tt|cke christlieher lehre; darum sollen die 
eapelan ordeliehen, sonderlich diese stiicke naehoin- 
ander tbin einfeltig und knrz handoln, nemlieh: 
Von der buss, wie md warum gott die- 
.elbige haben will, und was dioselbige sel. 
Von den vornehmsten zweien stiicken der 
buss, als : 
1. von der wahren reu, die sich von 
snde wendet, dorselbigen feind ist von 
grund des herzon und darvon abstehet; 
2. von roehtem glauben und vertrauen zu gott 
durch Christum, welcher nieht verzweiïeln 
lest, sintemal die gnado in Christo 
messlieh und iibersehwenglich vie] reieher 
und graisser ist, denn dio s[nde aller welt, 
vielmehr eines jeden menschen. 
Von den ordelichen mitteln darinnen gott 

s,,lche gnad nach empfangener taule uns noch 
teglich fiirtreget, als in der heiligcn absolution 
und gewalt der schltissel. 
Was denn sonderlichen die privata absolutio sel 
und wie sie Christus selbst geiibt an dem gicht- 
briichigen, Matth. 9, an der armen grossen 
siinderin, Luc. 7, an dem greulichen mtirder und 
schecher am kreuz etc. 
XVas fiir sonderlicher trost und heilsame 
erzenei uns auch ira hciligen abendmahl an- 
geboten, und was dasselbige sei, nemlich der 
leib und blut Christi samlnt allen erworbenen 
giitern, mit demselbigen teuern pfand unserer 
erlisung. 
Wir wir uns rechtschaffen darzu schicken. 
Von rechter christlicher dankbarkeit fur diese 
und alle wolthat, und von den frtichten der 
buss, dass wir nu dem leben, der fiir alle ge- 
storbcn, 2. Corinth. 5, und ihm dienen, nicht 
nach selbst ertichtcr heiligkeit, die ist ver- 
worfcn und verdammet, Col. 3, sondern in heilig- 
keit und gerechtigkcit, die ihm gefellig ist, da- 
rum dass er sie gebotcn bat, Luc. 1. 
Wenn solche sttick in ctlichen predigen 
traktiret und gehandelt worden, sollen die kaplanen 
dieselben wiederum anfangen und sie ja rein 
kurz fassen, dass die ganze predig iiber eine 
halbe stunde nicht were, se k6nnen es einfeltige 
herzen fassen und dero gebessert sein. 
Wenn feste oder feierabend sind, soll man 
etwas nemen de tempore, aber es ja nicht zu 
lang machen, datait man zu der beichte raum 
habe, und ein jeder hausvater und hausmutter 
mit ihrem gesinde, darneben auch andere ihre 
heusliehe arbeit und sachen ver dem lest ver- 
richten mtigen. 
Nach der predig soli man das magnifikat 
singon mit dor Antiph,na de teml»)re , darauf die 
collekten und Benedicamus Domino. 

Vesper anf die sonntag nnd feiertage. 
Soll der anfaug vert dem caplan gemacht 
und nach der intonation nfit den psalmis, respon- 
soriis und hymnis ailes gehalten werden, wie 
droben verordnet ist. 
Die predig soli dem hvmuo tblgen, und die 
verordente epistel de d,)minica oder festtagen aus- 
gelegt werden und ihm kein capelan darinnen 
seines eigen«.n sinnos ein besonderes mac.hen. 
Nuch der predigt sollen zwen knaben ver 
den cher stehen uud ein stiick aus dem cate- 
chislno Lutheri deutsch recitiren, mit der aus- 
legung, auf ds die liebe jugend ire exercitia, 
wo die gemeinde beisammen ist, auch habe und 
sie datait gewehnet werden» in solchen versamm- 
lungen fein mit zlichtiger, gebiirlicher scham die 
fiirnemsten artikel christlicher lehre zu bekennen 



Kir«henordnung und ceremonien von 1568. 75 

uud ftirzutragen. Auf solche lection des cate- 
chismi soli man singen das magnificat deutsch in 
folgendem Tono : 
Meine seel erhebet den herrn und mein geist 
freuet sich gottes moines heilands. 
Aufs magnifikat folget diese antipholm: 
Christum unsern heiland, ewigen gott, 3Iarii 
sohn, preisen wir in ewigkeit. Amen. 
Darauf singet man das nunc dimittis, wi«. fi,lgt: 
Herr, nun lesst du deinen diener ira fl'iede 
fahren, wie du gesaget hast. ])ena neine augen 
haben dciuen heiland gesehn, deu du bereitet 
hast ver allen v6lkern, ein licht, zu el'leuchten 
die heid«n und zum preise dêincs volkes Israel. 
Ehr sel dem vater und dem solm und «lem 
heiligen geist, wie es war ira anfang und blcibet 
nu und imnler in ewigkeit. Amen. 
Wo man einen organisten hat, schlccht er 
einen vers mn den andern, das nach dem magni- 
ficat der cher die deutsch antiphonam singet und 
der organist nach dem nunc dimittis ein stiick 
schleget. 
Darauf sclileusst man mit dem versikel, col- 
lekten und benedicamus 
Dies sind exercitia pietatis, darzu der sabbath 
nnd feiertag uns dienen sollen bel welchen ein 
christ keiue beschwerung hat noch haben kann. 

antiphona das magnifikat latine und darauf die 
collekte mit dem Benedicamus domino. 

Veper in klelnen kirch«pielen und diirfern. 
Wo geringe klcine schuleu sind, soli man 
zut vesper eincn deutschcn psalm oder zwei 
singen darauf der i,farrherr aus dem catechismo 
einen kleinen, kurzen boricht thun rein einfeltig, 
datait das arme volk kiinnte daraus ctwas lernen. 
Es soll«.n aber nicht allcrlei deutsche liedcr 
gesungen werden iii der kirch, in dirfern so- 
wohl als in stedten, s,ndern vornchmlich Luthcri 
l,salmcn bchalten und getrieb«.n wcrden, denn 
darinncn bat man gar schiin den ganz«.n heiligen 
catechismum mit reichÇr» schiner und gewaltiger 
auslegung', erstlich der zehn gebot in zweien ge- 
sengen" lties sind die heiligen zehu geh«t (.te. 
und: Menscl b wi]lst du leben seliglich etc.; zum 
andern, die artikl unsers christlichen g]aubens ira : 
Wir glauben all' an ein«'n gott etc., zum dritten 
das gehet ira: Vater unser ira himmeh'eich etc., 
den ganzen schatz der h«.iligcn tanfe ira" Christ, 
nnser herr, zum .I-rdan kam etc., nnd denn allon 
nithigen bericht v«,n dÇm hciligen ahendmahl ira: 
Jesus ('hristus, unser heiland etc., un,l: (]ott sel 
gelobet etc. Wer denn das summa summarum 
sammt dem nutzen und fl'ommen darw, n kurz bei- 
sammen haben wil]. der singe: .Nu freut ench. 

weil ailes darzu verordenet, datait wir un,1 unscre I lieben christen getnein etc., celer 1. 8l,el'ati gar 
liebe kinderlein in zucht uud gottesfurcht er- I schanen psalmen" E ist das ho.il uns k-mmen 
halten und erzogen werden und der frommo, her etc., darnebe// sind die herrlichen tr,,st- und 
treue gott ursache und raum habe, uns zu heiligen, I lehrpsalmen: Ein ri.ste burg i.st uns«.r gott etc.: 
,las ist, ihm angenehm zu machen, wie er sl,richt Wer gott nicht mit uns diese zeit etc., Mitten 

Exod. 31: Mein sabbat|, ist ein zeichen zwischeu 
nir und euch auf euere nachkommen, das ihr 
wisset, das ich der herr bin, dor euch heiliget. 
Auf die festtage singet man das magnifikat 
fur der predigt latine, schleust nach der predig 
mit einem deutscl,en gesang de temp,,re etc. 

Veaper anf dle werketage. 
Ist der anfang dnrch den cal,lan mit don 
antiphonis und einem psalm, wie dr,ben. 
Darauf soli ein knabe ans der bil,el latine 
in usitato tono eine ]cctionem ]esen alst, h.cti- 
Jesaiae etc. prophetae, capite etc., und se,Il daraut 
was solcher knabe latine gelesen, cin anderer 
dcutseh Iesen fur dem cher schh'cht sine tono. 
8,,lche leetiones diencn dazu, dass die liebc 
jugend ein wenig den text dcr bibcl fasse, denn 
es ja se gering nimmermehr abgehet, die liche 
kinder behalten etwas davon. Se ist es ihnen auch 
darzu uiitze, das sic lernîn und gew«,hn(.n in d«.r 
kirchen nach ihrem berufe fur dem volke zu rcden. 
und dasjenige, worzu sic erfordert werdeu, «,ne 

wir ira le(.n sind etc., Wo g,,tt, der herr, nicht 
bel uns helt, wenn unsre fiudc toben etc., E 
spricht der uuwisen mnnd wol etc., W,)I dem, 
,ler in gottsfurchte stehet etc., Mit fried und ri'end 
ich fahr dahin etc., Nun lob mein seel den 
herrn etc. Item die beq»salmen: Nun bitten wir 
den heiligen geist etc., Komm gott, sch6pfer, hoi- 
liger geist etc., K,,mm gott, heiliger geist, lierre 
gott cte., Gott, der vater, wohn uns bel etc., Ach 
gott veto himmel, sieh darein etc, Es w«,}t uns gott 
genedig soin etc., Aus tiefer n,,th schrei ich zu 
dir etc., Ebarm dich nein, ,, h«rre g,,tt etc, 
H«'rr ('hrist, (lu einig gottes s«»hn etc., Ehalt uns 
berr b«.i dein,.m w,,rt etc. 
llarn«'b«'n haben jede zeit- nn,1 festtage auch 
ihre schline deutsche 1,salmen, als ,ler advent: 
Nun komm dt.r h,.iden heiland etc.; die weih- 
nacht«u: Christum wir sollcn l«,hen schon 
Gel,,b«.t seist du, Jc.-u t'hrist otc., Von himmel 
hoch da komm ich ber etc., V¢,n himmel kam 
d,.r cng,.1 schaar etc., Ein kindelein se ltihe- 
lich etc.. Der tag der ist s« freudcnreich etc., In 

furcht auszurichten, dulci .jubile, etc.; die ganzen fa.-ten liber: Christe, 
Wenn die lectiones aus sind, singt man cure [ der du hist tag uud licht etc.; die ostern: l'hrist 
10" 



76 

Das I[erzogthum Preussen. 

ist erstanden etc. Christ ]ag in todesbanden etc, 
Jesus Christus unser heilaud der dcn tod iiber- 
wand etc, Aise bcilig ist der tag etc. 
Se hat man die letanei rein rein als ein gc- 
meines gebet ftir ail,riel noth und auch fiir aller- 
lei stende dabei das deutsche Te deum lauda- 
mus etc., in welchem wir g«,tt danken in warem 
erkenntniss uud bekenntltiss s*ines wesens und 
willens. 
l)ass aise nicht v<,n niiten ist allcrlei nêue 
lieder aufzuraffen und in die kirchen zu bring«'n, 
wir haben sic gotth,b gut, als sic kiinden ge- 
macht wêrde, uml mangelt nirgend an denn 
dass man (les teuren schatzcs mii(le und iiber- 
,Iriissi ist, lust und liche hat was neues v,r- 
zunehmcn bis mati cndlich schior gar v«,n don 
herrlichcn l»salmon l:uth«q'i k6mmet und «.lu jeder 
sein eigen gedicht furtreget, welches d,,ch Luth,re 
nicht kan (las wasst'r reichên in genere dictionis 
«,der lmnderibus rerum. 
ltarum s«,llen die pfarherren zusehen, den 
schuhneistern nicht gestatttm, ihresg«.falleus zu 
siugen s,mder daran sei dass ,lie gosenge 
dr,,ben gehalten un,l fleissig getrieben werden; 
da habcn wir zu bittcn, zu beten, zu leren, zu 
tr6sten, zu dankcn und zu l,,bon v«,llauf gar 
sch;ine, und, wie sic. Paulus h,dsst, liehliche lieder 
gnug, das wir keiner aJdcrn m«.hr in der kirchcn 
bedirt'en; bete und singe iii11-, v.-er singcn kann 
ni('ht in ,let- kirch,.n alleit b s,,ndert die hausveter 

milssige leben ein ende nimmt sein herrliches, 
schtines himmelreich und ewiges leben schenken in 
Christo Jesu, unserm lieben heilande. 

Von der beicht und absolution. 
Zu der vesper ver und nach wie es die 
notdurft jcder zeit erfordert, sollen die kaplen 
und pfarrhêrren beicht sitzen ein jede person 
derjeniget, se den andern tag cornmuniciren wollen, 
insonderheit verhtiren und nach eines jêden ge- 
lêgenheit vêrmlige ihres b-fohlenen amts zur er- 
bauung des armeu gewissens fitr g«tt mit ihneu 
handeln. 
Es ist ab«'r dies das amt, von gatt dên 
predigern befohlen und zu erbauung d«.r ge- 
wissen von Christo selbst ncben der predig also 
eingesetzt. Das aile di«.jêuigen, st) die predig 
dêr buss und vergebung dor siinden aufnehmen 
und nach derselbigen busse thuu vergebung dot 
siinden anders nicht, denn bel Christo in don ver- 
«rdenten mitteln, der predig und h¢«hwirdigen 
sakramenten nach der einsetzung ('hristi suchen 
die soli man 16sen, ihnen ihre si|nden vergeben 
und sic darv,)n abs«,lviren. Die aber der predig 
nicht achteu oder kommen zur kirche, thun aber 
koiue buss sondern bleiben einmal wie das 
attder in ihren si|nden verstockt, auch 
keine vergebung dot siinden begeren, oder die- 
selbigen attsser ('hrist¢, ,der in ('hristo ausser den 

gewelm,.u ud halten ihr hausesin,lc darzu. (lass vert ihm selhst ver,,rd,eten mitteln su,heu, und 
sic aurh bel ihrer arbeit zu folde und z hause t gedenken gleichwohl one wort und sacramenta 
s,,lche psalmen ge.,'n si,gen, auf dass g,,tt (lamit [ selig zu werden, dass man dieselbige binde. 
gcl«,l»et und wir mit amlern dadurch gêl»essert ihne ihre saM," I)ehalte Matth. 16, Joh. 20, 

werdell. 
Es i,t ni,bi c'in biis«.r g«'brauch, das man 
in diirfcl'lt uml kleinen fl,.cken, nach airer ge- 
wolmheit, zu n,»rgeu nnd abunds tglich loutet 
«,1» man gleich das«lbst kcine vesper n,,ch mettcn 
heit, uld geschidt s,,lches zu erilllerung dem 
,»lke, datait ein jeder g,,tt bitte um gem«.inen 
friede sammt allerlei l'ci,hem segen zeitliclmr 
und ewiger wolfahrt» auch dem liebelt gott 
empthngene w«,lthat dauke der nns den ge- 
wuscht«n schiineu fri«.d gibet dass darinnen 
menschel ttnd vi,qe, m,,rgens und abends, fl-iflich 
,nd sicher ndigeu wanken bel ihrer arbeit zu 
md ab«.g,.hcl wie die l»farl'hel'ren wieder allerM 
l,apistische misshreuche ihre l,farrkinder dav,m 
aus dem 65. psalm fi*in berichten s-lien uud sic 
zu d,qn gebet trculich w*rmanen; und w«*il auch 
d«.r arme regel mit seiner stimm s«-ila«.lt lieben 
schiilfer lobet s«,bald die Se,line ffiille aufgeht, 
warum st»llten wir ihm zu ehren nidtt auch gt.rn 
auf unser gebet einen schiinen psalm singen, der 

derhalben sic nicht absolvire, zu keinem sakra- 
ment k«,mmen lasse, weil diese|bigen nicht zu 
binden, soudêrn zu 16son von Christo sêll)st sind 
einges¢.tzt.. 
Soli derhalben die beichte dieser ursach 
fleissig g.halten werden, nicht das ein jeder sollte 
schuldig sein, seine siinde aida dem prediger zu 
ofl'enbaren und zu erziihlen, wie der bal,st und seine 
r,,tte die armen gewissen datait geengstiget und 
gemartert haben, sondern auf das erstlich der 
l»redigr recht fahre das gute vou dem blisen scheide 
Jcrem. 15» und wisse, wcm er das hochwirdige 
sakrament reichet, datait er sich nicht fremder 
siinde theilhaKig mache 1. Tim. 5, Ezech. 3, und 
die l,trle var die seu wcrfe Matth. 7, wenn er 
die absolviret und lesst zugehen diê vert gottes 
wort nichts halten, -verteidingen falschê, greuliche 
irrthiinwr als die papistcn sakramentschwermer 
wie,lcrteufer und andêre ihres gleichen rotten 
wissen auh w«,! nichts vert den zehn geboten 
ar'.ikeln des glaubens ihrcm gebet and sakra- 

uns uber die ri;gel weit und reichli('h will er- ment, riel weniger kt'mden sie darvon recht 
ner«'n, und wenn das elende, arm«tselige un- ] glauben oder gehen dahin ohne buss leben wie 



Kirchenordnuug und ceremonieu vou 1.568. 77 

das rohe, wilde, wiiste viehe etc. Solche soli man I seinem bischof rath erholen, doch unvermeldet 
bis auf ihre besserung und rechte ware buss [ der person, damit don armen leuton rechter unter- 
abweisen und ihnen das sakrament nicht reichen, richt widerfahre un01 ihnen geholfen werde. 

weil sie es doeh empfahen zu ihrem gericht und 
verderben darzu wlr in unserm anate niemands 
dienen noch helfen sollen, wic Paulus sagt 
2. Cor. 10: Der herr bat uns diese gewalt ge- 
geben, euch zu bessern und nicht zu vcrderbon. 
Zum andern soli die bcichte darum g«halton 
werden dass auch den.jenigen daran gclegen ist, 
die zu dem abcndmahl gehen wollen, datait sic 
auf des pfarrherrn uuterritht um[ vermahnuug 

IV. Da auch die seelsorg,.r zweifelten, ob 
,lie pers,,n die niithige stiick der christlichen 
lehre, o im catechismus begriffen ist, wisse oder 
nicht wisse, s,lleu .ie dieselbigen verhiiren da- 
mit niemand tmwissend, wer es sei oder was er 
w,m glaubcn und sacrament ha|te, zu schmach 
desselbigon lcichtferttg dazu gestattot wer,le denn 
dios hochwirdigc sakramont nicht in don haufon 
zu gel)en «),ler zu werfou ist, wie dis wort und 

sich selbst priifen, auf dass sie nicht unwirdig, gemeine predig, s,,n,lern s,»li allein denjenigen 
ihnen se]bst zum gericht, don ]eib Uhristi csscn, i gereicht werden, s« christen sind un,l rechten 

und sein blut triuken, !. ('or. 11. 
Zum dritteu «»b dcnn ein betrtibtes, bekiim- 
mort herz eines s«mderlichen an[iegens halben 
bel seinem pf'arrhvrrn odor seelsorger wolto rath 
suchen, dis es dasselbige allhie auch dosto be- 
quemer thun kann. 
Endlich ist es furnemlich mit der beicht 
darum zu lhun, datait oin ioder ftir seine por.on 
don fl-iihlichen trost in der absoluti,n h,,I«', daim 
weil der fro»mme gott nicht einerlci sondcrn 
mancherloi art nach seiner verordenung uud ein- 
setzung die gnade austheilet, als der v,n barm- 
herzigkeit reich ist, Èl,hes 2 7 s-lien wir ja der art 
keine verseumen s,,ndern zu un..,erm ti-iihlichon 
trost mit grosser demut un,l danksagung auf- 
nehmen und dieselbigen g«braueheu. 
8ollen sieh derhalben dit' pfarrhvrren t»dvr 
capli;n aise in der beicht halton, dass sie auf 
eine jede person gttt a«htung gebcn und si('h foin 
untersehiedlich aise danach schicken. 
I. Wo sie dieselbigeu beichtkindor etwa rhul,»s 
und sicher findon, das sie ihnen die siinde dur(.h 
dis gesetz wohl einrviben, g«ttes nntreglichon 
zorn ftirhalten und ihneu datait das herz riihron:, 
wo sich denn diesell)igvn dal'auf vernvmon lassen 
dis ihnen ihre stind,, leid und dargegen bosse- 
rung zusagen, soli mnn sie aufimmen und anders 
nicht. 
[I. Was arm% blii«le herzeu sind, ,lie gerue 
wollten recht thun, werden abor zuweilen con 
einem feil iibereilet, dis sie etwas versehen, ist 
doch ihnen darbe.i lui,l, sin,l ihrer siinden haibvn 
botriibt und bekiimmert, dio soll mati wioderum 
mit der fi'iihlichen predigt dos evagelii triisteu. 
11I. Bel denen, se sonderliche fi.hl, be- 
schwerung und anfechtnng haben, snll aller trouer 
fleiss angewandt werden, datait seiche personon 
recht unterrichtet und getriJstet werden und darf 
sich kein I»farrherr des schemen, ob er sch«»n 
nicht allwegen schleunig kann antworten s«ll 

glauben haben, ist al»er uumiiglich rechten glaubeu 
haben, wo man von don frnehmsten heuptstiicken 
christlicher lehre nichts weiss wie Paulus sagt, 
R;;m. lit. 
V. Sontlerlieh sollen sie der ursach die 
liebon kinder, se vorhin dis sakrament nieht 
eml»hug(.n hahon fleissig v,,n ihrem catechismo 
fragen, darinuon genugsam verhi;reu und unter- 
richtvn, datait sic dis sakram«nt lficht mit un- 
v«rstand, zum org,.rniss der kirchon und nachtheil 
ihrer solikeit eml,fahen. 
VI. la auch etliche p,.rsonen die von gottes 
w-rt wenig halten, und dennoch zut iistvrlichen 
zeit oder s,m»teit dis sakramont von (len kirchen- 
dit.npl'll tr«»tzig laid gIeich mit gewalt al cine 
pflicht tktr don dezem fbrdern, w, dlen aber ihres 
glauhen» keine rvchenchaft geben, sich zu ihrer 
i».sserung mit dem wenigsten nicht schicke, 
diosen soli man die gefahr ihrer seelen seelig- 
keit anzeigen, das sic mit solcher unchri«tlicher 
weise dies heilige sakrament zu ihrem verdamm- 
niss geniessen wiirden, darzu wir ihnen nicht 
dienon knden, wie dr,ben angezeiget, sollen 
dorhalbon bis auf ihre besserung un,I ernste buss 
mit gut abgewivson werden. 
VII. Sintemal aueh gespfiret wird, dis viel 
h,,hos und niedriges standos ans nachlessigkeit, 
otliche auch wohl darum sich v,»m sakrament ent- 
halten, datait sie nicht rafissen fi'iimmor werden 
und also bisweilon in zw«.i, dreien auch w, hl mohr 
jaron nicht zum hochwirdigen abendmahl des 
leibs mad bluts ('hristi kommen, soli derhalben 
oin jeder pfarrh,.rr in seinem kirch,piel auf seine 
i»efiddene sehaf, sie selon h,,hes odcr uiedriges 
stan,los, die sich s,»h'hes enthaiten gut achtung 
gebon un,l sic erstlich in geheim, hernachmals 
attch in gemein [(loch unffemeldet dot person) 
auf dem predigtstuhl eriunorn un(l vermanen, 
dass sie sich selbst nicht dermasseu ver- 
seumon noch von der gnaden g, ttes und gemein* 

derhalben, wo die sachen wichtig, weil es das I schaft des heiligen leibes und blutes Jesu Christi, 
arme gewisseu belanget, dieselbige in bedeuken ] wi« es Paulus nonnet, ahondern, mit verachtung 
nemen und wo sie ihm zu schwer sich bel des testaments und ernsten befchls Christi da er 



78 Das llerzogthum l'rcussen. 

spricht: Das thut, it,.m: Trinket aile daraus, mit 
angehefter bedrauung, da sich dieselbigen nicht 
1,ekeren, sondern sich selbst dermassen vert 
('hristo nnd datait VOll der heiligen christlichen 
kirchcn absondern und ausschcren wollcn, dass 
wir sic fiir ahgesi, nderte und ahgeschnittenc, ja 
vert ihnen selbst excommunizirte glie,lcr halten 
wollen, und d,.l'halben bel der tauf nicht lassen 
zu gvvatWrn stehen, n,ch St, llSt zu verrichtung 
christlieher W«*l'k kommell lassen, wie man 
auch mit allen denjenigen thun soli, die zum 
wenigsten in zweien jaren nicht Ztllll sakrament 
gewesen. 
VIII. Etlich,. WelllOll diese ursache V,,l', der- 
halben sic ve,Il dem hochwirdigen sakrament 
hleib«.n, dass sic mit frounden, nachbarn lllld 
andel-Cl il'rungon haben: seiche soll«.n die predigcr 
bericht«.n, dass sic se,h-ho, irl'lmgen schiildig sind 
aufs schh'unigst illtd fiirderlichst abzuhelfvn 
dllrch gebtlrliche christliche mittel; dann k«inden 
sic sonst in stchender irrlmg nicht zum sakram«.nt 
k.tnmen, se kiinnen sic auch kein vaterunser 
beten, n,,ch der vergebung der siindell sich 
h'Ssten ; wo man abor keiner vergcbung der 
tilldcn sich zu triisten hat, da ist weder leben 
n,,C]l seligkeit. Was kann nu greulichcrs ge- 
sagt werden auf diesel" erd«'n, dann um zeitlicher 
il'rung I.iilll haders wilh.l lei»ell und seligkeit v,.r- 
liol-en und in die schanz schlagen, laruln llat 
der li«.be, t'r«lnme gott zw«.iel'lei mittel Vel',l-delet 
allerlei irl'ulgen christlich und mit gutem gewisseu 
alzullelfell. Das erste ist, die briiderliche ver- 
simlng dnrch dich selhst oder amh.re l«qlt 
Matth. 18; das ander abel', wo dcin nechster 
dardurch nicht g«'settig«.t tic,Ch gewunnen wiirde, 
ist dic «,l'deliche ol,rigkeit, das du deine sache 
derselbigen aut¥ichtig one betrug fiir/l'egest und 
in ihr one oigene rachgierigk«.it dem licbon g«tt 
anheim giebest, wie er fi,rdert nnd spricht Deut..32, 
Riim. 12: l tic rach ist meill, ieh will vergelten, 
spricht der herr; darauf deines urth«.ils, was dir 
gott g;innet oder nicht giinn.t, gewertig bist, weil 
ailes urtheil VOll illnl durch die «brigkeit ki;mlnet 
l»r«,vel'b. 29: Einos jeglichen gcricht kSmlnet 
,leln herrn. Wer als. haudt.lt und sich in fiir- 
falleld«, il'l'llng schickot, «,l,gleich bhlt tl.lld fleisch 
s« gai" i'.in ui,'ht ist m,ch bl,.ib«./, scin«.r unfletigen 
art nach. 'r denllt.t abel" und ti,ltet dasselhige, 
widersw]le/ ihnl und I,st es seinen willen nicht 
Ilab'l L n,eh aUSl'ieh/tql, d«.r mag mit fl'iihlicll«.n, 
guWm gevissen das sakl'arnent lnit dcr Vel'g,'}ttlllg 
der t41ind«q suchen und cml»fahen: wcr es ab«.r 
dariiber nicllt h,det, der bekennt mit cicr that zu 
seinem schwer«n g,'ricllte, dass er ott die rache 
Ilicht lasscn k«l«lte II«cll w,lle, o,l,.r dass er 
solche gerichtshendel mit der obrigkeit fiir siind- 
lich halte und verdamme: was greuliclle siinden 

das seien, werden dic se«,lsorgcr denselbigen 
lcnten berichten und sic darvon aus gottes wort 
weisen. 
IX. Zum beschluss werden die pfarrherren 
und Cal»lall in aller beicht, wie auch in allen 
predigen einen jedern, insonderheit und alle in- 
gemein, mit getreuem hiichsten fleiss fur den 
schendlichel, vcrdammlichen  erschrecklichen 
offentlichen lastern, als gotteslesterung in fluchen 
schweren, zauberlh liegen oder triegen ehebrnch 
mit allerlci unzucht» hurerei fressen und saufen, 
wucher geiz zorl, aufruhr, ungehorsam samnt 
anderen, von welchen die schrift klerlich saget 
dass die datait behaftt, nicht ktindcn das reich 
gottes ererben, daftir warnen und welche datait 
bcfleckt und .erunreiniget gewesen darvon ab- 
zus/chen vermanen mit ernster bedrauung, wo 
die besserung nicht wtirde folgen, dass man ihnen 
fol'tan die absolution nnd Sakl'amenta mUs»te ver- 
sagen und sic fiil- keine christen halten. Ut 
8111"a. 
X. Ob an einigcm ort bisher geschehen 
wer% dass das v,lk ungebeichtet das sakrament 
cml)fangen  od«'r aber dcr pfarrherr aus nach- 
lcssigk«.it Illld unachtsamer faulheit diejenigen se 
den anderu tag zu communiciren bedacht, hot 
in einen haufen tretel lasscll und ihnen eine ge- 
incine abs,hlti«,l gespr0»chen das soll hicmit ab- 
gethan sein und fOl'tan keineswegs gestattet noch 
zugelassen werdcn, danach sich cin jcdcl" zu 
l'ichten. 
V,»It riel" einfcltigen wcisc zu beichten und 
von der f.rm der absoluti.u lasscn wir ,.s bei 
der lchrc Lutlleri in seillcm kleinen und heiligen 
catechismo bleihen. 
Von dcr nletten und fl'iiepredigt den 
sontag und fciel'tag. 
Dicse zeit und predigen sind fiir das ein- 
feltige arme hausgesinde verordenet welche zu 
dcr hocllmc.sc (wie man es heisst) nicht kommen 
kiiltlldCn, s«n(le»n Iniissen in kiichen und keller 
zus,*h«qh datait zu der r«'chten zeit ein jedes nach 
bef,'hl des hausvaters iind der hausmutter fertig 
nnd bereit ist. Auf dass dcnn dieselbigen gleich- 
wol auch ihl',.in lieben g,tt den sonntag uu,l 
feiertag h«.ilig«.n sein heiliges wort hSren, fiir 
gem«.ilw net d«,r cllristelh«.it ihr gebet treulich 
aUsl'icht«.n und nicht wie tiirken und heiden 
bel uns umg«.h(.l, daruln ist es chl-istlich uud 
foin v,.rol-denet das solchc friiepredig dicse zeit 
fur das llausgesind gcllalten wel'de dazu ein 
ioder fl'omlner hausvater die seincn fleissig und 
gern soli anhalten und befirdern und ja gedenken, 
dass der herr ('hristus fui" dieselbigen sein blut 
ja s, wohl vergossen und sic se teuer erkauft 



Kir«henordug ud ceremonien vert 15(;8. 70 

hat, auch se wenig an ihnen will verloron haben, 
als an den hJchsten personen auf erden, weil 
fiir ihrn kein ansehen der person in diesem falle 
gar nicht gilt, Ephes. 6. 
Auf dass es dann datait rein richtig und recht 
zugehe, soli es fortau aise gehalten werden. 
Am sonntag und fi?iertag friih soll man ira 
kneiphof uln fiinf schlegen liiuten, datait das 
hausgesinde und wer der ort in den dom zu der 
predig k,)mmen will, sich in die kirche finde. 
Nach fiinfen soli der gesang'rneister singen gewilln- 
licher weise: Komm gott, schiSpfer, heiliger 
geist etc., darauf nach gelegenheit der zeit und 
predig einen psalmen oder zwein, das solclles nicht 
zu lang wêre, sondern der eaplan halbweg sechse 
auf der kanzel sel. ]9er soli ordelichen die ftinf 
stiick des catechismi fein langsam und verstend- 
lich recitiren zum aufang einer jederu predig, darauf 
von rien zehen geboten anfahen und je eineu 
sonntag ein geb,,t ausl«.gen dasselbigo fiqn zum 
beschluss mit exempeln der schrift verklel'en, nach- 
mal% wann die zehn gebot gehandelt sind, aueh 
einen jedern artikel des glaubens ftirnemen und 
folgends ein jede bitt des vaterunsers; item die 
ntitigen lere v,,n der taule and sakrament des 
ahars, doch ailes der art und gestalt, dass die 
auslegung Lutheri ira kleinen catechismo be- 
halten werde auf das all«reinfeltigst. Itann wie 
ingemein in allen predigen, also ist Oll Mien 
zweifel allhie onderlichen der allerbeste llrediger, 
der es am allersimpeIsten machen kann, dauu der 
bluet unserm herrn gott seine kirche ist den 
leuten nutz und dienstlich zu ihrer seligkeit 
fordert damit gottes ehr uud ist ein heiliges 
gefess, dem herrn angenem, wie es Paulus heisst. 
Wenn die ftinf st[ick des catechismi ans sind, 
soli in der haustafel folgen eine lection nach der 

meum annunciabit laudem tuam. Darauf 
caplan wiedermn: Dons in adiutorium nleum in- 
tende etc. Auf welches die knaben int,,niren mit 
der antiphona de temp»re, und singer man das 
svmI,olum Athaasii: it)uicnnque vult salvus esse, 
datait die liebe jugond dassell3ige aucll eiubilden 
und lernen, sonderlichen in diesel- zeit, da d«r teufel 
unmtissig ist in den neuen Arianis und andern 
ihres gleichen sclJwermer. Nach dem symbole 
lieset ein knabe eine lekti,,n horniden fur dcm 
altar gegen dem v,ik, wie alle lekti,,nes sollen 
gelesen werden und folget darauf das Benedictus 
domiuus deu.q Israel cure Antiph«,na, oder das 
deutsch Te deum laudamus Lntheri: 0 gott, dich 
1,,ben wir, o gott, wir danken dir etc. 
Unterdess leutet man wiêderum mit d.r 
grossen gl«,cke und singer die ganze kirclte nach 
dem Benedictus oder Te deum laudamus: Wir 
glaul3en etc., nach wolchem der caplan das 
racine gebet ablieset und wird auf das gel3et ge- 
sungen: Sun bitten wir den heiligen geist etc., 
datait gehet der pfarrh«rr auf die kanzel uud 
I,r«'digt das evangeliun de teml,ore. 
Denn also soli die ordenung bleiben, dass der 
pfarrherr im rhum seine predig fur dem amt 
halte, auf dass, wer da hlst bat, auch lUS andern 
pfarren ihn zu hiren, niemands daran gebindert 
werde und glêichw, hl nach solcher 1,redig auch 
seinen pfarrherrn heiren miige, wie eilt jeder zu 
thun schuhlig ist, nnd ja keiner seinen soel- 
hirten verachten soli. dem er v,,n gott befol,len 
uu,l der ara jtingsten tag ftir ihn wird miissen 
scllw.re rechenschaft geben, wie die epistel zu 
den Ebreern se recht treulich warnt, cap. 13. 
hl der altenstadt und Lebenicht wird um 6 uhr 
zu der metten goleutet und diesclbige aller massen 
gehalten, wie droben angezeiget, mit predigen des 

audern; wenu die anch hertimmer, sali der cale- I catechismi und mit ublichen gosang v,r und 
chismus vornen wiederum angefangen werden und nach der predig bis aufs Bênodictus oder Te 

derselbig immer in ubung bleiben. Ach, cate- 
chismus ist fiirwar die allerbeste predig und 
teureste schatz auf erden; wann «ler nicht wird 
mehr geachtet und getriebon werden, tune finis. 
Doch soli man die feiertage fur den cate- 
chismum etwas von der bist,rien und de.m ri.st 
nomen, damit das arme gesinde dieselbigen auch 
lerne. Und s,,ll s,,lche friiepredig mit dem gebet 
und allem uber dreiviertel stunde nicht weren, 
darauf der gesangmeister singen soll: Erhalt uns 
herr bel deinem wort etc., oder etwas vom lest 
und gehet datait das hausgesinde ans der kirche. 
Sobald diese predig geschlossen soli man 
mit dem kleinen gliicklein auf dem ch,r leuten 
und sich der cantor mit den schulgesellen und 
knaben in die kirche finden. ]ga soli abermals 
der caplan den anfang machen, also: ]9online 
labia mea aperies, antwortet der cher: Et os 

deum laudamus; ,lann darauf folget das amt ulld 
mess fiir der andern predigt, darzu man dalln unter 
dem Te deum laudamus wiedorum leutet, wie jetzund 
auch gebreuchlich ist. 
Solchem exempel sollen die pfarrherren in 
andcru stedten, se riel au jedem ort sich schicken 
will und gêlegen sein, auch nachfolgen und ja 
filr allen dingen den heiligen catechismus in der 
frtieprodig fleissig treiben fur das arme, gemeine 
rolk, dann was es daraus nicht lernet, wird es 
ans den an&.rn gemeinen predigeu also orde- 
lichen zu seiner erbauung nimmermehr fassen noch 
lernen. 

Von der friiepredig die werketage. 

Die predigen sollen in der ordnung bleiben, 
wie sic bis daher gehalten sind und sollen die 
kindêr und lieben schïllerchen die rage, wenn die 



8O 

Das ]Ierzogthum Preussen. 

kaplan predigen, ihre arbeit damit anfangen, 
dass sie um sechs bald in der kirchen sind» [la 
dcr kaplen einer anfehet: D,»mine labia mea 
aperies, aller massen wie droben von der metten 
nach d«.r catechismipredig die sonntag ver- 
meldet ist, nnd s,dl man mit der antiphona einen 
psalmen latine singen; wenn der aus ist 7 s«»ll der 
cantor einon dentschen psahn anfahen, denselbigen 
die gemeinde lassen aussingen und datait sammt 
den kindern in die schul gehen, dann ma die 
kinder zu gar lang nicht muss von der schule 
aufhalten, damit sie an ihren nothwendigen 
lccti«,nibus nicht vcrseumet werden. 
Die caplen sollcn nichts zu predigen fur- 
nehmen «,hne wissen und willen ihres pfarrherrn 
und sonderlichen sich befleissigen» dass sie die 
epistolas Pauli treulich traktiren, ailes aber auf 
d«ts einfeltigste fiirtragén, iu wenig stticken, da- 
mit das gemcine v;lklein solcher predigen miige 
gebessert sein, wann man zu gar iel stiicke in 
einer prcdig fiirnimmet und wic etliche thun, ein 
jcdes stiiek denn wiederum in andere, viel sttick 
theilet, ists nicht miiglich, dass es einfeltige leute 
fassen k;nnen. Es soll«.n aber aile unsere pre- 
digten dahin gerichtvt sein, sagt Luther, auf dass 
ein einfeltiges herz, wenn es aus der predigt 
kommt7 sagen k)nne das und das bat man ge- 
prcdigt. 
Nach der predigt singer man: Erhalt uns, 
herr bel deinem w«,rt etc., oder etwas von dem 
lest, als weihnachten bis auf Purifikati«nis : G«lobet 
seist du Jesu ('hrist etc., ostern bis auf pfingst[.n : 
Jesus ('hristus, unser heiland, der den t,,d iiber- 
wand etc. und andere dergleichen. 
Wann der pfarrherrcn ein jeder an seinem 
ort gewiihnlicher weise in der woche predigt, 
soli der gesangneister mit der gemeinde singen 
erstlich: Komm gott, schi;pfer, heiliger geist etc, 
darauf einen psalm oder zwen, kurz vor der 
predigt das: Wir glauben etc.; darauf gvht der 
eaplan auf die kanzel liest die gemeinen gebvt% 
auf das gemeine gebet ,nget nmn: Nun bitten 
wir den heiligen geist etc. oder vom 'est und 
folget also die predig. 

Gemeine gebettage. 
Und wiew«»hl allezeit predigen und beten 
sollen und mtissen beisammen sein und derhalben 
vor und nach allen predigen das volk zum gebet 
fiir allerlei hot in allen stenden treulich ver- 
manet tmd angehalten werden so ist es den- 
n,»ch je christlich und fein t das man auch etliche 
sonderliche zeit in der wochen habe» da man die 
litanei singe und darzu ein jeder hausvater» wo er 
ja selbst nicht ktinnte dabei sein, eines oder zwei 
seiner kinder und hausgesindes zu kirchen schicke, 

den lieben gott um gnade, hiilf und trost an- 
zurufen mit dem ganzen ltaufen, sonderlichcn in 
,lieser geschwinden. SC]lweren, betrtibten zeib da 
nns gottes zorn vou Mien orten drauet als wollte 
«.r sein wort ganz und gar von uns nemen, ailes 
nit falscher lere und rotten lassen beschwemmen, 
die weltliche herrschaften durch fremde vilker 
vertrucken, mit krieg, hunger und krankheit ailes 
verhereu und verderben, wie one zweifel auch 
geschehen wird, wo wir uns nicht in der zeit 
von unsern siinden zu ihm b«keren und mit 
dem lieben gebet in rechtem vertrauen Christi 
unseres herrn ihm in die arme und ruten fallen. 
Wollen derhalben zu solcher christlicher zucht 
und ubnng des gebets es hinfiirder also mit den 
bettagen halten, das montag in der altenstadt, mitt- 
woch im dom, freitag im lebenicht nach der pre- 
dig man die letanei singen soll und darinnen 
erstlich den einigen waren gott der sich uns 
also offÇnbarot hat, das er sel gott der vater 
son und heiligér geist, bitten, das er wolle 
gnedig sein, fur allem nnfall, wie er da sttick- 
weise erzelet wird, behiiten um aller verdienst 
unsers herrn Christi .Iesu willen, wolle darnach 
scinen segen geben bei dem pre'Jigamt und zu- 
htirern im geistlichen regiment bewaren und er- 
halten zu fl-iedlichcr, gliickseligen w.lfahrt unsere 
und aile obrigkeit, wolle ira hausregiment ge- 
deien geben, den schwangern und seugern, jungen 
und alten, botriibten und bekiimm'rten bescheren 
n«,tturft und narung, mit gnedig('r rettung aus 
aller ni,t, alles um Christi willen, indem unser 
gebet amen und erh6ret ist, wie das ailes in der 
letanei gar schin und ordelichen also gefasset und 
dem lieben gott wird fiirgetragen. 
Diesem exempel sollen die andern stedte 
auch folgen und in der wochen ihre bettage halten, 
nachdem es an eincm jedern ort gelegen ist tnd 
die predig gehalten wird. In diSrfern aber, weil 
die werketage wenig volk zusammenk/imct, s,ll alle 
sonntag die letanei gesungen werden und das volk 
zu der andacht uud betrachtung ftirstehender ge- 
meiner not mit grossem ernst und fleiss ver- 
manet werden. 

Von der mess und heiligem 
abendmal. 

Zum anfange singet man den introitum latine, 
um ubmlg willvn der lieben jugend. Es soli aber 
der introitus rein sein und der heiligen schrift 
gemess, wie er jeder zeit und auf ein jedes fest 
gew;;hnlich verordenet ist, als von weihnachten bis 
auf l'urificationis : Puer natus est nobis, von ostern 
bis auf die himmelfahrt Christi: Resurrexit, von 
der himmelfahrt bis auf pfingsten: Viri Galilii 
l,fingsten : 8pirims domini replevit orbem terrarum. 



Kirchenordnung und ceremonien vert 1568. 

Von dem tag der heiligen dreifaltigkeit mag man 
singen bis auf den advent: Benedicta sit semper 
trinitas. Die andcren soantag veto advent bis auf 
weihnachten, item von Purificationis bis auf ostern 
mag man die gewtihnlichen introit nemen, oder 
auch mit der gemeine einen deutschen psalmen 
dafiir singen. 
Auf den introitum folget das kyrie eleis-n 
nur drei mal» laut der vorigen ordnung. 
Darauf singer der priester mit g«'biirlicher 
reverenz: Gloria in excelsis deo, der cher cinen 
sonntag um den andertt: Et in terra pax» oder: 
Allein gott in der hiihe sei ehrc, dcnn man 
muss die deutschea psalmen auch in ubung be- 
halten uad dem gemeinen hautbn auch raum 
geben, dus sic ihre andaclat mit s«lchen geist- 
lichen lie&.rn uben. 
Nachdem solcher gesang aus ist, singet der 
priester zu dem volk gekeret: lier herr sei 
mit euch, und antwort der cher: Uud mit 
deinem geist. 
Die collokte oder gemein gebet s-ll gegeu 
dent altar, klar, deutscl b mit gewtihnlichem accent 
und ordennng der zeit, wie bisher in ubung, ge- 
lesen werden. 
Darauf soli die epistol, wie sie auf einen 
jeden sonntag oder festtag von alters ver«rdeuet 
zu Kiinigsberg von einem andern caplan vc,n der 
kanzel, in andern orten aber, da es die menge 
des v«lkes nicht erfordert und die kirch(.n klein 
sind, ver dem altar gegen dem v,lk fein laut, ver- 
stendlich und deutsch abgelesen werden. 
Nach der epistel singer man die festtage die 
sequenzen, wo die rein sind, als weihnaclten: 
Grates nunc rennes, und wenn das einmal ge- 
sungen, darauf mit der gemeine die zwci ersten 
verse im : Gelobet seist du, Jesu Christ etc, wenn 
es zum andern mal gesungen, abermals zwe versen 
im selbigen psalmen. Wenn nu darauf gesuugen 
ist: Huic -portet, ut canamus cum angelis sollea 
darauf folgon die drei letzten vers und soli dus 
von weibnachten gehalten werden 1,is auf Purifi- 
cationis. O.tern singer man den sequenz: Victi- 
mue paschali laudes, und daruntcr: Christ lag in 
todesbanden, vers um vers. In pfingsten siuet 
man: Veni sancte spiritus et emitte coelitus, etc. 
und auf zweu lateinische vers alh.zeit cineu 
deutschen aus dem schiinen gesang: Nu bitteu 
wir den heilgen ge.ist etc. Triuitatis singer man 
den sequenz: Benedicta semper sit trinitas, und 

Darauf soll das evangelium, wie von der 
epistel gesaget, abgelesen werden. 
Nach dem evangelio singet man sonderlich 
ira thumb dus symbolum nicaenum latine, in andern 
kirchen, datait es nicht zu lang werd% mag man 
es einen sonntag um den andern abwechscln mit 
dem: Wir glauben etc., dann es ist ja niitz, 
dus die liche jugent seiche herrliche heuptstticke 
christlicher lere und schSne bekenntniss der 
alten kirchen von ihren jungen jaren an fasseu 
und einbilden; was die zarten herzen also ein- 
mal begreifen, behalten sie gar fest ihr lebe 
lang. 
Darauf folget in der altstadt und lebenicht 
die prcdig und auslegung des evangelii. 
Wenn dieselbige aus ist, singet die ganze 
kirche wie nach aller l,redigt allezeit: Erhalt nus 
herr bei deinem wort etc., damit der fr,,mme, 
treue gott demtitig gebeten werde, dass er seiu 
w,rt ja nicht lasse von uns genommen werde, 
sondern dasselbige wider alh, n widorstand aller 
rotten und tyranaen, die unter den namen des 
pal,stes und tiirken, als dot erzfeind und h.upter 
aller widerwertigen, allzumal verstanden worden. 
gnediglicheu bei uns beware, bis wir durch kraft 
des heiligen geistes darincen erhalten und ecd- 
lich in das ewige leben von ihm geleitet werden. 
Anstatt der prlifati«m, w«lche ahgethan und 
au»bleibec soli, folget bald oin offeatliche er- 
mauung uud paraphrasis des vateruus,rs, cli 
der priester conceptis oder l,ra(.scriptis verbis 
thuu s,il, gegn dem volk g.kehrt, fin laut und 
vernemlich. S,,Iche ausleguug des vaterunsel's 
und dic vermanung zu hiiren, solln sich die 
communicanten fitr den altar finden und allda 
fein ziichtig achtuug darauf geben, was ihn«'n 
wird fiirgêlesen, dasselbige zu gemiit und herzen 
fïtren und nicht allererst naeh solcher vermanung 
eiuer hic, der ander d,,rt au einem winkel 
laufen one zucht und ordenung, wie dus unver- 
niiu ftige vieh. 
Folget die l, araphrasis des vater- 
unsers mit dor exh«rtatiotl: 
Lichen freunde ('hristi. weil wir hier ver- 
sammelt sind in dent nanwn clos Iwrrn, sein 
heiliffes testameat zu cmpfahou, sc vermane ich 
euch :mfs .rsto, dus ihr euer herzen zu gott 
erhebet, mit mir zu beten dus vaterunser wie 
uns ('hristus unscr hcrr selbst gcleret und 
wisse erh?irung zugesagt bat. 

mag man denselhigen den f«)lgenden s«nntag, eiuen Dus gott, unser rater ira himmel, uns, seine 
um den anderu, nit einem deutschen psalm al»- I elonde kindel" auf erden, barmherziglich ansehen 
wechseln dass man einen sonntag gemelten I wiill und verleihen, das sein heiliger naine 
sequenz, den andern einen deutschen psalm singet, I unter uns und in aller welt geh«.iliget werde durch 
datait die deutschen geseng in der kirchon bleiben I reine, rechtschaffcne lere s«,ines worts uud 
und von der gemeine fleissig getibet werden, durch briinstige liebe unsers lehons. W,,lt 
Sehling, Kirchenordnungen. IV. 11 



82 

Das Herzogthum Preussen. 

gnediglich abwcnden alle falsche lere und bsses 
lcben darinnen sein heiliger naine gelestert und 
gescheudet wird. 
I)ass auch sein reich zukomme und gemehret 
werde, al]e siindel- verb]cndte nud vom teufel 
tu sein reich gethngen zut erkeimtuiss des 
rechten glaubens au Jesum ('llristum seiuen sohu 
bringen und die zal der ehristen gross machen. 
l}ass wir aueh mit seinem geist gesterket 
werden, seineu willeu zn thun und zn leiden, 
beide, ira leb«.n und sterlmn, ira guten nnd bSsen, 
alh.zeit unseru willen brechen und tidten. 
W.h nns auch unser teg]ich brod geben, 
fur g, iz und sorge (les bauehs behiiten, sondern 
uns ailes gut's genug zu ihm versehen lassen. 
Wolt uns auch uuserc schuld vergeben wie 
wir (letm unsern schuldigern verge|mn, dass unser 
h«,rz oin fret friilich gewissen flir ihm habe 
ulld fiir keiner siiude uns nimmermehr ftirchten 
oder erschrecken. 
W.lt uns nicht einfiihren in anfechtung 
sonderu helf uns durch seinen geist das fleiseh 
zwingeu, die welt mit ihrem wesen veraehten und 
d(,ll teut,] mit allen seineu tlicken iiberwinden. 
Und znletzt uns wolt erlssen v.n allem 
tibel, beide, lciblich uad geistlich, zeitlich und 
ewiglich. Wclehe das ailes mit ernst begehren 
sprecllen von herzcn amen ohne alh, n zweifel 
glaubeude, es set ja und erhiirt ira himmcl wie 
uns Chrlstus zusagct: Was ihr bittet gleubct 
dass ihrs haben wcrdet so soli es geschel,en. 
Amen. 
Zum anderl b lichen freuude Christi dieweil 
euch hnngert und diirstet naeh der bannherzig- 
keit g,ttes md lwrzlich begeret vergebung euer 
siind«'n, s,, hat unser heiland {'hristus scinen leib 
und blut fïir euch ara kreuz gegeben, dass ench 
errer stiude sollen abgewasehen sein, so riel euer 
sind, die solches gleuben. Darmn vermane ieh 
cuch im herrn, das ihr mit rechtem glauben des 
reichen nnd heiligen testaments Cristi war- 
nemet, und allermeist die worte, darinnen uus 
{'hristns unser herr seinen leib und sein teures 
blut znr vergebung der sitnde seheuket, durch 
reiuen glauben iln h«.rzen recht fasset, dass ihr 
seines h'idens und sterbens gedenket, nnd dauket 
ihm v,,n hcrzen um der grundl,»sen liebe willen, 
die er uns bewiesen hat, da er mis durch sein 
eigen blut von gottes zorn, stinde, tod und hell 
«.rliiset hat, und daranf eusserlich das brod und 
wein, das ist seinen leib und blnt, znr siehernng 
nnd pfand zu euch nehmet. Denu eben wie es 
ein jeder fiir sieh selbst empfehet also hat er 
auch des evangelions und emes guedigen ver- 
eintm g«»ttes sich zu triisten und anznnehmen. 
Demnach wollen wir in seinem namen nnd 

aus seinem befehl durch seine eigenen wort das 
testament also handelen und gebrauchen. 
Hierauf ielt ailes volk auf die knie und 
keret sich der priester zum altar fehet an das 
amt der benediction oder consekration und one 
mittel hebt er flugs an, die worte des abendmals 
zu singen in nachfolgender Nota praefationis wie 
dieselbigen auch zuvorn bei uns auf die weise sind 
gesungen worden : 
Unsel- herr Jesus Christus, in der nacht, da er 
veri'athen ward, nain er das brot, dankt und 
brachs und gabs seinen jtingern und sprach: 
Netnet hin, esset, das ist mein leib, der far 
euch wird gegeben, solchs thut zu meinem 
gedechtnis. Desselben gleichen nahm er auch 
don kclch nach dem abendmal, dankt und 
gab ihn den und sprach: Nemet hin und 
trinket aile daraus. Dieser kelch ist das neue 
testament ill meinem blut, das fiir euch ver- 
gossen wird zur vergebung der stinden. Solches 
thut st, oft ihrs trinkt, zu meinem ge- 
dechtnis. 
Hieranf singer der chor das sanctus oder 
audere gewShnliche psalmen, als: .Iesaia, dem 
propheten, das geschah etc., Jesus Cristus, unser 
heiland etc., (:,,tt set gel,,bet etc.; und da der 
communikanten riel: Vater unser ira himmcl- 
reich etc. und dergleichen. Unterdess gehen die 
mannspersonen zuerst, nachmals die frauenpersonen 
rein ordelichen und ziichtig zu dm altar, nemen 
erstlich das gesegnete brot nachnals den ge- 
segneten kelch und datait den waen xvesent- 
lichen leib und blut Christi mit. aller reverenz 
und ehrerbietung, damit offentlichen fur aller welt 
bezeugend% das ste allhie diese speise und trank 
als den waren leib und blut des herrn gar hoch 
und weit von aller andei'er speise auf erden unter- 
scheiden, und datait ein jede person des zu 
irem tr.st und lere erinnert werde sl)richt der 
priester zu einem jeder insonderheit. 
Bei dem gesegneten brod: 
Nim hin und isse, das ist der leib Christi 
Jesu, der fur dich gegeben der sterke dich 
zum ewigen leben. 
Bei deln gesegneten kelch: 
Ninm hin und trink% das ist das blut ('hristi 
Jesu» fur dich armeu siiader verg)sseu das 
sterk dich zum ewigen leben. 
Wenn sic nu aile bericlitet sind wendet 
sich der priester zum v,lk und singet: 
Der herr set mit euch. 
Datait kehret er sicli xvieder zu dem altar, singer 
die c.llekten in gewShnlichem accent: 
Wir danken dir, allmechtiger herr gott, dass 
du uns durch diese heilsame gabe hast erquicket 
und bitten deine barmherzigkeit, dass du uns 
solchs gedeien lassest zu starkem glauben gegen dir 



Kirchenordnung und ceremonien von 1568. 

nnd zu ln-iinstiger liebe unter uns allen, um Jesu 
Christi unsers herrn willen. 
Antwort : Amen. 
Oder die folgende collekten: 
0 wahrhaftiger gott, barmher.zigor rater, wir 
bitten dich herzlich, lass uns dlirftigen des heiligen 
leidens unsers herrn nutz nnd frucht, das ist 
gnad und verebung unser stinden, mit gleubigem 
herzen rechtschaffen ergreifen, gleich wie wir 
durch deines heiligen sones wort seinen heiligen 
leib und sein blut, welche er fiir uns gegeb«n 
und vergossen hat, unter dem brod und wein 
wahrlich haben empfangen, durch denselben unsern 
herrn Jesum Christum, deinen sohn, der mit dir 
in einigkeit des heiligen geistes lebet und herrschet 
v«n ewigkeit zu ewigkeit. 
Antwort : Amen. 
Der herr sei mit euch. 
Antwortet der cher: Und mit deinem geiste! 
Darauf folget der beschluss mit dem segen 
und benediktion : 
Es woll uns gott seinen segen geben, unser 
gott segne uns. 
Oder diese : 
Der herr erheb sein angesicht uber uns und 
geb uns seinen frieden. Und es sollen ihn 
fSrchten aile ende der welt. Amen. 
Des werketags : 
Der herr erleuchte sein angesicht liber uns und 
sei uns gnedig. 
Oder schlecht dot segen hum. 6: 
Der herr segne dich und behlite dich. Der 
herr erleuchte sein angesicht uber dich und sei 
dit gnedig. Der herr hebe sein angesicht auf 
dich und gebe dir friede. Amen. 

Wo es kleine sehulen, auch wohl gar keine 
sehulen hat, sollen der pfarrherr und schulmeister 
gleichwohl das jmge volk zu sich ziehen und die 
kinder auf den deh'fern alle zu cher gehen. Die- 
selben soll der pfarrherr wie die andern kirch- 
spielkinder alle vermanen, die schtinen psalmen 
mitzusingen und sl fur den introitum ein deut- 
seher psaIm gesngen werden, darauf das kyrie 
drei mal; wann dann der priester gesungen: ehre 
sel gott in den allerh(ichsten, folget: Allein g,tt 
in der htih sei ehr nnd dank for seine genaden. 
Die epistel wird veto pfarrherrn wie auch 
das evangelium fur dem altar zum volk abgelesen, 
darzwischen singer man die letanei oder in fest- 
tagen der deutschen geistliehen geseng eines 
veto lest» wie sie droben verzeiehnet sind; auf 
das evangelium singer man: Wir glauben all an 
einen gott etc. und nach denselbigen: Nu bitten 
wir den heiligen geist etc. Darauf thut der 

pfarrherr die predig, wie. hish,.r gehreuchlich go- 
wesen, das er nach der predig des evangelii 
alle stiicke des catechismi dem v,,lke fiirzelet 
mit feinen, unter.chiedlichen, klaren worten, in 
welchen er nichts verkeren noch enderen soll, son- 
dern schlecht einfeltig eben bei den worten bIeiben, 
wie sic Lutherus ira kleinen catechismo gesetzt 
und fiirgeschrieben bat. 
Wenn der catechismus also dem viilkleiu 
beineben der auslegung des evangelii flir- 
gehalten ist, soll das gemeine gebet geschehen 
fur den geist]ichen und weltlichen stand und fur 
das hausregiment, und ja mit namen fir unsern 
]iebsten landesfiirsten und fur die ver«rdente re- 
gierung der liebe gott gar treulieh angerufen 
werden. 
Damit aber die einfeltiffen pfarrherren eine 
gemeine form haben wie das v«,lk zum gebet 
zu vermanen, sollen sie es ongefehr auf diese 
weise thun. 

Ene gemeine ferre, wie zum be.ehlus der l»redig da« volk 
zum gemeinen gebet soli vermanet werden etc. 
Ieine liebe freuud, weil wir ina uamen 
unseres lieben herrn .lesu Christi versamlet siud, 
sein heiliges wort zu hiiren und zu bitten t'tr 
die ganze net der christenheit, wie uns denn ge- 
boten ist, aise zu thun, und verheissen das unser 
gebet soll erhiiret sein wie unser herr f'hristus 
selbst spricht Matth. 18: Wo zwen unter euch 
eins werden auf erden, warum es ist. das sie 
bitten werden, das s«ll ihnen widerfabren von 
meinem vater im himmel; denn wo zwet oder 
drei versamlet sind in meinem namen da bin 
ich mitten unter ihnen. 
Se last uns nu bitten, erstlich fut" das 
geistliche regiment und liebe predigamt gott 
woI|e uns ja geben fromme und treue prediger, 
wolle uns bewaren unsere beiden bischiife auf 
Samland und Pomezan, sie und aile diener des 
worts r«.gieren und fiihren durch seinen heiligen 
geist dass sie ihr amt wohl ausrichten, uns den 
schatz seines heiligen wortes lauter und rein fiir- 
tragen, wolt uns gnediglichen behiiten fitr dem 
leidigen papstthum, allen rotten und sekten, und 
nicht ansehen unsere grosse undankbarkeit datait 
wir wohl langst verdienet hetten, das er sein 
heiliges, liebes watt wieder von uns neme. wolt 
uns aber geben ein dankhar herz, dass wir sein 
heiliges watt miigen lichen, teuer und wert halteu 
und dasselbige mit frucht hiiren, auf dass wir in 
rechter und steter busse verharren, ira glauben 
wachsen, in der liebe und in aller gottseligkeit 
zunemen, und in ewigkeit nimmermehr von ihm 
gerissen oder gescheiden werden, datait also sein 
naine geheiliget werd% sein reich zu uns komme 
und sein wille in uns gesehehe. Amen. 
11: 



8 Das IIorzogflmm Prenssen. 

]-)arna('h ]asst uns aueh bitten fiir d.'ls wo]t- 
liche regimmt, s«»«h.r]ich fiir a]le «»br]gkeit dieser 
landc dass gott ihre herzen durch seinen geist 
und wort erleuchten wolle, auf dass gottes wort 
und ehr. durch sie gcf6rdert und aicht verhindert 
werde und wir also unter ilmcn ein geruglich 
und stilles leben fiihren mSgen in aller gottselig- 
keit und ehrbarkeit. 
Bittet del'halhen fiir die kSnigliche majestit 
zu P-len und «las ganze reich, gott wolle ihrer 
lnajestet ein langes leben gthlncn, gliick und siog 
ver|eihen wider den moskowiter und a]le feinde, 
w«,lte ansehen seine glmde und barmlwrzigkeit, 
uns in des grausamen tyrannen gewalt llicht fallen 

brod austhoile den communikanten, ehe donn er den 
kelch segenet wie den auch bisher an den orten 
gebriiuchlich gewesen, da oin pfarrherr allein bei 
seinor kirchen ist und keinen caplan hat. 

Von dcr mittagspredig ara sonntag 
und festtagen. 
Fur das eiufeltige arme v«,lk uud hausgesiud 
bat man frtie den lieben, heiligen catechismum, 
wie droben angezeiget, welches die beste und 
ede|ste lere unter Mien auf erden ist, die kein 
mensch lfimmermehr wird ausstadiren in diesem 
leben. Gleichwohl ist sehr gut, dass man dem 

lassen wolt auch den lieben ksnig und das hausgesinde anch die gewlihnliche evangelia auf 
ganze reich dahin regieren durch seinen geist, I die sonntage und festtage explicir und fiirhalte, 
datait sie des leidigen teufels, des bapstes und auf dass sie darinnen rein sehen und lernen, wie 
anale.ter rotten m6chten ledig werden, uud dem und an we]chem ort in der schrift, sondelichen des 
lieben hcrrn Chri.sto in seinem evangelium die neuen testaments, ein jedes stiick des catechismi 
thor auflhun, seinen grund und klare beweisung hat. Weil es 
lnsonderheit aber bittet ftir unsern li;blichen, aber zut hoehmess vormittag muss zu hause auf 
lieben |andesfiirstên unà herrn: àer allmech- kiichen und keller warteu, wie droben vermeldet 
tige, êwige gott wolle seine fiirstliche durch-[und gleichwohl auf «len mittag nach gehaltener 

lauchtigkeit bewarcn fur allem leid und ubel 
an ]eib und seel, ]anden und lêt«.n wo]]e ire 
fiirstl. à. bei langwiriger gesundheit erhaltên 
se.in wares erkcnntaiss in ihrem jungcn laerzen 
anztintlên und gem«.hren, dass ihre fiirstl, d. da- 
rimen mt;chten sowohl als in gottesfurcht er- 
waehsen, êin frommer fiirst, getreuer pfleger der 

mahlzeit um zwslf uhr allhie fiir sie auch eine 
predig vêrordenet ist kan man ja die stund 
besscr nicht anlegen, dann das die caplan die 
zêit wiederum das evangelium de temp,,re nêmên 
und ja den flciss thun, datait sie ein jedes auf 
ein sttick des catechi.mi ziehên und dasselbige 
rein einfcltig handelên, wie sie gar lêichtlich thun 

kiinnen, wenn sie bei gemeiner ordnung der lere 
kirehe und ein rater werden seiner ge]iebten unter- I 
thanen. 
b]eiben. 
das 
etliche 
predigen 
lêhren 
veto 
gesetz, 

Desgleichen bittet aueh fur die 15bliche 
ftirstlichc regiments-rcthe: gott wolle ihnen krcfte 
geben àie schw.re last zu tragen, w,,l]e selbst 
bei ihrer regierung sein, gliick und heil darzu 
geben, auf dass gottes wort, zucht, ehr und alle 
ehrbarkeit gefordert, allem ergerniss, des noch 
viel ist, gewehret und der gemeine nutz wol 
und fl'ied]ich miige regieret werden wir aber aueh 
mSgen gehorsam und ff'mn sein. 
Insonderheit wird eine gemeine fiirbit von 
euch b«'gerct fiir N. N. 

legen dass.lbige nus in genere oder in specie ein 
jedes gebot êtliche sind unterricht veto evaugelio, 
die da lehrên vrai de artike|n unsers glaubens, 
v,)m gebet oder von den hochwirdigen sacra- 
mentên, etliche abêr reden von dên stenden und 
guten wêrken, wie ein jcder darinnen dem lieben 
gott zu ehren dienen uud sich rechtschaffen in 
seinem lêben halten soll. 
Was das singcn belanget, soll man fur dêr 
predig singen das deutsche Te deum laudamus 
wie gebreuchlich, darauf: Nu bitten wir den 

Ein jedêr bitte auch fur sich selbst, fur sein heiligen geist etc. und wenn die predig ge- 
web und kind und was ihm befohh.n ist; auch I schehen: Erhalt uns, herr, bel deinem wort, da- 
far alle betriibten leiblich und geistlich etc. Ftir I mit gehet das volk wieder aus dcr kirchen. 

di(. und alle andere net und fur uns selbst 
lasser uns mit einander sprechen das hêilige vater- 
unser etc. 
Nach dem gebet singer die ganze kirhe alle- 
zeit: Erhalt uns, herr bei deinem wort etc. wie 
drobcn vermeldet ist. 
Unterdess gehet der priestêr von der kanzel 
fur den altar; da soll er die vermanung und 
paraphrasin des vaterunsers gegen dem volk ab- 

Zuletzt, weil das hausgesinde zu Kiinigsberg 
eines guten theils undeutsch ist und fur àasselbige 
zugleich an unterschiedlichen orten ein polnischer 
und auch ein littauiseher prediger nu lange zeit 
geha]ten wordeu, sollen dieselbigen beineben der 
auslegung der evangelien ihre zuhSrer ja fleissig 
in der lere des catechismi berichten, sie mit 
gebiirlichem ernst in rechter, warer betraehtung 
gottes worts zu aller gottseligkeit ftiren und ver- 

lesen, darauf singen die verba consecrationis, wie manen, datait sie auch wissen, wie sie selig werden 
droben angezeiget ist alleiu dass er das gesegnete I ultd wie sie christlich ndigen auf erden leben. 



Kirchenordnung und eeremonien ,on 1568. 

Von uhung des kateehismi. 
Darvon haben wir droben etwas gesagt» wie 
dcrselbige fleissig in der metten fur das haus- 
gesinde, auch von den schiilern die sonntag zu 
der vesper nach der predig s«,ll getrieben werden. 
Darliber sollen in den drei sttdten KSnigsbergs 
mittwoch in der altenstadt, donnerstag in dem tlmm 
und freitag in dem lebelficht nach rnittage die 
pfarrherren in sonderen lectionihns attch treu- 
lich die jugend darinnen uben wie dann der au- 
fag bereits darzu gemaehet ist und solche lectiones 
fur die lieben kiuder sonderlich von n;itcn sil,d, 
weil sic gar ein fiirnemes theil der heiligen 
christlichen kirchen, auf die gott haben will, dass 
pfarrherren und haasveter sow»hl, als jedermennig- 
lichen gar ein fleissig aufsehen haben solleu, datait 
die zu aller gottseligkeit erzogen und angehalten 
werden, und also gef'e-se sein rnt)gen zu ehren 
dem lieben grossen haushcrrn, deren er gebrauchen 
mege zu lob und preis seines heiligen namens, 
wie es dann nimmermehr feilet, wo die kinder 
von ihren jungen jahren ira catechismo erz«,gen 
werden, sic k,mmen nachmals zu welcherlei regi- 
ment sic wollen, se werden es fcine leur, die 
gottes wort lieb haben ihr lebe lang, sch6n dar- 
von reden, dasselbige helfen befiirdern und sammt 
andern guten ktinsten fortsetzen. Seiches giebt 
eine reine kirchen ; feine, wohlbestellte kirchen 
geben sch6ne regiment, da unterthanen und obrig- 
keit gtt fiirchten und allezumal seine liche kinder 
sind und erben des ewigen lebens. 
Sollen derhalben solcher ordnung mit dem 
catechismo die andern stedte nach vermiigen und 
bequemlichkeit auch fblgen dass die predigor 
densolbigen zur metten and vesper die sonntag 
auch fieissig treiben und in der wochon cincn tag 

zehn geboten an, datait die lieben kinder immer 
in tihung bleiben and darinnen erstarken. 
Und sollen die pfarrherren die eltern treu- 
lich vermanen, dass sic ihre kinder und gesinde 
auf solche zeit fleissig zut kirchen halten mit an- 
zeigung und erinnerung, wie unchristlich sic tlmn 
und greulich siindigen, wanu sic ihr gesinde und 
kinder daran hindern und nicht mit allem fleiss 
darzu anhalteu. Zudem, dass wir solchen kein sakra- 
ment wed«.r im l«ben noch ira swrben reichen kiinnên, 
die il,ren catechismum nicht gelernt haben, auch 
itzund bei s,,lcher ubung nicht leruen wollen, 
welches êin gewisse und greuliche verachtung ist 
gottes w«,rts und seiner selbsteigen seligk+it. 
E will aber dies werk sonderlichen befsrdoru 
helfen, wann die kinder in schulen zuvor deu 
text des catechismi mit. der anslegung gelernet 
haheu, wie dann dies die vornehmste arbeit in 
schulen sein s«,ll, das man die jugend denselb,.n 
flci.sig le.re, darvon in verordonung der visitati-n 
angezeiget ist. 

Ordenung des catechimi in dih-fern. 
Da soli nach der auslcgung des evangelii 
ara sonntag der catechismus getrieben werden, 
wie droben vermêldet und bisher gew6hnlich ge- 
wesen. 
Es soli auch der pfarrherr nachmittag 
wiederum eine stunde nemen zu dor vesper und 
in dem d«)rfe da er residiret, den catechismum also 
fibcn wie itzund vcrmeldet dass er in den stedten 
einen tag in der wochen soli gehandelt werden. 
Und datait das volk zu s«,lcher lecti«,n und 
anderer ubung des catechi,mi dester ernster an- 
gehalten werde, soli der l,thrrherr, ein jede seiue 
dorfschaft, eine wochen nach der andern se in 
seinem kirchst, iel begriflk-n, allc quartal ja wenn 
er es immer schicken kann alle ftinf oder sechs 

darzu nemen, da sie die liebe jugend darinnen I wochen des sonntags oder andern gelegnen tagen 
uben, also und dergestalt. Sic fragen von den [ was sic v«n s«,lchen obeneruennten stiicken ge- 

kindern erstlieh die. fiinf stiick des eatechismi 
sehlecht und einfeltig hiuweg mit feiner heller 
stimme, datait die anderen, se in ne,ch nicht 
keinnen denselbigen nach dem text rein einfeltig 
auch lernen mtigen wann das geschehen, se 
neme der ptearrherr ein gebot nach dem andorn 
lass einen feinen knaben den text sagen mit der 
auslegung wie sie ira kleinen catechismo ftir- 
geschrieben ist und zeige rein einfeltig an, was 
die meinung solcher w/irter in der auslegung sel, 
datait die kinder nun anch dieselbigen lerncn 
verstehen, wann er nun also in einer jedern wochen 
ein gebot ausgemacht und die zehen gebote heraus 
sind, st) neme er einen jeden artikel des glaubens, 
nachmals ein jede bitte ira vaterunser, ein jedes 

lernet, ein jegliclw person, es sei mann oder weib 
wo kein kirch in demselbigen dorfe ist, doch 
sonst in einem schultes oder anderen ehrlichen 
bequcmen haus') insonderheit verhsren und exa- 
miniren. Welche denn verechtlich von der lection 
und 1)redig des catechismi geblieben und nichts 
davon kSnnen die soli er ernstlich darum an- 
reden und zur besseruug ermahnen; was aber den 
anderen siml»eh.n  frommen leuten mangelt, mit 
treuem und hSch.tem fleiss unterrichten wie 
jeder pfarrherr .einem amt und geschicklichkeit 
nach solchem allem gute maass zu geben und die 
armen einfeltigen zu unterweisen un(l lehren 
wird wissen. 
In summa, ein jeder pfarrherr soli vermiige 

fragesttiek von der taufe und abendmahl Christi [ seines amts mit grSsstem und hSchstem fleiss one 
nach einander fiir, fange denn wiedcrum von den I unterlass in der kirchen, und wcnn seine pfarr- 



6 Das Herzogthum Preussen. 

kinder die heiligen sacramenta zu entpfahen be- I damit er ein heiland sei aller welt, wie Simeon 
gehren, sie zum gebet, zu fassung des catechis- I davon Purificationis auch singer. 
mi, mit erzelung, was ihnen ihrer seelen heil Coenae D,mini, vom hochwirdigen sacra- 
und seligkeit halben daran gelegen, aufs treu- ment, wie er darinnen uns alle fiir seinem letzten 
lichste ermahnen und darzu halten, sie auch, ehe I eude, do er nun fiir uns dvn tod leiden soll, so 
und zuvoru sie den catechismum oder nitigste I gnediglichen bedacht, seine gtiter beschieden und 
stiick und artikel des christlichen glaubens (sonder- uns zugetheilet bat. nemlich vêrgebung der stinden 
lich aber in stedten) nicht ktinnen und verstehen, und ewige seligkeit saint dem pfand unserer er- 
zu dem sacrament des altars nicht gehen und so 16sung, seinem leib und blut, darinnen solches 
nach vielfeltigem ermanen aber gar keine besse- ailes gar teuer erworben ist etc. 
rung f, lget, sie zu gevatterschaften (verm6ge Charfreitag, wie er den bittern tod fur uns 
voriger ausgegangener ordnung) nicht stehen ] gelitten, von gott darzu begeben und von aller 
lassën, sondern sie also lang, bis sie die sttick I welt verlassen. 

gelernet und gefasst, darvon abhalten, darneben aber 
allermenniglich erinnern, dass sie solche nicht- 
zulassnng nicht geringsehetzig achten, dieweil diese 
abhaltung und absenderung von den heiligen 
sacramenten einem christlichen banne nicht un- 
ehnlich, dafiir sich billig ein frommer christ zu 
scheuen. 

Von fest- und feiertagen. 
Alle festa unsers herrn und erlesers, als 
nimlich Nativitatis Christi, f_'ircumcisionis, Epi- 
phaniae, Pnrificationis, ('onceptionis, welches man 
nennet Annunciati-nis, ('oenae D»mini und Pa- 
rasceues, Paschae, Ascensionis, Pentecostes sollen 
ordelich, ehrlich, mit grossem ernst und reverenz 
zum gedechtniss und ermahnung gehalten werden, 
sonderlichen weihnachten, ostern nnd die pfingsten, 
ein jedes drei rage nach einanderen mit predigen 
und gcwohnlichem gesang begangen werden, also 
dass man dorinnen wie in allen festtagen die 
historien fleissig treibe, dieselbige dem volke ein- 
bilde und sie von dem nutz treulich aus gottes 
wort unterrichte. Und soli ihm nicht ein jeder pfarr- 
herr ein sonderliches seines gefallens machen, son- 
dern bei gemeiner verordenung eintrechtig bleiben. 

Was an den lest- und feiertagen soli vornehmlich ge- 
prediget werdem 
Festtage seind darum verordnet und eingesetzt, 
dass sie erinnerung siud etlicher historien, da- 
rinnen fiirneme artikel christlicher lehr und 
glaubens gegriindet sind. 
Dann Çonceptionis giebt starken beweis, wie 
Christus unser erltiser vom heiligen geist in Maria 
der reinen jungfrau entpfangen. 
Nativitatis, wie und worzu er auf erden nach 
der schrift geboren und dass er wahr gott und 
mensch sei. 
Circumcisionis, wie er den schuldigen ge- 
horsam ftir uns angefangen und sich freiwillig 
unter das gesetz gegeben. 
Epiphaniae, au seinem reich die juden nicht 
allein sondern auch die heiden forderen lassen, 

Ostern, wie er wiederum aus eigener geJtt- 
licher kraft und macht erstanden von den todten 
und seine auferstehung mit sichtbarer erscheinung 
der engel und seiner selbst klerlich bewiesen und 
den trost daraus geprediget und predigen lassen 
zu unserer seligkeit. 
Ascensionis, darauf er gen himmel gefahren, 
nicht dass er sich domit den himmel wollte lassen 
einsperren und von uns absondern, sondern dass 
er datait auch nach seiner menschlichen natur 
uber aile himmel und creaturen erhghet, ein ge- 
waltiger herr ist uber ailes, das da kann genannt 
werdên nicht allein in dieser welt, sondern auch 
iu der zukiinftigen, Ephes. 1. 
Pentecostes, darum er auch den heiligen 
geist gesandt, àas predigamt anzurichten, durch 
welches er noch teglich sammelt eine heilige, 
christliche kirchen, die do ist die gemeinschaft 
aller heiligen, in welcher ist vergebung der 
siinden, der fr«ihliche trost der auferstehung des 
fleisches zum e-igen leben. 
Also sind in diesen festen der ander und 
dritte artikel unsers christlichen glaubens von der 
erltsung und heiligung rein griindlich und lest 
aus den historien von sttick zu stiick erkleret 
und bewiesen, darvon man nun das volk in den 
predigen, also einfeltig man immer kaun. be- 
richten soli. 
Und damit sonderlichen van dem leiden und 
sterben Christi das arme volk gute wissenschaft 
habe und rechten glauben, soli ein jeder pfarr- 
herr die historien und passion aus dem schiSnen 
biichlein Doctoris Pomerani vom leiden und auf- 
erstehung Christi an dem charfreitag rein lang- 
sain uud deutlich fiirlesen und anfangen von dem, 
wie Christus in den iilberg gehet, bis zu seinem 
begrebniss. 
Ftir rathsam und gut ist es angesehen, dass 
man hinfort die rage 3-hannis des taufers, item 
der heimsuchung Iari Visitationis genannt, und 
den tag $Iichaelis feiern soli von wegen der gar 
herrlichen, sch/inen evangelia und historien, auch 
hochntithiger stiick, die solche zeit ja billig zum 
trost der kirchen sollen ftlrgehalten werden, dann 



Kirchenordnung und ceremonien von 1568. 

ob man gleich bis daher dieselbigen text der I Die aposteltage sollen hinfiirder auch, aber 
tag einen in der woehen geprediget hat, so ist I allein vormittag gefeiret werden, die pfarrkinder 
doch die zeit wenig volk in die kirchen komme», der alten wahren apostolischen lehr in don ver- 
Wir hahen die allerschiinesten geseng% als Zacharii ,rdneten evangelien, item der heiligen apostel 
ouf dea tag Johannis tmd Mariii der reinen ihres glaul)ens und guten exempels erinnert und 
mutter Christi ara rage Visitationis, darinuen die , berichtet werden uiimlich dos sic nichts geleret 

ganze heuptsumme christlicher lchr begriffen sind; 
warum wollten wir nlls daim nicht gern die toge 
darzn mtssigeu, solche sch6ne pselmichen beineben 
don herrlichen exempelu soleher heiliger, gr»sser 
leut zu hetrachtert und zu lerten. So ist unwr 
andera wohlthaten Chrisi gar oin hcrrlichor trost, 
dass er seine heilige engel auf uns bestellet hat, 
die uns bewahren und schutzen wider so nancher- 
loi greulicho, grimmige, biise geister, welche in 
allen regimenten und stenden gern wollten zcr- 
ruttung anrichteu, dieselbigen zurstSren und zer- 
reissen, wo gott nicht den schutz der heilig«.n 
engel dawider ver«wdenet hotte» darvon man einen 
ganzen tag zu predigen genug hot. ,'5_'oll dc.r- 
halben auch dieser tag Michae]is hinfiirder gefoiert 
and fiir eine gemeine danksagung gehalten werden, 

dann gottes wort» keine noue sekten und ordeu 
gestiftet oder angcrichtet, sondcrn einfeltig mit 
dea auderen christeu nach gottes gehot und nicht 
eigener erdichter heuchlerischer heiligkvit nach 
geleht, dariiher ihr leih und lehen zugesetzt. Aus 
welchem alh.m klar dos wir die wahre aposto- 
lische lehr, don re(.htcn alten glauben haben und 
mit cicr that und warhcit die rechte catlmlisehe 
kirche siad und nachfolger der heiligen apostel etc. 
Wann die predig geschehen und dos h-i|ige 
ahendmahl (so ferne communikautcu sind) ge- 
halto, n ist, soli jedermaun diese toge nachmittag 
zu arbciten ri-ci sein. 
Es solleu aber die l,farrlwrren allezeit don 
nechsten sonntag zuvor die festa und aposteltag 
verkiindigen and anzeigen, ouf welchen tag in 

darau man deIn harmherzigen gott ftir allerlei un- I der woehen dieselbigen gefallen nnd das der 
zehlige gttte und uns unwirdigen erzeigte wol- I aposteltag nicht longer dann vormittag soll ge- 
that, beide, leiblich und geistlich, loh, er uud feiret werdcn, datait .ich oin jeder hausvater 
dank sagen soll, sonderlichen aber fîir die milde habe darnach zu richten etc. 
and grosse giite, dass er die lieben heiligen engel I 
nns armen, »chwachen, gebrechlichen menschen I Von t o 1 ke n. 
gnediglichen zu gut verordenet bat, dass sic unsicht- 
harer weise unser wahrnehmert und pflegen, uns Leider ist es gar schwer und unhequem, dass 
schiitzen und behiiten, unsere glaitsleut und iu di«sem fiil'Stenthum viol l»farrherren durch 
lichen hausgenossen sind nach dem willen un,1 I tolken predigen uud mit ihren pfarrkindel'n allo 

verordenung unsers fl'ommen g.ttes auch insomler- 
heit ftir die milde gaben der t?iichte und voll- 
endete erndte etc. Soll darnm nach verlesenor el,istcl 
der pfarrherr «)der caplan dos volk aller solcher 
«,mpfangener wohlthaten erinnern) zu herzlicher 
danksagung vermahnen und darauf mit der ganzen 
kirchen ingen dos deutsche Te doum laudamus. 
Wann der tag Conccptionis ['hristi ader 
Annunciationis llariao ouf don pahntag oder 
iu der woche vor ostern ,der dieselbige folgende 
woehen in don ostertagen gefellt, s,ll er don uechsten 
sonntag nach ostern gehalten und ]auts der vorigen 
kirchenordemmg transferirt werden, datait dio- 
selhigc zeit vom einr.itcn (les herra Christi 
sein heiliges leiden sammt der historien der attt: 
erstehung unverhindcrl nach nothdurft miigc, ge- 
prediget werdeu. 
Das evangelium Mariit Magdalenit Luc. 7 soli 
ordinarie und hinfort jiihrlich Dominica scptima 
nach Trinitatis gelesen und gepredigt werden 
sammt der epistel 1. ']'im. 1: Dos ist gewisslieh 
war etc. bis zum onde dessclbigen paragraphi 
weil dos ander evangelium, Marc. 8, von don 
sieben brotten, so viol dos argument belangt, d«ch 
jehrlich in mitfasten gehaudelt wird. 

sacllen verrichten mtissen. Sollen derhalben die 
tolkea fleissig hestellet und ja solchc lent dazu 
genommen werden, die eines guten nanens und 
gcruchts sind, dass sic axffrichtig un«l fr»mm, eines 
guten lebens und waudels sind. Leichtfertige, 
lose leut und vereehter gottes worts wollen dem 
pfarrherrn sowohl als der armen kirchen dazu 
wenig dienen. 
lamit man aber der t,dken mit der zeit 
durchaus entberen miSge (dieweil dureh dioselbe 
zu predigeu uud das w»lk zu mterriehteu, fast 
unbequem}, haben ti|rstliche durchlaucht zn 
l'rcusseu, hochliiblicher md seliger god/ichtniss etc. 
schon VOl- longer zeit dahil getrachtet, dass der- 
s«.lben undentschen, als sonderlich d.r Poleo, 
Littauen, Sudauc.u und l'reussen kilder auch zum 
studiren g'halten und mit der zeit zum prodig- 
amt m6chten gebraucht wvrden, uud hahen der- 
wegen sglcho jugeml er.tlich mit sonderlichen 
privilegien begnadet, als nemlich, dass dieselben, so 
sich zurn studiren begehel und dabei beharreu, 
bis sic endlich zu kirchendiensten zu brauehen 
und sich gebrauchen lasseu, der leibeigenschaft, 
der sie sonst nach preussischem recht und dieses 
landes statuten unterworfen sollen entnommen 



$S Das IIerzogthum l'reussen. 

und gefreiet sein, auch in den successionibus oder 
erbschaften aller ding den andern se nicht 
1,rensssch gcborca, gleich gehalten werden, wie 
dann ihre fiirstliche durchlaucht fiir der zeit die- 
selbe begnadigung auch hienit und in kraft dieses 
artikcls, den sic an dicsem ort der kirchenordnung 
zu inserirn befi,hlen, wiederholet und bestetigt 
haben. 
Und zum andern, nachdvm h«,chgedachte ftirst- 
liche durchlaneht seliger und ewiger gedeehtniss 
in ihrvr universitlit zu Kiinigsberg gnedigst ge- 
ordnet und fundiret, dass ,,hne unterlass vierund- 
zwenzig knabcn von ihrcr ftirstlichen durchlaucht 
stipendien mler beso]dung bel den studiis unter- 
llaltell Iind gefiirdet werden sollen, haben sic auch 
souderlich dahin gesehen, wie solche ire fiirst- 
liche darlage und unkosten auch den undeutsehen 
ihrcr fiirstlichelt durchlaucht untcrthanen zu 
sonderem nutz Ilnd fiirdcrung gereiehen mocht, 
und derwegen geordnet dass unter itzt ge- 
inciter anzahl der stipendiaten oder besoldcten 
kuaben alh, zcit auch sechs Polen, item sechs 
Littauel und seehs I»reusscn und Sudatwu Isofcrn 
man s,lche llaben kann) sein s,llen. 
Darmn es ganz billig WCl'e, dass es auch die- 
selbcn imdeutsch(,n lcute an ihnen sclbst nicht 
feilen Iiesscn s,,nderu ihre sfine, se zu stu- 
diren tiiglieh mit fleiss dahin hielten imd wen- 
deten, an we]chem es hishcr nicht wenig gcmangvlt ; 
imd sollen aueh die pfarrherren item die amt- 
uml edel|eut bel s,,lchen cltern, deln.n gott ver- 
stendige kinder gegcb«.n, mit vermanen althalten, 
datait sic ihnen sclbst und den iren Zllm bestel b 
sonderlich abcr zut fiirderung der ehre gottes uad 
zu erbanullg seincr lichen kirchen, diese]ben zum 
studircn zu halten und sieh s-lcher fiirstlieher be- 
gnadigung und fiirderung mit aller dankbarkeit 
zu gehranehcn nicht unterlassen. 

Von der tauL 

Die tauf soli in d,.r kirchcn, zu welcher des 
kindleias cltcrn gehren un,l nicht in andern 
kirchpielen mit den gewi;lmlichen exorcismis und 
geb,.ten in deuts,.her oder sonst bekannter zunge 
und sl,ra«he lauis der alten kirclwn-rduung ge- 
srlwl-.n. Ni«ht das. wir ,lamit die taule, se, «,hne 
die ex,rcism,,s gcschehen, v«'rwcl'fcn wollten; 
sintemal, wir wissen aus go/tes gnaden, dass zu 
der taule ,las wasser imd diese worte allein uiithig 

ohne noth und ursache in diesen landen zu grosser 
unzeit geandert ist zu welcher eintracht ohne 
zwcifel fromme pfarrherren gern sich bequemen 
werden, weil auch sonst ursachen sind von wegen 
der wiederteufer wie auch der sakramentlesterer, 
welch«* die erbsiinde und schrecklichen unseg- 
lichen rail menschliches geschlechts extenuiren 
und wider gottes wort geringschetzig machen 
darvon in Corpore doctrinae mit gutem grund ge- 
nugsam angezeiget ist etc. 
Wann sonderlich nothwendige ursachen ver- 
handen, als schwachheit oder abwesen des 
pfarrherni und dergleichen, darum das kindlein 
in ein andere pfarr zur tauf zu bringen von 
niten, soli doch solches anderst nicht geschehen 
noch von dem anderen t,farrherren aufgenommen 
werden, er habe denn dess genugame und ge- 
wisse kundschaft, dass das kind zuvor nicht ge- 
tauft, auch aus keiner leichtfertigkeit oder un- 
billigen ursachen in ein andere pfarr zu taufen 
getragen sei. 
Auch soli es mit der tauf gleichf6rmiger 
weise v-n allen und jeden pfarrherrn oder 
kirchen,liem.rn gehalton werdên und keiner mit 
predigen oder der exhortation etwas besonderes 
machen, wie etliche ver andern darinnen wollen 
gesehen sein, auch nichts mit hoheu, subtilen odvr 
fiirwitzigen fragen gegen die gevattern ftir- 
gcnommen werden. 
Ein jeder rater al»er soll selbst persi;nlich. 
odcr wo er gescheft ,,der anderer ursach halben 
verhindert, dm:h durch andcre ehrliche leute in 
seinem namen I,ei dem pt:arrherrn seinem lichen 
kinde um die taule ansuch(.n und bitten, und 
nicht mit s,,lcher |cichtfertigkeit, als achtet er 
weder des dieners gottes noch dcr taufe etwa 
durch ein geringe person die taufe bestellen 
lassen. 
Die kindlein solen auc], nicht etliche rage 
ungetauft gelassen werden, denn solches gefehr- 
lich und gottes versuchung ist. Derhalben soli 
die taule auf keiue gewisse angesetzte tage nach 
gefallen der l»riester oder der fi'eundschaft ge- 
welet werden, weil s,,lchcs bel etlichen als ein 
zeichen des geprenges odcr des geizes gespiiret 
wird, darzu auch die gewisse erfahrung etliche 
schreckliche ges«hicht, se diesfalls sich begcben, 
angezeiget lUtd bczeuget. 
Vann der kinder mchr dann eines zut taule 
gehracht werdem sollen sic mit unterschied]ichen 

sind nach der eiusatzung Christi: lch taufe ] namen bel dem gebet illld ex,)rcismis zugleich 
dieh ira namen gottes des vaters, ,les [ fiirgestellt werden, aber zum taufstein eiu jedes 
s o il n e s u n d d e s h c i I i g e n g e i s t e s, sou,lern alleiu gebraeht und insondcrheit getauft werden. 
dass wir in diesen kirehen dieses ttirstenthums Dazu s«,ll bel der tauf niemand zu gevater- 
uns nach der alten Vittebergisehen ordnung gern schaft er sel denn unser wahren und ehrist- 
halten w,dlten wie die vor der zeit bel leben lichen religion, auch der artikel des glaubens und 
Luthers und herna:h gebreuehlieh gewesen und gebets nicht unwissend zugelassen werden. 



Kirchenordnung und ceremonien von 1568. 89 

V,m dvr fnrm der tante. [ el-kennen auch nicht allein von des teufcls ge- 
Weil man teglich erfiihrt, wie gar leicl,tfertig I walt, dem es der stinde halben unterworfen und 
man ingemein bei der tauf handelt und wenig in seinem reich gefangen ist, erledigen, s,mdern 
leur betrachten, was ernster sachen allda ftir- auch also durch den heiligen geist sterken, ,las 

genommen und vert wem dieselbigell verrichtet 
werden se soli zu christlichem unterricht raid er- 
innerung fi»lgende vermahnung allezeit mit ge- 
biirlichem ernst zum anfang fiir der tauf fiirher 
gehen. 

Eine vermalmung zu denen, so «las kind zut taaf brinffen. 
Lieben freund, wir htiren teglich aus gottes 
wort, erfahres auch beide an unserm leben 
und sterben, das wir von Adam her aile in siiuden 
empfangen und in dies elenden jammerthal ge- 
boren werden, und mit uns bringen nus unsvrer 
ersten geburt die gift und die verderbte unart, 
darinnen wir, von gott abgewandt, seine feinde 
sind und kinder des zorns, in welchem wir ewig 
mussten sterl,en und verdvrben, wo uns nicht 
durch den eingebornel sohne gottes, unsern lieben 
herrn .lesnm Christum, daraus geholfen were. 
Dieweil dann dies gegenwirtige ki,dlein iii 
seiner natur mit gleicher siinde, in massvn wie 
wir auch vergiftet und verunreinigt ist, darum es 
auch des ewigen todes und verdammniss seiner 
art halben sein und bleiben musste, und aber 
gott, der rater aller gnaden und barmherzigkeit, 
seinen sohn Christnm der ganzen welt und aise 
den kindern eben nicht weniger dann deu alten 
verheissen und gesandt hat, welcher auch der 
ganzen welt stinde getragen und die armen kind- 
loin gleich sowol als die alten von aller siinde, 
tod und ewigem verdammniss erliiset und selig ge- 
macht bat, sofern es ihnen nach seiner verord- 
nung durcit das wort und die taule zugeeignet 
und adpliciret wird, darinnen er dann befbhlen, 
dass man sie soli zu ihm bringtm, auf dass sie 
gesegnet werden. 
Derhalben se vel'mah,le und bitte ich euch 
alle, die ir allhie versamlet seid, ans christ- 
licher lieb und treu, dass ir ernstlich zu h,.rzen 
nemen und mit fleiss bedenken wollet, in was 
grossen jammer und net dies kindlein seiner art 
und natur halben steckt, nemlich dass es ist ein 
kind der stinden, des zorns und der ungnaden, 
und das ihm nicht anders kann geholfen werdon, 
dann das es durch die tauf nus gott m.u ge- 
boren und von im an kindes statt v,m wegen 
unsers herren .lesu Christi angenommen wird. 
SVollet euch derhalben dieses gegenwel-tigen 
armen kindleins gegen gott dem herrn mit ernst 
annemen, dasselbige dem herrn l'hristo nach 

es dem feinde im lebeu und sterben stattlichen 
widerstand thun und in dem zum seligen siege 
erhalten werden tniige. Amen. 
Nach solcher vermahnung wende sich dvr 
priester zu dem kinde und spreche: 
Fahre aus, du unreiuer geist und gieb raum 
dem heiligen geist. 
Darnach mache er ihm ein kreuz ait die 
stirn und brust und Spl'echv : 
Nimm das zeichen des heiligen kreuzes, beide, 
an der stirn und an der brust. 
Lasst uns beten: 
O allmechtiger, ewiger gott, vatvr unsers 
herrn .Jvsu Christi, ich rufe dich an ïtb'r diesen 
N., deinen dielel" (oder. tiber diese N., deine " 
dienerin), der Ioder diel deiner taufv gabv bittet 
un,| deine ewige gnade durch tlie geistlicle wieder- 
gel,urt begeret. Nimm in (odcr sit.) auf. herl', un,l 
wie du gesagt hast: Bittct, se werdet ihr nemen. 
suchet, se werdet ihr finden, kl,,pfet an, se wird 
euch atdethan; se reicl,e nu das gut dem (-der 
derl, dcr (oder die) da bittet, und offelle die thiir 
dem, d,:r da ankb, pfet (oder der, di,. da an- 
klol.,fetl , dass er den ewigen segen dieses himm- 
lischen bades erlange un,I das verheissen rvich 
dviner gabe entpfahe durch 'hristum. unsern 
herrn. Amen. 
Lasst uns beten: 
Allmt«htiger, ewiger gott, der du hast durch 
die sindflut, nach deinvm gvstrvngeu gericht, 
die ungleubige welt vvrdammt und den gl:.iubigell 
N,,ah selbacht, llach deiner grossen barmherzig- 
k,.it, erbalten, und den verstockten Pharao mit 
Mien seinen im r,,then meer erseuft und din 
volk Israel trucken hindurchgeftirt, datait dies 
bad deiner heiligen taule zukunftig bezeichnet 
und durch die taufi, dvines lichen kindes, unseres 
hel'rn Jesu 'hristi, den .h,rdan und aile wasser 
zur seligen sindflut und rvichlicher ahwaschung 
dvl- siinden geheiliget un,l eingvsctzt. Wir bitten 
durch diosvlbe deine grnndlose barmherzigkeit, 
du wollest divseu (,,der diese) N. gnediglich an- 
sel,en und mit rechtem glauben ira geist 
seligen, dass durch diese heilsame sindflut an 
iln (oder ir) ersaufe un,1 untergehe ailes, was 
ira Ioder ir) van Adam angeboren ist tlud el- 
(oder sic) selb dazu gvthan hat, und er Ioder 
sie) aus der ungleubigvn zahl gesundel't in dvr 

seiuer eigenen verordenung in der tauf fïtrtragen heiligen arca tler christenheit trocken und sicher 
und bitten, er wolle es zu gnaden aufnehmen, I behalten, alzeit bl'unstig ira gciste, fr6hlich in 
ihm seine stinden abwaschen und vergeben, zu , hoffnung deinem namen diene, auf dass er mit 
einem miterben der ewigen, himmlischen giiter  Mien gleubigen deiner verheissung ewiges lehens 
Sehling, Die Kirchenordnungen. IV. 12 



.q( 

Das Iterzogthum Preussen. 

zu erlangen wiirdig werde durch Jesum Christum, 
unsern herrn. Amen. 
h'h heschwere dich, du unreiner geist, bel 
dem namen des vaters î- und des sohns j- und 
«les heilige» geistes î', dass du ausfarest und 
wei«hest von diesem diener (oder dieser dienerin) 
.lesu Uhristi N. Amen. 
Lasst uns hiiren das heilige evangelium 
St. 3[arcus : 
Und sic brachten kindlein zu Jesu, dass er 
.-le anrtirete, dio jiinger aber furen die an, die 
sio trugen. Da es aber .Iosus sah, ward er un- 
willig und sprach zu ihnen: Lasse» die kindlein 
zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn 
s-lcher ist das rei«h go»tes. Warlich, ich sage 
«.uch, wer das reich g-»tes nicht empfehet als ein 
kindlin, der wird nicht hineinkommen: und 
herzet sic und leget die hende auf sic und 
sogenet si. 
Denn leg der priester seine hende aufs 
ki»ds henpt und h,*t«- das Vater unser sammt 
dn paten nidîrgeknihet: 
Vater unser, der du bist ira himmel, gê- 
heiliget werde dein name, zu komme dein 
reich, dein willê geschehe wie ira himmel also 
a»ch auf erden, un.ser teglich br,,d gieb uns heute, 
und verlasse uns unsere schulde, als wir verlassen 
unsern schuldigern, und fih" uns nieht in ver- 
suehunff, sondern erl;;se uns von d«.m ubel. 
Alnen. 
I}arnach leite man das kimllcin zu dot taule 
und der prie»ter spreche: 
l)cr h,rr Behiite d.iuen eingang und ausgang 
ve» nu an bis zu ewige» zeiten. 
Darnach las der pries»er das kind durch 
-eine paten dem teufi.l absagen und spreche: 
N. en»sages» du dem teufel? 
Antw«rt: Ja. 
Und allen seinen werken? 
Antwort : 
Und alle seinem wesen? 
Autwort: Ja. 
])arnach frage er: 
G]eubest du an go»t, don alhnechtigcn vater 
schelffer himmels und dcr erden? 
Antwort: Ja. 
G]eubest du an J[.sum {'hristum. seinel! 
einigen sc, hn, unseren hcrrn, geb,,ren v-n Maria 
der jungfrauen, gckreuziget, gest,,rben und be- 
graben, anferstanden VOll den t-dten, sitzend zut" 
rechten gottes, zukuntiig zu richten di«. lebendigen 
und die todten ? 
Antwort : ._la. 
f;leubest du art don heiligen geist, eite heilige 
christliche kirche, gemeine d«.r heiligen, ver- 
gebung der stinde, auferstehung des fleisches und 
naeh dom tode ein ewiges teben? 

Antwort: Ja. 
Wiltu getauft sein? 
Antwort : Ja. 
Da neme er das kind il» die taufe, giesse 
das wasser darauf drei mal und spreche: 
Und ich teufe dich ira namen des va»er% des 
sons, und des lwiligen geistes. 
Denn solleu die paten das kindlin halten 
in der taufe, und der priester spreche: 
Dcr allmochtigc gott und vater unsers herrn 
Jesu Christi der dich anderweit geborn ha» 
durchs wasser »nd den heiligen geist, und bat 
dit alle deine siindo vergcben, der sterke dich 
-mit seiner guade zum ewigeu leben. Amen. 
Friedc mit dit. 
Antwort: Amen. 

Vou der nottauf. 
]fie l,farrherren s,llen das volk in den pre- 
digen unterrichten, das sie nicht leichtlich zu 
der nottauf eilen, sondern warten, bis das kiud 
ganz und gar ç«,n mutterleib anf erden geboren 
wird. wie wir hernach von den altfrauen oder 
hebammen mehr davon berichten wo|len. 
S-11en aber aufenglich die frauen alle, die 
bei s«,lchel niten sind, wann die schmerzen zur 
geburt fiirhanden, auf die kniee fallen, die mutter 
und die fi-ucht in dem gebet dem lichen gott 
treulich befehlen, der sic auch ohne zweife[ 
datait beidc gern will aufi,hmen, wie er v,n dem 
hauptmann seinen knecht. Mat»b. 8, und von dem 
armen Canaiiischen freulein ire tochter aufname, 
Matth. 15, und der keines jemals, die ihm der- 
massen ira gebet beIbhlen sind. ausgestossen hat, 
n,,ch ausstossen will. wie f'hristus selber spricht: 
Wer zu mir k.mmt, den werde ich nicht hinaus- 
sto$sen. 
Oh dam dor liche gott darauf seinen heim- 
lichen rath und willen schaffete, dass das kind 
sttirbe, che da»n es geboren und getauft wtirde, 
sollen fromme christliche herzen doch nicht 
zweifeln, der liebste s«,hn gottes hat es in ihrem 
gebet anfgen-mmeu und will sein gnediger va»er 
sein, weil es de»- taule nicht mangelt aus ver- 
achtung oder versenmung, s«ndern dass uns in 
dem rail zu taufen verbote» ist, weil die nicht 
solleu noch k;innen durch die taule wiedergeborn 
werden, die n-ch nie von der tout»er erstmals 
geboren, oder, che sie geborn, verstorben sind. 
Sollen derhalben solche ungetaufte kinder, 
jedoch one gesenge, an gebtirlichen ort, da die 
anderen christen in dem herrn ruhen und sehlafen, 
gehracht werden. 
Were es aber sache, dass das kind voll- 
kommen geboren wiirde, sollen doch die frauen 
ahermals nicht eilen zu der uottauf, es erfordere 



Rirchenordnun und ceromonien von 1568. 

es dann die allerhlichste hot und sehwaehheit I gelinm, darinnen sich unser herr Jesus f'hristus 

des kindes, wo sie alsdann einen kirchendiener 
oder sonst einen christlichen manu in der elle 
haben migen, den sollen sie berufen und in dos 
kind taufen lassen. Do aber dos VO»l, s«hwacl,- 
heit wegen des kindes je nicl,t gesoin ki;1,nte, 
alsdann soli die ait.il'au «,der l«-bamme, acier welche 
gegenxsertige clu'ist]iche ri-nue sich dês taufi.ns 
unterstehen will. zwu oder drei pers,men, so fiir- 
handen, zum zeugnuss berufen und erlbrdern, da- 
mit, was ,,d wie allda gêl,a,delt f|ir der kirchen 
nachmals miige bezeuget werdeu, und da es diç. 
schwachheit des kiudes leiden will, zuv,r dos 
gebet Voter unser sprechen, darauf dos kind mit 
wasser taufen und sprecheu: 
Ich taufe dich im namen gottos, dos 
und des s,,l,nes, untl des l,eiligen geistes. 
Wer es aber mit dem kinde an dem l«-tzteu, 
so soli man es erstlicl, s, dcl,ernmsscn wie ge- 

der kindlein auf dos freundlichste annimmt, da- 
mit wir erinnert werden, was wir von den kindern 
halten solleu. 
Also scbreibt St. Markus ana zeh,.nden capitel : 
ie brachten kindh.in zu .lesu, dass or sic 
anriirete; die jiiuger aher furet, 
b,'achto,. Da o.s aher.lesus sal,, ward er nuwillig 
und spracl, zu ilmen: Lasser die kindleiu zu mil" 
kon,men uad wobr«.t ihn«., l,icl,t del,,, solchor ist 
dos reicI, g, tt«s. Warli«'l,» icl, sage euch, wor 
dos reicl, gottes nicht entpfvhet wie «in kindlein, 
d«.r wird nicl,t hinei,k,,mmon ,md 
m,d b.get die h«.,de ouf sie und sognet sie. 
Vfeil wir dann ans itzt gehiirten worten 
m,sores herrn I'hristi dess gewiss m,d sicher sind, 
dass dies kind zum rvich der gnade auch 
geu,n,lmel, so w,llel, wir bitlen, dass es darinnon 
miiffe zu «|er owigen seligkeit bcstondig er],altml 

saget bald tanfen und nachmals «las Voter unser I werdelt. Lasst uns derl,alhen also beten: 
etc. sprechen es dcm liebet, gott damit be- I Allmec|,tiger g,»tt und voter unsores liebel, 
fehlen. I l,«.rrlt .|esu Christi. der du dies kiml durcl,s vass«r 

Ver nun also, wie itzt gemeldet, n,,t- 
getauft ist, der soli nicht zweifeh,, «las er 
gott selbst recht getauft ist, soli derhalben nichl 
anderweit getauft werden, sondern bel der 
pfangenen taule bleiben. 
Jedoch so das kind lobendig hleib,.t, s,,li 
man es in die kircholl tragen, alsdelm soli der 
kirchendiener ungefi.hl-lich nachfi, lgonder weis da- 
mit handeln. 
1. Zum ersten fl-age er die hobammolt ,der 
alflanen wie und mit wa wç, rten dos kid ge- 
tauft, und wer dabei gewesen sel. 
2. Darnach verh¢ire er auch die aldol-Ol, so 
dabei geweSell welcher gestalt dos kilH1 gotauft 
sel etc, und ,,b es ein namen habe. 
So er denn befindel, dos es recht in 
namen gottes dos vaters und des s«,hnes und des 
heiligen geistes mit wasser gotauft worden sel, se, Il 
er gegen der versammlung der kirchen sprechen: 
Lieben fl-eunde» das kindlein, dos uns hic 
fiirbracht, ist seiner sorglichen schwachheit 
halben daheimen ina haus in dem uam«n g,ttes dos 
vat¢rs, sohues und hoiligon geistes, nach der ,rd- 
nung Christi, gîtauft wordon. Hiorauf damit dos 
heilige, hochwirdige sakrament der taule nich/ 
geschendet noch gottes w,,rt, so dabei gefii],ret, 
fr ein sport gehalten werde, soli es bel der 
empfangenen taufe bleiben raid nieht wieder ge- 
tauft werden. 
Und naehdem es noch keinen namen hot, 
soli es N. genannt wordn. Dorure s,llen und 
wollen wir uns dieses N.: als eines rechten gliedes 
uuseres herrn Jesu Çhristi und seiuer heiligen 
kirchen annehmett. 

und heiligen geist andorweit gebm'n und ira 
aile seine siind¢  vergel,.n hast sterke es nun mit 
dein«.r gnade, mohre in ira doinen hciligen geist 
dass es an ]eib nnd seele se]iglich autachso und 
in d«.m neuen ffiittliehen lohon, dazu du es heu 
getmron hast zuneme, tmd gib seintm eitorn 
und uns Mien. dass wir dit hiezu an disom kiml 
getroulich und seliglich dienen, datait aueh durch 
dasselbe md uns aile dein g;ittlichor naine immer- 
dar geheiliget und dein reich erweitert werde 
dnreh .lesum Christum, unsern herrn. Amen. 
Und zum beschluss sage er: 
Der friede dos herrn sel mit dit und mit 
uns allen. Amen. 
Wurden aber die ]em% sa das kindlein zur 
kirchen bringen, ouf des kirchendieners frage uu- 
gewiss autwart gehen uud sageu, de wussten nieht, 
was sie in s-lchor u,,t und schreckeu gedacht. 
riel weniger Iwie denn oftmals zu geschoben 
pflegt}, was sie goredt .,let gethan hetten, so 
matira man tmr nicht vie} disputirens, sondern 
taule es, ohne mehlung einigerlei condition, obeu 
beschriebener ordnmtg gontoss wio aile andren 
ungetauften kinder getauft werden. 

Von den altfrauel, 0, der hebammen. 

Bel donen ist gar «,ft grosser mangel und 
feil. dass sie greuliche v,llseuferin c, der aber aber- 
gleubis«he leur siml. ,lartiber dann manche 
fr,mme fracm, versecmot w«rden, etliche gar 
jemmerhchen um ir junges leben gebraeht, «,d«r 
sunst der liebe gott erzirnet wird, wanu abgiitterei 
getrieben und sein heiliger namon gelêstert wird. 

Wir wollen auch hiiren das heilige evan-I l)arnm soli ein jeder l,farl'hel'r zusehell weil 
12" 



92 

Das Herzoghum Preussen. 

s,,lehes in die seelsorge und unser amt gehtirt, 
dass er die altfrauen zuweilen ftirnehme, sie ver- 
mahne auf fidgende weise: 
Erstlich, dass sic ihres amies warnehmen 
und gut achtung geben, darinnen sic irem lieben 
gott die hende bieten, durch welche er die frucht 
s,, er geschafl'on, v,,m mutterleib in dies elende 
leben ftiret, und als,) dies werk wahrhaftig ein 
h«.ilig, g5ttlieh werk ist, se, zu der schSl£ung ge- 
h;;ret unseres herrn gottos, nach dem ersten artikel 
nnseres ehristlichcn glaubens. 
Zum andern, dass sie derhalben den 
lichen gott tiirchten und ftir augen haben, nicht 
h.sterin und vç, llseuforin sind, dann s-lchen 
siimlen ist g.tt feind, entzeucht d«.rhalben gar oft 
seinen segen, lesst solcho weiber vielo ding ver- 
sumen, dardurch sie schuhlig werden an mancher 
ehrlichen frauen gesundheit, leib und h.ben, dafiir 
sie dann d.rt anl jiingst«.n gericht werden schwere 
recheuscllaft geben, «la nicht allein solche frauen. 
s. durch verseumniss der altfrauen um i]lre gc.- 
smldheit, auch w,hl um loil und leben gebracht, 
s-ndern auch derselbigen liehc mcnncr, ja die 
armen waish.in ruf«'n und schreion werdon. 
Zum dritten, weil aber aller segen in 
diesem haudel der altfrauen allein b«'i den lichen 
g,,tt st«.h«.t nicht bel Maria, der r.inen jungfl'auen, 
nieht bei einigcm heiligen im himmel, sollen 
sie derllalben s-lche aberglaubische und abgStti- 
sche gébet in anrufung der heiligen unterlassen 
und gleichfalls sich hiiten ftir sonderlichen segen- 
sprechen nn,l dergleichen teufelischen fiirnehmen, 
welche gott allezumal verboten in dem anderen 
geb«,t. Ruf mieh ail, spricht gott, Psahn 50 ich 
wil] dich retten, wie ors auch allein thun kann 
als der allein alhm.chtig, derhalben allein darum 
ill gebeten sein, wie ira die ehre allein gebiiret. 
Zum vierten so]lon darum die altfrauen, 
s,bald sie in kindesniitllen gef-rd«-rt werden, ir 
werk mit «h.m heiligen geb,'t anfahen, die 
andcren frauen auch darzu vermahnen und gott 
mit dem heiligen Vater unser etc. anrufen von 
herzen, wie «ben angozeiget ist; darauf miigen sie 
das kleine gel)et auch spreehen: 

Eitl gebet in kindesniithen. 
Wir danken dir, herr gott, himmelischer vater 
dass du diesc ri'au mit fi-ucht des leibes gesegenet 
hast, und bitten dcine grundlose 1,armherzigkeit, 
«lu w«,llest dir dieselbigec lassen, als ein getreuer 
vater, bef,,hh.n sein, sie ihrer miitterlichen biirden 
gnediglichen entbinden und ihr nach den schmerzen 
die fi'eude geben, w«lche dein lieber sohn ver- 
triistet und zugesaget bat. Wir tragen auch, lieber 
herr Jesu Christe, dit in unserm armen gebet 
dies ungeborne kindlein auf dein wort frit, 
du sprichst: Lasst die kindlein zu mit kommen 

und bitten von herzen, lass es dein sein; kommet 
es dann darzu dass du es in unsere hende giebst, 
als wir zu dir genzlich hoffen und uns gewisslich 
versehen, so wollen wir es dit auch leiblich in 
der seligen tauf zutragen nach deinem befehl, 
der du bist der ewige heiland aller menschen, mit 
deinem vater und dem heihgen geist gelobet 
wahrer gott in ewigkeit. Amen. 
Zuln fiinften, auf solclles gebet sprechen 
die altfrauen den schwangeren frauen tr5stlichen 
zu, dass sie ihren tro.t frtihlichen auf den lieben 
gott setzen, der sie als seinen werkzeuge (wie der 
heilige Petrus die frauen lleisst, 1. cap. 3) nicht 
verlassen werde, und, ob sie gleich etwas schwach, 
dass si(. auf den ihr vertrauen setzen, der da 
kraft giebet, do sie nicht ist, und in den schwachen 
selbst kreftig ist. 
Zum sechsten n,,thtaufen ja die altfrauen 
kein kind, es sei denn ganz und gar zur welt 
geb.ren die tauf ist ein wiedergeburt, wo dann 
das kind n-ch nicht das erste mal zur welt ganz 
und gar geboren ist, wie kann es dann wieder- 
geboren werden. 
Zum siebenden nemen sie zu (let nof 
tauIP, was zu der tauf v,,n gott verordenet ist, 
niimlich wasser und wort machen kein eigenes 
nach irem oder auderer leut gutdunken, sondern 
halteu dem herrn Christo seine ordenung sonst 
ist es keice tauf das kann jedermann wol ver- 
stehen. 
Zum a ehten nottaufen sie kein kind allein 
w,» sie nicht zum wenigsten zw. oder drei frauen 
dabei haben. In dem round zweier oder dreier 
zeugen (spricht gott Deuter. 19) soli aile sachen 
bestehen. Kann derhalben die kirche das kind 
sonst nicht fiir getauft aufnehmen. 
En t lic h triiste der pfarrherr die altfrauen 
damit wann sic g-tt fiirchten und treulich han- 
deln dass es g«tt ihnen reichlich selbst vergelten 
will, wie er den wehemuttern oder altfrauen in 
Egypten guts gethan. Exodi 1 etc. 

Tr,,st fiir die schwangern und in 
ki ndesn;_it en. 
Frauen sind von art schuchter und klein- 
mtitig, s,mderlichen wann sie mit frncht des leibes 
von gott gesegenet sind: do haben sie immer sorg, 
es wolle brechen und mit inen zu grunde gehen. 
lamit sie dann wider ir arme blSde art und 
wider des teufels eingeben sich zu trSsten haben, 
solln sie allezeit folgende stiick fleissig ein- 
bilden : 
1. Ist es ja gottes segen und sein eigen 
werk, dass sie mit frucht des ]eibes begabet sind, 
do gott zur erhaltung menschliches geschlechts 



Kirchenordnung und ceremonien von 1568. 93 

durch sie leut geben nnd schaffen will, die in 
auf erden recht erkennen und im kunftigen leben 
in loben in ewige ewigkeit. Zu solchem hohen 
werk ist das liebe mutterchin unseres herrn g,ts 
werkstett und werkzeug nach erster erschafl'ung 
der welt, Genes. 1. Darftir sollen die liebeu freu- 
lein den ewigen g, tt h»ben, der sie zu solchem 
hohen werk der erschafl'ung und erhaltung mensch- 
liches geschlechts gebraucht. 
2. Die sehmerzeu «-rinueren sie des greulichen 
schadens, darein wir durch die verdanmte siindo 
gerathen sind. Gen. 3, setzen derhalben ir ver- 
trauen zu dem einigen mittler .le.su l'hristo, 
welcher uns zu trost der sunde entgegen gesotzt 
ist; erzaigen darauf iren gehorsam dem treuen 
frommen g-tt williglich, der sie also ziichtiget zu 
irem besten» wie ein vater sein liebes kind» 
Pr-verb. 3, und uben ,lariunen geduld. 
3. Fassen den trost, dass sie ja ('hristus 
also vertriistet, .l,»hann. 11; sie sollen nach der 
angst und schmerzen freude haben und darinnen 
Mies iibergangenes leides mit grosser lust er- 
getzet werden ; solcher gnedigen vertriistung warton 
sie auch mit lestera glauben und vertrauen. 
4. Oh sie dann ja der liebe gott darinnen 
abfordert% so tr;sten sic si¢h durcit den glauben 
ihres heilandes ('hl-isti und wissen, dass sie in 
einem gittlichen stand und heiligen werk betreten 
oder angetroffen sind, darinnen sie klares gottes 
wort haben, da.s die weiber sollen selig werden 

dazu gegeben uud einander ehelich zu haben ver- 
williget habên. 
Zum dritten soli er sich erkundigen, weil 
beide personen, d.r breutigam uud die braut, ,les 
gemeinen christlichon gcbets begehren, ch sie 
,lann selbst auch christen sind, die haul,tsttick 
chri.tlicher léhr und des catechismi kiinnen : 
dann weil wir prediger diéner ('hristi und der 
kirchen siud» und aber solche lout, so das predig- 
amt verachten, voa der christlichen lêhr nichts 
wissetl, riel weniger glauben oder betotl k;innon, 
darum keine rechte glieder sind der rechten 
wahren kirehen, wir dazu nieht segenon kiunen, di," 
gott verdammet und verflucht, nemlich dio un- 
gleubigen, se, k;innen wir auch solchen leuten 
nicht dienen und sie trauen, sic wo[lten es dann 
noch lernen and sich berichton lassen. 
Zum v i e r d e n soil der herr pfarrlwrr floissig 
uat:hforschuug haben, ob die verl,,bten p'rs«men 
einandern freundschaft halben verwant, «,,ler mit 
anderen l)ersonen t'tir der zeit verl-bet sind, und 
do er solches hefinden wtirde, soli er sir an don 
,wdinarium und bischof verweisen und verschr-iben 
und d,,her wiederum erwarten bescheides, was er 
darinnen zu récht d,un oder lassen s,,lle. 
Zun fil n ften : wo die l,ersonen unbekannt 
weren, wie gemeiniglich die dienstb,,t,.n sind, soli 
der pfarrherre nicht allein ihre namen uud zu- 
lamen, sondern aueh ire eltern, latld- and haus- 
herren, bel denen sie ,lienen, nenuon nud in der 
abkiindigung eigeutlich v,»n der kanzel namhaft 

durch kindergeberen, so sie alleiu bleiben in maehen. 
glauben in der liebe und in der heiligung sammt Znnl sec hs ten s,»ll das gewi;nliche auf- 
der zttcht, 1. Tire. 2, sind also unseres h«.rrn [ bieten vierzehn, oder w,» bekannte porsonen weren. 
gotte% sie leben oder sterbel ;im. 14. I auf wenigste acht tage vor der kiistung gescllehel. 

Voll trauung «ler eheleute. 
E rstlich sollen ,lie, s,, zu d«.r ehe greifen 
wollen» sich eine gute zeit zuvor, ohe dann sie 
sich w,llen trauen lassen, ihrom pfarrherren per- 
siinlich anzeigen und hinftirder kein paar ehevolk 
abgektindiget noch vèrtrauet werden» es komme 
dann der breutigam selbst mit seinem und der 
braut vater, oder anderen zweien ehrlichen 
mennern, die mit und bel dem beschlosseuen ehe- 
handel gewesen, oder d,,ch ja desselbigen gutr 
wissenschaft haben, and begere, dass er miichte 
sammt seiner vertrauten aufgeboten and nach- 
mais getraut werden etc. 
Zttm a n d e r n : bel solehen pers,rien soll sich 
der pfarrherre fleissig erkundgen, ob auch solche 
eheberedung mit wissen und willen beiderseits 
eltern, oder d« dieselbigen mit rode abgegaugen 
weren, mit wissen und willen der nechsten freund- 
schaft and vormunder geschehen sel, und ob beide 
personen, der gesell und die jungfrau» ihr jaw»rt 

datait raum gelassen werde demienigen, der vi.l- 
leicht darein zu sprechen hette. 
Zum siebentou: w«» der brautigam in 
einen b die braut aber in einem andern kirchspiel 
wonhaftig» s,»llen sic an beiden orten und kirehen» 
d,,hin ein jede person gewidemet, aufgeboten and 
abgektindiget werden. 
Zum achten sollon die pfarrherron fiir- 
sichtig sein dass sie frende uubekaunte leur, 
welche in ihr kirchspiel uicht gehiiron, keines- 
wegs trauen, es sel dann, dass sie v,,n derselbigen 
leut ihrem verordentem pfarrherren sondêrliche 
orlaubniss nn,l befehl auf angezeigte genugsame 
m'sache entl,fangen haben. 
Zum nennten s,lh-n breutigam nnd braut 
mit ihrer freundschaft und geladenen gesten in 
den stedten um zehn uhr sich zur kirche findeu, 
dann welche halbweg eilf zum lengsteu nicht in 
der kircheu sind, die solleu von deu pfarrherren 
oder caplonen das mal nicht getrauet werden und 
ungeschafft von der kirchen wiederum abziehen. 
Es ist «ft gemel«b.t and die gemeine regel 



94 

Pas tIerzogthum Preussen. 

in allen solchen eusserlichen ceremonien unter 
den christcn, dass alles soll ordelichen zugehen, 
darum die pfarrherren uber solcher zncht uml 
ordemmg, ans schuldiger i,flicht ihres amts billig 
halten und fi'omme christen ja gern s,lh.n darzu 
fi,rderung thnn wem seiche ordenung nicht 
thlh'n, s«,mlern nur lust und willcn hat an dem, 
dass es wunderlichen durch einander gehet und 
ie,h'r thut seines gefallens, der bekencet mit d.r 
that, dass «'r nach g,,tt, n,,ch nach natiirlicher 
ernunft nichts fraget. 
W«um aber alles naeh der ,,rdenung dr,,ben 
¢ehalten ist, s,,ll ,las aufbieten auf der kanzel 
f, dgemh.r gestah un,! als, gesch«.hen mit diesen 
N. und N. wollen nach gStflicher ordnuug 
zum heiligen stand der che 'reifen, begereu dess 
,in gemein christlich gel»et fiir sic. dass sic 
,'s in g,»tt,.s namen anthlu.n und w,,hl gerath% 
und hptte jemands was darein zu sprechen» der 
thu es Lei zeit «,der schweige h«.rnnch. 
gebe inen seinen segen. Antan. 
Vann sic nun zur kirch.n k,,mmen, s,,ll der 
I,riest'r fiir der ganzen kirchen und lieben 
mein dlese erinnerung thun: 
Lichen t'reundt, gegenxertig Laide personen 
ha]«.n sich ,,rd,.licher weise, mit wissen beider- 
seit eltern, fi»undsc]mft .der vormun,]er 
.h.enheit}, in den heiligen stand der che be- 
geben, s,lches v«,n der canzel lassen ,,flntlichen 
aufbieten und darauf das gemeine geb«.t begeret. 
Weil dann bis daher kein einspruch geschehen 
,lardurch di«" flirgenmnmene ehe verhindert 
uc«h m,,cht verhindert werden, auch keine hin- 
fi-,rt sc, ll gesta/tet noch zuge]assen werden, se 
w,]]en wir inen, als ,larzu erbetene eunde aus 
christlicher, herzlicher liebe nachmals zu solchem 
stand g,»ttes segen gllick nnd heil wunsch.n und 
aise mit einander flir sic beten: 
VaIer UlSer etc. 
l tarauf spreche (h.r priester zu bei,len per- 
soneli : 
W,,llt if euch nun daraut in gottes namen 
]assen in d,'n e]mstand zusammengeben, se /retet 
]ll'ZIl. 
Also tYage der priester den breutigam: 
N. willstu N. zum ehelichen gemahel 
habeu ? 
Dicat : Ja. 
Desgleichen auch zu der braut: 
N., willst du N. zmn eheliehen gemahl 
haben ? 
Dicat : Ja. 
Hier lasse er sie die trauringe einauderen 
geben und ftige ire beid«n rechten hende zu- 
sammen, schliesse dariiber seine recht,, hand zu 
uud spreche: 

Was gott zusammenfiiget soll kein mensch 
scheiden. 
Veil dann N. uld N. einanderen zu der ehe 
begeren, und solches allhie offentlichen flir gott 
und dieser christlichen gemeine als zengen znm 
jtingsten tage bekennen, darauf sie die hende nnd 
trauring'e einanderen gegeben, se spreche ich sie 
als ein diener Christi unseres herrn» ehelich zu- 
sammen. Ira namen des vaters und (les s,hnes 
und des heiligcu gcistes. Amen etc. 
Dorait lasse er sie fSr dem altar nieder- 
kuieen und sl, reclle also: 
Auf dass if dann guten bericht l.abet, wie 
gott diesen stand eingesetzt und ver,.rdenet, und 
ihr derl.alben nit mehr g,.ttesfureht und ten 
gewissen darinmm beisammen leben m;iget, weil 
if vernel.met, dass es g..ttes selbsteigene stiftung 
ist, daran er ei. l.erzlich wMgefallen hat, und 
dariiber halten will, s. llsret darvon g,,ttes wort, 
da,m als,-, schreibt M,,ses Genesis am andern 
capitel: Und gott der herr sprach: E ist uicht 
gut, dass de," menscl, alleine sel; ich will im ein 
gehiilfen machen, die sich zu ihm halte. Da liess 
g,,tt der herr einen tiefen sclllaf fallen auf den 
mensch«.n und er entschlief: und nain seiner 
riel,en eine und schloss die stette zu mit fleisch. 
Und gc, tt der herr bauet ein weib aus der riebe, 
die er VOlt «len menschen uam und bracht sie 
zu ihm. l)a sprael, der menseh: das ist doch 
hein von meinen beinen und fleisch von meinem 
fleisch; man wird sie mennin heissen darum dass 
sie vom mann genommen ist. Darum wird ein 
mann seinen rater und mutter verlassen und au 
seinem weihe hanen, und sie werden sein vin 
fleisch. 
larnach wende er sich zu ihnen beiden und 
rede sic al aise: 
Weil il,r euch nun beide in ehestand be- 
gebon haht in gottes namen, se hiiret aufs erste 
«las ebot gottes uher diesen stand. Se spricht 
S. Paulus: Ihr meuner, liebet eure weiber gleich 
wie f'hristus geliebet hat die g«.meine, und bat 
sich selbst fiir sic gegeben, auf dass er sie heiliget 
nnd hat sie gereiniget durch das wasserbad ira 
wort auf dass er sie ihm selbst zurichtet eine 
gemcine, die herrlich sel, die nicl,t habe einen 
flecken oder runzeln -der des etwas, sondern 
dass ie heilig sel und unstreflieh. Also s-llen 
aucll die menner ihre weiber lieben als ihre 
eigene leibe; wer sein weib liebet, der liebet 
sieh selbst, demi niemaml bat jemal sein eigen 
fleisch gehasset sondern er neeret es und pfleget 
sein, gleich wie auch der herr die gemeine. Die 
weiber seien unterthan ihren mennern als deln 
herrn, denn der mann ist des weibes haupt, 
gleich wie auch l'hristus das haupt ist der ge- 
meile uml er ist seines leibes heiland; aber 



Kirçhenordnung und cercmouien von 1.56. .q 

wie nun die gemeiue Christo ist unterthau, also 
aueh die weiber ihren rnennern in allen dingen. 
Zum andern hiiret auch das kreuze se gtt 
auf diesen stand geh'gt hat. 8- sprach gott zum 
weibe: Ich will dir riel schmerzen schaflbn, wenn 
du schwanger wirst. Du solt mit schmerzen 
kinder gebereu und dein wille soli deinem manne 
unterworfen sein und er soli dein herr sein. Und 
zum matin sprach gott: Dieweil du hase gehorchet 
der stimme deines weibes und gessen von dem 
baum, davon ich dit gebot und sprat'h: l lu se,le 
nicht davon essen, verfluchet set der acker um 
deiuetwillen; mit kummer soit du dich darauf 
neeren dein leben lang. dorn und distcln s, dl et" 
dit tragen und solt das kraut auf dem felde 
essen. Im schweis deittes angesichts soit du 
dein ,rot essen, bis dass du wieder zut erde werd.st, 
davon du genommen bise; denn du bise erde und 
solt zu erde werden. 
Zum dritten. 8o ist das euer trost, dass ihr 
wlsset und gleubet wie euer stand ver gott an- 
genehm und gesegenet ist. l lenn also stehet ge- 
schrieben: Gott schuf den menschen ira selbs 
zum bilde, ja zum bilde gottes schuf er ihn. Er 
schuf sie ein mennlin und fi'eulin, uttd gott 
segenet sic und sprach zu in: Seid fruchtbat" 
und mehret euch und fiillet die erden, und macht 
sic euch unterthan und herrschet tiber fisch ira 
rneer und uber vogel unter dem himmel und 
uber alles thier, das auf erden kreucht; und 
gott sahe ailes, was er gemacht hatt% und siehe 
da, es war alles seer gut. Darum spticht auch 
8alomon: Wer ein ehefrau findet, der findet was 
guts und schepfet segen veto herrn. 
Hier recke er die hende iiber sic und bete also : 
Herr ente, der du mann un«i weib geschaffeu 
und zum ehestaud verordenet hase, dazu mit 
fruchte des leibes gesegenet und dits sakrament 
deines lieben sohns Jesu Christi und der kirche, 
seiner braut, darin bezeichnet. Wir bitten deine 
grundlose gute du wollcst solch dein geschept; 
ordenung und segen niche lassen verrucken n«»cl, 
verdcrben, sondern gnediglich in uns bewaren 
durch Jesum Christum unsern herru. Amen. 
Darauf folge der segen Nnm. 6. 
l)er herr segne dich und bchiite dich. l)er 
herr erleuchte sein angesicht iiber dich und set 
dir guidig. Der herr hehe sein angesicht auf 
dich nnd gebe dit friede. Amen. 

Veto bann und -ffentli¢her buss. 

Christus hat bcides in das prediffamt er- 
ordenet, dass man darinnen nicht allein recht 
leren und falscher lere soll steueren und wehret b 
sondern dass man diejenigen, se die reinen lere 
annemen falscher lehre von herzen feind sied 

und die flieheu, soli 16sen und iueu vergehung 
der slinden in seinem namen verktindigen sic 
als ehristen aufnemen und der seligkeit gewiss- 
lieh vertriisten soli ; die anderen abcr, so mch keiner 
lere und predig nicht fragen, darwidel" gr/iblich 
und greulich siindigen, leichtfertig one furcht 
ergeruiss anrichten, dass man dieselbigen soli 
binden oder barmen, ihuen selbst zut anreizmg, 
zut besserung und anderen zum exempel, dass 
dattier sich scheuen, wie Paulus sage 1. C,,rinth. 5 
und 1. Tire. 5. Sf,lche zwei sttiek werden die 
gewalt der schliissel geuauut uud mit unterschied- 
lichen nameu naeh g»ttes w,,rt nnterschiedeu, dass 
das erste teil zu leren geheissen wird, l,,,testas 
ordinis, der lehrschliissel oder schltissel des «.r- 
kenntniss, wie ihn Christus nennet Luc. 11 ; das 
an&.r wird genennet l,,testas jurisdicti,,nis, «a 
man .flnt]iche stinder und ubertreter ofl'entlichten 
von der gemeine abs.ndert, bis sic wiedernm 
busse thun. 1. f'orinth. 5 und 2. Ïhessal. 3 ett'. 
Weil nu s,lcl,e gewalt der schliissel 
verordenung Christi niemands sperren kaun n0,ch 
sperren soll und in den kirchcn dieses fiirstei- 
thums in etlichen tblh.n es bis daher gehalten, 
dass man die personeu one ofli.ld]iche bus.se 
nicht wieder angen-mmtm, se wo]len wir es hin- 
fi;rder auch aise halte», wie fidget. 

lier erste fall: i'n den ell«rn, st ire kindcr im .«.hlaf 

,S,, weiber ihre kindcr ira schlaf el'druckcn. 
wie solches in die.en lauden, ge,te erbarm ,'s, viol- 
mais und gemeiner denn aders wo befunden 
wird, ist solches furwar ein erschrecklich last«.r. 
und wiewol seiches one willeu uud fursatz si« 
begiebt, kann es d,,ch, weil sic die kinder aus 
unvorsichtigkeit und vider f. d. attsgega»geln.n 
befe]ch zu sich in ihre bette nelnen, ,,ne gl'-sse 
unachtsamkeit oder trunkeuheit niche geschchen. 
und derhalben auch nimmer c,ne merkliche schuld 
und schwere siinde der mtitter zugehen, weil sic 
ihr eigen fleisch und blut. welchcs ihneu v,,n 
g,,tt dem allmechtigen niche allein zu ernehren 
gegeben, sondern zu bewaren h,»t'h und treulich 
hef,,hlen ist. se jcmmerlich verwahrlos-u, ja selbs 
ums leben britgen. Ans dit.st.n ursacheu aucl 
die christliche gemeine billich gegcu s-lch.m offe.u- 
bareu grossem ubel clic christliche straf des bannes 
brauchon soli und cine s«,lchc pers,u nicht fur 
oin christlich glied erkennen, n,,ch annenwn, 
sic hahe denu zuv,,r lit ofl'('ntlicher buss dass 
ihr s,,lche siinde lcid set und dass sic herz]ich 
der gnaden bvgere, fur dot" ganzen gemeine des 
«,rtes genugsam erzeiget, als nemlich, dass ste 
einen sonntag drei oder vint, nach umstendigkeit 
der sachen, an einem sondel-licheu sichtbarn ort 
in der kirchen unter der predig stehe in demiitiger» 



.q; Ias llerzothum Preussen. 

flehender weis und geberden und v-m i,rediger I leihs Christi, welcher ist die gemeine seiuer 
dem volke angezeigt, nach der predig aber durch I gleubigen, v,,n welchem leibe du dich selbst durch 
den cust-s oder gltickuer wieder aus der kirchen deiu laster abgeschnitten hast, das du demselbigen 

gewiesen werde, bis dass sic endlich der gemeinde 
recalwiliirt, vorsiinet und abso]virt werde, nnd lin 
rail, dass beide eltern an s«,lchor erdriickung 
ihrer kinder schuldiff, sollen sic zugleich oben 
angezeigter masseu btissen. 

Ferre drr reconciliation und absolulion. 
Liebcn freunde iu ('hl'ist«,, eu«h Mien ist 
ungezweifelt wissentlich, wie diese N. aus un- 
achtsamkeit und unfursichtigkeit sich an item 
eigeneu fleisch und blut etc., wi««vol «,ne willen 
verslindigt und datait g,»tt ,len allme«htigen schwer- 
lich erziirnet bat und darneben auch sol«h ubel 
unter uns ganz .fl'enbar und riiehtig ist, dadurch 
denn unsere christli«he versamlnhmg nicht ein 
kleine -der geringe orgerniss entl,fnnden bat. Die- 
weil aber seiche ihre miss-that und ergernis sie 
genzlich reuet und von g.tt dem vawr durch Jesum 
Christum, unsern einigen versiJuer und mittler, gnad 
und barmherzigkeit begeret, die ihr ungezweifelt 
auch von gott ira himmel unversagt ist, dabei auch 
s-lch leid mit offentlicher busse orzeigot und dar- 
durch sich mit uns allen, die sie als,, verseret und 
geergert hat, zu versiinon demtitigli«h bogeret, sollen 
uud wolh.n wir auch nach der h.re l'hristi und 
seiner almstoln herzlieh gern il,r seiches vorzeihen 
und um g,»ttes wi/len vergeben, auch g'-tt treuieh 
fiir sic. bitten, or wolle ihr gnedig sein uud hin- 
f, rt sie uud uns aile fur s,,l«h.r und anderer 
fel,rlichkeit gnediglicl, behiiten und bewaren. 
lerhalbeu lasst uns boten. 8precht mit an- 
dacht das heilige Vateruuser. 
tlernach lese «,der singe der pfarrherr einen 
psahu, deu 67.: Es w«,li uns gott ffenedig sein; 
,,der «h.n 51.: Erbarm dich mein, o herre gott. 
l)enn si»reche der ],farrer die biisserin an 
mit s,,Ichen worten: 
N., schwester ira herrn Christo, dieweil «lu 
das leid deines herzens iiber die begangene misse- 
that aise in der buss offentlich erzeigest, daraus 
denn aueh wir offentlich spiiren deine demut 
und dass es dich genz/ich reuet uud gott. der 
barmherzige vater, uns zuffsagt hat, durch .lesum 
l'bristum unsern heiland ira heiligen evangelio: 
WO ZW{2tlP IIIl[l'r euch eins werden auf ,'rden, warum 
es ist, das sie bitten wollen, das s,»ll ihnen wider- 
fahren von meinem vater ira himmel; denn wo 
zwene od«.r drei versammlet sind in meinem namen, 
da bin ich mitten unter ihnen; item: was ihr auf 
erden liisen werdet, soli auch ira himmel les sein. 
Aise sage ich auch zu dir an Christus statt und 
von seinetwegen: Sei getrost, meine tochter, deine 
stinde seind dit vergeben. Auch nemen wir 
dich wiederum an zu einem gliede des geistlichen 

seiest wider eingeleibet im namen gottes des 
vaters, des sohnes und heiligen geistes. Amen. 

Der andere fall: Vert den todt.chlegern. 
Weil gott der allmechtige zn tlidten gar mit 
grossem ernst verboten bat und das vergossene 
menschenblut gen himme], wie Abels, zu gott um 
tache schreiet, se ist derjenige, se fursetzlich oder 
mit zorn veto satan ubereilet und getrieben einen 
m.rd begeht, il, se facto excommunicatus, wie man 
zn reden pfleget, lerhalben ist nicht unf6rmlich, 
dass der missthoter bald nach der iibe]that ira 
selbigen kirchspiol vo der canzel in den christ- 
lichen bann gethan werde, nach der lehre und 
weise St. Pauli, 1. Cr. 5. Wo nu solcher dar- 
nach dem weltlichen gerichte durch abtrag ent- 
bl'icht und ihme von der obrigkeit-der herrschaft 
wiederum daselbst zu wonen gestattet wird, soll 
er bald darauf und mit dem allerersten durch die- 
selbige herrschaft zu dem consistorio zu K6nigs- 
berg mit einem briefe oder zeugniss gewiesen 
werden, von welchem er die abst, luti,,n uud dass 
er mit der christlichen gemeine, welche er mit 
seiner missethat schver]ich geergert hat. reconciliiret 
werden m;;ge, in aller demut bitten soll. Aber 
nach genugsamer verhiir uud erkenntniss aller 
umstende des fal/s oder todtschlags soli er wiederum 
gesandt werden an den pfarrherrn des kirchspiels 
von dem c,nsistori,* mit einem brief, darin der 
l,farrherr bericht werde, wie und velcher gestalt 
die offentliche buss dem gebanneten, nach unter- 
schied des falls und der circumstantien, soli auf- 
gelegt werden, also. dass er im selben kirchspie], 
da solche ergerniss gegeben, wiederum offentliche 
busse thue und mit der christlichen gemeine re- 
conciliiret oder versiinet werde nnd daselbst die 
absolution entpfahe, welche s,,ll in gleicher weise 
und f-rm wie «,ben vert weihern, se die kinder 
erdruckt baben, geschehen, do«h rnutatis mutandis. 
Darauf die l,farrherren mit fleiss achtung gebeu 
sollen, wo ihm.u solche form der absolution in 
des consitorii brief nicht genugsam allenthalben 
verzeichnet wiirde. 
Hierbei aber ist zu merken, lauts unserer 
vorigen kirchenordnung, dass seiche buss nicht 
der meimmg auelegt wird, als sei sie eine genug- 
thung fur gott, denn diese ehre der bezalung 
fur die siinde gebiirt allein dem bittern leiden 
und teuern blut unsers versiiners Jesu Çhristi, 
s.ndern sie soll sein ein beweisung und bezeagniss 
eines bussfertigen, reuigen und gnadbegierigen 
gemiits, und das sich auch mit der christlichen 
gemein, welche schwerlich durch seine mlsshandlung 
geergert und verseeret, zu versiinen begeret. 



Kirchenordnung und ceremonien von 1568. 97 

Zum andern soll in attfleguug solcher offent- 
licher buss nicht unterschied v.n wegen der 
person des todtsehlegers gemacht, nieht gunst noeh 
ungunst, auch nieht gesehenk, reichthum oder 
armuth, oder sonst freundschaft angosehen werden, 
weil gott t,n ansehen oder untersehied der p.r- 
s,,nen, allen und jeden: du solt nicht ti;dten, 
geboten bat. Derwegen soli auch kein todt- 
schleg'er der ,,flntlichen busse entnommen sein. 
Summa, es soli in keinem woge hicrin eigener 
nutz gestcht werden, wie dann etwa die buss 
geniess getragen bat. 

Der dritte t'ail: Von dene, so zeuberei oder war.a.erei 
treibelx, oder sich zu inen halten, rath bei ihnen uehen etc.. 
Naehdem aueh die zeuberei eine schreck]i«he 
siinde wider das erste und hichste gebot gottt.s 
ist und derhalben gott seIbst die zeuberer ILn(l war- 
sager, es sind manns- oder weibsl,ersonen , zu tiidton 
bef,,hleo, Levit. 2t, Exod. 22, wie denn auch die 
weltlichen ublichen rechte, sond,.rlich auch dit.ses 
herzogthums Preussen, dieselben ara lehen strafi.n. 
und doch gleichwohl heimlich hin und wieder viol 

seinera volk dieselben ausrotten. Daher eiu 
jeglicher wissen und schliessen soli, dass, se 
jemand zu don zeuberern ,der wahrsagern zu- 
flucht bat, als dt.r sich selbst odor die seinen sein 
vieh oder anderes seffn«.n oder bi;ten lesst, od«.r 
in andero wege hiilf und ratlt bei itmen suchet, 
dass derselbe ips,, facto oder mit der that von 
g-tt dem herrn abgefallon t«lor abtriiunig w«,rdeu 
set, u«d nicht ono wahre, herz]iche reu oder be- 
kermtg wiedorum von ihm zu gnaden werde an- 
gen,mmen. 
Derhalben auch oin soleher, so seine misshand- 
lung fur don leuten kund und offenbar ist, nicht 
kann noch soli fur oin gliodmass der christlichen 
kirchett geachtet worden, bis dass er dur«h 6ff'eut- 
liche buss mit ihr versiinet und derselben 
wiedcrum wird cingeleibt. 

Der vierte rail: Von deu vere«,htern der predig des giitt- 
lichen »rtes und der h.ehwirdien sakrament. 
Feruer, sintoma] gespiir«.t, das riel hohes 
und niedriges stamles seind, welcht, sich v,,m 
sakrament entlmlten und biswoil,m in jaren 

(wie zu besorgen) in diesem ]and getrieben wird, ] z«eien oder dreien, auch m(.hr, zum hoehwirdiffen 
stdlen die prediger mit hohem floiss und ernst wider abendmal des leibes und blutes .lesu ('hriti 

solche siinde und laser, dor zeuheroi, weidlerei, 
wahrsageroi, schwarzen kunst, teufe]sbannen, be- 
schweren, krystallsehen, sammt allen abgtittis«hvn 
segnen, b6ten, zeichenmachen oder -doutvn und der- 
gleichen anderem aberglaubon predigen und das 
volk darfur verwarn«.n, allcll don grossen zorn 
gouttes widor seiche stind sammt der eussersten 
gefahr loibes und der seolen, darein ste dadurch 
fallen, ihnen wol einbilden. 
Und se iaberdios jemands befimden, der sich 
hierin vergriffen und entweder selbst zeul,or«i 
oder wahrsageroi getrieben oder sich zu denen, 
se sic treiben, gehalten, hiilf und rath bei ihnen 
gesucht, oder die warheit von verlornen ,der 
sonst verb-rgonon oder zukiinftigvn dingen bei 
ihnen zu erkundigen sich unterstanden, des 
dieselben auch genugsam uborwiesen, oder sonst 
gestendig, und doch die weltliche obrigkeit die 
ara halse zu strafen oder auch des landes zu ver- 
weisen, unterlassen wtirde, st,lien dieselben dem 
eonsistorio durch die pfarrherren angezoiget und 
nach desselben erkenntniss ,flçntliche busse zu 
thun angehalten werden. 
Und datait sich nicht aus oiselait ,,der 
wissenheit jeman,l au gott dermassen verstindig% 
st,lien die leute ausdriicklich unterrichtet werden, 
dass auch diejenigen, se der zouberer oder wahr- 
sager dienst oder hiilf gebrauchen, wider gottes 
ernstlichen befehl schrecklich siindigen wie 
Levit. 19 geschrieben stehet, dass gott sein ant]itz 

,ticht gehen, s,ll oin jeder l,farrherr in seinem 
kirchspit.l auf seine schat'e, sic soind hohes ,,der 
niedriges staudes, die sich solchs enthalten, gnt 
acht goben und sic zuvorn in geheim hernach 
ungemelt die l,orst, non ingomein auf dom 
l, redigtstuhl erinnern, wie drobcn in ,ler beichte 
darv«n gemeldet; und wo dann hernachmals nicht 
enderung odor bessorung ge»piiret, nachdem sic 
sich soli, st v,,u dor gemeinschaft und communi- 
kation des leibs un«]. bluts Christi, wie St. PatLhls 
rt.«l,.t, absonderten und don befehl Christi: «las 
thut zu meinem ged«.chtnis, st» wenig achten oder 
gar vergessen wollten, so]leu die pfarrherren 
s,lchs dern consist-ri- zu vermelden und an- 
zukiindigen schu]dig sein, und d,,eh dasselb nicht 
klags-, sondern allein berichtsweis und sich 
ri.mers rathes zu erholon fiirbriugen. I)as c,n- 
sist,rium aher s,»ll soit'ho pers,mon filr sich be- 
scheidcn u«d nach erf,,rschung aller umstende 
und ursachen, auch na«h gethaner christlichen ge- 
nugsamen unterriehtuug sic fiir,lerlich v,,n s-lchem 
unchristlichen, ergerliche van,h.] abzustehen und 
dagegen der ],ei]igen sakrament, a]s abs,,lution 
und abendmahls, christlich zu gebrauchen, ver- 
maneu und «mhalt«.n, und se alsdemt ectwe,lor 
keic gebtihrlichs crbieteu geschihct, oder attch 
nach gethanem erbiet,.n und zusagcn gleichw,,hl 
kein enderung n,»ch hesst.rung erfolget, dieselbe» 
in bann erkleren un,l ,lemnach dem pfarrherrn 
dos orts, da die personen gesessen, zuschreil,en 

wolle setzen wider diejonigen, se sich zu don I und solches offentlich in der kirche abzukiindigen 
warsagern and zeichendeutern wenden, anti ans I befehlou, datait man sich attch derseiben in Mien 
Sehling, Kirchenordnungen. IV. 



98 

Ias Ilerzogthum Preussen. 

anderen geschiflen enthalte und, bis sie sich 
bessern, meiden thue; denn dieweil sie den bund 
und gezeuliss dot vergebung dvr siinden verachten 
nnd aise des herru ('hristi bundzeichen und 
siegol vers«hmehen, ists auch biilig, dass man 
ein soich pers, m, sic sel mann, frau oder jung- 
frau, vermvide. 
I)er f/infte fall: Von den offentlichen «,tteleterern, elle- 
brechern und andern derleichen ererlichen leuten. 
Item, es s-lien die pfarrherren, wie ira vor- 
hergehenden artikei von der Leicht vermehlet, je 
mit treuem hohem fleiss in der beicht, oder 
durch andere gelegenheit ing,heim, und wo keine 
h«.sserung f,,iget, auch inemein .ffentlich in der 
kirchen v-n dm schendlichen, gr.ben, offentlichen 
]astern als gottes]esterun, ehehruch unzucht 
huren, wuch,'r, saufl.n un,1 d,.rgleichen, diejenigon, 
so datait befleckt, ahzustvhen erinnern, dann wo 
nicht b«sserun geschehen, wiirde man hieriunen 
den bann auch zu geLrauchen verursacht werden; 
s,,llen derhalhen die pfarrherren, wo in soichem 
fal]e «.in ham tïirfallen und vert n¢iten sein 
w.llte, daseibig an das konsistorium zu KiSnigs- 
t,erg gh:icher gestalt, wie v«,m vorhergehenden 
fall vermeldet, gelangen lassen, datait aisdenn mit 
gutem reifen rath darvon gel,an&dt und gerath- 
st.hlagt un,l nielnand mit gefi'hrde iibereilet, noch 
der strafwirdigen verschonet werde. 
.h.d,ch lassen wir in diesen feilen ailen, zu- 
mal der weitlichen obrigk,.it, il,re straf, wtinschen 
v«,n h,-'rzen, dass sic mit mehrem ernst dieelbigen 
exequil-ete, wie ihr g,,tt bf,,hlen hat, und sie 
darfur wird miissen ait jent«n tar gar schwere 
recl,enschaft geben, aber dieweil man lass und 
faul, s, nelnen ,lie laster iiberhand, grosse iaster 
bringvn grosse strafe, al.o gehen land und leute 
zu triimmern, um der obrigkeit nachlessigkeit 
willell: wie David sagt l'salin 82. 

Wie man die krankon leute be- 
richton und triSsten soli. 
S- «.in kirchendiener zu einem kranken ge- 
rnfen wird. soli er anfenglich warnehmen, wie 
es mit dem kranken der beschwerd und kiimmer- 
niss I,alben eille gestalt habo, nemlich -b der 
ira allein ,leu h.iblich«.n schmel'zon lass anliegon, 
,,,lot ,,h or am'h der siindvn und des verderhnnss 
hescilword trage; wie es lin der kirchendienêr 
befindet, ais, st,il er auch seine unterweisung und 
triistung mit erklerung g6ttlichen zorns und gaaden 
ans g-ttos w-rt darnach richtell. Wo nu bis- 
weilen r-he, gottl.se ioute fiirfailen, die eino lange 
zeit sich rem sakrament enthaiten un,l allch in 
keine predig gekommen sein. vieileicht auch 
weder das vaterunser, glauben n.ch zellen gebot 

ki:inncll, soli der priester seiche leut, se in der 
krankheit des sakramentes begern, ihres robert, 
gottiosen iebens haiben nicht ungestraft lassen, 
sondern ernstlich durch gottes wort ermanen, dass 
sie reu und leid darob haben, und ferner inen 
von christlicher iere, s,nderlich dem rechten ge- 
brauch des abendmahls ('hristi mit htichstem 
fleiss unterricht thun. Item, wo leute in 6fient- 
lichen iastern, ais g«tteslesterung, ehebruch, 
hurerei, langwierigem zorn, hass, neid etc. gelegen 
sind, s,ilen sie aufs hechste ermanet werden, 
dass, weil sie gott mit krankheit ziichtiget, sie 
billig aucil buss thun, nemlich seiche ihre be- 
gangene siinde mit offentlicher reu und leid be- 
kennon und abstelh'n soilen, datait sie nicht in 
greissern und ewigen z,rn g,ttes einfailen. 
Veelche nu dergleichen christliche straf 
und unterricht nicht annemen, s-ndern uber die- 
selbell noch verstockt und halsstarrig bleiben, bel 
dvnselbell, ,bwol ein christlicher kirchendiener 
nicht aisbaid ablassen, sondern ailerlei freundliche 
und auch ernstliche mittei gebrauchen soil datait 
er sie wiederum auf den rechten weg bringe, 
jedoch wo er es ailes versucht und nichts aus- 
gericht, soli er sie iiegen iassen, denn unser 
herr Christus verbeut es hart, dass man die 
perlen nicht fiir die seu soli werfen, sondern die, 
se christlich unterricht und vermanung nicht 
wollen annemen, ais heiden gehen und fahren 
iassell. 
Die sich aber weisen iassen, besserll wollen, 
und nachdem sie ihren glauben auch bekannt, die 
heilig absolution darauf begeren, soli der kirchen- 
dieller on ailen verzug ihrem begern voll- 
ziehung thun; dt21111 Zll welcher stunde sich der 
siinder erkennt und gnad begert, se wiil ihn 
(_'hristus an- und aufnehmen. Solchs soli ein 
kirchendiener auch thun, se er anders seinem 
amt will gnug thun; jed-ch soli er ira in gegen- 
wertigkeit zweier frommer menner den kranken 
das lassen zusagen, wo ira gott von soicher krank- 
ileit hiift, dass er fortan sein ieben bessern und 
woih" fri;mmer werden. 
Die andern aber, se in ihrem gewissen selbst 
und zuvor betrtibt und erscifiagen sind und der- 
halben keines soichen ernst bediirfen soli der 
kircheudiener aisbaid mit dem evangelium triJsten 
und zur geduid und gvh,,rsam vermanen. 
l?erner mit der privatabsolution sich haiten 
gegen den kranken, wie es mit den gesunden ge- 
haiten und oben in dem titel vert der beicht und 
absolution beschrieben wird. 
Und dieweil das sakrament des abendmals 
von unserm herrn Christo dahin vermeint und ge- 
ordnet ist, dass dureb desselben niessung das 
bitid, zaghafte gewissen ira rechten glauben ge- 
tr6st und gesterket werde und aber der krank 



Kirchenordmmg und ceremnien v¢m 1568. 

in ansehung, dass er dureh sehwaehheit des leibs 
zur sehwachheit des glaubens viel heftig«.r ge- 
reizet und in allerlei anfechtung gez,,gen wird, 
der sterkung des glaubens sehr nottiirftig ist, 
se soli ein kirrendiener den kranken auf 
sein cbristlich gebiirlich beger um,d bekem,ntniss 
seiner siind {se er volt ihm ailein hi;ren soll 
auch glaubens an 3esum {'hristum mit «lent sakra- 
ment des nachtmahls versel,en, in nachthlgeuder 
fi»rm. 
Erstlieh fi»rdcrc er das a»dere volk ira sel- 
bigen hause in das gemacl,, darinuen der kral,ke 
lieget, thue ei»«. kurze einfi.ltige u»terri('bt 
vol dem tf.st, 
griffen ist» vermane zu berzlicher andacht und 
dem gebet. Darauf kniee er bel dm kranken 
nieder tmd bete mit ihm das vaterunser fein laut. 
Darnach trete 'r fur d.n tiscb, der mit auf- 
gelegtem reinem tuch zu der commu»i,»n fi'i, 
ehrlich zugericht und da die l,ostia und 
wein ist und sprech die w,rte uners h,.r,'n 
('hristi rein laut, bei einem jedeu uuterscl,iedlici,: 
Unser herr Jesus C'bristus, in der nacht, da 
er verratl,en ward, nan, er das l,rod, dankt 
braehs und gabs seinen jiaugern un,l sprach : 
Nemet hin und esset, das ist meiu lib, der ftir 
eueh geeeben wird, das thu zu meinem ge- 
dechtniss. 
Nach diesen worten gebe er ime das brod 
und spreche: 
Nimm hin und iss, «las ist der l,.ib .lesu 
('hristi. der fiir deine siinde gegeben ist. dot 
sterke dich mit seiner gnad zum ewigen leb,.n. 
Amen. 
Darnaci, treto er wioder zn dcm tiscl,e und 
si,re, ch witer : 
Desgleichen nain er auch don kelch nacb 
dem abondmal, daokt, gab in d«.n und .,pracl,: 
Trinket aile daraus dieser keh'h ist das neue 
testament in meinem blut, das fiir euch v«.r- 
gossên wird zut vergebung der stimlen. So/cht.s 
thut se oft ihrs trinket, zu meinem gcd«.cbtniss. 
Nach diesen w,rten reiche er il,n, den kelch 
mtd sprecl,e : 
Nimm hin und trilk, das ist «las blut uns«-rs 
herrn .lesu Christi, das fur deit,e stindo vergossvn 
ist, das sterke dicl, mit seiner gnad zum ewigvn 
leben. Amen. 
Wenn tttl der kranke mit deln sakrame»t 
versehen ist, vermane er ihn zum gel)et und 
spreche ira aise ver: 
Lasst uns nu gott danken und sprecht mit 
llae|l 
Ieh danke dir allmechtiger gott, dass du 
mich durch diese h.ilsame gabe «les leibs ut,d 

hlnts deines se,lines .lesu Christi h.'tt erquicket 
und bitte dicb» «lu wollest mit s,lches gedeien 
lass«n zu starkem glauben gegen dit» dass ich 
auf d«in barmherzigk«'it ailes wagen mtd durch 
hfilf deiu«.s sohnes und des hciligen geistes ailes 
fiberwinden uml deiner zusago uach ewig leben 
m/;ge. Amen. 
Ira fidl aber dass jemand lraukh«qt b.dben 
des sakraments nicht geniessen odor es ficbt 
halt«qt klinnte, da mag man mit d«m w«,rt dest,, 
fl.issiger auhaltcn uuterrichten 
der uuwill sich gesetzt 
niess(.u mi;ge, losgl,ichen, w» jemand ia der 
krankht'it seiner vernunf beraubt wird, s.l der 
kirchendiener, s- zu ibm gefordert it auch allt.n 
miiglichcn fleiss bei ira mit dem w,rt furxenden. 
s«,nderlich aber mit d«m gobe't, das sakr:mwnt 
aber s»ll er ilm b w«.il's dcrmassen mit ibm steh«, b 
nicht gel»en. 
l';s begi«'bt sich bisweilen das die leut 
schon in die ziig, bab-n gegrifli:n ,,d«.r uicht 
mehr bel veruunft seiu,I, weun der kirrhendiener 
zu ibu,.u g«.fordert wtrd, da mag man mit ernst 
g, tt fiir slch(, hitteu, dass er ilmen ire. stinde 
verg«.ben und sic durch I'bristum selig w,ll 
macben. ])as sakrament aber st, Il man ibn, 
weil es dermassen mit ihnen sthct, nicht geb«.n. 
S«,tderlich wenn es r,,be h.ulegewest die des 
wortes nicbt geacbtet haheu. Itocb soli man mit 
dem gebet fl«.issig ibrer n.th sich ann«.hmen, oh 
mat's errotten und orbitton kliunte. Es soli auch 
der kirchendiener durrh seiche eschreklicbe 
exempel gelegenheit uohmcn ,li« leute zu ermanen, 
dass sie iu ihr-r krankheit mit dem begebreu des 
sakraments aicht aise bis auf die letzte noth ver- 
ziehen, sondern sich bei zeit darzu schicken. 
lin Ili aber, dass dot kranke» se noch bei 
guter vernunft gowest und das beiliffe sakra- 
ment empfangen bet, bald darauf, weil der 
kircbendiener noch bri ihm were, in die zfige 
grilt, da ists uicht mohr vert u;ten, den leuten 
se zuv«,r also unterricht, lang und vi«-I in die 
obreu zu schreien, wie man d,»ch gemeiniglich 
pflegb sondern er, dcr kirch,.ndiener, soli nieder- 
kuieen und auderc aurh zum gebot +rmauen, 
«.rstlicb laut fin vat,.runser b«.teu und aride.re ihm 
heisseu nachbeten md daruach ungethbrlich mit 
diesen worten s('hliessen: 
Herr gott himmlisch«.r vater, du hast uns 
durch deinen sobn ('hristum zugesagt, w,, zweine 
unter euch eins wer(h.n anf erdcn, warm es ist. 
das sie bitten wollcn, das s»ll ihnen widcrfahr(.n 
von meinem rater ira himmel. Auf s,lche zu- 
 sagung bitten wir fiir gcgenwcrtigen N., dcinctt 
diener, denn er ja in dem namen Jesu getaufL 
und dich ewigen g-tt nnd deincn sohn Jeuut 
Christum und gott den heiliget geist fur uns 

13 • 



100 Daa Herzogthum Preussen. 

offentlich bekennet bat, du wollest ihn guedig au- 
nemen ihm seine siinde vergeben in aller an- 
fechtung gnedig behiiten und ewig selig machen 
durch Jesum Christum deinen sohn und un.sern 
herrn. Amen. 

Von dem begrebniss. 
Es bringeu zwar dcuen, so in unserm herrn 
.Iesu Christo seliglichen entschlafen und aus diesem 
zeitlichen leben ver«hieden sind, unsere dienst 
auf erden keiucn nutz. I)ann dieweil Christus 
sl»richt: h'h bin die auferstehm,g und das leben, 
wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich 
stiirbe, und wer da lebt und glaubt an mich, 
der wird nimmcrmehr sterben, J,,h. 5 und 11, so 

ganzer halber tag dahin, dass sie ire lectiones 
verseumen unà nichts studiren. 
Zum andern soli keine leich uber vier- 
uudzwanzig stunden unbegraben liegen, sondern 
in der zeit zu der erden bestetiget werden; weren 
aber erhebliche ursachen derhalben man lenger 
datait verziehen niisste als zuweilen bei denen 
vom adel und andern geschicht von wegen der 
ferne abgelegenen freundschaft, soli doch solches 
mit wissen und willen der «,brigkeit und pfarr- 
herrt geschehen. 
Zum d r i t t e n s,,ll niemands begraben werden, 
es sei denn der pfarrherr oder caplan um das 
begrebniss besucht der sich zu erkundigen hat, 
wie sich die verstorbene t, erson in ihrem leben 
und abschied christlich oder unchristlich gehalten 

sind wir daraus gonugsam versicher b dass, welche  habe, datait lnan sich mit dem begrebniss dar- 
in dcm glauben und vertrauen attf uusern einigen ] nach wisse zu halten, l)enn was gottlose roh- 
herrn und heilmd .le-um l'hristum v,,n dieser . lose leute gewesen, die nach g,,tt und seinem wort 

welt gcscheiden sind, die hahén allbereit die ruhe 
des ewign selige lebens und werden mit freuden 
besitzen die herrlichkeit des kiiaftigen reichs an 
dem jiingsten tage. durch unsern herrn Christum 
auch leibli«h, welcher den leib er vergche gleich 
in der erden, ira wasser, iu der luft oder feuer, 

nichts gefraget, ihr leben in siinden und schanden 
bis auf ihre gruben oue buss und besserung un- 
christlich zugebracht und a/s,, dahin fahreu, wie 
David sagt, als ein xiehe, die soli man auch lassen 
hintragen ,»hn«- gesang und liutcn und begraben 
wie eine kuhe etc. 

wie «.r w«,lle wiederum auferwecken wird und Zun vierten stehet es ja ubel und Ull- 
ehnlich machen sein«.m verkh.rten ]eib, nach der [ christlich, wenn man s,mderlichen ausser gemeinen 
kraft und wirkung, datait er kann auch al]e ding  sterbens]euften auch die christen a]so ohue ge- 
ihm unt««'thenig machen. Phil. 3. sang und erinnerung mit dem liuten wie ein 
Nichts dester weniger so]len wir unsere ver- unverniinftig thier dahin schleppt. ,5oll derhalben 
st,rbene ehrlich begraben und zur erde eben allezeit, wo nicht die ganze, doch die halbe schul 

der ursach g,.biirlich bestotigen, danit wir solchen 
fr,'ilichen trost cicr kiinftigen auferstehung mit 
der that bezeugen, und auch der lieben jugend 
einbilden, danit sic wisson und sich des mit uns 
zu erfreuen haben wider den unfreundlichon, greu- 
lichen anblick des t«,des dass dieser kiirper in 
der «rden »icht bleiben wird sondern an dem 
jiingsten tage unverweslich wiederum v,n der 
erde aufi'rstehen und in gr,s»er klarheit und herr- 
lichk«.it mit 'hrist,j und allen auserw«hleten leben 
in ewiger freud und seligk«.it. 
Unterd«.ss wissen wir und sind gewiss dass 
die leibe allda in der erden rugen als in einer 
schlafkammor, Jes. 2t;. S,,ll derhalben der «»rt 
sauber schtin und rein gchalten werden und keiucs- 

oder ein viertel darvon bestellet und zuu wenigsten 
mit dent kleineu geliut das volk dess erinnert 
werden. Wer zu geben hat, der gebe, wo man 
aber die armuth weiss, dienet billig einer dent 
andern aus schiildiger pflicht der brliderlichen 
licb. 
Zum fiinften, von dem haus an, da die 
leich ausgetragen wird, singer man: 3lit fi-ied 
und ffend etc, daraut latine: Si bona suscepimus, 
,dent: Media rira. Nachmals: Aus tiefer noth etc. 
oder: Mitten wir im leben sind etc. 
Zum sechsten: will jeman,1 eine predig 
hab«qL der kann sie bestellen bei dem pfarrherrn 
oder caplan, d,»ch dass dievlbe liber eine halbe 

wogs gestattet, dass das vieh darauf gctrieben I stund«, nicht were. In diirfern soli zuweilen der 
od,.r and«.re unreinigkeit dahin gebracht werde, text 1. Thess. 4, und darauf die lektion, so zum 
ende hier f,,lgot, dem armen, einfeltigen volk 

Anf dass es dann ailes feiu ord,'lichen zu 
d(.r begrebniss zugche, soli man e r s t I i c h darzu 
gewisse zeit und stund«, sonderlich in dm stedten 
halten, und datait die schii]er an ihrcn ]ectionibus 
destcr weniger gohindert werden s,,llen die be- 
grebnis, wem es also bequem were, furmittage 

fiirgelesen werden, auf dass sie den artikel von 
der auferstehung der todten auch lernen. 
Zum siebenten wenn man die leich in 
die erde leget, singet man: Nun lasst uns den 
leib begraben etc, darauf die collekten etc. 

ura heurt, nachmittage um drei uhr best,.llet und End 1 i ch soli ailes saut'en und schlemmen 
ja um zwtilf der schulen, so riel inmer mtiglich, ] bêi der 
begrebniss 
hinf6rder 
abgethan 
seil3  
uld 
verschont werden» sonst gehet den kindcru eiu  wo es christliche personen sind so in gott ent- 



Kirchenordnung und ceremonien von 1568. 

schlafen, der pfarrherr und sehulmeister dazu er- 
beten werden und mit zu dem begrebniss gohên. 

Lektion bei der begrebviss 
auf den text 1. Thess. 4: ''il- wollen etlCh abor, 
lieben briider, llicht verhalten etc. 
Lichen brider, St. Paulus leret uns 
diesen worten, wie wir uns gegen unsere todte. 
halten s-llcn nemlich, dass wir lficht trauern wie 
die heiden, sondern die lebendige h.flhung, so 
wir in Christo nnsernl lieben heiland hahen, die 
soli aile trattrigkcit messigeu und vertreibeu. Uud 
sollen wir allhie merken, dass zweierlei le,t 
ihre todten beweinen. Die ersten si,d die hei&.n 
und ungleubigcn, die trauern one hofl'mmg, 
sie haben keine erkenntniss gottes, auch keinen 
gewissen grund der auferstehung der todteu, da- 
rum halten sic es darfiir, weil ihr freund gestorben, 
s» sei es gar mit ihm nus, haben ihn ganz und 
gar verloren und ailes, was sie v«,n ihm g«.haht, 
xon fleuri und freundschaft sei ganz und gar da- 
hin nud vom Ioe hinweggerissen: dies ist eine 
heidnische traurigkoit, die der h«ilige Pa,lus 
den christen nicht haben will. Dargegên sind die 
christen, die ihre todtên auch bewoinon, 
Sirach lehret cal». 22 und :]8, aber ihre traurig- 
keit behelt die frtiliche hoflhung, datait sie die 
schmerzon lindern und stillen. 
Wolches ist denn solche h,,flhu.g und tr,,st? 
Den setzet nu ,St. PauIus alIhier ans gottes 
wort, weil vernunft dav«n nichts weiss und 
spricht: 
Dann so wir glauben, dass Jesus gest,,rlaea 
sei und wieder aufcrstanden, so wird gott auch, 
die da entschlafên Çind, durch .losum mit ihm 
fiihren. 
,Sehet, lieben br[ider, welch ein trost ist da% 
dass gleichwiê gott unsor rater seinen liebcn s,hn, 
u,sêrn herrn Jesum ['hristum nicht ira tod ge- 
lassen hat sodcrn wicdcrum erwecket nnd in 
das ewige b-ben gesetzt, alto wird er auch uns 
{die wir glaubcn) lficht ira tod lassen, 
horausser in das ewige h.ben ftihren, R:im. 8 und 

erwachen, ais heisst die schrift unserer ver- 
storbcnen fl-eund abschicd einen schlaf, darvon 
sie mit freuden wiederum werdell aufwachen. I.t 
aber if schlafen nichts anderes, dann dass sic 
von aller ihrer grossen miiheseligkeit aufgeh6ct 
haben und mit all iren krcften und verndigen 
in gott gez»gen sind, gleich wie die schinen 
blumen des winters in ire wurzeln mit all irer 
macht, geruch und schiinhcit gezogell, liege, d.n 
wi.ter schlaf«.n md rugen, his sie di- friilichc 
meienzeit wied.r vrweckct, ,la sie dam mit all 
ihrer zig-r, geruche und kretien wiederum herfiir- 
k«n]nlen. 
Also sollt ihr auch nicht gede,kea oder sorge 
tragcn, dass cuere todten schmerzeu habeu ,der 
bekmmcrniss wie wir, s,nd(.rn sic rugeu gar 
sass und sanft i, ('hrist, J«.u u,d sind ihre 
krefte eingezogen in gttt und mit gott dol sie 
anfenglich gegeben hat lige. und ti.iren bis an 
de, fi'iih]iche jiingsten tage. da sie wied«.rum 
w«.cket w«.rden tnt(1 wie di«. lichen he]len sterlt% 
ja wic die schiine so.ne daher leuchten ira «.wigc, 
rcich mlsers herru .h.su ['hristi, ht, i dem wir 
sein werden a]lozeit, sagvt l'au]us, u,d mit 
leben in ewige exigk«.it. Amon. 
Solchen tr.st ]asst uns thsson uwl uns darzu 
auch bel'eiten, weil wir den weg alle zumal gehen 
mssen, dass wir aile stund fcrtig sind und ein 
ioder gedcnke, wie er sich darzu schicke in ('hristo 
Jesu, unserm hei]and, (h.rhalben sein wort fieissig 
und geln h;ire die hochwirdig.n sacramenta off 
suchc und gebrauche, mit eincm christlichva leben 
und wandel dem ]ieben gott diene, auf dass, wenn 
der herr k«,mmcn und uns abf,,rth.rn wird. xir in 
solch,,r trtJstli(.hel h,»fintmg auch seliglichen miigen 
entsch]afen. Aine.. 

Beschlus. 
Wir w0,11e. Mie fi0,mme herzen treulich 
bcten und veterliel»en ermanet haben, se w,le. 
solcher unser kil'chelmrd(.,ulg als cine bequeme 
ubung der predig nld gmtes worts zu ihrem 
besten fl'issig gebrauchen, und wcil ir die reine 
lehre lmch haben, sich s.olcher gnadeuzeit und 

2. ('or. 4. SVer will sich nu dieses tr,,stes ,icht juboljahrs ja bess(.rn, delta da ist kein zweifel 
erfreuen und aile seine mmiitze traul'igk«.it fur I an gott wird sein wort dieser undaukbaren 
dieser berschwenglichen freude nicht fahre, lasse, welt wieder durch mancherh.i r,,tten lemen, 
und sieh nieht vielm«hr s.iner todten erfreucn, I dal'um lerno, wer h.rnen kann. wie denn gelegen- 
¢rf) 
dass sie 11,, in  tt ]eben, dal'tilfi uns 
weiter truster und spricht, sie seien nicht todt, gcl»e tins al[eit seinvn segen un«l heiligen geist, 
sondern sehlafen. Lass mit doch das ein trlist- datait wir die klcilen zeit uriner wallfhhrt odcr 
iich wort sein, dass sie nicht todt sind, sondern pilgramschaft auf 
sehlafen. Vahr]ich, wer da sehleft, der ist nicht i herzen schicken, datait wir mit f'r«'uden zu dem 
todt sondern ruhet sich VOll vorigor seiner arbeit, ] kfinIigen ewigeti vaterland kolnlnen luiigt.ii iii 
datait er dester frischer m6ge zu seiner zeit wiedor Christo Jesu, unserm heilaud. Amen. 



1(12 Das Herzogthum Preussen. 

Collekten oder gemeine gebet sammt den versikeln, von der zeit und festen des ganzen 
jars zut mess, metten tmd vesper, wie oben vermeldet, zu gebrauchen. 

Ira advent. 

Lieber herr gott. wecke llllS auf, dass wir 
hereit sein, wellll dein sohll konlmt, iii mit 
freuden zu entpfallen, und dir mit l'eilwm llerzen 
zu dienen, durch denselbigen deinen s«,hn, Jesum 
Uhristnm, unsela herrn. Alnen. 

Auf weihnachten, VOII cicr geburt 
['hristi. 
Hilf. lieber herr got, dass wir der neuen 
leiblichen geburt deines sohl,s theilhaftig werden 
nud bleihen, und v,»n unser alten siindlichen ge- 
burt el'lediget werdon, durch denselbigen deinen 
s,,|ln, .|esum Christuln, itllSerli herrn. Amen. 

Auf ]'u l'ifieationis. 

Allnwchtiger, ewiger g«,tt, wir bitten dich 
herzlich, gieb uns. dass wir deinen liehen s,-,hn 
el'kennen und preisen, wie der heilige Simeon ihn 
leiblich in die arme gen-mmon und geistlich ge- 
sehen und erkennet hat, durch denselbeu doinen 
s,hn, .levure l'llristum unsern herl'l. Amen. 

bestendig, dich allezeit loben, und dir dankell, 
durch denselbigen deilwn sohn, .lesum Christum, 
unsern herrn. Amen. 

Ana tage der hilnmelfahrt Christi. 
Allmechtiger herro gott. Vel-loih uns die wir 
glauben, dass dein einiger sohn, unser heiland, 
sei heure gen himmel gefahren, dass auch wir 
mit ihm geistlich ira geistlichen .wesen wandlelt 
Ulld w,,hnen, durch denselben deinen sohn, .losum 
f'llristvm, nnsern herrv. Amen. 

Auf l't'ingst en. 
Herr gott, licher vater der du [an dies«-m 
tage) deiner gliubigen llel'zen durch deinen heiligen 
geist erleuchtet und gelêret hast, gieb uns, dass 
wir auch durch denselbigen geist rechten verstand 
haben, uud zu aller zeit seines trosts und kraft 
uns freuen, durch denselbigen deinen sohn, .lesum 
Christuln, unsern herrn. Amen. 
A nmerk. Dieses gebet mag man auch an gemeinen 
sonntagen halten, uni erleuchtung des heiligen 
geists zu bitten, das nur die worte: {ail diesem 
tage) ausgêlassen werden. 

Ara tage Marii vel-kiindignng. 

Il gott, du hast gew,,llt, dass dein sohn sollte 
v,,n dom leib der heiligen jungfrauen Maria, durch 
verkiindigung des engels, das fleisch ail sich 
nemen. Verleihe uns, dass ir glauhen, dass 

Auf Trinitatis. 

Allmechtiger ewiger gott, der du uns ge- 
leret hast, in rechtem glauben Zll wissen nnd 
bekenuen, dass du in dreien i,ersonen, gleicher 
macht und ehren, ein einiger ewiger g,,tt, und 

sie gottes gebererin sei, dass wir auch den nutz I dafiil" anzubeton bist. Wir bitten dich, du wollest 
und die frucht seiner mellschwerdung miigli I uns bei solehem glauben allezeit lest erhalten, wider 
liberkommell, ailes das, das uns Inag anfechten, der du lebest 
und 1-egiel-est vert ewigkeit zu ewigkeit. Amen. 

Von dem leiden ('hl'isti. 
I 
Barlnherziger, ewiger gott, der du deines I 
einigen sohnes nicht verschollet hast, st,ndern fiir 
nns aile dahin gegeben, dass er unser siinde ana 
kreuz tl'agen sollte. Verleihe uns, dass unser 
herz in solchem glauben nimmermehr erschrecke 
noch verzage, durch denselben deinen s,,hn, .lesum 
l'hristuln, llllSel'll herrn. Amen. 

Auf ostern. 

Allmechtiger gott, ciel" du durch dell t,d 
deines s,,hnes die stind und tod zu nichte ge- 
mach b und durch seine auferstehung unschuld und 
ewiges leben wiederbracht hast, auf dass wir 
von der gewalt des teufels erl0set in deinem 
reieh leben. Verleihe uns dass wir solches von 
ganzem herzen glanben» und iii solchem glauben 

Von den engeln. 
Herr gott, himmlischer vater der du deille 
engel zum schutz nnd schirm der menschen, wider 
des teufels tyrannei ulld der welt bosheit ge- 
ordnet hast. Wir bitten dich. du wollest solchen 
schutz gnediglich iiber uns el'halten und durch 
deinen heiligen goist helfen, dass dein wille bei 
uns menschen auf erdel b wie ira himmel von deinen 
engeln geschehe, auf dass wir nach deinem willen 
leben, und dort ewiglich dich loben miissen, durch 
Christuni deinen s,»hn, unsern herrn etc. 

An gelllei]le]l so]l]ttagell. 
Um fromme prediger nnd kirchendiener. 
0 allmeehtiger, giitiger gott und vater unsers 
herrn Jesu t'hristi, der du UllS ernstlich befohlen, 



Kirchenordnung und ceremonien von 1568. 13 

dass wir dich bitten sollen um arbeiter in deine 
ernten, das ist, um rechtschaffene prediger deines 
wortes» du wollest uns rechtschaffene lerer und 
dioacr deines gt)ttlichen w,rts zuschicken, und 
denselhen dein heilsames wort in das hÇrz und 

stand und ein friedlirh regimt.nt, auf dass sie ihre 
unterthanen in fried, tube und einigkeit be- 
schirmen und regieren. Erlengcre inen, o gott 
unsers heils, ire tag, auf dass wir unter irer 
herrschaft dcinen gSttlichen namen, samml inen, 

den mund geben, dass sie deinen befelch treulich heiligen und preisen miigen, durch unsern herrn 
ausrichten und nichts predigen, das deinem heiligen [ Jesum ('hristum etc. 
wort entgegen sel, auf dass wir durch dein himm- 
lisch ewiges wort ermanet, geh'hret, gespciset, Um friede. 
getrSst und gesterkt werden, thun, was dit ge- 
0 gott, du stifter «les friedes und iiebhaber 
fellig und uns fruchtbarlich ist, durch unsorn I der liebe, wer dich erk[.nnet, der lebet, wer dit 
herra Jcsum C.hristum, deinen son etc. 

Um gedeihen des g6ttlichen worts. 

0 ailmechtiger gott, wir bitten dich, gib 
deiner gemein ¢i«.inen geist und gSttliclle weis- 
heit, dass dein wort unter uns lauf und wacbse, 
nnd mit aller froudigkeit, wie sich's gebiirt, ge- 
predigt, und dein heilige christliche gemein 
dadurch gebessert werde, auf dass wir mit be- 
stendigom glauben dir dienea, und ira bekenntnuss 
deines namens bis an das ende verharren, durch 
unsern herrn etc. 

Um einen gottseligeu wa.del. 

Allmechtiger herr gott, der du bist ein be- 
schiltzer aller, die auf dich h,,ffeu, on welches 
gnade niemand ichts vermag, noch etwas fur dir 
gilt. Lass deine barmhorzigkeit uns reichlich 
widerfahren, -auf dass wir durch dein heiligs 
eingebon gedenken, was recht ist, und durch 
deine kraft dassclbig vollbrinffcn, um .Iesu Christi, 
unsers herrn will,.n. 

Eine anderc. 

0 hcrr, wir bitten dich, gib uns allezeit 
gnodiglich einen geist, zu denken tul,i zu thun, 
was recht ist, auf dass wir, die wir on dich nicht 
sein k6nnen, nach dit auch leben miigen, durch 
Jesum Christum, unsern herrn, der mit dir in 
wreinigter gottheit des heiligen geists lebet und 
regiret von ewigkeit zu cwigkeit. 

Ftir weltliche obrigkeit. 
0 barmherziger, himmlischer rater, in welches 
hand bestehet aller menschan gewait und wolfahrt 
der frommen, in welches hand auch stehen alle 
rechte und gesetze aller reich auf erden. Wir 
bitten dich, siehe gnediglich auf deine diener, 

dienet, der regiret. Beschirm dein,, demiitigen, 
behiit uns fur allem anlauf dot feinde, af dass 
wir kein waffen der feindschaft fï, rchtcn, die 
wir uns auf deinon schutz verlassen, durch .Iesum 
Christum etc. 

Ein andere. 

Iterr g«,tt, himmlischer vater, der du heiligen 
muth, guten rath und rechte werk schafl'e.t, gih 
&.inen dienern fi'ied, welch«.n die wclt nicht 
kan gében, auf dass unser herz an deinen ge- 
b»ten hange, und wir unser zeit durch deinet 
schutz still und sicher ftir t'eindoa leben, durch 
Jesum Christum, deinen sohn, unsern herrn. Amen. 

Fiir die feinde. 

I allmechtiger, ewiger g-tt, der du uns be- 
f,,hlon hast durch deinen einigen son, unseru 
lieben herrn .lesum l'hristum, dass wir unserc 
finde iieb haben, den,.u, dio uns beleidigen. 
gutes thun, und fiir unsere verfi,lger bitten sollen. 
Wir schreien ernstlich zu dir, dass du all unser«. 
f,.inde w,,llest gnediglichen heimsuchen, ihnen ware 
feu ihrer siinden verleihen, und mit uns und 
der ganzen christenheit ein freundlichs, gottfiirch- 
tigs, eiuhelligs gomtith und herz gobon, durch 
unsern herrn etc. 

Um gedeien und erhaltung der friicht 
und allerlei segen. 
0 allmechtiger g,,tt, cwiger vat,.r, d,.r du 
durch dein ewigs g;ittlichs wort alle ding er- 
schaffen hast, sognest uud er]wltst, wir bittou 
dich, dass du dein ewig wot, unsern herrn .lcsnm 
('hristum', ms w,,lh.st ,,tt;mbarn und in unser«, 
herzen pflanzen, dadurch wir nach ,leiner gna,1 
wirdig werden, deinen giittlichen segen iiber alle 
friicht der erdcn uud aih.s, was zut leiblichen 

unsern lieben landesfiirsten uud aile or,lentliehe  n,,tttrft gehiirt, zu entl,fahen , uud solche gab 
obrigkeit, datait sie. das weltlich schwert, ihne [ zmn l, reis deines gittlichen namens und unseres 
von dit bef«,hlen» nach deinem befohl fiihren migen. [ nechsten dien.t zu gebrauchen, dru'ch denselben 
Erleucht und erhalt sie bel deinem gttliche]  unsern horrn Jesum ('hristum. deinen s«,hn, der 
namen» gib ihnen lieber herr» weisheit uud ver- I mit dit etc. 



1(14 Das Ilerzogthum Preussen. 

Um regeu oder schines wetter. 

IIurr gott» hirmnlischer rater, der du gtitig 
uud barmherzig bist, und uns durch deinen s«,hn 
verheissen hast, du w«,llest dicl, unser in alh.rlei 
noth gnedig annehmun, wir bittun dicl,, siehe 
nicht ait illlser missethat, s,mdern unser n-th und 
deine harmherzigkeit, und schicke einen gnedigen 
regen ioder g,tedigen sonnenschei), auf dass wir 
durch deine giite IlllSer teglichs brod haben, uud 
dich als einen gnedigun g«»tt erkennun und preisen 
mtigen, durch unsern herrn .lusum l'hristum etc. 

Um vergebung der siinden und ai,- 
lassung dut" verdienten straf. 
Il allmechtiger herr g«»tt himmlischer vater, 
der du nicht lust hast an der arlncn siinder tod, 
h.ssust sic aurh nirht gerne w.rdcrben, s«mdern 
wil]st dass sic hekerut werden illld leben, wir 
hittun dich herzlicl,, du w,llest die wol,lverdiente 
straf unsr(.r siindc gnediglich abwendeu, und 
uns hin6,rt zu bessern deinu barml,,'rzigkeit mil- 
diglicl, verleihen, um .Iesu Cristi, uusers herrn 
willen. Amen. 

Ein audere. 

0 alhnuchtiger, barmherziger g,,tt Iind himm- 
li»eher rater, dus barmherzigkeit kuin unde ist» 
der du langmiithig, gnudig uml v«,n grosser glito 
uud treu bist, und vcrgibest missethat, tiber- 
tretung unl siindu. Wir hal,uu missguhandult uud 
sind gottl«,s gcwescu, und dich -ft erztirnet, dir 
alleine habeu wir gesiindiget ulld unrecht fur dit' 
g«'tl,an. Aher 1,urr, gedenkc nicht ail uusero 
vorige missetl,at, lass bahl ,leiuu harml,urzigkeit 
liber uns gr«;sser sein. dunn wir sind fast elend 
w«,rdun; 1,ilf uns, gott unsurs heils, errette uns 
und ver'ib uns unser siinde um Ciel- ehrcn willen 
deines heiligun namens (lnd von wegen deines 
lichen s,,ns, (inseres heilands .lesu 'hristi der 
mit dir etc. 

UIII hiilf und beistand in der all- 
fuchtung. 
t[-rr allmuchtiger gott, dur du der ch.nden 
seufzen nicht verschmehest und dur betriibten 
|lerzen ver]angun nictlt verach/est, siche doch «in 
»lll.er gui»et, welches wir dir iii IIlSel- uoth fiir- 
bringcn, und urtliire nais gncdiglicl b dass alles, se 
beide vonl teufel und lllell.CIl['ll wider uns strebt 
zu nicht und nach dcm rath deillCr giitc zer- 
trennet werde auf dass wir von aller anfcchtung 
unverseret dir in duiner gemcin dankun und 
dich alluzeit l«»ben durch Jesum Christum deinen 
SOll unserll herrn. 

Um erkenntnuss und dankbare auf- 
nemung des segens uud aller wol- 
that gottes. 
Herr gott bimmlischer vater vert dem wir 
ohn unt«rlass allurlei gutes gar liberfliissig ent- 
pfahen und teglich fiir allure ubel ganz gnediglich 
behtitet werden. Wir bitten dich, gib uns durch 
deinen geist solchs ailes mit ganzem herzen in 
rechtem glauben zu erkennen, auf dass wir deiner 
milden giite und barmherzigkeit hic und dort 
etviglich dankeu und dicll loben durcll Jesum 
Christum, duinen sohn. unsern herrn. Amen. 

Fiir die gemeine 'hristenheit. 
Allmectltiger  ewiger gott, der du durch 
deinen hciligun gcist dic ganze christenheit 
hciligest und regirest, erhSre unser bitte und 
gieb gnediglich, dass sie mit allen iren gliedern 
in rcinem glauben durch deine gnad dit diene 
durch Jesum Christum deincn s«»hn unsern 
herrn. Amen. 

Versikel, se. ver den collekten, in den 
metten und vesper gesuugen werden. 
Ira advent. 
B«.reitut den weg dem herrn, 
Macht seiue steig richtig. 
In weiheuaehtu. 
Uns ist uin kind geboren. Alleluja. 
En son ist uus gegehen. Alleluja. 
Ara tag Pnrilieationi«. 
Nun lest du. herr, deinen diener ira fl-iede 
fahren, 
1 ]Ullli meine augen hal,en deineu heiland geseheu. 
V«m leiden Clri,ti. 
l'hristus ist um uuser missethat willeu ver- 
wundet, 
Und lin uuser siinde willen zuschlagen. 
A»lf o(ern. 
['hristus vrai deu todten erweckt stirbt hinfurt 
nimmer. Alleluja. 
lh, r tod wird hinfurt uber in nicht herrscheu. 
Alluluja. 
Anf ['hriti himmeifahrt. 
['hristus ist aufgefallren in die ll/;he, Alleluja, 
Und hat das gefengniss gefangen. AlleIuja. 
Auf pliugsten. 
Schaff in mir, gott, ein reines herz, 
Und gieb mit einen neuen, gewissen geist. 



Kirchenordnung und ceremonien von 1568. ]0.5 

Trlnitatis. 
Wir loben gott den vater, sohn und heiligen 
geist. Halleluja. 
Und preisen ihn von nun an bis in ewigkeit. 
Halleluja. 

An gemeinen taen. 
Erzeige uns, herr, deine barmherzigkeit, 
Und gieb uns dein heil. 

Folgen die symbols oder bekenntnis des glaubens. 

Das bekenntnus oder symbolnm der 
apostel. 
lch glaube an g-tt, rater, allmechtigen 
schiSpfer himmels und der erden. 
Und an Jesnm Christum, seiuen einigen s,,n, 
unsern herrn, der entpfangen ist v,n dem heiligen 
geist, geboren von der jungfrauen Maria, gelitton 
unter I-'ontio Pilato, gekreuziget, gestorben und 
begraben, niedergofaren zut hellen, ara dritten 
rage aufirstandên von den t.dten, aufgefaren gen 
himmel, sitzend zur rechten g.ttes des allmêch- 
tigen vaters, von dannen er k,,mmen wird zu 
richten die lebendigen und die t,»dten. 
lch glanbe an den heiligen geist, eine hêilige 
christliche kirche, die gemeine der heiligen ver- 
gebung der siinden, auferstehung dos fleisches und 
ein ewiges leben. Amen. 

Das bekenntnus oder symbolum des 
Nicenischen Concilii. 
Ich gleube an einen einigen, alll, wcl,tigen 
gott den rater, schtil,fer himmels und der erden, 
ailes des, das sichtbar und unsichtbar ist. 

Und an einen einigen herrn Jesum Christum, 
gottes eingebornen s,,hn, der vom vater geborn 
ist vor der ganzen welt, gott von gott, licht van 
]icht, warhaftiger gott vom warhaftigen gott; 
geborn, nicht geschaffen, mit dem rater in einer- 
Ici wesen, durcit welchen ailes geschaffen ist, 
welcher um uns monschen und um unsrer selig- 
keit willen vom himnwl k,,men ist, und leib- 
haftig w,,rden durch den heiligen gei»t, von der 
jungfrauon Maria, u,id mensch worden. Auch fur 
uns gekreuzigt, unter P,,nti,, Pilato, gelitten und 
begraben, und ara dritten tage auf«rstanden nach 
der schrift, und ist aut)4efahren gen himmel und 
sitzet zut" rechten des vaters. Und wird wider- 
komen mit herrligkeit, zu ricl,ten die lebendigen 
und die t,dten, des reich kein ende haben wird. 
Und ail den herrn, den heiligen geist, der 
da lebndig macht, der v,,m rater und dem son 
ausget, et, dcr mit dem rater und dem s,tt zu- 
glcich angebetet und zugleich geehrot wird, dor 
durci, die propheten goredet bat. Und eine einige 
heilige christlich«, apostolischc kirche. Ich bokenne 
oin einige taule zur vergobunff der siindcn, nnd 
leben auf die auferstehung dcr todten, und eiu 
warte der zuktinftigen welt. Amen. 

Das symbolum oder bekonntnus St. Athanasii. 

Wer «la wil selig werden, der muss fiir allen 
dingen den rechten ehristlichen glauben haben. 
Wer denselben nicht ganz und rein helt, der 
wird ohne zweifel ewiglich verl«ren sein. 
Diss ist aber der rechte christliche glaube, 
das wir ein einigen gott in drei pe.rsonen, und 
drei personen in einiger gottheit ehren. 
Und nicht die pers,rien in einander mengeu 
noch das geittliche wesen zertrennen. 
Ein andêre pers-n ist der vawr, ein andere 
der sohn, ein andere der heilige geist. 
Aber der vater und son und heiliger geist 

[ter rater ist ewig, der s-hn ist ewig, der 
heilige geist it ewig. 
Und seind doch nicht dl-ei ewige; s-ndern 
es ist ein ewiger. 
f;leichwie auch nicht drei ungeschaffcne, n,,ch 
drei umnessliche, sondern es ist eiu ungeshaff,.ner 
und ein unmesslicher. 
Also auch, der rater ist allmechtig, der s,,lln 
ist allmechtig, der heilige geist ist alhnechtig. 
Und seind doch nicht drei allmechtig,, soudcrn 
es ist ein allmechtiger. 
Also, der vater ist g,,tt, der s,,n ist gott, 

ist ein einiger gott, gleich in «loi- herrlichkeit, [ der heilige geist ist g-tf. 
gleich in ewiger majestet. ] Und seind d,,ch nicht drei gi)tter, sondern es 
Welcherlei der rater ist, solcherlei ist der ist ein gott. 
sohn, solcherlei ist auch der heilige geist. Also, der rater ist der horr, der son ist der 
Der rater ist nicht geschaffen, der s-hn ist herr, dcr heilige geist ist dor herr. 
nicht geschaffen, der heilige geist ist nicht ge- ] Und seind deh nicht drei herren, sondern es 
schaffen. ist ein herr. 
Der rater ist unmesslich, der sohn ist un- I Denn gleich wie wir miissen nach christlich,r 
messlich, der heilige geist ist unmesslich. I warheit ein jegliche person fiir sich gott und 
Sehling, K/rchenordnungen. IT. 14 



las tlerzogthum l'reussen. 

herrn bekennen, also kiinnen wir im chri,tlichon 
glauben nicht drei giitter oder drei herrn nennen. 
Der vater ist vou niemand weder gemacht. 
w»t'} geschafln, n-ch geborn. 
ler s-n ist a}lein vom rater, nicht gemacht, 
n,,ch gescltaffen s-ndcru geborn. 
lh'r heilige geist ist vom rater und son 
nicht emacht, nicht geschaffen nicht geb,rn 
ond«rn ausgelwn,1. 
8o ist's nuu, ei» vater» nicht drei vter, ein 
s-n. nicht drei s;ne eiu heiliger geist nicht 
drei heilige geister. 
Und unter diesen drei personen ist keine 
,lie erste keine die letzte keine die grsseste 
k«.ine die kleineste. 
S,nd«.rn alle drei l,'s-uen seind mit einander 
gleich ewig gleich gross. 
Auf dass als-, wie gesagt ist, drei lrs«,l«.n in 
,.ill«'r gottheit, und ein g,,tt in drei Iwrsonen ge- 
«.hret werde. 
Wer nun wil} selig werden, der muss also 
v,_,n den drei persanen in gott halten. 
Es ist abor auch hot zur ewigen seligkeit, 
das man treulich gleube, das .lesus f'hristus 
unser herr, sei wahrhaftiger mensch. 
8o ist nu dies der rechte glaube, sa wir 
gleuben und bekelmen, das unser herr .lesus 
l'hristus gottes sohn. g-tt und mensch ist. 
f;ott ist er aus des vators natur v-r der 
elt geb-l'n, mensch ist er, aus dor mutter natur 

mensch mit verniinftiger seeh.n und menschlichem 
leibe. 
Gloich ist er dem vater nach der gotthêit 
kleinêr ist er dênn der rater nach dêr menschheit. 
Und wiewol er ott und mensch ist, so ist 
er dt»ch nicht zween, sonderu ein Christus. 
Eim.r» nicht das die gt, ttheit in die mensch- 
heit verwandelt sei, sondern dass die gottheit bat 
die menschheit an sich gen-mmen. 
• la, einer ist er, nicht dass die zwo naturn 
vermenget seind, sondern dass er ein einige 
person ist. 
Denn gleichwie leib und seel ein mensch 
ist, so ist g-tt und mensch vin Çhristus. 
Welcher gelitten bat um unser seligkeit 
willen, zut hellen gefahren, am dritten tage auf- 
erstanden v,,u den todten. 
Autgefaren gen himmel, sitzet zut rechten 
g-ttes, des allmechtigen vaters. 
Von dannen er kommen wird, zu richten die 
lebendigen und die todten. 
Und zu seiner zukunft miissen alle menschen 
auferstehen mit ihrên eigên leibern. 
Und miissen rechenschaft geben, was siê ge- 
than haben. 
Und welche gutes gethan haben, werden ins 
ewige leben gehen, welchê aber biisês gêthan, ins 
ewigv louer. 
Das ist der rochtc christliche glaube; wer 

in der welt geb-ren, denselben nicht fest und treulich gleuht, der kann 
Eiu vollkommener gott, ein vollkommener I nicht seiig werden. 

Das symbolum odor bokonntnus, wolehes man zusehreibt St. Ambrosio und Augustino. 

t;,,tt, dich l,,b,.n wir. herr, dich 1,reisen wir. Du sitzest zur rechten gottes in der herrlich- 
l;ich, ewigen rater, ehret die ganze welt. keit des vatêrs. 
Aile cngvl himmel und alle gewaltigen. Und wirst k,,mmen ein richter, wie der 
'herubim und Scral,him singen dit laut on I glaube bi, flet. 

uiitel'lass. 
Himmel tmd q-den ist voll doiner herrlichen 
majestet. 
Dich lobt die herrliche samlung der almstel. 
Und der l*;bliche haufe der l»ropheten. 
Auch der reinen martercr schar. 
I tirlt preiset die heilige kirche in aller welt. 
Itich, rater, der du bist unmesslicher 
majestet. 
Ehret auch deinen rechten einigen son. 
Und den trii.ter, den heiligen geist. 
Du bist, o ('hrist% k/inig der ehren. 

So bitten wir dich, komm zu hiilf deinen 
dienern, die du mit deinem theuern blut er- 
liiset hast. 
Hilf dass wir sammt deinen hêiligen mit der 
ewigen herrligkêit begabet werden. 
Hilfdoinem volk, herr, und segene dein erbe. 
Leite siê und êrhebe siê êwiglich. 
Wir lobên dich teglich. 
Wir prêisen deinen namen immêr und 
ewiglich. 
Du w,llest uns, herr, diesen tag fiir siinden 
gnediglich behtten. 

Itu bist der ewige son des vaters. Erbarm dich unser, herr, unser erbarme dich. 
lh hast nicht gescheuet der jungfi'auen l,'ib, [ Lass deine giite uber uns walten, wie wir 
das du mensch wiirdest nnd uns erl6sest, auf dich hoffen. 
Du hast des rodes stachel iiberwunden und [ Wir hoffen auf dich herr, lass uns nimmer- 
den gleubigen das himmelreich aufg'ethan. I mehr zu schanden werden. 



Von Erwehlung der beiden bischoff. 1568. 

14. Von erwehlung ,ler beiden bischoff Samlan,lt and Pomezan, ira hertz,gthumb l'reusscn, auch on irem ampt; 
verordnung der visitation und anderem, so zut fiirdernng und erhaltung des iwedigt-ampts and sehulen, 
christlicher zucht uad garer ordnung von niilhea ist. Von 15;. 
[Nach dem l)ruck Kr»nigsberg 1565. Vgl. oben S. 26.] 

Sintemal von gottes gnaden, wir Albreeht der 
elter marggraf zu Brandenburg. in ]'reussen etc, 
herzog etc. ]tiebevor mit wissen, gu/em rath und 
wolbedacht fiir niitz gut uud rathsam angeseht.t b 
diê beiden bistumb, se wir anfangs unsercr fiirst- 
lichen regierung allhie in dicsen landen gefund«.n, 
nach ahthuung des verfiusterten hal,sttumbs und 
desselben grcuels mit christliehen pr«lalou und 
lehrern zu versehen uml zu bestellen, wollen wir 
dem zu f,,lge, g,,tt dom allmechtigen zu ehren, 
zu erhaltung nnd zu erbreiterung seiues alloin 
seligmaehenden l,eilsamen worts und der r«inen 
lehr des heiligen evangelii dieselbol bistulnb 
alzeit erhalten und dahin traehten, des sic mil ge- 
schiekten g,,ttsftirehtigen mennern bestellet werden. 
Die residenz der bisel,ofen soll sein wie 
volget, nomlich des ,ambh.lldisel,en zu Ki;nigs- 
l»t.rg, d,, er auch bisher gewesen, des Ponwzani- 
sehen aber zu Liebem|ihl. 

Volt der wahl der bisch,,ffe. 
3lit der wahl abor «bhemeldter bisch,,ffe soli 
es dergestalt gehalteu werden, des diesolbeu mit 
gutem rath des jederzeit im Ioben wesewlen 
bischofs, aller fiirstliehen h«»t'- und landrethe, 
daneben acht personen von der herrschaft un,l adel, 
und dann acht aus tien stodten Iwelche 16 per- 
sonon eiue landschaft vert land und stedten selb.t 
darzu zu deputireut und dan» andorn gelabrtea 
fiirçhtigen kirchendioner erwehlet s,,llon wel.dOll. 

.lurisdieti.n dor bisehofe. 
Es sollon auch hiemit obbemeldto i»ischt,fl. 
ihre geistlieho roffiment und vollkomnene juris- 
diction in geistlich«.n und kirchensacheu uugehin- 
dort ftihren und bohalton, aise», dass sie dieselbige 
ihre jurisdiclion nach gottes w,rt und i|blichem 
christlichon gehrauch in lehren, predigon, auf- 
sehung und bostelhmg, aller nothwotldigen dieust 
der kirchen, executiml solcher lehr und l,rodigto, 
wie sie ans gittlichom wort gruud hot, und niellt 
anderst zu jederzeit gebrauchen und zum hesten 
oder erbauung der kirchen, zu verhiitung ab«r 
aller irriger falscher lehr nnd schaden der kirchen 
fortsetzen, und mit allen treuel tteiss bef||rdern. 

ailes ganz christlich, floissig und w,,l bestellet, 
fleissig und guto aufsoh«.a zu habeu hoch niitig. 
s,,llen die bisehofe ubor solche allzumal 
aih. pfarherrn in geistlichen g6ttlicheu sachp 
handeln, so die reim" lehre iii11 befiirdorung ,ler- 
selbe belangend ihre habemle v,,llk,,mmone juris- 
diction gebrauchen, und s, mderlich du. flçissie 
troue autheht haben, das reine lehre v,m allen 
obengemeldten personen recht getrieben tlnd be- 
f(irdect, all«u eiugeschlicheneu oder auf konftige 
zeit einsehleichende secton, .'g,.ruisseu und zer- 
riittungen in der kirchen und schuleu gewehret, 
tmd was dem ('orpori l)oetrinae so ann,, 1567 
uns, se» w«d eiuer -rb;ircn landeh:tft v,,n alleu 
stend«a angen,,mmo ist, zuwider oder entgeg«n 
refutiret und abgeschaflt dio l,redigtstidn mit 
fr,,mmen treuen lehr«rn und prodigern hestellet, 
ailes zanks ein ende gemacht und dpr g»tts«.lige 
t?iede mge befiirdert werdeu, uber welehem all-n 
wir als der laudsfiirst u«l die jederzeit re- 
gierende herrschaft mit h;ichstem fleiss in allen 
gnaden unsorm rageudem ampt nach zu halten 
bedacht, willig und erputtig eind. 
lh.mnach sollen die herrn bisch.ffe mtt Mien 
treuen nul aile kirchen, h,wh und gemeino schulon 
auch hosl,italen und alle d«'rsclbigen bostellete 
diener als orzpriester, spittelmeister un,1 ver- 
waltere, der l»Ol'S,,llen aUtlll lande und lu 
stedten aufacht haben und dariiber halten ouf 
des fiirnemlich die kirchendiener tiedlich christ- 
lich und eingleubig, unserer nus ottes gezogeneu 
uad anf die Augspurgisehe çonfession gogrndte, 
und mit gemeinem der bischotn und kirchen 
diouer, auch unserer orblandschat vermiige der 
auteriehteten rccess ralh und bewilligung ,,e- 
machten und ausgegang«uen ['orl»ore l),»ctrinae. 
dax'«,u droben gemelt, sich b«(luemon  und in 
allem unweig.rlich nachgeh.n die lehre des hei- 
ligen evang«lii obermelter massen rein und 
verfi'lschet, ordenllich einhellig und einstimmig 
h:tndeh b treihen uud dvm v.lk vortragen. 
lh.sgleiehen s«dlen sic auch frit ihre pers,,n 
nichts fibels z«nkisches und unrichtiges anthen 
oder wider «bgemoldts ('orpus lh»ctl-iuae ursach 
zu einigor spaltung gel»en, s.ndern aile spaltungen 
und unrichtigkeiten mit ernt und fleiss gott dem 
alhnechtigen zu h,b und ehreu, vorkommcn und 
abwendon helfen und mit christlichem ernst und 

I n s p e c t i o n ri n d i 11 r a m b t. I eifer und nach ihrem hiihesten vermtigen dar-b uud 
Und weil tiber das colh.gium, schulen, con- I daran sein, datait unser kircholmrduung zu ver- 
sistorium druekerei und uchbhandel das solches meiduug uml verhiitung zwisl,ai b uneinigk«it und 



]as Ilerzogthum Preussetl. 

missverstand ernstlicheu nachgesetzet, derselben 
gemess aile ding tractiret und behandelt werden. 

Visitation der bischof nnd von synodis. 
Und datait solches umb so viel fiiglicher, 
wirklicher und «lest,» mit mehrem nutz geschehen 
mige, so sollen sie ihre befohlene kirchen mit 
fleiss eine nach der and«.rn, zu ordentlichen zeiten 
visitirvn, aile kirchenmengei abhiJren und so viel 
mliglich beilegen und vertragen, und was sie in 
einem jahr nicht volh, nden nlld v,,ilbringeu kiinnen, 
dazu das andere jar nehmen. 
Uber das sollen die bischofe auch aile jahr, 
oder je nmb das andere jahr, ein jeder in seinem 
bistumb, zu erhalten guter r«.iner, einheiliger iehr, 
kirchenordnung und disciplin verpflichtet sein, 
particularos, desgleichen auch, d, es die n,th er- 
fordert, gens.raies synodos zu Caltvociren und zu 
haiten. 
Und nachdem die visitati,m nicht eines mannes 
arbeit -der werk ist, soli ihnen zu alh.u zeiten, 
wann sie visitiren w,,llen, an unser stadt einer 
vau uusern rehten, d«.r unser wahren christlichen 
religion zugethan, dazu auch aus einem jeden 
ampte, da sie visitiren, der anptmann zugeordent 
werden, die d«ql bisch,,f«n mit gutem rath bei- 
w-hnen, und Mies was christlichm geord«mt und 
in der Visitati-n beschlossen, in unserm namen 
ins werk setzen und exeqniren s,,ilon. 

Von unkosten der visitati,,n und 
synoden. 
So riel die unk-sten belangt, so auf die visi- 
tation gehet, soli es bei den vorigen verordnungeu 
und bestailungen, in welchen den bisch,,fen ein 
genauts deputirt, was ihneu van den kirchspiels- 
kindern zu ihrer und der ihren unterhahung, so 
lange die vistation w.hret, gereicht soli werden, 

verrechuet werde. Wann sie aber generales und 
particulares synodos werden halten, wollen wir 
die unkosten auf unsern emptern ausrichten lassen. 

Ftirneme artikel, worauf danu in kiinf- 
tiger zeit beide bischof ihre ambt fiir- 
nemlich fiihren und die visitation 
sollen anstellen. 
Der ganze handel mit besteilullg der hischofe 
ist ftirnemlich und fiir alio dingen dahin gemeinet, 
damit die kirche dieses unsers herzogthumbs bei 
reiner lehr mtige bleiben, nnd dieselbigen auf die 
nachk-mmen gepflanzet werden. 
I. Darzu geh6ren erstlich prediger, die 
ordentlichen zu ihrem ampt durch gottes geheiss 
und beruf erfordert werden und eintreten, auch 
dasselbige nach gottes wort, mit reiner, recht- 
schaffener lehr und vinem guten leben fortsetzeu, 
datait ais fttrbilde dr hvrde und glaubigen 
herzen ihnen vorleuchten. 
lI. Neben pfarrherrn und predigern muss 
man schulen haben ais brtinnlein und quellen der 
stadt gottes, daun daher mussen leute erzogen 
werden, die nach den alten und verstorbenen 
succvdiren und volgvn, das schulen nichts anders, 
als ot'ficinav seind und werkstvte des heiligeu 
geistes, darinnen er die schiinon jungen k/ipfe 
artet, formiret uud zurichtet, zu seinem dienst. 
III. Diese elle miissen ihre notturft und 
nahrung haben, danu wer der empter eins recht 
fiihren s.li, sich und die zuh;irer woll verwaren, 
der muss warlich nicht anderm ding obliegen, 
sondern teglich gar fleissig lesen, studiren und 
nachfi»rschen, I. Tim,,th. 4, Psalm 119, Sirach 39, 
datait allein er mehr dann genug zu thun hot. 
IV. Darumb seind kastenherrn und kirchen- 
veter bestellet, die slche einkunft, so der kirchen 
zum besten also verordnet seind, die prediger und 

l,leiben. Es solle auch der herr bisehof nit aeht, schuldiener, auch kil'cheu und schulen zu erllalten, 
und nicht mehr pferden ouf die visitati,,n ziehen, I sollen einf«l'deru, und darnach ouf gebtihrliche 
auf welche ouf tag und nacht 3 scheffel haber , rechenschaft genannten pers,,nen austeilen, die- 
uebon auderm rauchfutter, zu dem fiir don herrn selbige in ihrem ampt befiirdern und nicht hiudern. 
bischofe, seine diener, pfarreru, kirchenveter und V. Uber dis ailes muss auch sein bei den 
schuimeister ader ander l,ersonen, so dabei sein znh;irern ein ernster fleiss, dos watt nicht zn 
mlisseu, eiue tunne bief, ein schiips oder kalb, hinderu, sonderu zu htiren, fassen uud lernen, 
eine nmndel hl|ner, desgleichen fisch, wo die zu und in allen stticken demselben gehorsam zu sein, 
bekommen, brodt, butter, eier, salz und zugemlis, sonst were besser nie gehi;rt, dann gehtirt und 
wes des fiirhanden, ailes eiue ziemliche notturft I nicht angenommen, lXlatth. 11, 2. Pet. 2, zu dem 
auf einon tag von den kirchenkindern einesjedern dos auch v,,n wegen solchs undanks des volks, 
kirchspiels soli gegeben werden, welcl,e der bischof, I der fromme gott el'ztirnet, das wort wiederumb 
datait es durch die seiuen und nach desselben be- durch falsche lehr hinwegnimmet, Ose. 9 Amos 8, 
vehlich ausgespeiset und gehraucllt, zu sicl, in seine und fi,lgends auch das weltliche und hausregiment 
verwahrung nehmen solle. Was aber an vitalien in einen haufeu wirft, Psal. 82, lXlatth. 22. 
Uberbleibet, solchs den kirchenvetern iiberant- Dis seindt die ftirnehmsten heuptsttick, so zu 
wort, und durch sie der kirchen zum besten erhaltung und ausbreitung reiner lehr vonn6ten 



Von Erwehlung der beiden bischoff. 168. 

109 

slnd, sollea derhalben die bisch«fe hierinnon veter- 
liche serge tragen, und gut aufsehen haben, da- 
mit es bel allon personen dermassen, wie es g«tt 
fordert und haben wil, fleissig nnd treulich aus- 
gerichtet worde, und darauf, wie dr«ben vermeldet, 
visitationes halten, zu erkundigen» wo es mangel L 
bel predigern, schuldienern, kirchenvetern und 
dem ganzen haufen der zuh«irer, sic miissen abor 
nicht allein die gebreclwn und mengel erkiindigell, 
sondern anch in bessel-ung stellon, sonst ist mit 
der visitatim keinem menschon geb-lfon, 
aller unkoston, se darauf gehet, mit all,.r lniiho 
nnd arbeit verl«ren. 
Darumb s,»llon ancb dio bischofe voile macl,t 
haben, seiche gobrecheu und mengel zu wandeln, 
und ihres miiglichon fleisses aile sache» zu dol- 
besserung anzustellen, sollon derhalben auch klein 
und auch gross h,ho.s und niedrigs stands sich weisen 
lassen, den bischofen hierinnon als VOl'stohern w,n 
gottes wegen gehorsam sein, und was dies,.lbige 
zur billigkeit verordnen, demsolbigon nacl, k,,mm,n, 
s«nst ist es mehr nicht donn eine marter und quai 
der betriibten herzen, bel den bischofon, dass sic 
ihre werk thun mit wehemuth und seufzon, welchs 
den zuhrêrn und dor kirehen nicht gut ist, Er. 13, 
dann gott sil, et und erh«ret solch seufzen und 
klagen, schicket anderlei art seine diolor und 
knechte, die verheren verbrennen, wiirgen nnd 
rauben, bis leib und seêl mit hab und gut, ailes 
ira rauch aufgehet, wio ('hristus zuvor gesagt 
Matthei 22. Und des an seinon juclen, ganzem 
Asia Graecia, Italia und aller welt gewaltig be- 
wiesen hat und wir zu unser zeit ira Wutscheu 
lande far augen gesehen. 
Soll derhalben, wo es bel den baurou mangelte. 
von denen von der herrschaft und adel, wo es 
aber an denen von der herrschaft, adel oder 
btirgern mangelte, v-n uns, als dem «,bersten heupt 
in weltlichêr 1-egieruug dieses herz,gthumbs, mit 
êrnst gestraf b und ,hne verzug" di verschafl'ung 
gethan werden datait den bischofen der gebiir- 
liche gehorsam in ihrer ver,rdnnng v,,lgen, nnd 
der brennende zorn gottes vou der kirchen, 
wol als weltlicllem und hausregiment, abgewendet, 
ailes aber zur ehren gottos und unseror aller 
zeitlicher und ewigor wolfart seuberlich und schin 
mige angerichtêt werden. 
Datait aber ingemein die bischofe und me,nig- 
lichen wisse, worauf sic ire ambt ftihrell, und in 
der visitation fleissige nacilforschung haben s«llen, 
se soli es drmassen mit jedern porsonen fiir- 
genommen und fi»rtan gehalton werdên. 

Die pfarrherrn belangend. 
Dis seind die fttrnemsten personen, an denen 
elles gele.gen, daun weil die ihr ampt recht fiihrell 

und ausriehten se haben und behalten wir gottes 
wort, wann es aber bel ihnen fohlet, das sic ihr 
ambt nicht recht ausrichten, se haben wir se riel 
an gottes w«,rt und reiner lehr, als die elenden 
verblenten jiiden, die habon die h. bibel auch in 
ihrer ersten muttersprach, lesen darinnen teglicb, 
aber bleiben und seind ung]aubige verdammte 
verst«ckte leut. 
Dann gott gibt sein w«rt mit lobendiger 
stimm, das or es lest in unsere «,hren tragen dnreh 
die predig, datait vr des herzo rtiret und vor- 
onderot Rem. 10, wie David volt solch,.r stimw 
und ihror kraft an sehr riel orten, s.nderlichen 
aber Psaim 29, reichlicb handlct. Darumb boist 
auch Paulus Ephes. 4 eus dem 68. l'saim predigor 
und pfarrl,orrn l,orrliche geschenke end gabon 
g,,ttes, wêil sein wort. das er durch sic gibet, 
die hliheste gabe gottes anf erden ist, und darumb 
gott fiir seine sell,st eigne schmach helt nnd auf- 
nimet, wo seine dienor und prediger geschendot 
und verachtot w'rd'n Luc. 10. Datait es aber 
mit denselben rechtschafl'en, ordentlich,-n und christ- 
lichen zugehe, soli os mit ihnen aise gehahon 
werden. 
V.c ati«»n. 
Des keiner sel ,hn ordentlichen beruf zu- 
gelassen wel'den, woil keiner ,,hl beruf prodigen 
kaa. Rem. 10. und wir don jonigon, de*l" nicht be- 
rufen, aucl, nicht h6rell s,,llon, .le're. 23. 

Von orwohlun«¢ der pfarrhel'rll. 
Von erwehlung ,h.r pfarl'horren wollen wir. 
das es hinfiirtan f,,lgender meinung gehalten 
soli wor, len. als nemlich, das sich der leenlwrr 
umb einen tiichtigon, geschicktell, des WOl't.', er- 
fahrnen ritann Ilmb.ehen soli, und donselben als- 
dann den pfarrkindern anzeigen, und ri'ruer den 
herrn bischofi.n, als Sambland m Pomezan. nach 
gelegenheit eines jeden bistumbs zufertigen, die 
inon alsdann weiter examiniren sollon, und se er 
tiichtig uud geschickt befun,len, dem lehonhorrn 
mit einêr instituti«,nsçl, rift, wie gebreuchlich, ail 
des ganze kirchsl,iel neben v,,rmehhmg seiner 
schicklichkeit wiederumb zusendeu, wo er aher 
nicht se tiichfig nnd gescl,ickt w/are, das er dem 
wdk mit dêm wo,-t gottcs tiichtiç rechtschafl'en 
nnd woi vo,'stoh«., kiint, soli s,,lchs dem lvben- 
herru, sich umh inen andcrn uud tllchtigen umb- 
zusehn, angezeigt WOl'den. 
Wiirde aber der lehnherr mit bestellung 
«ines pfarrherrêns nachIessig oder seumig, und 
die pfarrkinder datait iiber sechs wochen ver- 
zogen, alsdann sollen die pfarrkinder sic}, umb 
einen geschickten pfarrherrn umbzothun macht 
haben und denselbigen hei dem lehenherru 



Das Herzogthum Prenssen. 

zeigen, welcher es mit dem vorgeschlageneu, als I kein besonder sacrament machen, wie die papisten 
-ben beriiret, halten s-Il, alles nach inhalt voriger thun, so soli dennoch das liebe gebet mit dem 
unser aut,erichten .rdnung und dartiber gegebenen offentlichen zeugnus der kirchen vorhergehen, und 

recess des I:XVI. jahres etc. 

Von eaturlaubnng dor l, farrherr,'n. 

Xachdem aber befunden, das an otlichea 
,,rteu ,,hne v,,rwissen, genugsame ursachen und 
bt.wi|iigung eiues ganzen kirchsl»ieis, auch ohne 
«.rkt.nntnus der bisch,ten, die pfarrhcrrn 
urlaubet und hinweg gt.jagt werd«.n, w.llen wir, 
,,b auch .iner gleich das kirchenlelwn hette, das 
0-r ohn v,,rgt.hende erkautnu. und gnten raht des 

der apost,lische gebrauch rein ziichtig und christ- 
lich gehalten werden. 

Einfiirung. 

Es ist ja t.hristlich und billig, weil ]'atflus 
befihh.t, 1. Coriuth. 14, es s.ll ailes ordentlichen 
uutt.r uns zngehen, «las die einfiirmg nicht 
gar schiml»flich gehalten, ais hiehen wir das 
l»redigtamt uicht riel besser dann eint.s schwein- 
hirten ampt, soli derhalben der bischof ans 

|,isch,,f. od«q" dt.rs(.iheu vcr,,rdt.nten, und durchaus den benachbarten nehestcn pfarrherrn zween be- 
,,hue ansehnliche m,tturftige ursacht'u keinem ] schreiben, das dieselbigen aut ein«-n sonntag, wann 
]»farrherrn urlaub gebc vieiw«.niger a].,bahl hin- die pfarrleut in ire kirch zusamen bescheiden 
wcg jagc. sind, dem ueuen pthrrherrn in die kirchen fiihre-n, 
,q,, :tber hieriibcr «-in i»farrherr -hue crkant- der einer, weichem es der bichof wird auflegen, 
nuss etttsatzt ,,der wegg«:iagt, .-lh.n dies«.ibigen ] eiuen som,,n thu, darinnen er den noen pfarr- 
verjagte l,farrherrn fiir ailen diugen und aut: erste herrn dor gemeitte trenlich bcfolo, dieselbige er- 
wieder eiugesetzt nnd restituit woden, alsdam innere, was ihnen au dent l,farrherrn gelegen, und 
k|ag und antw,t goh/;rt, daraus, was recht, er- vermahue derhaiben geh-rsam zu sein, und da- 
kattdt, und der l,farrherr aiso frner cntsatzt oder riiber v,,n dcr canzel der gemeine die instituti,,n- 
nicht ent.,atzt wt'rden, so ,laun eint.m l,farrherrn '. schrift des bisch,,t: fiirlese. Nach dem sermon 

V,,n versatzung d«.r l»t'arrherrn. 
ltinwiedorumb s.ilen die herrn bischotu .hne 
zeitlich ,,rwist.u und mit beliebung des lehen- 
herru, auch s-ndt.r redliche genug»ame ursachen 
keinen pfarrhorrn v,«, einer pfarr nemen und an 
«.ineu audern ort dmen gefi-llig vt.rordnen und 
setzen. Nichts minder s,,llen dit. l»fhrrherrn, die- 
weii biilich, das dieselb«.u nieman,ls ,,bu erkant- 
nus der gebhreudeu h«'rrschafl .der ihrer w.r- 
,,rdentt.n, eutsetzen und hiuweg .jagon selle, nus 
eigm.m muhtwillcn und ausserhaib n-ttiirtiger ehe- 
haft, auch mit wissen des lelwnherrn sambt er- 
kenutnus des herrn prelaten, v-u den l»thrren an 
eiue aml,r stello ziohen, welcher ptarrherr aher 
sich des uuterstundo uud darber betr«.ten, soli 
angehalteu und den i,'rru bisch.tn zut strat  
zugeschickt x erdon. 

Ordinati,n. 

Wamm auch glei«h eiuer die belohnung von 
deu h'henlwrrn enqffangen, mit der bischofe be- 
willigung, s-ll doch keiner zu residireu, zu pre- 
digen uud sacramenta zu reiehen zugelassen wt'rden, 
er sel dann nach genugsamer verh6r ordiniret per 
manuuln iml»..,iti«,nem, datm ob wir w«,l darau 

lasse man die gauze gemeine singen" Nun bitteu 
wir dt. heiligen geist, d.der neue pfarrherr fiir 
dem altar kuihe, und die audern pfarrherrn neben 
ihm; wann der gesang aus ist. so spreche der 
l»farrherr, so geprediget hat, den nenen pfarrherrn 
als. an: lterr N. N., ihr wisst, wie euch gott 
ordentlichen durch seine ver,,rdnete mittel hierzu 
berufen. «las ir im diese kirche und armes 
heuflein, se, er mit seinem blut gar thener er- 
worbeu hat, sollet weiden mit reiner rechtschaffe- 
ner lehre seines wortes, und derselbigen ohne 
ergt.rnis mit gutt.m exempel fiirgehen, darauf er 
ana jiingsten tage schwere rechenschaft und diss 
blut der armen hezen von euren henden Iordern 
wird mit ge»trengem gt.richt, so seid ihr ja er- 
b6tig, wie ihr in enter ordinati,,n vorheischen und 
«»ffentlichen fiir g,»tt und der welt zugesagt, euet 
ami darinnen treulich nach gottes willen aus- 
zurichteu, dem armen wie dem reichen, bel euern 
befi,hlenen pfarrkindern zu /ag und nacht, in 
reichung der sacrament, und mit notwendigem 
trost dt.r betriibten gt'wisst.n bereit und willig zu 
sein, und das ailes zu thuu, das eint'm getreuen 
haushalter Christi uud seelhirten geziemet und 
gebiihret nach gottes wort. Drauf soli der nene 
pfarrherr offentlich, deutlich und mit klaren worten 
antworten fiir seiner gemeine, ja, er wolle es 
thun, und des FOr gott au jeném rage und seinem 
letzten ende zut antwort stehen. 
Also bete derselbige pfarrherr fiir der ganzen 
geineine : 
0 du aiimechtiger ewiger g«,tt der du dis 



Von Erwehhmg d«r beiden bis«hoff. 1568. 111 

heilige arnbt selbert hast eingesetzt nnd geheiliget t widemen, weder hier, gebranuten weiu uoch rnete 
in deinern lieben sohn und diesen N. N. nach I schenken, vielweniger s«llen sie sich I,.ichtlich in 
deinern g6ttlichen willen und rath darzu berufe, I seufferei, zank und hader, mit ihren i, farrkindern 
wir bitten dich von herzen, du wollest deinen oder herrschaften beg«.ben, sondern sich in ihrern 

heiligen geist geben, und durch denselbigen dein 
wort legen in seinen round, datait ets rede mit 
freidigkeit, wie sichs gehSret, auch mit seiaem I 
handel und wandel niernands ergerlich, sond,.rn 
jederrnenniglichen fiirderlich sel zn seiner seligkeit, 
wollest auch bel der gerneine geben ein h;iredes 
,,hr, die herzen der zuhrer weich rnachen und 
aufthun, dass sie dein w,rt lieben und ann«.hrnem 
deinen diener ehren und ftirderen, auf das als«, 
dein naine geheiliget, dein reich gernehret werde, 
und die angewandte arbeit nicht vergehens sel; 
s,lch unser gebct wollest du treuer g,tt erhœren 
und aufnehmen, in deinern lieben st»hn, unserrn 
allerliebsten erzpriester, erzhirten und bisch,f 
tmser armen seelen. Amen. 
Darauf se,Il der amlere benachharte pfarrherr 
àie verba caenae singen nnd dern neuen pfarr- 
heïrn das heilige sacrarnent reiehen, mit g«.won- 
licher danksagung. 

Lehr der pfarrherrn. 
Darinnen sollen sie gesracks hleibcn b,.i dem 
f'orp,,re D«,ctrinae, wie dasselbige in diosern 
fiirstenthurnb atmo 1567 aus den l,r«,phetisch«.n 
und ap,stolischen schrifWn, den alton syrnbolis, 
auch der lehre Lutheri zusarn«-n gotragen und publi- 
ziret ist, und s,,llen sie s-nderlich den heiligen 
catechismurn Lutheri gar fleissig dern v«,lk ein- 
bi]den. Da aber jomands dariiber schreiten, 
was s,nderlicbs wtirde fiirnemen, gegen den 
sollen die bischofe i, rocediren, vermiige ihres arnl,ts 
nnd unserer verordnnng. Und sollen die pthrr- 
herrn und kirchendiener nicht allein tïir sich in 
der lehr unstreflich sein, s-ndern jerlich zu ge- 
legener zeit in ihre kirch.,piel gewi3rnete d«;rfer 
visitiren und ihre pfarrkindec gebiihrlich exarni- 
niren und verhtren, und da eiuer «,,ler m,'hr das 
examen fliehen wtirden, rien ,,der dieselben 
bischofen in straf zu nernen der herr.schaft anzeigt.n. 

Leben. 

S«,ll unstroflich sein, sagt ]'anlus, und weil 
ergerlich b.ben nicht haro.t, sond«.rn «chadon tiret, 
nnd aber dis arnbt nicht zu verderben, s«,n,lern 
zu bessern gegeben und befohh.n ist, 2. O, rinth. 
10 und 13, sollen die bischofe nach gnugsarner 
verrnannng, oder erachtung ergangener ergernuss, 
ihre volle rnacht auf ihro gewiss«m brauchen, un,I 
sie darinnen niernands hindern, s, llen d,.rhalben 
pfarrherrn, so andere lehren und unterweisen, sich 
nicht selbst dermassen halten, das sie billiff nn- 
gunst rnSchten erlagen, dergleichen auch in ihren 

leben gegen mennig|ic|wn ziichtig, unverweisslich, 
erzeigen und halten. 
Besoldung. 
Wird ihnon gereicht nach unserer ver«,rdmmg 
und bewilligung unserer landschaft, wie ira artikel 
v,n einkunft der kirchen h,-rnach verzei«hm.t ist, 
werden sich auch uns«'re amptleute, sa w,,I als 
die v,m a,lel darnach richten, wr, o.s mangelt, das 
es in kntigor zeit miige bobessrt md in w.rk 
g«.sozt werden. Wir s«lten d,,ch jt, nicht aus 
g«,ttes w,rt allein, st,ndern teglicher erfahrung 
lernet haben und greifen, das es war ist. wie dor 
l,rol,het Aggeus sagt, w, don armen dienern ihr 
gebahrlicher Iohn und verordnetes deputat ent- 
z«gen und eutwandt wird, es gescheh auch mit 
was schein es immermehr w,lle, weil gr, tt sich 
nicht «.ffen lest, (;al. 6. s,, gbet es keinen fromrnen. 
s«,ndern gewissen schaden, das s«,lch gut, das ander 
mit sich hinwog frisset, dann gott will mit uns 
essen, da ist denken an verl.ren, als der ,berste 
speismeister, k,t'h und keller, s,ll or aber kummor 
leiden und nichts haben, s,, w«,llen wir auch nichts 
haben, es heisst, ltatt, et dal,itur vr, bis, watttt der 
date aufltiret, sagt Lu/herns, st hiiret das dabitur 
auch auf, a]s,, schmachten dann und leide n,,th 
«,b«.rn und unterthan. W,, zweene ,der drei pfarre, 
zusammen geschlagen, s,llen die herrn hisch,,fe 
in don visitationibus erkiiudcn, oh dieselben jetzig,-r 
gelegenheit nach wiederumb etheilet, eino jedere 
i,farre mit einem sonderlichen pfiu'rherrn bestelDt, 
,ler pfarrhorr auch darauf nottnrftig untorhalten 
werden ktinne; w, s,,1,'hs bofimden, s«,llen es ,lie 
bischofe doEestalt verschaffen, w,, abor der unter- 
halt auf einer pçarre und vt,li einen kirchspiel zu 
geringe, diese ver,rdnung thun, das die kirch«n- 
hul»n v«,n der eim*n oder mehr l,farrea, da der 
l,farrherr nicht residiret, ,ler kirclwn zum bestcu 
ausgethan, die nutznng von don kircheuvetern ge- 
haben, und den pfarrern (da es n/ithig} besserer 
uuterhalt davan verordnet werde. Man sMte je 
hedenken, weil ein l,farrherr zt seilten studiis aile 
sein patrimmtium attgewattdt, und «,ft was er vint 
seinem weihe I,ek«»mmt.n, dazu zugt.s«.tzt, das- 
s«lbige seinen arnwn kiintigen wiirmleia und 
kindern ans ,loto rnuud,, g,.zagen, das es ja zum 
atnpt «lester htstigr maehet, w, ein s«,h'her trouer 
mens«h wiederumb ,u seitwr grossen sorg% miihe 
uml arbeit ziemlichos unt«rhalts zu g.warten hat, 
wie man ihnen denselhigcn auch Mme das schuhlig 
ist; wir seen euch das gistliche, ists dann 
gr«»ss ding, so wir eut.re leibliches ern,lten, sagt 
der apostel Paulus I. I',n'. . 



112 

Das llcrz,gtht, m l'reussen. 

Aber der liebe g«,tt bezahlet uns, llach dem 
gcmeinen spl'ichwort: kupfi'res geld kupfcre seel- 
messe, dis man ver augen siehet, weil man die 
armen p|hrrherrn ingemein se kiimmer]ich hiilt, 
und je serge tregt, dass sie me]ir nicht deim dic 
ril, deli veto br,,t zu essen haben darumb studiret 
niemaud was gruudiichs und rechtsinnigs son,lern 
was arme leur seind, die sich sonst nicht zu er- 

deeentin zu helfen nieht sehuldig, sond.rn ihneu 
solchs selbst einbringen lassen, und ob unserm 
haupt- und amptleuten auch befehlichhabern 
hierlnnen ils wir uns verhoffen wollen wegerung 
oder einiger ungehorsam, von jemands von der 
herrschaft adeI illl{l andern begegnen, soll uns 
solchcs dnrch sie angezeigt werden, damit wir uns 
gegen d.mselbigen ungehorsahmen der gebtir zu 

nehren wissen, die studiren obenhin, lchl'en dis. [ halten haben. 
sie se]bst nicht vie] verstehell, und fiihret eln 

blinder den anale.l-n, datait getiet die reine lchr 
dahin v«wgehet uns die zcit]iche llaru,lg tlnd 
w«,hlfahrt, dis gott sein(.n scegen entzeucht ail 
a]h.n «»rten, und wir wie Haggeus der pr«,phet 
sagct, unser g(,ld iu ein,.n ];icherigeu beute] ]eg««l. 
Und wie w-I wir fiir dci" zeit allcn ilnserll 
heupt- und amptleuten anch b(.fehlig habelldeit 
l»ers.nen nichts minder d«.n herrschatt.n, adel 
,mol andern se eigene c,»]]atur hibou, die leute 
mit auspfenduug uud andern ei'ustlieh darzu zu 
ha]ten bef«dden, datait den pfarrherrn dis ihrige 
«hue alh.n verzug cr]egt werden m6chte se 
kommen wir (le, ch hierneben in crfahrung dis 
dem ail etzlichen 5rtern {des wir lins dann je mit 
nichten w»rsehen) wenig nachgegang.n w(.rde, und 
die meiste klag der pfarrherrn, da sie ihre jerliclm 
besoldung nicbt bckomm(ql miigen, dal,er fliesseu 
s,»]]% demnach w,l]en wir ,bermah]s allen und 
jed,.n unsern heupt- und aml, tleuten, auch bofehligs- 
tragenden perohnen, (lcsgleichen den andern, 
wo]che eigene co]]atur un,l des zu thun macht 
l,aben, bel ernster strafo auf-rlegt l,al»en, den 
pt5.rrhcrrn ,las irige ,,lin a]]e avsfluc]it behc]f 
beschwerung und auszug einzubringen, und wo 
jemands, dasselbige zu geben weigerll thete, dass 
sie disfa]s an lmsere sta,lt, und von unserent wegen 
snlche v.n der herrschaft, adel ¢dcr ihren unter- 
thanen, ans unser fiirst]ichon «bril:keit, auspfenden 
und zur bezahmge bringon s,»l]en, wo aber (las 
nachgelassen und vcracht, Ullser straf gewiss von 
IlIIS ZII gowal'[ell. 
Zudeme wann eiu p|)trrlierr mit gutem grund 
darthun wiird% dis der amptmann, ]ehenherr oder 
kirchenveter, an einnomunge des pfarrhcrrs ge- 
biihrlic]mn d(.Dutats seumig gewcsen, dasselbig se 
riel d('s hinterstollig ist, sampt darauf gegangenem 
unkosten dem pfarrherr, ohm' allen vorzug und 
ausflucht zu er]egen pflichtig sein selle; aber hin- 
wieder sollen sich in alleweg die l»farrli«.rr mit 
einnchmung ihres d«.c(.ntins «der fiirbittc, biirg- 
schaft und anders, s« die ungeh,,rsamen darumb 
gepfi.ndet, g«.straft o«l«.r eingesetz! werde, b genz- 
lichen und gar entha]ten und en/sch]ah(.n, s«ndern 
lmser haul»t- und ampleute datait umbgeln.n lassen, 
wiirde sich aber ein l)farr]lerr liber solche gnedige 
giinstige verwarnung des unterstehen und an- 

Behausung der pfarrherren. 
Ein jedes kirchspiel s«dl zusammen thun und 
bei ciner straf nach dot herrschaft erkentnus die 
kirchen, wiedeme, scheune, zeune, greben und 
andere kirchengeb,'u bauen, besern und in bau- 
lichen vesoll erhalten, aber in dem allem des 
pfarriwrrs verschonen, d-ch wo befunden, das 
durch eins l»farrhorrn, od«r dot seinen muthwillen 
uufl«.iss o,ler verwahrlosung, an z«.unen greben odeï 
alldern kirchengebeuden etwas zurissen nieder- 
geworfen oder eingebrochen wiirde, das soll ein 
l»farrherr wieder zu machen und zu bauen schuldig 
sein; wo aber zeune, greben oder anders alters 
halben eining% das s,,ll das kirchspiel und uicht 
der pfarrherr wie oben gemelt, wieder aufrichten 
machen und erhalten, welcller auch von der herr- 
schaft und adel «,der leenherre in diesen bau- 
f.lligen stiicken, seinen gebiirenden theil nicht 
machen lest, oder auch seine ieute nicht dazu 
helt, wollen wir, dass deinselben zuvor darumb 
soli geschrieben, und wo er «der seine leute da- 
riiber ungehorsam befunden die zeune greben 
oder anders se vonnSten, nicht wieder machen 
oder bessern wolten, das sie die von der herr- 
schaft, adel und andere unsere und ihre unter- 
thanen das gelt, was solche arbeit gestehet, vor- 
logeu s,llen, w« das aber llicht geschicht, sollen 
sie durch den alnl»tmal, n, den man hierin ersuchen 
s-ll, ausgepfendet, und das pfand inen nicht ehl', 
bis die arbeit vorfertigt oder das gelt darftir er- 
legt, wiedorgegeben werden. 

Von d'en altcn vorlebten pfarrllerrn 
oder ihren llachgelasenen witwen. 
,ll die verordnung geschehel b da beineben 
Ciller je'dela l)farre ein zimlich heuslein gebauet 
werde an gelegenem ort, darinnen die alten vor- 
lebeten I)farrherrn wann sie von wegen leibs 
schwachheit ihr ampt lenger nicht verwalten kSnnen, 
die zeit ihres lebens ihre wohnung haben mtigen, 
und d« die arme verlassene wittwe, nach abst(.rben 
ihrcs herrn mit ihren armen kinderlein und weis- 
lein eitlkriechen miige. 
Auch sollen die herren bischofe darauf han- 

nehmen soli man ihme zu seincm gebiirlichcn t deln in visitatione datait, wo bei den kirchen 



Vert erwehlung der beiden blschoff. 1568. 113 

oder sonst etwas von acker fiirhanden, ein acker 
feldes darzu mtige verordnet werden, diese soli 
die kirche, wo keine wittwe fiirhanden, vormiewn. 
und von den zinsen ailes in bau und besserung 
halten, l'farrherrn lassen gemeiaiglichen nichts, 
dann einen haufen armer kinder und weisen, weren 
sie handwerksleut gevesen, se hetten sie ja etwas 
k6nnen fiir die hand bringen, nun haben sie nmb 
der armen kirchen willen, derse.lbigen zu dionen, 
ihrer weib und kind vergessen, s,,ll nun die kirche 
diese lassen, wo ists doch fiir gotl immermehr zu 
verantworten. 
Derhalben wollea 'ir dem lichen herrn und 
heiland Christo darzu auch oin klein roumlein 
geben, aus dem, was uns (let ff, mme gott be 
scheret hat, und auch fortan bewahren will, in 
betrachtung, dass er diejenigen wiederumb be- 
herbergen will in ewiger freude und herrlichkoit, 
se die elenden umb seinet willen einge-mmen 
hab,.n. Math. 25. Se ist ja s,lchs ferner nicht 
gemeinet, dann auf de armen gelassenen witwen 
ir h-benlang, oder weil sie ohnc ehe bleiben. 

Vert don schulen. 
Die miissen ftir allen dingen auf denl lande. 
und den stedten w«,l bestellet werden, dann se, 
lang es da mangelt, se ist weder der kirchen in 
unserm herzogthumb, noch der universititt zu 
Kanigsberg zu rathon, weil demnach kinder dahin 
geschickt werden, die ihre princil,ia nicht ge- 
studiret, darumb vergebens und vcrloren, was auf 
sie mit unkosten grosser mtihe und arheit ge- 
wendet wird, entstehet auch der kirchen durch 
manglung tiichtiger leute daraus allerlei ver- 
siiumniss und schaden. Darumb sollen die bischofe 
ftir allen ihuen diese serge lassen angelegen sein, 
das sie bel don stedten auch ziemlichen kirchen 
auf dem lande anhalten, datait die schulen w«,l 
bestellet und versehen werden. 

Vert bestellung und annehmung der 
schuldtener. 
Die bleibe, bel wem sie von alters her ge- 
wesen ist, docl, aise, das der pfarrherr jedcs orts 
darzu und ointe seinen rath, wissen und willea 
kein schul- noch kirchendiener weder aufg.n,mmcn 
n«eh abgesetzt werd«, denn was das sonst gutes 
bringe, zeuget Lutherus genugsam an, Tmn. 
Jenen. 6, fol. 376. 
Es soli aber denn«ch kein schuldiener v«»n 
dem pfarrherrn noch andern bestctigt werdon er 
sel dann dem bischof priisentiret, von welchem er 
seiner geschiekligkeit lehre und religion genug- 
saine testimonia bringe. 

Sehling, Ktrhenoednungen. IV. 

Ihr ampt. 
Weil die schulen des heiligen geistes werk- 
stette seind, darinnen er muss gnad, gedeicn und 
segen gebcn das die kinder wol gerathen darumb 
soli das erste sein, das man ja in allon schulen 
sch5ne christliche zucht halte, wcil es war ist, das 
dcr weise man saget in animam malcvolam non 
intrabit spiritus de,mini et sapicntia, darumb auch 
Paulus in der kinderzucht vorher setzet das sie 
sollen in der zucht erzogen werdon. Eldle. 6. 
Sollen derhalben die schuldien«.r wol zusehen 
das die kinder in der schul, kirchen und aufder 
strassen foin ziichtig und eineezogen sich halten, 
und denselben keinen muthwillen gestatten. 
Nach der zucht ist das fiirlmhrnste der heilige 
catechismus, d«r unsere christliche schulen als 
das grl;ste hciligthumb zioret und von aller heiden 
und vilker schulen unterscheidet, dann der giebet 
don lieben kindcrn wahre gottesfurcht, das sie 
darinnen erz«»gcn werden die furcht g,ttos ist 
aller weisheit anfang sa;:t ans grosser erfahrung 
Sal«mmn das g«,tt reichlich segnet se, lobe kinder 
und ihnen grosse guade verleihet sollen derhalben 
in alleu schuleu die schulmeister uud gesellen don 
lieben cateehismurn als die fiirnemste und nitigste 
lehr, fleissig und ernstlich treiben, fiirnemlieh bel 
der jungen jugend. 
Es s«,l abcr fiil'li«.mlich koin andel'er denn 
Lutheri kleinor catechi.nms gotrieben werden. 
latine und teutscl b daim obwol aiidere catechisnfi 
auch gut seind, se i.,t doch dieser der ausbund 
und kern liber alzumahl, bat koinvr se kurz, rund 
und mit 
Lutherus soin aulegung des ersten gebots, sein 
definition dos sacrameuts des altars ist mehr dann 
zohon tausen,l welt wert. 
Was in verordnung nthwendiger leetionen 
in .ioder schul wil v,,n niithen sein, sollen die 
bisch,fe eilws jeden ,l-ts mit rath der anwesenden 
pfarrherrn und schulmeister bestellen, auch die 
verordnung thun, datait die pfarrherrn dic schuh.n 
wochentlich etlicll, mal besuchen und darauf 
achtung geben, was far trou un-1 fleiss angewandt, 
und wie die veror, h.nt,.l lectiones wer,len gehalten, 
aurh s,lh.n dio hischofe selbst die schulen ihres 
sprengols, sonderlich aber &.r Samlcndische die 
zu Kiiniesberg, ,,ft visitirvn, die knabea selbst 
mit examiuiren uud ihres zunehmeus uud aller 
gelegenheit, datait die jugeud nicht verseumet, 
sich erknndigen. 

Leben der schuldiener. 
l)a sol man gar fleissig und wol zusehen, wer 
I diejenigen seind, wes glaubens und religions, und 
was sic fiir ein loben fiihl'en, den«n man schulon 
15 



114 

Da. tlerzogthum Preussen. 

zu regiuren lwfehlun und ihnen die liebe jugend 
vertrauen will, kilder seind .ja ein lieblicller schatz 
nud sl:lliillU gal3ç gottes, l'sal. 127, die dur solllle 
g,,ttus wil haben, das siu ihm zugefiihret w«rden 
Mare. 10. Fellet d«.rhalben das schreckliehe ur- 
llwil mit eiu('m zett.rgeschrei liber die jenigpu, se 
,.int'm kin,le ergurlich seind, dass illn«'u besser 
were ein n,ïhlstein an den hais uud ers,.uft mitten 

zu unser seligkeit vert n¢iten were, sondern das es 
eine gewisse anzuigung ist, wer nicht hilft, datait 
l, farrll,.rrn und schuldiener erhalten werdev, der 
helt veto predgtampt und gottes wort nichts, da- 
rumb hat er keinu gottes furchte nocll lieb% ware 
busse und glauben, darumb keine seligkeit. 
Soli durhalben alhie aller fleiss angewaudt 
werden, juduroênniglicll darzu bereit, willig und 

im fileter, da es ara allur tietkten ist, Matth. 18. htilflich suin, datait die jurliche einkunft der 
Was kiinnl.n al»er erg«rliche licite ara glauben, kirchen, wiu diesuIbige von uns dun landesfiirsten 
lchr und lebun au,lers thun; danll ,lie jgelld un,l I mit buwilligung Ullser êrbarn landschaft verordenet 
zarten herzen ergern und zu gluichem al».rglauh_,în ist «»lule verzug g,.reieht und entrichtêt, und darvon 

nnd unziichtigenl blisen lebên h»cken Uld reizel. 
llartlmb s.lll.n zu dêr sehllregirtlll kuine 
zugelass'n n,,ch geduld,t werden, delta die eines 
g'nten, ehl'lichen, ztlchtigen lebens reiner lehr und 
religimt, tll«] iii sumnla die fuin i-und gut evan- 
geli.ch [fiqllt: nicht] bits aber vert herzen bapistisch 
und schwermerisch s,qnd. 

I), e s,»l d ung. 
Schulmuister suind aller lW,-,plleton veter, dann 
«liuselhigen allu discipnli gewesn, un(l von ihr,.n 
I(-hrern mil schulmeistern gelernet haben, un,l ist 
(lie welt nicht wert, das sie ihre arbeit erkennen. 
viol weuiger Vel'gleichen s)ll," uud bezahlen, 
soleller h,hen wel-k muss gott ihr lohn und be- 
l.huer selbst sein. 
;leichw,l s¢llen die bisch¢,t die verschaffung 
thun hei stedten und diirfern, das seiche pers-non 
ehrlich un,l w,,I verseheu und untorhalten werden, 
d:unit sie ihrer arbeit dester mit mehr Inst und 
fleiss miigou abwarten. 
Und weil an den meisten tirtern die bes,»lduug 
svhr gering se, lien de bisch,,fo, ihrer beseheiden- 
heit nach, mit don brgern halldl«ql, datait sie 
fftt zu ehren, un,l der armen jugend zum besten, 
einen tag umb den an«lern, gemelten schul,lienern 
den tisch g«.ben, sich auch zu besserer tulterhal 
tung desselben mit was mehl','rm allgreitbn w«dten. 

Von einkunft der kirchen, gemeinem 
unterhalt der pfarrherru und sehul- 
dienern kirchen- und schulgebouen. 
Es ist boi,les natiirlich un,l gottes gericllt 
s('lbur, dass uiu ju,ler getreuer arbeitor suioes h»hus 
werdt is, luc. lf). Und se gar ein niitig stiick 
in der kirchen, das pre,liger Ulld schlddieuer wol 
unterhaltun wl.rden das auch l'aulus saget hie 
diirfe niemands ge,lunken dass sich g.tt werde 
lassen spottl.n uml effen. Solldern es sei ernst und 
'el'dU der monsch an .ien«m tage «las urndten und 
uinsamh«l, was ('r jutzun,l seul ud ansven,let, mit 
austhoilung allerlei gutes den jelligull, von denen er 
unter,ichtet wir, I, (;alat. 6. Nicht ,las .,olchs werk 

nichts eutriickut werde, daim wo man darinnen solte 
seumig sein, se haben wir guwisslich in kleiner 
zeit niemands muhr dpr uns in der kirchen dienen 
wiirde, und wiirde aise von uns selbst der liebe 
olln g,)tts mit seinem heiligen und allein selig- 
maehundeu evanguli;, urger dann der arme Lazarus 
veto reichun man ausgeschmacht und ausgehungert. 
Was darauf an jenem tage ftir uin sentenz und 
urtheil gcfa|len wç)lte, sehen wir in dem lehendigen 
exuml»Ol  Luc. 16, und hat es uns Christus zuvor 
gcsagut. Matth. 25. Ich bin hungrich gewesen, 
ihr habt mich nicht gesl, eiset , uhet hin ihr vor- 
maledeiten in das ewige feuer utc. 
E seind abel" die einkommen zu dem unter- 
hall der pfarrherren und schuldiener dreierlei. 
Estlich was nach inhalt und anweisung der 
inventarien auf einer jeden wiedem soli gefunden 
werdun. 
Zum andern, was an vermiigliehuu ortern 
an landerei und ackerwerk den pfarrherrn ver- 
ol-deut ist. 
Und zum dritten, was an geld bel den pfarr- 
Iuuten muss gesamblet und zugelegt werden. 

lnventarien. 

Die pfarrherrn sollen nicht allein ihre pfarr- 
Iputlcin lehl'en. ,las siê helfen erhalten, was zum 
unterhalt ,les l»r,.digtampts ou niitel ist, sondern 
solln auch sêlbst darzu flirderlich sein, und der- 
halbel der jeuiguu keines umbrilagen, was sie 
auf dur pfarre gêfunden haben, sondern ailes der- 
massen gebrauehen, datait es andere naeh ihnen 
aueh mti:zen fin,leu und niitzen, derwegen die 
herrn bisch,,fe mit erster visitation darzu trachten, 
das in alleu kirchen, wo v,,rhin keine inveltaria 
sein. dieselbigen n,,ehmaln geschaffet und auf- 
gerichtet, dem pfarrllerrn nicht geringert, sondern 
,,berlnelter gestalt dalnit gebaret werde. 
Und soli ein jeder I, farrherr, wann er au f 
der wiedem wird angewiesen, ihm lassen ein in- 
v«ntariuln zustellen, von dem lehenherrn unter- 
zeichuet, dal-gegen unter seiner eigenen hand 
gluiches lautes dem lehenherrn tiberantworten, auf 
das nach seincm t,,de, oder wann er am andere 



Von erw(.hhln,.., der beid«n bischnff. 1568. 1|5 

ort ordo1tlicher weise transtbrir«.t wiirde, ail,- I gelegenheit der hubenzah] noch ein h/ihers und 
irrung verhiitet, und keinem thei] unrecht gc- [je veto roch g schi}]ing ge]wh. 
schehe. [ Ie.glei('hen selle es mit den k]einen oder 

Es sollen aber zu s«,l«l,e, inventariis nach 
verordnuug der artikel des 40. jahrs et|i('he gute 
btieher geordnet worden, als nemli('h em,. demsche, 
laeinische «Mer i,«dnis(.hc t,ibel, nach gelegeuheit 
der ort, da sic rieur»ch «,der anderer si,tache seind, 
iem die Repeti/io '.rpnris Ih,«trinm.. dot kh.ine 
catechismus Lutberi, hau»l,stil Lutheri und Viti 
Ditericbs, auch was .onst nach ,.rachtung der 
bischofe will vert n/ithen sein. und s,llen seiche 
biicher foin rein éehalten werd,.n, datait die pfarr- 
herrn der»eibeu lng zu niitzen und zu gebrauchen 
haben. 

Einkon, men an acker und ]enderei. 

Wir. ais der lande:tiirst, hahen verordnet. «las 
an vermiilichon /irtern ein pfarrherr soli hahen 
4 huben landes und fiinfzig mark. S,,lche hubea 
sollen -rdentli«'h, wie und an welchem ort die- 
selben gelegen, verzeichnet und ein jcdpr pfarr- 
herr zu seiner ankunft darein ëewiesen werthql 
das er deselbitzen zu seinem best«.n habe, ans- 
zuthun oder .u bestellen, jpdoeh fernor mcht. dann 
in seinem dorf der kirchspiel, es were dann. das 
die kircb.-pielkinder m,billicherweise den pfarr- , 
herrn vertbrtheileu, und daenig nicht geben 
wolten, das andere iii der naehl,arschaft 
sich erb/Jen, soll solehs ua«'hmals m d«.r visitati,,n 
von den herm bischofon er?irtert werden, und «la 
etwa die pfarre bewachsene oder ilngerelllnle 
huben bette, sollen die biseh-fp mit dom kirch- 
spiel dahin handhJn, datait s,lche ndiévn zu seiner 
notturft iiiid ëebi'au('h g«.reumet wer, h.n, in wolchem 
die pfarleute ihnen trpulich aN ihren lieben seel- 
hirten befiirdprn st»lien, ulld ja 
an solell«.n giitern holfen vorbess¢'i'n, das thun .ie 
an ihrem .-elbst eigenem gut, weil es bei ihnon 
allezeit hivibet und zu ihrem dienst geliitzt und 
angewandt wird. 

Eink,,mmen an geld. 
Neber, so]eher vorordllnnff der huben i.t alleh 
zu mehrem unterhalt der pf.'lrrherrn Ilnd schlll- 
meister von uns, unser land»cllaft an geld. 
folget, bewillifft worden. 
Die veto adel sollen von ihren lleifen, s, nn- 
gefehr ein seehs oder siehen huben hab«n. 45 sehil- 
ling 8 schilling schulmeistergeld geben. 
Vert 9 oder 11 hubon 1 mark, anch nach 
gelegenheit der vielen huhen ein mehrers. 
Die deutschen freien gtiter, se zu 4 oder 5 
huhen gehabt, und zuvor :40 sehilhng decm ge- 
geben, st, lien hinfiiro 6 schilling mehr und nach 

]'rel,-('h(' freion, s,» zuv«,r zu 20 sehillin e decem 
gegehen, au«h gehalten wer, i,-n das sie ein mehr,.rs 
auf sich genomTnen, md v,m jederm ro,.he g schil- 
ling schulmeistrgeld, wie v«,r alto.fs abl,,gen. 
V«n der {enqb st» ieht scharwerk,.u diil-t, 
und nur zwo hubon ]laben, ist zu decem 
schlagen ,,rden, und zu fi,rdern 30 ,ehilhng. 
V,,n oier hllben 16 schillinff. 
Uf einer haibe bube 12 »chilling. 
V,,n einem viertel der hul».n 1» schilling. 
Und v,,m roche 8 s«hilllng schulmeis,.r gel,l. 
lin atenburgi«'hen. larti»chon. (;,-r, laui,ehon 
und 8chipl,enpeilischen. da ,lle kirch»piel etwas 
nahe an einand«r gelegen, und geringe einkommen 
habo, aber denuoeh die g.iegvnheit des ackers 
(g,,tt 1,b) sohr fruehtbar, soli v,t oiuer freie 
hubtqt 1 schllling deeem und 8 schdlittg -chul- 
meiter gelt geveben werden. 
Ifie t'reu«hen pauren habon zuv,,rdurehaus 
15 schilling zu decem gvben, hinflir,, aber s«,lljeglich 
l'reuscb erbo, s 2 hnl,,.n halten ran. auf 7 schillig 
ëochlagon. und als,,, jegli('her 22 sehilling decem - 
und 8 sehilling schiih.r Ciel  oto erhejerlich ahlgen. 
Neben dem se)Il jegliehvr wirt. se w,,ll 
w,m adel. als fl-eiell oder p:turen. çllil jo,lerm ro,-h 
iit,,.r dell jetztgedavhwn ,h.cem  ,ehillita scl,iiler 
geld. 'ie s«,I-i ZllVt, r br,-ut'hlich goween Ultd 
v«,r alters gehalteu w,,dvn, jerlich zu 
sehuldig sein. 
Ein gonwiner lmuer v«,n jder ]lUben 6 grschen 
und 8 schilling »ehulmpstpr gel,l. 
lier krfg'r, st» blbeu bat. Zllm krug gh«;rig. 
jegli('hor v,,n 1 hui,.n t; grr»schen, s SChllling schul- 
mei».r geld und 5 gro('hen vom zal,lel. 
Ein erbmiiller, s.da huben bat. von einer 
¢; gro,ehen und 8 s'hillinv schldmoiter geld. 
darzu v«,m rade 5 gr-chen. 
lie aber nicht erbmiiiler sein.l, auch nit.ht 
huhen hahen, v«,n einem jedeu gauge 3 gr,,schen. 
Wer wste huhett ëebraucht, se,Il x-u (h'r 
huben i schilling geb«.n, und v,,n eitwm 
: I, fçnni,g geben. 
Ein guter gertupr 8 s('hillin. 
Ein ('llh.chtor gertner «Mer iustman 4 sellillin 
Ein handwerker, d«r ein gartcn hat, (.ill.lll 
erbgertner gieich. 
Ein jeder dinstb«,te, der tlntb lohll dienet, jet- 
lichen 2 schill. 
Eill hirt 4 scllilling. 
Ei» scheflr, d,'r ein garten hat. 8 schiil, deeem 
und 8 sellilling r-ch geld. 
Ein sehmidt 8 sehiiling. 
En pechbremler veto ofen 1 mark. 
Die pauren, welchp ganzo erwachsene oder 
15 * 



Il6 Das Ilerzogthum Preussen. 

wiiste huben annemen, da man nicht also riel 
raum, «las man ein seheffel getreide darauf seen 
kan, sollen das erste jahr von der gebir des 
deeentins gauz befi'eiet sein, das ander jar aber 
den halben und das dritte den ganzen v«,llk,,mmen 
deeem zu erlegen sehuldig sein. 
In stedten soll das oinkummen allein der 
kirchen zu gut, als nemlieh zu unterhalt der 
l»farrherrn, prediger ,,der cal»lan, sehulmeister und 
anderer kirehendiener angewendet, und da etwas 
iibriges were davon stipendia fiir arme knaben 
,,rdiniret werden, d«-nen d«eh dieselbige uicht che 
zu vt'rleihen, dann wann sic zuvt'r, auf ihr«" selbst 
eigene unk-sten ihre prineipia grammatiee 
g«studiret, grtindlich begriffen, und nun se» ge- 
schickt seind, das man sic an die uniersitet 
Kiinigsperg schicken kan, datait s-lch geld nicht 
auf vergebliche hoffnung wiirde angewandt, wann 
an solchen knaben, da es an der grammatica feilet. 
ailes go/d, miihe und arbeit verloren. 
S,, viel das decem und schulmeistergeld in 
stedtcn belanget, dieweil hiev,,n keine gewisse 
verordnung gêscheh,-n kan. stcllen wir s,,lchs in 
der herrn bisch«,fe bescheidenheit, das sic nach 
gelegenheit darinnen gebtihrliche ver,,rdnung 
machen. 
W,, auch die kirchen aufm lande daneben 
ihre einkunft haben an geld, zinsen, ihren kiihen, 
schafen und bienen, s,, ailes in ,,rdentlicher rech- 
nung gehalten, zur besserung angerichtet und ver- 
wahret, und was v,m dor herrschaft, denen vom 
adel, in stedten und sousten zu sich g.,,gen, ver- 
miige aufgerichtem artikel «les vi.zigsten jahres 
wiederumb der kirchen zugeordnet werdeu. 
lesgleichen s«»l auch, was wir als der lands- 
tiir.t mit verwilligung unserer erbarn landschaft 
verordnet ohue weigerung gehalren, die schuld, 
.« aus der kirchen geliêhen und angenommen. 
der kirchen aut: erste erlegt oder. da es liber 
jahresfi'ist aussen stiinde, bis st, lang die heupt- 
summa desselbign ganz und gar wieder erleget 
wird, verzinset werden. 

Von kircltettvetern und kastenherrn. 

Darzu sollen in einer jeden kirehen v,,n den 
lehensherrn vorstendige getreue leut erf«»dert und 
voreidet werdet», die einvs guten lebens, und iiber 
rechter reiner lehr gottselige christliche eiferer 
seind, Actor. 6. Soust werden sic nicht helfen 
das gemeine gut treulich einbringen, vielrpniger 
pfarrherrn und seelhirten triistlich sein, und aise 

Auf das nun soleils verhiit«.t werde, soli kein 
kirchvater od«.r kastenherr «,hne wissen und willen 
des lehn- und pfarrherrn angenommen, oder auch 
da er muthwillig dem wolte zu verdriess thun 
gelitten werden. 
Man darf in warheit den pfarrhorrn niemands 
liber den hais hetzen sic zu ihrem ambt ver- 
drossen und unlustig zu machen, sic haben die 
lat, da aile welt se, lire untertreten und helfen 
leichter machen, st'ndrlichen denen es veto ampts 
wegen gbiiret als da seind die kirchonveter 
dann sic seind v«»m heiligen geist darzu erstlich 
angerichtet, da. sic d«.n armen pfarrherrn sollen 
ihre «,bliegende arbeit uud miihe.eligkeit helfen 
geringern. Actor. 6. 

lhr a-m p t. 
llas sic «las einkommen zur be.oldung der 
pfarrherrn, schul- und kirchendiener an geld ein- 
mahnen, vermtige un.er fiirstlichen und von der 
erbaren landschaft bewilligten artikeln anno 40, 
die.elbigen diener ('hristi zu rechter zeit ihrer 
gebiihr entrichten, das tibrige zusammen halten, 
und dasselbige zum vorraht in der kirchen treu- 
lichen verwahren, auch darvon ganz und gar an 
pfarrkirchen und schulgebeu nichts nicht wenden, 
weil ein ganz kirchspiel, wie droben vermeldet, 
zu bauen und seiches ailes im baulichen wesen zu 
rhalten schuldig ist, es were dann. das es die 
hohe noth erf,-,rdert, und die kirch andel'wege nieht 
ktindte erhalten werden, se sollen sic. doeh ohne 
raht und bewilligung der lehnherren und bischt,fi, 
darinnen auch nichts fiiruhmen, sondern es an 
diselhigen gelangen la.sen. 
Sic s«,llen auch ohne verseumung, unserem 
vorige gnedigen erste fiirstlichem befehlich und 
verordnnng nach. die tafeln oder secklein fleissig 
alle st'ntage und lest umbtragen und darnit ein- 
samlen die pfarrherrn auch das volk ernstlich 
vermahnet b ihre milde hand aufzuthun, und der 
kirchen ihre almusen darinnen mitzutheilen. Welchs 
alles alsobald in eiuen stock oder kasten in gegen- 
wertigkeit der kirchspielkinder s,ll einelegt, und 
damit aile sachen ohne verdacht abgehen, sollen 
zu solchem kasten zwei schloss und zween schliissel. 
deren einen der ein kirchrater, den andea'n der 
ander in guter vervahrung zu haben geschaffet 
werden. 
Was sic nun in allem jerlichs samlen ein- 
nehmn -der ausgeben, dessert sollen sic gute 

ihr ambt tti('ht allein nicht au.richten, s,,ndern rechenschaft halten, und was von einem jahr zum 
ailes vorkerter art, ihrem armen gewissen zu I andern berechnet wird. treulich mit den registern 
ewigem verderb, der kirchen zu schaden md nach- bel der kirchen beilegen. 
teiligem ergerniss bisslich anlegen. I Auch sollen die kirchveter aile jahr wr 



Von erwehlung der beiden bisch«dî 1.568. 

dem amptmann oder lehenherrn sambt dem pfarr- I Und datait solcher hoiliger gmtosdienst nicht 
herrn und eltsten eines jeden kirchspiels rech- I gehindert werde, selle vermiige auferichter und 

nung thun. und da mangel befunden, der pfarr- 
herr s-lchs seiuem «rdinario und anwesentlichen 
bisehofe damit nicht ,erseumet. und der kirchen 
armut raht geschaffet werde, anzeigen, d,, auch 
die kirch.eter, wie auf dem lande, nicht schreiben 
oder lesen kindten, s«,ll-u diepfarrherrn die 
kirchenregister ohne beschwer d«r kirchv zu 
halten schuldig sein. 
Vert den zuhiir«.r» und pfarrteuten. 
Von denen ist dr,»beu geagt, weil d«r dienst 
ihnen zu gut und trost VOll gott ist ver,-»rdnet, 
des sic miissen des wort und predigtamt ehren. 
fleissig zur kirchen gehen, die predigt al.« hiiren, 
dass sic derselben mtigen gebessert sein. I tas 
schicht mit h;Jren nicht allein, s«»ndern svlig ist der, 
sagt Çhristus, se g«»ttes w,-,rt h?h-et und bewahret in 
einem feineu, guten herzen, und hringet frucht in 
geduld. Luc. 8 und 11 [richtigr: Luc. 8. V.rs 15.]. 
Darutnb st, Il ein jeder hausvater betrachten. 
das er fiir ff,»tt schuhlig ist, s«ic h:,n.gesinde dazu 
anzuhalten, dass er nit devaselben fleissig v,r- 
und nachmittag zut kirchen, dahin er zewiedemet, 
,ft und riel zum sacrement geh , sich und dio 
seine anhalten zur busse und besserung, einom 
gottseligen fr«»mrnen leben, wer ,las nicht thut, 
soli nach gnugsamer beschehener erinnerung f'iir 
keinen christen gehalten, zu kei»em sacrament, 
christlichem werk, boi der tauf n,»ch s,msten zu- 
.olassen «,d,r geste»te» werden d-ch ailes nacl, 
rath und bedenken der bisch«fe. 
Und weil l»salmen sing«q» anders nichts dann 
eine gottselige ubung ist, go»tes worts, und eine 
g«wisse anzeigung herzlicher liebe zu g,-»tt und 
seinem wor b sollen di« hausveter ihre kinder und 
gesindo darzu halten, dass sic in der kirchen dio 
gemeine psatmen mit singen, au«h zu hause ne»ch 
zu fld«, ihnen nicht gestadtet werde, anders d,*nn 
geistliche lieder zu singen des ist g«»ttes bofiehl. 
Ephos. 5 und ('oloss..'3. Lehret und vermahttet 
euch selbst mit psalmen und I«»bgesengon untl geist- 
lichen lieblichn liedern, und singe» dem I,errn 
in eurem herzen etc. 3lit welchen worten 
zugleich den nutz und fr,mmen kh.rlich anzeigt 
dass solch singen viel friih«her guter gedanken 
gibet und zu lehr und vermal, nung unsers neh«.sten, 
der es hiret, dienstlich ist. und wo das herze 
sonderlichen darl,ei ist, der fro»mme gott durch 
dich sein armes creattirchen gar herrlichen gel«»bet 
wird und gepreiset. Die pfarrherrn auf dom 
lande sollen auch die jugend dahin dass sic in 
die chaire oder den or», de des singen getrieben 
gehen die predigt auswarten, und ver vorrichtem 
ampt nieht eus der kirche laufen, mit fleiss halten, 
und desfalls gute aufsicht uf dieselben geben. 

verwillig'ter artik«l zur zeit der mess und pr.digt 
keiu spaciren auf dem kirchh,,f kein bief. wein 
oder brandtwein schenkcn einiges weg«.s gelitten 
werde, smdern ailes, s«»wol schiflbn, fischen, 
hetzen, jag«n und anders die zeit abgethan und 
verb«tvn sein, bei autesctzter leibs»traf. 
Es kan ja ats k«.inem guten geist lwrk,»mmen. 
s«,ndcrn nmss des tournis werk und gescbefte sein, 
wann ein gastgeber, krtiger, weinschenke oder 
anderer zu der zeit in ,einm haus zu seiuem 
eigenen nutz leut affhe]t v«m g«»tt und sel»rem 
w, rt. das sie dasselbige und datait die s«diffeit 
verseumen und v-rechtlich hindansetzeu. Item 
vou g«»ttes lob, dem hiligen gen,viu,.n gbet ftir 
die noth aller christ«nheit sich entziebcn, darumb 
uber weltlicler ,berkeit straf s,,Iche I«ut billig, 
als des teuf, q werkz«qg sollen fiir exc«»mmuni- 
cirte und keine christeu g.halten werdn. 
Ami»dente aher und di v,,m adel st»lient zu 
s«dchem ergernuss auch nicht ursach« g«ben, 
sondvra wie sieftir a«lern leu»on s,,llet ans 
ge»tes «,rdnuug fiirgoz,,geu uttd gross gea«ht 
werden; aise sollen sic aurh ihre gott zu ehren 
audere mit gutem exemp,.I zu der gotts, ligkoit 
anreizen und ih»en v,,rgeh,.n, wann sic des wieder- 
spiel thun mgeu sic btravht,n, wie sic ihren 
treuen fommen t. je ihron a,le und stand 
ehren, der «in dit.nt oder client'tin g,,ttes sein 
st»ll. 8al,ient. 6. Rsm. 1:. 
Hurerei uud aile unreinikeit ,der geiz s,,lleu 
die christ«n von ihnen ni«ht lassen ffesaget werde, 
s,,ndern sich hiiten attch fiir allem b;isen schein. 
safft l'aulus Ehes. 5 nnd 1. Thessal,,n. 5. 
l»argeen sollcn sie allçn ern«t und fleiss 
daran leçon, dass sic ihreu catechinmm eissig 
studirçn guten grnnd ans ge,»tes wort d«r ftir- 
nehmslen hauptstiicke chrisllicher 1,.hre fassou. 
und nach derselhon niicht-rn, g,,ttselig, t.hri»tli«h 
und w,,I leben. 
8,»llen derhalben die l,trrherrn ihre zuhiir«r 
ficht allein in gemciner pr«digt darzu vermahnen, 
sondorn auch" in d«.r becht auhalt,.u und deen 
k«.inen lass«.n zum hochwirdigen acrament kommen. 
die «»hne buss tm,l bosseung in unzucht leen, ihre 
ei»et, artikel des g-lauhen und fih-nehmste kiuder- 
I«'hr nicht wissen: s,,nderlich aber s.llmt siesol,.he 
I«.ut in visitati,,ne ihren ,rdinariis und bisch«,tPn 
anzeiffen, die denn gebiihrlichen ernst nach «rkndi- 
zung der sachon darbei thun and nach gelegon- 
h.it der -brigkeit anmeld«u s,,lle. 
Es geh5ret auch in dor bischofe ampt, das 
sic. in der visitation bei dçm gemeiuen mann er- 
kïmdigen, wie ein jeder sich der predig bessere. 
was er daraus gestudiret und geler»w» habe. und 
muss d-ch ia der mtorscheid gehalten werden 



118 D. Herzogthum Preussen. 

«las nicht eill g-ttl«,ser meus(.h, so zu keiu«.r 
pr,.dig kommet, oder ja llichts daraus h'rne b nichts 
weis v-n d«.m g,.h,.t, artikeln des glauhens tc. 
deln almdern gleich gehalten wede, der alh'n fl«'iss 
dal'auf wendet, dass 
daraus rechte h'hr«» n«'hme zu seiner huss und 
hesselUng, wi. dann aile prt-dig v«,n i'hristo aih.in 
,lahin ver-rdnet, und v,,n l'echtschafli'len pre«lig'rl 
gelneitot ist, Luc. 24. S,,nst. w«» wir «'inen so 
gut w,,llen gearhtet 
kelm(.n wir fi-ei, das bei uns gh.ich riel gilt, wer 
,I«.m lichen g,,tt g«'h,»rsam oder ulge]mrsam, wer 
gleuhiff «,der ungh.nhig sel. 
W, sat'ramentarii, widerteufi.r und an«h're 
«hwermer w.r«-n, s,llen diese]ben zu keiner com- 
muni«,n des ab.ndmahls, 
thttern zu stehen, zuge»tatt«'t werd,.n, dariiber 
:mch dieselbigon dem bis«h«,f angezegot worden, 
weh'he sic mit gut«'m griildli('l».m beri«'ht unter- 
weisen, und von ihr«.ln irl'thumb freundlichen 
abt'trel so]len. Ira al»er ,dchs nicht ]wlfi'n und 
ie auf ihrem g«'fas¢en irrthum haltarrig ver- 
harren und ideib«n 
trners rahts zu I»flegen wissen, danit weuig 
r««ldige schat nicht den ganz«.n al'men hauIn 
,,l'derbon, in wel«hem allem, wann clic bischot 
,las ihro g«-thal, w,,lleu il" uns al d«r laldsfiirst 
unsers tragend,n anq»ts ,s«»l wissen christli«h zu 
ol-inuern, da» wir ,,fleltliche lesterer wiedcr das 
ander geb,,t keines u«-gs dulden ne,ch ],.iden se,lien. 
»«,lidt.rl tanquam cnMos primat" et ecundae tabula 
dieselbigen se,lien abschaflen. 
Man leidet einen m«,rdl,l'Olm.r, dot sedte 
und heuer anstecket, man duldet k,'ilwn schad- 
hafiigen ln«'n«hen, der t»l-«lme und wass«.r ver- 
giftet, x*arumb nn,l mit was gewisen s«,lte dann 
der schadeu geriner geacht.t werden, da leih 
und seol d.r :u men ut«.l-sasscn Vel'gitet, grcu- 
liclw zcrriittung" u[»d zwiespa]t angerichtet und 
gouttes gewisser z«,rn liber lald [t«l h»ute g.fiihret 
xird, tïir w«.lchs alle donne,ch eiwn die ,,brig- 
keit, se, ailes erg«'l'nuss s,» riel miiglich abschafll 
s,ll. an jnern rage muss rechenschatt geb,-l, und wird 
das so scharf in g,ttes wort [darauOder erdb«,dell 
an .ionem tag s«dl gerichtt wer«h.n. .l,,hanl. 12) 
delt »erstorbollen kiinigen ira a]ten testaln«.nt auf- 
gerucket, das si. nicht ,lit. ahar d«'r abgiitter dar- 
ltieder gerissel, was wel'd,.n wir daim tlt«l andel'e 
,,bel-k«-it aida hiiren Se,l" g«,ttcs gericht, wann wir 
,,flntlich«. I,lasldwmi.l, VOl'kerung ul.l h'sterung 
des h. testam«-nts l'hlisti, seilwr tauf etc. nicht 
abgethan s«ndorn getattet haben etc. 
Ital-nmh wollen wir die wir uns die ehre 
gottes und die el'br«iterulge siues lwiligen namen% 
htihestos vermiigens zu befiil'dern s-ndel-n ruhm 
alzeit gefliessen, auch mit gottes gnedigen beistand 
des allme«htigen, nachmals bis in nnSel'e grube 

daVOlt nieht a|,stehen, wollen unser ampt darin 
betrachten und gebrauchen, und sollen die bischofe 
nnd pfarrherrn img]eichen wider solche wolfe 
nicht sch]eferig, sondern rnunter nnd wacker 
seilt. Actol'. 20, ad Tit. 1. und ein jeder frommer 
christ ltaCh d'm befh] ('hristi Jesu, sêines ge- 
li.bten erltiser., si-h wissen ftir ihn zu htiten, 
Math. 7, nl,d wie l'aulus 1,dret, v«,n ihnen ab- 
s«mdeln. 2. ',,rintl,. 6, dt,mit er ein gefess sei, 
dem herrn geheiliget, 2. Timoth. 2. 
Zeuherei, s-rtih.gia und aberglauben seind 
V-l g-tt in seiner repub]ica d«.s alten t«staments 
gar scharf und mit d«'m todt gestraft, Eod. 2"2, 
Levit. 20, Deuter-n. 18. Iter gott, der nun zu 
je.ner zeit diesen dingen so feind gewesen ist von 
hel'zen wird ohne zweifel ihm dieselbigen jetzund 
riel weniger gefallen lassell. Darumb wir es 
auch, wegen trag«»nden ampts und unsers christen- 
thuml,s, b,i harter und peinlicher straf êrnstlich 
und billich w.14«,ten haben, dariiber wir auch ge- 
,lenkel .teif Illl«] fest zu ]mhell. 

V«,u hosl, italen und kasten fiir die 
arrne 11. 
Afin,en sei.d sonderlieh unsers heren gottes 
hotesil,], darumb wil] er, ,las wir an denselben 
sollen barrnherzigkeit iiben und die bl-derliehe 
liche erzeigen, vorheisehet dagegen zeitliehe und 
ewigo w,,l[hhrt, wie 'hristus spricht, Math. 5. 
8«-lig seind die barmherzigen, denn sie werden 
barmh«.lzigkeit el'langen, und Lue 1;. Maehet 
euch fl'OUld(" v«,n dv[[ ilIgerechten rnammon, auf 
das, Wanll ihr dal-bel, ie euch aufiemen in die 
ewigen hlten, item Proverb. 19: wer sie]l des 
al'm(.n erbarrm.t. «hq- leihet dem herrl b der wird 
ihm wi«der guts vergelten, ulld cap. 1 1 : die seele, 
die da rei('h]ich Seglet wird fett, nnd wer reich- 
lich gieb,-t, «lem wird reichlich wieder gegehvn. 
S-Iche Illld dereleichen schtille sprficll sollen 
die prediger ihren zuhiirel'n «d und riel v«,rhalten, 
und dieselbigen Vel'mahlen, das ie ja gern in 
di«. al'men kasten und h,spital geben, zu unter- 
haltung dl" armen. 

Wer geben solle. 
Paulus er]est es keinem meuschen nicht, dem 
l'eic|len dieser we]t geL«»ut spricht er, 1. Timoth. 6, 
«la.,s sic llic]lt st«dz st'iii etc., sondel'll guts thun, 
reich wer«h,n all gutcn *erken. gern geben, lent- 
selig seinJ «»te. 
l ten armen handwerksleuten befiehlet er des- 
gh4cl,.n, E, hcs. 4. I)as sie sollen mit ihrer hand 
arbciten und etwas redliehs sehaffen oder fiir- 
nehnu»l, datait sie nicht allein notturft haben fur 
sich, son(lern auch den diirftigen und armen êtwas 
zu geben. 



Von erwohhmt der beiden bischoff. 1.568. 

Wer die recht armen seind denen man [ wochentlicher predifft und reichung der sacramont 
geben, und die man soli in hospital eia- I aueh versorgen. 
Und sollen di, bise.bore, vprmiiffe ihres tragen- 
nehmen, den ampts, treulich aufsehen, damit di«. kasten- 

8yrach sage cap. 12, wiltu guts thun. st» 
siehe zu, wem du es thust. Item, giehe dem 
gottfiirchtigeu, thu gltts dem e]enden lin,1 nicht 
dem gottlosen. 
Sollen derhalben son,l«rlichen die kasten- und 
hospitaiherrn oder vorsteher zusehon, w«m sie zu 
den ahnusen kommen lassen. 
Und gehiiren gottlose, ruchlose I«.ut gar niche 
darein. vie 8vrach klcrlich saget, uu,i Paulus 
unterscheid auch wil gehalten haben. «las wir fiir- 
nehmlich und son,lerlichen guts soli,,, th,n an 
don glaubensgenossen. Ga]at. 6. 
Es gehiren auch nicht in die mihlon 
und hospital fanlenzor u»d Iodige miissiggengor, 
die ihr leben mit sch]iinff]n zubriugel, ni('ht 
wollen bel sarkem gcsunden le.lb arbeit,.n, ver- 
]assen sich aber anf sol«hom bottel, da sic 
moinen das man sie wol nehren msse, hein sage 
Paulus von so]chen ]eute, wor niche arhoitet, dor 
soli auch ni«.ht esson. 2. Thessal. :L 
Vi«l weniger gehiiren daroin diojeigen, die 
ihre nahrung, und was ihnen der fromme g«tt 
bescheret hat, btJslich verschh.mmon, tag und 
nacht im luder liegen, spielon und doppein, bringeu 
ihr leben nit greulichem «-rgernuss unsern kirch,'n 
nnd dem heiligen evangeli- zu schimpf und nach- 
theii, in ailorlei sanden und iastoru zu. 
Dies ab«.r seind die recht armon, sie haben 
gottes wort iieb, sind fl-omm und arbeit«q, uud 
lassen ihn ihr leben sauer werd«n, aber 
fromme gott entzcucht ihnen seinen seg«n an der 
nahruug dass sie nirg(qd zu kommen k¢innen, 
sandern zuletzt an den bettelstab gcrahteu. (Ider 
wolten gern arbeiten, kiinnen ab«r nicht, dass 
gott mit leibsschwachhoit krenket und zu aller 
arbeit untiichtig gemacht hat. Diesen soli man 
nach golegenhoit helfen mit dem g«.m,.inen aimusen 
ans dem kasten, ,der wo es die hohe noth er- 
fiwdert, in die h0spita] nehmen. 

Diener und dienerin bel d,.c kranken 
ira hospital. 
Sollen gottfiirchtige, fromme l(.nte sein. clic. 
mit den kranken gorne von gottes vort roden, sic: 
damit triist]ichcn zu goduit ermahncn und niche 
allerlei gezenk, wiederwillet und tmlust unt«.r 
den armen stiften und anrichten. 
Und weil das grosse hospital zu KiJni.berg 
mit einem eigenen pfarrhcrrn versorget, so]lcn die 
pfarrherrn oder ihre capl_;ne die andern hospitale 
sowohl zu Ktinigsperg als auf dem lande mit 

herrn und v,,r.-tehere an jedem ,,rt, bel den arme 
den gebiihrlichon fl«.iss thun, gute r«'ch«mschaft 
halten und ailes in massen aurichten, wi,. ihnen 
v«m atnpts ween gebiiret. 
Sie soilen auch selbst di« kastenherrn und 
vorsteher in solch,.m ampt befiirdern, ihres hiichsten 
w.rmffens, datait se viol immermehr mglich, die 
kasten und hospital zun«.m«m, un«l dem fl'ommen 
ffott sein armer haut tr«istlich unter un miige er- 
nrhret und erhalt«.n werden. 
Diss ist in emein«*, was der ftirnehmsten 
i«.rson uud empter, l,.hr un,1 i,.hen in .der 
kirchen helauget, und wie es bri donea muss o- 
halton werden, wo wir ,lie r«.iue lehr w.ilen be- 
halt«.n and durch gottes g, ade auf tmsere na«.h- 
k«»lllll}ell f,,rtsetz«'B. 

Examen in d'r visitation. 

Auf das aber s,,Ichs ailes in tog]ich,m schwang 
ttml gebrauch miig«, erhalten w«-rd«'n uud daran 
niches goondert, se,Il it, den kiittftiffen visitationibus 
iederzeit summarie niso nachfi»r«h,tng ges«'],ei,en" 
I)te pI;arrherrn so|l man frageu: 
ErstIicI,, was sie predigen, und s,,ll datait in 
den fiivnen, bsteo artik«.ln chritlicher Iehr ein jed'r 
pfarrherr tloissig ohne s«himpf und leichtfertigkei 
examiniret werden, ,hno boi.,ein der pfarrkindr, 
datait ailes ohne ergerniiss zug.he. 
Zum andern wie sie taufi.n, ab.«,lvireu, mit 
den leuten in beicht hiireu umhgehen, und die- 
slbien zu ihrom tr«st berichWn, in dot kirch,u 
sacramenta reich,.n, oder bel den krankeu, wi,- 
sie kranken besuch«.n was sie fiir cer«.m,mieu 
haiten in «ier c«,mmunion, begrebnuss, c,qmlati,n 
der eh«qeut. 
Zum dritten, wie sic dio juge»d und gesiu,1 
d«.n catechismum lehren uud zu w«.lcher zeit, mit 
was ordenung m,d weise. 
Zum vierdten, wie die eltern ihre kinder und 
gosinde darzu oder davon Imiten. 
Zum fiinftn, wie auch in gemein die e]tern 
un,i hausherrn mit ihren kindern ut,d hausgesind«. 
zlir kirchen goh,.lt, und ,,b man auch ,h.r zeit. 
waun man pl'ediff, branntwein, hier un«t amlel-s 
sch«:nket, und wer es /I,ut. 
Zum secllsten, wi«* sic* das h,»chvil-dige sacl':t- 
ment fl,'issig suc|,,*n und sich ,larzu schicken. 
Zum siebend,*n, wie sie leb«'u ira ehestand. 
untl ausser dom ehestaud, was sie fiir unzïtchtige, 
briichte leute unter sich haben, «,h anch todt- 
schleger, wiicherr, gotsh.steror, zaubor«.r, sa«'ra- 



12) l»as IIerzogthum l'reussen. 

mcntircr und d«.rgleichen g«»ttlos leute seind und 
bei ihnen gedt, ldêt werden, und was sich sonsten 
vor irruugen, gebrechen und anders in kirchspiel 
erhalten. 
Zum achten, wie sich ihre kaplan, schul- 
diener und custt, des geg(.n sie halten, wic die- 
s«'lben ihre ampt in schulen un,l kirchen aus-[ 
richt,m, was sic ftir psalmen dem v,lk fgr- 
singen. 
Zutn neunden, was ihrer der ptarherrn ein- 
k-mmen und besoldung sei, wie ihnen dic ge- 
reicht werde. 
Zsm zehenden, was sie tïir bgcher haben 
,larinnen sie teglich studiren und daraus sie 
predigen. 
Sd,ilmeistm" und s«hulgeselh.n soll man fragen: 
Erstlich, was r,'ligi«,ns sic seind. 
Zmn an,lerl b wie und was fiir cathecllisnlun 
ie der jugend fiirtragen. 
Zum dritten, was ihre lecti,,nes, und wic 
dieselbigen tractir«.n, raid s,,ll da gar ern»tlich 
ang«.llalten erd,'n. datait die l,uerilia nicht er- 
seumet, s,,ndern die heilsame h.hr d,-s catechimi 
der jugend treulich eingebil,let werde. 
Zum vierten s.ll gefraget w,.r,len, wie sich 
der pthrh«.rr gegen sic* halte, wie er s«qn ambt 
ausrichte, lnit predigen, beicht hiiren, sacrament 
reichen, in sein¢-m ganzon leh,-n nnd wandel, und 
wie er die schulen w-chentlichen besm-he. 
Zum fiinften, was ihr bes-l,hmg, und wie 
ihnen die vorroicht werde. 
Zum sechsten ist auch zu fragen ,b etwa 
leut weren, die ihre kiudr aus dot schule, und 
von der lehr des catechismi muthwillig entziehen. 
Eben degleichen s,ll man sich auch bol don 
custodibus aut den di;l't'ern befl'aget b und all(.nt- 
halben darauf gute achtung geben datait kein 
ergerliche zwispalt unter den i, thrrherrn, sclml- 
gesellen und andern dienern der kirchen gelitten 
w,.rde, sondern ira g,ttseligem friede und ein- 
tracht sic d««n herrn ('hristo di,'n,.n nnd ire 
aml,ten ausrichten etc. 
Voit kastenherrn, kirchve/ern und v-rstehern der 
hospital soli man fragen: 
Estlich, wie sich die i»fitrrherrn, caldiin und 
andere d«*r kirchen und schnldielwr halten, und 
,,h auch die iAhrrherrn und capliin di«. rine lehre 
fiirtrag«.n, die armen fleissig besuchcn, gutes, 
reine.s, unstreflichs lebens seind. 
Zum andern, wie inen die einkunft dcr kirchen 
und hospital v,»rreicht. -b attch andere aml,tlcute 
und unt«*rthanen, die v,n der herrschaft ad,.l und 
andere zu ihrem theile s«.umig lass und trege 
seiud und an wem es mangele. 
Zum dritten sali 

ihnen geh/Sret und genommen und unterschiedlich 
augezeiget werden. 
I. Was das jerliche ordentlichs einkommen 
sei, und w-ber. 
1I. Was dagegen die jerliche ausgaben, und 
wohin. 
II[. Zum dritten, was aussen stehe an schulden, 
und anderm, bel wem, und wie aueh wie 
lange. 
Was der vorrath sei an geld, an kelchen 
klein-th biichcrn, kirchcnzier etc. 
Was die inventaria der pfarrherrn, wie die- 
sclbigen in esse gehalten werden, dann darauf 
s«,llen kasteuherrn und kirchveter achtung geben. 
Zum vierd.en wie kirchen pfarrhife der 
schul- und kirchendiencr ihre heuser, sampt den 
kirchh6fen in baulichem wesen mit aller zugehi/r 
und befl'iedung, rein und rechtschaffen gêhalten 
nnd dos nicht aus den kirchhi;fen, da die cirper 
der glaubigen ouf di- ktinftige erscheinung Jesu 
('hristi ir ruhe und schlafkammer haben, schwein- 
trieb gemacht, sondern die,elbigeta erlich und 
sch6n gehalten werden, umb der fr;lichen auf- 
erstehung willen. 
Und s-ll desgleichen van den varstehern der 
h,spital auch die rechnung angeh/Sret werdên. 
mit nachf,rschung und fleissiger erkundigung, was 
denselben armen heusern entwandt, und wohin 
es k,mmen, auch wie sich die armen leut zu gattes 
w,rt und rien h«chwirdigen sacramênten halten, 
friedlich leben und fiir alle stende treulich bitten. 
Van don zuhiirern sall man fragen: 
Estlich. wie siê ihren catechismum k6lmên, 
und wo es feil«% die armen leute freundlich ihrer 
gethhr und unheils erinnern, und zu der besse- 
rung vêrmahnen. 
Zum andern, wie sich ihr pfarrherr, schul- 
diener und kirchveter haltên, der pfarrherr sein 
ampt fleissig verrichtet, mit predigen, bêicht h6ren, 
sacrament reichen, krankên zu bêsuchen, was sein 
leb,,n und wandel, oh er die schule und andere 
kirchendiener, auch eins ergerlich,'n lebens seind, 
dann in salchen embtern ja kein vollseufer, spider, 
unziichtiger und mit dergleichen laster verunrei- 
nigter imqsch nimmermehr soli gelittên werden. 
Zum dri/t«.n, welche 1,,rs,,nel und schul- 
diêuer ihres b«isen, gattlasen lebens, handel und 
wandels hall,en, at,gezeigt sein& die sall Inan ftir- 
nehmen und zu der buss treulich vermahnen, auch 
sie betrau«-n, wo sic .hne besserung werden fort- 
fahren, das man sic aus ihrer eigen grablichen 
verursachung als heiden halten, ohne sacrament, 
als unverntinftige thier wtirde sterben und be- 
graben lassen. 
Zum vierdten, was die irrung in ehesachen 
,,d«.r zwischen eheh'uten snl]en die biseh,,f mit 



Von erwehlung der beiden bischoff. 1568. 121 

ihren zuverordenten so viel mtiglich rtchteu, was 
aber sich nicht so bald wil giitlich weisen lassen, 
an das Consistorium remittiren. 
Was ausser dem strairdige folle, dieselbigen 
soli der amptmann jedcs orts auf sich n(.hmeu 
und an uns oder clos orts I«.henhorru gei;men 
lassen. 
Ordentliche verzeichnus. 
Vas nun dornmssen verhandelt, und wie es 
bei einem jedeu kirchspi«.l behnden, s,,ll,.t die 
bisch.fi, desselben oin ordentlichs verzeichnus 
einem jeen kirchspiel lassen, alles von ciucr 
kirchen zut andern, gleichs lants in ihre pr,to- 
colla brinTeu, und dann darvon uns, ais dem land- 
{rstel. nach gehalteuer visitation, ein bes,,nder 
gcschrieben exemplar, welchs in unser cauzlei, 
richtigkeit halbcn, ufzuheben undertheniglichen 
zustei]«n, datait wir aller sachcn griindlich be- 
richtet werden, und wie es in unscrm fftr»tenthumb 
und lande, der religi«m halben, zust«he. ut 
wissenschaft hab«'n, auch wo es darinnen mangelt 
und feilete, mit don bischon darumb r«den 
miien. 
Dargegen wolleu wir. vermiige uuscrs ffirst- 
lichen tragenden ampts, die h«.rren bisch«,fe, in 
solchem und allem gegen menniglich schfitzen umi 
hand haben, sie in verrichtung ibres ampts, nach 
h;iho»te ansorm vermgen, guediiieh befrdel'oU, 
md wiewoll wir uns daran gar keinen zweif,.l 
maehen das sieh ebeu dergleiehen unsere getreuo 
underthanen, v«»u allerlei stenden christlieh und 
gebiihrlie]wr zeigen und halten werden, in botrach- 
tmg, dass es gottos ernster bofehl un,l wille ist, 
so wollen wir doeh zum uberflus hiomit allon 
unsern amptluten und untorthanon, den,q 
dor herrsehafi, rittursehatt und adoi, s,, woi aN 
denon in stedten und ufm lando ernstlieh und 
endlieh befohlen haben, das sie in dem allem. 
was v-n don bisehou in der visitati«,n sonsten 
verordnet wird, ohne weigorung anderst uicht, 
dann uns, a/s ihrem landsfiirsten und tmrren solbst, 
pariren und ghorsamen so/len. 
In g«meiu soll von allen erkndigt werden: 
Estlieh, wes lehon die pfarre ist. 
Zum andern, wie riel diirfer in ein jedos 
kirehspiel geh6ren. 
Zum dritten, ob aueh der pfarrherr alles uaeh 
notturft bestroiten und ausriehten kinne, datait 
niemands verseumet werde. 
Nach dom examine dot pthrrherrn und eal,lans 
solleu die h-henherren sampt aude ffiruehmen 
personen des rahts oder kirehspiels zu solcher 
verhtir und vorhandlung gozogon werdon. 
Bleibet aueh dabei, dass wir na('h notturf 
cirier oder mebr aus unsern rethn, benebeu dem 
amptmanue eines jedon orts darzu, nob«.n 
8ehliug, Kitehenordnutgot,. IV. 

porsouen naeh u«tturft iederzeit gnedigst ver- 
ordnen woilen. 
Und sollen die von der herrschaft, ritter- 
schaft und adel, unsorm exempol nach, ihnen 
kein bes,,uders mach«.u, noch sich und ihre uuter- 
sassen, ans diesem gottseeligen, heiisamen werk 
absoudern, sond«,r dassolbige in allen stficken 
heltn fiirdern, un«! d«.m getreuen, frommen gott 
daflir dankeu, das wir di«. zeit erlcbet, da wir 
wissen, wie wir ihm, als unserm li,.bsten schtipfer 
und erliiser, mfigen in kindlicher furcht und 
demut angenÇme dieust thun und fr seine 
grosse, unaussprechlicho giite ihn ioben un,i 
preisen. 
Nachdem auch unsere prelaten und bischofe 
verm0ge ihrer hab«.nden jurisdietion und tragen- 
don ampts, die ahe kirch«tmrdnung von christ- 
lichon cervmonien wiederumb fiir die hand nehm«.n. 
und was darinnen zu nothwendiger verbesserung 
dienstlich, treulich ins werk setzen und beftirdorn 
solleu, w,llen wir derselbon von allen ud jed<-n. 
in,,mderheit unsern undorthano», hohes und 
niedriges standes, ernstlich begert hahen, die- 
selbige mit «.hrerbietung, wie an ihm selbst biilich, 
chrisllich mzunemon und nicht zu verachten, 
soadern di(.seIbigen underthoniglich in allen 
punkten und artikeln, wic die mit unterschoid 
und naeh gelegenheit der i;rter begrifln, au[  
nehmen und ha]ten, datait a]ios eintrechtig uad 
in guter zucht und ordnun 7zugehe, wie die 
zwen«- bisch,de auch darauf in ihrcn visitationibus 
gute achtuug hab«.n s«,llen, welche sie jerlieh, oder 
doeh ja abor das auder jahr, wie droben ver- 
me]dot, zu ha]ton schuldig. 
Wo sie aber eigwr pvrson aus schwachheit 
ihros leibs nieht umbzihen kindten, sollen sie 
vertendige, fl'omme, erbare, bescheidene, gut- 
herzig- [»ersonen an ihre stadt zut visitation ver- 
ordnon» welche, gh'ich den bischofen solbst, auf 
die kirclwn, widenwn- und kircheng«.beude, das 
dio in wesentlich«m bau erhalten, fleissig zu seiw, 
desg]oichen die ptarrhorrn v,m wegen der h.lc" 
und die pfarrkindr ira glauben, heten sacra- 
meut.n, t'hristlichen ceom,«fiç'u, und wie sie 
christenthmnb geschieket soind, allel'mass«.n wie 
di«. fragstiick droben verzeichn«.t, eig«.ntlich er- 
kfindigen darneben aih" g,.brech,'n dorselhigen in 
,let giito verhiiren, strafou lehr«.n, unterricht«h 
und di«. hou,lei gebiirlieher or«lentliciwr weise 
entschoiden. 
Zu dem woll«.n und ordn«'n wir. das gloich,.r 
gestalt aile pfarrlwrrn uud diener des gitflich«.n 
wort, durch aile ,,brigkeit und unsore ambt leuto 
h,,hos ud nicdrig«.s stan,les wie die namen haben 
und in uaserm horzogthumb l'reussen wohnon, 
v,,r aile gewalt und unrecht nicht alleiue be- 
s«.hiitzet und bescbirm't on&.rn atwh von 

16 



]oo_ Das Herzogthm Preussen. 

lichen geehret und get5rdert, auch das kein pfarr- 
herr durch .,eine obrigkeit oder unser amptleute 
zu etwas ander.-, dann zu dien.,te des watts nnd 
-einet auferlegten kirchendienst mit einigem be- 
fehl :edrungen ader beladen werde. 
I': sall auch kein pfarrherr ohne grosse ur- 
sach und ohne seincn guten willen verpflichtet 
»J.in, ehelicher trauung oder d.r tauf halber, seinen 
l,farrkindern nach zu ziehen, sondern es sallen 
-c, lche eheliche vertrauungen und die tauf in der 
kirchen, die hierzu geardnet, gchandelt werden, 
wa aber ursachen ftht;allen, ader die kirchen mit 
unbequemligkeit abgel,gen, derhalben solchs anders 
g«.sucht und die trauung «,der kinder taule ge- 
heten, darinnen soll sich ein jeder I,farrherr der 
gebiihr verhalten. 
Wir walh.n auch. das ein jeder pfarrherr sich 
senes befahlenen kirchspiels allein halte, keinem 
andern ohn sein wissen uud guten wiIIen in sein 
ambt greffe, noch sich darzu vermiigen lasse, des- 
gleichen auch keines anders kirchspiel kinder auf- 
neme zu der beicht oder reichung der hedigen 
tauf und sacramenta, s-udern ein jeder auf die 
seinen seh«', wie ihm dieselbeu mit g,,ttes wart 
zu weiden auferlegt ist. 
Were es aber sache, das etwa gutherzige 
fromme leut aus dem bapstumb zu einem pfarr- 
herrn in unserm fiirstenthumb k«imen, oder auch 
einer ans einern frembden kirchspiel, der orth mit 

ganzen ampt, treulich, fleissig, mit gebiirlicher 
sorgfltigkeit christlich erzeigen und halten. 
8o ist uns auch zu befiirderung solchs noth- 
wendigen christlichen werks nicht entgegen, wo 
die kirchspiel also nahe an unsern heusern ge- 
legen, und die herrn bisch«,fe in der pfarrherrn, 
schuldtei.-sen heusern ader kr||gon, zu verh6r und 
verrichtung des volks oder ftirfallender gebrechen 
keine bequemigkeit haben kindten, das ihnen 
alsdann unser haus ftir ihre person darzu ge- 
geinnot werde, wann si aber ihre lager in der 
pfarrherrn, schuldteissen heusern oder krtigen 
haben ksnnen, sollen sie der ort ihre sachen, da- 
mit sie so viel schleuniger fartgehen, da man auch 
bel der hand die kirchengebeu, pfarrh6fe, und 
was dem anhingig, besichtigen, und alle gebrechen 
in gegenwertigkeit des volks so viel stadtlicher 
eingelegt werden mtigen, ftirnohmen. 

Beschluss. 
Dieweil wir dann itz und oben erzelte 
puncten, alle, erstlich ftir uns selbst, darnach mit 
reifera gutem w-lbedacht unserer lieben, getreuen 
underthann, von allen stenden auf gemeiner tage- 
fahrt zu Iastenburg, durch unsere dahin ab- 
gefertie und verordnete rethe bewogen, berath- 
schlaget, und fiir lest zu halten beschlossen, so 
wollen wir hiemit Mien und jedern unsern under- 

-chwaehheit befiele, «der sonst im durchreisen zu thanen, wes stands oder wirden die seind, sonder- 
christlich,r andacht bewagen, ohne verachtung I lich aber unsern amptleuten, solche obenbertirte 
.-«ines eigenen p[arrhorrens, und da er seines, artikel aile gehorsamlich und undertheniglichen 
glaubens und wesens guten bescheid, aus was ur- zu halten, in dem nicht nachlessig ereheinen, 

.,achen er das sacrament des orts begeret, geben 
wiirde, soli der pfarrherr solcher keinêm in seiner 
l,farr seine diem, t weigern, sondern mit trost und 
rei«hung der sacrament sich gutwillig erzeigen. 
Was auch mehr n«itig in der visitatian zu 
handeln, wollen wir der bescheidenheit eines jeden 

sondern genzlichen dem.-elben gemess zugeleben, 
endlich bef«hln haben, dann wer salchs tiber- 
schreiten, auch in einem oder andern streflich 
befunden, w-lleu wir uns gegen einem jeglichen 
nach seiner vorbrechung dermas,en erzeigen, das 
menniglichen sehen soli, wie uns nicht lieb. son- 

bischafs hiemit anhaimisch und auf ihre gewissen dern zum h;hesten entgegen, wo man wioder gattes 
:e.-etzt haben, ungezweifelt sie als christliche und unser geb,,t, auch gemeine wolfahrt streflich 
praelaten, werden sch hierein, wie sonst in ihrem I und mutwillig handelt. 

1;3. Kirehenznchts-Mandat. V0m 2. Jnni 15'1. 
[Ahdruck nach Nicolovius, a. a. {;. S. 314. Vgl. oben .',. 27.] 

Van gttesgnaden, Georg Friedrich, margraf 
zu lî, randenburg in Pr,'ussen, auch in Schlesien 
zu .h'gerndort etc., herzog etc. 
Erbar lieber getreuer, beiliegend .enden wir 
dir etliche gedruckte unser ausschreiben, be- 
langende den hievor zwischen unsern theolagen. 
pfarrherrn, kirch«n und schuldienern des erger- 
lichen gezenks halben erhaltenen streit, und die 
nunmehr durch uns darauf abermals getroffene 
pacification. Und ist hiemit an dich mL-er be- 

fehl, du wallest dieselbigen in den pfarrkirehen 
deines bevalenen ambts nieht allein ab offener 
canzel ablesen lassen, sandern aueh in das ambt- 
ader hausbueh einvarleiben, und oh denselben, 
datait s«»lehem von mennigliehen getreuliehen und 
gehorsambliehen gelebt und naehgegangen werde, 
treulieh handhaben und halten. Und naeh dem 
wir aueh unter andern dessen beriehtet worden 
wie das sieh von etliehen pfarrherrn und kirehen- 
dienern understanden werden soli, iren zugeord- 



f'onsistorialordnung von 1.584. 123 

netn capli4nen und and:rn pfarrkindrn, der 
kirchenordnung" genzlichên zuwid«r, fiir sich 
sêlbsten, ans privat affection, nnd ohu unser 
dêr hohen obrigkeit und des couststori vm'bewu.t 
ganz unordentlicher weise die heiligen sacramonta 
zu versagen und dann auch, wann die wrstorbonen 
zut erde best:tttet werdeu, zu ul»ergebon uud aus- 
znschliessen, welches ailes, wie v«,rge(lacht, uicht 
a|lein wider die kirchen ,»rduulg, sm,lern auch 
an ihm seibs nicht recht noch billig, se ist hiemit 
uuser bovl, du wollest aih. pfarrherrn, schui Im,l 
kirchell,|iener fiir dieh erfor,lern, nn,l ihuen 
unser statt befehlon und auferleffn, dass sie sich 
hinfur genzlichen enthalten woih.n, jomands un- 
gehirter gestal,h zu beschweren, os sel dann, 
das dersolbige uber ,lie v,»rhergehe,de, gebu,.rende 
vermanuug und warnung vert seinem ergerlichen. 
unbusfertigem leben oder audern begangenen 
lastern nieht abstehen wuerde, wie sich den dies- 

fais ein jeder pfarrhorr un,l kirchendiener l|aC}l 
obangezog«'ner kirchenordnung richten und aut 
die zutragemlc Iille boi uns-rm consistori, alhier 
bescheids zu erhoh.n, wissen wuerdet, sich auch 
hinfuro s«dchor homl,q, ,lie billiff VOl" das con- 
sistorium gehiiren fiir sich zu ziohen oder zn ver- 
teidieu, euthalteu, auch sonsten in l'embde 
saclmn zu mischen, od«r dorseib.n teilhaftig zu 
macimu enteusseru. Aise» s,,ll auch keiu kirchon 
,»der schuldiouer zu bestetigung dot wrt,»rbenen 
v,,rsezlicher weise od,r umb beson,lern eigen 
nntzens mler privat affects willen, wie bicher ge- 
schellen sein soli, uh«.rganen noch aus-lassen 
werdet, s,,ndorlichen abc'r, wenn er darumb er- 
sucht, und seiuer b.gert wnerde. 
Dessert und keincs and,'rn zugeschehen, wollen 
wir uns geuzlichen zu dir verlassen, datum Ktinigs- 
berg don acht und zwanzigsten .imi ann«, ein uud 
achtzig. 

16. C«nsist«rial«rdnung. 15.-1. 
[Na«h Jacobson, Anhang Nr. XVII. Vgl. al»en S. 27.] 

Kurzer begrifï der artikel, in welche 
diese unsere ordnung des konsistorii 
verfasst ist. 
I. 
Mit wie riel und mit was fiir personen das 
konsistorium oder gêistlich gericht s,»ll bestellt 
werden. 
II. 
Was der Konsistorialium amt sein, und wêleher 
gestalt sie simmtlieh und s«md«rlicll vereidiget 
wrdên sollen. 
III. 
In welchem ort und zu welcher zeit sie soliên 
zusammenkommen. 
IV. 
Was fiir sachn und handel im konsistorium 
angenommen, dijudicirt und oriirtert werdeu 
soiln. 
V. 
Was in allen fiirfallenden ffeistlichen nn,i ehe 
sachn fiir prozess uud rêcht gehaiten werden 
sollen. 
VI. 
Was das konsistorii jurisdiction oder gewalt 
sein, was fiir strafen es auf zu legen, und welcher- 
gestalt dieselben sollen exequirt werden. 
Vil. 
Ètliche general artikel oder statnta, nach 
welchen die konsistoriales in fiirfallenden streitigen 
ehesaehen sich zu richtên haben. 

l. V«»n gewisser anzahl der porsonon 
des konsistoriums. 

Weil im konsistorium nicht allein geistliehe. 
soviel die ehesachen nnd d,r kirchen und schnl- 
diener besoldnn, lchr uud h.ben betrifft, auch 
weltliche hindcl fiirlanf:n ists billig, dass nicht 
ailcin ecc]esiatica,- od,.r l»,,liticae, s«,nd+ru zu- 
gleich p,liticae und eccl-siattcae pers.nen bel= 
samen sitzcn, darnit weder der magis/ratus imliticus 
n<>ch das miniterium zu klagen, dass eiu thei| 
d«m andern w»rl'eifen uud sich ung,=biihrender 
h,ind-] iiberwimlcn wollte. ,,,licn de«vegen in 
gleicher anzahl drei l»ditici und drei the«do?__i 
zum konsistorium verorduet werden. 

Politici sollen sein 
1) Einer ans unseren fiirst|ichen h,,fl'ithen. 
wel«llvr ail uusr statt ail,la pravsidircn un,l das 
richtvrliche amt fiihr,.u s,»ll. ;21 Und dann I«.b«.n 
ihm etwa noch 2 jurist««, die wir uust.res ge- 
fallens entwed«r ans d«'r nllivriliit »der anders 
wOll«:r nehmen und zum kon.,istorium dTutircn 
werden. 
The«,l,>gi sollen sein 
1 Der f;eneralsuperinteudcnt. 2 l'rnnarius 
Professer the-h»ffiae an der universitit. 3] Em.r 
von den pastoribus der drci sfiidte, dcm wir nomi- 
natim s«lch amt auflegen w+rdeu. N«.beu di=sem 
wollen wir zut bctirderung der sachcn auch einen 
notarium bei dem Konsistorinm ha]ten. Wie auch 

16" 



124 

Daq I|erzogthum Preussen. 

einen famulnm, den die herrn des k.nsi..t,,rii zur bescheid«,ntlich lJraevel'tiren interl,elliren oder 
hand haben nnd zn ihrer n,,thdurft hin und her tnrbiren soli) wollen wir, dass sie ieh s«viel 
verschicken mtgen, mi;glich, der kih-ze befleissigen, mehr auf der 
Und nachdem bislwr viel van verd.rbenen sachen nothdnrft, als aufscheinliche lange, dicentes 
handwerkslenten der l,r«,curatnr bei dem k-n-] 1,edacht sein. 
sistm-ium sich unterstandea und mehrmahlen in [ Wir wMh.n anch nnd befhl«.n ernstlich, dass 
anl,ringnng und tractati.n der sachcn sich sein- I der notarins allezeit in l,nncto h,,rae praestitntae im 
ungeschickt und verdriesslich erzeiget, woll«m wir k.nsistorio sich l,flichtig finden lasse, emgcbl'achte 

s,,lcl,e nn«,rdnung nicht mel,r gestatten, s«,ndel'n 
«-twa ein zwen verstendige pr,,cnrat,,res dem kma- 
sist,,rium zn,,rdnen, nnd mit oides l,fticl,t«'n s,,lcl,cm 
amt treulich nnd fleissig vorznstehn nnd die armnth 
zn |ibernehmen, anl,alten, damit nicht dnrch die 
ungeschickten plaudvrvr die sachen mcl,r obscnrirt 
mul vorwirret, als gof;irdert, Sold,.rn se viol 
ni;glicl, allerlei nnricl,tigkeit vermivden nnd der 
armen sacl,e s.w.hl als der reichen, ord«.ntlich 
un,l n.ttiirftiglich fiirgebracht und niemand einiger 
ungleichl,eit oder vorfangs sich zu beschweren 
ursacl, geg.ben werde. 

11. V,m amt der k«nsistorialium un,1 
we]cher gestalt sic s-lien vereidiget 
we rd e n. 

,Veil der priisident und SUl,erintend«-nt in 
unserem kçmsistorinm die vornehmswn lers,,nen 
sind, wç»llen wir, dass dieselben vota c.lligiren, 
,lie 1,arthen besprechen und n.mine reliquornm 
verabscheiden s.llen, trifls ehesachen und wehliche 
l,ers,,n. an, se s,,ll's der l, rasident -dot in seiner 
abwesenheit der andern politicorum ein,.r, dem er 
e befehlen wird, sind es aber geNtliche llimlel 
und pers,,nen, s,, s-lien es dvr Snl,erinten,lent , 
odor in seinem abwesen der andern theol.gorum 
,.iner, d«.r von ihm dazn erbcten, verrichten und 
verwalten, datait sich niemand de minns o,mpetenti 
ju,lice zn beschweren nnd einem jeden, er sei 
geistlich oder weltlich, van gebiihrenden pers«,nen 
die nmhdnrft gvsagt nnd fiir gehalten werde. 
I fie and«q'en assossm-es s.llvn dem l,rasidotten 
und SUl, erint.denten, in eausarum c,,gniti,,no. 
nach ihrem besten vermSgen, trenen heitand 
leisten, nieht a]]ein zur ord«'nt]iehen bestimmten 
zeit, sondern aueh nach erheischung der noth und 
der sachen wichtigkcit o,nsessns extraardinarii 
gehalten werden, miisscn auf anmeld«n des prsi- 
denten pfiiehtig und tempestive ers«heinen, ,hne 
seine erlaubniss und ausser leibes noth und hm'ren 
gebot bei vermeidnnz«.iner gewissen tra5. sich 
nimmer mehr absentir«n, was inter deliberandum 
von dem oder jenem l,r,, et courra zu verwahrung 
s«.ines gewissens disl,ntirt und v-tirt wird, in 
vertraulieher guter versehwiegenheit ha]t«-n und 
keiner den nnglimpf von si«h auf andere sehieben. 
Ira sententimtiren (.darinn aneh gnte ordnung 
ehalten werden nnd keiner den andern un- 

schriften nnd l,indel trenlich verlese, der ],artvn 
nahmen und eingebracl,te hindol nnd aogesetzte 
terrain nn,I was dom forner anhingig, in sein pr«,to- 
koll mit fleiss verzeichne, nvben dem pr.t,,coll zwei 
s.nderliche biicl,er Imite. nnd darim gleieh als in 
perl»etn.s re,hales, was ira k,,nsistorinm zn j«den 
zeiten von g«.istlichen nnd weltlicl,en hindeln 
fiirgelanfen, was fiir sent«nz nnd nrtheil ergang«« b 
verzeichne nnd ordentlicher weise registriere, 
dal,fit man ira fall der n-th in solchem promptnario 
alte hhldel .hne grosse mi}he anfsnchen nnd 
darans allerlei gute nachrichten ernel,men kSnne. 
Wie dann gleicl,falls der nperintendent allvr 
der kircl,en nnd schnhlienor namen, die examinirt. 
ordinirt .der ver dem konsist,,rinm verklaget und 
wie sie bcstan,len und bofnndon, in ein s,,nderlich 
bucl, v,»rzeichnen s-ll. Es s,,ll auch der notarins 
die v,,m k.nsist-rio verwilligten abschriften, nr- 
kundon und ergangene urtheile der parthen um 
gesetzte gebiil,ren unverziiglich mittheilen, ohne 
Erlanbniss aber des konsi.¢torii keinem menschen 
dav-n einige wissonschah machen, riel weniger 
abschriften verg/innen, nnd cil» er unvenneidlicher 
ehehaften sell,st nicht l,ersihdich k;innte eompariren 
und sein, amt verricl,wn, s.ll er indessen, jemand 
anders, der dazu ttichtig, an seine stell zu snb- 
stituiren schuldig sein,. 
Insgenwin s.llen die k.nsi.-toriales allzumal 
einmiithig nnd tronlieh dahin laboriren, dass ja 
var allen ding«n ira ganzen lande g.ttes ehre 
nnd der kirche wM,ltahrt bef6rdert, reinigkeit uud 
einigkeit in dvr lehre, gleichf«irmigkeit in den 
iiblichen kirchen eeremonien, gnte k,,rrespondenz, 
fried und freundschaft nnter lehrern nnd znhiirern 
erhalten, allem ub«q nnd argernis von allen seiten 
gewehret, xxa|lre g-ttesfurcht und christlicl,e zncht 
und ehrbarkeit allentalben gepflanzt werde. Darurn 
wir denn aucl, s,, riel «lest,, mel,r wMlen beflissen 
sevn. dass wir bel nnserem k,msstorinm solche 
lenw haben mSgen, die nicht al|in ziemlichen 
verstandos, s,,ndern auch gotte«fiirchtig, reiner 
h.hre zngethan, anfrichtig der wahrheit, gerechtig- 
keit und billigkeit gewogen, aller partheilichkeit. 
ungerechtigkeit geschenksiichtigkeit von herzen 
feind sein, hiren kliiger und bek]agten, einen so 
]ieh a]s den andern, theilen einem jeden ohn- 
geachtet wes standcs oder wiirden, vermiigens oder 
unverm6geus er sei eiu gleiches ebenmiissiges 
nnv«rriicktes wagere«ht mit. Wie uns dann hievon 



Consistm'ialordnung von 1584. 12.5 

dol- unwandelbare wille gottes des alllnichtiffon ' Eid des notarii, substitut«.n und coisten. 
nicht unbewusst, der da sl,richt: du s,,llst das I 
8eiler sache, 
I 

recht des armen nicht l,eugen in 
soi fPl'll çOll thischen sacben, du s,,iist aicht der 
menge llae]l vttm rvchten weich«q, du s-llst don 
geringen nicht schmiicken in soinor sache, itom 
ihr soit lficht unrecht haudoln ira geri«ht und s,dt 
nicht vorziehen don gerillgOn nach d-n grossen 
ehren, SOldern du so]st deinen ncbst«-n recht 
richien. Ul,d abermahl die fichier s,,llvn das 
volk recht richteu mit rucl)tem gericht, du st»lst. 
das recht nicht bougon, du solst auch keine 
annehmen, ne, ch geschenk uohmon, de-nu die 
geschonke machen di« woison blind und verkehron 
die sacheu der gerochtt.n. Was recht ist, dom 
s,,lst du nachjagen. Was Jotbro soinem tocht«.r- 
man in el-wiihlung der richtor v,,r ein,n ver- 
niinftigen rath gegebeu und wie dor frolnme gott- 
seeligo fl'st .losaphat Ve, l" zeiten seine richter 
und amtleute vermahnet, wolh.n wir bief um 
geliebter krze willen nicht erzhlen. 
Datait nun aile und jede zum konsistoric, 
deputirte p«.rs,,nen, desto mehr ursach habcn. 
ihres schwerou amts wohl wahr zu nehmen und 
allen mi;glichen fleiss und treue einzuwenden nnd 
das zu thun, dass sic gegeu gott, gegen uns, 
ihrer -rdentlichon ,,brigkeit und ihr,.m selbst 
eigenen gewissen verantworten k6nne, sollen sie 
eho dann sie in ihr amt antreten, t;,lgendo eid 
und pflicht zu thun schu]dig s-in. 

Eid des prisidetten und der assessorum. 
lch sehwi-iro, dass ich in allên uud jedvn dieses 
konsist«rii vorhllenden sachen. I»ouol,en don 
ando hiezu ver.l-dneton assessorn, gotreulich und 
floissig nach meinom boston vorstand un,l ver- 
miigen rathen, bÇdonken, suchon und befiirdern 
}mlfn woll«, was (lvl seolig machondÇn g6ttlichel 
worte unsel'or kirche einhelligen christlich«'n be- 
kenltniss, der ehrbarkeit, und beschri«.bonen 
rochten gomss auch ZUl" heiliuug Ul«l ausbreitnng 
dol" hohen g5ttlichen miestt mmcns und worts 
und dann zu pflallZUng und erhaltung wahror 
ffottesfurch L ussorlich«.r zucht ffied, l'uhe ilnd 
oinigkvit in dcr kirche und ganzv «hristlichc 
gemein goroichvn, f?uchtbar llll[Z und diestlicl,.n 
soin miJge and so]çho8 lira kvinvr eigenniitzigen 
ehrgeizigon oder sonston eigentwi]ligon vortheil- 
hafton affection willen, thun oder lassen, auch 
mit nichton von einigen berathschlagungen, votirtcn 
stimmen, suffragien, verordnungen und ver- 
schaffungen a]lor dorer han&.l, so ira konsist,,rio 
vorllen worden, jemands mfindlich oder schritlich. 
heimlich oder 6flntlich etwas oflnbahren wolle, 
als mir gott helfe durch Jesum Christum masorn 
herrn. 

Ich g,'lb  und gerode, dass ich meines amts 
mit ganzem flei.qs umi tronc w,,ll«' abwarten, d«m 
herrn prasid«.nt'n uud assess,,ribus g«witrtig und 
geh,rsam sein. lnit schroih.n.h.s(.n uud auderm, 
auch die acten un,l hindvl fl,.isig l'ogistrir«.n. 
die briet und urkun,h.,, s,, in d,m k,,nsit,»rium 
Oillgobracht Wel'don. w,,hl v,-rtahren tmd ,liosvlben 
und was in sachen .iP,lorzoit l»-rathchlag,.t und 
gehald,'h, niemand el-iifih«-n, noch einige k,Tie 
ohnc crlaubniss un,l erkvnntniss des kon.ist,,rii, 
don l, arth,'ien celer jomaud an,l«-l'S dav,,c ff,'ben. 
darum kein gscheck nohmell, s*»tt«]«.l'n «tl lnoitvr 
besoldmg nnd taxe mich ]»offniigon lassez. Ailes 
getreulich und ungofihrlich, als mit gott h«d/. 
durch Jesum l'hristum, sviltel so]tlt, tlllsÇrn h,.rrn. 

Eid des tot])Oll. 

lch schwaro, nachdem mich di,, assessoros 
(les g.istlichon gorichts allhi,.r zum t»,then an- 
g«.u¢,mmon, dass ieh «lio l»riofi, und acte.n.s, mir 
von dem l»rasidenten und beisitz«.rn und notario 
des k.nsistm-ii iil.-rantwm-tet werd.n, treulich und 
uns«.umlich zut stoll v«.rtrag«.n, d«.n l'al'tlwn, 
die sie lauten. berreichen, auch was mir miind- 
lich bef,,hlen, eigentlich merken und ausrichtel 
und was de'lin zut antwort g,.t3dlo, wird, und wie 
ich die briefe bestellt mtd dasjeuige, das mir be- 
fohlon verrichtet ,lem notario ¢,dor desselben 
substituten wieder oinhl'ingen und w-rzeichnen 
lassen, auch sonst dem k-llSistm'i,, gclmrsam sein 
will. als mir g«,lt holfi, d)rch .h.um f'hristum. 
IISOFll horrn. 



Da Herzoffthum Preussen. 

Eid der wahrheit. 

111. An welch,'m ort llnd zo. welcl,,'r zeit 
das konsist,,rium soli g.«.halten worden. 
Weil albereit in gewiss-r ,,rt zum k,,n- 
sist.rium erbaut, s,,ll derselbe au,'h hinfhro dazu 
z«.hrauchet un,I b,.id,., dêr l,risi,hqt und super- 
intrus,lent, mit solch,.m u,1,.rlauf v.rschont werden. 
Indeln al»er gh.ichw,hl ,lr raum aida nicht iibrig 
ross, sollen ,let l,rfisi,lmt und sul,orint'ndont, 
wann in wichtigen sachvn dio l»artlwiên was 
namerosae sind. o,lor andore nng,.Iog,.ulwit«'n fiir- 
tï01t, umb oin.n anderm beqnmnern und goraumorn 
,«'t in ihrer lwid«.r w,,hmmgen einor sich 
gleiehen und seiches don andern ass«.ss.ribus dureh 
ihreu dazu bestellten fanmlum «dvr b,,then ver- 
moldon lasson, lfie zeit betrefli'ml, soli es wie 
hislwro b«i d.u Mitw,»ehen bl«iben, d-ch als% 
dass die assessores allewego um zwiilf nhr zu- 
sanmen k,,mm«'n und bis zur «.riirtorung der hud«'l 
beisammen verharren, bleibt was ira rest und die 
litiganten kiinnen nicht aih" fiirkommen und 
h/irt werdeu und die saehen sind alo geschafln. 
dass sie ans allerhand erheblich,'n ur,ach«'u lfinger«.n 
vorzug nicht leid,n miigen, sollen auf s«,lclwn rail 
dio konsistorialos ara nfichstlidg, ndeu donnerstage, 
vgors zwSIfe wiederum zu hanse k«,mnwn nnd 
ormolte saelwn entscheiden. 
In h,dwn fi.ierli«hon und and«.rn g«.wiihn- 
lichen zeitq, als da sin,I. Weihnachten. Fast- 
nachten. Mart«.rw-«lwn. Ostern. Pfingsten, und mn 
,les al'beitenden -Iks willen, ira angst, soll das 
k,,nsist.rium goschl,,ssen blihen. W«il anch die 
hndol des konsistorii, wie-bon gedaeht, nieht 
qinorh'i, denn umler weih.ns mM meistentheils 
lautn fiir causae nwre matrim,»nialvs, bisweilen 
klaghiin«h.l der Id?trrlwrren wid«.r ire zuhiirer od.r 
der zuhiirer widor irv l»farrhorr«'n, oth-r and*re 
miingel dot kirchen und schuldiem.r, h.hr, leben 
und wandel botr«.fl.nd. Bisweil,n nur examina 
der kirchen und schuldien.r, die entwed,r zmn 
h-iligen ministm'io ordinirt od«.r zu gewissen 
schnldiensten s«,lh'n angen,»mmen werd«.n 8«,11 in 
s.lehen unterscheidlichen fltlleu dieser mderschied 
g«'halten werden. 
Wenn strittige elwsach«'n fiirfallen, sollen 
dieselben , obgemehleten zum k-nsistorio ver- 
«,rdneten l»ors«,nen an b«.stimmten tag nnd ort 

dijudiciret werden, trifft es aber nur examina der 
kirchen und schuldiêner an, se sollen dieselben 
in dos superintendentou behausung von ihnen und 
don andern pastoribus, die er dazu erfordern wird 
ontwed«,r am freita oder abêr ara montage ver- 
richtet wordon, als das don ordinandis auferlegt 
werde dêsselben morgcns einê pr,,be predigt zu 
thun, un,l alsbald na«h dor predigt zum examen 
sich zn stellen. Wann aber andere wichtigere 
hindel v,,rfallên, als bestelluug fiirnehmer pfarr- 
herren, schwere klagon iiber dot pthrrhorren lehr 
odcr leben, odor unertriiglichê graamina der 
l,astoren iil,er ihre gomêinde, odêr einzelno zu- 
hiirer liber die hauptleutê und kirchenviter, da 
sollen beide cher, das ist die boidcn konsistoriales 
un,1 cxaminatores zusammêntreten und einander 
die hfind«' biethen, auf dass die fiirfallênden 
streitigen sachen nicht allêiu mit mehrerem ernst 
nnd ansvhn, son3eru auch mit nothwêndiger vor- 
sichtigkeit gehamlêlt und erSrtert werden. Damit 
abor nicht bald um geringschitzig nichtiger hiindel 
willen, ohne aile nothdurft ail zu viol pêrsonen 
an ihren studiis und anderen gêschiften ver- 
hindert und m,,lestirt werden, soll es dêm prisi- 
dent,.n und SUlwrintêndênten. wann beide classes 
zu o,njungirên oder nicht, in ihr gutachtên frei 
heimgestollt worden. 

IV. Was fiir sachen ins konsistorium 
gehÇrig. 
Datait aher auch wêltlich und geistlich ge- 
richt untereinander nicht vermischt, sondern da- 
zwischon gebiihrender untêrschied gêhalten werde 
al. sollên in unserm konsistorio allêin fi»lgende 
sach«.n angen,,mmen, gehSrêt und dijudicirt wêrdên. 
1 Aile ehêsachên wiê siê namên haben, 
welcho s«, wichtig und unwichtig, dass sie durch 
dio inspectores und o|,rigkeit jedes orts nicht 
ki;nnen verglichen »rdon. 
21 Ailes was reine lehr gSttliehes worts. 
reehten gebrauch dor hachwtirdigên saeramentê, 
christliche ceremonien nnd andêrs, se in der 
kir«h,m.rdnung eiuvorleibet, belangên thut. 
::1 Argerliche sch/.idliehê schismata und spal- 
tungen untor d.n kirchendienern. 
4 Was êntwod«.r van dên inspêctoribus und 
past,,ribus liber ihre hauptleute, obrigkeit, kirchen- 
v:,itor, diaconos und kiister, item liber 5ffentliche 
siinde und laster beider tafeln der zehn gobote, 
se auf ihr vielfaltigês anhalten von der obrigkêit 
nicht gestraft wordên, als da sind: abgotterei, 
zaubêroi, wahrsagêt'ei, schatzgraberei, sêgnerei, 
gotteslistorung, entheiligung des sabbaths, ver- 
achtung des worts nnd dêr sacramênte, todtschlag. 
ehebruch, hnrorei, sauferei, spitzbuberêi, wucher, 
finanz und dergleichon, odor aber von der obrig- 



Consist«rial«rdnung v«n 154. 127 

keit, kirchenviitern, gemeinden und zuh6rern liber 
der kirchen und schuldiener verhahen, leben und 
wandel geklagt und v,n den amtsverwesern und 
inspectoribus nicht kann entschieden werden. 
5) Bedenken von den actis der jiihrlicien 
visitationen, davon die inspectores das konsistorinm 
alzeit berichten sollen, auf dass aida berathschlagt 
verde, welcher gestalt die eingebrachten miingel 
zu verbessern und die execution von uns fort- 
zustellon. 
6"1 Bedenlen von den vocati«,nibus, trans- 
lationibus, suspensionibus, dimis»iollihus d,w kirchen 
und schuldiener, welcher massen wir darinnen ara 
sichersten verfahreu miigen. 
7) 
sachen der kirchen und schulen und der- 
selben dienor lehon, besoldung, giiter, einkiiuft-, 
nutzungen, gebiiude und besserung betrefl'end. 
8} Fleissige aufsicht auf ,h'uckereien tmd 
buchladen, dass da nichts iirgerliches oder schiid- 
liches und unserem christlichen bekennhfiss wider- 
wiirtiges durch den druck ausgesprenget oder aucl 
von den buchhindlern eingeschoben u. disseminiret 
oder vertrieben werde. Es soll aber d-ch hierin 
der unterschied gehalten werden, das. v,,m kon- 
sistorio allein theologici v«,n der universitë.t aber 
veto rectore libri philosophici, carmina, epitha- 
lamia epitaphia und derglêichen auf die probe 
gesetzt und nachdem sic befunden, zugelassen 
oder inhibirt werden. 
9) Wie es mit den examinibus ordinand,rum 
und anderer kircheu und schuldioner soli gêhalten 

V. Wie in f|irfallenden sowohl religions, 
als anderen kirchensachen und ehe- 
sacheu procedirt und nach welchem recht 
erkannt und gesl, rochen werden soll. 
Wie es einem jedon richter gehiihret, mit 
fleiss dahin zu sehn, dass die l,arthen nicht in 
weitliufigkeit gefiihret, oder lang autehalten, 
sondern .je cher je bosser verabschi««let und ent- 
wedor dureh sii]mliehe vorgleichung wiedorum in 
guten fried und einigkeit gpsetzet, oder aber 
dureh rechtliches erkenntniss zur billigkeit ftirder- 
lich gewie.on werdeu, solehes aber .«mdorlieh in 
kirch«ql und che saehen hochvonnothen, weil e. 
nicht allein in dor kirehen und gemeine gottes, 
ann pfarrherr und schulmeister, -der pfarrh,rr 
und kircbspielskiud«c, in um.inigkeit, zank und 
hadec zusammerstecken uud h.ben, h,,chscbdlich 
und itrgerlich, soudern auch in streitigen elle- 
achen aus veczigocung «h.r hindel oftmals allerlei 
gefahr und unrath entstehen; als«, wollen wir auch 
in diesm unsrm k,,nsistori, -der geistlichen ge- 
riclt, da.s die verordneten konsi.t,,riales mit aller 
treue darauf sehen, sich aucl hir ihre pers-n 
des hefleis.igeu, datait zu erhaltung friedens uud 
einigkeit in kirchen und schuleu, auch zu ver- 
taiitung allerlei beschwernis nnd verirrung der 
gewissen und anders daraus erfilgenden unheils, 
die parthen mit weitl/inftigetl und hugwierigen 
prozessen nicht beschweret, s«,ndern se iel imm«r 
nach gelegenheit der hiindel niglich. dn sachen 
schleuuig abgeholfeu werde. Uud datait soh'hes 

werden, ist im vorhergehend,.n capitel vermeldet. I s,,viel fiiglicher geschehe, auch die arme unter- 

Die examina unserer alumnorum und anderer, 
die von uns stipendia und untorhalt zu ihren 
studiis und dieselben hier und anders wo zu cola- 
finuiren begehren, sollen bei der universitiit 
hleiben und von den konsistorialibus niemand als 
der superintendent und der primarius the«,logiae 
professer, der ohne das ein membrurn acaden,iae 
ist, dazu adhibirt werden. 
10) Die particular schiiler in stidten und 
diSrfern sind sub inspectione pastol'um jedes ,,rts, 
darum wir datait das konsistorium und die examina- 
tores billig versehonet d«ch wollelt wir dass in 
bestellung der schuldiensten, sondorlich in stiidten, 
gu/e fiirsichtigkei/ gebraucht und die vorstehenden 
personen, wenn sic nicht w,hl bekannt, zuv,,r 
dem judicio der herren examinatorum subji«irt 
und ohne ihren rath nicht leichtlich jedermann 
aufgenommen werde. 
Summa aile sachen, deu ehestand und kircheu 
regiment betreffend, und was in domsolben zu 
guter anordnung und Vol'besserung gercichen mag, 
soll ailes ans konsistorium zu bestimmter zeit ge- 
bracht und aida ordentlicher weise erkannt, er- 
tirtert und verglichen werdon. 

thanen, s«,nderlich die weit abgeses.-l,, mit vielen 
reisen und llnko.,,telt mi;gen verscli«,ltet werdelt; 
se sollen antinglich die sa(.hon. «Iche zwi«hen 
amtleuten und unterthanel gegen einen kirchen 
oder chuldiener. als auch mi( untrthauen uuter 
sich in gemeinon ehesachen sieh erhebol, zufi;rderst 
durch die inspect,,ron nebst dem amtmann «,der 
be[l»haber. «,der aueh dnrch den pthrrherrn und 
zween kir«benvator jedes ,,rts, wofern sic nicht 
l,arth oder sonst dot sachen verwan,lt, giitlich 
ghandelt und die vereinigung geursacht werden, 
domt ,,hue wissen uud heisein der ins},ectoreu 
-der pthrrherren, wollen wir wchlichen be/hls- 
habern, s-lehor »('hen sich zu untorwinden, nicht 
gestatt,n, la aber bel tien parthen giitlich nichts 
zu Ol'halten, st»lien v.rgcmphlete pers«,nelt ncben 
floissigen grndlichon bericht, wi« aile sachen 
beschafl'en, und an welchem theil der mangel be- 
fim«h' dureh di- iuspeet«res und amtleut« an 
das k-nsistorium rcmittirt werdon, und da auch 
gleich die irrungon durch den inspecte,rem wurdeu 
vertl'agen und bcigeh.gt s-ll nichts desto weniger 
die verbandlung in schl'iften verths»t und dem 
konsistorium zugsandt werdn, datait dio dazu 



1 2, Das llêrzogthum Preussen. 

v«.r,,rdneten nicht allein, wie die sachen ver ' aber sollen nach der heiligen schrift, auch nach 

glichen, mit wissenschaft, s,,ndern aucl, ,,b etwan 
dieselben irrungen sich wiederumb reffen wtirden, 
dcst,, besscre nachrichtung hahen. Wann nnn 
diese oder andcre sachen, wie auch da dr in- 
seet.r wider einen ],hrrherr oder schuldienq" zu 
klagen, et contra, ver das k,,nsi-t,,rium golangn, 
s,,llen die assessores ver allen di»gen die pathen 
miindlich h«;ren un,l was vorg«.bracht, dnrch den 
n,,tarium fleissig i,rotoc,lliren nnd verzeichnen 
lasen, dabei versnchen, oh die parthen giitlich 
nn,! fl',.undlich d,ch dnrch seiche mittol, welche 
nach gestalt dot sache ich leiden w,,lleu und 
keinostheils gewissen beschweren, zu vertragen. 
la al»er nach wichtigkeit d«.r achen in einor 
,«I«.r der andern audientz vermerket, dass keine 
giitlich, • vergl«.ichung b«.i den l,arthen statt hahon 
will. alqdann s,,ll man auch nicht lanffer in 
handlungegen der siihne sum«.n nnd vergeb- 
liche zeit datait zu bringen, s,,nd,.rn wenn 
assessores aus «olchcm miindlichen vorhringen 
enugsam bericht eingen«,mmen und keine» ferneren 
einbringens, zengfissen nnd anderes v-n nithen. 
zu kiirznng der sachen, alsbald den nnschuldigen 
theil abs«dvir«'n und don schul,ligen in gebiihrende 
stralb nehmen. Befimh.n ah.r die konsist«,riales 
clic. sacheu der wichtigk«.it, dass m«.hrers bvweises 

den gemeinen und in diesen landen gebriiuchlichen 
und iiblicheu rechten, wie v«,rhin aise auch hin- 
fiiro gesl»rochen werden, in wichtigen hiindeln 
aber s,»llon die konsistoriales allwege unseres 
rathos sich erh-len. Dieweil auch in ehesachen 
und andern derglei«hen fallen etliche vornehme 
th,.ologen. Lutherus nnd Philippus aus der heiligen 
schrift etliche .piuionen, se sicb mit den g-meinen 
rechten nicht durchans vergleichen gezogen, se 
se, lien unsere k.nsist,,riales dieselbe aueh in guter 
acht haben nnd nach denselben, soviel sie bi 
anh,.ro in diesen landvn nnd konsist-riis gebriiuch- 
lich gewesen, ihre urtheile und abschiede richten 
und fassen. Wenn auch in ehesachen bei dem 
k,nsistori0, um disl,ensation nachgesucht wiirde, 
s,,llen sicl, die konsistoriales derselben nicht 
mi@htigen, s,ndern seiche jederzeit an uns ge- 
langen lassen und fernern bescheids daranf er- 
warten. .q,, aher in roligi,ns und glaubenssachen 
{welcheq g,tt guidiffich abwenden wolle) streit 
oder irrnngen v,rfallen sollten s,,llen die kon- 
sist,,riales bald wach sein. verdachte personen 
auch nn«.rsncht ex offici% zeitig und unsiiumiglich 
el,er das feuer iiberhand nimmet v,,r sich er- 
f;,rdern nnd da sie nicht richtig befunden und 
sich gleichw,,hl in der gtite nicht wollen weisen 

nn,I ausfiihrunff v«,, n/ithen, und dass .icherer, lassen, oder .qabfr die k,,nsist,,riales sammt den 
«l-t ganzen handel schriftlich zu verfassen, mi;tien I examinat,,ribu." sich zu wenig zu derselben sache 

sic alsdann die klagen in scl,rifien annohmen nnd 
fi.rnr .rdentlieh und d,,ch snmmarie ,,hno zu- 
lassung unniithiger dilat,,rien, exeeptionen und 
,h.rgleichon nque ad sententiam pl--«ediren und 
,,ll jedes theil zum meist«'n mit drei stzon. 
,larnnt,.r al»or aueh aile pr.bationes und be- 
woisnngen, wie dio nach gstalt dor sachen fiir- 
k,mmon un,1 ni;thig ,eind. s,lleu begriffen sein. 
zum urtheil s-hlioss«.n, li- termine zut einleguu 
d.r rechtsrze hahen die k,,nist«,riah-s pro qualirato 
causarum ,l,wh zum langsten vou 6 w-chen zn 6 w,,ch«n 
anzusetzen, darauf dann emllich erffehen s«dl was 
re«ht ist. Die rechttze s«dlen allz«.it ged«qTelt 
eiugelegt «,der iibergeben werdon, datait ,,nder- 
li«h die fremden wegen dot abschrift nicht lang 
aulehaltvn, auch mit ihrer antw,,rt ,,viol ehe 
fi.rtig w«.rd.n miien, inmassen es dann bei allen 
&q' l;;l,lichen rhnr und fiirsten Augsburgisclwr 
c,,ntssi,,n wohlhestellten konsistoriis christlich 
und heilsam gehalten wird. Wir w,,llen auch 
hinfïiro nimnand gestatten, dass er abwesend allein 
dnrch schriftcn seine sache beim k,nsist,,rio aus- 
zutragen sich untorstehu sollte, s.ndorn wer fr 
das k«,nsistorium g«.laden, soli selbst perstinlich 
v,,r dmselben erscheinen, ,,der da er dnrch leihes- 
s«hwachheit oder andq'- re«htmassig- eh«.hatt ver- 
hin&.rt, dur«h omou v«,lhn«htion der sache 
-r, lontlich abwart,.n, lie sentuz md nrthoil 

bcfinden wiirden, sollon sic die 6;rdorlich mit 
allen umstinden ail lins bringen, da wir ihnen 
dann etwa mehre pers«,nen zuordnen, oder abêr 
nach erheischung der nc, thdnrft einen general 
synodum von ffelehrten, gottseeligen unpartheiischen 
leuten convocirem, nach desselbigen êinhelligen 
chritlich erkênntniss und schluss procediren und 
al,,, s,,viêl uns immer durch gottes gnade mtglich, 
griisser unhêil zu verhiiten und dem uebel vor- 
zuk«mmen und zn wehren, an unser viterlichen 
s.rg und treuem fleiss nichts erwinden lassen 
w«,llen. 

Von citati,,n «,der ladungsbriefen. 
Aile citatione.- und ladnngbriefo sollen auf 
ansuchen der partheien iii gemêinên geringeu 
sachen v,,n dem priqidenten oder eherichter, in 
wichtigen hiindeln abor mit rath und gntdiiuken 
dor andern konsistoriales gefertigt und ausgegeben 
werdên. Und datait die unterthanen der citation 
halben nicht ver'eblich reisên oder bis auf ordent- 
lichen gerichtstag lang warten diirfen, sollen die 
pastorês s,nderlich anf dem lande, dem volke 
v,,n dieser anordnunff boricht thun. dass da etwann 
pers.nen v«,r d«'m k,,nsistorio etwas zu klagen 
«Mer zu suchon, dass dieselben, damit sie nicht 
ungohi;rt und ungc.chaft wieder abziehn miissen. 



Com.istorialordmmg von 1.584. 129 

des mitwochs, wofern nicht ferien sind, sich vor 
das sitzende ehegencht finden s[||en. Die citita- 
tiones oder ladungsbriefe sollen aile peremt,,rie 
ausgehen und die termine (welche die consistorialcs 
nach gelegenheit der zeit und «,bliegenden orts 
unter sich zu schliessen) angesetzt und gehalten 
werden. Es s«,ll auch jederzeit die ursache der 
ladung uud ein sumlnarischer b.ri«ht der klage 
in die citati, m gesetzt und ermeldct werden, da- 
mit d«r g,ladene auf allg,.setzten termin einiffo 
unwissenh,it nicht v,,rzuvcnden oder muthwillige 
dilation und verziig«rung zu suchen, ursm.h« hah,.n 
m¢ige. Auch se,il die citati,m etwa durch einen 
geschw.renen boten ,,der aber durch d«.n kliigor 
selbst dem beklagt«n dergestalt insinuiret werden, 
dass ,lav,m in terrain,, guter griindlicher beweis 
k6nne eingebracht m,d die relation fleissig 
regi.,triret werdcn. Wann nun den partheien gc.- 
wisse stuud eruennet sollen sie mwh zu d,rselb,a 
an gew;ihnlichen ,,rt des konsistorii zeitig 
scheinen, des rages gehor..amlich abwart«.n un,l 
daselbst sich fin,h'| lassen, damit clic. ass«.ssores 
nicht v,rgeblich alhla sitzcn und auf di«. siumige 
parthe warten dttrfen, wo s.iches v,,n den parth,.n 
und procurat,)ribus o|m« g«.nugsanw erhehli«.he 
phehaft wiirde tiberschritten, sollen sie von dplt 
konsistorialibus entweder auf dasselbe mahl nicht 
geh/Sret od«.r aber in billigo strafe genamm«.l 
und darianen nipmand versch,met, s«md,.rn durci,- 
aus gebiihrlicher ernst und gleichheit gehalten 
werden. 

Voll den ungehorsamen oder eontuma- 
cibus. 

Nach ricin durch den ungeh,,rsam d,.r parth«n 
und ihrer i, rocurat«»ren die process sad,m nicht 
wenig gesumet, verlngert und muthwillig auf- 
gehalten werden und mit recht nicht aih.in die- 
jenigen, so dr«imahl hinter einander oder einmahl 
peremtorie rechtlich geladen sind un,l ni«ht v«,r- 
komn,n, s,mdorn auch die, welche aimeerlaubniss 
v,,m goricht gehu. desgleichen dio s,, var g,.richt 
erscheinen, und ,.ntweder keine oder aber gar 
ungewisse duukle antwort eiubringen, wie auch 
die sich des auçerlegten eides zu recht,.r zeit zu 
leisten weigern und andere dergleich,., mehr, fiir 
contumaces gehalten werden und iib,'r solch,.r 
muthwillen und ungehorsam nicht allein sehr 
meiu, s,,nderu audt zu grosser beschwe.r, schaden 
und kosten des gehorsamen parths uud ver- 
lngerung der sach,n, wie auch zu merklicher 
verkleinerung des gerichts gereicht, als soli zur 
abwendung desselben hierin gehalten wer,lon. 
wider solchen ungehorsam verfahren werden wie 
fi,lgt : 
8eh I i n g, rhenordnungeu. IV. 

Von des beklagten ungehorsam. 
Wann der, so vor das consistorium geladen, 
aus ehehaft, n«th und verhinderniss auf an- 
gesetzten terrain nicht kann «rschein«n, soll er 
solches z«.itig v,r den termin den konsistorialibus 
mit vermeldu,g seiner ehehat zuschreibeu, datait 
sie solches dem gegentheil noch vor seinom ab- 
reisen kund thun, und zuleich einen ander 
terrain ansetzen k;h,nen. Ira aber riel-beklagte 
soh'hes nicht thun, sond,.rn unghorsam, auch 
kciu,, entschuldig,mg ,les aussenbleihens anbrineu, 
kliiger aber erschin,.n, auch daneben sich be- 
finden wiirde, dass dent beklagten die citation zu 
rechter zeit insinuiret und angekiin,lig, soli er 
auf gebiihrliche beschuldig,,,g des ungehorsams, 
in die expens des termiu verurtheilt und zum 
andern nocl, nehst ueb,.rschickung der klage und 
abfi,rderung der straf, welche die konsistoriales 
ihm zu dccernircn, dem k,,n.¢istorio abzulegen. 
l,eremt,,rie geladen werden. Wiirde aber der be- 
klagte zum andern mahl gleichergestalt ungeh<,r- 
samlich aussel|bleiben, s,,ll er lu den verlust der 
sacheu. ,loch nach vlegenheit der fiille verurtheilt. 
oder s,,lcher u»gehorsam pro, negativa contestata 
anve||ommen und darauf d,.m kliiger zugelassen 
werdeu, se_inc klage ,,rdentlich zu beweisen, da 
dann naeh v,,llfiihrter beweisung, was rêcht ist 
fern,.r erkannt und gesl,r«,ch,q und die gebiihr- 
liche executm, unverhi,derlich erf,,lgen s,,ll. 

Von des kligers ungehorsam. 
Da al»er der citant und kliger selbst aus- 
bleiben und auf angesetzten termin wie ohcn 
stelwt, seim. entscbuldigung uud rechtliche ursache 
seines aussenhleibens dem konsistorio heibringen 
wtir,le, s,,ll er 4 gulden zur .,.trafe d.ch 
moderati,n «les kousist,,rii verfallen und ihm ferner 
audienz a|,gesc||l|itten, auch der beklagte zu aut- 
worten nicht schuhlig seiu. er habe dcnn zuvor 
die strafe dem k,,n»ist,,ri,, und de verklagten 
die eXl,ens des ter|nin. abv.elegt. Wo aber beide 
parthen, s«w0,hl der kliig«.l', als ,ler beklagte un- 
geh,,rsam ausF,leib«.lt, hahc|| sic zwar untereilal(h.l- 
sicl, selhstcn nichts «,bzuf,,rderu. d«.m k,,nsistorio 
st,lien sie aber b«.ide die g,.fund«ne strnfe ab- 
legen, auch tbrm.r und ehedem s,,h'hes geschehen 
uicht gchiirt w«rdmt. 

Von der al, pellation. 
Vie v«,n amlern unseru untergerichtel| so 
,ft .-ich .ienmnd durcit oin el,lurtheil und sentenz 
b,.schwert findet, die al,l,ellation und beruf an 
uns zugelassen, also wolh.n wir gloichergestalt in 
diesem ehegericht, da die partheien von dem end- 
urtheil ail uns sich I»eru|bn wiirden, die al,pellati«m 



131} Das Herzogthum Preussen. 

nachgegeben haben. Von der interlocutaria aber 
sali keine appellation noch supplicati0,11 zugelassen 
sein. es hahe dann s«lche interl,,cut«ria viro de- 
finitivae, «der halte in sich dainnum irrecupel'a- 
bih'. E sali abcr soh.he al,pellatian vermege der 
rechte, intra decendium ges¢hehen, auch in secuuda 
instantla nichts noues eingebracht, riel weniger 
neue pracess gestattct, sandern Mlein ZUl" deduci- 
l'ung der re,te mit einem oder zweien sitzen 
und s-h'hes ferderlich van drei quoren niichten 
zu drei qu,ren niichten geschlassen werdcn, jedach 
w« dem al,|,ellanten neue dt'umena uud beweis, 
van we]t'hem er it l,rima instantia nicht gewusst 
w';iren beikommen, se, Il hierin gleichemaassen, 
wi. in unser hofgerichsardnung ausgesetzet, ver- 
fahren werden, darauf wir denn was recht ist, 
«.rg«-h«.n lassen wallen. Aueh sali dos obergerlcht 
mit fieiss hitrauf sehen, dass die ehesaehen, an 
weh'hen riel gelegen, v,r Mien andern hiindeln 
nnd al, pellationibus zufiirderlichst vargenommen 
und abge|'rtigt werden W, aueh befunden, dass 
,ler apl»ellant alleill zum vars(.hlag und Vel-linge- 
rmtg ,Ici" sachefi-ivale appelliret, stdl derselbe 
1'_) gulden und sein procuratar 5 gulden dem 
kansist-rio verfalle und bald abzulegen schuldig 
sein. -der durch p[indung v,n dem rlehWr jedes 
,,rts abgefardert werden, st, aber appellant «,tler 
pracul'atar angesetzte poen abzulegen unvel'mSgend, 
s-lien sie se,riel toge long mit gef.ngniss gestraft 
nnd also die ursachçn temere ]itigantium ver- 
mied«n werden. 

VI. V-nderjurisdicti,n deskonsistorii 
und wer demselben unterwol'fen, auch 
von strafe und executian. 
Und nach dem diese christliche hachwithige 
allt, rdllung des konsistorii zur heftirdcrung der 
,.hre g«»ttes un:l des ganzen landes und aller des- 
»e]ben Ultel'thanen geneilten heil, nutz und 
tr-mmen gemeinet, als will es sieh auch anders 
nicht gebiihrel b nach leidelJ, demi, dass aile UllSCre 
unterthanen, soweit sich dies unser herzagthum 
erstrecket, niemand ausgeschlossen, w«s standes 
,,der wesens der aueh sei, gemcldet«.m k«,llsistarum 
unterwafi.n .in und v,n demselhcu iu allen «d-»- 
vesetzten punkten und f'i]]el|, chlistliche recht- 
miissigv ul»d Inllige erkenntl,iss nnd bescheid ge- 
warten» bel strafe, weh'he dos k-nsistorium oder 
auch w-hl wir selbsten nach gelegenheit der ver- 
brechnlJg, werd.n zu fiirdern und abzufordern 
wissen. Daim s-lhe liber verhofl'en jemand, wer 
der auch sel, an dieser unserer canstmltion sich 
v«-rgreif'en und dem konsistaria und seinem christ- 
lichen erkenlltniss, Ultheil und abschied rebelliren, 
der 'sali wissen, dass wir selbsten und unsere 
regiel'u»g soh'her V-l'achtnng und rebellian uns 

annellmen, den konsistorialibus ouf ihr ansuehen 
die hand bieten, die ungehorsamen und wider- 
spnstigen durcit scharfe mittel zum gehorsam 
treiben und also (iber des konsistorii jurisdiction 
uud autlloritit mit allem ernst halten wollen. 

Was fiir strafen das konsistorium zu 
erkennen macht haben soli. 
Vf'eil auch die tigliclle erfahrung in allen 
regimenten mehr denn zuvicl bezeiget und aus- 
weiset, dass Mie ordnuug und gesetz, sie seien 
auch so gut. so heilsam, so uStllig so wohl- 
gen(igend, und gefasset, als sie immer mSgen, 
dennç)ch s«mderlich zu diesen letzen b¢isen zeiten, 
da ohne das aile zucht und ehl-barkeit ira steten 
abnehmen und dem untergang fast nahe ist, wenig 
msehns und uachdrucks haben; wenn die glot:k 
keinen klippel und das recht keine handhaben 
bat, das ist. wenn wider die ungehorsamen und 
verbrecher kein ernst noch strafe erf«,lgt, als 
sollen die kansistariales zur el'hahung christlicher 
zm'ht und s('huldigen g(.horsams, lu nit'ht ail zu 
s¢.hweren li]len und delictis p,enas civiles, als 
ziemlicho geldstrMn und gefingnissen, an unser 
statt zu irl'ç)giren macht llaben, in all zu groben 
misshandlungen aber. die einer scharfen animad- 
vel'si,,n bediil-In, uns und unsel-m obergericht die 
strafe und executioll tibel-gebeu und befehlem In- 
gleichen geben wir ihnen macht, die kirchen und 
schuldiencr, welche sich entweder in ihrÇm amt 
untreuç uneissig und nachliissig -der aber in 
]eben und wandel unchristlich, iirgerlich und 
striifhch verhahen nnd bel denen die vorgehende 
gradus adm-ltitionum nichts .,_chaffen oder helin 
wallen, nicht allein mit gefingnissen zu strafen. 
s«udern auch giinzlich, d-¢.h mit unser und unserer 
regierung v«rbewusst und bewilligung, zu ent- 
urlauben ulld ihren dienst mit andern tii¢.htigen 
l)ersonen zu ersetzen. Soviel aber die kirchen- 
disciplin und strafe «les bannes anlanget, welche 
auch deln k,,nsist«u-io zugehsrig, solle das k0,n- 
sisorinm mit allen fleiss und ernst dar«b sein. 
dass dieselbe nicht missbraucht werde, sintemahl 
sichs bisher vielmahls befunden, dass die pastores 
mehr as eigenen aflcten und rachgier, als aus 
rechtem christlichem eifer, ihre pfarrkinder sowohl 
von der absolution und tisch des hel'rn als van 
der taufb abgehalten und verstossen, darumb 
wollen wil', dass hinfiiro die pfarrherr bessere 
.rdnung ulld bescheidenheit halteu und gebrauchen, 
nicht ailes aul ' ihre h51"ner fassen, sondern ihrer 
inspectoren rath und gutachten hierin ersuchen. 
Vermerken sle was ung6ttliches und iirgerliches 
an ihren pIhrrkindern, sollen sie dieselben in 
zeiten, ehe dann sic zur bei¢ht und taule kommen 
vel'mige ihres amtes eigene affectiones hindan 



Consi.torialordnuug von 1.584. 1.'31 

gesetzt, s«uUerlich und freundlich h.prechu uud 
ehristlich ermahnen: hilft es. w«hl und gut. hilft 
es richt, soller se s«,lchen ihren ungehorsam und 
hartrickigkeit ihreu in.pectorihus vermehle. 
derm attch ihr heil versucheu und erstli«h iru 
beiseir des pfarrh,.rrn tmd der kirchenvitter sie 
zum besten vermahmea und da all«'s um.-,,ust und 
verloreu, eudlich die sache mit gutem, griindlich.m, 
ausftihrlichem bertcht ans k«msistoriuru se, lien ge- 
langen lasseu und «,hu desselb«n or«h.uliches 
erkenntniss, ver sich selbst sich uichts unt«rstehen 
sintemahl dadtreh ,ttmals nur zu grossem zank 
und hader und schindlicher zorriittung der kirchen, 
ursach gegeben wird. SVtr es dann sache, dass 
gegen denselben oder anderu entweder die lindere 
castigation der kirehenbus.e oder al»er das 
iusserste uud schirtte remedium des bannes wr 
der hand zu nehmon niithig ,,.in sollte, alsdann 
werden dit' k,nsist«,rialos der in der kirch««t- 
ordnung verfassten t),rm und proc«ss sich zu ge- 
hrauchen ud s,lehe strafe l;r qualitate delict,',rum 
zu schirfen oder zu lindern wiss«u. S«hliesslich 
wollen wir, dass ,,hne des kmtsistorii erkeuutniss 
und schluss, weder dot bann. n-ch andere iiffent- 
liche kirchenstr«d'e jemand auferleget -der ferait- 
tiret, sondern desselben rath und gutdiinket zuvor 
allezeit ersucht und in guter acht gehaltea werde. 
Von d«r exeeution und hiilfe. 
Datait aber auch das kmsistorium nnd die 
dazu verorduete liber ihre erganffone urtheile, 
abschied, vortrige, angesetzte stratbn nnd was 
dem athingig, gebtihrli«he execnti«n und 
nicht weniger, als andere gerichte zu getr/isten 
und darin kein mangel erscheme, als st, lien die 
konsistoriales, wenn ein urtheil oder abschied in 
seine kratt ergangen, oder eine sache vertragen 
ist, oder es soli etwan eine gefimdene strafe ab- 
geleget, oder dergleiche was auderes auct,,ritate 
konsist«»rii vollenzogen werden, und aher der ver- 
lustige condemnirte darinn 8ich ungehc, rsam nnd 
siumig erwiese, «la st, lien sie, sagen wir, deu- 
selben noch zultl u-berfluss bei einer gewisseu 
poen schriftlich ermahnen, dem ergangenen urtheil 
and abschied in einer gewissen zeit fi,lge zu thun 
und gebiihrlich nachzuk,,mmen. Wtirde aber 
jemands solches verachteu und nicht pariren, sollon 
die konsistoriales das brachium seculare, aIs uns 
und unsere regierung, um executi«n und l, fand- 
briefe an die befehishaber jedes orts ersuchen. 
die wir ilmen auch unweigerlich wollon 'ider- 
fahren lassen, worauf denn der executorialische 
richter, an welchen die hiilfebriefe ausgegangeu, 
endlich und schleunig ohne einigen aufschub, 

Vil. Artikel und regel, nach welchen in 
ehestiftung uud ebesacbu die pasores 
und mtnniglieh sich zu richten. 
Xaehdem allen und jeden unserer untorthan«n 
zttm besten ver gttt angesehn w,,rden, dass in- 
halts t, bgestztor orduuug di« inspect,,re, mit zu- 
thuung der amtleute uud anderu znffeordaetn 
perse,non, die v.rfitlleud irrig sacheu, eh« dann 
sie ans k.nsistorium glang,-n, zu vorn verhiiren 
uad «,b sie in der giite komten outchteden und 
beiffelegt werden, versuchen sollen und abor nicht 
aile pastores dor geschicklichk«-it un,l erfahreuhqt 
sind. dass sie in v.rfidlen,l«u eheachen deu 
leuten bald rathen und heltn ktiutea, al habn 
wir fiir niitzli«h und n«,thwendiff eracht«.t. 
niitzliche mit gmtesw.rt uttd an,l,'rn *v,,hlbetellton 
k.nsist.riis und reformirten kirehen gl«ich«tmmizn 
artikuln md rgeln, n;a.h w«h'h,« sic un»ere 
unterthatten in eh«.gel6bnissen, blutlreund-chaften 
schwagerschafteu und andern ehtill«n zu richten, 
an diese ansere neue konsist«,rtal,,rdnung mit- 
anzuhangen, auf dass nicht aih-in die kc, usistoriale,, 
s,udern au«h die i,ast,,res d,-nj¢migon die in 
da«hten fidlen hpi ilmeu rath utd unterricht 
suchen, rathn ttltd tli«.ln, auch ein jed«r 
ich selb»t was verb«,tca ,Mer nicht vpllj«»tet uud 
was beim k,m.ist,»rio zu «rhalten o,ler nicht, 
hieraus kliirlich waruÇhmel und als,, ver manchon 
bes«hwerlichen vereblichen ullkosten Ult,[ ge- 
setzten »trafen sich htiten k«inne. 
S,»ll derwegen ver allen ,tiugen allen pastori- 
bus das lgte capitel dos 5tell buch M,»sis ffemeitl 
und w«hl bekaltltt sein. denn seiches is glieh.am 
der brnn, aus wel«hem aih' anderen gesetge 
ehegellibden ira ehestande herfliselt umi weil das- 
selbe nicht all«in ad legps 31,»sis t,reltSes, 
dern au«h meistesthpils ad leg«,m morah'n gehiiret, 
seiud dal'an lticht allein die jmleu, s,,u,lel-lt ins- 
gtqn«hl aile mensChel auf erdetl nicht weniger, 
als an das sechste geb-t: du s.lt ni«ht ehebrechen, 
gebundpn, und hat niemand ntacht n«ch g¢walt, 
er soi auch wer er woile wider das«ibe zu 
excipiren oder zu disl»ensiren, denn es it nicht 
eines mellSçil,ll, Stlld«q-l des gr,»ssen gottes gebot 

einrede und ausflucht, aueh ohne ailes ansehn der Ulld -rdnut,g. l)arum sollen aile tnenschen der- 
person reichthums oder armuth die wirkliche I selb«n sich bequemeu, bei vermeidung giittlieher 
hiilfe leisten, und in allem dic. gleichheit» wie ] uugnaden und d«r schrecklich,'n strafe, deren 



132 

Das Herzoglhum Preussen. 

exompel gott an den unziiehtigen heiden, die ' 
wider solche seine ordnung gesiindigt, statuiret 
hat, wie solches an gemeldetem ort zu lesen. 
Datait aber die armen unwissend.n leute, s.nder- 
lich «tuf d«'m lan,le und die anderen, die w¢.der 
]esen n«ch schreib«'n kSnnen, hievon nothwendigen 
bericht haben, und der gcbiihr nach sich zu ver- 
ha]ten wissen miigen, se sallcn die past.res auf 
dem lande" und in den kleinen stiidten fi,lgende 
artikel dos jahres zweimal, nehndich d«'n ersten 
s,mtag nach i}stern und Miehaehs von alh.n 
kanzeh b rein deutlich und verstiindli«'h ablesen, 
auch den vorgehenden sontag solche ablesung dem 
v51klein ankiindigen, datait sie desto fleissiger zttr 
kirchc sich finden, von solchen nmhwendigen 
sachen guten beri«ht eimehmen und ftir der er- 
sehreklichen siinde der unzucht, wel«he leider mit 
gewalt einreisset und ver strafe derselben sich 
lernen hiiten und v.rsehen. 

Von eheverlSbnissen. 

Weil die eheverliibnisse ein anfang und gl'und 
sind des lwiligen (.hestandes und demnach hoch 
und viel daran gelegen, oh darin w.hl -der tibel 
gehande]t, auch der fo]gende ehestand gemeinlich 
darnach i»fl«,gt zu geratl..n, wie die erfahrung 
s.lches bezeiget und mancher mit schmerzen be- 
klaget, a]s wo]lcn und befehlen wir datait «'rnst- 
lich, dass ein jeder, der nicht allein Ultsere auf 
die un.rdentlichc verbotene ehege]iibd«" gesctzte 
strafen, sond-rn auch gottes z.rn und ungnade 
gedencket zu vermeiden und dagegen in seinem 
«.ho.stand gliick, heil und segen zu ]ml»en, auf 
nachfolgende articke] gute acht 

artickel von versl, rechung der kinder, 
st noch unter der eltern und v,,rmund 
gexval t sind. 
1. Aile eheverli;bniss, welche «hne rath. vor- 
wissen und bcwilligung dot eltern, vormund -der 
niichstcn freunden, von rien kindern und den«'n 
personen, se noch unt«-r andcrer gexxalt siud, 
geschehen, sollen ,,hngeachtel, ,lass and«q'e leue 
als zeugen dabei gewe.en, nichtig, kraftlos 
durchaus verboten sein. 
2. Welche wider ihrer elt«'rn willen, sonder- 
lieh liber geschehene verna]mung und verwarnung, 
trozig]ich hande]n und sich ihres gefa]lens mi/ 
and«.ren ein]assen wiirdcn, s¢d]cn in uns«.rem lande 
nicht gelitten und nach ge]egenheit der ver- 
brechung auch wohl ara h, ibe gestrafl werden. 
Es so]]«.n auch die eltern so]chen ungeh.rsamen 
kindern keine hiilfe sehuldig, sondcrn sic vielmehr 
bis auf die hi]fte ihres anthei]s und da auch 
fleisehliche unzueht getrieben, sic giinz]ich zu cnt- 
erben, m':ichtig und befiagt sein. 

3. Es sollen auch die kupler nnd kuplerinn. 
die rath m,d that dazu gegeben: nebst den 
schuldigen personen, auch wohl hiirter, als die- 
selben gestrafet werden, ,hngeachet oh auch 
gleich die eltern in das unordentliche x«,rli;bliss 
zu willigen, sich wiirden bereden lassen. 
4. VCann aber malmt,al'e kinder etwan zu 
eb«.nmiissigen lwrsonen lust nnd liebe tragen Ulad 
ihre cltern sie mit denselben ordentlicher weise 
zu vcrmibl«'n, bittlich ersuchen, die eltern aber, 
-hue aile genugsame erhebliche ursachen eigen- 
m:.ichtiger weise sie daran hindern, auch attt" guter 
h.ute unterhandlung sich nicht weisen lassen 
wiird«'n, alsdann s,,llen s,,lch,, kinder beim kon- 
sist,,rio sich rath erhohlen, ehe aber solches ge- 
schiehet, ara w¢.nigsten nichts verbindliches handeln 
oder schliessen. 

Von eheversprechung d«r personen, so 
nicht mehr unter der eltern oder v(,r- 
mtinder gewalt sind. 
7,. Ingleiclwn s«,]h'n auch unter miindigen 
personen aile und jed«. heimliche verlnbniss un- 
bïmdig und kraftlos sein nnd gar mit einander 
nichts gelten, auch kein eid darïlber zugelassen 
und die ungeh«rsamen und verbreeher an beiden 
theilên, nach gelegenheit der umstiinde, ara leibe 
,,der gut gestraft werden. 
6. Vi«q weniger s,ll jemand unterm schein 
versl)r,,ch«-ne," ehe, oder auch mit bedingung 
kiinftiger ehe, beischlafen, so,dern die ehe- 
beredung ira beisein ehrlicher leute christlich und 
ehrlich vorgenommen und aufgetroffene vereinigung 
des hochzeitlichen ehrentages erwartet werden. 
7. WiM aber jemand hiewider handeln und 
solchvs vor dem kirchgang ausbrechen, soli die 
braut mit ver,lecktem haupt ohne spielleute ihren 
kirehgang halten: findet es sich aber erst nach 
der hochzeit, sollen sie dennoch, anderen zum 
abscheu, eutweder mit geIngniss oder aber ira 
a,,lel-, wege willkiihrlieh gestraft werden. 
8. Wiird«. sich jemand mit mehr als einem 
verbindlich verloben, s,,ll die er.-te eheverh,bulg 
«h'r and.r.n vorgehn und die schuldige personen, 
.no von der ersten verl,,bung gewusst, ernstlich an 
leib und gut gestraft werden. 
9. Wann aber das erste eheverl;ibniss heim- 
lich, das ander«, iifl'entlich, soli das 5ffentliche 
dem heimlichen vorgehn und gleiehwohl die per- 
sonen, so sich mit zweien eingelassen, Ol" unserem 
konsistorium willkiihrlich gestraft werden. 
10. tSo aber dem heimlichen verlSbniss der 
beischlaf Iblget. s,,ll zwar das iffentliche dem 
heimlichen nothhalben weichen, der beischliiIr 
aber nach erkenntniss des konsistorii ernstlich 
und unnachltissig gestraft werden. 



Consistorialordnang von 1584. 1.'33 

11. Wo aber der beischlaf nicht bêwicsen 
und der beklagte darauf schw6ren wiirde, dass es 
von ihnen nicht gesch(.hen, alsdann soli das 
6fl'entliche dem heimlichen vorgehn. 
12. Wenn aber beide eheversprechungen 
iiffentlich geschehen, s,,ll des erste kraftig und 
das andere nichtig sein. 
13. Wo aber ouf des letzte iiffentli«he ver- 
leibniss des beischlafen folgte, .,ollt.n dit` beiden 
schuldigen personen, woferue sic v,,u dent orsten 
verliibniss wissen.,chaft geha),t, mit verweisung des 
landes gestraft und der crsten unschul,lige, person 
sich ira anderl, wege zu verheirathen t.rlaubt 
werden. 
14. Se aber jemand, .r 
weibsperson, nach einem «ifl'e,tlicht-n verlibniss 
sich wiedt.rum mit j«.man,l anderes heimlich ver- 
loben und fleishlich vermischen wiard«, in meinm,g, 
des erste verliibniss dadurch nichtigzu mec|wh, 
soli derselbe oder dieselbe ghqcherweis mit ver- 
weisung des landes gestraft werden. 
15. Wo auch einer mit zweien, einma! heim- 
lich, darnach tiffentlich sich verl, d'»te uud darauf 
beide persont.n fleischlich erkennte, se,Il der ver- 
brocher nach ausweisung der rechte ernstlich 
straft werden. 
16. Wenn aber oin verliibni.s unter denen 
personen, se sein michtig, eiuinahl iifl'entlich uud 
ordentlich getroffon ut, l bt.schl,,sen it. se,Il das- 
selhige weder ,lurch wiedersendnng der mahlschatz, 
noch durch geld oder einiffe vertrige wieder zer- 
rissen und aufgehohen 
hebliche irrtmgen orfielen. sollen dieselben, wie 
andere ehesachoa, an das k,,usist,,rium gobracht 
und daselbst entschieden werden. Wiirde hieriiber 
jemand sich nnterstehn, entweder ver sich selbst 
caler aher durch unterhndler und vt`rtragsleute 
volt seiem oder seiner vorlobten sich zu sclwiden. 
sollen sie simmtlich nach erkenntniss dt.s k,,n- 
sistorii gestrat$ und dom scheideinann da beste 
werden. 
17. Unehrbare 
unmiigliche conditiones und bedingungen sollen 
ginzlich verboten, und da .ie angezogen, nicht 
allein unkrtftig sein, sondern auch aile schiml,f- 
liche verachtung gtttlieher ordnung willkiihrlich 
gestrafl werden. 
Von wegfiihrung des weibsbildt.s. 
18. Se jemand eine jungfrau mit li»tigen 
glatten worten, giften oder gaben hinterkime und 
ohne oder mit gewalt heimlicher oder betriiglicher 
weise wêgfiihrete, und solches ver dem konsist,,rio 
wie recht, ausgefiihret, soli nicht allein die ver- 
meinte ehe zwischen solchen pêrsonen fiir niehtig 
und unbiindig êrkannt, sondern auch solcher raptor 
rechtlich und ernstlich gestraft wêrden. 

Von Schwchung des weibsbildes. 
19. Da au«h einer eine jungffau, di," ihm 
ebenbiirtig, auch t.ines guten gt,rtichts und t.hr- 
lichen waltdels mit siisseu glatt«.n worten, gift 
.dot gabt. zu s«int.rn willt.n brichte und schwingertt., 
soli er diest.|bt., obgleich «lit- zusag der ehe nicht 
ausgeflthrt, zu ehelicheu sehuldig sein, «,der in 
weigerung dt.sseu, vermeige der rechte gestraft 
wel-d 
20. Wiirde aber viner bt.weise, oder mit 
seinem ki;rperlichen eide erhaltt.n kiinuen, dass 
er dio geschw/ingertt, lm-rs«,n, jungfrau odor wittwe 
mit siissen listigen wortt.n zu seint.m wiilt.n mcht 
beredet, viol »nig.r mit gewalt gezwungon oder 
einige vertr«istung-n dt.r ehe getl,an, s,,ndt.rn, dass 
cio sich se|b»t zu ihm gt.n6thi:et und zut fl,'isch|icheu 
vermischung ursach gegt.ben habe, soli dorselbt. 
zwar der dirnt` kt.ino -heleistunr. zu erhaltung 
des kindes aber oin ffenanntes und data, fiir die 
begaugene unzucht dem konsistm-i, gt-biihrlict,e 
strafe abzulegt.n schuidig sein. 

Von verliibnisen hinterlas,t,ner wittwen 
und schleuniger vollziehung xer- 
sprochener ehe. 
21. S,, oin wittwer oder wittv nach 
sterben ihre» ehogatten sich wiederum zu verehe- 
lichen beg.hren wfirden, soil,n si- zuvor, ehe 
dann seiches voton,,mmen, ihro trauereit oin 
haibes jahr aushalten. Dio wittwe aber, 
schwangervn leibes vvrlasson, soli ehe dann 
ihror miittorlicheu biirdv entlodigt un, l ,liv -eehs 
wochvn aus sind. sich nicht verl,,ben, bel 
mvidung dt`r strat des k,nsistorii. 
22. Es s,,llen auch dio verl«,hten p,.rsotien 
mit der wirthschaft eiuand«-r nicht lange autiehn. 
auch die eltern ,,der v,rmuud uu,l wvm die aus- 
richtung der wirthschaft ,,blieget. dazu uicht ur- 
sach gel»en, sintemahl nus solchen x orschlel, p 
grosser unrath uud gefahr entst,*het, sondern sollen 
aut eheste, als immer m6glich, die ver»pr,chene 
che lus werk setzon. Wiitde sichs aber befinden, 
,lass ein theil des andero ,,hn« erhebliche ursaclwn 
muthilliffer weise aufhalten und gethren xxiird., 
soli dasselbv durch straf des g«fingnisses an- 
gehalten, attch uicht ehr, es habe deuu zuv«,r 
gt.nugsame cauti,,n g,.than, die zugesagte ehe in 
gewisser zeit zu w,liiehen, d;traus gelassen werden. 
Vou zugelasseuou uud verbotetlen 
gradibua, des ist, welche l, ersoneu zu- 
sammen heirathen miigen oder nicht. 
Vert hluffreundschall. 
1. Aile vermischungzwischen elteru uud kinderu 
gr,,ssvater und grosmutter, kindes kindern und 



l::d Dos Herzohum Preussen. 

gof,,rt durchaus, auch zwischen den persm,«n, Weiche nun wieder solche gttliche und 
welche nur den namen tragen des vaters nnd der I christliche «rdnung handeln werden, sollen um 
marrer, der sc, l,t, und tochter, aueh zwischen stief I begangener blutschande ara leben gestraft und 
eltern und sliefkindern, hat g,,tt ernstlich und nach gelegenheit der feil und verbrechung mit 

wuuderbarlich verboten. S,,llen der«,wegen, bel 
verweisungdes landes, sich mit einander in kein 
ehegel;ibniss einlassen. Wiirden .qie aber hiewider 
i,antlelu und iiher das sich auch fleischlich ver- 
mis«hen, so]len sie als abschouliche blutschinder 
beiderseits ara leben mit dem scl,wert gestraft werden. 
"2. Alle vermischung zwischen briidern und 

staupenschlagen des landes verwiesen werden. 
D,,«h sollen hieneben unsere konsistoriales die 
gemeine regel in acht nehmen. 
In gradibus juris divini prohibetur matri- 
m,-,nium contrabendum et dirimitur contractum. 
In gradibus juris p«,sitivi prohibetur c,ntra- 
hendum, sed n«,n dirimitur ct,ntractum. 

«hwestern, sie sin,l gleieh von v,ller oder halber ] Darum kann in diesen gradibusjuris positivi 
;eburt, oder ausser dvr ehe vom va/er oder mutter die dispensation aus erheblichen wichtigen ursachen 
gczeuget, ist gleichergestalh vt,n gott und allen noch statt haben. 
natiirlichen und woltlichen rechten verboton. 6. lm dritten grad gleicher linien ist bisher 
3. Aile w.rmischung im andcrn grad tn- wie auch gemeinlich in anderenchristlichen kirchen 
/leicher linien hot gott ausdriicklich verboten, da und liindern zu freien zuge]assen, bel dem es 
or spricht, du s,,h dcines vators odor mutter I auch hinfiir«, bioibvn st, il. Was auch kaiserliche 
chwester s.hn nicht cnthliissen, l torw«gen soli und pibstli<.ho rochte de ct,gnationc spirituali, dos 

k,qner seines vaters oder mutter schwester, noch 
.,einos bruders -der schwester t,,ct,t,'r zur 
nehmen, denn sie sind unserer eltorn nachste 
blutfi-eunde und an unserer eltern statt zu ehren. 
Und diese regel gih nicht al/ein ouf brudors und 
der schwester tochter, sondern auch ouf bruders 
und der s«hwoster tochter tochter also dass der 
bru, let nicht nei,men s«,ll hinabwirts seines 
bruders oder schwoster tochter, t,,rhter tochter, 
n«ch dio schwestor hinabwirts nohmen soil ihres 
bruders oder ihror schwe.tern sohns sohns sohn. 
4. f;loicherge.talt ist oin anderer grad gleicber 
linien nach christlicher verordnuug der ref»rmirten 
kirchen, umb mehrer- zurht und ehre willen zu 
freien verb,,ten, deroweg.n kthmen noch s,llen 
ztroior briidor ,,dot zweier sehwestern «,der «les 
bruder. und der schwester kinder eiuander zur 
ehe nicht nehmn, sie sit,d glei('h von ganzer o,ler 
l,alber geburt. 
5. Eener maassen werden auch die. so ein- 
«,rider ira dritten grad unleieher iioien verwandt, 
nach gemeiner lande.ordnuuff uud reformirter 
kirchen in leutschland constituti,,n einander zu 
freien nicht zugelassen. 
Und sind bisher gemeidete verb,,tene gradus 
«tus fi,lgender figur l«'ichtlich zu nehmen. 
,ater und mutter 
1. (Nohn l,,hn 
ut,d Br,uler und ge«'hi.-ter, oder 
torhter.I l«whter.) 
I (Der erst," verl,otene gradus t,der glied.I I 
2. .S,hns (Sohns 
,,der l;schwister kimler, oder 
t,,,'hter-ki,der.) tochter-hinder.) 
(Der andere verhotene gradus.) 
I 
3. (Sohns oder tochter kinder kinder.) 
(Der dritte vebotene grad, ungleicher iinie, 
in w,,l,'hem zu heirathen auch vort, oten.l 

ist von der geistlicben verwandtschaft, ais da sind 
die l,,-rs,,t,en, so miteinander gevatter gestanden, 
oder dass einer seille patl,e, so er aus der taule 
gohoben, zur ehe nicht nehmen soli, decerniren 
und schliessen, weil es in g-ttes w-rt nicht ge- 
griindet, soli es in nnseren ianden niemand ieiden, 
s,,ndorn ermeldeten personen, sich zusammen zu 
verheirathen, frei gelassen werden. 

Von der schwtgerschaft in der auf und 
absteigenden linien. 
(;leichwie in der blutfreundschaft, in dur 
auf und absteigenden linien durchaus aile ver- 
mischung verboten, al.o und gleichergestallt, ist 
auch in der schwigerschaft zwischen stief-eltern 
und tief-kindern. soweit man rec|men kann, die 
ehe verb,,ten und abseheulich. I)enn die in der 
aufteigenden ]iuie leichergestalt anstatt unserer 
lieben eltern, sie wiederum die in der absteigen- 
den littie antatt unserer kinder, sohn nnd tochter 
zu halten, zu ehren und zu iieben sein, wie 
s.lches geistlicb, weltlich und natiirlich recht 
lehret und bezeuget, und gehet dieses gesetz und 
ordnung gottes so weit, dass auch die personen, 
mit weichen tur verliibniss geschehen, durch den 
zeitlichen t,,d aber dos eheliche bedager ver- 
hindert und unvollz«,gen blieben ist, dennoch wegen 
zucht und ehr nicht k;mnen noch s,,ilen in den 
w.rbotenen gradibu einander zur elle nehmen. 
Also zum exempei, der sohn soli nicht nehmen 
seiner braut mutter, noch seines vaters braut, die 
tochter soli nicht nehmen ihrer mutter briutigam, 
noch ihres briutigams rater, und hinwiederum 
soilen auch die eitern nicht nehmen ihrer kinder 
veriobte braut oder br'autigam. Item, der bruder 
soli nicht nehmen seines verstorbenen bruders 
hraut, die schwestor soli nicht nehmen ihrer ver- 



¢;onsistorialordnung von 1584. 135 

storbenen sehwester britutigam, denn die iffent- 
liche verwilligung bindet die eht., nieht die hoeh- 
zeit oder der beisehlaf, darum soli sich an ver- 
meldeten pers«nen keiner vergreifon und haben 
die verbreeher sowohl gottes, als dt.r obrigkt.iten 
ernste strafe ginzlich zu gewarten. 
Von schwiigerschaft der seitwtrts 
linien. 
Also auch in der seitwirts linien, weil mann 
und weib durch die ehe oin fleisch werden und 
aile blutsfreunde dt.s mannes, in welcht.m grad 
dvr blutsfrt.undsehaf sie dent manne zngethan, 
eben in dt.mselben grad auch dem weib mit 
schwggerschaft verwandt sein und hin wiederum 
auch des weibes freundschaft dem manne, wodurch 
dann oin ioder eben so weit, als v«,n seinen eigenen 
blutsfreunden, sich zu enthalten »chuhlig, als wird 
hiemit sowohl in der schwigers«haft, als in der 
blutsfreundschaft der dritte grad ungleicht.r linien 
verboten und erstrecket sich diese pr-hibiti,,n st, 
weit, dass auch nicht angesehen wird, ,,b die 
ersten eheleutt, kinder gezeuget haben oder nicht, 
item, ob die bruder und schwester van ganzer 
oder halber geburt sein, item, oh unter don ver- 
wandten personen die eine oder die andere ausser 
der ehe gezeuget, itt.m, «,b das vorige weib viole 
oder wenige jahre todt gewesen, item, dass der 
mann nach absterben seines ersten weibes arts 
einer fi'emden freundschaft gefreit hatte und wolhe 
nach dem tod des anderen weibes wiederum in 
seines ersten weibes fi'eun,lschaft frt.it.n, ltt.m 
«bgleich die hochzeit .dor das beischlafen nicht 
erfolget, s, mdern oin teil vor dot hochzt.it mit 
rode abgantzen, denn zucht und t.hren halber 
bleibet die verwandtschaft und schwigerschaft v«,r 
sich und wird weder durch d,m t«d, tt.ch durch 
andere obgesetzte umstnde geringert, violweniger 
aufgehoben. Darum, wo swh jemand mit so 
nahen verschwigerten pers.non in oin ehegel«ib- 
niss unwissend einl-asst, s,,l! dasselbe nichtig und 
kraftlos sein, goscht.he es aber liber verwarnung, 
wissend und v.rsetzlich und kimt, noch dazu dit. 
floischliche vermischung, sollen dieselhen mit ver- 
weisung des landes gestraft werden. 
E gehet abor diese prohibiti.n attf die orste 
art der schwigerschaft, in der andorn und in dor 
dritten art dot schwagerschaft aber ist hetltiges 
rages zu freien unverb«ten, wird auch als« in 
Mien reformirten kirchen und konsistoriis zu- 
gelassen, derwegen wir es auch dabt.i beruhen 
und bewenden lasse, donn die s«hwifferschaft 
gehet nicht weit und trifft nur die pers«,n,.n, di«. 
sich zusammen ver»helicht und befrt.tmdet, als 
den brautigam und seiner braut b]utsfreund und 

brutigams und der hraut giebt die sehwgorsehaft 
keine verhindt.rung der ehe, dahoro kaun es wohl 
sein, dass rater und sohn, mutter und tochter. 
zut eho nehmen, item, dass rater und sohn zw« 
schwestern uehmen, item, dass 2 «,der .3 briidt.r 
2 oder 3 schwestern nohmen, denn des mannos 
blutsfrcund sind allt.in seint.m weibe vorschwgert, 
des weibes blutsfreund abt.r siud sie nicht ver- 
schwigert, inglt.ich-n des weibos hlutsfrt.und sind 
allein ihrem manne verschwigert, und nicht des 
mannes blutsfrounden, wie f'rn .der auch wie 
nahe sie dem manne verwandt sein mi;gon. 

Von trennung, weglaufon, seheidung 
der ehegatten und attdern easibus od«r 
e hefillen. 

Naeh,lem os nieht gonug, dass ,lit. monschen 
nach cbristlicher ordnung zuammengefiigt.t und 
gobracht werden, sondorn anch von n,itht.n, dass 
sie auch bestindig, ebristlich und giittlich bel t.in- 
ander bleiben und verharren und ab,.r der erz- 
feind des hoiligen ehestandt.s, der loidige teuft.l, 
s,,nderlicb jetzo zu dies«n letzten gefghrliehen 
zeiten auf mancherlt.i weise sich bemiihet ent- 
weder dureh uneiaigkoit und misstrauen oder 
durch andt.re rncke don t.he»tand zu trennen und 
die t.heleute von einandor zu bringen, als ist 
nicht weniger daran gt.logt.n, diose g/ittliche ord- 
mmg zu erhalten, als t.rstlieh anzustollen und 
hoeh v«»n niitht.n, mit allem ernst und tleiss soviel 
immer mtiglich dav-r zu sein. dass ja arme und 
verstindige eheleuto nicht liedt.rlich v-n einander 
grissen und dit. heillgo geittliche ordmmg turbiret 
wt.rdo. W,, nun der feind dor unoinigkoit sein 
unkraut unter die sicheren t.ht.leute ges:aot, und 
sio so weit gebracht, dass sie beieinandcr nicht 
wollen leben «dt.r wohnen, die past,res und in- 
spoctores die vers«ihnung aueh vergeblich versucht. 
s-lien sic alsdann in zeiten, elle die w.rbitterung" 
iiberhand nimmt und der teufl gar einnistet, zu 
beiden tht.ilen ans konsist«rium verwieson wer, len. 
da dt.nn die k«nsistoriales ferner allen miiglichen 
flt'iss anwenden und ernstlicht, w.rhandlungen v«r- 
nohmen s-lien, damit der zvischen don eht.leuten 
gt.fasste unwill, hass und neid und unfreundlich- 
keit aufgeh,,h,,n und sie wiederum in guton frit.,! 
und bostindige liobe und einigkt.it gesêtzt werdon. 
]a nur oin theil anf seine hartniickigkoit und 
muthwillen bestiinde und sieh dadurch v«n soinem 
ehegatton zu entbrechen vermointe, s«ll demselben 
oine gewisse zeit zum 1/ingston 8 rage angesetzet 
werdt.n, seinem ohegatten ehristlich und friedlich 
boizuwohnon. Will ,'r sich aaehmals nicht be- 
steuern noch weisen lassen, s,ll er 4 wochen mit 

wiederum die braut und ihres briutigams bluts- I gefngniss gestraft und auf fernert.n ungt.horsam 
freund, unter der blutsfreundschaft aber des des landes verwiesen werd»n. 



136 

]as Ilerzogthum Preussen. 

V,n dcr desertion und heimlichen wog- 
laufen und darauf gebetener ehe- 
scheidung. 
l)a nun ein s«Jlcher auf dor obrigkeit gcbot 
das land raumon miisste odcr aher selbsten von 
seinem ehegatten sich bislich verl/ire, auch sonstcn 
j,»mand t,line ehrlicho ursachen v«,n scinom weib. 
ultd kind«.r heimlich dav,,nzi;ge, und ctliche jahre 
aushli,.be, und sie also VOl-setzfich und fr.w(.ntlich 
v«.rlieso, wi«. denn leider s«,lcll" untreu und w-g 
lanfer in diesem lande fst gemein, s,,ll wider 
«lel,elhen. sintemal solches nicht aile.in ]ell ver- 
lasenen zum ussertcn ver, lerb,« und unlleil. 
st,riderai auch lins Illll] JOlll Jan,l," zu morklichem 
s«had«.n und naehth-il geroieht. 6,1gemh.rgestalt 
l,roce, lir.t wer, len. 
[fie k«,nsistoriales sollen in solchen deserti,ms- 
saell«.n nieht ei]el, sondorl zun erstell die um- 
stn,le und ursachen, wie und warum d,'r ent- 
laufl.ne V««l seinem «.hegatton ,.ntviehen und 
lang augsenbh.iben, mit 
aneh das klagende tll«.il deln anderen dazu llr- 
sacll g.gehon -der nieht, oh auch das«lbe auf 
fleissiges naehfl»rselmn naeh seinem ellogatten das- 
-Ibe hab,. auskunds«haften kiil)nOll od,.r nieht. 
Item, es se»lien die konsist,»rial«s beweis und 
kundCllaftel twihriugen lasse-n, dass der desertor 
se» viol jahr, wie geklagt, hineg gcwesen, und 
das klagen,lo thoil solbst ziiehtlieh und ehrlieh 
golebet. Venn nun ,ll" sachen gcnugsamer grund 
eillgen,,mmen und nieht hofliung ist. dass der 
ontlauIne wied-r k,,mmon und die ehegatton zu- 
gammengebracht werd«« m/icht.n, alsdalm soll dor 
desertor nach gemeinem brau('h und style» kon- 
sist,»rii v,»n ,ler kanzl iiflntliell g«.heisehen und 
geladen werd«.ll. I)amit aher arme lin(te, s,»n,ler- 
lieh die so weit abgesess«.n, der citation halben. 
mit vielm reisen niellt b«.sehwol-«.t «,dor aueh 
w,,hl gar di«. saelle stoek«.ll zu lassen, v«.rursaehet 
werden, so soll die citati«,n auf ein«.n terminum 
p,.remtorium una vice pro, tribus geri«htet und 
d«.rselbe dsto liinger angosetzt wer, len. datait 
gleiehw«»hl der ahwesende sieh koin-r verkiirzmlg 
zu boehweren oder iiber das ohegerieht zu klagen 
ursaehe haben ratage. So unn hierauf w«.der 
g«.ladew, selbst, n,»eh j«.mand anders von seinet- 
wegen sich stellt, s,ll «las klagend«, theil auf die 
rel,rodneirte cdieta und kundsehaft d,.r vollzogenen 
ladung naeh fleissiger erwgung dot zeit des ab- 
wesens und andm'er umstude VOll dem treuloscn 
verlaufi.n«.n theil abs,lviret und losg,.zhlet ,der 
,h'r desertor zum ueberfluss naeh ol'hoisehung der 
saehen, noeh einma] iiflntlieh citir,.t und geladen 
W,.l'dn, und so er aueh alsdalln lm«.h nieht er- 
scheint, endlieh und definitive g--ehl«»ssen und 

dem klagenden unschuldigen theil mit einem andern 
sich zu vereheliehen vorgihmt werden. 

Wenn oin briutigam seine braut ver- 
lauft und sitzen lisst. 
AIso und gleichel'g«Jstalt soll auch wider den, 
welchÇr si(.h mit einer jungfrau und wittwe 
«,rdcntlich und iiflbntlich verlobet: darnach heimlich 
,,hne billige l-echtmassige ursaehe davon zieht, 
un,l seine vel'traute ein jahr, zwei oder drei 
itzen |asst, procediret werden. 
V(iirde aber das ansuchende theil in casu 
deserti,»nis beibring«.n, dass das weglaufende thei] 
nach gesch«-henem verli;bniss unzucht und hurerei 
getl'ieben und also die eho gebrochen odor, das 
der bri4utigam sich mit mehreren verlobt, soll es 
so lang a|s andere verlassene zu warten nicht 
sehuhlig sein. s,,n,lern dcr desertor ordentlich ge- 
laden, und da er sicll nicht bald in termino ein- 
gestellt, noc|l irgend eine ehehaft las.st beibringen, 
der beweis wider ihn «,rdentlieh v,»llfiihrt und 
darauf erkannt werdel b was recht ist : das schuldige 
condemnirte theil aber soli, um ael'gerniss zu 
vermeidmb in unseren landen nicht geduldet und 
da er hieriiber betreten und sic|l freventlieh darin 
aufhalten wiirde, mit staupcnschligen des landes 
/ifl'ent|ich verwiesen werden. 

Von aussenbleiben derer, welche aus 
redliehen ursaehen weggegangen. 
Mit denen aber, welche aus n«,thdtirftigen 
ursachen in amts- oder hausgeschaften mit wissen 
ihres ehegatten ausreisen und iiber verhofl'n aus- 
bleiben, soli es also gehalten werden, dass so 
lane das abwes«.nd«, theil am leben und dessen 
gewisse kundschaft v«,rllanden, das andere theil 
ledig bleibe und zum andern v««'l/;bniss nicht 
gl-eife, bis es dssen, dass sein ehegatte mit tode 
abg,-gangeu, glaubhaftige kundschaft beigebracht. 
Da aber das verlassene theil, wo sein ehegatte 
hingekommell, ob er ne, ch ara leben oder nicht, 
keine kundschaft erlangeu noch erf,,l'schen kann, 
soli es fiinf jahre lang illn abwarten, darnach soli 
es. W««ln ihm langer zu warten beschwerlich, 
seinen haudel den ver,,rdnet«.u des konsistorii mit 
allen umstinden fiirtragen, daneben seine kund- 
schaft nnd beweis, dass sein ehegatte fiinf jahre 
weggewesen, item dass es auf fleissige nach- 
forschung nichts 'rfahren k;innen, kriiftig bei- 
bringen. Wann nuu die konsistoriales die pro- 
du«irte kundschaften fiir genugsam erkennen und 
daneben «las verlas.,ene theil bei seinem kt;rper- 
lichen eide, dass ilnne v«m seinem abwesendcn 
ehegatten einige briefe oder bothschaften oder 
wissenschat, oh er h.bendig oder todt, nicht zu 



Con-qstorialordnung von 1.584. 137 

kommen erhalten kann, so soli endlieh und zum 
ueberfluss der abwesende /Sffentlich unter eiuem 
gêraumên termin citirêt und êrmahnt wêrdên, 
seinem ehêgattên heizuwohneu, oder aber an- 
zuhirên, welcher gestalt demsêlben auf sein 
5jahrigês aussenblêiben und stillschweigên mit 
einem andêren sich zu verehelichen, soli erlaubt 
werden. Da denn in angesetzter gebtihrlicher frist 
der geladêne nicht compariret, noch êinige fernerê 
kundschaft von ihm bêigebraeht wird. soli alsdann 
ohnc weiteren aufschub, dem ansuchênden theil 
wiederum nach christlicher ordnung zu freien, 
rêchtlich zugelassen werden. 

Von ehescheidung wegen ehebruchs. 
Wiirde von einem eheg'atten wider den andern 
zut ehescheidung g[.klaget, sollen die verordneteu 
des konsistorii vor allen dingen die eheleute zut 
christlichen vers6hnung vermahuen, da abcr bel 
dem klagenden theil nichts zu erhalten, sondern 
straks auf die ehescheidung gedrungen wtirde, 
sollen die parthen zu êinem m'dentlichen process 
verwieseu, und darauf der ehescheidung halbeu 
erkannt werden, was recht ist, und dem un- 
sch(ddigen theil, sich wiederum christlich zu ver- 
ehelichen zugelassen, der ehebrvcher aber der 
weltlichen obrigkeit befohlen werden. 
Also auch wenn jemand ein«s andern braut 
wissentlich beschltït und der br,'tutigam sich 
derselben loszuzthlen bittet, wird derselbe 
fern er seine brant zu behalten nicht kann be- 
handelt werden, von ihr billig absolvirt und los- 
gesprochen, die verbrechende person aber soll mit 
staupenschliigen des landes verwiesen werden. 
Wttrde aber dêr brliutigam bêwogen werden, seine 
braut wieder zu sich zu nehmen, soli diêsell,e 
nichts desto wenigêr mit gefingniss, der braut- 
schinder aber mit erstgêdachter staupen und landes- 
verwêisung bêstraft wêrdên. Wêlche auch zu 
solcher êhebrechung wissêntlich haus, herberge 
und untêrschleif verleihên, sollen mit gleichêr strafê 
nicht wênigr, als diê êhebrecher selbst gestraft 
wêrdên, datait solchen abscheulichen stinden und 
lastern, umb welcher willên got oftmals land und 
leutê straft, soviêl miiglich gêstêu«,rt und gewehret 
wêrdê. 

Von ehescheidung, welche der tyrannei, 
gifts oder ander gefiihrlichkeit halben 
gesucht wird. 
Es wird auch oftmals in ehêsachen diese 
klage fiirgebracht, dass ein ehêgatte d«m andêren 
nach dêm lêbên stêhê utad dass einer ohuê gêfahr 
seinês lêibes und lebêns nicht k6nne bel dêm 
anderên bleiben, insgemein abêr, dass der mann 
ehJing, Kirchonordtuugen. IV. 

ganz tyrannisch und unmenschlich mit seinem 
armen weibe umbgehe und dermassen in sie saevire, 
dass siê davon d«.rmaleinst leichtlich den to 1 haben 
m«icht, wttrde der«wegen zur verhiitung gr«isseren 
unglticks sie v«n einander zu scheiden angehaltên 
und gêbêtên. Wo uuu .«lche tyraunei dargethan 
und dêr mann durch kein strafe odêr warnung 
odêr gefiingniss zur besserung kann gebracht 
werdcn, noch solche biirgschaft vorhanden, dadurch 
das arme weib friedlich bel ihm zu lehên, mtichte 
versichert werden, mtigen alsdann seiche leute ein 
jahr, zwêi oder drei, nach gelegeuheit der sachen, 
von tisch und bêtt gêschieden, aber kêiuêm mit 
auderen sich einzulassên oder zu vêrehelich«n 
i nachgêgebên wêrdên. Wtirde dann der mann was 
gêschmeidiger werden, zum krêuz krie¢hen, seines 
weibês wiederum bogohren, siê auch mit genng- 
samêr cauti;m de n,m anl,lius offêndendç ver- 
sichern, soll sie alsdann denselben wiederum an- 
zuntqamen und ihm ehêlich beizuw-hnen s¢huldig 
sein. Wtirde aher di« • versuchtê strafê nichts 
helfen und sich befinden, das mann oder wêib, 
eins dem audêren mit gift -der dergleichên nach 
dem leben gestanden, m;igen sie alsdann gar ge- 
schieden, und da das biise vornêhmen des schul- 
digen theils genugsam ausgêfiihrt und dargethan, 
dasselbê v,,n dom ehegericht an das weltlichê 
gericht, daruntêr die beklagtcn gesessên, remittiret 
und mit ihnen verfahren werdcu, wie recht ist. 

cheidung wegen der uatiirlichen 
untiichtigkeit. 
Weil g,tt den êhestand unter anderen ur- 
sachen auch darum eingesetzet, dass dadurch das 
menschliche geschlecht pr,,pagiret und rrhalten 
werdo, md sichs aber biswêilen begibêt, dass êin 
eheatte ans natïrlicher impotentia und gebrech- 
lichk«,it zut eho uutiichtich und ungêschickt ist, 
als kann solclw boiw,,huung, wenn der mangel 
erweislich und von dcm beklagt.n zugestanden 
wird fiir keine ehe geachtet werden. Derohalben 
wo das einc theil sich dossen heschworet und vom 
k«»nsistori«» die declaratiouem solcher unkriiftigen 
chen b('g('hret (dann kein diw»rtium kann da ge- 
sch«.heu da nie kein«, ehe gewesen), soli ihm 
dieselhe der billigkeit uach vom konsistm'io mit- 
gclheilt und ihm ira andern wege sich zu ver- 
heirathen vergSnnt werdcn. 
Wenn aber die impotentia ne»ch zweiflich 
und ungewiss ist, s, II vcrmiige der rechtcn drei 
jahre mit der scheidung verzogen und versucht 
werden oh der ges(.hwichten natur zu helfen. 
Vo aber befunden dass ihr nicht mehr k6nne 
geholïen werden, und das vermiig'ende theil die 
keuschheit nicht halten noch dergestalt ira ehe- 
stand leben und geduld haben kann, alsdann sol| 
18 



138 Das Herzogthum Preussen. 

die scheidung fortgesetzt und dom gesunden theil 
sich anderweit zu verehelichen gestattet werden. 

Wenu einer eine geschwtchte vor eine 
jungfrau bekommt und sich wiederum 
zu scheideu bittet. 
In diesm fall sll es nach «rdnung der re- 
fbrmirten krchen also gehalten werden: 
Wann die that unh.ugbar un01 von der ge- 
schwichten pers«m, dass ehe und wann sie zu 
ihrem manne kommen, schwanger gewesen, zu- 
gestauden wird, se, Il er.tlich von beiden personen 
erkundigung gesehen, «,h der mann. nach dem er 
an seinem weibe den mangel befunden und ge- 
wusst, dass sie schwangor gewesen, dioselbe auch 
weiter heruach beriihret und fleischlich erkannt 
habe. Vo s«»lchcs geschehcn und gestanden, kauu 
der mann errorem nicht a]legiren, sondern ist 
dadurch das delictum au.gesiihnt und aufgeh,bon, 
und er sein weib zu behalten schuhlig. Vo aber 
der mann nach der zeit, da er die schwangerung 
vermorket, sie fleischlich nicht beriihret, sollen 
die k,,nsistoriales fleiss ankehren, ob de personen 
verstilmt un,l beisammen mSchten erhalten werden. 
darinn da»n s.nderlich das wêib mit ihren ver- 
wandteu an ihrem theil nichts miissen erwinden 
]a.sspll, soudern sich als. in der sache schic:en, 
wie siehs gebiiret, datait der mann sieh dêsto ehe 
mge bewegen und gexvinnen lnssen. Wre aber 
bei dem manu in der givre ntehts zu erhalten, 
sondern beruhet auf seiner petiti«,n v«m der 
seheduog, mag er alsdann absolviret und los- 
gezhlt werden. Wirde aueh ausgeftihrt und er- 

wiesen, da.s die geschwlchte person auch nach 
dem verl5bniss ihre vorige unzucht weiter getrieben 
oder auch der mann nach 5ffentlichem verl/bniss 
mit andern sich vergriffen, soli gegen dieselben, 
als wider adulteros rechtlich procediret und ver- 
fahren werden. 
Ohne vorgehendes erkenntniss aber des kon- 
sistorii soli keinem theil in diesen und anderen 
Illpn zut amleren ehe zu schreiten, viel weniger 
einpm pfhrrherren dieselben zu trauen, zugelassen 
sein, welche dawider handeln, sollen nach gelegen- 
heit der f/ille ernstlich gestraft werden. 

Beschluss. 

Nach dieser un.erer w«,hlgemeiuten und hoch- 
ntithigen konsistorial-ordnung soli hinfiihro mtnnig- 
lich sich richten und derselben sich gemiss ver- 
halten, dariiber wtr denn auch selbsten mit gauzem 
ernst halten wollen. (lb irgend noch etwas hierin 
mangelto, sollen die konsistoriales in vorfallenden 
wichtigen hindeln sich unseres raths allzoit er- 
holen. Wir wollen uns auch nach erhetschung 
der nothdurft dieselbe zu vermehren und zu ver- 
besseren allweg vorbehalten haben. Und wie 
wir herzlich von gott wtinscben und bitten, als 
seind wir auch der ginzlichen trsstliehen hoffnung, 
dass du:ch gottes verleihung und gnade dies 
christliche werk zu seinen gSttlichen ehren, zu 
erhaltung friedo und einigkeit in kirchen und 
schulen, zu handhabung und fbrtpflanzung guter 
disciplin, zucht und ehrbarkeit und zu des ganzen 
landes und aller unterthanen wohlfahrt, nutz und 
frommen gereichen werde. 

Stiidte und 0rtschaflen. 

Bartenstein. 
Behnisch, Versuch einer G-eschichte dêr Stadt Bartenstein. Knigsberg 1886; 
Kirchen-Archiv zu Bartenstein; St.-A. Knigsberg. 
Als erster protestantischer Pf,rrer wurde 1525 Heinrich Schnei,ler von Herzog Albrecht 
den, l:athe zut«echickt. Bei I;ehlisch S. 21; ist eine Eingabe «les Caplans Johannes an den 
Ilerzog vom .lai,re 152S ai,ge, lruckt, welche gute Einblicke in die kil'chlichen Zustande der 
Sta,lt gewahrt. 
Visitations-Rezesse finden sich vom 8. Septl,r. 15;2, 26 Miirz 1570. 25. Novbr. 1585 ira 
Kirchen-Arcl,iv zu Batenstein In i ch t abgeliefert an das St.-A. Kigsberg). 
Ein Abschied fin" Bartenstein vain Jabre 1575 tindet sich ira St.-A. Ki;nigsberg Fol. 1278. 
Bischof Mrlein bat zunë.chst dên alten Rezess von 1588 vorgen{unmen und an der Hand diees 
Abschiedes rien Zustand d s gemeinen Katens gêprUft, l)er neue Abschied vom 26. Februar 
157,5 betrifft nuv den g,meinen Katen. 



Czichen. Visitations-Ahschied von 1581. 

1.39 

_'rber zwei Briefe des Bischfs Georg von Samland an die Stadt Barten«toin vom 
15. Mai und 23. Mai 1.-524 vgl. St.-A. Knigsherg; Briefarcl,iv der deutscheo Orden.,.zeit 1522 
bis 1525; Tschackert, Urkundenb. St. 21ri, 223. 

Cziehen. 

Dieses Kirchspiel ira Amte Olezko erhielt in der Vis|rat|cm von 1581 einen Abschi, d. 
der zugl |ch die Betzrtn,dungs-Urkunde d, rstqlt. As eio Beispie! ftr die er:tma]ge I-lgelung 
der Verhëdtnise eines neuangeb.gten Kirchspiels wir, I dieser ,Ab.,chied, s- dcr her |'.mes,- 
nische Bisch»f D. Johannes Wian,lus diesem ,euen kirchspiel den 17. Mai A,no 15:-A gegeben 
und verlassen", aus St.-A. K6nig.,berg, Fol. 1284, BI. 641 ff. abgedrucl, t. 

17. Visitatitns-Abscl, ied. Vom 17. Mai lbSl. 

Dass gott naeh dem kleglichen fall Adae und 
Evae noeh das monschliehe gesehlecht auf erdon 
so gnêdigli«h erhelt, |st koine andere ur.,ache, als 
dass gott die menschen iiherschwenglich lmob bat 
und uicht, woil das sie in sinden ewigli,-he, wr- 
derhen sollên, sondern zu ihm sich widerum be- 
kehren und in aller ewigkeit mit don lieben 
engeln ihm dienen. Aus den ursachen auch 
aile.in erhlt gott zu allen zeiten soin wort in dor 
welt und lesset dassêlbe predigen offeutlich und 
will haben, das die leute sollichs wort in ehr- 
lichen versamlungen h6ren und lernon sollen uitd 
durch soli|ch geprodigt wort wirkot gott in den 
herzen der met,schen wahre und heilsame be- 
kehrung, rechten g|auben, furcht g, ttes und ein 
neues leben. Demnach |st es ein christlich gut 
werk. dassdie loutesich zusammonhalten, kirchn 
bauen, darin zusammenkommen mtJgon und gottos 
wort smtlich h6ren das hochwirdige sakrament 
gebrauchen und mit einander gmt anrufen, loben 
nnd danken. Aus solchen ct, ristlichon bedonken 
bat Ftirstl. Durchlaucht zu Preussen liblich go- 
ordnet, dass zu Cschichon itziger zeit eine neue 
kirche gebaut und aufgorichtet wmrd, sintemal 
etzliche neue dSrfer an donselben orten angêlegt 
und andere kirchen dieses landes etwas zu 
fern sind. 
Weil donn nun s-lche kirche nicht zu pebst- 
lichen mossen, heiligen anrufen und a»derer ab- 
gStterei sondern zut re|non predigt gottes worts 
und reichung der sakramente narh Christ| eiu- 
setzung gestiftet, so bedarf dieselbe keines cl,rysem, 
schmierens oder weihwerks, wie im pab.,ttum 
breuchlich, sondern dass ein fo|ner guter ver- 
stendiger lerer des g/ittlichen worts hinein ge- 
ordnet werde. 
Dorwegen. so will |ch Johannes Wigandus D., 
bischof auf Pomesan nicht aile|ne soli|che neue 
kirche approbirt und bestettigt haben memem 

amte nach. sondern ordne und bestettige aNbalde 
don wirdigon ehren 3lartimma K,sentko, welclwr 
a,tstatt ftirstl, durchlaucht zu Pro,son durch den 
edlen und ehronveston. Heinrich Krarhteu, haul,t- 
mann zu Olezken ol-dentlichen beru|'en, zu eineln 
pfarrherrn und sohl.--rgern, welchor auf nehiton 
sontag, dor heiligen hochgel-bten dreitaltigkeit 
dasolbst ottes wort offonthch soli anfatwn zu 
predigon, auch die sakramont narh Chri.i worten 
austeilen, die krattkeu besnchen uud tr6ston. 
Darnacl,, w,il das predigtamt o»e ordontliche 
einkii,,fte nicht kann erbalte, werden utd es so 
in goltes wort vertassot, dass die. so dem evan- 
gelio dienen, ire n,,ttti,-ftige unterhaltungë davon 
habon sollen, so sind auch etzliche d,rfer mit 
gutem rat des herrn hauptmanus attt' Olezkên zu 
den obgenanten k,rchon vetzoichnet, welche ,tach 
gewonl,eit der ander kirch, piel ihren dezem dahin 
geben werden. 
Weil rien sollichs zu gottes ohren und der 
leute heil und seligkoit angothngen, als wiinsch 
|ch zu sollcher kich'n gottos gnad und reichen 
segen dass sie mit dem reinen worte gottos lange 
zeit geweidet und fi]r al|« fal.¢cho lehren und 
anderen schaden gnediglich re,ge behiitet werden. 
Und sind bei volgend verordumtge nehon dem 
herrn hischof gewe.en H,.nrich Kracht haupt- 
mann auf {)lezkon, Josef ]'aulin, ]'omosanischer 
oficial und .l«,hannes ara ende, des Pomesanischen 
consistorii notarius. 
[Es fhlgen jetzt Bestimmungeu iiber Auf- 
gabe und Besoldung des Pfarrers und des ,';,.ln,1- 
moisters, sowie liber dên Kirch«-nbau. die nichts 
bosonderes bieten, und endlich noch folgender 
Abschnitt :] 
Kirchenviter. Demnach die kirche al|- 
hio noch nicht gebaut, nun erst ang«fangen zu 
bauen, wirt der herr hauptmann, der der leute 
kundig, gute trou« menner zu kirchenvéitern 
1* 



Das Herzogthum Preussen. 

ordnen, die beeidiget nennen und bestedigen. Und visitat,,ribus wohl llnd gui gemaeht, verhalten, 
soli inen alsdann auferlegt sein, das ie in irem ailes ira kirchspiel mit namen zu register bringen 
amte treu und vleissig s(.in s,llen, auf die ge- und ailes in specie verzeiehnen und allezeit ehe 
biiude der kirehe, wiedem nnd schulen, damit die- denn der decem eingenommen, ein sollich register 
selben nicht untergehen, gut acht zu geben, aucb machen lassen und der da giebt mit dedit ver- 
fleissig mit der tafel aile sontage umgehen. Wo ' zeichnen, und der aile jar dem herrn hauptraann 
das von ihnen nachgelassen wtlrde, solIe ein jeder, ' gute rechnung thun. 
der einen tag verseumet, und nicht sein«»n compan In Mien anderen punkten, welcbe allhie nicht 
bestellt, der kirehen fiir denselben jeden tag wiederholt, se, lien pfarrherrn, sehulmeister nnd 
30 seh. erlêgen, dariiber der herr hauptmann zu kirchenviiter der vorigen ordnung sieh bequemen 
halten und sollen sich sonsten in aller massen und sowohl den vorigen, als diesen abschied 
nach der vorigen vorgeschriebenen ordnung, so sich v, lnisch maehen, sich furlesen lassen und 
ist in niichst gehaltener visitation von den herrn [ ferner sich darnach richten. 

Hermsdorf (Kreis Preussisch-Holland). 
Nach Conrad, in Altpreuss. Monatsschr. 35, S. 334--34-I. befindet sich im Burg- 
griiflich- und Gr:,iflich-Dohna'schen Majorats-Archive zu Schlodien das Original des Hermsdorfer 
Kirchen-Visitati,ns-ezesses, welchen der ponlesanische Bischof Venediger ara 26. Juni 1568 
durch den lisch6flichen Notar, Johannes Hogenhausen. aufnehmen liess, in Begleitung des 
Bischofs befand sich der Burggraf Achatius I. zu Dohna aus Mohrungen, und der Burggraf zu 
tlolla,d. Christol,h Nickritz, ein herzoglicher Beamter, der den AmtshauI, tmann vertrat, und der 
Notar. Das Kirchsl,iel stand unter den, Patr.nat der Dohna's. 
Ier von C o n r a d abgedruckte Abschied beschaftigt sich zumeist mit finanziellen Dingen. 
Bemerkenswerth ist nur. dass dem Schulnleister die Pflicht auferlegt wird. die Kirche rein und 
sauber zu halten, und die ..betteglocken" Mittags und Abends zu lauten. Die Kirchvater 
werden in eidliche Ptticht genon,men. 
Vgl. auch noch E issin g, Altes und Neues aus der Geschichte des Kirchspiels Herms- 
dot'l. 1. Heft. Berlin 185. 
]ber den Abschied vom 24. Juni 1578 vgl. oben S. 15. 

Stadt Holland. 

In der Visitation von 157 (vgl. oben S. 15) gai) der Bischof von Pomesanien, Wiegand, der 
Stadt aih 25..hlni 1578 einen Abschied, aus welchem hier ;tus St.-A. KiSnigsbel-g, Fol. 1280, 
BI. 6-11 die folgenden Bestimmungen mitgetheilt werden. Bemerkenswerlh ist hier besonders 
die 1N'achricht vou dcr Bestirkung (les Anstellungsverlrages eines Pfarrers durch Empfang 
einer Arrha. 
Conrad, l'reussisch-Hollaud eiust und jetzt, t'r.-Holland 1,97. S. 163 ff. bietet 
wenig ftir die Kirchengeschichte. 

1. Visitations-Abschied. 
........ Ober den Pfarrer besteht kein 
Grund zur Beschwerde. ,Weilen er aber sich 
um einen anderen dienst «,hne vorwissen des 
bisch,,th umgethan, auch sich eingelassen und den 

Vom 25. Jnni 157,. 

gttespfennig darauf empfangen, ist ferner mit 
ihm zu handeln. 0,b er zuerhalten, wo nieht, wird 
n(ithig sein, das die gemeinde mit rath nnd be- 
liebunge der obrikêit und des bischofs nach einem 



I nstel'b urg. 141 

andern sich umsehe, welcher alhie zu einem pfarr- 
herrn und erzpriester michte gebraucht werden." 
Der Rath soli unter allen Gilden und Werken 
einen odar zwei Aufseher ordnen, »welche auf 
die muthwi]ligen verechter gtittlichen worts und 
der kirchen acht zu geben". Ausbleiben wird 
das erste Mal mit ftinf Schi]lingen, das dl-itte Mal 
mit 15 Schillingen bestraft. Gleiches s,,ll der 
Herr ttauptmaun f(ir dus Land an,rdnen. Be- 
gribniss in der Kirclm k«,stet 10 M., auf dem 
Kirchhofe in der Stadt 5 3I. 

,,Gl6ckner ist seines amts, dus er dem pfarr- 
herrn in kirchensachen gehorsame, auch die kirche 
und predigtstul und um den altar ailes foin rein 
und sauber halte, ermahuet worden und wird 
ihm jihrlich ftir seine arbeit und mtihe gegeben 
10 mark 5 gr«,schen ftirs kirchotegen, ftinf 
gr«,schen ftirs kleiderwaschen und eino nmrk fiirs 
oblaten machen. Zu diesem hat er auch V-l don 
glocken, w.nn zum toden geloutet wird. nach 
ein«.s jedon VOl-mugen sein einkommen." ...... 

Insterburg. 
Litteralur: v. l(ruse, Chronik der Stadt Insterl,urg fhandschriftlich ira Maistrats- 
Archiv zu Insterburg): H eu ni g. Topogr.-hist«»r. Beschreibuug der ,tadt Insterburg. K¢)nigs- 
berg 1794; Kossmann, Histor.-statist. Nachrichten ïber die Stad{ Insterl,urg; "l'oeil's. in 
l'rogr, des K{3nigl. Gymuasium uud Real-l;yumasium zu lnstrrl,ug, ls,:; vau lIareu, lustev- 
hurger Kirchen-Nachr. in Altpreuss. M¢,uatsschr. 2:k S. 313--:i. 
Herzog Albrecht und Bischof t'olenz hahen auch hier die kirchlichen Verhiiltnisse ge- 
regelt. Uber die Grïmdung der einzelnen Kircheu in In.,terburg "1. v. Kruse 2..'<. 14311. 
Dortselbst finden sich auch genauere hachrichten tlher die kirchliche Eutwicklung ira 
Lithauischen. Uber die l'latter zu Insterhur. welche zugleich Erzpriester ther die uuterstel|ten 
Pfarreien waren, vgl. v. Kruse 2. S. 2{1 ff. Nach dent lçirchenrechnungeu erhielt zurst .lohaun 
Sperber von 1575 an als Erzpriester Inspektionsgehïthrer 15 l 'u Nm'kitteu. eorgellurg, 
Gohlapp und Breitenstein oder Kraupischkeu. Unter ,Rperher fand 15:«) eiue Vi.itation statt 
durch den Hauptraann zu Brandenhuvg und Curffrstlichen Rath Rauter. Hierin wurde he- 
sonders Gewicht auf die Ftirsorge fïr Belehruug der Laudgemeiudeu in preussischer uud 
lithauischer gprache gelegt. Der erste evangelische Pfarrer in Insterhurg. Bingelstfidt, predigte 
deutseh uud lithauisch. 
Der Geueralabschied der Kircheuvisitation des Insterburgischen Arates ira .lahre 163, 
ist abgedruckt in Grube, Corpus «onstitutiouura Prutenicarura. K6nigsberg 1721. sowie ira 
Preuss. Provinzial-Kirchenbl. 1845, ferner ira (;ustav-A(hdfboten f. O.-tpreussen 1!¢2, St. 3. 
Ftir dus 17. Jahrhundert vgl. die Abhandlungeu von H orn in Zeitschr. der Alterthurasgesell- 
schaft Iusterburg. Heft 1 (.]888), g. 38ff.. und von Borzutzki. ebenda, tteft 7 {l.q¢l). g. 1 ff. 
Von der Insterburgischen Mutterkirche aus wurden v«n 1544--159 folgende Kirchen- 
geraeinden in Lithauen gegrthdet: Gurabinnen, Gaweiten. Kattenau, Kraupisclken. Kussen. 
:Neraraersdorf, Piilup)hnen, Szittkehraen, Stallup6huen. Tollrainkehraen, Zabinken:. nach 1599 
kamen noch hinzu: Ballethen, Walterkehraen. Muhiszehlen. Eigeuartig war die [ehaltsfrage 
geregelt, in einer Weise, die an die Regelung der iiltesten christlichen Kirche erimlert- Von allen 
der Inspektion Insterburg unterstellten Kichen wurden die Einkfinfte nach :;6 Huben 
rechnet, nach Insterburg an den Erzpriester eilgezahlt und v«,n diesera an die Lamigeistlichen 
vertheilt, auch die Baulast davon bestritten. Die Accidentalien z«gen die Prediger seli)st ein. 
Erst 1609 wurden die Kirchen selhs/tudig gestellt, mussten ihre Rechnungen auf dem Inster- 
burgischen Hauptarate ablegen, und zur Unterhaltung «les Erzpriesters jiihrlich 2 M., seit 
165[: 2.'57 3I. zahlen, was auf jede Kirche jfihrlich 15 M. ausmachte (v. Kruse 2. S. 15*ff.). 



142 Das Herzogthum Preussen. 

K6nigsberg. 
Lilteralur: wie zu l'reussen. Aus,,erdem: Arnstadt, Gesch. der Stadt KSnigsberg 
in Preussen. Stuttgart 
l(5nigsberg war der Ausgangspunkt der Reformation far das ganze Ordensland. Hier 
predigte bereits ara 27. September 1523 der wmt Herzog Albl'echt von Wittenherg berufene 
il'. J,hannes Brie,,mann tvgl. Tschackert l. S. 47t, Ultd mit Recht wird dieses Datum als der 
,nfang der Iefrmati,n fïtl" l(5,igsbel'g bezeichnet. l»el" seine Thfitigkeit vgl. Tschackert 
1, s. 6 tt., 34. ff. Er bewirkte, dss del" Bischof l'olenz sich offen fier die Reformation el'klrte 
uml aih 25. Iezember 1523 eine evangelische Predigt in Knigsherghielt. CTschackert 1, 
S. 7--î3.} In dieser l'rcdigt sprach der Bischof den Wunsch aus, dass die Tuufe deutsch 
vorgen,mmen wïrde. Ara 2g..l«nuar 1524 ordnete er ftir seine ganze Di6cese die deutsche 
,';l,rache bei der Taule an. Durch die weiteren Refol'men des Bischofs (Tschackert l, 
s. 7;--87} WUl'de hewirkt, dss Ki;nigsberg 1524 als eine evangelische Stadt zu bezeichnen ist. 
lel- Bischof schïttzte «las Evangelium und dessen Vertreter, z. B. durch das Strafmandat vom 
15. .ugust 1;,24 an die ,drei Sldte li)ni,,_,.-Ierg" (Tscbackert 1. S. 87}. 
;een En,le des Jahres 1524 wurden vom Rath mit Zustimmung der ganzen Gemeinde 
v.n K6nigst,erg-Kn,,iphof èine Arnen»r,lnung auf evangelischer {;rundlage beschlossen. Die- 
s,,ll»e ist nicht erhalt,,n, s.ndern nur das Begleitschl'eiben. mit welchem sie dêm Hochmeister 
zut Be.tiitiung w}rgele:t wurde {Tschackert 1. . 11; U.B. Nf. 2!0}. Desgleichen richtete 
die ;emeinde .lç0nigsler,..,-Alt:tadt" 15"4 eine ,.Ordnung eine emeinen Kastens" auf. 
Letztere k,t abgedruckt bei Tschackert. U.B. Nr. 201 und dal-nach hier. {Nf. I,%} 
Zut Char, kteristik v:l. Tscha«kert 1, S. 11 ff. 
x.'«rïfl,ergehênd spielte in KOnigsl,erg eine Rolle : 111". Jrhann A in a n d u s. 
Vgl. iiber ihn Tschaekerl 1. S. 05ff.; ,qt.-A. K5nigsherg. Briefarehiv der deutsehen 
Ordenszeit 1.',"1 CJuli odêr spiiter}. IV. . 22. UB. 245, Speratus an An:andus. 
Vgl. ïfler ihn auch unter D,nzig un,! Stdp i. Pommern. 
,Iit der Auf.-chrift: { 1.'»':l} F, rderungen dèr {;emeind, n ,let Sliidte Kthfigsberg. findet sieh 
in ,t.-A. Kinigsberg, Briefarchiv der deutschen Ordenszeit 1522--1525, ein Biatt. in welchem 
Forderungen der Gemeinden zu Kimisberg an rien tlath enthalten sind. Die Punkte. ,,nach- 
dem d;s Evan,_,elium jetzt dêr ,t,lt erschienen sei « uml naehdeln ,let- lath begehl't habe. die 
Beschwerungen der ;emeinde kenen zu lernen" seien die folgenden" 
Er,-tli,'h. das ein ganz gelnine I}ei der ersten ,rdnunge ader vorwilgunge des Kastens 
hleiben wil. 
2. UI,el- alle eikiinfte der Geistlichen. Zinsen und Bruder-:chaften ist beim Kasten 
lleehenschaft zu thun und nieht bt, i der stadt. 
:;. Von Rath und Sehi}flen soli keiner bei deln Kasten sein 
Die xeiteren l'unkte betreflen keine kirchlichen Dinge, Slldel'n die sttdtische Ver- 
waltun. -- 
13emerkenswerth ist hier vor Allem, dass die erste, d. h. die iiltestê Kaslenordnung, er- 
halten erden sdl. Die Beschwerden liegen also nach 1524. -- 
larther, dass Herzog Aihrecht sich tl}er die reform;torischen Vorgtnge in Ktnigsberg 
genau unterrichten liess, vgl. oben . ,5. Diese V,rgange wurden lnassgebend for das ganze Land. 
Bei der Unterdl'Oel, un der Ianziger Ileformati,,n dureh ,ien polnischen K0nig Sigis- 
round htte Herzog Alhrecht von Pl'eUSSen den verhafteten l'farrer Miellael Meurer losgebeten 
und mit sich naeh Preussen genommen, wo er zun-chst ais Al'chi,liakonus ftr Masuren und 
l'frl'er zu l:astenburg. 15:1 als I%rl'er in Kiuigsl.,erg-Ll»elficht Vel'wendung rand. Er starb 



Kastenordnung fiir K6nigsberg-Altstadt 'on 1524. 

1537 in K6nigsberg Von ihm rïhrt der Entwurf dor ersten l'farr-Emeriten-, Pfarr-Witwen- 
und Waisenordnung ber. Vgl. T s c h a e k e r  in Urkundenbuch Nf. 117 : dazu Bd. l, S. 2; ff. ; 
und denselben in ,I'farrhaus" 191. 3, S. ç. 
(ber die Visitation, welche 155 in K6nigsberg stattlhnd, ist o],en S. 17 ff. ausfahr]i[.h 
heriehtet worden, ebenso ïfl,er die d»rt ïberreichtea Schulordnungen tlll[l er]assenen Visi- 
tationsahschiede. Es vrden daraus dr Ahs«hied t'fr 13heuicht ira Auszue mitgetheilt (aus 
St.-A KSnigsberg Fol. 128, Nf. 2) und far K6nigsberg-Altstadt die Beriibniss.rdnun aus 
St.-A. I(Snigberg, Fol. 12s. Nr. 1). Nr. 20 un,i Nf. 21.) 
Ztllll Schtflwesen vgl. H o] I a c k und T r o m n a u. Gesch. des Sehu]weens dvr K6nil. 
Haupt- und Residenzstadt K6uigsherg. K6nigsberg 199, S. 39 ff'. 

19. 

Ordmmng eines g, emeinen kastens der aldenstadt Ki;nigsberg. Anno 2t nfgerieht. 
[Nmh Tschackert, I rkundenbuch Nr. 291.] 

Nach,lem uns gott der almechtig durch sein 
gnadelreich hailxam wort vilfPitig gelcrnt und er- 
mant, nichts furtreglicherx und nutzlicher.s zu un.ser 
seelen seligkeit zu haben, dau ime al. eiut'm 
gnedigen barraherzigen g«,tt, de» wir um Chri.stus 
willen haben, aus grund unserx herzex zu glaube. 
anhangen und vertrauen etc., dexgl-ieh-n in und 
unserm nvg.sten als tins se]ber zu lichen, dem- 
selben ze rateu, ze helfen und aile brnderlich- 
stucke umbsonxt, inmaxseu wie Chri.-tus eim jidern 
gethon, z-leisten und zn erzeigen. Immit aber 
demselben nicht eusserlich allein uud aus zwang, 
sonder aus grund des herzenx und freiem wiilén. 
wie einem jedern frumen cristen, dem es got gibt. 
«les geburn wili. mit der tat nachgegangen, da- 
neben xeinen ursprung und anfang, gott zu l,»b 
untl den durftigen zu trost, n-men moge, habeu 
wir, burgermeister und ratmanne der alden.stat 
Konigsperg in Preussen, dasselbig aus gottlicher 
eingab zu herzen gefurt und nach gehabter rats- 
handlung, wissen und willen der horn scheppen 
sampt unser gemeinden eintrechtiglichen be- 
schlossen, 
darauf einen geraeinen kasten, gemeiner stat 
und armut zum besteu, in unser pfarkirchen setzen 
und aufrichten ]as.sen, welciwr, wie dera mit hilf 
des alraechtigen weiter nacbgegangen, ist volgen- 
der gestalt, wie meniglichen zu nberseben, 
licher angezeigt und begriffen. Nemhliciwn und 
ara ersten seind vier von ,len herrn des 
rats und scheppen, desgleichen vier vrai kauf- 
leuten, meltzenbreuer und den werken darzn ge- 
koru. Dieselben und alle nachkomend verordente 
sollen nach getanera eide uber den.seiben kaxten 
ein halb jar rait aller usgab, den armen u.s ze 
tailen, volkomen gewalt haben, dorait ein jeder 
denselben durftigen derraass fursêhe, wie er ira 
vert gott zu geschehen begert und seim ai,le ge- 
mess wie ungezweifelt befunden werde. 
Und se ein halb jar verschinen, sollen alweg 
vier der eltten davon genomen und widerumb 

ander vier an ir tat gexatzt: dam.ben soli aile 
halbe jare rechenschaft und kore d«-r entxatzten 
gehaiden werdm. 
W,, sich aber schwere hendd, feel und ge- 
br'chen, die iu,n ailein aus zu i-chten ze schwer 
gefaileu, xich begeben wurden, x,,llen dieselben 
acht verordnete sich an den ganzen senat, seheppen 
und gemein gemelter stat zu berufin v,,lkomend 
gewald hahen, dardurch dieselb«.n schweren h«'ndcl 
mogen mit biif des almechtigen geurteilt und bei- 
gelegt werden. 
Darau soli d'r kasten, wie ç,b stet, in die 
kirchen oder .acrixtei, und m.ben j-tzlicbe kirch- 
turn -in xtock gesatzt und mit vier schli;.ssern. 
von welchen zwee die vier hem d«'.s rat.s un,1 
scheppen, dcrgloichen zwee die vier von der ge- 
meinden bei .ich gohaben sollen, nach allem beten 
verwart werden. 
Fur den andern hauptpunkt, s,,ll alx, was 
gott einem jedern in .sein h-rz schicken wirt, 
lauter urab gott.s willen hinein gelegt un«l widerumb 
den elenden zu troxt aufgenoraen werden. Das- 
selb soli keiner, der es hineingelegt oder die 
seinen, zu ewigen tagen widerumh herausfordern. 
Darzu sç, llen alle sonabent die.elhen, se» darzu 
vorç)rdent, wans ineu bequera sein wil, semptlich 
geen, dasselbig eingelegt ahnus mit allem vleis 
aux den stç»ken nemen, und nach verzeichuung 
sampt dem register zugleich in kaxten gelegt uud 
verschlossen wer,len. 
Was auch den boiden, se aile s,,utag mit 
«h.n secklein in der kirchen umbgeen, zugereicht 
un,l ubcrantwort wird, s,,ll des(.iben tags on mittel 
don acht verordnctcn, dorait ex in [ten haul»tka.sten 
gelegt, zugestelt werden. 
Daruach soli ailes einkomen und r.ntcn, xo 
bei un.ser pf«rkirchen sanct Merten , sanct Ge«,rgen 
und Pockenhaus gefellig uud vorhanden, sampt 
dem begrebnus in kasten gelegt werden. 
) S. Martin, ein Hospital an der Stadtmauer. am 
heuligen bestcu.-plat. 



144 las IIerzagthum Preussen. 

Auch soli «.in jedcr, der in di pthrrkirchen 
will begrabeli w,.rdell, 10 mark und uf den kirch- 
hof 21'.  mark nach al(er gewonheit und den arlllell 
zum besten geben und darstrecken. Wer aber 
das ait ze thun gencigt, mag sichs aufs frei 
grebnus zu sanct Ni(las hinaus furn und begraben 
lassen. 
Ful's dr|tre sollen alle belle(, s, bel lins 
seind, tuf einen tag du(ch die, se, man kunftig 
darzn setzen wirt, in die pfarrkirchen versamelt 
werden, dieselben zu examiniren und zn bcsich- 
tigen dergestalt, st» il'gent einer un(er |lien stark 
und gesulit gnug, dcr eillem .pauel'sman gedien«n 
moge, befitnden wirt, soli on mittl arts de( stat 
v.etl-ieheu werd«.u: uud vert mer keiner du(ch die 
gesatztell aufsehers ;tuf der strassell zu pe(rein 
gelidell, s«,nder durch die h,,spitalia hin und ]ler 
ge-relit und mit hausung versorgt werden; darzu 
s,,ll nlall eillenl jedern durch die verordvnten 
herru etc., sovil die notturft «les esseu. uud 
trinkens uf die wochen hinein f.l'dcrt, nlitteilen 
ultd Ubel-antwortql las.seli. (m Rande vert 
spitel'er Hand: .Meines achtens stiinde 

summa tuf pfand oder durch andere wege, wie 
das namen haben mag, uberreichen und mittailen, 
de»mit sich ein jeder se|ner arbeit und sehweis, 
wie gott gebotea, hab ze (res(cil. 
Furs vie(de sollen sich der pfarher, prediger 
sampt and(re etc. allein des lautern rainen worts 
('hl-isti Ullsers hailands ze predigen und dem ge- 
lneinen mail flll" ze tragen befleissen und sieh des 
weltlichen regiments und schwêrts in unser star 
zu regirn und» se weit wir von wegen unser privi- 
lcgiea zu gebieten haben, genzliehen und allent- 
halben thun entha]tell. Wo aber irk eine ver- 
seumnus dos gnadenr«dchen worts gêseheen wurd, 
und sich irk einer de( prediger in unser regiment 
oder privilegia understunde ein zu greifen, soli 
in unser der llern scheppen samt ganzer gemein- 
den erkentnus und rechtfertigung, was da(in fur- 
zuneniou, gvstalt se|iL Daneben wollen wir sampt 
,»ben ermelten ma(lit und gewalt haben, einen 
pfarhern, predigern, capellan sampt anale( der 
kirchen diener zu setzen und zu entsetzen, wen 
und wie t,t'te wir einen jedern st(af- und bruch- 
fellig finden. [Volt spiiterer Hand ara Rande: 

dabei, dass man koine landesfrenlde als Littauer, Princeps est omnim,»do exclusus%] 
Masureli, I',,lvu mam.herlei ursach hall,eu dulden, I Danebtn soli der pfarher samt seinen capellan 
s(,ndern ein jcdes land s«qne bettler el'lifihren I aile wochen einest zum wenigsten di kranken in 
sollt.") den h,,spitalen zu besuchen, inen den punkt des 
Itie hausarmen aber, se iren schweis uiid 
treu arbeit bel der stat gelassen, s,»lleli alh- son- I glaubêns zu declariren und die gebrechen, se 
- da(in sein, zu beschen verpflicht sein. 
abent nm'h n«,tturft und erkalitlHlS d,-r v,rsteer I .),lan s,ll auch den dienern der kirchen ein 
vcrsehen werdcn, doch s,ll ein je,le(, der das 
jedern nacll gelegenheit des uber einkomens und 
almus fordern will, ein zeichen auf seinem roke [ verdinsts tus dem kasten lonen und fur ihre muhe 
zu tragen verpflicht sein. 

Es soli auch koin gel( durch die verordenten 
aus dem kasten gen«,men und einem hausarmen 
oder andern, es se| dan, das ers gr(,s benotigt 
und lauwr umb g, tts willen begert, mitgoteilt 
und gebell werden, welchs sich nicht weitel-, dan 
von eiller woche zur andern, wie «,bea angezeig h 
erstreckeli soli, und sons( keillem irk eille gelmnte 

vergeltung thun. 
Wo auch initier zeit in diser schrift 
mangel, demi( jetz ze vil oder ze wenig fur- 
geschla.'_'en, erkant wurde, sollen der ersame rat 
mit wissen de( hem sclleppen sampt gauzen ge- 
lneindell, dasselb alweg'e zu mindern und ze mern, 
macht haben. 

20. Visitations-Abschied fiir Kiinigsberg-Liibenicht. lb$b. 

[Aus St.-A. K6nigsberg, Fol. 1280, Nr. 2.] 

......... [lm Abschnitt iiber das Schul- 
wesen :] 
Actiones (omoediarum. Aile die- 
j«.nigen, welche com,»edien agirell w,dlen, sollen 
aufs erste v-r dell herrn pfarrer verwiesen werden, 
,le( dailll die comoediam vorhor% oh sie zuliissig 
-dcr nicht, zu iibersellel, fur allen dingen aber 
sollen sie den u|)erfluss der teufel und narrell, 
sonderlich aber die gai" abscheulichen, ]lsslichen 
und erschrecklichen larven, auch schandbaren 
possen gtnzlich abgeschafft und se wohl dem act.ri 
als sonsten lnanniglich sich mit dergleichelt bel 

strafe nicht finden zu lassen, ernstlich eingebunden 
und bef0»len werden, darauf sonderlich der biirger- 
meister in den stiidten achtung und anfsicht haben 
zu lassen. 
Gregorius besungenl). Den Gregorius 
soll ausserhalb selnes kirchspiels keine stadt zu 
besingen besuchen, ohne was die herrschaft zu 
schloss |st. 
.... Gebiiude .... Inventarien .... Be- 
griibltissordnung .... 
) Betrilft ,'Schulauffuhrungen ara teorgstage. 



Begrhbnissordnung fhr Ki;nigsberg-Altstadt  on 1585. |45 

Verordnung der kirchenviiter, wie es mitder I Kirchenstiillle. Es soli kein kirchen- 
rechnung ira vordern und hindersten l'ossgarten [ glied macht haben, seinen stand oder gestiihle 

hinfiiro gehalten werden soli. 
Der herreu visitatoren befehlich 
au die schnlzen auf den flirstlichen fret- 
heiten, be]angende die zu]age der kirchvndiener. 
Veto 8. Juui 1585 [betrifft eine Zulage an die 
Pfarrer]. 
A la s c h e i d e auf einlaringuug der s«hulzen 

einem andern zu verkaufell. [la er aber den- 
selben nicht selber be.sttqv.n, ondern einen andern 
zu besteheu verg6nn«.n w»llte, 2o se, Il ihm seiches 
bis zu seiuem lobentag wohl fret sein. Nach 
eines jeden rodes aber, welcher ein stand oder 
stuhl gehabt soli d.rselbigc stand durch die 
kirchenviter, weil eiu jeder stand an niemand 

auf den ftirstlicheu abscheiden vegen des d,bboltén I anders als an die kirche austerben und gefallen 
jahrgroschen. Vom 9..luni 155. kann, doch ver fremde den niichsten freunden, 
[Die Schulzen anf don fiirstlichen Freiheiten, I wofern ste es begehreu und clic. kirchenvtter des- 
beider Rossgarten, Sa«kheimuud Traglmim, habéu halben ersuchen, wie in andern kirchen alhier 
gebeten, ihre Griinde ,mit beschwer" zu x er- briiuchlich verkauft und das gel( verrechnet 
schonen, sich dagogen erboten, j/4hrlich Mann I werden. 
und Weib den Jahrgr¢schen d,Tpelt zu gelaen, lnventaria nach der kirchen-und schul- 

Dieses Anerbieten nehmen die Visitatoren mit Daltk 
an und befehlen dle Ausfiihrung dieser V-rpflich- 
tung. Zxvei Umgiinge finden jihrlich star(, uach 
Michaelis und nach llstern. Michaelis gi.bt jeder 
Wirth 2 uud jede Wirthin 2 gr.» na«h lstern 
zahlt jeder Wirth, jede Wirthin, und tïir jeden 
Kopf IGesinde und Kinder) auch ll()ch je 2 gr.]. 
Gemein«r abschied dor kircheltvit«r, 
gegeben deu 2..Ïuni 1585, pfenitig zinsen zu 
IBetritt't die Abl¢isUllg von Kirch««tzin:cn, die 
auf Giitern liegen. Dcr Ziusfuss betrug bisher 
4 °[o; w«,llon die Schuldnor diese Zinsen abliisen, 
se soli das Capital s,fort wieder auf (rundstiicke 
(und nicht anders) ausgeliehen werden, aber nur 
zu 6 %.] 

diener abzuge zu fordern ...... 
Verbesserung der kirchen- und schul- 
dienr bes, ddung ...... 
Der schi|ler quartalgeld. Weil si«h 
auch «,fters zutriigt, dass di sehii]r kaum 14 tage 
in der schul en ,der ganz kurz ver endung der 
quartal herausg(.n«,mmen werden, dal,er den schul- 
divnern w)n dn quartalu riel abght, se)s, dl bin- 
thrt kein knabe ,ler 14 tae in der schule ge- 
wesen, das quartal nachgelasse», s«,ndern seine 
eltern oder ,lie iiber ihn zu gebieten, durcit hilfe 
«les herrn btirgermeisters dahin gebalten, datait 
auf solchen rail das voile quartal d-r schulen ab- 
legen. 

21. 

0rdnnrg, wie es bel den begrebnnssen gehalten werden s011e. Fiir Ki)ni,.-sberg-Altstadt. 15.bb. 
[Aus st.-A. KOnigsberg, Fol. 12S0, Nf. 1, BI. 87 ff-1 

Obwol se eigendtliche gewisse stuuden, wan 
man die leichen begraben und zut" erdten be- 
star(en selle, nicht wol anzuordénen, ans nrsachen 
sichs ofte zutregt, das bissweilen mehr als eine 
leiche zu be.tatten angesagt wirdt, se, s, llou d,,ch 
insgemeine die begrebnusse umb 12 un,l 3 uhr, 
wie bisher brétichlich gewoséu, nach gelegeuheit 
und sonsten, datait volgender gestalt gehalten 
werden, nemblichen 
S«lbald die ange.etzte stunde k«,mbt, s,»ll man 
anfahén zu leittten (in welcher zeit de. leiittens 
sich aile diejénigen, se zum begrebnus mitgeh(.n 
wollen, samblen k¢innenl und stracks darauf nach 
aufgeh¢irtem le|itt«.n die kirehen- schueldiener 
und knaben sich l'tir «las haus, darinnen die leiche 
stehet, im proces êingestellen. 
Und se jemandts den schueleren etwas au 
gelde oder wegken ausstheilen wil. sol s(dche 
niemanden verbe(en sein, alleine das es fiir alh.n 
dingen aise datait gehalten und in dente di. 
herren kirchen und schueldiener, se wol die liebe 
jugent, zu ihrer morklichen verterblichen ver- 
 e h I i  g, Kireheaorduaget. IV. 

seiimnus, s«,uderlieh hei ungestiiemen kalten un* 
liistign ungowitter, nicht ufgehalten uud ver- 
zOgert sondêrn mit dem austheilvn aise gefordert 
werdon, das s,,l,ald ,la erste pahr knaben das 
hau.-, darii,ne &'r verst«rbe(, ligt. erreichen, uff 
beden seiten 2 pers,,nen mit den, gelde «)der 
wegken st-lien, die aise .hne wrhin,lerung und 
verz/igorung gleich ira durchgehen, den knaben 
austh«ilen, datait der l,r,cess d,,durch nicht uf- 
gehalte und v«.rzigert wer, le. ,,bald nun der 
pr, w«s, dur«h orw(.hltt(. 2 pers-n'n durchgaugeu. 
s«d alsbald darauf die leiche nf die ga.-se gelaraclat, 
mit den christliche geengen ein anfang gemacht. 
n, it derselben .,tark f,,rtg«ganv.en, und nf niemau- 
den Id(,ch die horrscllalt au.,g.ll,,mnton), er set 
,,ahe v.rw:,ndt o(lor sonst,.n zut begrebnus ge- 
b'ten, wie 1,isl,.r, zu grosser w.rdrisslicher ver- 
saumbnus bisweilen gescheh.n, gewartet a erden. 
Wer nun in soh.hem gange noch einmal das 
leiithen begehret, deme stehets umb die ge- 
biier fret. 

Kein umbseheukeu oder trinken sol v,'e,l,'r 

19 



146 Das Herzothura Preussen. 

den gebetenen, noch auch den knaben, viel I werden, so solle die leiche von der stadt schuelern 
weniger den lenters, todtengreber, tregern oder [ do sie gestorben, bis an der andern stadtgrenitz 
andern, wie auch den bettleren {ausgen,mmen. [ gebracht werden, welche alsdan fur sich weg 
was man ine an glde oder br,dt aus gutem gehen, der andern stad schuellvr aber dogegen 

willen reichen lasson will) forthin mehr uf der 
gassen nicht geben. 
So soli auch nach verrichter begrebnus in 
des verstorbenen hause der tre»st mit dorn trinkon 
essen, sermonen ) oder gastreien halten, welc|ls 
ein heidnischer brauch, und under christen nicht 
sein s«,lle, durchaus gentzlichen abgeschaffet, die 
vom lande aber etwan zut begrebnus verschriben, 
hiemit nicht gemeinet sein. 
Wen eine leiche aus irkeiner statt aufs land 
gefiihrot wird. und die kircheu und schuldiener, 
sambt den schuellern, dieselbe his vors thcJr mit 
gesingen zu beleiten, aus einer, zweieu oder Mien 
dreien stetten begehret, und gefordel-t werden, so 
sollen jo,les males die negsten vor d«.r leiche 
gehen, und die gesenge bis vc»rs thor verrichten. 
nemblich dio kirchen und schueldiener sambt 
den schuellern derselben star, darinnen der mensch 
gestor|,en ist. 
Vor solchen gang s-lle den kirchen- und 
schuel,|ieneren einerjederen star, ins-nderheit wo 
mohr als einer stat krchen und schu«.lldiener be- 
gehret und gefordert werdon und mitgehen, ge- 
geben werden, nemblich 8 /[. Thut von allen 
3 stetten 2 /. 
I)iese 8 .,¢( s«»llen volgendergestalt in dieser 
»tatt vertheilet werd«-n : 
I -g dem pfarherr, 
2 ./1 jederem caplane 1 
1 / dem schuelmeister, 
1 /' dem cantor, 
/z g dem llttauschen oder polnischen prediger, 
welcher mitgehet, 
21/ «1 ftinf schueldienern, jederm [ 
Summa 8 /. 

Fiirsten begrebnus. 
Wêil bishero gleichw«dl ein gerines, nemlich 
jederer kirchen 3. auch nurth wol 2 .//. w»rs geleiittê, 
v,n fiirstlichen begrebnussên den kirchen gefallen, so 
wird Fir.-tliche I hn'clllaucht zu ders«dhen gnedigsten 
wilb.n und eigem'n fiirstlich«n erklêrun, under- 
th«qligst himbgestellet was sic nf s-lche felle, 
,lie der alh.rnechtige gott zu langen zeiten gnedigst 
verhtiettell w.lle don kirchen dissfals gnedigst 
zulegen w,llen. 
Ingleichen, wenn eine leiche aus einer stad 
in die and«re, auch woll iii die 8 oder aber auch 
von schb,sse, oder von der freiheit (ausgenonlmen 
die hohe obrigkeit) solle getragen Ulld begraben 

) Ira Text steht ,Sermen". 

fur die leich treten, dieselbe bis an der dritten 
statt grenitzen bringen, do sie dan derselben 
stadt schueler wieder annehmen, besingen und 
als«, bis zur begrebnus bestetigen sollen. Wie solches 
von alters hero gebruchlichen gehalten worden. 
Die unkosten sollen wie sonsten von einem 
XB. burger gebruchlichen gegeben und ge- 
liommen werden. 
Ists aber eine furnebnie person gewesen so 
stellets bel der freundschaft gefallen, was sie 
daruber zulegen wollen. 
Ingleichen, wan auslendischer verstorbener 
fiirsten halben, zun ehren und gedechtnus ge- 
lauttet wirdt, was jederer kirchen insonderheit 
dafiir zu ordenen. 

Unkoste.n, so in der altenstadt K6nigs- 
berg uff die begrebnus gehen, und wie 
es dalnit hinftiro gehalten werden solle. 
lter kir¢hengebiier. 
20 /" sol man geben der kirchen von einer leiche, 
die uber 12jahr alt ist und in die kirche 
begraben wirt. 
10 ./ von einer leiche under 12 jahr alt. Ein 
fremder giebt duppelt. 
8  von einer leiche uber 12 jahr alt, uffn 
kirchhof zu legen. 
4 .4 von einer leiche under 12 jahr alt. Ein 
fremder giebt doppelt soviel. 
1 I6 vor die grosse glocke zu leiitten, so of-te 
die geleiittet wirt, jedoch soli das leiitten 
uber eine viertel stunde nicht weren. 

610gkners und der leiitter gebiier. 
5 schillinge dem gltigkner, sein gebiier, von der 
grossen glocken, sie werde eins oder zwei- 
mal geleiittet. 
12 schillinge dem gl/ickener fiir die bestellung des 
begrebnus, davon gibt er der umbieterschen, 
welclle v«,n der bahre die bulten oder 
laken abnimbt, und dahin ,. geh/ret wieder 
antw.rtet. "2 schillinge. 
80 schillinge den leiitters, si ifte sie die grosse 
gl,,ck leiitten. 
11 schillinge dem gliickner fiir die kleine gloke 
dafiil, mus er das leiitten selber verrichten. 

Der .chuelen gebiier. 

1 ./( 1.* sch. der schuelen, solches wird ausgetheilet 
dem schuelmeister 8 groschen, 
dem cantor 7 gr., 
iederem caplan 2 gr., hut 4 gr., 



Lyck. Visitations--bschied von 1579. 147 

dem littauschen prediffr 2 gr., 
vier schuelgesellen jederem 4 sch., 
dan der ober.,te scl,uelgeselle bat 
vou den Funeribus uichts, weil 
ime seine bes-ldung verbessert 
worden. 

, Der treger gebiier. 
1 J den tregers von einer l,ers,n uber 
12 jahr ait. 
10 gr. von einer p.rson under 12 jahr ait» 
3o in dot alten stat begraben werden. 
1 «/ 5 gr. v.n einer pers-n uber 12 jahr alt. 
12z r.r. v,n einer per.on un(ler 12 jahren ait, 
so uffm Steinthamb begraben xverdon. 
5 gr. v,m den kleiuen kinderen, die der 
gl«ikner oder ein ander alleine treget 
in der Altenstat. 
t; gr. aher wm kinde ufn 8teintham zu 
tragen 
12 gr der umbiettergchen. 
4 gr. dem cah-anten da grab ufm kirchhc, fe 
obcu wieder zuzubruken. 
2 gr. vc, n denon aber so under 12 jahren seiu. 
1 4 dem statmetirer, xvan er einen gr.ssen 
grabstein in der kirchen abhebet uud 
wieder uffle;et, darzu er sein eigen 
instrument und hiilfe braucht. 
10 gr. von kleinen fliesen oder steinen. 

Des todtengrebers gebiier. 
15 gr. dem todtengreber, bei winterszeiten. 
nemlich von Martini an bis u|'Ostern, 
von einem grossen grabe einer pers,»n 
uber 12 jahr ait zu graben. 

7/z gr. von einer person under 12jahren ait. 
10 gr. von Osteren ahu bis uf Martini von 
oinem grabe einer pers,,n uber 
12 jahr ait. 
5 gr. von einer pers,,n under 12 jahren alt. 

Zu .t..Nicla. uffen %teinthamb. 
 ./g der kirchen vou einer ],erson uber 12 jahr 
ait, se in die kirche begrabeu wird. 
4 .,/ was under 12 jahr ist etc. 
2 .// von eiuer aiten perse, n, se im sarge ufn 
kirchhof begraben werden. 
1 .. von einer pers,,n, was under 12 jahr ait 
ist etc. 
Die fremden gebens duppelt. 
Aile diejenige, welche ohne sarge ufn kirch- 
hof begraben werden, habetts erdreich frei und 
dirfen der kireh«n nichts daftir geben. 
Uber diese Ver,,rdnunff s-Il, wie ,bsteht, 
weder den tregers-]eiitteren, t«,dte«greberen, um- 
bietteren, noch auch ant.leren, se» in sol«hen felleu 
zum begrebnus gbrauchl werd,-n, nichts an esseu, 
trioken, n-('h einige. triugglt g-geben werden, 
sonderen ailes abgeschafft soin, un,I sich oiu jeder 
an deme wie obberi|ret und ver,rdenet gentiegen 
lassen. 
Hann. Rautter, Burggraf. 
Me]cher von Kreytzenn. 
Benedictus 3[orgen.tern. 
Sebastiauus Art,»medes. 
Justus Hedio. 
Christ,f Rabe. 
llaus 8chni|rlein. 
Laurentz Sclaultz. 

Lyek. 

Zut C, eschichte der Kirche von Lyck vgl. Horch, Chrmfik der Sta,lt Lyck. in Be- 
richten «les K6nigl. (;ymn. zu Lyck. 1859, S. 12 ff.; 
die Kirche zu Lyck und die Einweihungsf, qer (ler neuen Kirche ara :. A,lvent 1,'35[. Lyck 1851. 
Dort ist aber fiir unsere Zwecke el,enso wenig zu fin,len, wie ilt einer ,hands«hriftlichen 
Chronik" ira Kirchenarchive. die rait dera Jahre 1564 beginnt (tlep,nirl im St.-A K,;nigsberg). 
Dagegen bietet uns die Visitati«)n von 1579 mit dem Abschiede gute Einblicke. [)er Abschied 
veto 7. Novbr. 1579 wird hier ers|malig aus dem ,'5_t.-A. KSnigsberg. Fol. 12,'5_'3, 131. t_;7 f. aus- 
zugsweise rait,,.,etheilt. Vgl. ohen S. 16. 
Zur Sehulgeschichte vou Lyck vgl. oben S. 28. 

22. Absehied der kirehen zut Licke durch den herrn Pomesanisehen bischof Johannem Wigandum nach 
gehaltener visitation den 7. Nov. Ann« 9 erlassen. 
In dieser kirchen ist pfarrherr der wirdige I kirchen ftirgestanden, ist auch dnrch den herrn 
ehr [tierouymus Maletius. Hat etz[iche jar der,[ Pomesanischeu btsclmf Dr. Joh. Vigaudum zum 



14 Das tlerzogthum l'reussen. 

t,rzpriester verordent und |st mit fleiss vermanet st,in; um sieben schlege soli aile zeit und one 
wordel,, hinfiirder don jiingst gegebenen abschied enderung die deutsche pl'edigt gehalten, weil vide 
in mehr acht zu halten und s«,nderlich soli er deutsche v,,rhanden, veto pfarrherrn oder schul- 
allen fleiss ftirwenden, das seine zuhirer in dt,n meistt,r bis auf acht schlege. Um 8 uhr soli die 
ri|nf stticken dt,s heiligen catechismi besser unter- andere p,,Inische predigt, aise das die ceremonien 
richtet werden. I),.l'wegen er denn aile sontage ] bis halbwege 9 gehaltt,n werden Da oll der 
fiir der predigt den catechismum fein lang.,ani l,farrhrr auf den prdigtstuhl steigen und halb 

und deut]ich ftirsprechen, anch in der mettt,n dt,n- 
st,lben stiickweise t,rkliiren s,ll; Mie jahr soli er 
neben dem caplan seine kirchspielsverwandte be- 
suchen, ira hellieu catechismo, b,.ide jung und 
ait, gesillde, paul'eU, il,stleute, gcrt,,er, hirtt,n ver- 

z.hn die predigt endt,n und lficht liber eine 
stunde i.rt,digt,n, das die folgênden ceremonien 
um 10 schlt,ge gar aus sein. 
Den (.atechismum nach dem text soli der 
pfarrherr alle sontage auch auf den predigtstul, 

lloren, die unwisst,nden rein fl-eundlich untel .= t,he das vangelium abgt,lesen wird, nur nach 
riehten, was ein jeder kanh v(.rzcichnen und ail|, [dem text erzclen, weil wel,ig leute denselben 
jar ein verzeicl, niss tien h«.l'rn bisch«,f tibel'.rl,i('kel, knllen. Item. I)el" pfarrherr se, Il allewege mit 
und"dt,n andern past«,l'ibus, se sint,r inspekti,m [ ht,irhte sitzt,n und h;ren, t,s seind wenig oder 
befohlen, soli er gleichervestalt alle jahr |,in vit,l, auch dit, krankn mitbesuchell: ira umziehen 
register ihrer visitati,n abf,,rdern ul,d mit gel«gcn- s-Il dt,r l,lhrl'herr |,in acht rage. der caplan die 
ht,it d+m herrn bischof iihel-s('hickt,n. Die srhule [ all<lel-n acht tag llmziel,t,n und die leute die 
s,,ll t,r gleichergt,stalt aile jar zweimal vi.,itil't,n |'iiuf stiicke de,- catechismi vêrll;ren und fleissig 

und aile jar zweimal iii kegenwertigk,.it fln'nêmel'. 
leute examen halten. 
Besoldullg. Es werden ihm zu jiil'licht,r 
bes«ddung. 1|)thlr. VÇil er aber viele se»hue 
zum studiren aufzeucht, und sunsten der kirchen 
mit vertirt,n in das Po]nische dient, s«,ll er noch 
10 thlr. j:,ihrlich zu einer besoldung haben. 
Acker. Er hat auch 4 huben ackers, die 
er seines gefallens zu gebrauchen. 
Wiedem. Die wiedenl |st ziemlich erbaut: 
dt,sg]ichen auch die zugt,h6rigen scheunen, 
s«huppen und stille. Soll durch die kirchenvitt,r 
gut acht darauf gegeben werdt,n, datait mit zu- 
thun des gallZt,ll kirchspit,ls seiche gebiiudt, ira 
wesentlichen bau el'haltell und dit-zaune gemacht 
werden. 
ll'ennholz. Muss er sich st,lbst bt,schaffen. 
Behausung fiir einen altell pfarr- 
herrn. Es |st hierzu ein garten gekauft, ltol'- 
st,lbe hitte bebaut werdt,n sollt,n, weil abt,r 
seiches m,ch uicht gt,schehen, se,Il «lit. stt,tte, weil 
son.tt,n nicllts dazu |st. wiederum verkauft und 
mit dem erl/ise eill lliu.-h.ic mit allem zubeh«»rungt,n  
neben dcm spiral .... el'kauft werden. 
f'apl a u ha| eim, ziemlicho wonllng', nt,ben 
scheunt,, stal] und gel'|loin, 
Vie es mit dot predigt hinf,,rder 
zu haltên. Mit den predigten s«dl es also ge- 
ha]teu wt,rdt,n, das frue die met|en gêhalten 
werdt,, darin die fiinf stiick des catechismi nach 
dem text fiirgesagt werden und |,|lies nach dom 
andern erkl«rt, auch ein cap|tel aus der biblia ge- 
lesen wêrde und soli fur sieben schlegên aus 

) Z. B. hat er die Kirchenordnung van 1.56 tiher- 
stzt: vgl. obên S. 2.-,. 

aufschreiben uud detr bischofjiirlich iiberschicken. 
auch soli der pfarrherr einen sontag, den andern 
der kaplan messe und das amt halten, aile hohe 
leste aber soli der pastç, r das amt haltên, der 
caplan die andern tage. 
Schulmeister. [Georg Freitag; er soli 
fleissig den catechismus treiben, dem pfarrer gê- 
horsam sein. es s,II auch zu jederzeit der schul- 
meister, der gelart und beider sprachen kundig, 
mit VOl'wissn des herrn bischofs angenommen 
werden. Bes«,ldung: 55 mark. Brennholz: Jedes 
d«,rf se, Il ein fuder h«,lz zur schule liefern.] 
Cantor. Datait del- jugend desto besser 
miige |ïirgestanden werden, soli jederzeit ein ge- 
larter gesellt, und gutt,r musikus fiir einen cantor 
angen«,mmon und gehalten werden. Besoldung: 
35 mark. 
Begrebnus. Damit auch ein jeder wissen 
mag, wi- os mit dcm begrebnus gehalten wêrden 
soli, i.-t erstlichen vêrol'dent, dass sie ihre todten 
rein erlich zur erden hestêttigen und ordêntlich 
der leichen nachf,,lgen. 
Wer auf dcm kirchh,,fe bel der kirrhen be- 
graben wird, soli ein jeder person veto begrebnus 
dt,r kirchen zu gute 15 sch. geben, in der kirchen 
fiirs begrebnus der kirchen zu gutê 2 mark. Dem 
schulmoister uud cantori zusammen von leu|en 
und siugell 30 sch. Auf dem andern kirchhof 
aber zu begrabt,n, sol ein jeder man frei sein, 
doch das aile t-tt,n Vol'ber dem pfarrherrn an- 
gezeigt und mit se|hem vorwissen begraben 
werdeu. 
K i r c h e n v e t e r. [Namen der kirchenviiter.] 
Diese kirchenviter sind von neuêm bêstellt und 
zu ihrem amt vêreidigt. 
[Griildliche Regelung der Kirchen- 



Marggrabowa. G«,ttesdienstordnung von 151. 1-19 

register. Besondere fiirsc, rge ist attf den d,'cem [ Die kirchcnrechnung mit eingaben und aus- 
zu richteu.] I gaben se, Il jiihrlich abges«hlossen werden. 

...... sollen die kirchenviiter alle jahr sich ] 
eines gewissen tags vérgloichen, demselben mit 
eine woche, drei oder vior durch don pfarrherrn 
von der kanzel abkiindigen und mit fleissig, dass 
oin jeder sich mit seinem decem getitst mache, 
die leute vermahnen lassen. 
Mittlerweilen sollen die schulzen und radt- 
leute oin ioder bei seinen nac],l,auren den «iecem 
se wol auch vert gesinde, instleute un«l gertuern. 
hirten, zu haufe samlen und keinen schuldig 
bleiben lassen und auf ernentcn tag don kicheu- 
vetern, die alsden neben don, pfarrherru bei ein- 
ander sein sollen, denselben volkommlichen iiber- ' 
antworten. Ira fail aber. das ir keiuer sich kegen 
die sehulzeu und radtleute uugeh«rsam erzeign 
und sein ffebur nicht ablegen w«,hen, dieselben 
sollen fur angesetztem rage don herrn haul,tmann 
angekiindigt und durch ,ien.«.lben zu g-h«,rsanl 
gebracht werdon ...... 

Wenn ,ler d«cem, auch was gef«llt v-n ,lor 
tafel, gins von g«lde, v,m begrebn.s, von benken. 
v«,n allen schulden uu,l in summa allos, was ,let 
kirch«l/ s«lbst zustandig ist, alo -r«lntlich ein- 
gemant nnd wrzic]met, don kirchndi,.nrn auch 
ire b«soldullg gereicht und elne sulnma g«ldos 
ahrig bleibt, s,,ll dasselbe mit orwissen und radt 
des herrn ha,,l,tmann gewissen leut,.n auf gnug- 
saine versicherung, handschrit) und bfirffs«haI aus- 
gothan und jarlichen davon vert ioder mark 1 g. 
zur besserung gefordert md dasselbo» wie ge- 
meldet, zu rogister gebracht werd,.n. 
[ltie Kirchel/Viiter erhalten jahl-lich fiir ihre 
Mihe als .eine ergotzlichkeit" I mark aus dem 
dorera, der Registerschreihor erhalt 2 mark. Den 
B,.schluss ,les Abs,'hie,les hil,let eino Waru,ng an 
dio Kirt.hsl,ioivorwandten ver ,lem l'al,stthum , v«,r 
Ab,-rglauben und «lio El'mahnung zu eill- ,«.dent- 
 lichen, gottesfrchtigen Leben.] 

Margg'rabowa. 

Fat" dieses I,;irchsiJiel ira Amte (}lezko wl.lr, le altt 1;. Mai 15.sl v,m Bischofe Wiegand 
bei der Visitation eine /}r,lnung getrofl'en, wel«he hier auszugsweise arts St.-A. Ki;nig.berg, 
Fol. 12s:'4. BI. 525 ff'. mitgetheilt wird. Vgl. cA»en S. 1;. 

23. Gotte.sdienslt, rdnung. Veto 16. Mai 15.,1. 

Es ist dem pfarrer auferlegt, ,.dass aile son- 
tage in der metten frue (.in capitel aus dr bibol 
gelesen und bald darauf oin kurz summa d,.s- 
selben capitels auswendig «,-zelot s-I worden, 
darauf «las gebote gesch«he. 
Nach der predigt «les evaugelii s,,ll ,le," 
pfarrer alzeit fiinf stiick clos ca/echismi der ganzeu 
kirehen vorsagen; nachroittage als in der vesp,'r 
sollen abermals die fiinf stiicke des catechismi 
erzelet werden vo» wort zu wort und s,,l d,'r 
eaplan darauf alsbalde eiu sttiek des catechi.mi 
auf eine halbe stunde rein verstindlich erkliiren 
und aise aile sontage fi, rtfaren, datait die h.uto 
nieht allein die fiinf stiicke lernon, st,ndern anch 
recht verstehen mugen. Aile mittwochen soli der 
pfarrer oin predigt thun und irgond ,in el, istel l'auli 
ver sich nemen und dieselben nach einandor er- 
kleren; er soli aber oin halb sieben leuten lassen. 

um siobeu ur dio l,redigt anfangen, das es um 
acht ur aus s+'i und nur auswendi e l,rodigen. 
Aile freitag s«,ll man ,iie litanei singen, wie 
es l t. Iuther gemacht und nicht reimweise, and 
s,,lln zwet «,,ior droi knabon furm altar knien 
,,der singen, darauf der cap«lla, oin kurzon serm«,n 
a,,swendig tun s«l} ...... " In ceremonieu soli 
er nichts noues aufngen und aih" zeit, wenn 
comnunikante v,»rhan,len, das messgewand ge- 
brau(-he, die lichte ant ahar lassen anziinden 
uud da keiu, c-mmunikanten «n'laanden. don 
ch,,rr,,ck aile zeit auf die s«ntage gebrauchcn. E 
soli auch seine i, redigt hinfiiro ni«ht aus d,'m 
huche lcsen, son,lerl di," woche iiber stndiren, 
datait er seine l, redigt also mache, dass die leute 
etwas daraus lernen uud helaltvn mugen. Die 
bei«ht soli er selber mit helf,.n verh/irou und 
einen jeden insondcrhoit absolviren, s,,l auch die 
kranken mit heltçn besuchen. 



lî, tt Das ]lerzagthum Preussen. 

Marien werder. 
Toel, pen. ç, esch. der Stadt Marienwerder. Marienwerd,'r 175. St.-A. KSnigsberg; 
Kiv,'henarchiv Marienwerder. 
(;l,er ,lie Visitatit,n un,l den I:,.zess von 15st; vl. ol,en S. 18; vgl. auch S. 
Frit die Stadt .Marienwerder evliess ;eorg I:viedrich ara 25. April 158 eine Conlirmation « 
tvgl. ,,I,en S. 27. welchë ('ramer in seinem ..Urkundenbuch zut Geschichle des vormalien 
lfisthums I'.nwsanien" in Ztschr. (les hist,,r. ;eschichtsvereins fitr den Regierungshezirk Marien- 
ter,lr, lssT, S_ 374fl. al,gedru,'kt hat, un,1 der wir fi)lgende Bcstimmungen entnehmen: 

Vc, n gc, ttes gnadcn, wir {Ie-,i'g Friedrich u. s. w. 
Erstliehen. weil ra/hsherrpn au der .,.tatt 
g,ttes sitzen, s, sc, lh.n sie fiir alleu dingen ge- 
treue pflgvater der kirchen und schulpn sein, 
»,,Ih.n sch vlpissig zur kirclwn halten, g«,ttes w,,rt 
mit andacht ho, re'n, die i,redigt mit grassem 
ergernus der gemeine nicht verseumen, des leil,es 
und bluts f'hristi off brauchen, das heilig mini- 
sterium ehren, darin aber niehts v,,rm:men und 

Conlirmation der sta{lt ,iarienwerder. Vom 25. April 15S. 
,let ganzen btirgerschaft mit gottseligem leben vor- 
gehen ...... 
Biirgermeister und sein college. 
....... 5. Auf seine rathsherren, kirchen- 
und h,,sldtal-vorstehern, schnlherren und aile amts- 
tragende pers,»nen bel der sta,lt gute aufsicht 
haben, wie iren bevolenen embtern vorstehên ... 
9. Auch s-lien aile hohe feste dem herrn 
('hrista zu ehreu die thor bis nach gehaltener 
predigt verschlossen halten ....... 

Memel. 
Sembritzki, Gesch. der Stadt Memel. Memel 1'.-0. 
Memel nimmt an der ;,llgemeinen Geschi«hte des }I,-.rzothums Thei]. Es stand unter 
dem Biscl,[d von an,land. I)ie ,lrei Geistlichen der sta[lt bildeten ein Ministerium. Der 
deutsche Diakomts musste dem litthauisehen aushelfen und umgekehrt. 
In den .labren 15. und 1591 trafen die G,istlichen unter sich eine Ordnung ber die 
Yertheilung ,ler Aeci,lent«,lia. welche 101 und 1657 v.n der Regierung bestiitit wurde. 
I)er Erzpriester wur, le v«m Lamlesherrn ernannt, der Caplan von der Bïtrgerschaft ge- 
wiihlt. Vgl. ,leu Bescheid [eorg l"riedrichs vom 7. Septlw. 15ff. Abgedruckt bel Sembritzki. 
a. a. 11. S. 5. 

Miihlhansen (Kreis l'reussisch-Hollan,1]. 
C,nrad. (]er Ent:t+hung ,les evang. Kirchsl,ie]s Mïflflhausen (Kreis Preussisch- 
Holland in Al(I, reuss. M,,nat,schr. 33. S. 3[5--358; 34, S. 526--583. 
[;cgrtndet wurde die evan. Gemeinde ira .,Umzu.e" von 1526. Es sind fur dieselbe 
zwei Visitations-I:ezesse ira l'farrarchive zu Preussisch-Hol]and erha]ten, der von 1568 (Ven ed iger) 
und der von 1.,78 [Wiegandl. Vgl. AItl,reuss. Monatsschrift 33, S. 305ff. ])er den Abschied 
von 1578 v]. anch [,ben S. 15. l)ort ist ein Stïtck aus (lem Abschied von 157S mitgethei]t. 



Neudbrfchen. -- Osterode. Visitations-Abschied von 1576. -- Sensburg. Gottesdien«t,rdnung von 1581. 151 

Neudih'fehen. 

In Heft 7. S. 81 ff. dvr Zeitschr. des histof Veveins ftr dvn Iteierunshezirk 
Marienwerder ist von R. vol Flanss eine Kirchenovdouo,.z' abgedruckt, welche der Hevr 
Friedrich von der Grtil,en fth" h'eud6rfchen a,, 1. Juni 1639 erlassen bat, ,,nacMem ich die Neu- 
d6rflïschen Giiter kiiuflich an n,ich gelwacht". Die Ordnung ist abgedruckt aus de, Kircl,en- 
Archiv zu Gr.-Tromnau. 

Oslerode. 

25. Visitationsabsehied. 1576. 
[Auszug aus St.-A. K6nigsber. Fol. 1250, Bi. 427. V,..,I. ob,.n S. 14.] 

Auszug: Der l,farr st, Il aile woche mitt- 
wochs predigen ,,and nach gelegenheit der zeit 
sonder]ich im augst etwas frne nm 5 uhr. ohe 
den die leute zut arbeit gehe», anfangen und liber 
eine stundo das volk in d«r kir«'hvn nicht auf- 
halten ..... 
Die wohnung fr einen alten l,thrrherrn bloibt 
bei voriger verordnung. È wird aher der herr 
hanptmann dar«,b sein, datait so]che uns fln'der- 
liehst f«,rtgestellet werde ..... 
..... Ier caplan ..treibt in «h,r stadt st.inc 
bfirgerliehe nahrung",-soli sich mit Biorschenken 
und anderem als«» halten, datait er unstreflich be- 
fimden werde .... 
.Der rath mit zuthun des pfarrers naeh 
einem tfichtigeu sehulmeister zu trachteu, den- 

selben dem herrn bischofo, damit or examinirt 
uud feruer bestetiget wer,lo, zuehickeu. Wvnn 
auch knaben in die sehule /zes«bickt werd«ll, s.il 
er v,,n jed'm aile quartal 1 Sc]liI]ing f-rdel'n. 
«101 armen ai»er ums«mst unterrichten. 
IIrganista Es s«,li vin l'rb. Rath mit be- 
libung dos pfarrherrn nach t.inem ges«'llen trachte. 
der zu oinom twganista zu bestellên nnd aile rage 
aufs geringste zwei tunden in der schule helte 
aufwaren, auch auf dem cher mit-inge. Dem- 
s'lben soli v,n don kirchvtern 2' mark zur be- 
soldung gêrei«ht werden, llie ganze sta«lt 
ihu mit essen Vel'sorg«u. 
(;l¢ickner. Besoldung scchs mark. s,ll zu 
mittags und abends die betegI,cke liuten, in der 
kirche ailes sauber halteu ..... 

Sensburg. 

For dieses Kirchspiel wurde ara 2. April 15,1 veto Visitator. Bisch»f Wieg, nd, eine 
+ottesdienstordnung vorgeschriel,en, we]che hier ira Auszuge aus St.-A. K0nizsl,erg. Fol. 12-4. 
BI. 243 ff. mitgetheilt wird. Vgl. oben S. 1;. 

26. Gottesdienslordnung. 

Die predigten ara sonntage sollen also ge- 
schehen : In der metten soll das evangelium deutsch 
erkltrt werden; ver der predigt aber st,Il ge- 
sungen werden: Veni sancte, Kirie, Allvin gt, tt 
in der hthe sel, ein collecte, darua«h die epistvl 
gelesen werden, darnach: Wir glauben, und s,,ll 
die predigt auf / stundvn oder a4 gesclwl,«n. 
Nach der predigt soli gesungen worden: Erhalt 
uns herr. In der polnischen predigt soli es 
halten werden, wie es itzt gebrauchlich. 

Veto 2o. April 151. 
ei»e predigt thun un,l irgend ein el, i.tel ,";. Pauli 
oder eit ander buch ans dt.r bibel-rdentlichen 
ausleff«q auf ein,. halbe stun,h.. 
In ceremoniel, st,Il er nichts nobles anfaugen 
und aile zeit, wenn Communikanten v,rhanden, 
das messgewand ffebranchen, die lichte atd'm altar 
lassen anziindon, und da keille c,mmnnikanten 
v,rhanden, don ci,,rr,,ck alle zeit die s«,ntage 
gebrauc|wn: item in der tanfi, s-ll er h-n ex- 
twt'ismum laut der netmn kirchonol'dnung, ein- 

Am feiertag soli die litanei, wie bisher ge- ' trechtigkeit in den eeremollien zt erhalten, ge- 
sungen werden, nicht reimweise, sondern wie es brauthen und s,msten in alleu an,lorvn stiickon 
D. Luther geordnet, und soli der pfarrherr daranf derselben ordnung nachleben. 



15;2 Das Herzogthum Preussen. 

Soldau. 

In der Visitation des Jahres 157 (vgl. oben S. 15) gab der Bischof Wie.gand der Stadt 
Soldau einen Abschied. aus welchem nach dem Visitationsprotokoll ira St.-A. K/3nigsberg, 
I.'»l. 121, fidgender Auszug I,ier erstma]ig al,gedruckt wird. Bemerkenswerth in mehrfacher 
Beziel, ung ist der besondcre Abschied tïh" die eingewanderten B5hmen. (Vgl. dazu oben S. 22.) 

27. Visitations-Abschied. 1578. 

Abschied fiir die ]ilhmOlL 
..Weil clic. alten Behmen, se» au.s Biihmen 
vcrtriehen, aile illZVlSCheu verstol'bon und die 
jnugen jetzt aile lmlnisch verstehen, sollcn sie 
sich aile zut ]»olnischen kirchen hahen." 
,ler bt;hmisch«- l'rodiger sell,st zuviobt, dass er in 
der Lehre nicht ganz mit ciel-Kir(-hc des Landes 
iibÇreinstimme» soll :ich Niemand mchr zut biihmi- 
schen Kirche hahen, datait kein Schirna cnt- 
steht; dot biihnlische ]'redig«'r soli se'inc "l'hitig- 
koit ganz einstel]«'n.] 
Ordnung d[-r predigten. 
Es s-lh.l hinfi, rdor aile smtta.g[, drei l»redi;:ten 
gehaltt'n wel'den, eino zu nml'gen fl-u«. die man 
deutsch soli prcdigen und soli darzn leuten um 
sochs schlego fru% und um sieb«'n auf die kanzel 
steigell darnach um acht schlege di(" deutsche 
predigt ganz aus sei. Weltq acht geschlagen, soli 
geleut.t werdon zut l»olnischen l»redigt und nach 
den cercmoniell se,Il man um nem schlogo die 

I p«dnische predigt anfang,=n, das um zehn aus sei 
nnd sollen pfarrherr und caplan die polnische 
l»redigt einer um den andern thun. Nachmittage 
s,II man zur vesper und catechismo leuten, nach 
zw«»lf schlege und um ein schlag auf den predig- 
.mel steigen, das die eateehismuspredigt um zwei 
schlege aus sei. 
Auf den mittwocll se,Il der pfarrherr wie ge- 
wiihnlich die predigt halten, der capellan aber soli auf 
dio freitage eilOl kurzen sermon polnisch thun, 
datait dio christlicho gemeino mit predigten not- 
dtirftig versirget werde. _Man soli auch die 
boichte in der kirchen verhtiren, es were dan, 
das jomand v«,n sich selbst in des pfarrherrn oder 
cal»lan I,aus keme uod daselbst beichten und die 
ab«lution holon wc|lte, so soirs ime nicht ab- 
geschlagen w,=rd,=n. E se, Il auc|l ein jeder in- 
sonderhoit verhoret und absolvirt werden, wie 
solchs die n,,tturft erfordert. 
ltie kranken sollen von den predigern tteissig 
besucht, unterrichtet und getrOstet werden ...... 

Zinten. 

Kircl,en-Archiv zu Zinten. II)el.mirt ira Kgl. St.-A. K6nigsberg.) 
Ftlr die Stadt Zinteo wud+n auf dep verschiedenen Visitationen wichtige Anordnungen 
getr,fien. So tindet sicl, ira Kircheoarchive eitl Visitationsrezess vom lt;. Januar 1543. Diese 
Visitation war noch ,iaduvcl, 1,esoders bemerkenswerth, dass ihr Herzog Ali,recht in eigener 
l'erson beiwohote. Diese Th;tt.:che wurde in d,=n, Rezess der Visitati.n von 1575 ausdriacklich 
hervorgehohen. 
Ier Visitationsrezess. v,m 154:; betrifft ira Wesentlichen nur di,, Ilegelung der Ein- 
ktmfte der Kir«he uml. «les l'far,'ers. Aneordnet wrd, dass man sich uach einem guten 
Tolken tDohnetscher fiir das I'.lnischÇ) m,,sehen solle. 
Itie Visitation v«w 1575 hielt Bi.chof Tilewann Hesshusius ab und gab am 27. Mai 
eio=n sehr grïu,dlicl, gl, alle,et, Al,s«hicd. Vgl. oben S. 13. Ans dem ira Kirchenarchiv auf- 
I,ewal,rten. von H'sshu.,ius eigenhih,dig unter:chriebenen Visitationsal,schiede seien einige Bc-. 
stimmungen n,itzetheilt. 5;eheol,ei bcnterkt ei, dass des l'farrherrn Valenlin Schulz Sohn als 
ltiakon in der I;emql«ie fungirle. 
Uber den Visitationsal)s«l,ied. wqchcr 15s4 for das ganze Amt Balla, zu welchem 
Zinten eh6rte. ergn., vgl. ol,en S. lti. FOr Zinten erging dann noch ein Sonderabschied ara 
lt;. Januar 15si. der abcr l,ier nicl, t abzudrucken is. 



Visitatioas-Abschied fier Ziatea voa 1575. 153 

28. Visitationsabschied, welchen der hochwilrdige herr Tilemannns Hesshnsias, bischof a uf Samland 
Anno lb7 bat gegeben dem kirchspiel. (Auszng.) 

...... Der catechismus Lutheri wird allhie 
auf die sonntage um 12 uhr gehalten und hernach 
zut vesper um 2 uhr von dem diacono gepredigt. 
Hiebei ist dieser mangel leicht zu erachten, wer 
ara 12 uhr den catechismus gehSrt, der wird 
schwerlich um 2 uhr wieder in die kirche kommen 
die auslegung zu h5ren. Darum soli hinftiro diese 
ordnung gehalten werden: den catechismum und 
vesper soli man zugleich halten, um 1 uhr soli 
man anïangen, ein psalmen zu singen; darauf thut 
der diaconus die predigt und erkltrt den catechis- 
mure, ein gebot, articul und sttick nach dem 
andern. Wenn er zu end kommen ist, soli er 
balt fornen wieder anfahen. Wenn der diaconus 
die ftinf hauptsttick dem volk vorsaget oder al» 
lieset, soli er rein langsam, deutlich und verstiindlich 
die worte sprechen, nichts au.lassen, nichts darzu- 
thun, nichts endern, nichts dazwischen reden, 
somit die einfeltigen nicht irre gemacht werden. 
Hiernach soli er auch die auslegung Lutheri tiber 
ein sttick dem volk lasses vorsagen, datait es 
fasse, wer es titssen ktinne. Hiernach soli der 
pfarrer saint dem diacono unter die zuhtirer treten. 
wie er in der visitation gesehen, und die jungen 
lent, knaben und mgdlein, auch dienstboten des 

Wenn aber personen im beisein der eltern 
oder vormiinder sich offentlich mit einander verlobt 
haben, soli sich niemant unterstehen, durch ver- 
trag oder rezess solche vos einander zu scheidea. 
Kein teil soi auch ftir sich das ander lêdig zahlen, 
sondern was fiir irrungen und spaltungen in ehe- 
sachen fur fallen, sollen die parteu in obgedachts 
consistorium bringen. 
Nachdem diese kirchen nahe beim papsttum ge- 
iegen ... [soli der Pfarrer die streitigen Lehrpunkte 
oft behandeln und seine Zuhth-er warnen]. Wenn 
er erferet, das seine zuhsrer so vergessen siwl, das 
sie ire kinder ins pabsttum geben und aussteuren, 
,der das gesinde, so bei u»s gotteswort gehoret 
und das heilige nachtmal nach der einsetzung des 
herrn Christi empfangen hat, wider ins pabsttum 
liiuft und aida unter einerlei gstalt das sakrament 
sampt den papisten nimmt od«.r messe bru'et und 
also fiir ein gliedmass der piibstlichen kirchen sich 
bekennet, hernach aber wider in das herzogthum 
sich findet und das uachtmal neben anderen 
christen begeret, den oder dieselben soli der 
pfarrer nicht absolviren, noch zum tisch des herrn 
gehen lassen, es sei danu, das sie vermug der 
kirchew)rdaung offentliche busse gethan und inên 

catechismum rein aufsagen lassen. Wer die sttick i die schwere sund leid sein lassen, das sie VOll 
nicht kann, den sol er ftir sich bescheidcn und I gott abgefallen und Christnm, den son gottes, 
ihn unterrichten. Er sol auch aile jahr einmal verleugnet haben ... 
die aufm lande und in der stadt besuchen und Aile kirchspielskinder, so wol fiirstlicher 
erkundigen, ob die hauswirt sampt irem gesinde durchlaucht, als deren vom adel leute sind schuldig, 
die hauptstiick des catechismi iiben und h.rnen. I dem pfarrer seine zeune um die widem, gerten 
Er sol auch bisweilen die zuhsrer ira catechismo und sonst, so wol als auch die ricken ) in den 

oder auch in der beicht fragen, wie viel personen 
in der gottheit sind, ob man Christum sol anrufen, 
ob sie das gesetz gehalten haben, wer unser 
heiland sei, womit uns Christus erloset habe, wie 
wir die stittde los, fur gott gerecht und selig werden. 
Welche nun nicht% oder unrecht antw,rten, soli 
der pfarrer eines besseron berichten, auch often 
in der predigt erklKren, wie man nach uud aus 
gottes wort auf solche fragen recht antworten sol. 
Wenn irrige ehesachen furfallen und an den 
pfarrer gelangen, also von heimlic]Jen oder offcnt- 
lichen verl5bnissen von weglaufen oder che- 
scheidung, sol der pfarrer vorsichtig faren und 
auf sich allein nichts nemen, die sachen zu vor- 
abscheiden, sondern mit notttirftigem bericht an 
den bischof auf Samland und an das consistorium 
zu Ksnigsberg zum ehcsachen retordent, remittiren 
und weisen, indes aber stille halten und absehieds 
vom herrn bischof und eonsistorio erwarten. 
[Es folgt eine Warnung vor heimlichen Ver- 
ltibaissen] 
 ehl i n g, Kirchenordnungen. IV. 

feldern zu machen und in baulichem ween zu 
behalten, solchs vermug nicht allein ,lie aire 
l)reussische kirchenordnung, sondern aufeinhelligen 
beschluss und verwilligung einer ganzen erbaren 
landschaft auf dem rastenburgischen landtag ver- 
glichen . . . 
[Die Pfarrhuïen sind als Kirchengliter von 
allen La.ten, Wege-, Brticken-, Bau-Beitritgeu. 
w,m Hirtoni«,hn usw. befreit. Der Pfarrer erhiilt 
,wie in der visitation anno 1543, welcher sein 
ftirstl, durchlaucht zu preussen zu eigener person 
beigewont, verordnet und noch bei vielen kirchen 
breuchlich" von jeden Kirchspielskinde ,vom 
rauch ein fuder holz". Ein Haus fiir den alten 
Pfarrer ist vorhanden. Die Kirchenviiter sollen 
mit Rath des l'farrers erkoren und von den 
Lehnsherren vereidet und bestiitigt werdeu.] 
[Die folgenden Vorschriften iiber die Kirchen- 
viiter bieten nichts besonderes. 1 
In unserer preussischen kirchenordnung ist 
) ricken -- Einïriedigung. 
2 



1M Das Herzogthum Preussen. 

bestimmt, das der decem und rauchgelt nur zur 
erhaltung des seelsorgers solle verwendet werden, 
solches ist auch in diesem kirchspie.le von ntiten, 
weil dasselbe nur geringe und der decem nicht 
zureicht, das man den pfarrer davon erhalten 
ktinne. Darum wenn etwas in der kirchen oder 
wiedem zu bauen, werden sich die kirchspiel- 
kinder zur billigkeit erinnern und sich nicht 
beschweron, zusammen zu schosset, damit was 
notig ist crbauet werden mtige ... 
[Es folgen Vorschriften tiber die Behandlung 

von Vertchtern des gtittlichen Worts tlber das 
Hc, spital und das Begrlibniswesen.] Und ist dem- 
nach von tlbelstand, wenn der verstorbenen 
Christen beine auf dem kirchhofe zerstreut liegen. 
sollen derhalben pfarrer, schulmeister und kirchen- 
viter solches nicht gestatten, sondern verorànen. 
wenn die totenbeine ausgegraben werden, das sie 
entweder in die beinheuslein zusammengelegt oder 
wenn keine beinheuslein vorhanden, wieder in die 
griber gethan utd also die erden wieder zu erden 
werde ...... 



POLEN. 

DIE EHEMALS POLN ISCHEz LAS DESTHEILE 

DES KON[GREICHS PREUSEN. 

2(* 



A. DAS FRCIIERE ORDENS(EBIET. 

Litteratnr: Preussische Lieferung alr und neuer ITrkunden, Erirterungen und Ab- 
handlungen zur Erl/iuterung der preussischen Geschichte und Rechte ftr a]]erlei Leser. Leipzig 
1753 ff.; Hartknoch, Preuss. Kirchenhist«,rie. Frankfurt a. M. u. Leipzig 1¢;,q6; Friese, 
Beitrë, ge zu der Reformationsgeschichte in Po]en und Lithauen. P, res]au 17ti; v. K am ptz, Die 
Provinzial- und statutarischen Pechte in der preussischen Monarchie. Ierlin 1,2;. I. Thei] 
(mit guten Litteraturangaben); Jacobson, Gesch. der Quellen des eang. Kircheurechts des 
preuss. Staates. I. Theil. Bd. 2. Kinigsherg 1S39 (und die dort citirte filtere Litteratur); 
Preuss. Provinzialbliitter. Jahrg. 1,q38, 183!*, 1,45 (daselbst kurze [;eschichte einer Reihe von 
Stë, dten); Neue Provizia]b]iitter. 1844; L,hmeyer, ç, esch. von Os- und Westpreussen. 
Gotha 188t)ff.; Lamheck, Oesch. der teformation in Wespreussen. Thorn 185; Krause, 
Die Reformation und Gegem'eformati<,n ira ehemaligen Kinigreiche Polen, besonders in den jetzt 
preussischen Provinzen Posen und Westpreussen. Lissa I.q1_1. 2. Aufi. Lissa 19¢,5; Koniecki, 
Gesch. der Reformation in Polen. Posen l:tl J.G. [;oedtke. Kirchengeschichte derer evang. 
kleinen Stidte ira polnischen Preussen Ihandschrift]ich ira .t.-A. Danzig, Ahth. 44, Nr. 27); Zahl- 
reiche Aufsë, tze in: Ztschr. des westpreuss. Geschichtsvereins; Ztschr. des [;eschichtsvereins fiir den 
legierungsbezirk Marienwerder. Vgl. ferner die Litteratur zu den einzelnen Stridten und zu B. 
Archive: Staats-Archie Danzig, KSnigsberg, I'(»sen; Stadt-Archive Danzig, Elbing, 
Konitz, Thorn und Graudenz. 
In den seit dem Frieden zu Th.rn 14;; 'om I)rdenslan(ie getrennten und zu Polen 
geschlagenen Theilen Preussens war das Schicksal der Reformati«,n ein von demjenigen ira 
Ordensgebiete durchaus verschiedenes. Die Krone Polens hielt streng zut alten Lehre und 
suchte die Ansë, tze zut I-leformation, die sich auch hier fr|ih zeigten, zu unterdrtcken. Kirch- 
liche Landesordnungen fehlen nat|irlich ganz. 
In Folge dieser politischen Verhiiltnisse haben auch nur wenige Stidte eigene 
nungen entwickeln kSnnen, weil ihre Itechtslage eine "riel zu uusichere war. 

i. Das Ermeland. 

Man vergleiche for das Ermeland die Bemerkungen unter ,,Preussen", oben S. 4. und 
Gebauer, Kirchengeschichtl. Bemerkungen ber ,las Èrnleland in Bczug auf Grtmdung der 
evang. Gemeinden insgemein und der zu Frauenhurg insbesondere. 183:1. iehe auch Fisch e r. 
Achatius von Zehmen, Woywode von Marienhurg lin Ztschr. des westpreuss. Ieschichtsx'ereins 
36, S. 1 ff.). Letzterem hat die l.ef, rmati,n iu We.tpreussen viel zu x, erdanken. Er hat off 
dem Bischof Hosius das Widerspiel gehalten. 
FUr Braunsberg vgl. meine Ausfthrungen miter ,,Preussen", ohen S. 5; Kihler, Die 
evang. Kirche Braunsbergs. Erinnerungsbitter for die (]ieder der evang. Gemeinde daselbst 
und ftir deren Freunde. Ein Beitrag zur Specialgeschichte d«,r Evangelischen ira Bi,thum 



]5 l'olen. Die ehemals l»olnischen I,andestheih. des K6nigreichs Preussen. 
Ermeland (.enthitlt die Chronik (let" evang. Gemeinde zu Braunsberg, aber erst vom Jahre 1772 
an). KSnigsberg 1839; Koniecki, a. a. O. S. 43. 
Filr Braunsberg ist noch ein Aktcnstlick bemerkenswerth, welches sich im St.-A. 
K5nigsberg, Brief-Archiv der deutschen Ordenszeit 1522N1525, vorfindet: »1524, 3. April, 
Sonntag Quasimodo. Verh5r (les Peter von Dohna fil»er Bewegungen in der Stadt Braunsberg 
auf das ertcht ]lin, dass der Hocbmeister die I']|inderung der Stadt so]]e anbefoh]en haben". 
Es liegt dabei ein Mandat des Rallies v«,n Braunsberg, we]ches die Wahrung der Ruhe und 
tien Schutz der hisherigcn kirch]ichen Einrichtungen hezweckt und erkennen lasst,, dass die neue 
l,ehre eingedrung('n und dass es bereits zu Beleidigungcn in Wort und That gekommen war. 
Das gleiche Bi]d giebt ein Ausschreiben (les Bischofs Moritz volt Erneland an Dietrich 
volt Babedmuscn, Stattha]ter zu Guttstedt. betr. sein Mandat an die Stadt Guttstedt wegen (les 
Eim'eissens ciel- luthcrischen Lehre, vom 5. Apri] 1524 (St.-A. K/3nigsberg, Brief-Archiv der 
deuts«hen I)rdenszeit 1522--1525). 
l)ie Stadt E 1 b i u g wird gesondert behandelt. 

!!. [«' Palatinat Ia'ie»ln.g. 
l)el" l'alatinat M a r i c n b u r g mit den b«,idcn Werdern gchSl'te zur Di/)cese Pomesanien. 
Wegen der katholischet llichtung des H«,fes fanal die leformation nur wenig Eingang, ara 
meisten noch in einzelnen Stiidten, zumal in Marienhurg. Vgl. Dormann, Gesch. des 
Kreises Mal'ienburg. Itanzig ls;2. S. 24: l'r«ussische Lieferung u. s.w. Bd. I, VII, S. 19 ff'.; 
I hesa. De sacrorum retbrmatoribus in Prussia. l'rogr. 7. (llegiln. 1.S::); ; oedtke, Kirchen- 
gesch, der Stadt Marienburg v.m .lahre 1548--17 ;6 (in Alte l'reuss. Provinzialbliitter 1839, 
I. Theil, Bl. 15 ff.). 
Sigismund August [154S--1572) ertheiltc ara 27. Al,ril 15i! Marienburg. Neuteich und 
den anderel Ortschaften des Werders, sowie 157t der Stadt Stuhm Religionsprivilegien. Vgl. 
Lengnich. iNachl', von der Ieligionsiinderung in l'rcussen. Theil IV der (;esch. § 20, Anm. 
S. l; (dort das Privileg ftir Marienhurg); Hartwich, Geograph-historische Beschreibung 
derer dreyer ira l,oln, l'reussen liegenden Werdern. ],:bnigsberg 1723; Derselbe, Einleitung 
in die 5;achl'icht VOlt (lent evang, l'redigtamte in rien preuss, kleinen Sttdten. besonders in 
Marienburg (in dr Preuss. Lieferung. Bd. I. Leipzig 1755). Fih" h'euteich vgl. Preuss. 
Lieferung I, S. ;lt ff. 
()ber die Bedeutung dieser i:eli.,aionsl,rivilegien vgl. oben und auch Freytag, Das 
l,irchenpatronatsrecht der l,:51mor in rien Mal-ienburger Werdern [in F r i e d b e rg und Sehlin g, 
Deutsche Ztschr. fUI" Kirchenrecht 1". S. 30. 
Eigene t)rdnungen sind nicht ïfl)erliefert. Wie G o e d t k e, l(irchengeschichte der evang. 
kl«.inen Stiidte u. s. w. S. Vil 1,elnel'kt. henutzte man die I, ommersche und die Danziger Agende. 
Seit 1577 kam es wieder zu starken Bedl'iickungen der Protestanten. Vgl. auch Hirsch, 
;escll. der OlerlJarrkirche St. Marien zu Danzig. II. (Danzig 1847.) S. 257. 
Eine ,andesordnung des kleinen und grossen V(erders durch die Obrigkeit des K5nig- 
lich«,n Schl.sses M a r i e n h u rg, «liesell,ige unverrticklich zu halten, geordnet und geboten durch 
beide Werder"- wohl aus dem Ende des 1;. Jahrhumlerts stannnend (man vergleiche die 
K/3stenordntmgen Danzigs!) -- findet sich ira St.-A. Danzig. Abth. 7, lr. li4a. Im Eingange 
klagt die ,,Ohrigkeit Ki3niglichs Schlosses Marienburg", dass die Einwohner des grossen und 
klenen Werders durch unordentliche Wirthschaft in Schaden gerathen wiiren; deshalb habe ste 
mit Bewilligung der Deichgeschworenen eiue grtindliche Ordnung far n5thig erachtet. Diese 
Ordnung enthiilt viele luxuspolizeiliche Vorschriften, darunter: ,,so ists also beschlossen, hinfort 
keiner kein solche grosse verlobung thun sol, sondern denjenigen, so den kranz empfangen und 
(las Ja-Wort gehen, sol eine Collatio ausgerichtet werden." Darauf folgt eine Regelung der 



A. Ds frïhere Ordeusgehiet. 

Ki5stung (ht)chstens 12 Tonnen Bier. 20chsen. 4 Scht3pse, GfiIlse und Htfilner; zum Kindelbier 
soll hi5chstens eine Tonne Bief und auf zwei ¢hii,.eln zu essen gegehen werden u. s. w.}. 

111. Pomerel]en und der Nelzedistrikt. 
Hier geht die Bewegung von D«nzig aus, wo namentlich seit delll Ilegierungsant'itte 
Sigismund Augusts 1549 fast aile Kirchen reformirt wurden. 
Danzig wird gesondert iellandelt. 
Von Danzig aus verhreitete sich die I:efrmation weiter in ScbSneck, Konitz. Mewe, Hela. 
Stargard, Dirschau. Schlochau u. s.w. Vgl. tl a r t w i c h. a. a. O. S. il ff., 1i4 ff.; G o e d t k e. 
Kirchengeschichte derer evang, kleinen Stiidte u. s. w. 
Fiir SchSneck vgl. Sch ln i d t. Gesch. der evang. Kirche SchiSnecks. Preussisch-Stargard ls77; 
Waschinski, Gesch. der Johanniterkomturei und Stadt SclliSneck in Westpreussen. Danzig 1!«4. 
Fïr Putzig ",'gl. F. Sch ultz. Gesch. der Kreise Neustadt und Putzig. Danzig 190g. S. 213ff. 
ber K on it z s. Preuss. Provinzialh]itter, December 1837..% 552 ff'.; 1838. I. S. 2::3; 
Uppenkamp, Gesch. der Sta(lt Konitz. Konitz 1873. S. 36fi.; P'euss. Lieferung I.. 4. 
S. 492 ff., 598 ff. 
her Konitz und die ganze tarostei Schlochau (ausser K onit z ghii'teu dazu die 
Stdte Schlochau, Friedland u. A.) vzl. Freytag, Die ]efl)rmation in der Starostei 
Schlochau in Ztschr. des westpreuss. (;eschichtsvereins. Heft 48. Danzig 1!,5; J. G. Goedt k e. 
Konitzer Kirchengeschichte. 17:37 (Originalhdschr. in der Bibliothek des Kgl. Gynm. zu Konitz; 
abschriftlich ira St.-A. Danzig, 41(, Nf. 23. Uber die iuneren Verhïdtuisse dieser exang. Ge- 
meinden weiss man nichts. 
Das Stadt-Archiv in Konitz (deponirt ira ,qt.-A. Danzig bietet nichts ftr uns. 
ber Mewe s. Lengnich Preuss. Ge.'ch. vor Th. IY, S. 17; Correns. Chr,nik 
der Stadt Mewe. Graudenz 18'7 (Religionsprivileg: 1570, bestatigt 157;, l;49, l;77). Die 
Willkar der Stadt von 1588 enthlilt nichts Kirchliches. 
Uber Dirschau s. Preuss. Lieferung I, S. 585 ff'. Religionslwivileg 1570); Preuss, 
Dirschau's Denkwiirdigkeiten. Danzig 1,(; D erselbe, Gesch. von Dirschau. Danzig 1Sil; 
F. Schultz, Geschichte des Kreises Dirsc]lau. Dirschau 1907. S. 122 ff.: :Neue Preuss. 
Provinzialblittter 1844. 1, Bl. 345 ff:; Ztschr. des westpreuss. Geschichtsvereins. Heft 14, S. 59 fil 
(Das stiidtische Archiv Dirschau's ist 1577 abgebrannt.) 
Eine Willkiir der Stadt Dirschau. die in einer tledaction w»m Jahre 15:.( von Iinlher 
in Ztschr. des westpreuss. Geschichtsvereins. Heft 48 {Danzig l!l5), 9. 30 ff. puiflicirt ist, 
enthiilt in § 64 das Verbot der Arbeit an Sonntagen bei Busse von l {r. uud weiter das 
Yerbot des Handels with'end der Predigt. 
Vgl. ferner Maercker. Eine polnische Starostei. Gesch. (les Schwetzer Kreises in 
Ztschr. des westpreuss. Geschichtsvereins. Heft 17. S. ! ff.; S. 4 ff. ber die I:efi)rlnation in 
diesem Kreise. Far die Stadt Neuenburg vgl. ei)elda S. 7 ff. und Heft l. S. 133 ff. Oh 
leuenburg 1570 ein privilegium religionis erhallen bat, ist nichl bekannt. 
Fiir die Stadt Preussisch-Friedland s. Brennecke, Progr. ds l'r,gynm. 1.:1. 
S. ll ff. Ftir Preussisch-Stargard s. l'reuss. Lieferung I. S. 5!4ff.; fïr Christburg 
ebenda I, S. 608 ff. 
_ber die Ordnungen, welche Danzig fiir die zu seinem Gebiet geh5rigen Ortschaften, 
so fïr Hela und fïr die Dorfschaften auf den Werdera, erliess, wird bel Danzig gehandelt. 

IV. Der Palatinat Culm. 
Hier setzte sich die neue Lehre trotz Bekmpfung lest in Culm (Friese, a. a. O. 11. 
1, S. 146 ff.) und in anderen Stidten.. konnte sich aber auf die Dauer nur in Thoru, Graudenz 



1GO Polen. Die ehemals polnischen Landestheile des K6nigreichs Preussen 

und Strasburg behaupten. Diese erhielten Religionsprivilegien 1.558 (spiter mehrmals erneuert) 
bezw. 1.',6! bezw. 1646. Vgl. Itartknch, Buch 4, S. 863 ff.; 6. S. 1055 ff.; Friese, a. a. O. 
Il, 2; Dittmann, Beitrige zur Gesch. der Stadt Thorn. 17s.q. Die Privilegien sind bei 
L en g nich. (;esch. der preuss. Lande vor Th. IV und in Preuss. Lieferung I, S. 228 ff., 316 ff., 
abgedruckt; das I)rivileg vom 23. De«ember 1558 fur Thorn bei Friese, a. a. O. II, 1, S. 
das Privileg vom 15. August ISi! fiir Graudenz in Preuss. Lieferung I, 2. S. 233, attch bel 
Friese. a. a. O. II, 1, S. 13!. 
hn Ubrigen theilt die Kirche hier die Schicksale mit derjenigen ira Grossherzogthum 
Polen. Es sei deshalh, besonders 1,eziiglich der Synod en. auf dieses verwiesen. 
Besondere kirchliche Ordnungen sind mir nur fïr Thorn bekannt geworden. Thorn wird 
daher besonders behandelt. 
Ftir [;raudenz s. Fr5hlich, Chronikder StadtGraudenz. [raudenz 1,.ql. II. S. 42; 
Manstein, Annalen der Stadt Graudenz 15i3--1*i,;. Stidt. Ober-Realschul-Progr. 1904. 
l'reuss. Lieferung, a. a. [. I, 2. S. 22 fl' Fr5hlich in Ztschr. des [;eschichtsvereins fur 
den Regierungsbezirk Marienwerder. 3: (ls.qS). S. 9 ff. 
Ffn-Strasburg s. Zimmer, Rïtckblick auf die Schicksale der protest. Gemeinde zu 
SCrasburg; Plehn, Gesch. des Kreises Strasburg. Materialien und Forschungen zur Wirth- 
schafts- und Verwaltungsgesch. von [st- und Westpreussen. Herausgegeben vom Verein fur 
die Geschichte von [st- und Westln'eussen. II. Leipzig 
Fïtr Neumark s. Seturau. Gesch. der Stadt Neumark in Ztschr. des Vereins fur 
den Regierungsbezirk Marienwerder. 3( (1_s93), S. 27 ff. 
Fïn" L5ba u s. Li ek, Die Stadt L)bau in Wesqn-eussen. Marienwerder 1892. 
FUr das Schulwesen in Culm s. B auch, Progr. der Evang. Realschule II zu Breslau. 
1:1. Anhang. 

Die St/ dt e. 

Danzig. 
Lii|era|ur" E p h r a i m P fa e t o r i u s, Danziger Lehrer Gedichtniss, bestehend in einem 
richtigen Verzeichniss der evang, l'rediger in der Stadt und auf dem Lande. Danzig u. Leipzig 
17;o; L5schin, Gesch. Danzigs. Danzig 1828; Hartknoch, a.a.O.S. 715ff.: Gottfried 
Lengnich, Gesch. der preuss. Lande. Danzig 1724 ff.: Carl Benj. Lengnich, Das geistliche 
Ministerium u. die Kirchenverf. in Danzig betr. :Nachrichten. Frankfurt u: Leipzig 1779; Gralath, 
Gesch. von Danzig. K0nigsberg 1789, 1790. Berlin 1791. 3 Bde.; Derselbe, Diss. de iuris- 
dictione in causis matrimonialibus et hodierno eius exercitio in foro Gedanensi. Regiom. 1763. 
§ 18 ff. ; K r a s i n s k i, Gesch. der Reformation in Polen. Leipzig 1 $41. S. 44 ff. ; L e m a n, Provinzial- 
recht von Westpreussen. Leipzig 132 ff.; G u s t a v K i t z, Die Danziger Concordienformel iiber das 
heilige Abeldmahl, Notel zunitchst und ihre Apologie 1561--15;7. K5nigsberg 1:1 : v. K a m p t z, 
Pïovinziah'echte u. s. w. l. Berlin 1826. S. 2;9ff. (dort die iiltere Litteratur); Jacobson, 
a. a. O. I, 2; Laspevres, a. a. O.; Hirsch, Der Prediger Pancratius. Danzig 1842; Derselbe, 
Gesch. der Oberpfarrkir«he wn St. Marien in Danzig. 2 Theile. Danzig 1843 u. 1847 ; S i e w e r t, 
Gesch. der Reformation in Danzig (Preuss. Provinzial-Kirchenblatt 3, £,_. 144ff., 197ff.; 4, S. 182ff. 
[geht bis 1558]): Strebitzki, Der grosse Aufruhr in Danzig 1525 (Altpreuss. Monatsschr. 14, 
S. 536ff.); Schnaase, Gesch. der evang. Kirchenzu Danzig. Danzig 1862; Redner, Skizzen 
aus der Kirchengesch. Danzigs. Danzig 1879; ]3 r a n d s t ii t t e r, Ubersicht der Geschichte Danzigs. 
Danzig 1879; Tschackert, Reformationsgeschichte von Preussen. I, S. 135ff.: G. Kawerau, 
Der Danziger Aufstand 1525 (in Ztschr. des westpreuss. Geschichtsvereins, Heft 11, S. 65ff.); 



Danzig. 161 

Hirsch, Gesch. des academ. Gymnasiums in Danzig. Danziger Programm 1837; Derselbe, 
Georg Klefelt und seine Zeit (in l-eue preuss. Provinzialbliitter. 1846. II, S. 161, 241 ff.); 
Fis c h e r, Constantin Ferber, der i, ltere, Bilrgermeister von Danzig (in Ztschr. «les westpreuss. 
Geschichtsvereins 26, S. 51ff.; S. 57ff. vird die Reformaiion behaudelt; dort auch Litteratur- 
Angaben ilber Danzig); H. Freytag, Die Beziehungen Danzigs zu Wittenberg in der Zeit der 
Reformation (in Zeitschr. des westpreuss. Geschichtsvereins 38, S. 1 ff.) ; D e r s e I b e, Die rechtl. 
Stellung der evang. Kirche ira alten Danzig (in Friedl)erg und ,ehling, D. Zeitschr. f. 
Kirchenrecht. Bd. 14, S. 387ff.); Derselbe, Wie Danzig evangelisch wurde. Dtnzig 19o2 ; 
StenzelBornbach, Historiavom Aufruhrzu Danzig. 1522--152;(St.-A. undStadt-Bibliothek 
Danzig in verschiedenen Handschriften  ; P a w ! o v s k i, Gesch. der Provinzial-Hauptstadt Danzig. 
Danzig 1893. S. 17t;ff.; Des Syndicus der Stadt Danzig, Gottfried Lengnich, ius publicum civitatis 
Gedanensis. Herausgegeben von G il n t h e r. Danzig 1900 (in Quellen u. Darstellungen zut Gesch. 
Westpreussens, herausgegeben vom westpreuss. Geschichtsverein} : S i m s o n. Gesch. der Stadt 
Danzig. Danzig 1903. Bd. 8 der Gedanensia. Beitriige zur ;esch. Danzigs. 
Archive: St.-A. Danzig; Stadt-Bibliothek Danzig (enthii.lt auch Archivalien}: Archiv 
des geistl. Ministeriums zu Danzig (in der Marienkirche zu D.); Bib|iothek der Iarienkirche; St.-A. K5nigsberg; K5nigl. Bibliothek zu Berlin. 
I. Diese michtige Handelsstadt stand unter der Krone Polen. Polen musste um so 
eiferstichtiger liber dieses Bollwerk wachcn, als es den Zugang zum Meere bihlete, welchen Polen 
ira Kriege mit dem Deutschen Orden 14OJ erobert hatte. Als daher in Danzig in den Jahren 
152225 Hand in Hand gehend kirchliche und politiche Umwalzungen tattfanden (als erster 
Reformator wird ge'Shnlich Jacob Knade genannt; thatsfichlich hiess er Knothe, s. T s c h a c k e r 
Preussisches Urkundenb. I, S. 135) griff KSnig ,igismund ein und unterdrackte 152 blutig 
die neue Bewegung. 
Auch der K5nigsberger Amandus Ivgl. hber ihn untel" K5nigsberg und unier Stolp in 
Pommern) war an den Anfiingen der Feformation in Danzig betheiligt. In einem Schreiben 
d. d. Stolp, 29. December (Donnerstag nach Weihnachten} 1524 an die Einwohner zu K5nigs- 
berg schildert er seine Schicksale zu Danzig; wie er von dort vertrieben vorden sel und unter 
welchen Gefahren er das Evangelium i Stolp gepredigt habe. Er unter.chreibt sich Johaan 
Amandi. Vgl. St.-A. K5nigsberg, Iriefarchiv der Deutschen Ordenszeit, 1522--1525, frilhere 
Signatur: Schr. 4, 22, 19. 
;ber den Aufruhr giebt besonderen Aufschluss ein ira St.-A. K5nigsberg verwahrtes 
zeitgenSssisches Stilck: ,Bericht ilber den Auf'uhr zu Danzig", 1525, Januar 22,23. Hier 
finden sich auch die von der Gemeinde iiberreichten Artikel: ,Die Artikel der gemeine heute 
ubergeben, Montag nach Vincentii, ara 23. tag Jaau,rii 1525. Vgl. ilber den Aufruhr und den 
Artikelbrief H irsch, Oberpfarrkirche I. S. 25. Wie eine der ersten Forderungen dieses Artikel- 
briefes, nmlich die nach einer Armen-Ordnuug, bereits 1527, iu Erfiil|ung ging. wird unten 
zeigt werden. Hiervon abgesehen hat der erste Ansturm zu bleibendcn Einrichtungen nicht 
gefilhrt. ,Auch ward dieser Reformation gleich bel ihrer ersten Entwickelung der strengste 
conservative Charakter dadurch aufgepriigt, dass die herrschende Aristokratic, ohgleich sie 
selbst der lutherischen Lehre huldigte, durch die Revoluiion des Jahres 1525 gewarnt, sowohl 
aus Rilcksicht auf ihre eigene Erhaltung, als auch, um den t'olen keine neue BlSsse darzu- 
bieten, es notwendig fand, seit 1526 in der Religion keinerlei ïtussere Ver',tuderung auzunehmen 
oder zuzulassen, zu der sie nicht vollstiindige Berechtigung in alten oder heu ervrbenen Privi- 
legien fand." (Hirsch 2, 3.) 
So finden wir zwar an den Kirch,en stidtischen Patronats neben den katholischen Pfarrern 
auch (vom Official bestiitigte) Pre,diger des gSttlichen Wortes und in der Marienkirche seit 1536 
Sehling, Kirchenordnungen. IV. 21 



162 Polen. Die ehemals polnischen Landestheile des K0nigreichs Preussen. 
eln vom Pfarrherrn ganz unabhtngiges evangelisches Predigtamt, aber, usserlich betrachtet, 
i.nderte sich an Verfassung und Ceremonien nichts" das religibse Leben wurde jedoch fur 
Umw.lzungen Volbereitet, der Boden langsam, aller sicher der neueu Lehre gewonnen. Der Rath 
musste oft den verfriihteu ungesttimen Forderungen des Volkes entgegentreten und, was bis- 
weilen noch schwieriger war, die Geistlichen in rien durch die Zeitverhltnisse gebotenen 
Schranken halten. .lau vergleiche hi«.riiber die Prediger-Geschichte bei Hirsch 2, S. 6ff. 
Bei dieser Lage der Dinge und entsprechend der aristokratischen politischen Verfassung 
der Stadt ergal sich eilt ziemlich unuluschr:,nktes Kirchenregiment «les Rathes ais eine historische 
lothwendigkeit. Andererseits ist es erklirlich, dass wir kirchliche rdnungen, die ja nur 'om 
Rathe «de.r mit Billigung «les Rathes au.gehen konnten, aus diesel" er.sten Periode unklarer Ver- 
hltnisse nicht zu erwa'ten haben. In der That ist auch nichts derartiges erhalten oder iiberliefert. 
Diese uuklare l'eriode dauerte bis 1557. Zwar schon 1 Jahre nach der ersten blutigen 
Niederlage begann sich die Refol'mation wie|er zu regen. Al»er der Rath konnte sich trotz der 
Vrderungen riel" Bth-ger.schaft nicht off'en zur neuen Lehre bekennen. Erst als K6nig Sigismund 
1548 gestorlen war, erlang-ten die Dauziger von dem neuen Ktnige Sigismund August die Er- 
laubuiss, au eini.en Kirchen evangelische Prediger anzustellen, so dass diee Kirchen gewisser- 
massen imultaukirchen wur,len.. Den evangelischen l'redigeru wurde aber nicht gestattet, das 
Alewhuahl untel" bei«|erlei ;estalt au.zutheilen. Ara 2. Juli 1552 kam der K6nig nach Danzig. 
Die ltlrgerçhaft i:lerreichte ihm ihle Forderungen in 49 Artikelu, von denen sogleich der erste 
sich auf reine Lehre und Gottesdienst l»ezog. Unter dem Einflusse des el'mehndischen Bischofs 
,tanislaus H,»sius lewilligte der Kinig nichts; d»ch hin,lerte «lies den Fortgang der Reformation 
nicht. Der Knig erkltirte, zwar offiziell nichts gestatten zu ktunen, aber untet der Hand die 
Dinge nicht stren ztt wllen. Eine ihnliche Auskunft erhielten clic Thorner und die Elbinger. 
Danzig, Thorn und Eling beschlo.sen deshalb, dass Danzig Ostern 1557 mit der Ein- 
f|hrun der neuen Or,lnuug den Anfang machen, die anderen Stadte ihm nachfoigen soilten. 
» v:urde del Ostern 15:»7 ias Aleudmahl lu Dattzig ïffeutlich gefeiertL Uher die dabei 
l,enutzte Ordnung wird unten gehanielt werden, hn Jahre 1557 gelang es der Fiirsprache des 
tIerzogs Alhl'echt von l'reussen und des Woiwoden von 3Iarienburg, Achatius von Zehmen. 
welcher der neuen Lehre anhing und Dauzig besonders zugethan war. rien Ki)nig zu veranlassen. 
in einem Rescripte vom 4. Juli 1.557 das Alendmahl in l»eiderlei Gestalt den Danzigern bis zum 
nchsten Reich.tage zu gestatten. Auch Thol'n und Elhing waren dem Beispiele Danzigs nach- 
gefolgt, elhielten aher die k)nigliche Erlaubniss etst 155g. 
Das P«|igion.p'ivileg fïu" Danzig vurde erneuert x'on Stephau ara 16. December 1577, 
von igislnund III. ara 11. Januar 15.. von Wladislaw IV. ara 1). 5lirz 16:3:3. Die Privilegien 
s. hei Leugnich. ;e«h. der preuss. Lande 2, $. 1.59 uni Anhang 'l'. 22. 
II. Bei dem vorhin geschilderten .usseren Gange der Dinge haben wir vor 1557 
fficielle Ordnungen uicht zu erwarten. Zwar werden die evangelischen Predicanten sich 
wohl friihzeitig ïller eine gewisse (rdnung geeinigt haben, auch ist es nicht unwahrschein- 
lich, dass sie unter einander einzelne Punkte schriftlich fixirt haben werden. Auch sind 
uns Nacln'ichten iii»er eiuige x-on Danziger Predicanten x'erfasste und in Dauzig gebrauchte 
aendarische Grundsitze ilerliefert. ,qo die ,Ianksagung der christlichen gemein" von Georg 
Wagner (Schnaase, $. 2!) oder die ,gemeine beichte" des Pfarrers l'ancratius (gest. 1546; 
vgl. $c h ha ase, S. :35). Aber diese Aufstellungen betrafen nul- Enzelpunkte denn die alten 
Ceremonien, nanlentlich die Messe und die lateinischen esiuge, mussten auf Befehi des ]athes 
mglichst beibchalten werden, und nul- das unmittelbar rien evangelischen Grundstzen Wider- 
) Und zwar w«»hl zuerst in den kleinen Kirchen, in rien Pfarrkirchen erst ara 31. October 1557, wobei 
man in der 3Iarienkirche den Katholiken den Hauptaltar iibertiess und sich mit denl Nicolausaltar begniigte, 
was spater wiederholt den Gegenstand von Beschwerden der Biirgerschaft gebildet bat. Vgl. unten S. 167. 



Danzig. 163 

sprechende wurde ausgeschiedeu. Diese Lage konnte sich erst iudern, ais man durch das 
Religions-Privileg freie Hand e'hielt. Und so finden wi- denn in des" That aus dem Jahre 1557 
die erste kirch|iche O-dnung. 
Uber dieser ersten agendarischen Norm schweht ein ziemliches I)unkel. Sehnaase, 
S. 33ff., bewegt sich in Unklarheiten. Seine Rïckschlusse aus den lerathungen von 17),S und 
aus dem Buche von Waltherus v«n 1,;]8 sind f«denscheillig. Der Beweis, (lss die pommersche 
Agende Bugenhagens zu Grunde gelcgt word,,n se|. |st a]s g,]nngen nicht zu betrachten. Viel- 
mehr verhie|t sich die Sache so, wie sic ein Schi'eihen Danzigs an T]mrn und Elbing vom 
12. Februr 1557 (abgedruckt bei Hirsch 2, S. 13, Anm.} und einige weitere î;tucke des Sta[It- 
Archives erkennen lassen. Hierbei |st zu bcmerl(en, dass die Darstellung bei II irs«h durchaus 
nicht gemu |st und an Wide'sprïcheu le|der. Auch mi" |st die vïllige Aufkliirung nicht ge- 
|ungen. immerhin h«fie |ch, unsere Erkenntnis gcf)rdert zu hahen. 
Die drei Stidte Danzig, Thorn und Elhing gingen in del" Rêformati«»nsfrage II:nd in 
Hand. Es bestand unter ihnen ein regel" B'iefwechsel. Das in Dnzi vorhandene Briefmateri«l, 
insbesondere die wohl vollstlindig erhaltenen CeT|en der v«»n l-)nzig au.gegangênen Mis.iven. 
ergeben folgendes" 
Ein Schreihen der Elbilger vom :. Febru«- 1557 Original ira St.-A. Danzig}, welches nach 
dem Vermerk anl l*. Februar 1557 angekomnlen |st, berichtet: Iie Elbiger hiittea v«»n "l'h«ru 
Schreiben in Sachen der Religi«,n empfailen md dar«us enttomnlen, dass die Tlmrner gleichr 
Gesta|t an Danzig gesc|u-ieben hitten, dass die drei Stidte eine Zusammen],unt't in I)anzig hahen 
sollten und dass sie -- die Elbinge" -- dazu de 25. Fet»ru;tr ausgesucht und dieses an Thorn 
geschrieben hatten; sie hofften, dass Danzig datait einverstanden se|. 
Der hier erw/ihnte Brief der Th«rner «n Danzig |st nicht erha]ten. Sein Inhalt i:t al»er 
aus der Antwort ersichtlich, welche Danzig den beiden Stidten genteinsm durch die Missive 
vom 12. Fehruar 1557 erre|]te. Diese ]etztert. hefindet sich ira St.-A. ltanzig XXVII, 24, und 
|st bereits bei H irsch. OberI,farrkirche, 2. S. 13, Anm. 1, ahgedruckt. 
Hieraus ergibt sich: Die erste Anregung ging von Thorn aus. Tho'n 'egte die Zu- 
sammenkunft von Yertretern des" drei Stiàdte zu einer gemeinsamen Berathun,- i]ber drei l'mtkte an : 
»b wir der zeit wegen uff eine Zeit zugleich anfangen wo|len die Communion und den rechten 
gottesdienst fortzustellen; zum «tndern, mit was Kirchen-Ceremonien und )r&ung. zum dritten 
in welcher stellen die der Haupt- oder andcrn kit'chen". Elhing schlug dazu den 25. I:ehruar 
vor. Danzig antwortete in se|hem Schreiben ait Th«t'n un,[ Elhing, dass es mit der Zusammen- 
kunft ara 25. Februar in Danzig einverstanden se|. Ira ['brigen nahm Danzig schon in se|hem 
Briefe zu den drei Verhandlungspunkten Stellung. Ans allerlei Griitiden. die es mtind]ich 
den Abgesandten mittheilen we'de, se| es besser, wenn nicht alle drei ,¢-;tiidte zug]eich deii 
Schritt unterniihmen, Danzig se| bereit, den Anfang zu machen, und stel|e den beiden Stiidten 
anheim, am folgenden Sonntag «»der spiiter ntchzufolgen. ,Darnach die Cercmonien und Kirchen- 
ordnung betragend, dieweil E. E. W. sch'eilen, d«tss sie sich clef Beslauischen l,:irchenlwdnung 
dieses Falles unter anderm vornehm|ich geftllen lassen aus erziih|ten ust«'hen iht'es Schreibens, 
auch nach solcher ordnung ausgesandt, lassen wir uns auch derseli,en t,(deuken '«,hlgefallen. 
Derowegen wir auch so viel mflglich gewesen hei etlichen der Unse'n det'zleichett t,rdnun zu- 
sammen zu setzen uns hefiissen, die wir hie},ei verwthrt, E. E. W. thuu zuschickeu. Wann 
aber nun E. E. W. von Breslau das authenticum bekommen, mag solches mit einander conferiret 
und hie ferner auf eine richtige einhe]]ige Meinung dirigiret werden. Wir tchten aber rathsam 
sein, dass man die lateinische Sprache bei dem »fticio mit nichts untel'lasse und also auch 
lateinisch zum Anfange gebrauche. In we|chen Stellen aher solch gSttlich werk soll angefangen 
werden, |st bei uns vor rathsam angesehen, dass nian ira ersten anfang nicht in den Haupt- 
und pfarrkirchen sondern andern anhehe. Seind auch vermittelst gSttlichen gnaden in Wi]lens 
21" 



1;4 Polen. Die ehemals polnischen Landestheile des K6nigreichs Preussen. 
ufs allerschierste, im anfang der fasten nach gehaltener Beredung ira lamen Gottes zu vollen- 
fahren. Und enn E. E. W. ;esandten zut stelle ankommen, so xiel gott gnade verleihen 
wird, wollen wir uns derselben halben weiter entdecken und gnzlich vergleiehen." 
Hiernach steht also lest: 
l. Danzig hatte sich eine eigene Ordnung ausgearbeitet. 
2. Die Breslauer (rdnung, welche Thorn erbeter und in Vorschlag gebracht hatte, lag 
noch nicht vor: Danzig stellte den Thornern lediglich in Aussicht, dass man die Breslauer 
Ordnung spiter zur Vergleichung heranziehen wolle, was vielleicht nur eine h6fliche Form der 
Ablehnung sein sollte. 
Die Copie der Breslauer Ol"dlmng muss in der That, sei es durch die Thorner, sei es 
auf anderem Wege, nach Dnzig gekommen sein. denn sie findet sich ira Danziger St.-A. und ist 
von mir bei Breslau, td. III dieser Ausgabe der Kirchenordnungen, $. 404 zum Abdruck gebraeht 
wordeu; sie stammt aus der kritischen Zeit, denn Simoun 3lusaus, der in der Breslauer Ordnung 
als t'hrrer geannt wird, hat Breslau Ende 1557 verlassen. Dafiir aber, dass diese Breslauer 
Ordnmg bei den spiteren Entwiirfen Danziger Ordnuugen benutzt worden sei, fehlt jeder Anhalt. 
Ebenso wenig bewei.t hierfih" die Bemerkuug des Pfarrers Ortscheit in seiner unten 
noch zu nennenden Eingahe an den Rath in Betl-cff des Exol'cismus vom Jahre 1571, dass 
d, r K6nig von l'olen befohlen habe, die Ceremonien gleichf6rmig mit der Breslauisehen Kirchen 
zu halten. 
3. Diese erste Danziger (rdnung wurde 1557 den Thornern und den Elbingern zu- 
geschickt. In Thorn und Elhiug ist sie nicht mehr zu finden. Die dortigen Archive enthalten 
ltir diese Zeit tiberhaupt nichts. Dagegen glaube ich sie in einem Stticke des Danziger St.-A. 
gfunden zu haben, weiches dort in meh'eren Exemplaren, so in Hdschr. Fol. Pp. 59. ferner 
XXXV. B. :Nr. 2 (mit der aus dem 16..lahrhundert stammenden Aufschrift: Kopey der verrichten 
Ordnung), erhalten ist. Zwar ist dieses Stllck nicht niiher als erste Ordnung von 1557 be- 
zeichnet. Jedoch sprechen filr meine Annahme folgende Gronde: 
a) Inhaltlich kann sie diese erste Ordnung ganz gut sein, das ingstliche Fest- 
halten an den alten Formen. insbesondel'e der lateinischen Sprache (vgl. den Brief an Thorn 
und Elbing}. i.,t charakteristisch: die oanze Ordnung ist lateinisch; es soll eben noch mSglichst 
wenig geindel't werden. 
h) Die Ordnung, welche 1567 vom Rathe erlassen wurde, giebt sich inhaltlich deutlich 
als Fortbildung dieser lateiuischen Or0lnung. 
c) In der sogenannten Kircheno'dinanz der Predicanten vom Jahre 1570 (vgl. unten) 
beziehen sich verschiedene ,<_tellen auf diese erste ¢)rdnung. So z. B. ira Abschnitt ,Von Ge- 
.engen und Cel'emoniis". Hier ist sogar ein ,':,trick aus der ,alten Ol'dnung" citirt, welches fast 
w51"tlich mit dem entsprechenden in unserer lateinischen Ordnung iibereinstilnmt (niimlich: 
minister usitato modo inchoal,it elc.. Und wenn es in dieser Eingabe von 1570 heisst: Zum 
andern, dass in fast allen Kirchen an den tagen, so nicht daselbst gepredigt wird, eine kurze 
messe und x-esper von den schulen und iren Praeceptoribus gesungen werde, wie in der alten 
(l'dnung vel-zeichnet, ausgenommen den Sonnahend frue," so entspricht das genau den Vor- 
.«hriften in unserel" lateinischen Ordnung. 
H irsch, der bette (;ewiihrsmanu fol" die kirchlichen Verhltnisse Danzigs. der die 
chiitze der Danziger Archive an Ort und ,qteile Jahre lang bentltzen konnte, bringt hber diese 
erste Ol'dnung von 1557 eiue Reihe von Bemerkungen, die wir zuniichst zusammenstellen und 
dann kritisiren wollen. 
In seiner Gesch. der Oberpfarrkirche II, S. 14, berichtet er: Als Bischof Jacob 
Uchanski im Oktober 155; Danzig besuchte, tberreichten die Prediger auf seinen Wunsch ein 
lateinisch abgefasstes Bekenntniss ihrer Lehre und ihre Kirchenordnung, gegen welche jener 



D anzig. 105 

nichts erinnerte, vielmehr sie freundlich entliess, wie er sich denn auch wihrend seiner Yer- 
waltung (bis 1565)jeder Feindseligkeit gegen sie enthielt. 
Auf S. 50 schreibt Hirsch: ,Denn allerdings stand der Exorcismus in derjenigen 
Kirchenordnung, welche gleichzeitig mit der Augsburgischen Confession angenommen, 155.* (!) 
dem Bischof berreicht worden war und durch dessen Verha]ten gegen dieselbe eine Art gesetz- 
liche Bestiitigung genoss. Prediger Martin Ortscheit hatte den I',ath in einer 21. Miirz 1571 
libergebenen Denkschrift auf diesen Recht.qgrund ganz besonders aufmerksam gemacht." Hierzu 
macht Hirsch auf S. 50 eine Anmerkung, in der es u. A. heisst: Interess«nt ist die Mit- 
theilung (bel Ortscheit nfi.mlich) folgender Stelle aus der verloren gegangenen/ltesten Kirchen- 
ordnung von 1559 (das Original war lat(,inisch):" Alle Ceremonien s«llen nach diesem allgemeiuen 
Befehl Gottes angestellt werden, dass sie der Erbauung, OrdJung, und ZierSeit «lienen, als eine 
/iusserliche Zucht. durch welche der ungelehrte gemeine Mann zu [;ottesfurcht unterricbtet und 
bewogen wird; darum dienen sie rien allerschxviichsten Gliedern der Kircheu und siud ihuen 
gleich, wie eine Anleitung und Anweismg zut wabrhaftige Religion. Es steht nicbt in Ex-ns 
idem frei willkSre dieseib zu indern nach seinem Sinn und (iefallen, weil sie eimml durch das 
Urtei] gottesfhrchtiger uml gelehrter Miinner sind bek-iiitiget und bestiltiget worden." 
Auf S. 23, Anm. 1, schreibt Hirsch: ,Yon dcr erste 15:, (!} nach dem Muster der 
Breslauischen Agende verfassten Kircbenordnung (S. 13. N,te l) ist bis au[ die oben S. 5_, 
Note 1 mitgeteilte ,qtelle nichts mehr tbrig; maa ersieht «ber aus dem S. 13 oben abgedruckten 
Missive, dass der Rath. um Aufsehen der Widersacher zu vermeiden, es ftir nothwendig hielt, 
die lateinische Sprache beim Gotesdien.te beizubehalten." 
Und endlich S. 231 Anm. hei.,st es: Dem (niimlich rien Vorschligen zu einer »euen 
Ordnung) wurde aber nicht Fo]ge gegeben. Vielmehr blieb (;rundlge des (;«tesdienstes bis 
ins 17. Jahrh. hinein eine ara 23. Juli 1567 vom Rathe mit Bezuguahme «u[ einige [rthere 
Verordnungen erlassene Kirchenordnung." 
Diese Nachrichten sind in sich widerspruchsvoll, selbst wenn man die verschiedeaen 
Daten: 1556, 1557, 1558, 155.o, auf Druckfehler zu»'tickfthren m0chte. Wie kann Hirsch 
z. B. sagen, dass der Exorcismus in der Kircbeordnung gestanden habe, wenn er gleicbzeitig 
angiebt, dass nur das eine Stïck von der Ordmmg erbalten sel. welches al»er vom Exorcisms 
kein Wi)rtlein enthfi.lt. Die Nacbrichteu sind aber au«h, jede ftir sich betrachtet, ungeaau und 
stellenweise direkt falsch. Der Passus tber den :Bisclmf Uchanski -- falls er tberhaupt richtig 
st; genau ist er nicht, wie sogleich zu zeigen- bewiese natiirlicb ni«hts gegen die 
uns als erste bezeichnete Ordnung von 1557; denn diese ki)nnte ja die dem Bischof Uchanski 
iiberreichte erste Ordnung in lateinischer ,qp'ache gewe,qe ein. .ber H ifs ch behauptet, dass 
in dieser l)rdnung der Exorcismus gestanden lmbe und teiit das ,einzige erbaltene Sttick" 
dieser ersten Ordnung mit, welches allcrdigs mit unserer ersten (rdmmg niclts gemein hat. 
Aber das einzige Argument von Hirsch, die Eingabe «les l'redigers [rtscleit von 1571, hiilt 
bel Betrachtung des Originals nicht Sich. Ira [riginal  ,St.-A. Danzig. l|dschr. Fol. t'p. 64. 
Punct. XIII -- heisst es niimlich: In der Confession, so dem Erwirdigcn Bischofe tber 
diese Dii)cese tiberantwortet worden, steht in d.m Arikel von don Ceremonien also geschrieben: 
,lle Ceremonien -- wahrhatïtigen Religion" ('ie bvi Hirsçh, a. a. /).). l)er folgende ,atz 
bel H irsch: ,Item --- bestetiget worden", ist nur eine Reflexion v«n Ortscleit selbst, gehSrt 
also nicht mehr, wie H irsch uns glauben machen wi]l. zum Cilat. Was ,ber die Hauptsache 
ist, Ortscheit erwfihnt gar keine alpe Kirchenordnung, sondt.rn uur eine ,Confessi«)n", (iie ïber- 
reicht worden sel und in der jener S, tz gestanden babe (der abrigens auch inhaltlich ganz gut in 
eine Bekenntnissschrift und weit besser dortbin als in eine Kirchenord»ung passt, da er sich nur 
liber die Bedeutung von guten Ce'em,nien ira Allgemeinea verbreitet, die nach dem allgemeinen 
B e fe h l G o t t e s angestellt werden s o I I e n. aber die Ceremonien ira Einzeh»en gar nicht 



]66 P«Jen. Die ehemals polnischen Landestheile des Ktinigreichs Preusen. 
riihrtl. Und bel der Recal,itulation aller Grtinde erwhnt Ortscheit dieseu Gesichtspunkt 
tiberhaupt nicht, sondern spricht von der Augsburgischeu Confession -- und das diirfte auch 
die dem /dischofe iiberreichte Confession gewesen sein. 
Datait sind aile Schlussfolgerungen von H irsch hinfiillig geworden. 
An einer anderen Stelle derselben Eingabe, welche H irs ch nicht verwerthet hat, schreibt 
Ortscheit von der Nothwendigkeit einer guten Ordnung und sagt: ,so habt ir nachdem die 
predigt des heiligen evangelii alhier angethngen eine schriftliche Kirchenordnung von den 
Ceremonien, wie den Euch bewust., entschlossen und gemachet." Wenn darin etas vom 
Exorcismus gestanden hiitte, h5tte Ortscheit es sicher d.rt erwiihnt, wo er die Gesetze auf- 
ziihlt, welche dieses Institut erwiihnen. Ifie Befnerkung von l)rtscheit passt aber vortrefflich auf 
uusere erste (h-dnung von 1557. 
Wenn Il irsch schreibt, dass die erste Ordnung 1558 nach dem 3luster der Breslauer 
Agende verthsst worden sel, so kann er sich dafiu" nur auf den Brief der Danziger von 1557 
au Elbing und Thorn sttitzen, den er S. 13, Note 1, abdruckt Aber darin steht ausdrticklich 
zu lesen, dass der Rath zu Danzig sich 1557 mit einer eigenen (also ersten!) Ordnung bereits 
'er.ehen hatte und dass er hereit sel. weun die Breslauer ()rdlmng eingehe, heide Ordnungen 
zu vergleiehen. Dass dies al,er jemals geschehen ist, dafth" fehlt es an jeder Nachricht. Weder 
aus Danzig, noch aus den anderen Stiidten wissen wir etwas davon. In Thorn konnte man 
z. B. in einer Kirchen,rdlmng, die za-is«hen 156» und 157 verfasst ist (woriiber ich in diesem 
l;ande ,let Kirchenordnungen-Ausgabe unter Thorn berichten werde), behaupten, dass man in 
Thorn bis dahin k,.ine bestimmte, geschriebene Ordnun oder Agende besessen habe; hfitten 
etwaige Verhandlungen zu Danzig tiber die Vorschlige v,n Thorn 1557 stattgefunden und zu 
einem Ziele geftihrl..o hiitten die Th.rner sichel'lieh die gemeinsame Agende der drei Stiidte 
fibernomlnen und 15; nicht in deln obigen Silme schreibeu kSnnen. Auch Wiil'e es gewiss sehr 
merkwïrdig, wenn v.n eiuem so hedeutsamen El'eignisse in Danzig gar keine Nachrichten erhalten 
sein sollten. 
llb, rbei ist noch zu beachteu. ,|ass 3lusiius, der zur Zeit der Abfassung der Breslauer 
[Irdnung (15.',7) in Bl'eslau lehte, sp'iter in Thorn gewirkt hat. 
Auch ist zu bemerken, da.-s in der Correspondenz zwischen Danzig und Thorn von solcher 
Vergleichung und datait einer r.-meinsamen (Irdnung nicht die Rede ist. Ich habe die siimmt- 
lichen Missiven Dauzigs von 1557 durehgesehen (St.-A. Danzig XXVII. 24). Es fanden sich darin 
versehiedene .ehreiben an Thorn. so eins vom 1. April 15.',7 I.dariber, dass der KSnig zu- 
gesagt hal)e, hildïu'der die .tiidte vegen der Religion mit so ernsten l'unkten nicht zu be- 
schweren), al,er nichts on einer kirchenordnung. 
Endlich haben wir noch einen schlagenden Beweis. In der Eiugahe. v;elelae die fur die 
A 1)sehaffung «les Fxol'cismus pliidirenden Geistlichen Dienstags nach Judica 1571 machten 
(()riginal, w»n 1, Geistlichel [Kittel. J«,h. Weidner usw.] untersehrieben, ira ,'-;t.-A. Danzig, 
Hdschr. Foi. Pp. ;4). kalm geschrieben werden: 
,Wenn man einwerfen werde, dass die drei StSd/e Danzig, Thorn und Elbing bewilliget, 
einerlei kirchenordnung zu halten, so sagen wir, es were notig und zu erbauung der kirchen 
Christi hoch nitzlich gewesen, das dieselhige Zeit eine reine christliche kirehenordnung auf- 
gericht und gesehriehen were. An wem aber die schult, das es verhlieben, wird E. Rath 
wissen und ist also die schult nicht «les Ministerii sondern eines Erbaren rath und daher nieht 
wenige und geringe spaltungen, unruhe, und ergernis zwischen den kirchen entstanden". 
Auch die weitere Sachricht von H i r s c h, S. 53. dass ein Rathsschluss von 1571 ,,die genaue 
Beobachtung der alten Kirehenordung xon 155'* (!) eingeschiirft und demgemiiss bel Strafe dot 
Enturlaubung und des Thores die Anwendung des Exorcismus anbefi)hlen habe", ist unbestimmt, 
nieht kontrolirbar, aher sicher -- soweit sie die erste Kirchenordnung anlangt- unrichtig. 



Danzig. 167 

Ëbrigens sagt derselbe Hirsch, S. 231, dass man als Grundlage «les Gottesdienstes bis ins 
17. Jahrhundert lediglich eine ara 23. Juli 1567 vom Rathe erlassene Kirchenordnung (diese 
ist erhalten) benutzt habe; wie konnte «la der Rath 1571 die wn Hirsch, S. 53, erw/hnte 
Verordnung treffen. Ëbrigens gait die Ordnung von 15t;7 nur fïtr die Marienkirche. 
Wir haben als Ergebniss unserer Untersuchung demnach zu betrachten: Ira .Iahre 1557 
gab sich der Rath eine eigene originelle Kirchenordnung, die erste evangelische Danzigs, 
unsere /if. 31. 
Diese Ordnung, als deren Verfasser wohl die damaligen Predikanten zu gelten haben. 
ist eine recht gemiissigte Reformverorlnung. Sie ist sowohl qualitativ wie quantitativ nicht 
sonderlich bedeutend; intmerhin bedeutet sie den Wendepunkt. 
Dass man mit dieser Ordnung nicht lange auskommen konne, iiegt auf der Hani. 
Aber der Rath hiitete sich 'or entscheidenden, Aufsehen erregeden Schriten und bat durch 
diese ë, ngstliche Po|itik die Stadt gewiss vor schwerem Schaden hewahrt. Den Gei,tlichen 
und auch der Biirgerschaft ging das alles natiirlich nicht schnell genu. Die Btirgerschaft hat 
wiederholt den Rath um fortschrittliche Massuahmen ersucht. So finden wir in den Ordnungs- 
Rezessen St.-A. Danzig X. 1. Bl. 157, ein e Eingabe der Btirgerschaft, etwa VOln Jahre 1St;t). 
Ebenda BI. 312 stel,en ,,Artikei von der dl'ittel| Ordnung dem Rathe in| November 15;5 fibel'- 
geben", in denen der Rath unter Bezugltah.te auf eilm /ihnliche l]inga|)e von 1565 gebeten wird, 
dafgtr zu Sol'gen, dass wegen (ier Ih'edikanten keine Uneinigkeit in der Biirgerschaft einreisse, 
und wenn die Lehre der Predikanten recht sel, sie zu schfitzen; der Iath m6ge auch zwei weitere 
Predikanten annehmen, das Amt der Messe VOl" iem Hoch-Aitar halten ]assen 01as ,bezieht 
sich auf die Marienkir«he, wo die prtestantische Messe nur ara Nicolausaltar gehaiten wurde, 
die Capellen- und Kirchen-Zinsen zu Erhaltung der Pre(iik«mten und Schulen verweuden. 
auch die Zinsen vont H[»spital an das Partikular, [larzu sie verordnet seien, wenden. 
mehr Lehrer annehmen u. s. w. Eine /ihnliche Bescilwerung der Sch6ffen v»m t;. November 
1565 findet sich BI. 339. Der Rath antw,rtete ausweichend Icit. loc. BI. :543 ff.), er habe das 
Seinige gethan, um die Wiinsche der Bïlrgerschaft zu erftii|en, inst»es»ndere wegen des Hoch- 
altars und der Abschafiug der l[este des Papstthuuts, er habe an den K6nig und an den 
Bischof geschrieben; die Gemeine miisse sich geduhlen. 
Inzwischeu hatte der Iath ira Jahre 156; Dr. Kittei als .(hel'sten Pl'ediger" sii.mmt- 
licher Danziger Kirchen herufen. Wenn uebeu ihm Weidner und nach ihm l'raetorius eheu- 
falls ,oberste l'rediger" genannt werden, so bezieht sich das wohl nur auf ihre Stellung au 
der Marienkirche. Jedenfails tibel'nahlt,,n Kittel und Weidner jetzt lie fïlhrende Rolle in 
kirchlichen Dingen. Das Staats-Archiv D;nzig enthalt zahlreiche Ei,gaben. die VOlt beiden 
verfasst und unterschrieben siml. Insbesondere beginnen jetzt die Bestt'el)ungen nach eil|el" 
Aufzeichnung ,ler in den Kirchen fiblichen oder erst einzuffihrenden Ceremonien. 
Wie wir aus einer Eingabe Kittels und Weidners, VOln Samstag re|ch Visitat. Mariae 
1568, ersehen, hatte sie der Rath schon 15t;; ersucht, ,ein kurz gezeugnis, 'ie es in unserer 
kirchen ordentli('h m6chte gehalteu werden, auf l'altier zu bringen"; sie hiitten dieses auch 
geliefert, aber seitdem nichts mehr davon geh/)rt. Jetzt habe sie der l-;tth aufgefordert. 
»tliche furneme gravamina aufzuzeichnen" und sie entSl»l'iichen jetzt dieser Auftbrdel'ung. Dieses 
Schreiben Kittels und Weidners von 156,S wird in den Katalogen des Stadt-Archivs umt der 
Stadtbibliothek irreftihrend als ,Kirchenordnung von Kittel 15;8" bezeichnet; es handelt sich 
aber nur um Yorschltge und auch tur um recht unbedeutende, auf die ïlbrigeltS der P, ath nicht 
weiter eingegangen zu sein scheint. FUr das in Danzig geltende I(echt ist daraus wenig 
zu folgern. 
In der Zwischenzeit hatte der Bath wenigstens fiir die Marienkirche eiue Gottesdienst- 
ordnung ara 23. Juli 1567 erlassen. Zu dieser wichtigsten Kirche Danzigs stand der Bath in 



1 Polen. Die ehemais polnischen Landestheile des K6nigreichs Preussen. 

einem besonderen Verhitltnisse. Er hatte daran das Vorsteheramt (die Kirchviiter nennen ihn 
daher auch wohl die obersten Kirchviiter s. unten), das Amt der Verwaltung. nicht bloss die 
staatlichen Hoheitsrechtc, wie tlber die anderen, sich selbstitndig verwaltenden Kirchen. Vgl. 
zu dieser Ordnung ,des Syndikus Lengnich ius publicum etc.", S. 493 ff. (in Inhaltsangabe bei 
,qchnaase, S. 37); Hirsch 2, S. 231. 
Sie ist mehrfach im ,t.-A. Danzig handschriftlich erhalten, so Pp. 59, Pp. 82, und 
wird hiernach erstmalig algedruckt. (Nu'. 33.) 
In Annierkung zu dieser Ordnung drucken wir eine Feiertagsordnung ab, welche ira 
Danziger St.-A. mit der vorstehendcn trdnung v(n 1567 zusammengeheftet ist und wohl eine 
Art Vorarbeit zut Ordnung von 15t;7 darstellt. 
Offenbar wtnschte (let" Rath eine Kirchenordnung ftr die sinmttlichen Kirchen Danzigs. 
In diesen Rahmen fiillt, ausser der soglcich zu nennenden Kirchenordnung Kittels von 15711, 
dcr folgendc Entwurf. 
In der Stdtbibliothek Danzig, Mscpt. Uph. (Uphagenl f. 133, S. 41 ff.. findet 
sich in eirer H«mdschrift lies lS. Jahrhunderts eine ,Ordnung, wie es in der christlichen 
Kirchen zu I)anzig mit l'redigen, Sacramentreichcn und uhlichen christlichen Ceremonien ge- 
halten wïtl'd". 
Da sie noch nirgcnds bcschriebcn ist. gebe ich zunichst einen ausfihrlicheren Auszug. 
Itas erstc Caldtel handelt auf zwei Folioseitcn ,Von den l'crsonen ira Predigerampt": Erstlich 
ein diene «let" kirchen, der ZUln lehramt /i['lltig erkannt und angenommen wird, soll mit 
gt)ttlichcm befehl in seinem atnt das rein lauter wort gottes lehren nach der A. C., den 
Schriften Luthcrs, Melanchthns und den wiederholten confessionihus der siichsischen Kirchen. 
Dcr Kir['hendiener soli in seincm I.ebetswandel ein Vorbild sein, ebenso sein Weib. 
Hieraut folgt ein Abschnitt: ,ç)rdnung, deren sich ein jeder in seinem amt und kirch- 
spiel halten sol". 
Hier wird zunëchst vol'geschrieben, d;ss der Geistliche ara Sonnabend oder heiligen 
Feierabende", d.i. dent Al»onde vol" der Abendmahlsfeier, Einzelbeichte ahhalten und dabei die 
Kenntniss «les Catechismus erforschcn soli. Ara Sonntag Vormittag wird erst der Catechismus 
gctrieben und dann [las Amt folgendermassen gehalten. Anstatt «les lateinischen Introitus 
wird ein dcutschcr l'salin, ,so auf das lest oder dic zcit des Jahres reimet", gesungen. 
darauf das deutsche Kw'ie. Ehre sei Gott in der H6he. Chor und Kirche singt: Et in terra. 
,llein got in der H6he sei ehr. lX'ach diesem kehrt sich der Pt'iester zum volk und singt: 
l ter Herl" sei mit euch. Der Chor: Und mit deinem geiste. Es folgen die Collekten oder 
Gebet venin Feste oder der Zeit, wie dieselben in der Wittenbergischen Kirchenordnung ver- 
zcichnet sein". Darauf wird die Epistel gesungen oder gelescn. Alleluja. Ein Psalm, 2 oder 3 
,nach d[,r zeit gelegenheit, welche die ganze kirche auch lernen und mitsingen sol und darum 
oft sollen einerlei gesenge etliche zwci nach einander gebraucht werdcn, namentlich diejenigen, 
in welchen die stticke (les catechismi otdcntlich gef;tsset". Hicrauf wir[i das Evangelium ge- 
lesen oder gcsungcn. ])as deutsche p«trcm. Wit" glauhen. Es folgt die Predigt oder die 
Erklerung «les Sonntags- odeï Festtags-Evangelii, welche ungeflhï drei viertel stunden wehren 
soli. Nach der l'redigt wird gewShnlich «las Abendnlahl und zwar folgendermassen gefeiert. 
Zuniichst wird eine Ermahnung gesprochen. ,Lieben freuude Christi, weil wir hier versammelt 
sind u. s. w." (Umfang: 2 Folioseiten). Dann werden die Einsetzungsworte gesungen, und wenn 
die Worte gesunen werden l«m er «las brod", ,nimpt der priester die paten mit der geordenten 
hosticn in die hand ohn alles papistisches creuzigen und andere geberde, also auch, wenn er die 
worte singt: nain er den kelch, nimmt er don kelch in die hand und wenn die ganze vollkommene 
wort der einsetzung Christi geredet, singt er: Der Hcrr sei mit euch; antwortet der Chor: 
Und mit deinem geist etc.", worauf die Communion volgt, erstlich den mannspersonon und 



Danzig. 

dann den frauen, dermassen das alles, so zum brauch des abendmahls geordnet und gesegnet, 
rein aufgehe ohne tiberbliebene versldllirung oder wegsetzen. Mittlerweile singt der Chor oder 
Kirche den deutschen gesang: Jesus unser Heiland, oder (;ott sei gelobt. Nach verichter 
Communion singt der priester: Der herr sel mit euch; antwortet der chor: Und mit deinem 
geiste. Folgends diese deutsche Collekte: Wir danken dit allmachtiger gott, dass du uns 
durch diese heilsame gabe hast erquicket u. s.w. Worauf das ganze amt mit dem Segen ge- 
schlossen wird". 
Hierauf folgt nur folgender Satz: »orm der taufe aus der wittenbergischen Kirchen- 
ordnung". 
Sodann folgt der Abschnitt »Von ordnung des Trauens". »Erstlich sollen die, so zut 
ehe greifen wollen etc." (sic!). 
zum ehelichea gemahl haben? Dieweil ihr dentl euch zum ehestand begebet (folgen die Ein- 
setzungsworte Gen. 2), sodann das Gebot gottes tiber den ehestand. Darauf erinnert der 
Priester sie ihrer Pftichten .... »lasst ein jedes insonderheit also sprechen : 
zu einem ehelichen gemahl und gelobe dir meine christliche treue, dich nimmermehr zu ver- 
lassen, so wahr mir gott helfe. Die eheliche lJfiicht, die ihr da vor gott mit seiner gemeine 
einander gelobet habt, bestetige ich aus befehl der christlichen gemeine und spreche euch 
ehelich zusammen. Auf dss Gott seinen Segen gehe. knieet nebeneinander und sprecht mit 
mit und der gemeine gottes also: Herr gott, der du Mann u. s.w.". Folgt der Segem Datait 
hrt die Ordnung auf. 
Dass -ir es hier mit einer Danziger Ordnung des 16. Jahrhunderts zu thun haben. 
ergeben berschrift und Inhalt (dass die Ordnung ans den Anfiing- der Bewegung stammt, 
ergeben Vorschriften, wie die tber die Nothwendigkeit und die Metho,le, der Gemeinde die 
Kenntniss deutscher Kirchengesange beizubringen. Einen weiteren Anhat f:r die Zeit- 
bestimmung giebt der Hinweis auf die Sorge fur Reinheit der Lehre und die .erneuerten 
silchsischen Confessiones". Die Ordnung liegt also nach 1551. 
Als Quelle giebt sie selbst wiederho]t die Wittenbergische Kirchenordnung an. Ein 
Randvermerk von Rosenberg auf dem Exemplar besagt ,aufesetzt um 15(0 etliche 6". 
Was es ira Einzelncn mit diesem Stack ftr eine Bewamltniss hat, ist mangels weiterer 
Anhaltspunkte schwer zu sagen. Ich halte es fÏr eine der Zusammenstellungen des geltenden 
Rechtes, wie sie auf Anregung des lathes in den Jahren 1567 ff. versucht wurden. Von wem, 
ist nicht anzugeben. Und es mag dah«,r bei dcln obigen Auszuge sein Beenden haben. 
Wichtiger als dieser Entwurf, «let" ledilich die Wilnsche einzelner geistlichen Kreise 
wiedergiebt, wurde die ,Kir'chenordinanz « von 1570. In diesem Jahre erbat der Rtth Vor- 
schliige zum Erlasse einer Kirchenordnung far aile Pfarrkirchen Danzigs. Senior Dr. Kittel an 
St. Marien arbeitete den Entwurf ira Einvernehmen mit dem gesammten Ministerium aus und 
tiberreichte dem Rathe 157 diese ,irchen-Ol'dinanz". Sie ist ira St.-A. Danzig in Hand- 
schriften des 16. Jahrhunderts mehrfach erhalten, so Pp. 59.- Diese sogenanute ,Kirchen- 
Ordinanz" ist nur ein Vorschlag un(! ist auch ein solcher geblieben. Dcm der Rath sch.ute sich 
vor ganzen Massnahmen. Aber einmal haben wir es hier mit einem VJrschlage des Gesalnmt- 
ministeriums zu thun, und dieser Vorschlag enthiilt offtnbar in vielen Dingen eine Fçrmulirung des 
thatsichlichen Rechtsstandes und zum anderen 5Iale wird er auch whl -- trotz dcr mangelnden 
formellen Approbation des Rathes -- thatsichlich die Richtschnur in der Folgezeit abgegeben 
haben. Da wir nun ausser der iiltesten Ol'dnung von 1557  auf welche sich die Ordinanz 
bestindig beruft  Aufschltsse tber gottesdienstliche Verhitltnisse lur noch aus der Ordnung 
von 1567 und dieser Ordinanz erhalten, bringen wir sie erstmalig zum Abdruck. (Nf. 34.) 
Eine ausfahrliche Inhaltsangabe findet sich bei Schnaase, S. 39. Wenn Schnaase 
dort zu begrtnden versucht, dass die hiufig vorkommende Verweisung auf die »alte Ordnung" 
$ehling, Die Kirchenordnungen. IV. 



17( 

Polen. Die ehemals polnischen Landestheile des KSnigreichs Preussen. 

sich nicht auf eine geschriebene Danziger Agenda, sondern auf die katholischen Zustnde be- 
ziehe, an denen man mit Ricksicht auf den tlof m0glichst wenig ii.ndern wollte, so ist das ein 
Irrthuln; die ,alte Ordnung" ist die Ordnung von 1557. 
Wenn man von der kurzen Aufzeichnung von 1557 absieht, hat im ganzen 16. Jahr- 
hundert Danzig keine officielle Agende gehabt. So konnten bei der Berathung der ersten 
officiellen Agende Danzigs von 170 die Geistlichen erklaren, die evangelische Kirche Danzigs 
habe bis dahin keine ,,Agenda" besesst.n- Schnaase, S. 1:),1)--, was natih'lich mit Ein- 
schrinktmgen zu vel'stehen i.,.t. Denn wo der Rath versagte, halfen sich die Geistlichen selbst. 
Charakteristisch ist dabei (las lauge Festhalten an den alten Formen. Das erklart sich aus 
der Entstehung der Kirche, wo man tii-,er dl'eissig Jahre lang die evangelische Lehre neben 
fast unveriindertêm katholischen Ritus bekannte (tIirsch 2. S. 230), und aus der ngst- 
lichkeit, lnit welcher der Rath an eine ndel'ung gerade in iiusseren Dingen heranging. So 
weist denn der Gottesdienst noch gegen Ende des 11i. Jahrhunderts zahh-eiche katholische 
Formen auf, wie Metten, Messen, Vesper, Feier der meisten katholischen Feiertage, wie der 
Marivnfestc, Lichter, Caseln u. s. w., nalnentlich aber auch den fast ausschliesslichen Gebrauch 
der lateinischen Sprache (Hirsch 2. S. 232). Die Anregungen, die deutsche Sprache in der 
Liturgie durchzufihl'en  vgl. den von mit oben ausfihrlich besprochenen Entwurf, der viel- 
leicht identisch ist mit deln w»n ttirsch 2. 8. 231 Anm., erwahnten--, fielen beim Rathe auf 
keinen fruchtbaren B¢»den; er mochte gerade die lateinische Sprache als ein Kennzeichen fur 
den Zusalnlnenhang mit der alten Kirche 1,etrachten, das man gelegentlich der Krone gegen- 
il)er in (las Fehl fiihren konnte. Kein Wunder war es deshalb, dass die Prediger hie und dort. 
selbstindige ndel-ungen vornahlnen oder sich fremder Agenden bedienten. Aus Andeutungen 
in den Schriften des Copius IH i r s c h 2. S. 232 Anm.) erfahren wir auch von solchen gedruckten 
oder geschriebenen fremden Agenden, z. B. der Sachsischen, 'tirnbergischen und Branden- 
1,urgischen (eine Ireslauische wil'd nidtt erwiihnt). An St. Johannis und St. Marien hielt man 
l,esmdel's stark an (leu alten Formen fest tri i r sc h 2, S. 232 Anm.) ; man betrachtete spitter gerade 
in den alten Cerem[,nien ein Kennzeichen echten Lutherthums gegentbel" dem Calvinismus 
(H irsch 2, S_. "» "» ».. . ,., ff.). Erst seit 15!0 wm'den die alten Ceremonien mehr und mehr abgeschafft, 
so die lateinische Sprache in der Liturgie, die Lichter, die Privatheichte u. s. w. (FOr die 
Privatbeichte wird f|il- die iiltere Praxis ein zu Danzig und K6nigsberg gedrucktes Beicht- 
1,ïchlein von H irsah 2, S. 238. genannt, welches ich bis jetzt n,»ch nicht aufgefunden habe.) 
Liber den durch die AI)schafl'ung der Ceremonien entstandenen Ceremonienstreit vgl. Hirsch 
o S. oo' 
.. __1 ff. 
Ebenso wenig wie fïlr den [;ottesdienst ist fui" andere Theile des Kirchenrechts, z. B. 
das Verln0gen.recht, die Gesetzgehung des Rathes eine sehr fruchtbare gewesen. Man liess 
es wesentlich beim Alten und vertraute auf die gewohnheitsrechtliche Fortbildung. Geeigneten- 
falls konnte man ja immer cingreifen. 
Da ist nun von hohem Interesse eine Zusamlnenstellung, welche die Kil'chvëter von 
St. Marien ira Jahre 11;12 vorgenonnnen und dem Rathe Zlll" Sanktion unterbreitet haben  die 
allerdings wohl nicht erfolgt ist. Iie Kirchviter stellen hier mit grossem Fleisse das Gewohn- 
heitsrecht fth- die Verwaltungsthi(tigkeit der Kil'chenvëter in Paragraphen zusammen und 
nehmen in diese ihre Aufzeichnung alle einschlagenden Erlasse des Pathes auf. Die grund- 
l egende ]athsol'dnung, von der die Kirchenviiter hierbei (ira Jahre 1612!) ausgehen, stammt 
aus der katholischen Zeit, nfimlich vom Jahre 1457. Das ist die ,alte Kirchenordnung", von 
der in der Ordmmg 0fters die Rede ist, z. B. in den Artikeln 1, 4, 7. 
Ausserdem kann diese Aufzeichnung nur noch zwei einschlagende Rathsordnungen aus 
dem 16. Jahrhundert namhaft machen, niim!ich einen Raths-Abschied tber Zwangsvollstreckungs- 
privilegien bei kirchlichen Schulden vom 1(;. Januar 1573 (Nr. 36) und eine Chorordnung von 



Danzig. 171 

1572 (/r. 35). Obwohl die Aufzeichnung keine formelle Ordnung bildet und auch von 1612 
stammt, drucken wir sie ab, wei] sie die Praxis des 16. Jahrhunderts wiedergiebt. 
Der genaue Titel dieser ira St.-A. Danzig, Hdschr. Pp. 46, Bl. 3]1 ff., enthaltenen Zu- 
sammenste]]ung lautet: Alte Kirchenordnmg der Kirchen St. Marien in ,let" Rechten Stadt Danzig 
nach itzigem Zustande und wie es mit a]len derse]ben Kirchen-Offizianten nach 
dem gefa]]enen Babstthumb bis dahero gehalten worden und noch gehalten wird. Item Schul- 
Ordnung, der Schu]en daselbst, wie sie die itzige kirchenviiter vor sich gefunden und in etz- 
lichen punkten verbessert. Durch die dazu besta]ten Kirchenviter oder V,rsteher aufs 1N'eue 
revidiret und artikelsweise in eine gewisse ordnung gebracht, ira Jahre 1612. 
Die vorliegende Handschrift stammt aus einer spïttcen Zeit, etwa aus deta Ende des 
17. Jahrhunderts, und enthiilt auch einige Zusï«tze aus ,ler sp:iteren Zei des 17. Jahrhunderts, 
die als solche kenntlich gemacht sind. (Nf. 41.) 
Ira Danziger St.-A., Hdschr. Fol. l'p. 4;, folgt auf die grosse Kirchenordnung 
von 1612 eine ,Schul-Ordnung der Schulen zu unser lieben Frauen. oder St. Marien, 
der Rechten Stadt Dantzig, wie sie die itzigen kirchenvater far sich gefunden, aufs nette 
iibersehen un,l in etzlichen punkten verbessert. Auno 1612" (s B]itter Folio). Sie wird nicht 
abgedruckt, obwoh] sie «,ffenbar a]s Bestandtheil «let" Kirchenordnultg gedacht ist. 
Unmittelbar darauf fo]gt als Anhang zur Kirchen- und Schulordnung Appendix. 
Ordnung, wie es mit den verehrungen soli gehalten werden, so den Kirchenofficianten in gemein 
gegeben werden von den fremden, so die Pfarrkirche uud derse]ben zierat beschaueu und auf 
der orgel ihnen zun ehren gespie]et wird". {I)en Anlass bi]dete ein fOr.-t]icher Besuch der 
Marienkirche 1610.) Sie wird nicht abgedruckt. 
Ira Jahre 1558 wurde «las Gynmasium -- l'articular -- zu l)anzig errichtet (Hirsch, 
Gesch. des akadem. Gvmnasiums in lanzig, ira l'rogr. «les Gymnasiums 18:J7; Fischer, in 
Ztschr. des Westpreuss. Ischichtsvereins 2;. ,. 5 ff.; Fre)tag, Wie wurd¢ I)azig 
evangelisch'. S. 47 ff.). 
Ira Innern wurde Danzig durch Lehrstreitigkeileu der Geistlichen schwer heimgesucht. 
Der Abendlnahlsstreit wurde durch die ,Noel" vou 1562 heigelegt. Die Concordia oder Note| 
vom 17. Juli 1562, von I)r. Johann von Bart ira Auftrage (les Rathes verfasst und von allen 
Geistlichen unterschriehen, erschien 15t;2, 4 °, in Danzig ira Drucke. Neuer Abdruck hei 
Hartknoch, a. a. ). S. t;:,9--7tto; vgl. auch Gustav K)z. Die Danziger Concordienformel 
aber das heilige Abendlnahl. Notel zunitchst und ihre apologia. 15t;1--1567. Kiiigsl)erg 
1901: H. Freytag, in Ztschr. «les Vestl,reuss. 6eschichtsvereins 38, S. lff., 2fl: tS. 9tt 
Angaben aber das Original ira Stadt-Archiv zu Danzig und Abschriften «let" Notel). (:ber die 
weiteren Streitigkeiten nach der Sotel s. ebenda S. 92 ff.; Fisch er. in Ztschr. des West- 
preuss. (_;eschichtsvereins 2tJ, S, 61 ff.; Schnaase, a. a. O. S. 45 ff.; Hirsch, Oberpfarrkirche. 
S. 25 ff., 198 ff., 118 ff.; Freytag, Wie wurde Danzig evangelisch? S..'at ff. ltie Notel wird 
nicht abgedruckt. 
Erwiihnt sel von den spiiteren Streitigkeiten nur l"olgen,les. I:ereits unter dem 
19. Juli 1585 hatte der Rath eilt scharfos Dekret erlassen, in welchem aile l)isputatiolwn aber 
die Abendmahlslehre auf der Kanzel und aile lwrsi)ldich[,n Angrifl'e den l'redigern hei Strafe 
des ipso iure eintretenden Amtsverlustes verboten wurden (handschriftIich lin St.-A. i)anzig, 
,qtadt Danzig, Hdschr. Fol. Pp. 46), Es hatte offenhar nichts geholfen. Eine neue Ordnung 
erging dieserhalb 1586. 
ber dieses Decret des Rathes vom 23. Oetober 1586, welches erneute Streitigkeiten 
der Geistlichen beenden sollte und die l/otel als die Bekenntnissschrift l)anzigs besttigte, "«gl. 
Hirsch, Oberpfarrkirche. S. 213ff. Handschriftlich ist (las Dceret erhalten ira St.-A. Danzig, 
XXXV, B., l'iv. 2, auch ebenda Hdschr. Folio Pp. 46 (.auch lu der K6nigl. Bibliothel; l:crlin, 
22* 



172 

Polen. I)ie ehemals polnischen Landestheile des Kiinigreichs Preussen. 

Mscr. Boruss. Fol. 32, woselbst sich auch ein Decret des Raths zur Deklaration dieses Decrets 
vom 28. November 1586 vorfindet), und soll hier abgedruckt werden, da es auch einige 
a]lgemein giltige Siitze enthalt. (Nr. 38.) Das Decret findet sich abgedruckt in der vollstandigen 
Chronik Curickes (vgl. zu den zwei Ausgaben von Curicke Ktz, in Ztschr. des histor. 
Ver. fiir den Regierungsbezirk Marienwerder. tleft 41 [1902], S. 2o ff.), Lib. IV, Cap. 10, S. 338 ff. 
Die 'otel blieb bis zum Untergange der freistdtischen Verfassung 1793 die Bekenntniss-Grund- 
lage, und aile Geistlichen, sowohl die lutherischen wie die calvinischen, haben sie unterschrieben. 
Einen weiteren heftigen Streit entfesselte 1570 ff. die Frage des Exorcismus, vgl. 
Schnaase, S. 54 ff.; Hirsch, S. 46 ff. 
Uber die Bildung einer eigenen reformirten Gemeinde, die von den Reformirten (be- 
sonders Dr. Fabricius) v«rgenommenen nderungen und die dadurch entstandenen Streitigkeiten 
vgl. Schnaase, S. 545 ff., 555 ff.; Hirsch 2, S. 65 ff. 
Die Kirchenverfassung in Danzig entwickelte sich natiirlich auf stadtischer Basis, da 
weder der Landesherr noch der Bischof der neuen Lehre beitraten. Der lath fiihrte auch in 
kirchlichen Dingen ein strenges Regiment und liess weder den Vertretern der Biirgerschaft 
noch der [;eistlichkeit einen Anteil an diesem zukommen. Lediglich in Ehesachen behielt 
zunichst der Bisch«f von Leslau noch eine gewisse Jurisdiction auch iiber die Evangelischen 
tvzl. G r al a t h, Diss. de iurisdictione in causis matrimonialibus.., in foro Gedanensi. legiom. 
17;:ç Schnaase, a.a.O.S. 321. 
hu Jahre 157 hatten 1,ekanntlich die Geistlichen auf Erfordern des Ra:hes ihre 
Wtmsche ïber eine .Kirchen-Ordinanz" eingereicht. Die Geistlichen wiinschten insbesondere 
einen gr0sseren Eiufiuss auf die Besetzulg und Entsetzung der Geist]ichen; sie wiinschten 
ferner, dass eine Commission aus den Geistlichen und einigen Rathsmitgliedern gebildet werden 
sollte zur Entscheidung der Streitigkeiten unter den Geistlichen (das wiire also eine Art 
Consistm'ialverfassung gewesen, sowie dass die Kirchenordnung verschfirft und insbesondere 
der Bann eingeftHrt werden sollte. Der Rath hatte aber gegeniiber den Lehrstreitigkeiten der 
Prediger wenig Neigung. die Leitung ciel- kirchlichen Dinge aus der Hand zu geben, und hatte 
inson,i,rh,it gegeniiber der kirchlichen Strafgewalt erhebliche Bedenken. Er ging deshalb auf 
diese Vors«hliige ni«ht ein Ivgl. auch Schnaase. S. lt8 ff.; Hirsch, S. 19ff.. 52 ff.), sondern " 
behielt das Kirchenregiment unbeschriinkt in seiner Hand: selbst bei rein theologischen Ent- 
cheidungen bediente er sich nicht einmal stets des Beirathes seiner Geistlichen. wozu aller- 
dings das Verhalten der Gei-tlichen selbst nithigte. Musste doch der Rath oft zu Absetzungen, 
j.t sofortigen Ausweisungen schreiten (vgl. u. A. Hirsch. [)berpfarrkirche. $. 18 ff., 29 ff., 
2«t ff., 2151. um Ruhe und Frieden zu erhalten. 
Ira Jahre 1.575 wurde durch einen Pathsschluss bestimmt, dass neben der Notel das 
Corpus doctrinae Philippicum syml)olische Geltung haben sollte, und dass auf Grund dieser die 
Gesammtheit der Danziger (;eistlichen die Prtifung und Ordination der anzustellenden Geist- 
lichen in Zukunft handhaben sollte. Datait war das Ministerium Gedanense als Behirde an- 
erkannt, wenn auch nur mit geringen Befugnissen. Vgl. Hirsch, a. a. O. 2. S. 63; Frey- 
tag, in Ztschr. des Westpreuss. Geschichtsvereins 38, S. 96 ff.; S c hna ase, Evang. Kirche 
Danzigs. S. 32. 43, 58, 95 ff. 
Der Senior des Ministeriums versammelte die sammtlichen Geistlichen zu Conventen. 
I)as iltel» Material ist al)er leider nicht erhalten. Ober die Priifungen der Candidaten vor 
,lem Ministerium s. Schnaase, S. 78 ff. ()ber die Ernennung der Geistlichen ebenda S. 89 ff., 
die Ordinationen lein l)esonderes Ordinatiousf«rmular stammt erst von 1629) ebenda S. 95 ff. 
Die heftigen Anfeindungen, welche die Geistlichen gegen einander richteten, und die 
vielfach zu vtilliger kircldicher Anarchie fthrten, brachten es mit sich, dass der Rath 1586 
der Geistlichkeit die enigen Jurisdictionsbefugnisse, niimlich das Recht zur Ordination und 



Danig. 173 

Prlifung der Ordinanden -- xvenigstens vorlfiufig --, wieder entzog und die etwa n5thigen Ordina- 
tionen durch das Consistorium zu Stolp vornehmen liess (so H irsch 2, S. 25; doch findet 
sich im St.-A. Danzig, Hdschr. 35, B. Nr. 2, das Origin,ql eines Ordinationszeugnisses, welches 
Dr. Cogeler d. d. Stettin 1591 fur Jacob Mathaei ausgestellt hat). D«mit tritt das Ministerium als 
gesclflossene Corporation wieder ganz in den Hintergrund. Bis zur erfolgreich durchgeftihrten 
Einigkeit (1629) bat der Rath die Geistlichen nur ganz selten zusammenberufen tH irsch 2, 
S. 205). Wenn Hirsch 2, S. 25, von einer ,,Auflsung" des Ministeriums spricht, so ist das 
allerdings etxvas zu schroff formulirt. Denn noeh in dem Deeret vom 2:. October 1586 sieht 
der Rath die M6glicbkeit vor, dass Streitigkeiten unter dên Geistliehen VOl" das ,.Xlinisterium « 
gebracht werden k0nnen. Auch bitten z. B. die Werde_rischen Prediger" das Ministerium  
der Stadt um Pri]fung der von ihnen aufgestellten Kirchenordnung (vg. St.-A. Danzig. Hdschr. 
35, B. Nr. 2. Das Stock ist nicht datirt, stammt aber offenbar aus der ersten Halfte des 
17. Jahrhunderts, vgl. aueh unten S. 174}. 
Wie der lath Lehrstreitigkeiten unter der eigenen Geistlichkeit zu steuern wusste, 
oben gezeigt worden. Aber auch sonst wusste der Rath seiner Yerpttichtung als christliche 
Obrigkeit, flir die reine Lehre zu sorgen, nachzukommen. 
Die Willkiiren der ,qtadt (vgl. dazu Simson, ;eschichte der Danziger Willkiir. 
Danzig 1914; t;tnther, in Ztschr. dcs xvestpreuss. Oeschiehtsvereins, Heft 48, S. 1 ff. ent- 
halten keine eigentlichen kirchlichen Bestimmungen. In einem Edict VOln 26. April 1.573 tStadt- 
bibliothek Danzig, MSCl'. 1381. B1. 143b) wurden mit Ri]cksicht auf die sich breit machenden 
Wiedertaufer, Sacramentirer und andere Secten diê Bestimmungen der Willki]ren gegen die 
Fremden erneut eingeschirft. IDarnach ist ,qehnaase, S. 59 zu berichtigen. Vgl. iibrigens 
auch unten S. 201, Art. 8. 
Der Rath ftihrte ein strenges Regiment. Davon geben die Faszikel ira t.-A. Danzig, 
XXX¥, B. 3, 4, Varia Religionssachon gten Aufschluss. Hier haben wir zahllose, fiir die 
Gesehichte der Stadt bedeutsame Stileke, namentlich S'chreibon der ;ei.,,tlichen, Einaben an 
den Ratla (mit zum Theil darauf gesetzten Vet-merken ilber die roui Rathe gefasste Eut- 
schliessung), z. B. in Bes«ldungs-, Besetzungs-, Lebrstreitigkeits-Angêlegenheiten. Darunter 
auch die Eingabe von zwei Kirchvitern zu St..XIrien vom 31,. Miil'Z 152, sie nicht luit 
weiteren weltlichen Geschiften zu beschweren, da sie genug mit den Kirchengeschiften zu thun 
hëtten; insbesondere bitten sie, sie nicht auf das Rathhaus zu citiren, denn ilberall seien die 
Kirchenvorsteher von weiteren amtlichen Gesehg.ften eo ipso befreit. Der tlath ,.als die 
obersten ¥orsteher und Kirchen-Veter m5chten deshaih ein Einsehen haben". Der Rath be- 
schliesst, dass diese zwei Kirchenv,ter nicht mehr zum Rathhaus zu konunen brauchen. 
Jahre 1577 baten die Kirehenviter von St. Barthololnii, sie von den Wachen in Friedens- 
zeiten zu befreien; in Kriegsfllen wollten sie ihren Mann stehen 'ie die Anderen 
Danzig, B. XXXV, 3). 
H. Freytag hat in Ztschr. des westpreuss. Geschichtsvereins 3:*, S. :O ff., zwei 
Armenordnungen publicirt, eine von 1525 nach einer Handschrift des 17. ,[ahrhunderts (Stadt- 
bibliothek Danzig, Mscr. 681. BI. 128 a--129 b) und eine andere von 1551 nach dem Drucke 
von Franziskus Rhode. Danzig 1551 {Exemplar nul' der Stadtbibliothek). Die Armen- 
ordnung von 1525 hat sich inzxvischen in zwei weiteren Handsehriften der .qtadtbibliolhek x'or- 
gefunden (O. f. 76, 1, und U. f. 14, 1}, die zwar aus dem 18. Jahrhuldel't stammen, aber doch 
einen guten Text bieten. Da die Armenordnungen aus dem {;eiste der Ief, rlnation geboren 
sind, werden sie hier abgedruckt. (h'r. 29 und .'r. 3[.} ir legen bei h'r. 2! die Handschrift 
aus der Stadtbibliothek Danzig, Mscr. 681. zu Grunde und geben die Abweiehmgen der heiden 
anderen Handschriften in Anmerkungen. 



174 olen. Die ehemals polnischen Landestheile des K6nigreichs Preussen. 

Zur Geschichte des Armenwesens vgl. Schnaase, a. a. O. S. 25 ff., 157 ff.; Freytag, 
Wie Danzig evangelisch wurde. S. 40 ff. 
Aus dem 1;. Jahrhundert sind dann noch einzelne Anordnungen des Rathes zu ver- 
zeichnen, so dic .ogenannten Ki)sten-Ordnungen. Das sind Hochzeitsordnungen, die zwar iiber- 
wiegend polizeilicher Natur sind. insoweit uie sich gegen den Luxus richten, die aber doch auch 
kirchenrechtliches Mater,al enthalten. Giinther hat sie in der Ztschr. des Westpreuss. Ge- 
schichtsvereins 42 (1!,0), S. 183 ff., eingehend behandclt, aber keine abgedruckt. 
Ira St.-A. Danzig, XXXI, B. l, lX'r. 5., finden sich zwei handschriftliche KSsten- 
ordnungen, eine vom 13. April 159/. und eine iihnliche vom 25. Al,fil 1595, die fast wSrtlich tiberein- 
.,tin,men. Beide sollen ,ach dem Schlusssatze ,iffentlich in KSnig Artus hoffe in schrifften 
jedermenniëlich furgestellt werdq,". Diese zwei Ki)stenordnungen sind Erweiterungen einer 
Mteren Ki.,tenordnung w»m Jahre 1564, welche sich handschriftlich in der Stadtbibliothek Danzig, 
Mscr. l:;81, S. 15[ ff., vorfindet. Diese letztere stellt sich wiederum als D;berarbeitung einer 
Ki)sten.rdnm,g von 1.',5; dar. welche zut Zeit noch nicht gefunden ,st. Wir drucken alle drei 
[rdnungen al (Nf. 32. 39, 40), und zwar bei der von 15.% nur die Abweichungen von der 
[h'dnung von 15f, I in Anmerkungen. 
Kistenordnungen sind ilbrigens auch in den weiter unten zu erwiihnenden Kirchen- 
.rdnungen fï, r «las Land von 1591 und fiir den Stilblau'schen Werder von 15,2 enthalten. 
Weiter ist zu nennen eine Verordnung des 1Rathes wegen der P, egriibnisse und Fest- 
t;tgsfeiern vonl Ausgang «les .Iahres 1:,78. Diese Verordnung findet sich ira Concept und in 
leinschritt ira St.-A. Danzig, XXXI, 1:. Nf. 4:3. Auf dem Concept ist vermerkt: Intimation 
wegen der Leiche, zu begrahen, iten, die Kinder zu tauflen. (Davon handelt aber der Text 
gar nicbt!} Ist nicht angeschlagen, sondern von Canzeln abgekiiudigt und gelesen worden. 
(;eschehen Anno 1578 ira ausgange desselben. (Ne. 37.) 
l',eachtenswerth ist aueh. wie Danzig for die ihm unterstellten Ortschaften sore. 
Da ist 7ri nennen die Verordnung, welche ara 25. Oetober 153 filr die Stadt Hela 
erging. Sie ist ahgedruckt bei I, eman n, Westpreuss. Provinzial-Fteeht 3, S. 2.q; ff. Die zwei 
ersten Capitel werden hi,r abgedruckt. Nr. 43. 
["ber eine Kirehen- und Strand-[)rdnung des Landes Hela vom 25. Januar 1623 vgl. 
Catalog der Stadtbibli.,thek Ianzig. Bd. I. Theil I: Die Danzig betr. Handsehriften. Danzig 
i:,2. Nf. 714. 11; ebenso: 724, 421 und 754. 14. 
Unter (h.m 8. Februar 17,82 erneuerte cie,-R:,th fil," des, Stildau'schen Werder eine 
Kirchenordnuuu. ,io wird hier erstmalig aus St.-A. Danzig. Abth. 7, :Nr. 164a. abgedruckt. 
(Nf. 42. 
Ferner ,st zu nenueu" E. E. t:aths der Stadt Danzig Ordnung. wie es hinvort in allen 
ihren Ihrfschaften ntit folgenden ,achen sdl gehalten werden. 15.ql. Sie findet sich hand- 
schriftlich ira St.-A. Danzig. Ihlschr. Fol. Vv. 137, lit. K. lX'r. 3, und wird erstmalig darnach 
abgedruckt, soweit sie hierher gehi)rt. Sie idinelt der )rdnung fur den Stiihlau'schen Werder 
von 1582. (Nf. 
In, 17. ,Iahrhun,h,rt, wie hier ;,ur noch erwiihnt sein soli, entfaltete der Rath eine 
rege gesetzgeberische Thiitigkeit auf kirchlichem [;ebiete. Zahlreiche An-rdmmgen liegen vo,-, 
die nach den Registern ut, d Catalogen des Staats-Archivs und der Stadtbibliothek unschwer zu 
ermitteln sid. 
Ich nenne nur die folgenden: Ordnung E. E. laths fiir die Dorfschaften 1604 (Catalog 
dcr Stadtbibliothek Danzig. Bd. I, Theil I" Die Danzig betr. Handschriften. 444, lO). Vgl. auch 
,Puncta, um welche die Werderischen l'rediger zu erbauung irer gemeinen bei der obrigkeit 
anzuhalten gesonncn, selbige aber zuvor ('ensurae et judicio eines Ehrw. Ministerii in der Stadt 
wollen subn,ittirt habe,". Hier wird um erneutc Publication der 1604 gedruckten Ordnung 



A rmenordnung for Danzig von 1525. 175 

gebeten (St.-A. Danzig, Hdschr. 35, B. Iqr. 2); Kirchen-Ordnung des Rathes lt;54 {Catalog 
der Stadtbibliothek. Bd. I, Theil I: Die I)anzig betr. Handschrifen ;.q7. 41}; Tauf-(}rduung 
des Raths 1628 (Catalog der Stadtbibliothek, Bd. II, Theil II, herausgegehen vou l'rof. Dr. 
Giinther. Danzig 1903. S. 289; auch St.-A. Danzig, Hdschr. l'p. 821; E. E. Raths Ordnung, 
wie es mit den Kirchen-Visitationen auf dem Lande soll gehalten werden, lC48 (Catalog der 
Stadtbibliothek, Bd. II, Theil II, S. 329); Chorordnung vom 23. September 1653 St.-A. 
Danzig, Hdschr. Fol. Pp. 46; verschiedene Luxus-Polizei-Ordnungen u. s. w. 
Endlich ist aus dem 17. Jahrhundert die segensreiche Einrichtung eines Prediger- 
Wittwen-Kastens zu nennen. Vgl. Stadtbibliothek Danzig, Mscpt. Of. 76, 697, Ordnung wegen 
E. E. Ministerii Wittwenkasse 1,;?,:; Schnaase, a. a. O. S. l:a ff. Das Original der 
Fundationsurkunde vom 27. Januar 1634, welches mit einem schSn gemalten Titelblatte ver- 
sehen und von sfimmtlichen Geistlichen uuterschrieben ist, findet sich ira Archiv (les Geistl. 
Ministeriums zu Danzig (in der Marienkirche). 

,Ein jeder rottmeister z} soli von wegen der 
armen in seiner r-tre dreierlei «,rdnung halten. 
Niimlich zum ersten soli er in schriften hahen 
und anzeichnen aile hausarmen, die nicht wanken 
oder ausgehen k5t)nen und der almosen diirftig sein. 
Zum andern, wann und wie ofteres auch an 
welchen stellen die armen nnd bettler sollen zu- 
sammengerufen werdena), nm sie zu besichtigen 
und zu mnstern, auf dass man die mustern m«ige. 
Welche aber die schaden hab,m an ihrem leibe, 
und das neue schaden mSgen sein, die soli man 
fragen, von was jegend sie sein und untersuchcn 
die warheit nnd machen attfmerkung ihrer heimat 
und sehen, ob sie auch dieselbe tiberrechnen l migen 
von wegen des schadens, datait sie gott besnchet 
bat. So sie mSchten ihre heimat ,,der vaterland 
errechnen ), weren sie aus der stadt dahin zu weisen 
bel solcher strafe, wie nachfolget, gleich den andern. 
Und der rottmeister soli nebon den andern in 
seiner rotte pers6nlich erscheinen und die namen 
der armen in schriften liberantworten, das man 
erkennen mag ob irkeiner halsstarriger bettler «) 
freveler meinung sich an die benannten stellen 
nieht verfttgen will dass solche von dem tort- 

) Die Handschrift O. f. 76, 1 hat als Uberscbrift: 
Ordnung auf die Armen de Anno 1525. 
z) ]Oie Handschrift O. f. 76, 1 liest: Anthnglich 
soli ein jeder rottmeister n. s. w. 
s) In der Handschrift U. f. 140 fehlt: werden. 
*) O. f. 76, 1: tberreichen; U. f. 140: erreichen. 
") O. f. 76, 1: erreichen. 
«) O. f. 76, 1: irgein bettler halsstarriger. 

meister angezeiget wvrden, auf dass man solche 
mutwillige bettler nach erkenntnis miige ri strafen. 
Item so der ) rottneister cinen bettler um 
seinçu namen frageu w(irde, um deuselben in 
schriften anzuzeichnen, und «h.r bettler seim.n 
namen und auch ans was jegend er sel, nicht 
rechtfertig wiirdo angeben und man dasselbe anders 
nachmals erfihre, so soll derselbe bettler aus dor 
stadt verwiesen werdçn bel strati. 
Zum dritten s,ll der rottmeister so «,ft eine 
verueuerung a) in seiner r.te ffeschieht von bettlern 
oder anderm Iosen volke dem gemeinen uutz 
beschwerlich als da sein hurer, buben doblr, 
lediggiinger und gottesliisterer durch unordeutlich 
fluchen etc. seinem quartiermeister ansagen und 
den missbranch in schriften iiberreichcu nud der 
qnartiermeister weit«r dem biirgermeister der 
liber das quartier gesetzt ist iiberreichen, der 
dann ohne aile weitere v,wbitte oder verzug mit 
folgeuder strafe sich erzeig_en s.ll niemand an- 
gesehen. 
Item einem jeglichen herrn biirgermeister 
soli eine pers.n des rates zugefiiget werdeu, der, 
so der btirgermeister aus der stadt ziige oder in 
krankheit fiele dass der ratsherr) ohue weiteren 
verzug die strafen liesse ira namen des herrn 
biirgermeisters fortgehen. 
Item ein jeder rottmeister soli auch miichtig 

) O. f. 76, 1 und U. L 140: m6chte. 
) O. f. "/6, 1 und I'. f. 140: ein. 
l U. f. 140: neuerung. 
) 0. f. 76, 1: »dass der ratsherr" fehlt. 



176 Po]en. Die ebemals polnischen Landestheile des K6nigreichs Preussen. 

sein, die unwiirdigen oder auch untiichtigen bettler 
und ander biises volk in seiner rotte zu warnen 
llnd sie zu vermahnen, dass sie sich auf einen 
andern ort nUS der stadt machcn, desgleichen auclà 
den wirt, welcher s«,lcll loses volk hauset, wie 
ver oben bertihret, in dem ihn auch ein rat hand- 
haben und beschiitzen ) soli. 
In diesen ohgemeldeten artikeln und aufsitzen 
soll sich ein jeder, er sei rottmeister, quartier- 
meister oder btlrgermeistor, fleissig, getreulieh und 
«,hne nachliissigkeit und verzug bei wahrer christ- 
licher treu halten und erweisen. Dazu ein jeder 
in seinem stando mit dem besten ist zu vermahnen 
und fleissig seines chri.stlichen amtes zu er- 
illnern. 
Item die quartiermeister s-lien aile schreiben 
und lesen k6nnen, auf dass er in sehriften iiber- 
antworten miige dvm herren biirgermeister das 
anbringoll des rottmeisters nachlissigkeit oder 
worin der r-ttmeister iibel bespottet wiirdeZ). Kann 
er aber das nieht, se nehm er einen andorn, 
der es schreibe, und stelle die gebrechen dahin, 
da es gebtlhret. 
Item starke und gesunde bettler, die noch 
zut arbeit tiichtig sein, und auch die fremden, 
welehe a) bei uns nieht haben gewohnet4), soli man 
nus der stadt weisen und verbieten wieder zu 
kommen mit vermahllunge. Se er aber halsstarrig 
wol]te sein ') und dies gebot nicht achten und 
wieder kiime, soli man ihm zum ersten ein zeichen 
in sein rechte ohr schneiden kommt er zum 
andern mal wieder, s,,ll er in geffinglicher arbeit 
sein lebelang behalten werden ohno alle vorbitte, 
welche vermahnung man mag anschlagen an offener 
stelle61, da sie ein jeder lesen mag. 
Item dass man die bettler in den hospitlern 

1) U. f. 140: schUtzen. 
3) O. L 76, 1: wird. 
a} O. f. 76, 1: die. 
*) U. f. 140: gewohnt haben. 
) O. f. 76, 1: sein wollte. 
6) O. f. 76, 1: offenen stellen. 

oder in welchen stellen sie in gott durch die 
menschen verordnet werden die noch nus gaaden 
gottes ) gesundheit haben an ihren armen und 
hinden, se dass sie noch datait k6nnen arbeiten, 
sollen etwas vorhaben als spinnen, knitten und 
waserlei durch die gesundheit ihrer htnde und 
ftisse geschehen mag datait sie was erwerben 
und ihr brot migen essen nach dem worta). 
Zum anderna), dass man die jungen knaben 
mitsamt den alten und bettlerjungen die nach- 
folgen dem spiele als in den heimlichen und iffent- 
liehen orten und bei dem tempel hier in der 
stadt 4) auch anderswo aIs ausserhaIb der stadt auf 
den pI/itzen, davon vie] arg'es kommt, ist zu be- 
flirchten'}, se das nicht verboten and gewehret 
xviirde, wiirden wir ailes iibels schuldig, des- 
wegen seiches mit grosser peen michte verboten 
darauf gesehen und den leuten angesafft werden, 
welches 6) kinder darunter gefunden worden in 
solchem spiele mit grosser peen neben ) den kindern 
sollen gestrafet werden. 
Auf die kriige und herbergen muss eine 
ordnung gemachet sein in unserer stadt und ernstlich 
befehlend keine bettler und mtissiggnger zu ver- 
halten. 
Item man soll diese artikel wie beschrieben 
ansagen und verlautbaren allenS), damit sich ein 
jeglicher weiss ) zu richten, und dass die eltern 
ihro kinder daheime ha]ten und lassen sie arbeiten, 
welche kinder aber geschickt wAren, die zut 
schule halten damit man auch weiter mi5chte 
leute haben die uns das wort des herrn o) predigen. 
) . f. 76, 1: gottes gnaden. 
"-) O. f. 76, 1: wort gottes. 
) O. f. 76, 1: Item. 
) O. f. 76, 1: den tempeln in dieser stadt. 
) O. f. 76, 1: und zu befiirchten ist. 
6) O. f. 76, 1: welcher. 
) O. f. 76, 1: nebenst. 
s) O. f. 76, 1: ,allen" fehlt. 
) O. f. 76, 1: weiss darnach. 
1o) U. f. 140: das ort gottes. 

30. 

0rdenung der husarmen und arme elende kinder to Dantzigk durch de gnade Jesu Christi ud 
befehl eines erbaren rades fort gestellet, lbbl. 
[Nach dem Originaldruck in der Stadtbibliothek zu Danzig. Vgl. oben S. 173.] 

Erbare namhaftige und wolwise grot-gunstige 
herren. Unser ganz vlitige und unverdratene 
dcnste sind J. E. W. in stedem bi5rgerlickem 
gehorsam tovoren empfalen. Erbaren namhaftige 
und wolwise grotgunstige herren. Demena Jw. L. W. 
uns als unduchtige te vorweseren der elenden 
kinder und sunst arme gebrecklike ltiden gekaren 
und gesettet, hebben wi in betrachtinge solcker 
unser vocation dens61uigen armen rem besten 

und sunst sonderliker hulpe etlicke ordeninge 
te maken vorgenamen wo ock artickel wise vor- 
fatet, welcke wir hiermede J. E. W. als dem 
tiversten vorweseren desoluigen to tiversehen 
denstlick i5verreken, ganzen vlites biddende, 
wollen sick destiluigen to bequemer tidt vor- 
tolesen und antohi5ren nicht beschweren laten 
und darneuens disen unsern kleinen vliet ira 
besten vormercken ock desi51uigen artickel eren 



Armenordnung ftr Daazig von 1551. 

177 

hem van gode vorlegenen verstande ha, enderen 
aff und te setten und bestedigen, up dat also 
den almechtigen gade und dem negstcn gedenet 
mge werden, welcke wi uns te J. E. W. te 
bestende trstlicker touersicht vorhapen, datsSluige 
umb J. E. W. ailes mtiglicker gehorsam toverdenen, 
sindt wi bereidt willich und unverdraten J. E. 
W. etc. bereidwillige und gehorsame 
brger und v5rstender gemeine gadeskasten. 

Der bedler ordenunge: 
Kein bedeler soli kein teken gegeven werden, 
he si den bi der stadt vorarmet und hebe ein 
gut getiichnis, datte se sal he se s«hwack effte 
gebrecklick sin, dat he sine kost mit arbeiden 
nicht mehr verdenen kan. Item aile bedelers 
suilen mit namen in ein register geschreven 
werden und elcken sal ein dwk«.n gegeven 
werden, darby man se ver andern kennen mach. 
Aile fridage de glocke achte des morgens 
sullen alle bedelers tom hilligen gei.te erschinen 

Item de fremde bedelers, se durch de bedel- 
ftigde ein mal oder dre gewarnet sind und willen 
sick nicht vou hier begeven, de st, lien mit der 
tonne ut der stadt verwesen werden. 
Item welcke in birkriigeu i;fl'te horenkaten 
gefunden werden, und ut dem gemem.n gades- 
kasten geheilet werden, wanu sie gesund werden, 
sollen sie mit erer arbeit dat stilvige tobetalen 
verpflichtet sin. 

Straffinge der boven. 
Item welcke in den frantzosen geheilet sind 
und geven sick wedder iut wil«le levene, de solvige 
sollen ut der stadt verwesen werdeu. 
Item de welcke sick stum macken und de 
sick stellen Offt se de grote krankheit oder fuie 
bene hedden, und doch se nicht is, de siillen mit 
der tonnen ut der stadt verwesen werden. 
Item alle l»se boven sollen ha dissen dage 
in den tegelschsnen, 5ff'te griinschuarden n,ch 
sunst nirgent geleden werden, und wo se be- 

und aldar durch de bedler vog,le vormanet werd«n, finden, sollen se durch den dener h6fftman ver- 
dat se ein gotseligeu wandel fSren und wat under [ dreven werden. 
ehn diitscher sprake sindt, aile mandage morgens te 
sunt :ertruden erschinen, aldar gades worthsren, I Ordnung der husarmen. 
und wat p«,len sind, de sullen sick te sunt Jac«l- I Item 14 dage na michaelis sal mau aile 
offre te sunte CaTharinen finden laten m-an dar ge- jaer durch de stadtdeuers in elcker stadt besuuders 

prediget warL und des fridages rem hilligen geiste 
sal elcken bedeler eine penning gegeven werden. 
Des sullen de bedelers alle halue jare ver- 
hsret werden, eren geloven, vader unser un gebade 
gades welcke de dat nicht kan, de sal dat theken 
entberen ber dat he edt kan. 

durch aile rotte underseiken laten und Ol, schriven. 
wo vele husarmen ein jeder r«,tmeister in iner 
tette hefft mit namen uud t«»namen, und in wat 
gasse se wanen, und under wat rotrneister de siu. 
Item wen de v6rstender, dem de huarmen 
befahlen sint» de upschrift der husarmen hefft, 
se sal he mit sinen c«,mpan und den stadtdener 

S t r a ffi n g d e r b e d e I e 1", I siilvest aile rotten durchgahn understiken und 
Item se ein bedeler sin teken vorkefl'te de ] flitig opsehent hebben, dat dar nicht bedroch und 
sal mit gefengntlsse acht dage gestraft werden, btiverie gebruckt werde und allewege de gebreck- 
- lichsten und durftigsten husarmen sunderlick teken 

Item welcker bedeler, de sick up der gasse 
offre anders m'or unttichtig gehnlden hadde, de 
sal ha gelegenheit der that gestraft werden. 
Item ein bedeler se de spise in den dreck 
werpet, dat bewiset m, er, de sal mit der tonne 
umb gef6ret werden und ut der stadt verwiset, 
ksmpt he da, r baven weder in der stadt, se sal 
he acht dage in gefengknisse mit water und brod 
getraft werden, un(l darna mit der tonuen 
umbgef6rt und ut der stadt verwiset und dar 
nahe nicht weder in der stadt geleden wer(len. 
Item welche de sinen gebreck und schaden 
nicht wil helen laten, de sal mit der tonne uth 
àer staàt verwesen werden. 
Item welcker, de ut den spitalen ent- 
lopen edder darut verwesen sind, eres bosen 
handels halven sollen mit der tonnen ut der 
stadt vorwesen werden. 
Sehliug, Kirchenordnge. IV. 

tifl'te ein biteken geven, ock mit namen und 
untler wat rotmeister und gassen se sin und 
wanen anschriven, darmede man en untturfft hand- 
treken rntige. 
Item ha verwilligung der vorweseren aller 
hospitalen sal na dissen dage niemandts von den 
armen und sunderlick v«,n den dorftigsten hus- 
armen, se bi der stadt vorarmet .in, in kein 
ho.pital umb gunst efl'te gelt willen ingenamen 
werden, dennoch mi disser gestalt, se in den 
hospitalen leddige stellen sin efl'te befunden werden, 
welcke de vorstender der h«,spitalen den v.wesern 
bi der schale se den armen tom besten dat 
almosen von den ltiden empfangen und ver de 
husarmen raden anseggen, und wovele stellen 
leddich sin beteken sSlen, up dat aise de elen- 
deste und dorftigste allewege dat vorgaent hebb% 
im fal aver, dat keine stelle in den hospitalen 
23 



178 Po]en. Die ehemals polnischen Landestheile des K6nigreichs Preussen. 

letltlich befuntlen werde, tlatman de elende armen I des barbers versiimnuss haluen, se sal en de 
darin inleggen mScht% se sal man dens51vigen barberer umb dat erste lohn mit gades genaden 
armen Mie quartal ha vorm5ge des gadeskasten t helen; wo aver he en nicht helen kunde, se sal 
upt meiste 2 mark geven nnd handtreken, he tlat gelt se he entpfangen hegt weder erlegen, 

Item ein man effte rime de btirger offte 
birgerin in der stadt effte ock ein fremder, se 
sinen gescheflten halven sick hierher begeve und 
krank wtirde, den sal man siuer gelegenheit ha 
in dat hospital bringen, dar ho verordnet wert, 
und se edt sakc were dat de hospitalen belecht 
weren, dat man sodanen krancken inth hospital 
nicht bringen kunde, donsolvigen sal man ut 
dem gadeskasten vorsorgen untl ehn handtrekinge 
don. Se aver de gadeskaste also t-nachter were, 
dat man dussen kranken darut nicht versorgen 
kunde, und de krank«- se mechtig were dat he 
gan und wancken kunde, densslvigen sal man ein 
teken geven, dat he ver der liiden hiisern dat 
almose te siner nottorft stikcn und bedden mtige, 
und dusse teken sollen anderer gestalt gemaket 
sin dan de ander bedelertekén und s-llen ock in 
ein sunderlick register geschreven werden up 
dat man de teken wedderumb von ehn forderen 
miige, uud wen se gesund sin sollen sick desslvigen 
wedderumb in eren ort verf5gen. 

Ordenunge der barberer: 
Itera niemand sal gehelet werden, he hebbe 
den sinen entholt bi der stadt. 
Item s« ein frembt man sick in de stadt 
siner geschefft 1,aiven begeve, und allhir durch 
unfal einen schad,q bekweme untl vermochte 
sick selbst nicht helpen te laten, de sal gehelet 
werden. 
Item se man ut andern landen steden effe 
dorporn gebrecklicke liide hirher bringen wolde, 
dat man se nt dem gadeskasten heilen solde, 
des;lvigen sal man wedderumb in eren orth darhen 
se gchiren, bringen, dann ein elkes is de sinen 
toversorgen schuldich. 
Item kein barberer sal sick understan, arme 
ltide te, heilen, de man ut der schalen lonen 
sal, he hebe den ein zeddel v«,n dem vorstender, 

doch allewege na gelegenheit der sake und er- 
kentnusse der vorstender. 

Ordenunge der kinder. 
Item de scholmeister sal de kinder tuchtigen 
mit der rode up de lenden kintliker wise up 
dat dar keine klage tirer kame. 
Item de scholmeister sal der kinder oltlern 
dartho holden, up dat se ere kinder aile acht 
dage ein wittet hem,le geven, und de hsffde rein 
holden, dat se nicht verliissen. 
Item de sch«,lmeister sal aile morgen de 
kinder aflsen, up tlat he max'h weten, aff se 
ock de schole holden, derglicken des middags ock. 
Item se de scholmeister etlicke kinder miste 
wenn he de sch;lers affgeleten heflt, se sal he de 
olderen beschicken und erforschen laten, wes halven 
se de kiuder ane vorlff ut der schole holden. 
und wo se de kinder mit frevel ut der scholen 
h,lden, s- sal de scholmeister dats5lvige den 
vorstender anseggen de sick dar tlen wol werden 
weten te richten. 
Item de scholmeister sal mede ein upsehent 
hebben, dat de 51deren den kinder ere kleder 
nicht verkspen edder andere verdregen laten und 
se de scholmeister erkeine kledinge missen wurde, 
se sal he de 51dern ver sick verbaden laten, dat 
se de kleider welkes deles edt is. tho vorschine 
bringen late. und wo sick de 5deren hieran frevelick 
holden wolden, se sal de scholmeister datsulvige 
den vorstendern des gadeskasten anseggen und 
derglicken ock de teken. 
Item kein frembde kinder, se von buten hierin 
gebracht werden, sollen in de schole nicht ge- 
namen werden. 
Item aile biirger kinder de da bedelen und in 
de schole gaen und teken dragen de siillen mit 
namen und tonamen in ein register geschreven 
werden, und wo ere 51deren heten und in wat 

de darto verordent is. up dat erst de armen gassen se wanen, und wen man don kindern de 
se gehelet sollen untersocht und mit namen in teken gefft dat man de tildern lart vormaneu 
oin register sampt dem barberer, de se helen sal, [ deit, dat de teken nieht verkoft effte vorlaren 
geschreven werden, werden. De kinder sillen sick ock in allen dingen 

Item wen ein barberer sine pacienten geheilet 
hefft, so sal he se vor den vorstender, so darto 
ver,rdent, stellen, darto sich erkundigen, off de 
kranke gesundt is. und wen he sick gesundt 
«'rkennt, sal desilvige gad und dem verordneten 
herren davor danken. 
Item so einer von den barberer sine pacienten 

erbarlick iegen got und aile raenschen se als sick 
dat tegent hol,len und bewisen, glick de kinder 
se nicht bedelen gaen. 
Item de sch,,lmeister sal keine kinder vert 
den armen in de schole nemen, se sin dan vorher 
bi den vorstendern erschenen und angeschreven, 
ock von ehn dem scholmeister ein bewiss bringen. 

nicht te grunde geheilt hedde und ehm de Iten kein vorstender sal keinen iungen an- 
schaden von nies begunden «,evel te geraden  nemen in de schol% noch de scholmeister man 



Armenordnung fiir Danzig vert 1551. 179 

hebbe denn mit ff|te erfaren, aff he vorhen ock ] in allen 
in de schole gegangen is, und wo he herut ge- I werden. 
scheden. 
Item t.hr dat man den kindern de kledinge 
ut delen wil, se sal ein elck kindt berge stellen, 
dat de Olderen de kinder bi der schol«n laten 
wiilen, ock de kledinge nicht affhendich makou. 
Item se de kiuder v,,n deu alderu fYevelick 
ut der scholen geholden wcrden, se sal de sch,d- 
meister de sulvigen kinder upsetten, und «len 
vorstendern der kiuder çivergeven, de sai de kin,ler 
und 5ldera ver de herren vorklagen und ua erkent- 
nusse der hem gestraft werden. 
Item wen man den kindern de teken gifft, 
se sullen se v,,r elck teken :3 schillinge geen. 
Datsolvige gelt sal man in eine busse h.ggen, don 
kindern wm besten tiare und pappir darvor tho 
k,pen, derglicken de fibelen, d,,nnat effte andor 
b6ker; weleke 6ldern aver de se te kol,en ver- 
mgem de sollen ehn solvest solcke bavenge,lachte 
notturft von den ercn k,,pen, den unvermogenden 
avers umb gades willen. 
Item welcke kinder de des samers de sch,,le 
nicht besiiken und holdeu, de sal man up den 
winter nicht kleden. 
Item welcker junge de da duchtich is und 
ter lere goden verstand hefft, den sal «le sch«,l- 
meister benedden in de sch-le nemen und flit 
bi em don, op dat destilvige bi den audern 
kindern denen m(ige. 
Item welker juuge ter lere nicht dtichtig 
is, de sal te dem minsten lesen und schriven 
ock den catechismum allenthalven wol leren und 
darna upt hantwerk gedan werden. 
Item welker baccalarie de de kinder lehret 
in wat latinischer scholen edt si, darin elende 
licke weren, nemlick up der v,rstadt, sall de 
bacca|arie upt vorstadt von siante l'eter de elonde 
lick mit den armen schilerken te grave bringen 
mit christliken gesange, des sall ho von elcker 
licke heben 3 schellinge. 
Item aise o|len al|e bacca|arien holden de 
de armen kindern in der latineschen schole, |ehrem 
dat ein elk baccalarie de arme elende licke, se 
in siner parte und quarter gehSren mit gesene 
bestedigen ter erden, und einer sal dem anderu in 
sine gerechticheit nicht gripen. 
Item se hefft siek de canter v,n der rechte 
stadt te unser leven fruwen sampt den baccalarien 
der armen schsler von der scholen in iegenwerdicheit 
des scho|meisters Ignatius Schulte, Ventura Unger- 
man und Henrick von Reden dermaten verglickt 
der liken halven verdragen, dat se nicht mehr von 
einem bSrger efl't b¢rgerinne den se mit diitschen 
psalmen te grave bringen nemen willen, als 
4 schot; hiecan sal de canter nnd de baccalarie 
jeder 5 schellinge hebben, derglicken sal edt ock 

andern latinischen scholen geholden 

Item von armen schame| bSrgern, dat nicht 
elende licke sind, sal nicht mehr als 4 schott 
genamen warden; de avers des vermSgens wol 
sind un de ca[ter sampt d«m baccalarien und 
dett armen schiilern drlike te grave helpen 
bringeu slillen se voa elker licke 10 groschen 
geven; hiervan sal de cauter mit siuen gesellen 
6 groscheu nemen, de haccalarie der armen 
schSlers 2 groschen und aver de armeu sch61ers 
ock 2 groschen, weh'ke deu in eiue bSss% en rem 
besten te tiare und papir davsr ter kSpen 
gesamlet und v«,rwaret werden sal und dith sal bi 
harder strafe geholden wcrden. Des sillea 3 psalmen 
ver der dire uu«l 4 psalmen bi dem grave 
welcke ,le hirgers willem und lit gr,schon geven, 
gesuagen werden; don andern schamelbiirgern aver 
de 4 schot gevett sal 1 psalm «»r «le dsrc und 
I psalm bi dem grave gesungen werdem 
Item weret ock sako, dat de cauter mit sinon 
gesellen nicht me,le gan kunde, se sal he samt 
sinen gesellon 5 gros«h,.n hebben und der armen 
sch;ileru mit eren baccalarius ,,ck 5 groschen. 
Item welcke hu,armeu, dr da megdckens 
hebben und dest31ven nicht vermi;gen th,,r erbarkeit 
und gades fruchte optot«hen, se se under 10 jar 
siad, sal man se int hinderhus bringen; dar- 
silvigest s,llen se bet te dem thienden jare 
ertagen und geleret werden. 

Ordenunge der bedelv6gede. 
Item allewege sullen der bedelvsgde tom 
minsten f sin und sollen ereu enthMt und de 
kost hebben; in den hospitalen, nçmlick rem 
hilligen ge|st, ttntl te» sunte Eisabeth se;lien 
erer dre underlmlden werden, te allen gades engeln 
einer ira pockenhnes einer, te sunte ferdrut 
einer, te sunte Barbaren einer te sure Jacob 
ciner. 
Item des stllen de bedel fi'igede von allen gades 
engelen und pockenhus de ,,lde stadt wachten 
Item de von sunt«- Eisabeth und hilligeu 
ge|ste nnd suntê Jac,,b dt. rechte stadt. 
Item ,le vert suute erdrud und vou suute 
Barbaren de v,,rstadt. 
Item ,liasse bedelvigede aile sollen mit 
hemdeu, ha.eu, scho und riickon des jars up 
michaelis ut don gesamleten gelde ut den schalen 
t«»r n-tturft versorget werden. 
Item drisse bedel vi;gede sollen eiu flitich 
upsehent hebben, dat k«iae fremde prachers sick 
hiritt begeven und niemande bedelen |aten gan, 
hê hebbe denn ein teken, und se sick ein bedeler 
frau effto man unttichtig hielde, de te warn(n 
und te strafen dat siilvige te laten and 
23 * 



Polen. Die ehernals polnischen Landestheile des K6nigreichs Preussen. 

des8lvigen des fridages up dem hilligen geisthaue 
antotgen. 
Item derglicken stilen se keine jungen bedelen 
laten gaon up der gassen, se hehben delta ein 
teken, und wo se sick untuchtig up der gassen 
und vor den hiisern holdon werd«.n, so sollen se 
von den bedel vogeden mit der pitschen gestraft 
und getiichtiget werden. 
Item welcker bedolvogt de einen umb siner 
btisen dat willen in gofengknusse bringen wurde, 
de sal von elcken 1 schiiling hebben; sind ehr 
aver twe darto, so slln se beide ein p«ilken 
hebben. 
Item wen de bed«.lv;gede einen elende like 
to grave dregen, so woll ock de kranken int 
spital bl.ingon, silleu se von elcken in sundorheit 
hebben 8 schiilingen. 
Item wenn de bedel'tigede einen in dor 
tonnen umbf«ren, und erer einer oder mehr 
darbi umbgefiiret wiirden, soilen ste darvon 
1 groschen l,obbon. Wvlckvr bedelvtigt aver de 
dersilvigen bedeler mi.,odaht und ;vertredinz up 
veer orden der stadt utropen wart, ,le sal dar- 
vor hebben 2 groschen, und dit sali v,,n dem 
.inen t,»m andern umbgaen. 

Ordenunge tischon den vorstenderen 
dcr hospitalien und den vorweseren 
des gades kaston. 
Item de vom hilligen geist, 
Item de von sunte f;erdrut, 
Item de w,n allen gades engelen. 
Drisse sillen innemen olde gesnnde liide. 
Item de von sunte Eisaboth stllen innemen 
aile natiirlike krankvn. 
Item dat pockenhus sal innemen aile 
frantzosische schadhaftige armen und de mit 
der schwere kranckheit bvladen sind, wo ock de 
unsinnigen oder mit pestilentz beladen sind. 
Item de von siinthe Barbaren siillen in dat 
hospital innemen aile polen, de up den drefften 
krank sindt und kranke liide, so unfledich sind 
mit schaden. 
Item de von stinte Jacob s,llen innemen in 
eren hospitalon aile kranke sehefarende lue, so 
wol ock de kranck ut der sehe kamen. 
Item wen dusse bavengemelte vorstenders der 
hospitalien eine leddige stell ein eren hospitalien 
finden, so sellen se dats«ilvige den vorwesern 
des gades kasten anseggen, dat se deseilvigen 
stellen mitll recht deirf'tigen husarmen belegern 
seillen, ailowege ha gelegenheit der saken, diisse 
ordenunge to bruken und to vorandern. 
Item welcker inwaner dusser stadt von einem 

erbaren rade to einem vorstender der armen 
und gades kasten gekaren werd, de sal darbi 
3 jar bliven und sick bi sinem eide, de denn he 
gade ira geloven gedan hef[t, vorwilligen dusser 
armen truelick und mit flite ha sinen besten 
vormgen vortostaen und wan de 3 jar umbe 
kamen, so sal men einen andern in sine stede kesen, 
des sal de, so affgaen wardt, den andern gekaren 
dormaten underrichten darmede he sick in de 
sake desto lichter mge weten to richten, und 
dusse ordenunge sal ehm vergeven werden, up 
dat he sick dal'ut belernen mach, wat em to 
donde si. 
Item welcker inwaner de to dem gadeskasten 
gekaren wart denstlvigen vortostande, und sick 
darto beschwerlick maken wi3lde, destlvige de 
darvon entlediget wolde sin sal in den gades 
kasten den armen tom besten hundert und ffftig 
marck groth, 20 groschen vor de marck gestelIet, 
geven. 
Item so sick begeve, dat de gades kaste 
t«,n achter kamen wiirde, nnd de vorstender des- 
silvigen mehr vorlecht hedden, den dat in den 
kasten gegeven were, sal mit weten und willen 
eines erbaren rades in der stadt umbgaen und 
von den litden also dat almosen bidden mit 
welke sick ane twifel ein iglicker christglt'iger 
mensch dat almoss to geven und also den 
armen to hulpe to kamen nicht beschweren 
wart. 

Wo man sick bi dem gades kasten in 
der utneminge des geldes holden sall. 
Item wen man to dem gades kasten gaen 
wil, gelt darut to nemen, stlckt sal aile quartal 
gescheen mit weten und willen der 4 ver- 
ordenten herren von einem erbaren rade, de welcke 
derwegen begrtet werden stllen, up dat solckt 
up eine bequeme tidt geschehen mi'ge, und wen 
also de rechte bequeme dach angesettet is, so sal 
man to den minsten 2 von den vorordenten 
herren de predecanten wo ock de vorordente 
btrgers, so dat quartael bi den schalen gestanden 
hebben, darto verbaden laten und darbi nemen, 
wen dat gelt ut dem gadeskasten genamen sal 
werden, up dat se sehen und weten mgen, ock 
mede anhtren, wat rekenschap de vorstenders des 
gades kasten einen erbaren rade doen werden, und 
wo dat gelt hen geflaten is. up dat mannig 
fruw und man des btsen archwanes, dat dit 
siilvige gelt nicht recht ut gedelet wardt, ehr 
herte to frede gestellet mogen werden, dat den 
dtirch getiichniisse der ehrbaren verordenten herren 
predicanten und borgers gescheen und disser 
gestalt geholden werden sali. 



Danziger Kirchenordnung von 1.57. K6stenordmmg von 1564. 

Item so cirier edder mehr artikele in 
drisse ordenunge bi to bringen vonn,,den were, 
da'durch gades naine und dem negsten me,le 
mochte gedenet werden, solckt sali aile wege 
mit weten eines erbaren rades, effte den vere 

vorordenten rades herren, t,) den gades kasten 
geschehen. 
{;edrïackt to Dantzigk diirch 
Franciscum Rhodum. 
Anno M. D. Lj. 

31. Danziger Kirehenordnung. 1557. 

[Aus St.-A. Danzig. lldschr. Fol. l'p. 59. Vgl. oben S. 167.] 

Annum dividimus 1) in festos et l,rofestos, repetet, populus germauicam cantionem; minister 
«lies. Festi dies sunt dies dominica Christi et incipiet contionem, epistolae; pc, pulusgermanicam 
Apostolorum resta, horum singulorum eadem erit calltiunculam, chorus versiculum, respons-rium 
observatio; in festis diebus c, mnibus, matutiuae I hymnum, antil,honam, maguificat antiph,mam. 

precos, nissa, et vespertinae preces sunt servanda% 
eo modo ut sequitur: 
In matutinis, minisler usitat«» more iil('hoabit, 
chorus respondebit mox invitatorium vel hvmuunl. 
antiphonam cure aliquot i».almi% in fine repotetur 
antiphona. Populus germanicam cantilenam sub- 
nectet. Sequetur contio in qua catechismu 
explicabitur, succincta et brevi ennarratione ad 
dimidium horulae, et additur rursum gormanica 
cantio. Chorus versiculum antip]l«mam. Bonedictus, 
antiphonam vel loco antiphonarum et Benedictu% 
te deum laudamus. Miilister supplebit collectam. 
Chorus concludet Benedicamus. Licebit iuterdum 
pro temporis ratione germanicam cantilenam adderc i 
haec de matutinis festivis. 
In celebratione missae is ordo observa),itul', 
qui hactenus nostris in ecclesiis receptus est sunt 
autem omnia latine perageuda, praeter orationem 
dominicam, praefationem et verba conseci-ationis. 
In vespertinarum celebratione mini.ter usi- 
tato more inchoabit, cherus respondebit deinde 
antiphonam psalmos posteriores antiphonam 

) Ana Ronde ist mit roter Tinte -on einer Hand 
des 16. Jahrhunderts bemerkt: Tria festa in quibus et 
Matutinae et Vespertinae pi'aeces habendae: nempe 
dies dominica, Christi {natiritatis, circunaeisi«nis, Epi- 
phaniae, resurrectionis, ascensionis), pente«hostes, et 
Trinitatis, apostolorutn denique resta. 

ininister col]ectam chorus Bcnodicamus. 
Hactenus de festis diebus. 
In profes'tis diebus n«,n adm«dum diversa 
erit «hservatio. Die Lunae matutinae preces cele- 
brabuntur, h-c modo: Minister incipiet, chorus 
respondebit autiphonam, psaimos aliquot selectos, 
et antiph«,nam accinet, miui.,ter ex veteri testa- 
mento unum caput leget, etexordietur a primo capite 
(;enese,s eamque lect,,nem ex ordiue continuabit. 
addita succincta et brevi explicatione ex summaria 
Viti Theodorici: populus gei-manicam cantilenam. 
chorus versi«uhim, hymuum vel l-esponsorium, 
autiph«,nam uunc dimittis serrure tuum De, relue. 
minister colle»tare, ch«,i'us Bn-dicamus; dies 
Martis, M,rcurii. I,»vis, peragentur eadem rati-ne 
quam hactenus in ecclesia «bservavimus nu|la 
omnino facto mutatione. 
lies Veneris erit in obseratione matutinarnm 
siinilis diei Lunae, praeterque quod tuuc etiam 
iitaniae canendae erunt. 
ttaec de matutinis profestorum dierum. 
Vespertiuae preces iisdem duc, bus diebus Lunae 
et Veneris cantabuntur, hoc modo" Minister incipiet, 
chorus respondebit, antiphona, psalmi aliquot, 
minister ]ectionem ex novo testamento cure 
summaria explica'd«ne Viti Theodorici sumpt« 
initio a primo capite Matthei chorus antiph-nam. 
magnificat, autiphonam minister colle»tare, ('h,wus 
B,:mdicam us. 

32. Kistenrdnun hlangend. Von 156. 

[Aus der Stadtbibliothek Danzig. M,'r. 1381, BI. 150 ff. Vgl. (hen S. 174.] 

Dieweil dan ein erbar rath in betrachtung nachgcben, sich besorgende, durch zusammen- 
ihres ampts der gemeinen burgerschaft, zum best«.n kmfft vicier leute die :trafic der pestileutz wie- 
befunden, als die straf gottes des herru datait derumb einreissen; dioweil aller riel h.ute, irer 
dieser stadt einwonere wegen ihrer vielf«ltigen gelegenheit nach-ne ehegatten sich nicht konuen 
sunden besucht sein worden, sich aus gottes barre- behelffeu in il'er uarung haben sic fleissig an- 
herzigkeit gelindert und zum theil gestillt, die I gelanget, im.n zu verg(mne», ehclich zu werden 
leute denen ire ehegatten mit rot ahgangen . welchs ein erbar rath incu auch nicht wol weigern 
widerumb in den ehestand wallen begeben, hot k«nnen denn,ch ein ardmlng bel sich ein ieder 
ein erbar rath ein zeitlang nicht gerne wollen I in dem vorhaltcn sollen, publiciren lassen, alsc 



12 Polen. Die chemals polnis«hen Landestheile des KSnigreichs Preussen. 

das die v.rnemsten burger und burgerinne nicht 
uber 6 tische zu 12 personen idem tisch ge- 
rechnet zu iren und irer kinder hoehzeit soll be- 
speiset oder eingeladen, welehs bis auf diese 
itzige ostern also bel angesetzter huss in dem 
edict oder publicirung s,lten halten. 
Mitler zeit aber eiu erbar rath sampt den 
herren scheppen und denen burgeru, so die ge- 
moine representiren, beschlossen worden, ein neue 
und bestendige ,»rdnung auf zu richten, von wegen 
,let hochzeiten und k,stmlgen, so auf die ostern 
nechst kiinftig anno 1565 angehen s, dl und fortan 
von einem ideru zu halten, und sein derwegen 
etlich personen aufs mittel des erbaren raths 
auch etlich aus den herren scheppen, dergleichen 
aus den quartiermeisters benent, s-lche ordnung 
ftir die hand zu nemen und zu stellen auf rati- 
ficati,,n des erbarn raths der herren scl, eppen und 
der dritten ordnung, so die burgerschafl't represen- 
tiren, welchs also auch durch die ver,rdenten 
und benenten personen vorgemeldt also vor- 
gestellt und vorgenommen ist w,,rden. Ais nun 
dieselbigen zusamm«*n gek,mmen, haben sie sich 
erinuert und ungefehr v,,r acht jaren ein kosten 
«»rdnung aut,erichtet und durch aile dr,*i ,rdnung 
der statt eintrechtiglich beschl,»ssen, welche ord- 
nung sie ftir die hand gen«»nlmen und erstlich 
,len eingang verlesen lassen, befinden nicht darinne 
zu andern niitig des inhalts: 
Nach deni befunden vird uber die ordnung, 
«, voriger zeit aufgerichtet so dieser guten stadt 
einw,,nern zum besten dieser jar riel unordnung 
und unnutze vergebliche uncosten, so in die lob- 
nussen oder lavelbier so wol hochzeiten oder 
kostungen mit unmessigen lagen sitzen und auss- 
halten der leute, so irer kinder uber geburliche 
zeit mit unzirli¢hen und unordentlichen tentzen 
mit uberschwenklichen unk«»sten, der vilheit der 
personen, des uberflusses und k«,stbarkeit der 
.-l,eise uud getr«.nkes, der gaben, s, beiderseits 
freundschaff auch andern durch braut und breu- 
tigam gescheen, auch wegen officiers und spiel- 
leuten, so dar zu gebrauchet, irer bes«»ldung, auch 
ausschleiffung der speise auch getrenkes, die leute 
fast hoch 1,eschweren zu gr«»ssen nachteil und 
schaden der burge, auch etlichen zum verderben 
gerissen, s,» ist durch ein erbar rath und die 
andern ordnung, so zu wichtigen rath.,chlegen ge- 
h«»ren nicht aih. ratsam bes«mder fur notig ge- 
achtet, d«.sfails ein einsehen zu haben was zu 
schadon und verterben den einwoner golanget, zu- 
v«»rhuten und abzuthun, dagegen gute heilsame 
zutregliche gesetze und ordnung eiutrechtiger 
weise aut2urichten. Derwegen bel sich befunden 
und entschl«»ssen das mit verl«»bung, treuung, 

nicht anders soll gehalten werden bei der buss 
und straf so derwegen verordnet und folgendes 
verzeichnet. 
1. 
Item den ersten artickel wegen der lobelbier 
befinden sie auch rathsam und zutreglich das ein 
ehrlich verlobung in der kirchen oder in ehrlicher 
leute heuser ohn allerlei unkosten in beiwesen 
(tlicher von beiderscits freundschafft zum zeugnus 
moge vorgestellet werden, aber sonst kein lobel- 
bier gehalten werden bei der buss zwantzig 
guter marck. 
Dem breutgam ist aber ungewegert, sein 
braut zu besuchen mit zwen oder drei personen 
aufs hochste dennoch also das von beiderseits 
nicht uber acht oder zum hochsten uber zehen 
personen zusammen kommen, aber kein seiten 
spiel oder tanz den tag gebrauchen bei der 
voriger buss. 
Item das umbbitten, so voriger zeit durch die 
braut und «-tlichen frauen irer oder ires breutgams 
freundschafft gebreuchlich geschehen sol ganz 
und gar abgethan sein und sich das enthalten, 
bei der buss zwanzig guter marck besonder die 
frauen und jungfrauen, die man zu der treuunge 
mit zu gehende begert, sol durch verordnete umb- 
bitterschen gescheen, iu der wochen vor der hoch- 
zeit aber die menner, frauen und jungfrauen, die 
zut hochzeit oder ehefreuden begert werden, sollen 
durch maunes personen wegen des breutigams 
und der braut des mittwochs, donnerstags oder 
freitags fur der kosten gebeten werden, die aber 
von den gebetenen nicht bedacht zu kommen 
wegen ehehaft oder wegen anderer geschefft, die 
sollen gewisse anzeigen, wie sie gebeten werden 
das sich die, so die kostungen aussrichten darnach 
wissen zu halten, auf das sie die ordnung nicht 
iiberschreiten. 

Hiernach folget, wieviel geste zu den 
hochzeiten mogen eingeladen und ge- 
speiset werden. 
Zum ersten soli nach gegeben werden den 
vornemsten burgern nebenst der obrigkeit, wen 
sie sich selber oder ire kinder in den ehestand 
begeben, auf zehen tisch geste zu solchen hoch- 
zeiten zu bitten und einzuladen, iedern tisch ge- 
rechnet auf zwelf personen mannlichs und frau- 
lichs geschlechtes; ist der zal in ailes hundert 
und zwanzig personen. Darinne sollen mitgerechnet 
w«rden auch die nehesten vorwandten uuange- 
sehen, ob sie zu zeit mit umbgehen die geste zu 

kostung derer, se» sich nach christlicher c»rdnung noti7.'en -der mit auf achtung zu haben, auch 
in den ehestand begeben, folgender gestalt und t sollen die spielleuten mit in diesen zalen gerechnet 



lçbstenordnung von 1564. 

werden, also das der personen in ailes, darfur I getrauet sein, sollen sic sich se woll auf die 
angerichteti niche uber hundert und zwanzig per- ]adenen gesten in das ver-rdente haus der ehe- 

sonen sein sollen. 
3. 
Gemeinen kaufleuten, breuern, schippern und 
vornemen handwerksleuten sol nachgegeben werden, 
einzuladen zu irer und zu irer kinder hochzeiten 
oder kostungen auf 6 tisch zu 12 personen, scind 
in alles 72 pcrs.,nen mennlichs untl fraulichs ge- 
schlechtes, denen speise in solchen hochzeiten soll 
vorgetragen werden, darnnter die nechst«n freun,len, 
dergleichen die spili.-ute gerechm-t. 

Gemeinen handwerkslcutcn, dergleichen treger, 
arbeitsleute, di(.nstvolk sollen zu ihrer ehefrcuden 
nicht uber 3 tisch zu 12 p«.rsonen eitladen, seind 
in ailes 36 personeu mennlichs und fraulichs ge- 
schlecht», die nehesten freunden, dergleichen die 
spielleute mitgerechnet, in alls be der buss drei 
gute marck fur oin jede person» ,lie uber die 
gcmeite zal sein wird, der wette zu erlegen. 

5o 
Und wen der tag vorhanden, se zu der 
treuung und k.stung bestimmet, sollen die freund- 
schafft also vorschaffen, das die braut mit denen 
jungfern und frauen, se ir zu el,«.re- erscheiuen, 
dergleichen der breutgam in die kirchen kommen 
zwischen 9. und 1. die glocke und fur 113. schlege 
in der kirchen sein. aida in die kirche die braut 
und brutgam ordentliche weise s,,llên offentlich 
getrauet werden und solche trauung sol gesch«hen 
in ordentlichen stellen. 

Se braut und breutgam aber oder vin theii 
von beiden diesen ungehorsam ,der senmig wurde 
sein und fur die glocke 1_* niche erscheinen, se 
sollen sie auf das mal nicht getrauet werden soli 
auch kêin caplan ,,dêr kircbendicner sich unter- 
stehen, den vormittag dieselben zu trauen, be- 
sonder mugen dennoch die mal,lzeit halten, und 
nachmittag zwischen 3 und -t die glocke in die 
kirchen komen und sich trauen lassen, auch in 
keinem wegen das beilager vortstellen, ebe wan 
sie getrau«-t sein, bei der buss hundert mgrisch 
gulden und s,nsten ernster straff des erbarn raths. 

Hienehen ist aueh zu wissen, das aile die 
kostung durch reiche un,i arrn, vorneme nnd ge- 
ritge ieute, nicht andors als des morgens vort- 
gestellet werden soli und kein abent koste; den 

freuden begeben, die mahlzeit halten, und sol 
solehe malzeit niche lenger wehren als bis segers 
drei. darnach den tanz angefangen und in ehren 
vortgefi, rdert, vermoge der fi, lgénde ,,rdnung se 
darauf gestellt, bis ungefel,r ein viertel einer 
stunden umb segers 4; se sollen braut und breu- 
tigam ordentlicher weise zu bette gehracht werden 
und aldar don m.uen ehel«.uten gelucke ge- 
wanschet. 
8. 
Darnaeh einen jedern frei sein, der es be- 
geret, sich auf der hochzeit zu begebe», die junge 
leute aber, die nach in .hren zu tanzen begeren. 
soli iuen vorgounet sein bis umb segers halb 6, 
also dênnoch das zum b.ngsten umb segers 6 die 
hochzeit ganz und gar s,ll geendet sein. bei der 
buss 20 guter marck. »uch keine spielb-ute dursfig 
sein oder sich nnter.-t,.t,n, don tag fi.rner zu 
si»il,.n odêr tanzên verursachê bei harter [fehlt 
etwa: strafe] des erbarn raths, sollen auch gar 
keine ge.te zut abentmal,lzeit hei sich behaltén 
ira kostenhaus oder auch ira hause, dar sich der 
hrêutgam mit braut hinhegiebt, rater «,der mutter, 
al»er schwester oder bruder oder st,nst nahe 
freunde des breutgams .der dor braut mogen des 
abents mit inen êssen, aber nicl,t mehr in ailes 
als 24 l,ersoneu, m,,gen aber das heimlich« 
seiteuspiel wc,1 gebrauchen bei «,bgemelter buss. 

9g 
Weiter weii wol vermerket, diese zeit her 
ie lenger ie mehr die uncosten der speise und 
getrenkes in den kosten geheufet in vilheit und 
mênnigê der gerichte und aufheufung d«r schuss«ln 
furnemlich mit dem gebratens und einer uber 
den andern in dem hat sein w,,llen, welchs niche 
den gesten, umb der will s«,lchs vortgestellet, zu 
nutz gekommen, die das ana miusten genossen. 
besonder durch die ,,fficianten. in den kosteu ver- 
riickt und w,.ggêbracht zn verdriess und schad,n 
denên, die s,lches bezah.n, d,.rowegen ge,,,-dnet, 
das in den kostungen zu dêr m«rgen malzeit 
ordentlicher gerichte niche mehr als 4 autetragen 
s,,llen werden, und solchs allein in den vor- 
nêhmsten kostungen, in welchen auf 10 tisch 
muge, angericl,t«.t wer, leu. Das erste gerichte 
mag sein ein suppen fleisrh mit huneren oder 
sonst ein gesot«,ns wild .,ler zam fleisch, das 
ander gerichte ein gebrat«.nes, als das uber 
dreierlei gebratens auf eine schussel nicht s,,il 
g,leget werden, ausgenommen kleine wiltvogeleim 
das dritte essen mag sein fisthe, zungen oder 

soll solche morgen koste also gehalten werden. I wildfleisch oder au«h zam fl.isch, clas vierte ge- 
das wennehr des morgens braut und breutgam [ richte rindfleisch, zungen, schel, zen ,,der schinken, 



184 Polen. Die ehemals polnischen Landestheile des K6nigreichs Preussen. 

nach eines jedern gefallen. Se aber jemand ein 
schau oder beigericbte, a]s schwan, scbweinskopf 
oder dergleichen hat zu geben, soli ira vergonnet 
werden, und gleichwoll diê malzeit aise ol'dnen, 
das segers zwci die geendigt sei und m«gen die 
w,rnem.sten, denen I0 tische vergonnet wein und 
bier iren gesten vortragen ircs gefallens. 
10. 
lie aber nicht mehr als 6 tische geste setzen 
lnogen zu iren hochzeiten, sollcn nicht mehr als 
dreierlei gerichte gebrauchen und zum gebratcns 
nicht mehrlei a]s ,,bengemelt i» der schusse] legen. 
Wer aber jemands unter dem.n, der ein bei- 
.._.erichte, als schwan und schweinshopf oder der- 
glcichen wollte vortragen, sol in unvorboten sein, 
mags auch woll verbleibeu lassen; welche auch 
von dieseu, se auf 6 tische gestemogen einladen, 
des vormu.,_,'ens sein und iren gesten wein vor- 
zutragen willens, die sollen den herrn presediren- 
den burgerm«.ister drumb besuchen und ansprechen, 
der nach gelegenheit in dent wirt wissen nach 
zugeben: deuen aber allein vergonnet, auf 3 tische 
zu iren hocbzeiten zu speisen, nicht mehr a]s 
zwei gerichte fleisch einerlei ,»der zweierlei ge- 
bratens, auch einerlci gesottens rindfleisch, kalb- 
flcisch oder schepzenfleisch speisen, darzu reiss 
odcr ander grutz, s,. sie w,,lten und uber bier 
zu schenckeu nicht befugt ein bei der buss 
10 guter marck. 
11. 
Es soll auch himit georduet sein das die 
se hochzeit oder kostung anrichten, keine speise 
oder auch getrenke aus der kostung schicken 
soli in andere hiiuser bei der buss 10 guter 
marck. 
12. 
Kein gesinde soli in den k.sten gestattet 
werden, unter der malzeit ausgenommen, die se 
aus der freundschaft dazu geordnet werden. 
13. 
Weil den, wie v,rgemeldt nach geendter 
malzeit der breutgam mit der braut saml»t andern 
tanzen mogen, wird dennoch gespuret mancherlei 
unordnung bei diesen unsern zeiten in don tenzeu 
nemlich durcit vielheit der tanzen dar auch die 
dienstboten nicht die geringsten unter sein wollen 
seiche gedrengnus verursacht wird, das sich einer 
fiir den anderll nicht woll bewegen kalm, und 
wird aise aus dem tanze allein ein confussion 
des aile frembden se s«,lchs sehen, spotten, der- 
wegen verordnet das sich niemand zu tanzen 
unterstehen sol oder dal'zu sich drengeu allein 
die den durch die ver.rdenten tanzmeisters ein 
frau oder jungfi'au geflihrt wird und sollen 4 

oder zum wenigsten 2 ehrliehe gesellen zum 
tanzmeister geordnet werden dureh des breutgams 
und der braut freundsehaft, ein ehemann aber 
oder eh«.frau mag mit seinen oder iren ehegatten 
ohne zu fuhren wol tanzen. 

14. 
Weil auch befunden, das fast ein peurischer 
unfi, rmlicher tanzen eingerissen, der guten erbar- 
lichen sitten nicht fast gemess und nachtheil ver- 
ursacht, nemlich, das man sich seltzamer weise 
ira tanze vordrehet und umbkreiselt, bei weilen 
ail einander laufen, als unvornunftige thir, 
schwangeren frauen nachteil zuftigen, dardurch 
beiweil die frucht net leidt, und sonst verdrehen 
sich zutregt, das wol verbleiben mocht, derwegen 
verordnet, das solch unordentlich verdrehen und 
kreuseln nicht ferner soll gestattet werden, und 
se die tanzmeister oder irkeiner von inen solchen 
groben gesellen oder peurischen tanzer spuren 
wurde, dem so|len sie weiter zu tanzen nicht ge- 
stattcn wurden auch jemands befunden, hiegegen 
mutwillig zu streben, soli bei der wette mit drei 
guten marken gebtisset werden, und sol der tanz 
in den hochzeiten ver die glocke 6 genzlich ge- 
endet sein, bei der buss vorhin bestimmt, als 
20 gutor mark; und soli kein spilleute lenger 
oder daruber spilen, bei der buss oder straf des 
th,,rms. Hiebei ist auch genzlich verboten oder 
aufgehaben, irkeinen nachtag zu halten, bei der 
buss 20 guter mark. 

15. 
Weil auch je lenger je mehr gelt spildung 
sich heufet wegen der gaben, se der breutgam 
der braut freuuden und auch seinen freunden und 
vorwanten, desgleichen die braut des breutigams 
und il'en freunden vereheren, beiweilen zu grossen 
summen tragende wodurch die barschaft beider- 
seits, datait sie ire narung und handel vortstellen 
kunten fast geschwecht und vormindert; den 
niemands der geringste sein will und nicht wenig gelt 
derwegen auf seiden, sammet kleidern, auf hembden, 
die gr)ss gelt kostet, gespildet wird derwegen rath- 
sain geachtet, solchen unrath ver zukommen und 
entlich geschlossen, das solche gaben genzlich 
aufgehoben und verboten seiu sol, bei der buss 
50 guter mark durch die ubertreter unerlesslich 
zuvorfallen. 
16. 
,'5_'o riel aber dem breutgam und die braut 
ver ire person an]anget, ist unverboten, ein theil 
deln andern item stande und gelegenheit nach zu 
geben, was inen zu dell ehefreuden und darnach 
dinstlich sein moge, die braut aber moge alten 
gebrauch den beiden jungfrauen, se bel if zu 



K6stenordnung von 1564. 185 

trauung gehen, jeder ein krenzlein vorehren, den 
tanzmeisters dergleichen darnach, das die messig- 
keit darin gehalten; wer auch alter gewohnheit 
und gebrauch nach der braut und breutigam auf 
die koste etwas voreheren oder geben will, ist 
einen jeden frei und ungeweigert. 
17. 
Hibei ist zu wissen, das die vorige gemelte 
ordnung so soli verstanden werden, das die vor- 
nemsten denen ihrer gelegenheit nach gegeben» 
auf 10 tisch geste einzuladen, nicht schuldig sein. 
so vil uncosten zu thun, besonder ein jeder mag 
die uncosten in dieser ordnung bestimmet woll 
verminnern und geringer zu machen, aber nicht 
hoher, bel den bussen, darinne vormeldet, dan 
der obrigkeit viel angenehmer, das die burger- 
schaft mit unniitzer gelt spildung verschonet 
werden, als das sie durch vilheit unnotiger aufgab 
erschopfet werden. 
18. 
Nachdem die officianten, so zu den kostungen 
gebrauchet, die lout fast bschweren, das zu mehr- 
malen klage daruber k«,mmen, das sie nicht allein 
gesettiget an irer besoldung und das sie sich satt 

20. 
Den stadtkochen soli gebiiren zu kochen 
in den v,,rnemsten kostungen, darauf 10 tisch 
mogen angerichtet werden und die hofpfeifers 
gebraucht werden, und soli in eines jedern, 
der die kosten anrichtet, gefallen stehen, 
einen, zwene oder dreien der stattkoche zu 
gebrauchen, um ein gelt, nemlich 4 mark 
inen semtlich zu geben, darfur sollen sie selber 
mit iren henden so riel muglich aller vortstellen, 
und oh nurt einer oder zwen von den meisters- 
kochen angen-men und gebraucht wurden, so 
sollen dieselbigen knechte zu sich nemen, das 
werck zu volbringen, denen uie Ionen sollen, und 
die meister stattkoche die voile bes,ddung nemen; 
die aber alleine auf 6 tische ire kostuug vort- 
stellen oder der gleiche auf 3 tische, denen sol 
frei sein zu gebrauchen stattkoche odêr andere 
weibes oder mannespersonen. Die besoldung soli 
sein, dem koche mit seinen knechten von einer 
koste zu 6 tische 2z mark, von einer koste 
zu 8 tische 25 gr. 
Item der kellermeisterin, den schencken, der 
tafflackenwechterinne, der schusselwescherinne soli 
gel,met werden ve, fa einer koste zu 10 tische 

essen und trinken in den kostungen, besonder 20 gr. von jederer koste, von einer koste zu 
ungeburlicher verdriesslicher weise speise und ge- [ 6 tische 12 groschen, von einer koste zu 8 tisehe 
trenke untersehleifen, verrtieken und weektragen, [ 6 groschen. 
die leute, so die kostungn ausrichten, mit heftig- 21. 

keit und unnntzen worten drengen, inen ires 
fallens speise zu geben, aus der kostung weg zu 
tragen, dar sic sich in iren heusern ein zéitlang 
mit behelfen konnen und darzu um,utze gesinde- 
chen halten, dardurch sic solch einen untrschleif 
vortstellen, die leute zum schaden und verdriess, 
dem vortzukommen ist verordnet wie folgt: 
19. 
Die h«,fpfeifers solln zu lohn von jeder hochzeit. 
darzu sic gefordert und gebraucht worden, ein itz- 
licher 25 groschen [fehlt: erhalten]; darzu sollen 
sic auf allerlei instrumenten spielen, dennoch nicht 
uber bestimmte zeit und der gottspfennig soli nicht 
iiber 1.5 groschen sein, allen zu geben, des sollen 
sic schuldig sein. zu iderm gerichte zu spiel«n, 
auch nach der maltzeit zu dn tenzen, so irgent 
ein breutgam zu seinen ehefreudn wurde be- 
geren. Des hofes lautinisten, wélchs doch einen 
idern frei sein soli, ob er derselben etliche oder 
alle haben will, so soli iederm gegeben werden 
15 groschen, darfur sollen sic schuldig sin, zu 
I 
idem 
gerichte, auch hernach zum tanz spilen, [ 
und der gottspfennig soli in ailes nicht hoher als 
10 groschen sein. Andern gemeinen spilleuten, 
die auf harfen, lauten und allerlei instrumenten 
spilen, soli gegeben werden 40 schillinge, gemeinen 
fidelers aber iedern 30 schillinge. 
Sehling, Kirchenordnungen. IV. 

Der silberwartersche soll gegeben werden von 
einer vornemen kostung, darauf 10 tisclm an- 
gericbtet wird, 2 mark. Des soli sie bezalen. 
so durch irn unfleiss und unvor«ichtigkeit etwas 
an silber verloren wird, von einer koste zu 6 tisch 
25 groschen. 
Der kiichenmeisterinne auf solch einen vor- 
nemen kostung soli gegeben werden 2[t groschen, 
von einer koste zu 6 tische 12 gr,,schen, von 
3 tische 6 groschen und nicht daruber. Dem 
thurwechter sol zum hohesteu nicht uber 30 schil- 
Iing gegeben werden von einer kostung zu 
6 tische 6 groschn, von 3 tische 3 gr., und 
soll einen jedern frei sein, seines gefallens einen 
thurwechter oder ander «,fficianten zu nemen und 
durch den schencken keiner eingedrungen werden. 
bel der straf eines erbarn raths: glichfalls sollen 
sich andere officianten jmandes emzudrengen ent- 
haltcn, besonder der die hochzeit aufrichtet, moge 
die gebrauchen so imme gefillig. 
23. 
Mit vorgeschriebener besoldung sollen sich 
die officianten bel der vornemsten kostung ge- 
nugen lassen, daruber zu geben niemants drengen, 
auch kein badegelt fordern; inen soli auch ent- 
saget sein e uber sich selber kein ander volck oder 
24 



1(; Polen. Die ehemals polnischen I,andestheile des K6nigreichs Preussen. 

gesinaechen, auch nicht ire ehegatten in die kosten 
zu bringen, darrnit aller unrath und unterschleif 
verhutet werde, ailes bel der straf des ge- 
fengnus. 
24.. 
Und es soli fiir das v«,lck, nemlich die affi- 
cianten, und die, so zu tiscl,e dienen, ein snppen- 
fleisch ver«,rdnet werden, wen die braut zur kirehe 
gegangen, das sic essen rnogen, den hunger zu 
stillen; nach der rnahlzeit sali aberrnal denen, so 
gedienet, auch den oflleianten von der kalten 
ubergebliebenen speise vorgetragen werden, allda 
zu essen aber nicht weg zu tragen; wurde aber 
jernants daruber wegtragen oder weg zu schicken 
speise ader trank befundvn, der oder die sollen 
mit gefngnus gestraft werden. 
25. 
Den spilleuten soli essen gegeben wel'den 
wen sic zurn ersten gerichte mit il'en instrumenten 
urnbgespilet haben, zu irer natturft allda zu ge- 
niessen, aber nieht ails der hoehzeit weg zu schieken 
oder weg zu tragen, bel der straf des thorrns. 
26. 
Die andern offieianten, rnenner oder weiber, 
s«,llell sieh genugen lassel an dern. was inen durch 
die varwalterinne der hachzeit, wen die speise 
v»n dvrn tische k,,ml,t , gegeben wirt, aida zu ge- 
nissen und daruher die leute nicht drengen, aueh 

'2.7. 
Die schulers vom chor, der gleich organist 
ealcanten hofmeister vom stattthof oder irkeine 
andere soli gefugt sein, speise aus den kostungen 
zu fordern, auch niernand inen sehuldig sein zu 
geben besonder sollen sieh an iren salario ge- 
nugen lassen, bel voriger straf. 
28. 
Sa jemand befunden wird, der in der kostung 
sein cher vergiesst und etwas entfrembdet, der soli 
an ail rnittel eingezogen und die leibstraf naeh 
erkenntnus des erbarn gerichte von irne genomen 
werden. 
Und wiewoll zu rnehrrnalen heilsame nutz- 
liche und tregliche ordnungen gesetzt und vort- 
gestellet, clennoch wegen nicht haltungen, das clie 
execution nicht erfalget, widerurnb verwusten und 
zu nichte gehen derwegen besehlossen, darnit 
diese ardnung in ire wirckliche kraft komrnen, 
auch die billige execution erfolgen moge, das die- 
selbige in schriftlein fur jeder menniglich zu 
lesen, in den K«,nig Artus hof gestellet, das man 
sich darnach hab zu halten und zu richten, fiir 
schaden zu huten und wegen unwissenheit sich 
nicht zu entschuldigen haben und dar iemands 
hohest oder niedl'iges standes diese ordnung in 
irkeinen theil zu ubertreten befunden wird. soli die 
buss und straf darinne enthalten uber ie exequiret 
werden, auch niernandes hirinne verschonen wegen 

nicht wegtragen ader wegtragen lassen, bel der ] der buss oder straf hohest oder niedriges standes 
straf des thurrns. I besonder die gleicheit hirinne halten. 

33. Verzeichniss und 0rdnung, wie es mit predigt und anderem in der pfarrkirche zu St. Marien zu 
halten. Vom 23. Juli 1567. 
[Nach dem Ih'iginal ira St.-A. Danzig, ltdschr. Fol. Pp. 59. Vgl. oben . 16&] 
Kurz vcrzeichuis eines erbaren hochweisen vesper, auch vier predigten, als umb sechs, acht, 
und llarnhaftigen raths der kuniglichen stad zw61f und zwei uhr ungefehrlich sollen geheiligt 
Dantzig, wie es in ihrer l,farkirchen zurn teil werden, scinde diese: die sonntage der heilige 
bis anhero gehalten und hinfur, rnit 1,redigten und 
andel'en ehristlichen aeti,nibus gehalten soli werden, folgende Feiertagsordnung aufgezeichnet, die wohl eine 
ltieweil die gottliche maiestedt selbst ira Art Vararbeit zu der Ordnung von 1,567 darstellt: 
anfang der sehel,fung don sabbath herlieh ein- Die feiertagen, so mit mehreren rnessen, vesper, 
gesetzt, auch ferner rnehr feiertage geordenet lethanien durchs ch,-,r, und vier predigten, auch in 
' iren vigilien mit vesl,er und cirier predigt solln ge- 
und zu heiligen, seinern valck ernstlich bevehlen, heiligt werden, seindt diese: 
die wahl'e christliche kirche irn neuen testament, Aile heiligen sonntage, darunter das fest Trini- 
fiertage und andere zeit hvilsarnplich gvhalten, tatis zu seiner zeit insonderheit zu gelencken 
,ladurch g«,ttes ehre, vrbauung seiner kirchen, die heilige Ostern, Pfingsten und Weinachten 
stets vortgesatzt, sa w«,llen wir auch ans christlich sampt den nechstfolgenden zween tagen 
gernut, das es in unser kirchen wie folgt allent- des euen Jarestag 
halben bestalt, und ausgerichtet werde, der heiligen Drei K6nige tag 
Pauli Bekennung 
Die feiertage l) so mit cirier raetten, messen, -- I .Marie Lichtmess 
1 Auf einem in Danzig St.-A. mit der xorstehenden -- I. 5Iatthie Apostoli 
Ordnung zusanmengehefteten niche niher bezeichneten -- 2 Marie Vorkundigung 
Blatte findet sich von cirier Hand1 des 16. Jahrhunderts 5Iarci Evangeliste 



Gotesdientordnung far die Marienkirche zn Danzig vom 2.3. Juli 1567. lî 

christtag sampt den nachfolgenden tage, der dritte ) 
aber mit zwoen frue predigten. 
Also auch die heiligen ostern und pfingsten 
festum Circumcisionis, Epiphanion, Purificationis, 
Annunciationis» Ascensionis, Johannes Baptistae 
Der heiligen apostel, der heiligên engêl tag 
und visitationis Mariae sollen mit zwo frue pre- 
digten, eine vom diacono umb sechs, die ander von 
einem prediger umb acht uhr, gehalten werden, und 
so dieser lest eines auf einem sonnabend felt, soll 
es von wegen des markts bequemlich verlegt werden. 
Die metten, messen und vespern sollen an 
ganzen feiertagen mit singen, orgeln und anderell 
ceremoniis» wie bis anhero gebreuchlich, bestellet 
werden. Allein ara sonntag sol hinfort die teutsch 
litania a) jeder gemein christlich gebet, zwischen 
den epistelu uud evang«.liis, von den schuleren 
gesungen werden. 
Des dinstags und donnerstags soll es mit 
singen und predigten, wie es anhero ansgerichtet 
[sampt der letanie durchs cb,r zu |,alten4)]. 
23 Phillippi und Jacol,i Apostolorum 
Ilinamelfart Christi 
Johann Baptist 
--45. Petri Pauli Apostolorum 
-- 3 Maria Heimsuchung 
-- 6 Jacobi Apostoli 
-- 7 Bartholomei Apostoli 
-- 8 Mathei Apostoli des Eagelistelt 
Michaelis 
Luce Evangeliste 
9. 10. Situons Jude Apostolorum 
der heiligen Geraeinschaft 
-- 11 Andreae | Apostolorum 
12 Thome  
Und so raehr fest, so iii heiliger schrift gegrundet, 
muchten geordnet werden. 
Ara tage cene domini, so man rilnen donners- 
tag nennet, con heiligen abentmahl zu handlen. 
Ara tage Passionis domini, so man Karenfreitag 
nennet, von der passion des heilandes zu handlen. 
Diustages und donnerstages soli, 'ie bishero in 
5Iarienkirch, dergleichen in den anderen kirchen a,,t 
ire verordnete tage gehalten ,erden, jedoch das 
jedenzeit die lethanie durchs chor rnitgehalten werden. 
Die anderen rage wie gew«hnlich jedoch mit ver- 
mehrung der kirchendienste, und das die knaben 
examinirt werden. 
) Am Rande hat eine tland des 16..lahrhundert 
eschrieben: 
Der dritte festtag soli gleich den andern zween 
gehalten werden. 
-) Hier steht von derselben Hand wie fier Anm. 1: 
Diese feste nach andere kirche als Sechsischer, 
Nornbergischer, Brandenburgischer kirchen zu halten. 
Und aile teiertage vormittage und nachrnittage 
solemniter zu halten. 
) Ana Rande ist von derselben Hand wie in der 
orstehenden Anmerkung geschrieben: 
Die letanien solle auf andern tage verlegt werden. 
q Die eingeklaramerten Worte sind von derselben 

5Iontags, mittewochs und freytags sollen die 
gewiJhnliche lectiones und gesenge ira brauch 
bleiben [Examen der jugent III. 
Wir well von wegen des geschwindên sterbens 
und mengel der kirclwndiener die vespern an 
wercktagen ein zeitlang unterlassen so ist doch 
unser cl,ristlich meinnng das hinfort drey werk- 
rage, als montages, mittwochs und freitags, eine 
kurze vesper umb zwei uhr also bestellt werde. 
ler w«chner aus den diaconis soli anfaben, Deus 
in adiutorium. Der cantor mit den schuleren lauf 
das die knaben von jug«.nt auf zur kirch und 
rechter gottesfnrcht gew,net und erzogen werden) 
sollen ime mit einer antiph,,n rêspondiren darnach 
die scbuler einen oder zween p.,aimes singen, 
darauf der wochner ein capitel aus dem nêuen 
testament sampt der kurz summen Viti Theodorici 
lesen. Volgendes soli die sch,d das magnificat 
oder benedictus oder l)«mine Dêus Abraham, nach 
dem die not furstehct bisweilen lateinisch bis- 
weilcn teutsch oder erhalt uns h,rr bel deinêm 
w,,rt oder das teutsch rater unser singên, dêr 
wochner eine collcctea l«.seu, die schul mit dem 
b«.nedicanums beschliessen, und soli dis alles 
uber ein halbe stund nicht wehren. 
A,s vielcn erheblichelt ursachen w,,llen wir, 
das die zween diaconi êine woche um die ander 
mit mess halten, bestellung der lectionen, vespern, 
taufên und trauen aufwarten und ein .ieder sein 
ampt mit fleiss seine woche ausricl,te, auch die 
accidentia allein nehme. 
Letzlich s,,ll hintbrt das leuten und beiern 
an dên festen und ihreu vigilien, so eben nicht 
vorzeichnet und in gottes wort keinen grund 
haben, v«n den pulsanten (papistische argwohn 
zuvormeiden unterlassen werden 
lland wie die vorstehenden Amnerkungen in den Text 
hineingeschrieben. 
) Wie vorstehende A nn,. 
) Auf der RUckseite des Blaires steht «let- X cr- 
nwrk ,les Protocollanten: 
trdnung in unsern kirchen. 
Praesentilms 
lm,ainis l'rocons,llil,us C,nstantilt Ferl,er 
.le, arme Brand's 
.Ioanne l'roiten 
 on.sldibus Matthia a Sl,«hteu 
ugustino "f-ilner 
Matthia Zimla«-rraann 
llenrico Niedel'hOff 
Jacobo ilibener 
.]oanne a lxempen 
AII,erto Gi.-io 
3lichaele Koseler 
Luca Blunastein 
Gregorio Iosenberg 
Georgio Helck 
ActUln 23..luli Anno 1567. 
24* 



188 Polen. Die ehemals polnischen Landestheile des K6nigreichs Preussen. 

34. Die Kirchenordinanz von lbT0. 
[Aus St.-A. Danzig, Hdschr. Fol. Pp. 59. Vgl. oben S. 169.] 
Gnad und fried von gott unserm rater durch ' daher iiblich gewesen. Ausgenommen, das in den 
Jesum Christum unsern eiuigen heiland sampt [ schlechten sontagen und feiertagen die letania 
unserm christlichem gebete und schuldigendiensten, deutsch in grosser versammlung zwischen der 
Sundern erbare «.hrnveste, hochweise herrn u»d episteln und evangelio gesungen werde, welches 
gunstige patroni. E.e.e. begehr und bevehlich [ keine tibrige zeit wird hinweg nemen, so man 
nach haben wir eine kurze verzeichnisse, wie es I das orgeln und andere lateinische gesenge die 
unsers erachtens alhie in alleu pfarkirchen mocht zeit unterlesst. 
hinfuro christlich und ordenlich in der lehre, Zum anderen, das in allen pfarkirchen an 
gesengen, ceremonien unddisciplin gehalten werden, den tagen, so nicht daselbst geprediget wird, eine 
autesetzet, auch mit dem heiligeu ministerio I .kurze messmen und vesper von den schtilern und 
davou conferiren und be.,prechen. Bitten e. e. e.w. lren preceptoribus gesungen werde, wie in der 
wol]en sie inen gefallen lasen, dieselbige ins alten ordenung verzeichnet, ausgenommen den 
werk s«tzen und fest drob hahen. Auch die nechst I sonuabend frue. 
ilbergebenc beschweringe und unordnung, so alhie- Zum dritten einerlei form und weise zu 
ira schwang, corrigiren uud so riel mglich abr teufen, das abendmal des herrn zureichen, auf- 
«haffen, auf aas uns g«»tt guedig sel, seinen ge- I zubieten und zutrauen soli in allen pfarrkirchen 
rechten z«,rn und w,-,lverdiente strafe 'on un,wenden.  gehalten werden. Desgleichen in karchenkleidung, 

Von der lehre. 
Erstlich das die empter der kirchen mit ge- 
larteu gottfurchtigen und fieissigen personen, nach 
unterschied der couditioneu versehcn, welche der 
gemeine Christi mit rechter, gesunder, unvorfelscheter 
lehre rechten |,rauch der hochwtirdigen sacramenten 
dienen und guten exempeln fleissg vorgehen, 
1. Timo. 3. 4. Philipper. 4. Ad Titum cap. 1., 
dieselbigen auch legitime und ordentlicher weise 
von rat berufen und verso'get werden. 
Zum anderen, das 'on allen lehrern, gottes 
wort lauter und nach dem verstand der augs- 
n u rg ischen confessi«,n und irer apologiam erkleret 
und ausgeleget werde die corruptelen mit wahrheit 
tnd gutem grunde refrieret gestrafet, conferiret 
mad zur erbauung dieser kirchen widerleget werden. 
Von gesengen und ceremoniis. 

lichten auf dem altar, und anderen adiaphoris, auf 
das die ungleichheit nicht allerlei nachdencken 
oder spaltung gebehre. 
Zum vierden. Es sollen zwo gewisse stunden 
statuiret und gvhalten werden, wen die eltern 
ire kinderlein zur heiligen taule schicken sollen, 
als frue umb 10. nach essen« umb ô uhr. E 
weren den erhebliche ursachen verhanden, dadurch 
sie verhindert, solche zeit zu halten. 
Zum tïinften. Die breute sollen fur 10 schlegen 
(wie es zuvor geordnet und gehalten) in die kirchen 
kommen, sonst sollen sie nicht getrauet werden. 
Zum sechsten. Es were sehr bequeme das 
alle funera und leichen auf den schlag 2 uhr 
zum begriibnis gebracht wurden. Den wen be- 
grebnis gehalten werden, drauf man kein vesper 
singen, das die schuler nicht zuviel vom studieren 
verseumnet. 
Das singen vor den predigten an werktagen soll 

An deu heiligen tagen und ganzen feier- I auch derhalben iiber eine halbe stunde nicht wehren. 
tagen soli die ordnuug in gesen.en gehalten I Zum siebenden. Ene repehtion des heiligen 

werden wie in der alten ardnung verzeiehnet. 
I)tribus matutinis diebus dominicis et |'estis, 
primo minister usitat«-» more inchoabit, domine labia 
mea aperies. Chorus resi, ond,bit, mox invitatorium 
,.t hvmn,s venite; sequitur antiphona et psalmi 
unu. aut duo. Sequitur re.p«»n.«»rium de tempore 
aut festo. Tandem Benedictus deutsch .der Tedeum 
laudamus deutsch; concluditur collecta et bene- 
dicamus. 
Die predige an den feiertagen zut metten 
kan alhie aus ursachen nicht gehalwn werden. 
S,,uderlich weil sonsten aile leste mit dreien 
predigten gehalten werdeu und der diener in 
vielen kirchen zu wenig. 
Was die messen und vesper belanget, werden 
gehalten, wie in der alten ordenung, und bis 

catechismi k-nnte auch durch einen kirchendiener 
auf einen gewisseu tag in ider kirchen mit den 
jugendlichen vorgenommen werden, anstadt der 
vesper. Dazu mtissen aber furnemiglich die 
deutschen schulmeister und ire knaben und 
meidleiu kommen, dan in den lateinischen schulen 
werden die knaben in ihrem catechismo ohne das 
von iren preceptoribus underrichtet und examiniert: 
doch konnte ide woche ein classis dazu verordent 
werden. Das die andere jugend von inen eine 
anleitung bequeme. 
Zum achten. Die heiligen und trostlichen 
feste als Circumcisionis Domini, Trium Regum, 
Purificationis 3lariae, Annunciationis, oder der 
menschwerdung des sohnes gottes, himmelfahrt 
Christi, Michaelis oder der heiligen engel, soltea 



Die Kirchenordinanz vert 1,570. 

auch billich in ieder pfarrkirchen (do 3 diener sind) 
mit 3 predigten gehalten und geheiliget werden. 
Zum neunten. Zu S. Barbara solte nebên 
dem pfarrherrn noch ein diacon constituiret werden, 
sofern aueh alldo metten und vespern tegli«h 

one vorwissen und bewilligung des heiligen 
ministerii. 
Zum sechzehenden. Dieweil es auch umb 
diese gute sted und geistliche iurisdiction einJ 
weitleuftigte gelegeuheit bat, das ein erbar hoch- 

sollen gesungen werden, weiser rath (wie man davor heltl fuglich keiuen 
Zum zehenden. An rien hohen festen ais I superintenden constituiren oder setzen kann, 
se 
weihnachten, ostern, pfingsten und anderen s«,lh.n t ist es doch niitig und nutzlich, das oine oder zw,, 

die historien und text de tempore, gelesen und 
erkleret werden. 
Zum eilften. In der fasten soll die historia 
vert dem heilsam leidon uml sterben unseres 
einigen heilandes Jesu Christi wie sie aus den 
vier evangelisten durch den ehrwiirdigen herrn 
D Pomeranum seliger zusammen getragen, gelesen 
ud christlich ausgelegen uud erkleret werdeu. 
Zum zwSltten. Es ist zur Erbauung d«r 
kirchen und guten exempeln hochn6tig, das etliche 
personen aus dem rath. gerichten und hundert 
mennern, sich fleissiger zu deu l,redigten und 
heiligen nachmal des leihs und buts ('hri.ti 
halten, auch mit grosser andacht bi dem ge- 
meinen christlichen gebete verharren und andêre 
hendel auf die zeit einstellen, dem heiligen 
predigtampte heimlich nicht aise zuwidor sein. 
dadurch will schwaeher leur geergert und ab- 
gewendet werden. 
Vermein«t aber jemand etwas wider etliche 
der kirchêndiener zu haben, der brauche den 
process und ordenung, welcbe der sohn gottê 
uns selber lehret Matth,d ara l s., s- mag ailes 
beigelegt und gehêilet werden. 
Zum dreizenden. Es ist nicht wol meglich, 
reehte bestenndige freundschaft, lieb uud frieden 
zwischen den kirchendienern zu erhalten, es sel 
den, das die eingerissene, eigenntitzige, vorwitzige 

personen aus dem mittel eines erbaren raths oder 
andere, die etwas studiret, verstindige und gotts- 
fitrchtig,  menner sein, dvm pr,.digtaml, te zu- 
geordnt werden, die vorfailende irrungen iiber 
d«r kirchenordnung oder untvr d«-n ministris zu 
verhiir,.n, au richwn un,l b«iznlegen, auf das der 
kirchen anligen nicht aile zeit |ïir ein ganzen rath 
gelangen uud in aller ieut meuler getragen werden. 
Zum siebzehenden. Ob an¢ezeigete l'ersonvn 
und herren kunten mit dem ganzcn miniterio 
oder etlicheu furuemen ministris in 14 tagen oder 
vier w,»chen, auch se oft es die noth der 
furfallÇnden sachen erf, rdern wurden, auf 
wi.se zeit. stun,le und steile zusamm« k,,mmen. 
in gotteshrcht von hndeln, se zut kirchen bestes 
dienstlich, deliberiren und ntitzlich schliessen, da- 
durch verbliebe vil gr-ss ergernis und wurde ein 
erbar rath vil beschwerlicher miihe und arbeit 
iil»rhoben. 
Zum achtzehenden. Es were deu kirchen 
nnd hospitalen sehr ntitzlich da jeder pfarrherr 
zu den rechuungen gezogen und adhiebiret wur«l% 
den s,» kunten sie die richtigkeit anzeigen wie 
zuhiirer und sterbende leute eleemosias zugeheu 
und testament und legate zu ordenen mit fleiss 
vermanen. 

Von der kirehea-discipliu. 

und unrugige unordnung f:emel:lich abgethan und Zum crsten. Die disciplin und kirchen zucht. 
aufgehoben, das ein kirchendiener dem andern ] wo sic recht gebrauchet wird nach gottes ein- 
mit besuch,ng der kranken, sacramentreichen und I satzungen nud orde»unffen, ist sie hochnotig und 
hauspredigten in sein kirch»piel feilet. Ein jeder . heilsam. Den dadurch werd«m vil oflbntlicher 
soll billich sich zu seiner kirchen, darinnen er sunder denl teufid aus seinem rachen, gewalt und 
wonet, und zu derselben pers,,nen dient halten, ewigen verdamInnis gerissen und erb)set; au«h 
Solchs wird in Mien rechtge-rdneten lauden, w.riditçt, das gottes w.rt uud heilig evangeliums 
steten und kirchen von christen gehalten.  auch sein eigentums und kirchen, bel den un- 
Zum vierzehenden. E erfordert auch die [ glenbigen nicht stiukcnd gemachet. 
lloçh 
verlPstort 
gotliche ordenung und alter brauch dot christliehen ' wordê. 
kirehen, das, so oft ein amt in dr kireheu ver-  Zunt andvrn. Unter die ehristliche discii,liu 
lediget, eine tiichtige l,erson, die gin gezeugnis geh,rt.u «.igentlirh div grobeu offeubar«u suude 
bat, ordentlicher weïse vociret und b,.rufen werde, I und ia.ter als oflbntliche gotteslest«-ruug, vr- 

dieselbe vert der kirchen und ministris gehoret, 
und darnach mit verwilligung des heiligen predifft- 
ampts bestetiget und in if ampt eingesetzet werdo. 
Zum iinfzebendon. Es ist auch gottes wort, 
der vernunft und altem brauch gem&ss, das kein 
kirchendiener vert seinem ampt durch die welt- 
liche oberkeit suspendirt oder entsetzet werde, 
sine legitima eognitione causae precedente auch 

ac],tnng seines worts un,1 ampts, m-rd. ehebruch, 
huror,d, zeuberei, saufeu, fressen, dicbstal. 
meinêid, unchristlich und verbotener wucher, ais 
10 2, 30 v,,n hundert. 
Zum driten. Die disciplin und kirchenzucht 
oder gerichte soli nicht aus fleischlichen affecten 
oder nach gut dunken geubt werden, sondern 
nach dem I, rocess uud ordenung, se uns Christus 



19o 

Polen. Die ehemals polnischen Landestheile des Knigreichs Preussen. 

selbest Matth. 18 und St. Paulus 1. Corinther 5 nach der ordenung thristi zum ersten und ander- 
furschreibet. Aufs erste soll eiuiglicher pfarrherr I mal bruderlich darum gestraft und zur buss ver- 
mit seinen collegis auf seine scheflein gut achtung manet, hab nicht wollen horen noch sich bessern, 

haben und, wo sie eins erfaren, welehes reudig, 
mit ofl'entlichen lastern befleckt und inficiret, so 
soli der p[arrherr solchera boten schicken und fiir 
sich allein fordern, ira seine sunde anzeigen und 
ernstlich zur buss und rechtschaffener christlicher 

zum 3mal hab in auch das verordente kirchen- 
gericht darurab ernstlich besprochen, hab dasselbige 
auch rautwilliglich verachtet. Derwegen sel vor- 
genannter sunder durch das ordentliche kircheu- 
gerichte in den bann vorteilet und durch raich 

besserung verraanen, gottes zorn, straf und ewig als seinen pfarherrn iffentlich drein erkleret. 
verdammnis furhalten, auch aller zeitlichen und I Nun aber sel vielgemelter X durch gottes gnade 
leiblichen straf erinnern. Horet er und verheischet zur erkenntnis seiner sunden koraraen, seind ira 

besserung, setzet demselbigen auch nach, so ist 
er gewonnen. H,,ret er aber nicht» saget keine 
I,esserung zu, oder saget sie zu und h:,ilt sie nicht, 
se, s0,11 der l»farrherr die p«rson zura anderen mal 
fur sich und seine collegas fordern, rait ir den 
vorigen process ernstlich halteu. Saget sie 
besserung und busse zu, thut auch dieselbige, so 
ist es gut, wo nicht, so s,-,ll der pfarrherr solche 
l,erson den verordenten hern aus dera rath und 
prcdigern i, consessu vermelden und die sache 
,,rdentlich bêrichteu. Drauf s,,llen diê c«mstituirte 
und verordente wehlich«, und geistliche herren 
,lie angezeigete und b,'klagete person durch den 
kirt'hem.r fur siçh an gewisse stelle, ,)rt. zeit und 
stunde citiren, fordern und laden lassen. In 
vermeldete beschuldigung, gehaltenem pr,cess von 
irem pfarhcrr, iren ungehorsara, unbussfertiges 
leben mit ernst anzcigên und sie ne»ch zur rechten 
uud christlichen bekerung vermanen und treiben. 
il,,ret alsdan solche person die verordenten herrn 
nicbt, so s0,11en sie raacht haben, dieselbige zura 
christlichei, bann zu vzrurteilen und dem pfarherr 
der.-elbigen kirchen auflegeu, das er solchen un- 
bussfertigen sunder auf den nechsten sontag nach 
gehaltener predigt ,,ffentlich in bann erkleren und 
von der canzel der gemeine Cristi anzeigen, das 
s,,lche person von allen christen soli geraiedeu 
werden; sie auch zu keiner ofl'entlichen, ehrlichen 
zusamraenkuntt soli berufen noch gestattet, als 
kiuder tauf. I,ochzeiten m,d dêrgleichen, bis se» 
lange sie busse tl,ue und aus dem bann los- 

herzlich leid, I,ab sie gebeichtet, bestandige 
besserung zugesaget und verheischen. Wolle auch 
das heilige testament, das ist den wahrhaftigen 
leib und blut unseres lieben herrn und heiland 
Jesu Christi drauf empfangen. Daher wolle er inen 
itzo vor dera altar offentlich als einen ofl'enbaren 
busser absolvieren und von seinen sunden ent- 
binden und ira den leib und blut des herrn geben, 
verraane derwegen die ganze kirche Çhristi, sie 
wolleu rait christlicher andacht fur inen zu gatt 
bitten, gott wolle ira gnedig und barmherzig sein, 
aile seine sunde and missethat veterlich verzeihen, 
seinem heiligen geist geben und datait stercken, 
das er solchen teuren schatz zu seiner besserung 
und seelen seligkeit erapfangen moge. Amen. 
Hierauf soli alsdan die offentliche absolution 
und reichung des heiligen nachtmals des herren 
erfolgen. 
Zura ftinften. Zur disciplin gehoret auch, 
das die feinde unserer wahrhaftigen und selig- 
machenden religi,n oder s,,nst rerrechter gotlichs 
worts und unbussfertigen leute lin] offentlichen 
kirchendiensten nicht geduldet 
Zum sechsten. Das es ailes ordentlich ge- 
halten werde zu erbauung der kirchen, das 
boieren und leuten an den unchristlichen festen 
underlassen, dann es einen schein dem bapst und 
seinen anhang datait zu hoffireu. 
Letzlich e. e. h. w. herrn und gonstige 
patroni bitten aile kirchendiener fleissig e. e. e. w. 
wollen uns doch auch ei,e erspriessliche und 

esprochen und «,fl;.ntlich iii irer kirchen durch fruchtbarliche antw,,rt geben auf unser suppliciren 
d«'n pfarherr auf v,,rgehendes erkontuis dol" ver- und bitten so derer e. e. e. w. vor funf vierteil 
ordenten herren absMviret sel. I ' 
jar ungefahr behendiget, auf das sich ein jeder 

Zura vierden. 8olchem offenbarem busser 
soli kein«, publica satisfactio oder beschwermig 
raer aufgeleget werden, den allein, das sein pfar- 
herr nach geend«.ter predigt offentlich der gemeine 
Christi, se, durci, se.in bises leben geergert von 
der canzel anzeigt: 
Ir geliobten ira herrn Cristo, if wisset, wie 
N uud N in diesera oder anderen offentlichem 
laster gelebet. oi v,,l rair als .eiuera pfarhern 

darnach wisse zu verhalten. 
Auch uneinigkeit in der kirchen zu verhtiten 
ist notig, das die so neulieh zu iren diensten 
allhier angen«,raraeu, alle der notel aufs erste 
undersehreiben. 
Befehlen e. e. e. und h. w. sarapt irer 
regierung und allen den irigen Christo in seinen 
gnedigen sehutz, sehirra und segen. Araen. In 
vigilia adventus 1570. 



Begrïdmissordnung vert 1578. Decret des Snats von 1586. 19l 

3b. Chor-0rdnung von 1072. 
[Enthaltem in der Kirchenordnung von 1612, Articulus 32, und dort. untcn ,'5. 210. abg«,lruckt.] 

36. Raths-Absehied veto 16. Januar 1573. 
ber das Zwangsvollstreckungs-Privileg bei kirch]ichen Schulden. 
[Enthalten in der Kirchenordnung von 1612, Arti,'ulus 4, und dort, unen S. 200. abgedruckt.] 

37. Begr[ihniss«rdnnng. 157.. 
]Aus St.-A. l;anzig. XXXI, B. 43. Vgl. obcn S. 174.] 

Zu wissen, das t'in erbar rath beschlossen 
und geordnet hat, wie es hinfort von diesem tage 
an mit don leichen und begrebnussen soll gehalten 
wercten, als nemlich das auf dem schlag zwei 
nachmittag die schiiler fur der thuren s-llen 
aufangen zu singen bis zu halb dreien, und dafur 
soli man ihnen geben, wan eine gl,,cke gelautet 
wirdt, zehen groschen, von zweien glocken 
zwanzig grosehen, und wan aile glocken gelautet 
werden, 40 groschen, len schulmeistern in allen 
schulen soll man nach dem alten g«brauch geben 
zum h)chsten einen gulden, und ermahn«»t hierbei 
ein erbar rath die sehulen und ch«,rdi«.ner. 
leute iiber gebiihr nicht zu beschweren, sondt,rn 
die armut in billicher acht zu haben; wan di. 
gloeke halb dreie schlecht, se s,,lhm die schii]er 
stracks weggt,ht,n und il,nen die_. leiche 
das also fur gloek drei odt,r auf dt,n sehlag 

In g]eichen soli es auch v,.tanden werd«l, wan 
mehr als eine lei«ho eines tages weren, das sic 
aile auf den schlag dr,ie in der kirchen sein, 
und mit einer leichpredigt saml,tlich zut erden 
bestatten werden soilen. Darnach sich ein ieder 
wird zu richten haben. 
lin dem K,mzopt zu di«ser lntimatioti folgt 
noch f,»lgender Satz, d,.r aise offenbar nicht mit 
l,ubliziert worden ist: È ist auch anzukundi,,.«.n, 
das die hem l,redicanten unter sich v«.rordnung 
machen werden, weh.hs auch eitt erbar rath ver- 
willigt bat, das hinfurt in ali«n kirch«,n dit,se 
leste circumcisi«mis domini, ,,der neujarstag, der 
heiligén drei kiinige tag, item l,Urificationis. 
anuuuciati-nis Marine, ascensi,,nis d»mini und 
Michaelis tag, gleichs den s, ntagen mit leuten. 
singen und predigen solb.n gehahen werden.- 
Auf der Riickseite des K,,nzepts ist bemerkt: 

vert dreien die lt,iche in der kirchen st,in seuil. [ Intimation wt,gen der leicht,n zu begraben, item 
Wer seiches nicht thun wird, und nach der zeit die kincler zu taufen, ist mieht ang,schlagen, 
die leiche einbringet, se sollen die todtengreber sondern von canzeln abgekundigt und geh.sen 
des rages die leiche ni¢hl begraben, auch kein worden. Gosehehen aune 1578 ara ausgange 
gesang noch leiehpredigt dariiber gehalt«.n werden, desseiben.] 

3. 0eeret des Senats v«m 23. October 15.;. 
[Ans St.-A. Danzig, XXXV, B. Nr. 2.} Vgl. ob¢n . 172.] 

Nach,l«m diese christliche gemeine mit dem 
heiligen gottliehen werke und ausspendung d«,r 
hochwirdigen sacramente vermuge prophetischen 
und apostolischen schriften laut der auspurgischÇn 
confession, derselben apoh,gia, w,m iieben g«,tt 
reichlich versehen und begnadigt worden, als bat 
sich balt bel der schwachen kirchen eiu fa.t 
ergerliche und geferliche disputation veto heiligen 
nachtmal unsers lieben herrn und heilandos .Iesu 
Christi erreget, welcher hochschedelichen disl,u- 
ration ein erb. rath in christlicher bescheidenheit 
furgekommen, und von denselben artikel des 
nachtmals zwischen Mien personen des ganzen 
ministerii, se die zeit bel diesen kirchen bestellet 

gewesen, eine briid«q-liehe christlich, und eildl,.llig«. 
vergleichung, se der augspurgischelt C«,llfessi,,it 
gemes angt,troffen, gt,macht und auteric|,t, welche 
schriftlich verfass«t und ilOtula c,nc,,i-diae genaut, 
welche re,toi auch nachmals v,,n eiuem erbaren 
rathe dieser k«u. stadt apl,robiret und angeuommen. 
s«wol durch aile anwesende l,ersouen des ganzen 
ministerii unterschrieben und ietzlich in den 
ofl'tmtlichen druck gegeben ist. 
Und obwol ein erbar rath sich genzlich ver- 
seht,n, man wtirde diese wolbestellte kirchen diss- 
fais, wie gottlob eine geraume zeit gewesen, 
nunmehr gerugig st,in lassen, aber ein neuer streit 
von demselben artikel des heiligen nachtmals 



]02 Polen. Die ehemals polnischen Landestheile des H0nigreichs Preussen. 

zwischen ettliehen ministris erwecket, so hat 
dennoch ein erb. rat damals auch ihr ampt ge- 
gepflogen und solchen streit am l Ci. februarii 
anno 81 genzlich verglichen und aufgehobelt, und 
alle und jedern dieser kirehen verwandte kirchen- 
diener, so damals bestellet gewesen, allenthalb in 
die aufgerichte ne, tel gewiesen, zu welcher notel 
sie sich dan sambtlich und s,,nderlich, damais 
einhellig uud einstimmig selbst bekonnet und 
dieselbe auch mit unterschreibung ihrer oigenen 
henden in einerlei gleichlauttend«n w.rten allent- 
halben appr,»biret. Und weil ein erb. rath 
zwischen dem ministerio hinforder keines auch 
missverstandes, vielweniger einiger spaltung sich 
nicht verstehen k3nnon, aber der leidige satllan seine 
tueke nicht lest. sondrelt s.lchs zuvor gedemptes 
feuer, mehr hefftiger dan je vorhin geschehen, 
aufblest und allerlei mehre uneinikeit anrichtet, 
das auch die horrn prodicanton, nieht allein 
in winkh.n, sondern auch fin" oinem erb. rat. 
vielmehr aber von «,ffentlichen canzlen mit 
rossem ergornus der christlichon gemeino zum 
heftigsten sich angegriffen, als wil ein erb. rath 
v«,n allon hestellten predicanton dioser stadt die 
,,bgedachte und v,,r vielen jahr«n eiuhellige 
gefasst, aufgorichtete md approbirte notel ganz 
ornstlich gehalten, darnach golehret, und durch 
ihr sambtlieh unterschriben bekrefltigot haben, 
jedoeh zu dergstalt, weil bis anhero unmessiger 
weise, da. verdammon und condemnirung auf der 
canzel nicht zuerbaunng der gemeine gottes, 
sondorn vielmehr zuverwirrung derselben, sonder- 
lich der einfeltigen leion geschehen, das forthin 
die predicanten samtlich und son,lerlich in ihren 
predigten den 13. artikel der notel nicht zu sol- 
chem ende, wie bishero g«.schehen, zu condemniren 
und verdammen, extendiren und gebrauchen sollen, 
auch sonst wegen dosselben artikels keine gefir- 
liche disputatic, n erregen, sondern do einer imandes 
kegenlehr strafe welte, dor soll mit christlicher 
bescheidenheit den irrtumb anzeigen nus gottes 
WOl.te wiederlegen und vermelden, das er es mit 
olcher lehre nicht halte. 

zu der zeit wan es der text vom nachtmal des herrn 
zu predigen eigentlich mitbringet, und nicht wie 
bissohero fast in allen predigten geschehen da 
man auch schon keine materiam darvon zu- 
gedencken furnemlich gehabt, dannoch solches 
zur bahne gebracht, sich keiner art und form zu 
reden gebrauchen sollen, die wieder die augs- 
purgische confession und ne»tel streiten. 
Dos sollen auch weder publice noch privatim 
des f'alvini, Zwinglii schriften, das concordienbuch 
und dergleichen buecher, von imands der herrn pre- 
dicanton canonisiret oder imgeringsten defendiret 
vielweniger irkeinerley streitschriften von ihnen 
in dieser stadt oder kirchen eingefueret werden. 
Und weil bissanhero liber geschehen verbot 
die prediger einesteiles nicht nachgelassen, ihre 
zwistige hendel, und was einer ara andern beides 
der lehre auch sonst mangel gehabt, auf die 
canzel zu ergernis und verdris der zuheirer zu- 
bringen, und mit schmehen und auslestern beide 
offentlich und privatim zuverleumbden als wil 
gleichfals ein erb. rath dasselbig den herrn 
predicanten hiemit gentzlich untersaget und ernst- 
lich vorpoten haben. 
Da aber iiber verhoffen sich abermahl be- 
geben mtichte, welchs gott dêr herr zu langen 
tagen, gnediglich abwenden wolte, das jemandes 
mit dem andren in einen missverstandt gerathen 
mochte, so sollen die herren predicanten, bei 
welchen der zwist entstehet unter ihnen selbest 
als brueder eines ampts, vorher zuversuchen 
schuldig sein, ob sie sich einigen konten, wo 
nicht die missverstendiegen hendel an das ganze 
ministerium zur vergleichunge nemen. Wo ferner 
auch do dies«lben ono vereinigung zergingen die 
sachen endlich mit allen umbstenden an dem 
herrn prisidenten, und so an einen ganzen erb. 
rath gelangen lassen, und mitlerweil, weder publice 
noch privatim imgeringsten davon nichts regeu 
noch gedencken. 
Diesen puncten nach sollen die herrn predi- 
canten sambtlich und sonderlich, als einen ab- 
scheid und decret eines erb. raths inhalt aller 

Weil auch nebenst dem condemniren ver- dal'innen begriffonen clausulen hinfuro stets lest 
merket wirdt, das nicbt mit geringom ergernuss [ un,l unverbriichlich zu halten schuldig sein. Wehr 
und verwirrung der zuhi;r«-r v«,n don canzlen dakegen thun oder handeln wirdt, soli mit der 
allerlei noue, ungew«,hnlich«, und orgerliche art strafe in der n,tel begriffen, achterfolget werden. 
zu reden, die in der notel nicht zu finden, gebraucht Actum auf unserm rathause, den 23. octobris 
werden, das die herrn predicanten sambtlich forthin anno de, mini MDLxxxvi. 

39 n. 4o. [fie Kiistenordnnngen der Stadt Danzig. Vom 13. April 1590 und 25. April lb9b. 
INach st.-A. Danzig, 31, B. N'r..59. Die beiden I)rdnungen stimmen fast w6rtlich Obercin. Die Abweichungen 
der Ordnung von 159.5 werden in nmerkungen wiedergegcben. Vgl. oben S. 174.] 
Nach dem hiebevor unterschiedliche orde- [ vergebliche uncosten und tiberfliissigkeit verhtitet 
nungen wegen der uncostungen aufgerichtet, datait I und abgeschaffet und aber nach der zeit ge- 



Die KOstenordnungen der Stadt Danzig vou 1590 uud 1595. 

]egenheit, dan und wan zu minderll, zu endern 
und in mchrer richtigkeit zu bringen, notig be- 
funden, se ist auch fiir dissmahl ein erb. rath 
verursachet, nebenst den andern dieser stadt ord- 
nungen, se zu aligemeinen rahtschlage gehiren, 
die jlingst verordnung und satzungen der kostcn 
halben in dem noch allerlei mangel dariu er- 
spiiret wiederumb fiir die handt zun«.hmen zu 
revidiren und zu verbesseren, hahen sich auf 
fo]gender ordnung die kunf['tig von jedermelmig- 
lichen dieser stadt burgern und einw-hnern 
gehalten werden soll eintrechtig verglich, lar- 

eines jeden entsehuldigung belltigig .sein. Darlmeh 
sich diejenigen, se dic kostunff ausrichtcn, zu- 
verha]tell haben und eigentlich wissen miigen, das 
sie sich dcssen der abgesaget bat, nicht zuver- 
mutten hahen diirfen. 
4. Die gaben und verehrungen s(, der 
hroutigam seinen odcr d.r braudt fr(.und«n uud 
w.rwandten, img|eichcn die braudt des breutigams, 
oder ihren freunden geben oder verehrcn, au 
sammet, scidcn, klcidern, helnbden oder d'rghqchcn, 
soilen hinfort genzlich abgethan uud vel'b,,ten 
sein. Aueh a[s das die dominicksverehrunge, 

naeh sich ein jeder bel peen darin enthalten zu I an stelle derselbcn gaben eingeschlichen, oder 
richten haben wirdt. I lnit was nahlnel die scmsten besch«inet werden 

1. Erstlich mag ein eheliche verl,»bung ont- 
weder in der kirchen, oder ehrlieher leute heusser 
in beisein ehrlicher leute von beiderseits freund- 
sehaft zum gezeugnis gchalten und tbrtgestoih.t 
werden. Und auf s«dche verlobung mtigen braut 
und breutigam desselben tag's nur einen tiseh 
12 personen gereclmet und nicht mehr ge.ste 
haben, l)arbey auch seitenspiel und ehrlic|w 
ztichtige tinze sollen vergennet und zugelassen 
sein. Die lobelbiere aber und andere gastenroien 
bey solehen ehegelobnusseu, se, lien ganz und gar 
abgestellet und verboten sein, aihîs bel der p«en 
10 guter marke ). 
2. Das umbbitten der braut seibst s,,l nach 
wie zuvor genzlichen abgethan s.in bel ,lrei 
guten marck. Ihre fi'eundinne und verwaudten 
aber mugen von ihretwegen woi umbbitten» 
auch dem breutigam durch ehrliche leute 
die geste cinzuladen vorg'enn«t ist. Den dien,t- 
boten und armen, dic nicht freunde haben, ist 
verstattet, das die braut selbst nmbbitten mag. 
Auch mag eine wiedtwe, .b sie wi], seibst 
umbzubitten. 
• 3. Die f'rauen und jUltfrau.n se mal 
gehret mit zut trauung zu gchen soii«n durch 
die verordneten umbbittcrinnen gebette Wel-d(.n 
in der wochen ver der hochzeit. Die m«.nner 
und gesellen, die zut hochzeit und ehefren«h, bc- 
geret werden, sollen durch zwei par manne.s- 
personen es sein biirger ,d«r junge gesellen 
wegen des breutigams und d,.r hraudt 
mittw,»ches donllerstages -der fl',.itages fur 
kestung eingeladen wel'den. W«.r von weg'en 
ehehatt obliegenden ges«hefften odcr s«mst zu 
erseheinen ni«ht bedaeht ist der soi es d«.n umb- 
bittern anzeigen, l lie umbbitter soih.n auch an 

) Die K5stenol'dnung von 1595 last hier deu .atz 
foigen: Ana sontag sollen hinfort kein ho«hzeiten gc- 
macht, sondern allein an den verkeltagen dieselben 
gehalten werden. 
 Statt ,des mittwoches- freitages" bat 1595: 
ein tag, drei oder vier. 
Sohling, Kirchenorduungen. IV. 

miichten, auch datait gelneiuet sein soih.n, bel 
der peen 25 guter mark. Iem br«.utigam al».r 
uml der braudt ist uuvel'[»ot«'n eines dem avdercn 
lmch ihrem stande und gelegeuheit zuverehren. 
l)ie braut mag auch wie v«,n aiters gewinlich 
dn beiden jungfrauen, se ber if zur trauung" 
g'hen, im gleichen die tanzmeister mit kr«.ntzlein 
el-ebl'eu, delm,,ch das beidcreits dio messigkeit 
gohalten werde. Wer sonsteu dem breutigam 
und braudt etas auf die hochzeit vervhren und 
gehen will, ist einem jedereu [ev uud uuge,.hrct. 
5. Van der gk vorhandcn ist, attt' wclchen 
di hochzitliche ehefrende bcstimlnt, sollen boides 
braudt lllld breudtigam, sambt denen se ihneu 
zu chi'en erscheinen auf den schlag der gl,,ckcn 
zehen in der kirchen sein und aldar ordentlich 
weise oflntlich ffetraut werdeu. S, abcr braut 
md breutigaïn, oder ein thoil v,,n hci.len» seumig 
wiirden und auf die gl-cke zehn in der kirchcn 
nicht eren, die s,»llen nicht getrauet wcrdeu. 
S-I sieh auch kein cal,lan oder kirchendien,.r di. 
seil,on zu trauen unterwild«.n, sondel'n s,,llen 
getrauet wied,.r weg geh«.n un,l soichen schiml,f 
sich selhst beiztmessen haben, das sie sich art 
r«chter zeit nicht eingcsteilet. Sie soilen sich 
iib,q" gi'i,'hw«l n,,ch fur ,h.r mahlzeit ira hauts,' 
tl-auen iasscn b«)" der i,e«.n nach aductmndt d,'r 
tische, auf dic m,'istcn 15. anf diel ander«n 
a(tf dieU) wenigsten 5 guter m;wck. S,,ilcn bt.r 
da, beilager keineswegs f,.rtstcllen, ei«' dan sic 
gctl'auet sein, bel der busse 100 gut,. mark ,h.r 
.rl,aru wctt,' nnuachh'sslich zuv(.l'tdb'n. 
6. Ail« kostungen s.h.n andt.rs nich/ 
des V,l'nlittag's angofimgcn and don tagk iilcr 
biss znr bestimblen stunde, als dio gl,wke scrh,e. 
gchaitclt und w,iltz-geli werd,.l, i tagegen 
abendt kosttmgen g«.nzlicheu verb.telt und ah- 
gethan bey riel- lwen 111 guter mark. 
7. lter scigersteiler s-li ni«.lmmden zugcfa]len 
odcr verdruss den seiger v«rl'iick«u ,«h'r 
bel der peen 5 gute mark. 
l 1595: del" 

"25 



1.(14 

l'olen. Die ehemais polnischen l.andestheile des K0nigreichs Preussen. 

8. Wer zu seiner trauung das ch,,r und die 
kleine orgel gebrauchen wil, von dem sol hinfort 
der capellmeister zu ch«,r nicht mohr als 2 mark, 
der organist nicht mehr den 1 mark nnd der 
giockner nicht mehr den 5 groschen nehmen, bei 
verlust s«,lches l,hnes so ,,ft sic darwi«-h'r handoh,. 
Da abcr jomandt vint dcnen die 8 tische setzen, 
miigen die grosse ,,,'gel zut brautmesse wolte 
sl,ielen lassen, der sol an stêlh- der vo»igen un- 
ko.t«.n fiinf mark geben un,l der iibrige guide,, 
,let kirch«, zug(.wendet werdcn. 
:. l tie') in der ,,brigk«.it si,dt, und andere 
fnrneme b,,rger und kaufleute s,,llcn zu ihrer oder 
ihrer kindor h«,chzeit nicht mehrgeste d«.n attf8 tische 
einlad«.u und setzeu, jeder tisch menliches un,l 
frauliches geschlechts auf 12 personcn gerechnct, 
«las also in ailes 96 personen seind. .ledoch-l das 
hierbei den raths und gerichtspersoncn liber 
diesês so sie w«»llên noch zwên,, tische und nicht 
dariiber soliên zug«.lassen .ein. I tarunter aber 
frembde ieute, so aus anderen ,,rtern eingeladen, 
item die freunde, s,, nicht zu lische sitzt-n, s,ndern 
umbhergeheu, dienen und die geste zut freligkeit 
vermahnen helfen, ftir wclche «.in sonderlich tisch 
do sie essen, ab und zu gehen, sol verc, rdenet sein. 
item die anderon, so zu tiscb« diem.n, auftragen ,,der 
aufwarteu helfi.n, item die spielleute, item kinder 
von zehn jahren und daruuter nicht mit ein- 
gerechnet w('rdcn. Aile andere ausserhalb 
arb«.itsvolck n,ad di.nstbot,.n, s,,lh.n nicht mehr 
als ftinf ti.che, arbeith.utc und di«'nstbotcn 
nicht liber drei ti.che setzen. W'lchc: tib«.r 
die gemeldete zahl mehr I,ersom.n hab.n wiirdcn. 
s,,] v»n jeder I,ers«,t. di(. iibrigist. d.r wette eine 
halbe gute mark verfallen sel,,. Wer aber weniger 
setzen will. a]s ira zugelassen, das ,naff er wohl 
thun und die unkosten crsparen). 
10. Mit der speisung .sol es fol:zen,lerm«tssen 
g«'ha]ten werdcn. Die ma]zeit s«,l man anfangen, 
(las zum lengstcn die gl«,cke I,all» zwiilfe ) das 
crste gerichte auf dem tische st(.he bel pe.en 
2 guter mark. Und dcrwegen s«,l au«h hinfi, rden 
«h.r breutigam nach v,,llendetem kirchgange mit 
dem ansa_-eu zur malzeit bel den herrn «les 
ralhos, der gorichte ,der andcren v.rschonet 

) Statt ,lie in d,.r ol,rigkeit- I, aufleute" hat 
1595: Was furnehme burger und I, aufleute sin. 
" Dieser Salz fehlt in 1.595. 
) 1595: Wel,'he al,er. 
) 159.', folgt noch f,lgender Satz: Die ohrigkcit, 
so w,I des raths als gericht:personen, sol zu irer 
eigenen wahl stehen, oh sie dieser t, rdnung nach ihrê 
.der ihrer kinder hochzêiten wllcn anstellen, ihre 
dienstboten aber sollen durchaus dêrselben unterworfen 
,ein tlnd ihre hostungen darnach gehalten werden. 
a) 1.595 bat hier weiter: und fur dem schlage halb 
zwelffe. 

bleiben. Und mag solchs sonsten durch zwene 
seiner freunde oder verwandten verrichten. In 
den kostungen, da 8 tische gesetzet werden, sollen 
nicht mehr ais 4 ordentliche gerichte aufgetragen 
werden, wie die ein jeder nach seiner und der 
zeit gelegenheit anordnen ma.g. So auch tiber 
das jemandt ein schaueessen zu geben hat, das 
s-Il in den vier gerichten mit begriffen sein. 
Aber aile beigerichte oder beiessen se, lien abgethau 
und verb,,ten sein. In den kostungen, da nicht 
mehr al« fiinf tischo zugelassen, soilen nicht mehr 
als :3 gerichte dermassen wie obgesaget auf- 
getragen werden. Diejenigen, die auf drei tische 
kostung ma,heu, s,,ilen nicht mehr als 2 gerichte, 
und darzu, so sie wollên, êin zugemuss speisên, 
ailes bei der peen auf ein jedes fass zwo guler 
mark. so oft ais es iibertreten wird. 
11. Die acl,t tische setzen, mtigên ihren gesten 
allerlei getrenke von weinen und bieren ihres 
gefallens und vermtigens vortragen lassen. Die 
auf 5 tische befuget, sollen alleine bief schenken 
einheimisch oder frembdes nach eines jeden 
gelegenheit. Die ab«.r wein geben woilen und 
des vermtigens seind wein zu schenken die 
sollen doch nicht mehr den einerlei wein ftirtragen 
lassen. Wer dargegen tl,ut, sol 5 gute mark be- 
standen sein. Diejenigenl), so auf 3 tische 
anrichten, solle,, nicht mehr alss bief schenken 
und keinen wein, bei der busse drei guter mark. 
Da aher jemand fiir sich braut und breutigam 
zum ehren den gesten wein fiirtragen w,Ate das 
st,het zu eines jedem gefallen. 
12. Diejenigen, welche die hochzeit oder 
kostungen ausrichten, se, lien keine speisse oder 
getrenke aus der kostung in andere hausser 
schicken, bi peen 3 guter mark. 
17,. Kein gesinde, knechte megdc, kinder 
s«,llen in die kostung unter der malzêit verstattet 
werd,.n, ausgenommen diçienigen so durch die 
freundschaft zu versorgung der tische geordenet 
werden, uud frembder leute diener. Die jungen 
knecl,te un,t diener, so in die kostungen kommen. 
auf ihre l,,.rrn zu warten, sollen durch bescheiden- 
heit der herrn selbst abgerichtet und unterwiesen 
sein, das si,l, ein jeder wieder von dannen ver- 
fiige, und wan es zeit ist, nach gehaltener malzeit, 
als dan wieder auf den herrn warten und mittler- 
weile niemanden in der kostung hinderlich sei, 
vielweniger sich einigerlei ungebuer anmasse, 
odor sich unt«rstehe, speise, obst «,der gebackens 
aus den fisscn zu reissen, oder sich mit dem 
t,'uuk zu l».ladcn ,,der zu besaufen, bel der 
strafe tag und nacht ira fass bier keller. Da 
auch einen solchen schimpfZ begegnete und er 

1595: Diejenige aber. 
1595: irkein schimpff. 



Die K6stenordn«nen der .qtadl D«,nzig vo, 1590 ,md 1595. 

dariiher ausgeweiset wiirde, cicr mag sieh seiches 
selbst zn sehreiben. Frembden jungen abortL 
einspennigen dienern, kindern, die nicht dahin 
hescheiden seind, sol man strackes dit, thih-e 
weisen und sie austreiben. Worunter ) der herru 
bïrgermeister dienern, di sich nmb ailerh.i fur- 
fhllender geschefl'te willen bei sich behalten mii£en, 
nicht sollen begriffen sein. 
14. Die offizianten, se in «h., k,stung«.n 
gebraucht werden, sollen nicht mcl,r gesinde mit 
sich fiiren a]s ihneu niitig. Sollen auch sich an 
ihrer besoldung benugen lasseu und keine k,,st, 
fleisch, fische oder getrenke, wein und bief tïir 
sich oder durch ihre gesinde untorschlagen oder 
wegschlepen lassen. Der auch die wirtgchaft 
macht, sol ihnen nichts geben ,,der wegragen 
lassen. Wer darwieder thete wie auch der 
thuerwechter, weichvr macht haben s-Il, «.inomt 
jeden austreger zu besuchen, woferne er etwas 
auszutragen verstattt. Sol nach erkenntnus dr 
wette mit verlust seines hdmes od«,r auch mit 
gefngnus nach galogenheit dor iibertretun ge- 
strafet wer,len. 
15. Die h,fpfeifer sollen vert jeder hochzeit, 
darzu sie gefordert und gebrauchet werden, oin 
jeglicher 25 groschen zu l,,hn habon. Der g, tts- 
pfennig sol nicht liber 15 groschen sein allen zu 
geben. Des s-lien sie zu jederera gerichte spielen. 
auch naeh der malzeit zum tanze, bis zur bc- 
stimbten zeit. Und die grossen instrumenten 
soilen nur allein auf den furnembsten k.stuugen 
• gebrauchet werdon. Wan die spielleute die grossen 
instrumente brauchen, oder jomanden ein sonder- 
lich hofferecht machen, davon "soilen sie keine 
sonderliche besoldung nehmen, s,,ndern sollen 
schuldig sein, auf allen instrumeuten, wie man es 
begebrt, umb das gesetzte lohn zu spielen, 
der strafe des ankerschmiedethurmes. 8,» auch 
irkein breutigam" zu seinen ehofreunden  
hofflautenisten a) begehren wiirde, doeh zu eines 
jederen gefailen, ,b ehr sie aller «,der einen 
haben wiil, soli man einem jeden geben 15 gr-- 
schen und zum gottespfennige nicht mehr als 
10 gr.4). Des sollen sie spielen zu eiuem } jeden 
geriehte und zum tanze. Anderen gemeinen 
spielleuten, die auf harfn iauten und ander«.n 
instrumenten spieh.n, soi man geben jedoron 
40 schillinge, gemeinen fidelern 0 sehillinge. 
Weil auch bei den jung«'n geseilen ein heures 
einreissen wil, das sie sich auf herpauken flir- 

ffi) 159.5: oder. 
-) 1595 lautet dieser Satz: Worunter derer in cicr 
obrigkeit sitzende jungen oder diener nicht sollen be- 
griffen sein. 
a) 1595: hofefiedeler. 
) 159.5:15 groschen. 
«) 1595: .einem" fehlt. 

spiei«.n uud mit trovmeten fehlgeschrei hlasen 
lassen, weiches den kein blirgerli«h frendnspiel 
ist mtd ander«.n leuten ezienet, s, sollen 
}fin das tr,,metea, t'eldgeschrei und die herpau«ken 
in alleu kostuueu genzlieheu verh,t.n sein, auch 
nicht die gem«.i«.n trmnch zu herpaucken g,.- 
macht w«.r,len sollen ). 
16. l)«n stadtk«wh«.n s«,}l 2"ebih.eu. zu kochen 
la dç.u ftrnemhtn kostuug«.u ,la acht tisch« 
gesetzet und clic hofpfi.itr gebrau«'ht werd«,n und 
s,,! in eiaes jedem, cicr die kotung ausriehtet, 
gefallen steh«.n, ein«m, zwcne oder drei stadt- 
koche zugebrauchen, umb ein geldt, nemblich 
4 mark ilmen seml,tlich zu geben, daffir sollen 
sie selber mit ihr«.n henden s, riel muglich ailes 
fi,rtstelh-n. Un,1 ,h nur einer -der zwene 
meisterkoche ) angeaehnwu uud gebranchet wurden» 
s» sollen dies,'ll,enZ knechte zu sich nehmen, 
das werck zu v,lleubringen, denen sic lohnen. 
und sic die meisterk,che die ve,tic besoldun« 
nehmen. Die aber auf fiinf und ,lrei tisch kostung 
machen, denen soli frei sein, entwed,.r stadtk-chg 
«»der ander mannes oder weibes l»«'rsonen zu- 
gebrauch«,n. Die besoldung s,,I se.in dem koche 
mit sein«.n knecht«*n voa «.in«.r k,st,.n zu 5 tischen 
2mz mark, zu drci tischen 25 groschen. 
17. Der kellerm«.isterschen, der wein und 
bierschnken, d*r tafi.llackenwerteriu, der schiissel- 
wescherin s,ll gel,,hnet werden nnd jeder koste 
zu 8 tischen 20 grosch«.n, zu 5 tischen 12 gr,schen, 
zu 3 tischen 6 groschen. Der silherwechterine« 
s,l von einer kosten zu 8 lisch 2 markr', zu 
5 tisch 25«) gr,schen gegeben werden, verleuret 
sie etwas an silber durch ihr«.n unfleiss und un- 
vorsichtigkeit, das s«,l sic bezahlen. Der kachen- 
n, eisterin sol man geb,n von eiuer kostung zu 
acht tischen 20 groschen, zu fiinf tisch«.n 12 gro- 
schen, von 3 tisch,.n 6 groschen und nicht daraber. 
Item thuerwechter gebOr«'t zum h¢;chsten und bei 
d«.n n, eisten tischeu lb gr«,schen, bel b tischen 
lçt groschen und bei dreien7) 20 schillinge ailes 
bei peen einer hall,en guten mark. s-wol anf den 
geber als nemer zu exequiren. 
18. Einem j«.den s«,l frei seiu, seiche offi- 
cianten seiaes gefalh.ns zu nehmen, und durch den 
schenken keiner eingdrung«n werde». Iieich«s- 
fhlles sollen sich auch and«*re ofciaaten enthalten, 
jen, auden einzudr«.ngeu, besm, ders der die hochzeit 
ausrichtet mag die gebrauch«'n, se, c'in ge/hllig. 
*) 195 noch: bei orig«. peen des ankerchnfied- 
l]nigill. 
) !:,5: von den meisterkochen. 
) 1595: diesclbigon. 
 1.595: siiberwarterin. 
t) 1595: eine nark. 
 195: dreizehn. 
) 1595: dreien tischen. 

2.5 * 



19; Polcn. Die ehemals polnischen Landestheile des K6nigreichs Preussen. 

Mit ihrcr bcs«,ldung so|lell sich die officianteu 
begniigeu lasseu und dariiber kein bedegeld 
ford«.rn. Auch liber sieh se}ber kein au,h.r vo}ck 
,Mer gesinde, auch nicht ihre ehegatten mit sich 
in di«. k,»stung bringen, auf da aller unrat und 
unt«.rschleif se, riel delnehr verhiitet b}«.ibe, 
hey w.rlust ihres l,,hnes. 
19. Den «,fciant«.n und denen so zu tische 
divnen, sol ein suppenfleisch verordeuet werden, 
das sie essen, wei} di«. braudt in der kirchen ist. 
Xac}l der ma}zeit s«,llen vie an deme, was ihm.n 
v,,n der iibergebliebenenll kost mit getheilet 
wirdt, ges«.ttiget sein. und dariiber uiemanden 
drengen «,der niitigen bei v«,riger strat. Den 
sl,iel}euten s,,} «.ssen gegben werdeu, wen sie 
zum erst,.n gerichte lnit ihren instrumenten umb- 
ge«l,ielet haben. 
20. [tic. schiiler von dem cher, &.rg}eichen 
,,rgallisten. ca}canWn, h,,flneister vom stadth«,fb, 
stadtdiener und anderer derg}«.ichen sollu nicht 
b«.ftlet sein, speisse aus dr k-stung zu f»rdern, 
uiemau,1 s«,l ihnen auch st'huldi sein, zu geben 
bei peen eim.r guteu lnark, s,, w«,l auf rien der 
es gibt als der es llimmt. 
21. Ein jt.d,.r, ,lcr koste machet, sol die 
an«,rdnung thun, datait die malzeit auf die ghck 
,lrei entscheid«.n, geendiget und das letzte gerichte 
aufgehoben sei. und alss dan der tanz anzethnen 
werdon, bei peell 2 gut«.r nark. Itamit doch 
nachgerichte als t,bst un,1 kuchen nicht sollen ge- 
meinet sein. 
22. Zu dem tanze sol sich niemand ein- 
dreng«.n, iiber die denen die verordente tanz- 
meister zu d,'n ersten dreien tenzen ein frau 
oder jungfrau zugetïihret wirdt. Und s,,llen vier 
-der zum wenigsten zwei ehrliche geseIlen zu 
tanzmeistern geordnet werd«.n durch des breuti- 
gares und der braudt tYeundschafl.  En ehemann 
aber «,der eine eh,frau mag mit seinem oder 
ihrem ehegatten, auch ohne zuftihren, w,,hl tanzen. 
Nach vollenzihung der ersten dreien t«.nze 
s,,l einem jedem frei seiu, erbarlicher und ziich- 
tiger weise fraut.n und jungfrauen in tallze zu 
llehmen. E ist iln tanzell aber fst eilw bauerische 
nnd unfi, rlnliche weisse auch gut«.n erharlich sitten 
ungemess das man sich seltzam verdrehet und 
umbkreuseldt, zu weilen an eiuander lauft als 
unvernunftige thiere da durch zu mehrmalen 
unbequemigkeit den schwangern fraueu auch 
wol z) nachteil zugeffiget uud sich s«,nsten darbev 
mehr anderes zutraget das wol verbleibvn ichtê. 
So s«dl hinfort s) s«,lch unordentlich verdrehen 

l) 1595: uberhleibenden. 
• z) 1595: ,wol" fehlt. 
q 1595: forthin. 

und umbkreusseln gar nicht gestattet w=rden. Ulld 
auf solche grobe gesellen oder paurische tenzer 
sollen die wette diener achtung haben und die 
verbrecher zum nechsten sitz vorladen. Wer dann 
bruchfellig befunden, der solle der wette: so oft 
er sich der ungebuer verhalten, eine halbe gute 
mark v,,rfallen ). Und der wettdiener, der un- 
fl«.issig were oder sich besufl, sol drei tage 
gefengnis bestanden haben. Es-l soll auch bei 
dem tanze ein ho,ser abscheulich und unzuchtiger 
brauch iiberhandt nehmen mit dem unverscheme- 
ten pussen zwischell gesellen und jungfrauen, 
dariber auch geburendes einsehen sol gepflogen, 
und so «,ft es geschieht die peen eine gute mark 
verfallen und abgen«,hmell werden. 
23. Die gl,cke halb fiinfe sollen braudt und 
breutigam ordentlicher weise zu bette gebracht 
und aldar delt neuen eheleuten gliick gewunschet 
werden I»ei der peen zwei guter mark wofern 
sie die stunde llicht halten. 
24. Wan der seiger sechs schleget des 
abends, so sol die h«,chzeit g«z und gar geendigt 
sein und sol sich keiner von den spilleuten auch 
niemalldt anders unterstehen, liber dieselbe stunde 
ferner zu sl,ielen, oder zum tanze ursache zu 
geben, bey strafe des ankerschmiedsthurms. In 
rien hochzeiten aber, da die braut zu bette ge- 
bracht wird, mugen sie spielen bis zu halb sieben 
und nicht liinger bei voriger strafe. 
25. Zur abendmalzeit mag man den negsten 
freunden un,l verwandten bei sich behalten, in 
rien furnêmbsten kostmlgen, da acht tische gespeiset . 
werdeu, 3 tische, wo 5 tische gespeiset werden, 
zweeue, uud wo drei tische gewesen, einen tisch, 
jedern tisch auf 12 pers«,nen gerechnet, miinlichs 
und frauliches g,=schlechts, die zu tische sitzen. 
W«,r iiber gemeldete zahl mehr personen behalten 
wurde, sol von jeder persou eine halbe gute 
marck strafe verfallen sein. Bai der abendmahl- 
zeit sollen auch seitenspiel und tenze zugelassen 
sein. Oh auch jemand ungebeten wolte sitzen 
bleiben oder sich zur abendmalzeit ntigen, dem 
sol nicht verstattet werdeu, der gebetenen geste 
stelle einzunehmen. Sondern man mag in als 
cinen ungebetenen gast hinter die thtire setzen 
und rien schimpf sol er sich selber zu schreiben. 
26. Hierbei sol genzlich verboten und auf- 
gehoben sein, irkein nachtag zu halten bei der 
peen zehn guter marcka). 

) 1595: 'erfallen sein. 
"-') In 1595 fehlt der ganze Absatz: ;,Es soli -- 
abgenohmen werden." 
s) In 1595 folgt hier noch: Schliesslich sol auch 
hiemit das silberwerk auf den hochzeiten abgeschaffet 
sein, ausgenommen kannen, giessbecken und giess- 
kannen, und dan silberne liffel. 



Kirchenordnung ftir Danzig von 1612. 197 

27. Die exceeuti«u aller uud iedrer ober- 
zelten punkten uud artikeln, bussen, straf,q und 
pe«nen sol die erb. w«tte mit vleiss und ernst 
ausstragendem ampte kegenst die verbrecher, sie 
sei hohes oder niedriges standes, Mme jeder- 
menniglichs eintrag oder hinderunge, aueh Mme 
irkeine appellation vollenziehen and fort.qêtzen, 
und in dem durehauss mit einem wie dem andern 
die gleichheit halten. Und zu mehrer und dest, 
richtiger vollenziehnng solcher executinen, s-lien 
die wette diener» so darzu von den wetten ver- 
ordenet in die kostungshausser gehelt, und sich dem 
breutigam ansagen, das er darumb komme, ge- 
biirende atffsicht dieser «rdnung ha|heu zu haben. 
Und der brentigam s.ll veïschaffeu, datait sic 
nicht darinnen gehindert und aile wege wan sic 
koramen, ab nnd zugehen, durch den thuerwarter 1) 
ein verstattet werden, bel der peen zehn guter 
marck. Wtirde sich auch sonst jemand kegcn 
so|che diener setzen, sic mit w«rten oder werken 
uherfahren und ahweisen oder nderer ungehuer ') 
unterstehen der se! nach gelegeaheit der vor- 
b»chung dureh erkenntnus der wetten unnach- 
lesslich gestrafet werden. 
Diese obgemelte kosteaordnung sol -ffentlich 
in kinig Artuïs ho, fie in sehriften jedermermig- 
lichen fuïgestellet werden, darnaeh siçh ein jed«.r 
zu richten, fur schaden zu hiiten') und der un- 
wissenheit sieh niemands zu entschuldigen habe. 
Actum, den 18. aprilis anno 1890). 
Biargermeister und rathmanne der stad I)anzigk. 

) 159.5: Thur wechter. 
-) 1595: ungebur sich. 

Register. 
1. Von verlobung md lobelbier. 
2. Vom umbbitten zur kosten 
3. V«,m umbbietten und denen so gebêt«-t werden. 
4. Von den gaben uml verehrnngon. 
5. V,m den kirchgange und trauung. 
6. Von dêr kosten, wie lange sie s,! gehalten 
werden. 
7. Vom seigersteller. 
8. Vom chor, organisten und glockner. 
9. Von anzahl der tischen. 
10. Von der speise und der zeit. 
11. Vom getreuke. 
12. Von wegschickung der sp«ise oder getreuckes. 
l:J. Von gesinde knechte megde und kind«.r. 
die in der koste unter der malzeit nicht sein 
sollen. 
14, Von den offieianten. 
1. Von rien hoffpeifern uud lautenisten. 
16. Von .tadtkochen. 
17. Von kellrmeisterin, tafellackmwochtrin, 
schiisselwescherin, silberwarterimte, kiichen- 
meisterin und thiirwe«.hter. 
18. Von den officianten, das sic uiemande.q .ollen 
in die ktlste bringen. 
19. V«n den officianten so zu tische dionen. 
2t. Von schulern, «,rganisten, calcanten, h-f- 
meistern und stadtdienern. 
21. Von d«.r stund, wen die mahlzeit anzufaugon. 
22. V,,m tanzen, verdrehen und possen. 
23. V«n der stund, wan braut und breutigam 
zu bette gehen. 
24. Von der stund, wie lange dio spielleute 

") In 1595 fehlt: ,fur schaden zu htitten", spielen sollen. 
*) 1595: Actum den 25. tag Aprilis Anno 1500 2.5. Von der abertdmalzeit. 
funf und neunzisten. [Das Weitere fehlt, auch das I 2. Von verbietung der nachtage. 
Register.] 27. Von der wirklichen executi,n. 

41. ARe kirchenordaang der kirehen .qanet .larien, in der reehten stadt lantzig, naeh itzigea zustande, 
and wie es mit Mien derselben kirchenofficianten, nach dem gefallenen babstthamb biss dahero gehalten 
worden and noch gehalten wird. 
Item sehnlordnung der schnlen daselbst, wie sie die itzige kirchenv/iter vor sich gefunden, and in etzlichen 
puncten verbessert. 
Dnreh die dahie bestellten kirehenviter oder wrsteher aufs neue revidirt and artirkelweise in eine gewisse 
ordnung gebraeht. Ira jahre 1612. 
[Ang St.-A. lanzi, lldschr. PI'. 46, B1. :;11 ff'. Vgl. t,l,en S. 10.] 
Dem edlen, ehrnvesten, namhaften und hochweisen herrn, h«rn tlansen von 
der Linden, praesidirenden biirgermeistern und obcrsten patronen, und 
inspectore der kirehen S. Marien, in der rechten stadt Dantzig, unsern gr«ss- 
glinstigen herren. 
Edler, ehrenvester, namhafier, hoehweiser, [ und w«llweiser raht, uns hierunter geschriebene 
grossgiinstiger herr. Sintemal ein erl,. hoch- [ biirger, zu vorstehern oder kirchenviitern der 



198 l'olen. Ifie ehemais polnischen Landestheile des Kï, ni,.,l'eichs Preussen. 

pfarrkirc}len al|lier bi dt.r rechten stadt Dan»zig, I itzigen evangelischen zeit (wie wM1 nieht aller- 
zu unser lieben fr;tnen oder 8t. Marien genant, dings beschrieben)empfangen. 

glinstigli('h verordnet und bestellet, haben wir, 
IillSe}'|l gcbii}lr |lacll, iii ste»er sorgfeltigkeit ge- 
standen, der bemeldten kirchen wo]fa}lr[ Ul|d 
f-rderungen zusichern, und dagegen, was derselben 
him|erli¢}l -der s¢lliidlich sein mige, zuv.r zu- 
kommen. Veil dann seiche sorgfeltigkeit auf 
einer gewisen beschl'iebenen ordenunge beruhet 
haben wir dieselbe nach itzigell leuften in gewisse 
al-tickel oder puncta, nach we]cllen »an sich fer|let 
zurichten haire, verfass«n wMlen. 
l)anll ,)b wir w,ll Cille alte kirchen ()rdllllllg, 
se ira floril'enden bahstumb, von dol| li=ben al»en 
gemacht, |'iii" uns g(.t'Ulden, welc]le ati(.]l bis zur 

Wornach wir uns sampt unsere successores 
auch andere der kirche und schiiler bestellete 
officianten und diener sieh zuverhalten hetten. 
Welche artickel e. woledlen und hochweisen 
herrn ais von einem erbar» hoehweisen rat|» 
verordneten kirchen patronen und inspectoren zu 
ilbersellen, wir dicnstlich w,llen tiberreichet haben. 
G«mz fleissig bittende, sie wolle dieselbe zu be- 
quemer zeit sich vorzulesen und anzuhiren nicht 
verdriessen lassen und daneben dieses unsern 
kleinen fleiss ira besten vermerken, auch was 
daran zu elldern, ab oder zu zusetzen, ihrem wn 
gott verliehenem ]l«»ilell verstande naeh. giinstiglich 

zeit, da dasselbe albier durch ge,»tes gnade ge- [ erkleren, und endlich dieselbe, wegen tragendem 
fallen, und dakegen ,las li«llt ,les heiligen cran- [ amptes (s,ferne es euren hochw, herl. rathsam 
gelii herfiirge|eu¢]ltet Ilnd angegangell, in efl'ectu ilnd gefellig) einem erb. hochweisen rath auf 
gewesell, wird d-,('h dieselbige nach heutigen I desse» ratifieati,ul fiirtragen, und umb confirmirung 
]ollftell etlicher massen, |liC}lt genugsam und inlld bestetigung derseiben giinstigIieh anhalten 
volkommen vermercket. Hierum und dieweil . datait wir wider aile verworungen derselben zu- 
»tatuta, ordn»nge uud gesetze I,«i }anden »md wieder dabey gesc}liitzet und erha]ten und aueh 
leu»en aufgerichtet, nach dvr zeit stelle, und s«)nst dadurch gott der allmeehtige ge]ohet und diese 
geleg«.llhcit, in eine andere masse, fi, rm nnd kirche ira friedliehen ruhestande erhahen werden 
gestalt, durch di«.jelligv, denen es gebiiilr«.n will. mi;ge. Dasselbc um e. hochw, herl. naeh allem 
gindert, applieiret, vermehret, gemindert und ge- [ miigliehem fieiss wiederumb zu verdienen, sind 

bessert werden nl[issell aus den und sonst mehrer 
der kirchel gelegenheit, sein wir itzigen kirc|len- 
viter bewogen worden, die bemeidete aire ordmlng 
mit der itzigen zeit der kirchen gelegeuheit uud 
iiblich«n gebrauch zu cMlatianircn, dieselbe zu 
revidiren und ordentlich al-ticklweise anfs papier 
zu bringen, jedoch aise raid nicht anders, den wie 
wir es von unsern seeligen antecessoren zu der 

wir bereit, willig und unverdrossen 
e. hoehw, herl. 
gehorsame biirger. 
Eerhard B/itticher. 
Heinrieh Kemerer. 
Michel Wieder. 
Gregor von Ambster. 

Alte ordnung der kirchen St. Marien in Dantzig gegen der zu unser zeit iiblichen ordnung 
collationiret und aufs neue revidiret, ira jahr Christi 1612. 

Articu|us 1. 
Voll den ersten kir(.-hel vitern. 
Zu was ende anfnglich, durch . er],. raht 
der rechten stadt Dan»zig. die kil'cl,enviiter zu 
nnscr lichen frauen, anders St Marien genant. 
.,eind best=llet und verordnet w,rden, dasselbe 
.,tehet in der al»en kirchenordnung, in sfichsischer 
sl,rach % zum anang gesetzet, wie folget: 
lin jahr unsers llerrn 1457. Na¢h dem 
neuen jahrestage bat der ehl'wiirdige rath iiber- 
geben, der kirchen unser lieben fraun stiefviitern, 
als lfir('k Langen» .rat.oh Fhiggen, Mathias 
N«.gndanck und .Iacoh Grantzin. aile de»- v,,r- 
gescllriel»enen kil'C]Wl)zinser und rente auszuthun 
und zu empfangen, und alle dinge, in aller mass 
und -rdinantien, wie das zuvor bei dem ehr- 
wlirdigen rath gewesen ist, und aueh in sMeher 

maeht, wie es zuvor bei dem ehrwtirdigen rath 
gehalten ist. 
Art. 2. 
Wie die kirchenviter gewehlet werden. 
Wann eine stelle der kirchenviter vacirêt, 
wir,! es dem aiten gebrauch und gewohnheit naeh 
aise gehahen, das alsdann die tibrigen drei 
kirehenviiter an des abgegangenen stelle vier per- 
sonen schriftlieh aufsetzen tllld durch den eltesten 
herrn l,iirgermeister., als chers»er inspectoren der 
kirehen, ei»em erbaren rath VOl'tragen lassen, aus 
wei«hen e. erb. rath eines in des abgegangenen 
stelle erwehlet. 
Wen aber zwo l,ersonen mangeln, werden 
durch die iibrign beide acht personen schriftlich 
aufgezeichnet, aus welchen e. erb. rath zwo andere 
erwehlet, wie noch neulich geschehen, nemli¢h 
ira jahre 1611. 



Kirchenordmn til" I»anzig von 1612. 199 

Art. ;J. 
Von der kirchenviter ambt. 
Die beiden eltesten kirchviter haben den 
kirchenbau in vêrwaltung so wol auch dorselben 
erbe und liegende griinde, dazu aih. pfennig nnd 
grundzinsen einzunehmeu und auszugeben, w«.lches 
ailes alhier in specie nicht kam gesetzet werden, 
sondern weisen solches ihre rechnungen, so sie 
jihrlich dem w«lgemeldcten herrn burgermeister 
iibergeben, klerlich nus. Es haben aber diose 
beide eltesten ein jeglicher seine l»es«mdereu 
kirchen einkiinfte, nach inhalt ihrer biicher zu- 
empfangen. Die aussgabe aber belangendc, habeu 
sio unter sich ein jegliches jahr in zweitheile 
abgetheilet, also das der erste v«,n dcm sonnabeud 
nach dem christtage an bis auf den sonnhend 
nach s. johannistage, beinahe alle unk,,sten zahlet, 
Mss quartalgelder verbauetes und was sonst zu 
zahlen ist; imgleichen f:'thet sich des andern 
zahhmg an den s, mnabend nach s. johaunistnge, 
und vehret bis auf don s«nnhend naeh dem 
christtage. 
Der dritte kirchenvater bat don thurm mit 
den glocken sampt den orgvln und chor, wie auch 
das dach und die rinnen liber die gmize kirche 
in seiner verwaltung und ist sein gebtihr was 
daran zubauon and zubessern nitig, das:elbe zu- 
bestellen. Daneben gebtihret ihm mit fleiss 
achtunge drauf zugeben, das es mit dem h:uteu 
und beiern bei dc.m alten gebrauch dieser itzicn 
evangelisclwn kirchen bleibe, also auch von dem 
chor und -rgeln zuvcrstehen, welche ihrc gewissc 
ordnung haben, auf das keine neuerung eingefiihrt 
werden. Des bat er monatlich einzunehmen die 

sein vorwisseu irkeiuen lei«hstein zulegen, zuhehen, 
zu reumen oder irkeiu zeichen oder namen zu 
hauen. It d«'.rwegen auch zu dem ende ein be- 
sonderer steinhauor darzu bestellet dic steiue 
zu zeichnen, welcher sich ehoumasig nicht unter- 
stehen soli. auf irkeinen stein etwas zuhauen, 
,,hne v,,rwissen und wil]en des jiingsten kirehen- 
vaters. Ihme gebiilret aueh fleissige achtung 
darauf zu gehen, «las die t«tengrber, s« das 
grab machen die gehoi,enen steiue wied«rumh nach 
dem schrotgewicht eben h*gen, und w« sic. es 
ficht ebvn g«.ma«het ihm*n soh'hes ornstlich be- 
fi*hh*. Ira sic auch irkeiueu stoiu zerbrechen 
,,d,r die kantel abst«,sseu, soli er sic in ernste 
strafe uehm«*n. Es ist auch sein ffebiir, wen die 
kirchengelde auf die drei haul,t[stv mit dom 
seckleiu eingesamlet werden, das er nach der 
friih predit in der dresskamnwr aufarte, dic 
gesamleton geldo empfahe und daselbst in d,* 
dazu ver«,rdenten kasten stocke, las bat auch 
derselbe kirchen rater einzun«.hmen, die geldc, 
so fiir die begrebuissc gefall«n, w,,Iche ihm d«.r 
gl;ickner auch m,,natli«h in Sl,eci«. zuverrechuen 
und zuerl«.gen schuh]ig ist. Vas uuu von divsem 
elde monatlich eiuk,,mnt, davon zahlot er dem 
«,fficial, nach aussgang« • eines jeglichen jahres, 
wen dic kirchenrechnunge g«*schlossen ist, von jeg- 
lichvr alton leiehe, se, alhier das jahr ber be- 
grabeu w«,rden. 2« gr,,schen un,1 v,,r jeglcheut 
ki»«l« 7 schott, nebent eiuem zettel, wieviel der 
der alten uml jungen leicheu goweseu. V,,n den 
h.ichen abcr. s» freie begrt*bniss haben, oder in 
capellon begrabeu werden, dater wird ihme nichts 
zugestellet, den die kirche bat davm auch nichts 
zugeniessen. Diss todtongeld wird ihm, dem 
otcial, durch den kirch«ukneeht zuffestelIt, dessen 

gelde, so fiir das leuten zu den leichen eingesamh.t muss er ihm c.ine quittantze geben, l»iese vier 
werdên, welche ihm der gliiekner monatlich z«- I kirchenviiter seind auch dahin verbundên. «la 
stellet, neben eilmr rechnung in speci% fiir welchc ] irk«.inên miter ihnon in scinem befi,hlenen ami»t,. 
leichen und wie riel einkommen, llic n«.ben etwas schweres ,,der |,e,lenkliches fiirfiele zu- 

giebt ihm auch der gli;ckner zu ende eines jeg- 
lichen jahres eine besondero.jahresreehnuge, was 
er an gl,,cken und an brautmessen gelder zu 
kleiner ausgabe fiir die kirche uud dr(,s.kammer 
an ich behalten nnd ausgegeben hat. 
Dieser dritte kirchenvatvr zahlet von deu 
eingebrachten gelden aile quartal, naeh auss- 
weisungen seines buchs dem signator, calcauten 
und blinden ihr quartalgeld, welches der signator 
zusammen empfiihet, und den andern auth«ilet, 
den erst soviel an gelde iiberbleibet, lasset or 
einem von den beiden eltcsten, an welchem die 
abgemeldte zahlungszeit ist, durch den kirchen- 
knecht zustellen, wan er es begehret. 
Der vurte kirchen vater hat die leiehsteine 
samht den begrtbnissen in seiner verwaltung% 
und ist sein gebiihr, das er nieht zugehe, «hne 

verrichten oder zu «,rduen, das er solches nicht 
ins wvrke richte, ohne vorwiss.n, recht und be- 
willigunge seim.r collegen, desgleichen itnfall 
irkeiner kirchcnvatêr s«ines hefohlen,.n amptes 
halbcn, so «.r treulich verrichtet, von jomandes 
angef,,«ht«n wiirde, se,lieu sic. aih. vierê fiir einen 
mann steh«.n nnd oiner den andern treulich zu- 
vertreten und zuverantworten schuldig sein. Item, 
ob auch ein«.r diesor kirchenvitêr, wegons vor- 
roisvns ehehaft, «,der ander ungeloffenheit halber. 
seim.s ampts nicht kSnnte al»warten, so gebiihrct 
dem olt,q'en nochst ihm in der sossion, dasselbe 
zuverwalt«.n, und boscheid davon zugeben. AIs«c 
auch da es dessfalls ara eltvstvn mangeln wiir«h.. 
gebiihret seinem nechston assvssorvn mm.r ihn«.u 
dasselbe zuverrichten. 



2ll I'.len. Die ehemals polnischen l,andestheile des K6nigreichs i'reussen. 

Art. 4. 
Von der kirchenzinsmanung. 
Laut der aiten kirchenordnung miigen die 
kirchenviiter der kirchen schuid und zinsen 
mahnen, gleiehwiv des raths schuid und zinsen, wie 
s-lchos auch in der stadt wiilktir w.rsehen ist. 
lliev,,n ist aueh e. erb. raths abseheid vor- 
handen, iautende wie f-lget: Zuwissen, das nach- 
dem die kirchenviiter sich bel vinem erb. rath 
erklaget in ,iem sie ihre ptk'nnig ZillSell SO sie 
auf erbe und liegendv griinde ausgethan, anders 
nicht als wie ein erb. rath ihre zinseu ein- 
zu[brdern b«.fugt seiu, vou etlichen ein viutrag 
geschieht, dic da vermeinen mit den kirchen- 
vtern gleich uahe zu seiu. zur einfi»rderung ihrer 
ausstehenden sehuldvn. 8o erkleret sich e. e. 
rath, sintemal es von ahers aise, hergvbracht, 
wvlehes auch in der wiilkih- aiso vcrsvhen, aueh 
smsten iii gemeinvu besehriebenen rechten heii»am 
disp«niret ist. das die kirehen, hoslfitalien , cit;ster 
und rathh.user fiir andere creditoren, praer.ga- 
tiven haben s.lh.u und ihrv zinseu auf den 
rechten tag zuthrden nieht schuhlig, davon 
aueh in der kirchen vtor biichern ein sonder- 
licher artickel enthalten. 
'an nllll die kireh«m vt«.r ihr«zz debit«,ren 
dell hauptstuel, nvbellSt dem vorsPsVllell zinsen, 
durch zwene glauhwiirdige minner aufgesaget und 
hein erb. rath eingezeuget, und dic debitoren 
eiu viertel jahr nach der verflossenen autage das 
hauptgcid und zinsen nicht ableg«n, s,, ,dleu sie 
befllgt sein, vinen str«,wisch durch tien dlenvr 
hauptmann an den beschwerten erbvn, darauf sie 
eid ausgethan un,l autesagvt, znsteckeu, dieselbv 
,,hne aile gerichtliche solenniteten zuverkautn und 
sich des hauptstuls und vvrsess«.n,.n zinsen daraus 
zuerholcn, und wcnn di« erbe verkatt, s,, s,,ilen 
aissdaan auch dieseibc oflntlich I,ei gerichtv 
verlanget werden, datait don fi'cmd,.u ihr recht 
des einspruchs, iibli«.hen gebrau«h na,'h froihlvibe. 
Actum 16..ianuarii 1578. 

Art. 5. 
V,n den g-vld«.n s,, .j.hr[icl, au¢ ,iie 
dr,.i haul, tfcste in der kirchet 
gvsami«.t w«rdvn. 
lin bapsthumb hat mau allf aih. sonutag«" 
und fi'iertago in der kirchen mit tafi'in umh- 
angen, derseib«.n zll besten gelder einzusamleu. 
wie die alten kirchenbcher ausweiseu, zlt uuser 
zoit aber sind solche taG.In ahgeschaflk.t llnd an 
stalle derselben zwei secklein verordnet, an lange 
schmale stecklein befstiget, datait g..hvn in der 
kirehe nntb der kirehenknoeht und signator, llUl" 
dreimal ira jahr, als ara osterMge pfingstmge 

und christtage nach geschlossener frtiepredigt. 
W-rauf dêm jungsten kirchenvater in der 
dresskammer gehtlhret zu warten, die gelde zu 
empfangen, wen sie den umbgang verrichtet haben. 
V,,n diesen gelden theilet er zu festgelder aus: 
erstlich don vier predicanten dieser kirchen 
(weiches ihnen der kirchen knecht bringet) einem 
jeglichen 15 gi. ll, darnach dem gltickner fiir 
sich 10 gl. und ftir seinen diener 10 gl., dem 
kirchenknvcht 10 gi., sêinem gehulfen 10 gl., 
dvm signator 10 gi., seiner frauen 10 gl., dem 
der die zeichvn nimbt, wen das abendmahl aus- 
g«.theilet wird 6 gl.. dem hundepeitscher 4 gl. 
und seiner h'au 4 gi., dvm steckenknêcht 4 gl. 

Art. 6. 
Umb welche zeit die kirchenv/iter 
jiihrlich ihre reehnung sehliessen. 
Friedrich lIitfeldt weiland kirchenvater 
setzet under anderen in seiner rechnug zum ein- 
gang also: Anno 1572. Zuwissen ist, das naeh 
der,l von alters her gewesen ist, der kirchen 
recht,ung zu schliessen auf Luciae, also seind wir 
itzigvr zeit kitrhenvater, alss Peter Bartsch, 
l"riêdrici, Hitfeldt Michael R,,gge und Hermann 
Hacke iiber eingekommen und uns gêeiniget, da. 
die kirchenreci,nung soli geschêhen aile jahr auf 
neujahrestag. Diese .rdnung wird itziger zeit 
n.ch aise gehalten, und sci,reibet ein jeglicher 
kirchenvater seinv rechnulg von empfang und 
aussgabe in sein dazu verordnetes buch, welche 
rechnuneen darnach ira neuën jahr zusammen- 
gebracht, durch selnptliche kirchenviiter collationiret 
und iibersehen, und copien davon dem eltesten 
herrn hiirgermeister iibergeben werden. 

Art. 7. 
V,,n der kirehenviter freiheit. 
in ,ler alten kirchen,,rdnung stehen unter 
andcren diese ,,rt. Item, auch haben clic 
kirchenviter wachen und scharwerck frei ans- 
gen,,mmcn grosse uohtsache. Hieriiber wird 
itzigvr zeit nocl, gehalten. Und sind auch hier- 
neben die kirdienviter je und aile wege mit andrer 
gringvn eml,teru verschouet gew,.sell, wie auch 
noci, datait verscl,,,net bleiben. In derselben 
,,rdnuug thlg,.t fi'rncr als,,, ltvm umb dess willen, 
dass die biirgermeister und rathmenner und der 
stadtschreiber der kirchen und der stadt dienen. 
.o sollen sic mit ihrcn hausfrauen freie begrib- 
nis darinnen haben. Stirbet aber der rathmann 
sa s,,ll seine hausfrau auch diê frciheit hernacher 
gebrauchen, sofern sie unverindert bleibet. Ver- 
endert sie sich aber, so ist ihre frêiheit ledig. 

Aile gl.  groschen. 



Kirchenordnung fur Danzig von 1612. 201 

Auch so sollen die begrabniss ri'et sein den 
kirchenvorstehern und stiefvatern mit ihren hauss- 
frauen. Dis wird auch noch also gehalten. 
Item die kirchenviter haben die freiheit, 
laut des schlusses in der ahen ordnung, da 
gemttchtiget sein, aile die artickel der kirchen- 
ordenungen zuvermehren, zuvermindern und zu- 
verhessern, also wie ste werden erkennen von- 
n6then zu sein, zu gottes und der kirchen ehr 
und ruhm. 
Art. 
Von ungebiihr in der kirchen und auf 
dem kirchhofe. 
In der stadt wiilkiir ira ersten thei], ira 
7. capitel und 1. art. stehet also geschrieben, 
jemand in der kirchen oder auf dem kirchh0,f 
einen andern schliige, der soli der kirchen drei 
gute marck verfallen sein, so er ihn aher wundete, 
soli er der kirchen drei gute marck verfallen 
sein und gleichwol dem heleidigten partner seine 
action bel den crb. rath fiirbe]lalten sein. Da 
auch jemand an solchen stellen einer begangenen 
unfur oder uuzucht iiberwiesen Wiil-de, der soli 
nach erkenntniss des raths gestraf«t werden. 
Hierzu addieren die kirchenviter, das so jemand 
dasselhe angesehen und die parten anzugeben 
wiiste, auch darauf die that genugsam beweisen 
wtirde, so soli der angeber don vierten theil der 
busse zugeniessen haben. 

Art. 9. 
Von verbotenen trachten nicht dur,-h 
die kirche zutragen. 
Im anderu artickel des siebenden capitels 
ersten theiles stehen diese wort: Wer ferckel 
schweine, kt;rbe mit fischen, ha]be oder ganze 
rumpe ) fleisch oder aber sonsten ander ungewihn- 
liche trachten vormittage oder sonsten unter der 
predigt oder vesper durch die kirche triget, 
sollen die kirchenviter leute dazu bestellen, 
dasselbe gut und tracht wegnehmn, die helfte 
fier sich und die andere helfte fiir die spial. 
Die kirchenviter addiren, das ihr be.tellter hundc- 
peitscher in abwesenheit del" hierzu bestelhen 
oder auch nebenst denselben fleissig achtung 
drauf geben und auch nebenst ihnen vo]lkommen 
macht haben soli, das benommene zugeniossen. 

Art. 10. 
Von aller dieser kirchen capellev 
freiheit und unterhaltung in gemein. 
In der alten ordnung wird also gesetzet: 
Item die geschleehter, die eigene capellen haben 
) S. auch Art. 45. 
Sehlin, Kirehenordnungen. IV. 

lassen bauen, und der kirchen eine merkliche 
summa geldes daftir gegeben, die freiheit, das 
sie mit ihren kindern frei begrebniss sollen 
haben, wen sie begraben werden, tlie s,,lle den 
pfarrherru v,,n jeglicher leiche Itichts gebon, und 
dazu sollen sic ihre capellen untel-halten mit 
dache, fenster, i-innen und weissen. 

Von der heiligen grabes cal, elle. 
Des heiligen grabes cal,elle hinter dem l,ol,cn 
altar verwalten von langer zeit hel'o die kirchen- 
v/iter, und hat das hosl,ital St. {;ertrud eiu 
drittentheil darinnen zu eien, nach ausswoi.sung 
der alten ordnung, welche daneben vermeldet, 
«las dit. vor.steher desselben hospitals sollon sehul,lig 
sein, so off die fenster liber dfi.ser cal,ellen ge- 
macht oder gebessert werden, das sie den dritten 
theil der nnkosten bezahlen sollen. Also aucl, 
von dach und rinnen zuverstehen. 
{Spiterer Zusatz: Notandum: dass dis muss 
verschrieben sein, und es die capelle sein mu.ss. 
hart neben in wiukel, wie es die untersuchung 
ann,, 1656 mit den vorstehern von ,St. Gertrud,.n 
hosi,, gegebeu, Uld ihre documente ausweisen. 
da sic an dieser cal,ellen kein theil haben. Vide 
doducti«uem pleni,,rem ira capellenbuch.] 

V-'n ,St. Catharinen capelle. 
Diese eapelle in der kirehen, die ander von 
der beutlerthir gehende ,ach dem .ehippenstul 
ist ira jahr !604 durch die kirchen/iter, al.o Paul 
von Dorne, Sebaldt 8chnitter, Ianit.l Htihenor 
und Eberhardt B:ittieher, laut eines gewis.en 
contraets au die kirehen gebraeht, mit aller 
rechtigkeit und ïreiheit, nutz und frommen, zu 
derselben geh6rig, also «las die kirchenviWr 
dieselhe zu der kirehen nutz uud frommen zu- 
gebrauchen haben. 

V«,n der libr.rei, welche uvor alcr 
gottes heiligen capelle geheissen. 
Nachdem diese cal,elle ira jahl- 1-165 o1 
frommen leuten zu einer librarei ver,,rdnet, i.st 
anfenglich dieselbe den kirchenvitern bf,,hlen 
und iibergeben w,,rden, nach laut und inhalt eine. 
tostaments ira buch sub lit ]. verzeichne, 
wlchem auch ein sondrliches iuventarium iiber 
die biicher so darillnen vorhandel, v,,n del 
stiftern derse]ben gemacht worden i.t, welch«s 
auch bei den kircheuvitern n,,ch vorhanden. 

Von der capelle Itierusalem genant. 
An der grossen thiir nach den schniiffelmarckt 
v.ehed auf der linken hand die nehesten an dol- 



l'olen. Die ehemals polnischen l.andestheile des K,nigreichs Preussen. 

thiir, wird von alters der priester briiderschaft 
cal»elle genannt, ist itzund in der kirchenviiter 
t trwaltunge welche sie hinfort dor kirchen zu 
nutz, uach ihrem besten verstand gebraucheu 
m/igen. 
Art. 11. 
Von der altarn gerechtigkeit dicser 
kirchen in gemeiu. 
i ti[. ahe kirchen ordnung lautet hievon aise,: 
ilfqn, weichc brii,l,.r«'haft .der giido in der aiten 
«,del" ueuen kirche «-igene aitare habel mit ihrem 
heweiss, miigeli dos gebrauchen, nach inhait ihrer 
briefi- uu,l hewei, und keinerlei stiihle und 
henk«.» beideu fi-aues und mannes sich nicht 
unteriudeu zu haut.n, bel d,.m aitar, oder umb 
,las altar, ,,hne wissen und urlaub der kirch0.n- 
viter, dan seiches v,n dem erh. rath el'nstlich 
b,-f, hlela ist darauf zu sehon. 

Art. 12. 
Wieviti :i,,cken auf deu kir«-henthurn 
seiu uu,l wie sic heissen, item. wie sic 
gebraucht werdeu. 
iie erst«, und gr,ss«.tv giocke wird Ave 
Maria genant on ait«l'S, darumb das es die 
hetegiocke ist. .'Sie wird auch ,'Sigismundus und 
itziger zeit gvlneiniglich die grosse giocke genant, 
wird von 12 maire gezogen, lfie andere wird 
Os:mna genant, auch die sturmgiocke, und wird 
v»n fiinf manu ffoz,gen. 
lfie dritte iwisst Ap,stolica, darumb das auf 
die ap,,st«itage damit gebeigvrt wird. wie heruach 
t;,lget, und wird von tiinf manu gezogeu. Die 
vierte heissot i,,minicalis, darumb das sie aiit 
-.uutage gvbrauchet wird, v,u vier Inann gezogen.. 
Iio ftinftt wird Ferialis genandt, darumb das sie 
ile tage gebrauchet wird. von zwei mann 
z,,gen, lfie sechste heisst 8vbilla odr 'aml»aua 
l'vmbala, darnmb das man aile zeit, wenn es v,,n 
n«ten datait sigmiert, uud wird w,n eineln manne 
g-.ieutet. Die si,bendt henget tiber diesen giocken 
iivn und wird lange gi-cke genannt, darumb 
«las sie zu gewisser zeit. entwed«.r einv ganze 
stundo, ,der zum k'.irzesten eiuo halbe slundt 
iang eleutet wird. Auch nennt man sie iandglocke. 
Darumb «las man sie umb di. tadt herumb 
weit auf dvm lande hiiren kan, dieselbe wird 
v,n einem mann gezogen. Wie aber diese glockvn 
gebraucht werdeu uud zu w'lcher zcit, fidgot 
itzend hernach. 

Wi« man des sontages ver und nach- 
mittage mit den giocken ieutet. 
Am sonntage des morgens wen der seg«.r 
vire schleget, wird mit der Dominical tin puis 

von einem sch,»ck ziigen oder ein wenig iinger 
gele«tet, und bald darauf die lange glocke, bis 
es ftinfe schlaget, balde hernach wen es ftinfe 
geschlagen, mit der Dominical und Ferial zu- 
sammen v,n zwei schock ztigen, darnach wen es 
sechs geschlagen, wird Init der 0sanna ein puis 
von zwei schock zïgen zut morgen predigt, und 
den auf segers haib zwtilf zu mittage mit der 
0sanna zur mittags predigt. Nachmittage wen 
kein btgribniss g-halten wird, dazu man i«utet, 
wird segers eines mit der Dominical ein puis 
und streckts drauf mit der langen glocke geleutet, 
biss es haib zwei schi/ig«t, und darauf mit d«r 
Osanna zur v««,perpredigt.- Wen aber begr/ibniss 
gehahen wird, dazu man ieutet, aissdann wird 
mit der langen glock nicht gtleutet. .Sondern 
wtn es tins ges«.hlagen, mit der Dominical ein 
puis und streckes darauf wird mit der Svbilla 
zcr ltichbegribniss signiret und nach halb zwei 
mit der 0sanna ein geleutet zur vesperpredigt. 
und darauf zum andern mal mit der Sybilla zur 
iei«.henbegribnis signirtt. 
Und wen es zwev geschl,en zum dritteu 
mal. darnach segers haib drei nur der leiche 
g«ieutet, mit den glocken die dazu bestellet sein. 
wie hernach folgen wirdt. 

Wie man auf die andern tage in der 
wochen leutet. 

Es wird aile tage in der wochen, den sontag 
aussgenommen, s,» baide es des morgens viere 
schlegt mit der Ferial ein puis und bald darauf 
die lange gh,cke bis es funfe schlegt, und darauf, 
wenn es ftinfe geschlagen, wird ein puis mit der 
Ferial und Svbiila zusammen geleutet. 
SVen aber ara montage unà frei'mge 
mettenpredigt gêhalten wird, wie wochentlich ge- 
schieht, wenn nicht andere leste verhindern, wird 
nach vorgemeidten tiglichen ieuten des morgens 
nach halb sechsen mit dor Osanna ein puls ge- 
leutet zur predigt. 
Ara diustage und douuerstage wenn des 
inorgens eine predigt gehaiten wird, wie 
wocheutlich geschieht, wenn nicht ander«, feste 
verhindern, und deswegeu dio predigt eingesteilet 
wil'd aisdaun wird des morgens uach dem ge- 
meineu leuten se t/àglich geschieht, wen der seger 
sechse schleget, mit der l tsanna zur predigt ge- 
ieutet. 
Nachmittage durch die ganze woche aus- 
gtn,»mmn der sonntag und sonnabent, wenn keine 
leichenbegengnisse ist. welcher geleutet soli werden. 
Aisdan wird auch nach zwei schiigen mit der 
Ferlai geh'utet und strackes drauf die lange 
glocke bis auf eiu viertel fiir dreien alsdan 
mit dot Fel'iai und Sybiila ein puls zusammen. 



Kirchenordnung ftir Danzig von 1612. 203 

Wann aber in ,liesen tagen ein leichen- 
begrë.bnis ist und zu dersolben mit der grr, sscn 
glocke geleutet s«,ll werden, als dan wird nach- 
mittage mit der langen glncke nicht gcleutct, 
sonderu nach segers oins mit der Sybilla ira 
ersten, auf segers halb zwei zu andern uu,I seg,.rs 
zwei zum dritten mahl signir«.t. Ihq ,lios«.n 
signiren zu dreien mahlen, kan oi j«'glit'h,.r in 
der stadt wisseu, dot eqh;;ret, dass fi.lglich mit 
der grossen gl,»cke zum 1,effr«.bniss soli 
werden, datait er sich in zt.iten «'rsinnt, ,,b 
will die h.icho helfn beleiten .cicr in di kircl,- 
gehPn, die loichl,redit anxuhih'en. Wie dPu 
drauf hald na«h lmlb dreie, nit d«.r g'rc»gon 
glockeu Aposto]ica. erial und 5vbilla geleutPt 
wird, uud solcles durd die fiinf bestellt«.n blinden 
und fufxehn gehlfen, seind zuammen zwanzig 
Wen aber in diesen tagon die Osanna zu 
einer leichbegrabnis soli geloutet wordon, alsdann 
wird die lange gh,cko nachmittage nicht geleutet, 
sondorn aui" halbzwei zum ersten und auf segers 
zwei zum ander mal mit dor Sybilla signiret, 
dadurch verstanden wird das f«,lgig darauf mit 
der Osanna in einer leiche soli geloutot werden, 
wie dann auch hernach auf halb droi die I)»anlta 
Apostolica, F,q-ial und S'billa durch die fiinf 
blinden und acht gehlfi.n geleutet werden, und 
wird alsdann auch gemeiniglich eine l«ichpredigt 
gehalten. 
Und wan in diesen tagn die Apos6,1ica zut 
leichbegengnss soli geleutet werd,-n, alssdann 
wird nachmittage die lange glocke auch ni«ht 
gelontet, sondern wen es zwei geschlaen hat, mit 
der Sybilla siiret nur einmal. Welches eine 
anzeigung ist. das selten ber solch oino loiche 
eine leichprediet gehalten wird und wird auf 
segers halb droi der leicho zum begrebniiss mit 
der Apostolica. Ferial und Svbilla goleutet, dur«b 
die fnf blinden und droi gehlfen seind acht 
personen. 

Wie es des sonnabends mit donglocken 
leuten gehalten wirdt. 
Des sonnabends wird ana morff«.n gelêutêt 
wio in anderen tagen in der wochen, aussgen,,mmen 
den sonntag. Nachmittage wen keine leiche ist 
zu begraben, wird auf segors eins mit der I),,- 
minical ein puis und bald drauf die lange glocke, 
bis es zwei schleget, geleutet, und strackes mit 
der Dominical uud Ferial zusammen, datait gehet 
zugleich die vesper in der kirche an. Wenn aber 
ara sonnabend eine leichbegengniiss ist, wird 
nachmittage die lange glocke nicht geleutet, 
sondern wen es eins geschlagen, wird mit der 

D,,minical allein ein puis zur vesper geleutet, 
und stracks dranf; wen die gr,,sse glocke soli 
geloutet werden, mit dor Sybilla signirot zum 
begribniss, also auch attt" seg,.r halb zwoi zum 
«tndern mal, darnacl, segcrs zwei mit der l),,rninical 
,,n,1 Ferial ein pul.q und str«,cks drauf mit dor 
.qvbilla zum drittenma! signiret, da,fit gohet die 
vosper ath und wird 1,erna«h die tzrosse mit ihren 
.ueli;rig«.n zlo«-ko,, t»m.h halb droi schlegen, 
zum bogr«-I,niiss goleutet. Aise wird es auch gê- 
halten  wênn dio lsanna des s«,nuabends zut 
l«.ichbegenni.-s goleutet wird. allein das auf den 
schlag eins nicht signiret wird s,ndern auf halb 
zwoi zum ersten ud anz zwei zut, andern nal. 
h,gleichen wird es a,tch als«, gehalt,n, wen dos 
s,m,ab«.nds ,lio Apostolica zur leichbog«'ugntiss 
geleutet wird, «,hno allein «la nur ,inmal signiret 
wird nemblich wou es halb drci goscl,lagon bat. 

Art. 13. 
V«»n der bete glocko. 
Zu unsêrn zeiten wird . al.,, wie v,,r alter.q 
mit der b«.t« • glocke geh«,lton, nemlich aile tage 
ohne unterschied, wir,1 zu droirr, alen. als des 
m,rgens, wen es sit'l»on gêschlagen, zu mittage, 
wen es zw61f geschlag,n, und zu abend, w.n es 
fihffo geschlagên, der kneppl in der gr«».-sen glocke 
mit .inem strick durch den signator an einen 
rand dorselben gl,cke gez-gon, und s«,lches zehn- 
nal fein langsam nach einander, darnach besehleiist 
ers mit zwêi schlêgen bald auf ein auder. Alst, 
wird es auch in andern pfarkirchen gehalten. 

Art. 14. 
V«,m beigern auf die grossen festo. 
Wan ein gr,ss lest êinfellêt, wêlches allezoit 
mit drei prodigt, n ghalton wird. alsdan wirrl 
d,'s tages zuvor vormittage geloutet, wie sonst 
auf den tag in dor w«,«he gebreuchlich. Nach- 
mittago aber, sobalde es êins geschlagên mit der 
fsann/, Al,ostolica und D,,miuical zusammen 
boigêrt und rliê gr«,sse glocke darin gelêutet. 
und diss heisset man mit der gr,,ssen glock« 
beigern. Aise auch wen es zwei geschlagen zum 
andorn mal, und auf halb vier zum dritten 
mal. larnach ara festtage des m,,rgens, weu 
es vier eschlag«.n, wird abermals, wie oben ge- 
beiffert und die grosse glocke darin g.êleutot. 
Darnach, wen die aufh/ren, die lange glocke bis 
es fiinfe schlegt, und wem es ftinfe geschlage. 
wird die grosse glocke wie v«,r ff«leutet und mit 
der Osanna, Apc».,tolica und D,,minical dari, 
beigert, darnach wen os serh. geschlagen, al:- 
dann wird mit der grossen glocko Ml-in zut 
2;" 



204 Polen. Die ehemal.- polnischen Landestheile des K6nigreichs Preusnen. 

morgenpredigt gvleutet und also auch wen es zu 
mittage halb zwi;lfe schlegvt mit der grossen 
glocke alleine. Nachmittage aber, wen es eins 
geschlagen, alsdam wird wiêdrumb wie vor- 
nittage mit der Osanna. Ap,st,,lica und Dominical 
ebenmtissig gebeigert und mit dêr gr,,ssen glocke 
darein geleutet, und wen das eine weile gegangen, 
alsdann hiiret die l t«,minicai auf. und die andern 
gehen in beigern noch eine weile, mit der grossen 
glocke f,,rt. Drauf wird bald die lange glocke 
geleutet bis auf halb zwei, wen desselben rages 
nicht zu irckeinen begribniss darf geleutet werden, 
und hald nach halb zweien wird mit der gr, ssen 
glo«ken zur vesperpredigt gvleutet; wird aber rien 
tag irk«.iner lviche geleutet, so wird die lange 
glocke nachmittagê zu leutvn eingestêllet. 

Art. 15. 
Wie man auf die kleinen feste beigert. 
Auf die kleinen f«ste, welche allzeit nur mit 
,.iner l,redigt gehalten werden, es sel dan, das 
etwa eines auf einen sontag einfellet, oder vom 
sontage dahin vêrlegt wird, alsdann wird des 
tages zuvor na«h mittage, wen es eins geschlagen 
bat, mit der lmminical und Apostolica gebeigêrt 
und mit der Osanna darein geleutet und dis 
heisset man mit der Osmma beiern, und bald 
darauf die lange glo«ke bis zu hall» zweien, wen 
des taes kein leutên zu irkeiner leichen gehalten 
wird. Wird aber zum begrehnis geleutet, sa wird 
die lange glocke na«h mittage nicht gezogen. 
An festtage des morgens, wen es viere ge- 
schlagen, wird mit den gl,,cken, wie des tages 
zuvor zum ersten maie gebeigert und darauf mit 
der langen glocke bi zn ftin schlegen gelêutet. 
Nachmittage aber auf halb zwei wird auf dieselbe 
weise zum andern mal gebeigert, und weil keine 
vesperpredigt gehalteu wird, auf den schlag halb 
vieren zum drittên mal. 

Art. 16. 
Namen der grossen und klinen leste, 
nach dem lauf des jahres, an welchem 

man beigert. 
1. Neu Jahrestag, den 1. Januari 
Drei k«inige, den 6. Januari 
Marie lichtmess, den 2. l"ebruari 
2. Mathiastag. den 24. Februari 
Maria verkimdinng, den 2.5. Mhrz 
(tstertag 
I »stermontag 
tsterdingtag mit êiner l,redigt 
3. l'hililTi Jacobi. den 1. Mai 
llimmelfahrt 

ein klein fest 
em gross lest 
em ross lest 
em klein lest 
em gross fest 
em gross lest 
em gross test 
em gross fest 
em klein lest 
em gross lest 
('m gross fest 

Pfingstmontag ein gross lest 
Pfingstdienstag mit einer predigt grossfest 
Dreifaltigkeit ein gross fest 
4. Johannes der teufer, 24. Juni ein klein fest 
5. Petri et Pauli, 29. Juni ein klein lest 
Marie hcimsuchung, 2. Juli mit predigt gross test 
6. Ja¢obi, den 5. Juli ein klein fest 
-- Dominicitag. den 5. Augusti wird der markt ein- 
geleutet mit der grossen glocke, und wird nicht ge- 
fidert. I.aurenti, den 10. Aug. wid der markt wieder 
ausgeleutet mit der grossen glocke, ist kein fest. 
7. Bartholomiii. den 24. August ein klein fest 
8. Matthaei evangelistae, 21. September ein klein fest 
9. Michaelis mit 3 predigten, 29. Sept. ein klein fest 
10. Simonis et Judae, den 28. O('tober ein klein fest 
11. Andreae, den 30. November ein klein fest 
12. Thomae, den 21. December ein klein fest 
Christtag, 25. December ein gross lest 
Stephani, 26. December ein gross fest 
Johannis evangeli_tae, 27. Dec. mit 1 predigt gross fest. 

Art. 17. 
Wie und auf was weise man zu einer 
leichbegiingnu. leutet. 
Wan diê grosse gl,,cke einer leiche bestellet 
ist zu leuten, alssdann wird daneben auch die 
Apostolica, Fêrial und Svbilla gêzogen, und solches 
durch die fiinf dazu bestellten blinden und 
15 gehtilfen, sein zusammen 20 mann. Wen die 
Isanna dazu bestellet ist zu leuten, alsdan werden 
dazu gezogen die Apostolica, Ferial und Sybilla 
durch die fiint blinden und acht gehtilfen, seind 
zusammen dreizehn l,ersonen. Wen die Apostolica 
dazu bestellet ist zu leuten, alsdann werden da- 
neben gez,,gen die Ferial und Sybilla, durch die 
ftinf bliuden und drei gehtilfen, seind zusammen 
acht mann. 

Art. 18. 
Welchen leichen zu dreimalen mit der 
grossen g]ocken geleutet wirdt. 
Ferner ist es ein aher gebrauch, wird auch 
noch allezeit also gehalten, wen ein biirgermeister 
rathsher oder kircheu rater stirbt, alsdann wird 
ihm auf den tag seiner begribnuss zu dreimalen 
mit der grossen und dazu verordneten glocke 
geleutet, nemlich auf den mittag nach dem 
schlage 12. SVan die bete glocke ausgeschlagen 
zum ersteumal, nach ein uhr zum andern mal 
und nach halb drei zum drittenmal. Alsdann 
wird die leiche zugleich in die kirche gebracht 
und begraben. Des haben sie die freiheit da- 
neben, das sie wegen der glocke, begrebniss oder 
erden nichts zahln dtirfen, ohne allein was dem 
kirchenknecht, signator» t,dtengriiber, schuelern 
und blinden gebtihret. Also wird es auch mit 
ihren ehefrauen gehalten. Es were denn, das 



Kirchenordnung ftir Danzig Wh 1612. 

sie nach absterben ihrer ehegemahlen sich fahne zum andern mal ausgesteckt wird, also 
wiedrumb in die andere ehe begeben, so hiiret I auch zum drittenmal. Daranf auch bald hernach 
ihre gerechtigkeit auf. Imfall aber eine solche die ablesung aller rath und gerichtspersonen ge- 
leiche, welcher dreimal geleutet wird, auf ein' schieht. Ftir 4ie, leuten, wie auch wen sonst 

grosses lest s.ll beçraben werden, welches sich 
selten triftt, haben mit consens ".les eltesten herrn 
btirgermeisters herrn Hans von der Linden, die 
kirchenviiter verordnet, auf nachfolgende weise zu 
leuten und zu beigern. Erstlich zu mittage nach 
halb zw(ilfe, soli allein mit der grossen glocke 
geleutet, darnach auf ganz zwilfe die betegb,cke 
geschlagen, und balde drauf mit der grossen und 
zugeordneten glocke zum erstenmal geleutet 
werden. Darnach um segers eins gobeig«,rt, und 
wen das aufhsret zum anderrnal wieror zum 
begrebnuss, bis bald halb zwei. Daruach auf 
ganz zwei. allein mit der grossen gl»cke zut 
vesperpredigt, und nach halbdrei, wie v-r zum 
drittenmal zur begrebnuss geleutet werden. 

v,m e. erb. rath zu h'uten b«.fi, hlen wird, geschieht 
auch dafilr von e. erb. rath die zahhmg. 

Art. 20. 
Wie nan den dominik ein und aus- 
lentet. 
Alle jahr wird auf dominicitag twelcher ein- 
fallt auf den fiinften tag augusti) der dominik 
eingeleutet, und gehet also zu. Ftir dem schlage 
eilfe zu mittage singen ,lie glocken auf dem 
rathause, und stracks darauf schliiget die glocke 
cire, und wen es ausgeschlageu, singen abermal 
die glocken, wen die ausgesungeu, leutet man 

mit der grossen glocke eine.n puis, also helt man 
Solches ist verordnet und geschehet at,t,,, I e s auch, weo es halb zwSlf und ganz zwelfe 
1611, da des ehrenvesten und wolw«isen lwrrn schliiget. Allein (las nach dem es zwMfe ge- 
Arent von H«ltn rathsverwandten hausfrau svlig«. : schlagen, erstlich die bete glocke gezogen und 
begraben w,rden, nernlich ara 4. lage aprilis, stra«ks darauf zum drittenmal und letzten ge- 

welches der ostermontag geweson. Belangende 
eine hohe adeisperson, die allhie soli begraben 
oder durchgeftihret werden, wea seine verwandten 
begehren, das der b.iche dreimal m6ge gelcutet 
werden. Solches wird jedoch mit consen.,; 
herrn biirgermeisters zugelassen, mit dem bescheide, 
das der kirchen daftir erlget werden, .30 gulden 
polnisch und daneben gezahlet dem kirchen- 
knechte, signator, schueler, todtengriib«r und 
blinden, was gebriuchlich ist; wie den hievon 
exernpel vorhanden, da es also gehalten ist worden. 

Wie man 

Art. 19. 
leutet, wen ktire gehaIten 
wirdt. 

leutet wird. Ana tage Laurenti aber, welcher 
ist d.r 10. tag augusti, wird der domiuick auf 
gl«iehe weise wieder aussgeleutet. Fïr dis leuten 
bekommen die blinden ihre zahlung vom erb. rath. 

Art. 21. 
V.n dem geblihr ftir das leuteu zu einer 
leiche. 
Ftir die grosse gl-cke ist der kirchengebiir 
aus dem trauerhause zu empfangen 10 16 5 gr. 
ftir die Osanna; so die leiche alhie in der kirche 
begraben wird, zahlet man 6 'g 7 gr. 9 
wird sie aber in eine andere kirche begraben 
und allhie alleine geleutet, zahlet man 6 
l:'iir die apostolica zahlet man 2 /( 5 gr. 

Am bestimmten tage, wen alhie amts per- dies geld vor die glocken wird durch den signator 
sonen in die obrigkeit sollen gewehlet werdeu,, aus dem trauerl, ause abgefordert, ehe dan die 
alsdan wird des morgens auf den schlag seçhse ieiche begraben wird und folgender weise ver- 

mit der grossen glocken zur predigt geleutet, 
worauf die ktire predigt von sieben bis achten 
gehalten wird. Nach der predi von sieben bis 
achten wird auf der orgel und chor das veni 
sancte spiritus geschlagen und gesungen. Nach 
vollendung desselben gehet ein erb. rath zu rat- 
haus, und wen die kiihre angehet, wird durch 
den diener hauptman auf dem rathause eine fahne 
ausgesteckt, die man auf dem kirchturm sehen 
kann; wenn man dieselbe ahla siehet, so hebot 
man an, mit der grossen glocken zu leuten, so 

thoilet. 
Estlich zahlet der signator vint den vor- 
geschriebenen geldern wegen der grossen glocken. 
wie folget : 
dor schuelen 
dem capellmeister 
dem gl6ckner ........ 
und behelt der signatfr lr sich . 
len rest stellet er dem gh»ckner zu, 
welcher monatlich dcm kirchenvater, 
so das glockenampt verwaltet, in specie 

.et 0 gr. 17 :»6 
4( 0 gr. 7 v6 
.U 0 gr. lO (..»6 

lange, bis die fahne eingenommen wird (worauf rechnung von reliqua davon zuthun 
der signator achtung geben muss) und darnach I schuldig, als ........... t- 7 .-r. 10., 0 
mit lenten so lange stille gehalten, bis dieselbe I Summa f. d. gr. zlocken ./« lt gr. 5  t) 



2,)6 

Polen. Die ehemals l,olnischen Landestheile des Ki, nigreichs Preussen. 

/ 7 gr. 9 a 

Wegeu der Osanna die 6 
theilet er also aus: 
,le," schuelcn. .ff0 gr. 17 4'» 6 
dem capcllmeistcr, d/0gr. 7 » 6 
,len, gliickner ........ 
,,nd behelt der signator fur »i,'h . .Il ,)gr. 3  12 
len rest, ncndi«h 4 t 5 gr.. tellt 
er dem gliickner zn, der behelt an 
i(-h dav.n zut abzahlung dor blinde.n, 
den festgel,lern fur das I,eig,.rn und 
onst g,.ringe ausgaben, wos on er jchr- 
lich eine l eoud,re rêchnung th,,t, 
nemli, h ............ gOgr. 10 * 3 
das iibri7e ist dr gl6cknor sclluldig. 
nmnatlich dem kir«henxa-r 
glo(.kenamts abzulegen, thnt 
Snmnm fhr die ,.anna wie v,,r 
Wird aber die leicllo in eiue an(h.l-e kirche 
hegraben, zahlet das trauerhaus a]ter gew.hnheit 
nach nur blesse ; /[, und gehen die iibrigen 
7 er 9 % ab. also ,las 
7 gr. 9 ! zugestell,'t werden, an stel]e der 
gesetzteu 3 fl 15 gr. 
Von ,h.n gelderu der 2 /( 5 gr. for die 
Apost«,lia wird ausgeth«.ilet : 
,ler s,'huel,'n ........ 0 tir. 17  6 
dem c;qwllmeistvr. g 0 gr. 7  6 
dem gl6,'kner . ...... g O gr. 10  6 
,1,r signator i,ehelt ffa" si,'h. .0 gr. 1  12 
lien rest stellet er denl gl.«km.r zu, 
welchen er zut abzahlu»g der beier- 
elder ,,nd sonst gemeiner ausgal,en 
an sich I,.helt. wov-n er ebenmessig, 
wie wn der >anna, in seiner jehr- 
lichen re,-hmmg beschei,l zu thun 
»huldig, thut, se er an si(h beheh, 
z,,ve, rechnen ....... .et f ffr.  «» 6 
Sun,nm wi oben . -2 gr. 5  O 

alters her gehalten, wenn es donnert oder blitzet) 
zu thurm laufen und leuteu, samptlich 3.2/. liber 
das wird ihnen umb das andre jahr. nemlich 
der mindern nngeraden jahreszahl, als das ver- 
schieneue 1611. jahr gewesen (da diese kîrehen- 
ordnung ix, gewisse artickel gebraeht), ahem ge- 
brauch na.=h zut kleidung gegel,en, jegliehem 
• q ./t, thut saml,tlich 18 ./. Noch ist ihnen im 
bapstthumb beie,'rgeld ver,,r(lnet, dafiir das sie 
i», der zeit, auf die hernaeh f, lgenden grossen 
u»d kleinen festen gebeigert haben, welches 
1,eigergehl, oh sie gleich nicht auf alle diese 
feste beigern, ilmen dennoeh dureh den glSekner. 
wie aueh flir itziger zeit tegliehs leuten, mit der 
Ferial und langen glocke, wie fiir ahers quarta]- 
weise zugestellet wird. wie f«,lget: 

Folgen die feste, fiir welehe die blinden 
ihr beiergeld empfangen. 
Aufs qual'tal wird ihnen wie vert alters ge- 
breuchlich gewesen vom glsckner beiergeld zu- 
getellct fiir vier gr-sse feste, a|s drei kSnige, 
Marie hchtmes.% Marie verklindigung und Ostern: 
fiir jedes |'est 20 gr., thut ...... /t 1 gr. 0  0 
Dis beigern wird nocll itzund wie v,,r ahers 
mit der gr-ssen gl,cke johrlich gehalten Hiezu 
wird ihnen gezahlet ftir 3 kleine leste, als 
neujahr Pau]i bekehrung und Brigittae: 
for jedes lest 7 sch.. thut ...... t 0 gr. 7 , 0 
Item die Ferial und lange glocke zu leuten. 
tiiglich und zu gewiser zeit itzund wie ver alters, 
dafiir kommt ihnen ,|ie woche 5 sch. thut 
far 13 wochen .......... l r. 1 [ 12 
Aise haben sie gllnl sterquartal . 5 gr.  / 12 
Auf das l,fingst oder johannisquartalgeld fiir 

Hierneben ist zu wissen, well zwt, t,der mehr drei grosse leste, als himmelfahrt Christi, pfingsten 
leichen mit einem leuten aus einem hause zu- I und dreifaltigkeit: 

gleich getragen worden, welches in sterbensleuften 
oft gêschieht, se soli fiir das leuten, es sei mit 
welcher gl,»cken es wolle, dennoch nicht mehr, 
als fiir eine leiche bezahlet genommen w,,rden, 
darumb das nur einmal geleutet wirdt. 

Art. 22. 
Von der blinden od«.r glockeuleuter 
lohn und ami, t. 
Erstlich haben die sechs glockonleuter, unter 
welchen der signat-r mitgerechnet, aile quartal 
zu l,hn ein j«glichor 2 //3 thut das jahr 4. /(-, 
selch«'s ,let signatc, r vcm dem kirchenvater des 
;:h,ckelmmpts qual'talweise abf, rdert, llierzu be- 
kmnmen sie alle jahr auf 3lichaelis quartal, 
wettergelt, (las ist dafiir, das sie bei sommers- 
zeite,, wegen grossen ungewitters wio e. v,,n 

fier jedes fe..t 20 gr ......... a3 gr. 0  0 
Item ftir vier kleine l'este, als Matthiae, 
Philippi et Jacobi, creuzerfindung und ,";tanislai 
fftr jedes fest 7 s¢h., thut ..... 0 gr. 9  6 
Es wird aber itziger zeit nur allein auf 
Matthies raid Philil,pi et .lacobi gebeigert. Item, 
ftir die Ferial und lange gl,,cke tliglich zu leuten 
die w,,che 5 seh., thut 
far 13 wocheu .......... #1 gr. 1 , 12 
.gumma des pfing«,luartale .tf 4 gr. 11 .-  
Auf Michaelis quartal fiir vier grosse feste 
als Mariae heimsuchung. Mariae himmelfahrt, 
Mariae gebet und kirchweihung: 
20 gr. for jedes fest, thut ...... 4 gr. 0  0 
Itziger zeit werden die 4 t'este nicht flir 
grosse leste bei uns gehalten, auch nicht gefeiert, 
,line allein _Marias heimsuchung, welches flir ein 



Kirchenordmnt,, fur l)anzig v«n 1612. 

klein lest gehalten und auch also wie an kleinen 
festen gebeigert wird. 
Item 10 klcine leste ais Johannis Bapti.tae, 
Pe,ri und Pauli, 5Iariae 5lagdalenae, Laurentii. 
Jao,bi, Bartholomaei, créuzerhebung, Matthaei 
und Michaelis. Item wochelt lohn fiir die Ferial 
und lange giocke tglich zuleuten zu 5 scl,., thut 
f¢tr 13 wochen ......... ./t 1 fit. 1 .' 12 
• umma «les 3lichaelis quart,l.-_ ./t 6 gr..) 
Aufs weinachtquartal fiir vier gr,,sse leste, 
als Aller heiligen, Marias ,,pferung, Mariae 
empfingniss und weinachten : 
llœ le l • ein jeglich lest 20 gr., tut . .t t .,_.r. 0 
Und wird itziger zeit nur auf (las weinacht- 
fest gebeigert. Item, ftir $ klei)« foste, als 
Hedwigiae. Ursulae, Barbarae nnd 'l'hmm., 
8im,(nis et .ludae, Eisabeth, ('atharinae, 
Barbarae und Thoma¢ 
7 sch. for ein jeglich test, thut .g 0 gr. 1."; t 12 
Und wird itziger zeit allein auf immfis 
.Iudae Andreae und Thomae gebeigert, item 
wochentlich Fùr die Ferial und lange gl,»cke t'iinf 
schillinge far jeglich woch., thut 
far 13 wochen .......... ¢/1 ur. l 
Also bekommen ie fïtr das quartal /- ri gr. (j 
8umma des beigergelds dieser 4 quartal zn- 
sammen getragen thut «/ 22 gr. 3 .t 0. 
Diese summe zahlet der glickner quartal- 
weise von den geldern, so er wegen d(.r glocken 
an sich behalten, wie hievo,, ira nichsten artickel 
meldung geschehen ist. 
Wie aber und mit was g]ocken auf die 
grossen und kleinen f, sten gebeigert wird, fiudest 
du hievon ira 1.5. artickel. Zu di«-se,n Iol,n i,aben 
die fiinf gi,,ckenleut«r, die da blind sind, u,,d 
sonst nichts verdienen kihnen, aile jahr ibre 
hauszinsen zu htilfi êin jeglicher 1' /6, thut 
• 50 ./. Hiezu haben ste sampt den signator, wan 
ste eine ieiche mit der grossen giocke leutên 
sollen, aus dem trauerhause zu fordern, samptlich 
wenn ste die ttsanna leu,en 2 ./. 
wenn ste die Apostolica h.uten 1 //. 
Item trankgeid so riel ihnen die verwaMtcn 
ira trauerhause aus guten willel, 'eben. Uber 
dasselbe sollen ste nicht mel,rores heischen oder 
begeh'ren bel ernster strafe. ,S,,h:h trankgelcl 
sollen ste auch unter sich samt ihren gehtiltbn 
theilen. Des sollen auch die gehiilfen datait zn- 
frieden sein und nicht in andermal aus dem 
trauerhause trankgeld fordern, wie von diesem 
woii geschehên, bel strafe des gefcngniis. 
Fa," dis lohn und accidentien sein 

V(),! (|t'l!  ettl'|tlltell. 
Wenn s('hwere d«(nner mit blitzen (.infalh.o. 
seiud die Lliudeu chuldig) in zeiteu und g- 
schwinde sich auf den thurm zumacheu, es set 
bel rage od(.r bel nacht, und daselst nach altem 
gebrauch mit d-n darzu verordueten gl,)cken, als 
Osanna) Apotoli«a und Domiuical zusamnwtt 
leuten bis das wetter iiberg'ehet, dafiir ste attch. 
wie v,,rg.moldet, ihren besonderen lohn 
[Ann- 1615 deu 12. 3anuari, ist verordnet. 
das auch s,»lleu die blinden schuldig seiu, 
jemands wm der kirchon otfizianten s,»ll beffraben 
werden das ste demselben far ihr haiben l,,Im 
leuten, sindemal die ,,ffizianten ihn«n in s,,lchen 
t11 auch umsoust diencn.] 

Articnlus 
V,,n d('n l(.ichsteinen flieseu und be 
grabnissen in dieser kirch(.n. 
[te,- leichsteinen flicsen uud begribniissen 
seind zweicrlei, den etliche ehiirên der kirchen. 
nemlich die.ieni« leichteiue, so mit dem_kirchen- 
zeichen F gezeichnet sein, saml;t der 
darunter, und die umblieg(.nd« flie.e, dir andcrn 
leichsteine sampt der erd«n und fliese gehtir,.u 
gewisson leuten und ges«hlecht(.rn zu. mit d,.r- 
selben nam(n und wal(en gezeichnet, di(. noh,m- 
iiegende fliese bleiben ans gewissvn ursa('h,*u 1,,,- 
gezeichnet, ldoch zu h(.bunge d(q- steine und 
kleine saehen unter di«. steine zu leçon, miiv,' 
sic. gebl'aucht werden. 



2,,}8 l'olen. Die ehemals polnisehen lmndestheile des K6nigreichs Preussen. 

Art. 24. 
Was der kirehengebiier ist von den 
begribniissen. 
Wa. v«,n begrihniissgeld«-n gefellet wird 
allezeit eh«., dell die leiche b«.graben, dureh den 
,ignat,,r eingefordert raid dem gliekner zu- 
gest,.llet, welches er monatlieh dem jiingsten kireh- 
rater, se di,- leiellsteine verxvaltet, nebenst einer 
tweialreehnung. ftir wem und wie viel xolkommcn 
zniiher;|ntw,,l't,'n sehuldig ist. 
Und gebiihr«'t dot kirchon v,,n oiner .jeden 
a]ton h.iche iiher zehn jahr, se Ulltvr ihr«'m eigcn 
q,'in geleget wird ein ungerischer gulden xven 
i. ab«'r unt,'r einen kirchenslein golegot wird 
a,'htzehn mark. V,,n einem kind«, al,er von zehn 
jahreu und darunter gebiihret del" kirchon wen 
o.s uuter s«im. eigene fliese «,,let stoin,-ge}eget 
wird 2 gr.; wir, l es aber untt, r die kirchen- 
flieSell geleget gebiihret der kirehen dafiir ein 
ungeriseher giilden und 20 gr. 

Articulus 25. 
\Vas d«.m 1, farhern v-n den lei'hen 
gehiihret. 

nttss wenig oder nichts geben konnteu, soli solches 
in der kirehvater erkenntntiss stehen, vtwas oder 
niehts zu geben. 

Articulus 27. 
Strafgeld. wen die leiehen iiber gebiir- 
liche zeit unbeg'raben gehalten werden. 
hl dor alten ordnung stehet also ge- 
schrieb«.n. 
Èin erb. rath ist mit den kirehen vatern eins 
w,,rden, oh eine leiehe zwo nachte wiirde stehen 
in eim.m hause unbegraben, se s,,llen die kirchen 
viter den obersten boldeck ) v«,n der bahre 
nehmen, nnd soli gel«ist werden von den freunden 
des verstorbenen fiir zehn marek. Dis strafgeld 
wird dureh den signat,,r abgefordert, che dan das 
grab gemaeht wird, mit der verwarnung, da sichs 
die verwandten abzulegen verweigern, dass das 
grab nieht selle gemaeht werden, es sein den die 
bemeldten 1 Mk. abgeleget, und gehret dis 
strafgeld in des jiingsten kirehenvaters ampt, der 
aueh sehuldig ist, mit fleiss naehfragen zulassen. 
welehe stunde d,.r kranke velehieden. 1st nun 
der kranke nach segers aehten des morgens ver- 
schieden, se kan die leiehe zwo naehte gehalten 
werden obne ablegung der strafe; stirbet er aber 

lh.r l,farherr, anitzo der ,,fficial. hat wegen 
,l,q- lvichen, s,, in diese kirche begrahen wcrden ver 8 schligeu des morgens und wird zwo nachte 
ein b,'sonders eink,,nmten, nehln]ich v,,n jeglicher unbegral»en gehalten, se seind die verwaudten der 
h.iche v,,n zohn jahren und darunWr siebvn schill. I strafi fellig. 
iiild VOll anderu l,.ich,.n inemein, st, iii,er zehn Item arme 1605. Hat der herr burgermeister 

iahr ait, 20 gr. 
.q,,lch geld wir, l i]lm «,11 den jiingstvn 
kirchenvater, nobenst ,.in,'n zedel, wie riel in 
genere der alten Illld iungen leichon gewesen, 
uach ausë'an eines jegliclaen jahres, durch den 
kirehenknecht zugostelh.t. V,,n d,.njenigen aber, 
s,, in ihre eigen,, cal,elle begraben werden oder 
ihres tragenden aml,tS halben ff'cio begribniiss 
haben, als burgermeister: rathspersonen, kirchen 
viter, seml,tliche kirchen un,1 schuldiener etc. 
hat der l,farherr der alteu orduung nach nicht 
zugewarten. Sintoma] die kirche v,n denselben 

mit den kirchenvtern sich geeiniget und ge- 
schlossen, das diese strafe der kirchen gegeben 
werden selle, in we]che kirche die leiche begraben 
wird. 

Articulus 2. 
In der kirchen mit den leiehteinen 
nichts anzufangen «,hn der kirehenviter 
wissen und willen. 
Niemaud soli irkeinen leichstein ans oder in 
dic kil'chen bringen oder aufbeben, auch nicht 

am'h nich/s zugvniessen hat. lb aber jemand t namen oder merk darauf hauen lassen, ohne 
:tus christl, liebe zu gott und dor kirchon fiir I urlauh des .iiinsten herrn kirchenvaters, wiirde 
«las begribntiss mehr geben w«,lte od,.r ,ler aber irkein .qteinha,er oder maurer das thun, das 
kilchen durch ein testam«.nt seiches vermachete, wird ein rath richten (additi,, nova). 
damit sol dor pfarherr nichts gemeiues haben, [ Den zu dem ende ist von den kirchenvitern 
s,,ndern mit ,,bgesetzten seinem /zohiihr zu-  itziger zeit ein besonderer steinhauer und maurer 

fric.don sein. 

Articulus 26. 
V,,n verarmeter geschlechter },,'gribnuss. 
Da aber erbare redlicho leiit% au. v,wnehmen 
z,.srhlech! verarmet weren und fiir ihr begrih- 

dazu bestellet, die ohn der kirchenviter bewilli- 
gung sieh dieses falles auch nicht unterwinden 
d6rfen. Wtirde aber jcmandes dawider handlen, 
der soli nach erkenntniiss gestrafet werden. 

Bol  Bohle, al»o etwa-Holzdeckel. 



Kirchenordnung ftir Danzig von 1612. 209 

Articulus 29. 
Von den stulen und be.nken in dieser 
kirchen. 
Aile offene stuele, beidê der minner uud 
frauen, sollen jedermann frei sein, und ein ander, 
der nach ihn k,,mpt, der soli dem der da sitzet, 
nicht heissen aufstehen {additio). Die neun und 
schlossfesten stuele und binken aber, so auf 
christlicher leute bitten und anhalten gebauet, 
haben die kirchenviter danait zu disponiren nach 
gelegenheit der leute, so ihre sitz begehren darein 
zu haben. 

Von rien epitaphien in der kirchen. 
Niemand soll sich unterstehen, irkein cpi- 
taphium oder gedenkzeichen in ,ler kirchen auf- 
zurichten oder anzuhenken ,,hne vorwiss«'lL 
willen und zulass der kirchenviter, die sieh der 
gelegenheit des epitaphii und orts «,der steIIe in 
der kirchen bei dena, der darumb anhelt, zu- 
erkundigen haben, und da es zulessig befund,.n, 
das dafiir aueh der kirehen ein gebuerlicher ab- 
trag gesehehe. 

Articulus 30. 

Von der predicanten ordnung und 
salari-. 
E werden von vielen .ahren hero allewege 
vier predicanten bel dieser kirchen gehalten, 
zween so man die eltesten nennet, und zween, 
die man diaeonos oder capellane nennet, die beiden 
eltesteu predigen aile sonntage, der eim die friie 
predigt von acht bis neuu uhr, der andere zur 
vesper, von 1,Mb dreien bis halb vieren, und 
welcher vou den beiden an einem sontage die 
friie predigt gehabt, der bat an dem andern son- 
tage die vesper predigt und also f,,rt das ganze 
jahr hindurch. Was die grossen leste anlangt, 
so mit dreien predigten gehalten werd«.n, und der 
eins anf einen sontag geflillet, so bleibet es bel 
itzt gemeldter orduung, die andern woehentlichen 
rage aber belangent, wen leste einfallen in dcr 
wochen, so haben sie diese ordnung, das der eine 
allezeit das ganze jahr hindurch ana naontag, 
dinstag und tnitwoeh die friihpredigt helt. Wen 
aber ein fest auf einen d-nnerstag, freitag ,»der 
sonnabent einfallet, bat der andere die friiepredigt, 
and der vorige die vesperpredigt. Ingleiehen 
auch wenn kein lest in der wochen einfelt, seind 
sie sehuldig alter ver-rdnung nach der eine aile 
,lienstage: der andere aile donnerstage des morgens 
von sieben bis zu 8 uhr eine predigt zuhalwn, 
und stehet bei ihnen, was sie fiir einen text ans 
Sehling, Kirchenordmungen. IV. 

der bibel der gemeine ftirtr.'tgen und erkleren 
wollen. 
Auf die drei haubtfeste aber, also weinaehten, 
ostern utld pfingsten, so drei rage lang nach ein 
ander gefeiert werden, hat der am ersten rage 
die fruhepredig h dessert tag es ist in der w,,chen, 
und der ander die vesperpredigt. Der ander 
aber des folgenden rages die frtiepredi und der 
erste die vesl, er , und ana dritten rage, welcher 
nur mit einer predigt gefeiert wird, g0"biieret es 
dena ersten wieder zu predigen. Also ist es auch 
zuverstehen van den kleim-n festen, so in der 
wochen einfallen, das nemli«h dic beiden eltestcn 
l,rediger obgemelter weise die friie pr,.digt 
halten, datait auch das lest also nait einer i,redigt 
beschlossen wird. 
Belangende die I,eiden capellanen, die haben 
diese «,rdt,ung, das sie eiae woche unab ,lie 
andere nait einander wechseln, in der kirche fiir 
dena altar aufzuwarten und nait sacranaentreichen 
uud taufen ibr anapt zu verrichten, und das ein 
jeglich«.r ana s,,nnabent zur vt..per seine woche 
;all|'ahe, wie das itziger z_it iiblit'h und gebreuch- 
lich mit intmirung des siebenzigsten psalnas l teu.- 
in adjutorium meuna intende et. Nach gesungene, 
lateinisehen und deutschen psaimcn, die lehre 
van wahrer busse, wie naan recht beichten und 
sich zum heiligen abendmahl des herrn bereiten 
s«,ll, also wie es alhie gebreuchlich und iiblich, 
und uicht anders aus dem dazu verordneten biich- 
lein ablese, und was dena mehr anhengig, ver- 
richte. W_lcher llUll .Oll b,.iden seine woche ana 
sonnabend anfahet, der ist auch schuldig, den 
folgenden sonntag die naittagspr,'digt von 12 uhr 
bis eins zu halten. Und s-ll erstlich das evan- 
gt.lium desselben s,ntages ablesen, darnach die 
fihlf haubtstiicke christlicher l,.hre nus dena cate- 
chism- Lutheri sinaplicit0.r erzehlen und darauf 
einen articul nus denaselbeu catechism,,, wie ,'r 
in der ordnung folget, erkleren, wie das van an- 
thng d,.r reim.n l«hre alhie gebreuchlich gewes«n. 
Den nechst folgenden na.ntag und ti-eitag heruach 
in derselben woche ist er schuhtig (wo nicht eiu- 
fallende festtage verhindern, die frue naette dos 
morgens auf den slag t l secl,ge nait &'r int-uirung 
,l,'s «,bgmeldten 70. psalnas a,,zufanem aher nach 
gehaltener lateiniseher meten anf dem çh,,r und 
eines ges,mgencn deutschen psainas in der kirclwn, 
welches sich end.t un,b halbsi0"ben, s-Il er ein 
capitel ans der bib«l, welches zu der zeit in der 
0»rdnung folget v,»n der canzel ablesen und ein« 
halbe stunde lang kiirzlich erkl/iren. 
Auf die grossen feste, w,.lche nit dr«ieu 
l,rcdigten gehalten werden, habcu sic unter sich 
beide das anapt fiir den ahar vor un,l nachmittag«. 

') schlag. 

27 



2] Polen Die ehemals poiischen Landetbeile des Ki)nigreichs Preussen. 

altern gebrauch nach zu halten, und aueh dessen 
woehe es it, in dêr mittagsstunde von 12 bis 
eins das evangeliurn dessêlben lestes auf der 
cauzel abzulesen und zuerkleren. Auf die kleinên 
foste aber haben sie nicht zu predigen, sondern 
allein die deutschen colleeten naeh v«llendetor 
friihel»'edigt und gesung_êner deutseher litanei zu 
halten wie gebreuehlich. 
Dieser vier predicanten lehr un,l predigtarnpt 
belang«'nd, seind sie semptlich l»flieht:chuldig. 
ihrer bestellung »ach bei der einmal erkannten 
und bekantel» wahrhcit gotlichs worts »ach in- 
halt der l,rol,hetischel» und al»ost,,lischen schriften. 
der cire,al v«,n den i,r,,u-stierendon stenden kei..«.r 
'ar,,l,, quinto ann«, 1530 zu Augspurg iiber- 
gel»eneu e,,nfesio», und der von ihnen selb.t 
unterschriebenen der sta,lt fi,rmula eoncordiae 
oder notel zu lehreu zu predigen und die hoch- 
wurdigen sacrarnenta zu adrninistriel-el. 
Auch sollpn sie lant uud inhalt ki;ui:..'l, reli- 
gionscautit, n sieh kei»es weges unterwinden, die 
cerern«,niel» aer kirelte nnd saerarnenten zu er- 
endern, den itzund tri»lichen kil'chengebriuche» zu 
wieder etwas anders einzufiihreu, bei ernster strafe 
eines erb. raths, worauf auch die kirehenviiter 
flirnemlieh gut achtunge zu geben sehuldig sein 
sollen. 
Belange»t ihre bes,,ldunt¢, wird dern einem 
«.ltesten prediger, weleher in der wochen die 
,rsten drei tage geprediget, «.n feste einfallen, 
aile quartal 1" ..# vo»» den kirchenvàtern zu- 
gestellet, len andern, welch-r die letzten drei 
rage I»'edig«t. zahI,*n dle v,,rsteher zu .St. 3Iarien 
capellen aile quartal auch lOt ./'. Dazu haben 
clic*se heide von den kircheuvteru freie w,,hnung 
und v«m e. erb. rath bre»holz und daneben 
andere aceidpntien, als: beiehtpfennige zedel- 
I,fennige, von denn die auf der eanzel ftir sich 
bitten las,.n, fiir das anfbieten braut und 
hriutigarnes, fiir das abkiindi«.» der ueulich ver- 
st-rbenen. 
Item. fiir die leichln'edigten nn,l fiir das be- 
.-ud»«.l» der kraukt.n, und dis ailes nach willen 
m,d g«falh:n cim.s jeglichel». 
Die beid«.n capellane werden vom erb. rath 
besoldêt, dazu bek,,mrnelt sb. anch brennh«,lz. 

Articulus 1. 
Wie und durch wem aile kirchen- 
-ffizianten in gemein angenommenund 
bestellet werden. 
Alle kirchen «,ffizianten ingemein werden 
durch die kirchenviter und wo es vonn5ten durch 
einrathen des eltesten herrn biirgermeisters be- 
stellet, angenornmen und intr«,duciret alten ge- 
brauch nach, ausgenommen die herrn predicanten. 
welche durch einen erb. rath, ihrer habenden 
auth«,ritet nach wie v«,n altors h«'r bestellet 
werden. 
IN,»and. : Vonitzo wird s-lches anders ge- 
halteu werden, weil ann«, 1677 aile 3 ordnungen 
in diesern lm,kte sich mit einandêr s ergleichen.] 

Articulus 82. 
Chorordnung wie sie anno 1.52 ist 
benamet wordenl. 
Aus christlichem bedencken eines erb. hochw. 
raths dieser stadt und viterlicher vors«,rge und 
zuthun der verordneten hrr. vorsteher dieser 
kirchen zu .St. Marien, damit bemêlter kirchen 
und angehiirender schulen beforderung und auf- 
nahme ira besten betrachtet als ist retordue» 
worden, das forthin die, se, der pfarschuele zu 
unterweisung der jugent dienen, sampt den dazu 
verordneten knaben zu gebtierlichen festen und 
tagen, wie es dieses ortes bishero gehalten, auch 
zu chor aufwarten und daselbst die kirchengesinge 
am bestpn verriehten sollen und w,llen, auf 
s,,lche fhrm und weise, wie sie in nachfolgenden 
punkten hegriffen und angen,,rnrnen worden. Erst- 
lieh sollen vier gesellen aus der pfarschuI% 
welehe dazu ttichtig, jederzeit dem cher in dieser 
kirchen zu dienen nngenornrnen und verpflichtet 
werden, dergestait, das sie fiir den hrn. kirchen- 
vtern angel«,ben auf dern chor und in der 
kirchen zu bestimmter zeit fleissig aufzuwarten; 
dern hrn. capellmeister in allen, was er ampt- 
wegen tait ihnen zu errichtert trduet, treulieh 
zu geh-rsarnen, und anderen leu»en, sonderlich 
der zugeordneten jugent, mit guten exempeln fiir- 
leuchten. 

Die kirchenviter aber schafl'en ihnen freie woh-  Des soli jedem von den kircheuvitern jihr- 
nung un4 habet» auch dauehen ihre accidentien, lich 15 ..,g jedes quartal zu rechter zeit, der 
al» tanteld, z«.delgeld, ftir diê leichl,redigten , so viêrte thcil s«,lcher besoldung gegeben und tiber- 

sie thuu. 
ltem diêse vier prediger bekommên auch 
fi.stgelde auf diê th-ei grossen leste, als weinachten 
ostern und pfingsteu von den gelden so in die 
saecklein gesamlet werden, wird auf ein j,gliches 
tst einem jeglichen geben 15 gr. I 

reichet wel-den sampt allen zugingen und acci- 
deutien, so hishero rien chorgesellen zugehiSrig 
gewesen, welche sie zugleich auszutheilen und 
del-selben irn besteu zugeniessen auch forthin rnacht 

'} Eine neue ('horordnung urde 1655 erlassen 
• St.-A. Danzig, Hdchr. Fol. Pp. 46. 



Kirchenordnung far Danzig von 1612. '2-1 1 

habensollen. Und obsterbens|eufteeinfielen,«ladurch I es ohne verhinderniss der schularbeit geschohou 
die schulê eine zoitlang zerge|mn michte, se,lien kan, gott zu ehren une| der sehulo zum besten. 
die schu]gese|len, so den ch«,r verpflichtet, ihrol! I «,hue einige besolduug, s«.lbst zn ch«»r 7,11 Si}l¢n. 
stand zuverlassen oder eile zeitlang hinweg- vm ut«'n willen sich versproehen mtd verpflichtet. 

zuziehen nicht macht haben, es were dan, «las 
ein jeder die zeit iiber, so er aussen b]iebe, einen 
in seinêr statt beste]lete der deu herren kirib- 
vitern angenehm und vom capellmeister tiichtig 
erkant, und der stelle, dazu er verordnet genug- 
sam thuen kiinte. 
Se, firne aber eiu geselle entweder seiner 
verbesserung «Mer anderer ursacheu ha}ber 
der schule kommen wiirde, soll allezei! einer 
wieder in seiner stehte beste}Iet werflen, der 
wol dem ehora}s der sehulen niitzlieh und fh.issig 
diênen ktinte. 
Mit den knaben in der schule soli «les ehors 
wegen solche ordnung gehalten werden, das die- 
jenigen» so zum fiuralffesang {wie mans nemiet) 
tg]ich mit ihren praeceptoribus an feier- und 
sontagen vormittage zu bestimmter zeit aut: ehor 
gehen und nach dem sing«.u herunter in dit. 
kirche, «la si; in ihren dazu verordneten stulen 
predigt h5ren und nach v,»llendung dqselbeu 
wiederumb das ampt verwa]ten s,»llen desgh.ichen 
soli es zur vesper vor und nach der predigt attch 
also gehalten werden. 
Ara montage und freitage s.]len die knaben 
ans prima, secunda und tertia t.lasse nebenst den 
dazu geordneten schulgesellen um glocke sechse 
des morgens zur metten kommen und aida die 
sch5nen psalmos mit ihren th«mis singen leruen. 
Ara dienstage und donnerstage, wen in der 
wochen predigten geschehen, sollen die praecep- 
tores alle sampt der ganzen schuleu zut litania 
kommen und dieselbe, wie es christlich und ni;tig, 
auch in Mien wolbestelten stedten gebreuchlich, 
singen he|fen. 
Ara sonabent zu w, sperzeit desgleichen so]len 
die obgemeldten knaben ans prima uud secunda 
classe, nebenst den verordneten chorgesellen 
singen. 
Datait aber gemeldte knabert zu den chor- 
gesengen desto bass abgerichtet un,! so wol ihnen 
selbst als dem gomeinon uutz zum besten auf 
dem chor helfott kSnnen» bat sich der herr capell- 
meister einge]assen, vier rage wochentlit.h, wan 
man schule helt, die gesenge, so man zu 
singen wil], oder derg]eichen exercitia in der 
schu]en anzusehreiben und dieselben eine stunde 
mit den knaben zuiibersingen, die hest«.n stimmen 
an ihnen zuer|ernen, sie zur musica fleissig zu 

Ili«se vorg'est.lh.ten imm.ta, welche in bei- 
sein dor wiirdigen und wolg,.I,.rton Il .l,tlannis 
Tvitolii un,l .l-haunis Weidneri pre,ligern und 
seels,,rgern in der ptrre von don erb. 
] geacllWn und fiirsichtigeu lmrrn l'eter Bartsch, 
l"ridrich Iliittfbld Michaol Roggeu un,I H«.rmam 
tlackon, ver.rduote vorst,.hor un,l kirch«-nviiter 
dem recto,ri der schalen und soia«n c«,llegis, 
«h.m ch-r ang«.hSrig, tiberebvn und fiirgehallen. 
soind in allem also fiirderlich zu balten v, go- 
moldt«n rect«re uud sehulgesellou beliobet und 
altgen,,mmen raid zu mehrer bokrefiigung 
ihneu untorsehriehon worden, m.bont angehongten 
fi»uudlichen beschluss «las, «, mittlrweile doss- 
falls irgent ein mangel .dr etcas uum'd«.ntliches 
widr diese vergleichunge und zu»age ferthlh.n 
wiird«., w¢,llen di. h«.rrn kirch«.nvater mit dem 
magistr, in der schul-u uud denou, so «bqn chor 
verl»flichtet  fiirderli«'h uud freundlich unterredcn. 
und auf gthan«« bscheid v-rbessern, also 
dom magistro und wie es bih,'r,» auf bstallung 
e. rb. raths gehnlten tbrthiu zu ordnen und zu- 
bcstolh.n. ,»hue einrd«- zugelassea, will er und 
s«,ll wiedrumb des rogimntessun,l ,,rdmmge auf 
d«-m eh.r, so t,rne uud wie e dr schulen zum 
best««, kines weges aumassen. 
Geschheu und behandolt ira ausgange dos 
1577. jahres, dvn 21. IWcemb. 

Articulus 33. 
Wie es itziger zeit auf dent chor g-e- 
halten wird, sampt des capellmeisters, 
der chorgesellen, pfeifer und fidler 
besol,lung und ampt. 
Man lest es itziger zeit zwar noch bei hie- 
bevor beschriebouer chorordnuuff bleibn, derweil 
aber dieselhe nicht aller dinge dos Cal,.llmvisters 
und seiuvr astanten bcsoldunge und gebtir be- 
schriben, als hat man dasselbe, wie es itzund 
gehalten wird. hiezu gothan. 
Des cal»,,llmeisters bes,»ldunge ist aile quartal 
fiir seine i»erson 75 mark uud filr vier gute dis- 
cantisten, so or auf soino k,-,ten zuhalh.n und 
Mlewege als gehidIim auf dom chor zu 1,raesel- 
tiren schuhlig, aih. quartal 75 mark. thut fiir tins 
ganze jahr zusammen Go0 Mk. Zudem hat er 

tiben und welche zum chor ttichtig auszulesen, ;mch ç«,n ein.r .i«.glichon leiche, welchor allhier 
damit die stimmen desto bass bestellet und die I geleutet wird sic sei .iung oder ait, es sei auch 
knaben gebessert werden. Auch hat der rector ' mit was glocken es w«»lle, datait ihr geleutet wird. 
dieser schulen, so oft man ftinf oder mehr stimmi 7 gr. 
zu ehor singer, wen man seiner von ntithen und stellet. 
27' 



212 

[fie ehcmal polnischen l,andestheile des K6nigreich. Ih'eussen. 

hem, s« «ft «,inc, bl'.qiltmessê gêsungen. 20 gr., 
we]ehes ihm der gl;;ckner zustel]et. Hienebon 
]ml er an«h deenig«.u zugeniessen, was ihme 
verehret wird, wen «.r auf dem Arlush«.f «der nuf 
tirnohmon hochzeiton und gastgeb«tel musiciret; 
dfiir ist «,r s«huldig (wen es ihm g«,bfiret), allo- 
z,it fleissig autuwarten, die gewohnlichen ge- 
«eng«, nach erhoischung dor zeit aufznschlagen 
zu siug«.n und keiues weges n«.uerung einzu6ihren. 
lfie eh«,rgosellcn be]angend«, sein ilziger zeit 
d«.rselben sechs lwrs«,nen, aus der sehulen dazu 
bestellet, weleho aile quartal 32 mark zutheilen 
haben, thut das ganze jahr 128 mark. Hieneben 
hahen ste vo einer jegli«hen lei(-he, klein 
gl'«ss. 17 gr. 1 schill. 
Item vo einer jeglichen brautln«.sse 2 gr. 
Item an festgeld wird ihnen, v«,r drei grosen 
festen autkuwarten, v«,n den kirchcnvtern zu- 
gestellet, semltliehen 7 . 8 gr., thut fiir 
;1 fi.ste als weinachten, «stern und pfingsten. 
22 . 4 gr. 
Neb«'n diesen sechs s('hulges«'llen werden vo 
,ien kil-chenvtt«'n ni,eh vier astanteu g'halten, 
nemlieh drei altisten uud eiu tenorist, welche 
untersehiedliche l»es«ddung haben, naehdem ste 
mit ihren stimmen und singen qualificiret sein. 
lfiese astanten se w«l als die «,bgemeldten 
schulgesellen sein hing«.gn wiedrumb verpfiichtet, 
lficht allein auf die sontage gr«ssen und kleinen 
tst«.n, s, mdern auch, wen brautmessen sein. 
fieissig aufzuwarten und den capellmeister in 
al[em, wie er ie muica anstollet, gehosam zu 
leisten. Es haben aber diese astant'n mit den 
aeeidentien der bemeldten sehulgesellen nieht 
gemeines. 
llie fl'iie metten aber ulld wen sonst wohen 
predigten gehalt'n «,der der choral vespern 
sungen werden, soli es mit den schulgespllen und 
mit den knahen in der schulen allerdiug nach 
(let hievor benameten eh,,rordnung gehalten 
werden, von welchen fi'iie metten und choal- 
vepetn die «hgemeldten vier astanten exempt sein. 
X«ch werden n«.benst diesen ehorgesellen und 
astanlen der stadt pfeifer, nemlieh drei meister 
und dl-ei gesellen zu choir gehalten: und gebiihret 
den drein meistern smptli('ll aile quartal l:;/e J( 
und den dreien gesellen smptl. 9 t}. Hieneben 
wird ihnen aueh festgeld egeben. dreimal ira 
jahr, jeglich mal 3 ./ 14 gr., thut fiir die drei 
leste smptl. 11  2 gr. 
Item, nebenst diesen pfeifern sein auch zu 
cirer besteIlet drei fidler; den gibt man semptlieh 
aile quartal 9 t(, thut das ganze iahr 36 
less haben diese beiderlei spielleute aueh zu 
geniessen, das ste auf hochzeiten fiir andere ge- 
t;irdert werden, und mfissen ihnen keine frembde 
spielleut«, eingriff thun. Wie ste den auch be- 

smdere besoldung dafiir haben. «lass .«iv auf dem 
rathhause und artush«,f spielen. Ftir diss salarium 
und ac(.i&.,,tie, s«-ind beid«., die pfeifer und 
fidler schnldig, allezt.it, weu man figuriren soli, 
nebenst dem chorgesellen und astanten mit ihren 
in«trumenten sich fruhzeitig einzustellen und auch 
,wbenst ihnen den capellmeister in Mien, wie es 
mit dr musica verordnot, zugel,orchen, und wer 
hierinnen nachlessig gef'unden wiirde, soli nach 
erkenntniiss der kirchenviter ge.trafet werden. 
hngleichn sein ste auch zu brautmessen zeit auf- 
zuwarten schuldig, sintemal ste von den breuti- 
gara ihre besoldunge daftir empfangen. 
E sein auch diese pfeifer und fidler dahin 
verpfliehtet und verbunden, das ste nicht allein, 
wie gemeldet, zu ch«,r fleissig aufwarten, sondern 
auch, dass ste sicl, v«,n demselben in keiner wege 
abs«,ndern und in anderen kirchen vorthun, bel 
ernster strafe eines erh. raths. Den gleich wie 
ste in eines erb. raths bestellung, aise sein ste 
auch zugleich zu dem cher dieser kirchen ver- 
pfli(.htet und verbunden. 

Articulus 34. 
V«,n des «,rganisteu ampt und besoldung. 
Des organisten ampt ist, dass er allezeit, wen 
sein gebiir ist, sieh frtiezeitig auf die ,,rgel ein- 
stelle, datait die kirchen cerem«,nien, als orgel- 
schlagen, sing'en und predigen, zu gewisser und 
bestimmter zeit ihren anfang und ende gewinnen 
m;gen. Sein salarium ist aile quartal 75 
thut das ganze jahr :J0 g. Hiezu bat er v,,n 
einer jeglichn brautmesse 20 gr.. daneben auch 
eine freie w,,hnung, und was er sonsten mit seinem 
positif oder elafecinbell auf den hochzeiten und 
gastgeb«,ten verdienen kann. Das sind ihm die 
beiden ,,rgeln, sa itzund ira brauch, ordentlich 
geliefert und ernstlich befohlen, dieselben in guter 
acht zu haben, gebtirlicher weise zugebrauchen, 
und se etwas mangelhaftiges daran ftirfiele, soli 
er dasselbe den kirchvitern zeitig und getreulich 
ansagen und umb besserungen anzuhalten schuldig 
sein. Soli es auch in seinen schlagen ,,der spielen 
bel rien alten kirchengesitngen hleiben lassen und 
fiir einfiihrung neuer und in dieser kirchen un- 
gew«;hnlicher und uniiblicher psalmen oder ge- 
sengen mit fleiss sich huten. Dess sc-,ll auch der 
organist mit den capellmeister gute corespondenz 
halten und ihm in allen, wie er die musicam an- 
stellen m¢ichte, fblge leisten. 

Articulus 35. 
Vert der calcanteu lohn und amt. 
Der calcanten, se die windbelgen der orgeln 
treten, werden allewege vier gehalten, diÇ haben 



Kirchenordnung fur Danzig von 1612. 

aile quartal ein jegl|cher 3 /g, thut das ganz«. 
jahr einem jeglichen 12 ., welches ail(. quartal 
der kirchenvater, s,» den thurm verwaltet, zahlet. 
Item, aile jahr auf wêinaehten einem jeglicl,en 
sehuegeld 10 gr., thut 2 ./g. Item, von jglicher 
brautmessen einen jeglichen 5 schill., thut 
20 schill. 
Daf|ir seind sic schuldig, aile sontag(, gr«,sse 
und kleine ri.ste var und nach 
und nachmittage, und wen brautmessen sein, fr|i- 
zeitig in person, and niche ihre weiber, 
zuwarten, sa wo[ auch, se oft es der ,rganist 
begehret oder ihnen durch den signaler agèzeuget 
wird, sollen sic bereit sein, die belge ri.in glei¢l, 
und tief genugsam treten, bel denselben kein 
schrei machen, vielweniger sich hadern «del- 
sehlagen, datait veto organisten keine kla:'e liber 
sic komme. 
S«dlen aueh selbst sieh allerwege cinstellen 
und keine frembde oder weiber an ihre st,.lle 
schicken, bel verlust ihres dienstes. 

Articulus 
Wie die brautmessen gêlde empfangen 
und ausgetheilet werden. 
En jeglicher briiutigam, der eiue brautn,es.,e 
will gehalten haben, muss sich in zeiten bel den, 
glickner ansagen und ihm die brautmesse 
bestellen ablegen 5 /6. Wo «'r aher das p,,si- 
tief auf dem cher brauchen will, s,,ll er 6 
l0 gr. geben, clayon der kirche 20 gr., dem 
organisten 10 gr. gezahlet wel'den s,,ll. 
Diese fiinf. werden folgender getalt durch 
den gliickner ansgethan: 

drr sehulen oder amIers w«l,er, wen er nur dazu 
quai|tic|tel |st, und hat der rector der schulen 
il,nen hierinnen keines veges v,,rzuffreifen oder 
einzureden. 
Dersêlbe vorsinger hat aile ,llartal flir se|rien 
dieust 71/-. «#. thut flir ein ganz jahr 30 ./t'. 
Daf|ir |st er schuldig allezeit, durch das ganze 
.jahr, es sel le|er ,,der werktag, x'enn gewiil,nlicl,e 
l,redigten oder leicl,predigten gehalten werden, 
oder sonst zur metten «der vesperzeit sich in die 
kirche friihezeitig einzust.llen, datait er zu 
rechter zeit anfange zu siugen uud auch niehts 
and«.rs singe., den die gewiihnlichen alten psalmên 
und kirchengesenge, uach erford-rung der jahr- 
zeiten, ne,ni|ch seiche psalmen und gesenge, se 
.je raid allezêit in diesêr kirchen gesungen sein 
w,,rden. Und dass er bel verlust seines dienstes 
und lohnes sieh niche unterinde, desfalls neue- 
rung(«l einzufiihren. 

Artieulus 88. 
Von des gl5ckners lohn und amt. 
Dem gliickner gibt man aile quartal fiir 
se|heU dienst 6 /, thut das ganze jahr 24 cœ. 
I)aneben hat er freie wohnung und eine freie 
deutsche scllule, auch einen freien bier»challk und 
dazu zween keller kegen der schule auf den, 
kirc],l,,,fe zinsfrei. Imgleichen bat er aueh zu- 
geniessen von den glocken, s- ,,ft sic zun leichen 
geleutet xverden, nemlich v«n der grossen 
gl«,cke 10 gr. 1 schill., von (lot. (tsanna 14 gr. 
und v,m der Apostolica 1 gr 1 schill. Item vert 
einer jeglichen brautmesso 13 gr. 1 schill. Hie- 
neben bat el" auch. was il,nen die let,te, se sie 

Erstlich gebtihret dem capellmeister. .. 1 ge. 0  ' gefatter stehen, wegen bestellung der taufê, wie 
dem organisten .......... te 1 gr. 0  0 ] auch von braut und brautigam wegen des trauen 
der schulen ....... /t 1 gr. 0 ) 0 aus guten willen verehren, zugeniessen. Item 
dem gl5kner fgr seine M6he g 0gr. l?, t, 6 festgeld bat er auf ,lie drei gr,,ssen f,..te im 

den calcanten .......... t( 0 gr. t;/ 12 
den nachrest muss der gl6ckner zu 
ende eines jeglichen jahres dent 
kirchenvater, se die glo«ke vervaltet. 
in rechnung einl,ringen und zahlet, 1 . 0 ,  
Sun,ma wie ol,en .1 5 gr. i; ; ) 
Additio: Ann« 1615, 1.S. Mai. Weil auch 
der glickner, wie gemeldet» die brautmessen be- 
stêllet, se soli weder er noch jemand von seinet- 
wegen etwas liber obgenante 5 ./ zu trnnk- 
gelder fordern. 

Articulus 37. 
Von des vorsingers l,,hn und ame. 
Es stehet bel den kirchenviitern, wie 

iahr. als weinachten, ostern und l,fingsten, ails 
deln kirchenseckel zugewerten t'tir sich 10 gr. 
und fiir se|rien geh|ilfen 10 gr. attf «.in jeglich 
lest. ltagegen |st er wiedernm schuldig, alh.zêit 
die kirche in guter acht zu haben, hei rage und 
bel nacl,te, wie auch die «lresskammer mit allem. 
was itme all kil'ch«.ngeriitl,e vertrauet und in se.in 
gewarsam gegeben, w,,I zu bewahren und den 
kirchenviit,'rn, se oft sic es begehren, zu zeigen 
und bescheid dav,,n zu geben. Die kirche zu 
gebiirlicher zeit auf und zuzuschliessen, die lichtr 
aurh, wên es zeit |st, anzuzindeu und aus- 
zuleschen und die kurzett ende derselhen. 
niche mehr angeztindet werden, fleissig autuhoben 
und zubewahren, datait sic zu den neuen lichten 
mi|gen gebrauchet werden: auch allerwege fl«.issig 

alters gebriuehlich, wem sie zu einem v.rsinger aufzuwarten und aile sachen seines amtes zu- 
bestellen oder annehmen wollen, es sel einer aus  verrichten, als« da die kirchenviiter mit ihm zn- 



214 Polen. Die ehemals lmlnischen l.andestheile des K6nigreicbs Preussen. 

frieden sein kiinnen. Item, das er auch von den Ioder jemand anderes vert der kirchon holz, kalk, 

glocken, begriibntissen und brautmessen gelden. 
die er einnimmt, in gebttrlicher zeit, den kirchên- 
vitern rochnungund reliqua zu thun un- 
»eumi sel. 
Wen das ampt in der kirchen gêhalten wird, 
it er schul,]ig, alles was dazu gehiirig in zeileu 
z bestell«-n den wein, se iibrig bleibet, fleissig 
zubewahren, und se, lange ,las bucll, die kanne, 
der kelch ulld die pat,.n«, auf dem altal" stehen, 
gute achtultg darauf zu geben, dalnit an den- 
selben nicht ein uufur, raub ,der diebstal durch 
jemand geschehe, s,,ll anch sonst in allem, was 
ihme die kirch«.nviter sampt und sonderlich in 
kirch«.nsacheu auferlegen ,ul«.r befehlen mtichtel 
getreulich und fleissig verrichten u,d jil,rlich ihre 
kirchen rechnungen fein reinlich zu huche tragen 
und sonst ausschreib«.n. 

Articulus 39. 
Von de kirchenknechts lohn und amt. 
Item kirchenknecht gebiihret zu l«,hn alle 
,iuartal  .tg daneben hat er freie wohnun¢, se 
xxol auch bes«mdere accidentien, als dal'tir, das er 
,len leichstein ,,der flieseu in der kirchen zeichnet, 
untvr welche eine leichc s,,ll r«-Ieget werden. 
nemlich ftir einen leichstein 10 gr. und Ftir 
fliesen 5 gr., und dann auch v,m dem umbbitten 
zum begribntiss darnach ihm weitleuftig zu bitten 
befi,hlen wir(l. .ledoch das er die leute nicht 
iber die billikeit beschatze. Dess s«,ll ihm kein 
frembder umbitter in d-;esem kirchspiel eingrifl'e 
thun, es ge.chehe den mit der kirchenviter ,,der 
einem vorwissen und willen. Item v«n dem 
sehwarzen gewande datait dag trauerhaus und 
fiir dên thiiren I,eschlageu wird, v,,n einer jeg- 
lichen r«,lle, die nicht unter 15 ellen helt, 5 gr., 
:oviel derselben r«dlen zum beschlagen v,»n tien 
verwandten des w'rst.rbenen hegehret werden. 
d«gleichen fiir das schwarze lacken auf dem 
sark 10 gr. oder anch 15 gr. darnach dasselhe 
fein ist, wofvrne demselben sark die verwandten 
mit ihren eigenen laken nicht bekleid«-n. Zudem 
wird ihm auch festgeld ans dem kirchbeiteln auf 
die :3 grosse leste mitgetheilet, nenllich auf ein 
jeglieh lest illm 10 gr. nnd seinen gvhtilfen 
10 gr. 
Fiir dis lohn und accidention ist er schuldig 
ailes dasionige  was ihm die kirchenviter be- 
fhlen und seines ampts ist getreulich, fl«*issig 
und unv«.rdross«.n zu verrichten, soli auch aile 
einkiinfte v,,n zinsen der kirchen getreulich und 
fleissig einnehmen nnd anschreiben auch aile 
sachen, zum kirch«*n gebau gehiirig, in rater be- 
wahrung halten alto das weder durci, ihn selbst 
noch durch die zimmerleute maurer, handlanger 

stein oder andere rettschaften etwas veruntreuet 
oder abhendig gemacht werde. Weil er den 
auch sein gebtir nimbt, die l«,ichsteine und fliesen, 
 darunter leichen zu legen zu zeichnen ist er 
dargegeu auch schuldig', auf die tt,tengriber gute 
achtunge zu geben, das die graber tief genug ge- 
macht werden und wo es nieht geschieht auf 
seinen befel,l, soli er es den kirchenvttern treu- 
lich attmeldeu, datait nicht klage dariiber komme. 
Imîall auch die todtengriber irkeinen leichstein 
oder fliesen im aufheben oder legen zerbrechen 
oder die kante ahstossen, soli ets treulich an- 
melden, datait d,.n leuten oder der kirche nicht 
schaden dadurch geschehe, und da es gesehehen, 
das die todtengriber in strafe genommen werden 
mtigen. Sonderlich aber soli er auf rien kalckhof 
ail der kirchen ein fleissiges auge haben, weil 
derselbe vielmals off'en gebalten wird das daselbst 
nichts entwand oder zu anderen gebiuden, se 
die kirche nichts angehen, gebr,uchet oder ver- 
nutzet werde. Auch soli er allezeit um die 
arbeitsleuten sein, sie fleissig zut arbeit ver- 
mahllen und mit fleissig aufschreiben wie lange 
sie gearbeitet haben, datait niemand liber gebtir 
zahlung eml,fang'e. S-il auch schuldig sein vert 
aller kirchen rettschaft se er in seinem gewahr- 
saine, hat, wie auch, was et- an gelden wegen der 
kirchen empfangen und ausgegeben, den kirehen- 
v:.itern wochentlich in sl,ecie genugsame rechnung 
uud reliqua zuthun, je se riel und oftmal sie es 
von ihm begehren. Imgleichen soli er auch wol 
zusehen, das der kirchenwohnunge und das 
kirchengebau an dach und rinnen dieht und ge- 
sund erhalten werde damit durch regen und 
schnee kein schaden daran gesehehe. Und da 
etwas mangelt, getreulich und in zeiten ansagen, 
damit der mangel gebessert werde, soli auch be- 
stelh.n, das die kupfernen pfannen auf der 
kirchen jiihrlich zu rechter zeit mit wasser ge- 
fiillet und wiedrumb ausgegossen wie auch der 
blindeu t«,nnen jiihrlich fur ostern ausgesehiiret 
werden. Den kirchhof soli er durch den hunde- 
peitscher und sein weib reinhalten und den ge- 
stank in den winklen hin und wieder mit 
wasser wegspielen laqsen, auch auf den mist- 
threr fleissiff achtung geben, das er fleissig 
ausffil'e. 
Desgleichen soli er auch die obgenannten 
rolh,n gewand wen sie veraltet und kaal worden 
sein, abschaffen und neue in die stelle zeugen, 
damit die leute se ihr gebtir davor geben, liber 
die alten lumpen sich nicht zu beschweren haben. 
In summa, der kirchenknecht soll den kirchvP.tern 
saml,t und sonderlich seiner amtspflicht nach alle- 
wege zu gebot stehen und allemahl einen zedel. 
was er nnkosten gethan zum gebude uud 



Kirchenordnung tu," Danzig von 1612. 215 

attderen dingen, nad der numero aach, tthergehen 
dem herrn, der desselben quartals zahlunffe 
valtet. 
Articulus 40. 
V,,n des signators lohn undt ami, t. 
Der signat,,r fi, rdert sein ,luartalg«.ld flir 
sich und fiir die blinden glockenleuter und cal- 
canten zugleich von dm kil-chvatr, der den thurm 
verwaltet, und gebtiret den glockeuleuteru saml,t- 
lich. uemlich sechs l,ersonen, dartndcr der sig- 
nator mitgezehlet, 12 .t und d«.n vier calcanten, 
darunter der signator auch mitgezchlet, imgleichen 
12 /.. Item, dem signator zwo katzen auf dem 
thurm zuhalten, um der orffelbelge willen, 1 
Hiezu dem signat,,r, den thurm reinzuhalten, 1 /[. 
Noch daftir, dass er nach der zeit des gewitters 
die fenster auf dom thurm auf und zumachet, 
fenstergeld 1 gr., thut das ganze jahr zusammon 
diese drei parteien 26 .ge 1.q gr., wovon der 
signator fiir seine pers-n bekontpt 7 ./_t' llq gr. 
Hieneben bat er von der kirchen ein« freie 
wohnung und dazu sond¢.rlich accidtmtias t sic '., als 
von den leinen lakon, so man den trauerhiusern 
an die giebel henget, von den grossesten (die 
auf verordnung eines erb. raths nicht mehr 
 schrott haben sollen) bel gutem wetter 
oder ira t»tisett wetter 2 ./g txud dariilaer nichts, 
v,,n kleineren laken soli er auch weniger nehmen, 
und die leute dessfals nicht iibersetzen. Welche 
leute aber ihre eigene laken haben uud die- 
selben au«h selbst au»henken wollen, soli ihnen 
frei sein, ausgenommen die gr«,ssen, w«.lche nie- 
mand den allein der .ignator in diesem kirch- 
spiel zu verheuren und auszuhenken soli macht 
haben. Es warc ,lann in sterbensleuften, da 
wegen vielhoit der verstorbenen an s,,lchen lak,'n 
mangeln miichte. Fiir das aushenken solch«.r 
gross,n laken gebiihrot ihm, weil ets sell,st ara 
besten zuverrichten weiss, 1/_ /[ od,.r b«.i boisera 
wetter 2 M6. Item, das or dt.r schuelen 
leiehe ansaget, 5 gr. l»esgleichen schlegt er 
auch die schwarzen trau«.rtiicher des kirchon- 
knechts im trauerhaue und fiir tien thiiren an 
daflir gebtihret ibm, dom signat,,l', v«,n jeglicher 
toile 1 gr.; fiir dasselbe geld ist er auch schuldig, 
dieselben wieder abzunehmen; fiir nigol zum be- 
schlagen gebtihret ihm zum meistell 3 gr. und 
muss auch der signator dieselben trauertlicher 

5[. gr., hehelt als¢, noch ftir sich 14/z gr. Hiezu 
hat er wen die I}sanna geleutet wird, 3 gr. 
12 .. Item, wenn die Apostolica der leiche gc- 
lcutet wird, fiinf schillinge. 
Des signatoris ehefrau hat die gerechtigkeit 
das sie um ein gewisses gel,l die frauen zum 
begrebniiss bitt% und w,» sic dazu nicht tiichti 
soli sie ohne vorissen und wil]en der kir«hen- 
vitern keitte andcre nehmen, eiue gehlfine aber 
nebon sich zuehrauchen, stehet ihr froi. .lodoch 
das weder durch die siffnatorin noch durch ihre 
gehiilfintt« die leut«, nicht liber g«'bilhr geschitzet 
werden, datait nicht klage liber sie komme. 
lageen s«ll der signatçr schuldig sein, das 
er sich mit essett und trinken niichtern und ntessig 
halte, auf das er allez,.it beid., tag und nacht, 
seine amtswerke wol rerrichten mtige, den thurm 
mit den glocken in guter acht habo. niemand 
fremdes -hne vorwiseu dr hrn. kirchonvater 
drauf fiihrn, sond«.rlich aber darumb da etwa 
Iwelches g«,tt verhiite ein feuer aufinge oder 
ihm von d.r obrigkeit angesag wiirde zu sturm 
zuschlagen, das er aldann bereil s.i und sich 
nicht sume, dasselbe zu vet'richten, llie b¢.te 
elocke se,Il er zu r««hter zeit schlagen, auf die 
blinden gutc achtung g«.ben, dass sie alter 
w«,hnheit nach zu gewissen und rechter zeit 
leuten und beigern uud nicht vergessen, die lange 
gh,cke zu leuten, w«n es zeit ist. Und se, sich 
jemand uuter ihncn ungebiihrlich verhalte 
ets den kirchenvatern anmelden. Die gelder aus 
den trauerhausern, so w«,l fïr das leuten als fiir 
das begrbnii,s, soli er, eheden die leiche be- 
grahen wird. treulich abtbrdern uud als,, wie 
gebreuchlich ablegen. Wrde sich aber jemaud 
weigern, solche geldc abzulegen, soli er macht 
hahen, don todti.ngrbern zu untersagen, das graç 
zumachen, bis die zahlung erfolget auch gute 
achtunff drauf gebeu, das die leichen iiber gebiir- 
licher und angesetzter zeit icht unbegraben 
bleib«'n, sondern w,, es geschehen, die drauf vor- 
ordnet, strafe abtbrdern. 
llieneben ist er schuldig, jahr nus jahr ein. 
allezeit zwo gute katzen die w«,! mausen, auf 
,lem thurm zuha]ten; fr «las g«']d: so ihm dazu 
ver«,rdnel, dies«.lben zu sl,eisen, dass die ralzen 
tmd muse dio be]gen der ,,rgel nicht zu nag«n. 
Un«l was ihm sonst die kircln.nviiter sampt uttd 
sonderlich befehlen mi;chten, mit floiss und fie- 

auX' seine 
bringen. 
meldet, das der signator, wen er das geld fiir 
die grosse glocke im trauerhause empfangen, 
20 gr. daftir fiir sich behelt. Volt diesen 20 gr. 
ist er schuldig, àen blindn zu ihren 4 d, so 
sie ftr das leuten der grossen glocke nach aus- 
weisung dos 22 articulus empfangen, zuzulegen 

unkosten ins trauerhaus ein und aus- I treulich ausrichten. 
Item, hiebevor ira 21. articul ist ge- 
l 
Articulus 41. 
Von des kirchet metirers l,hl un,I atttt. 

Die kirchenviter haben ira jahr 16tt) an, 
80. rage Mai mit dem neurer doachim lSlom«t, 
wegen seiner arleit fol